Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1829 (19.3.1924)
- Date
- 1924-03-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Clazelnammer K1200 Wien: Zum Abholen In der Expedition, II.,Taborstr. 1 *3, oder in einer Versehleisetelle (Trafik') monatl. K 35.000 ^Kassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma GoIdschmiedt,I.Bezn Wollzeile 11. - Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 35.000 .Ts checho-Slowake J Mon. K 18. Jugoslawien: Mon. DinaröÖ. Polen: Mon. 3‘/* Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, Frankr., Belsrien1 Mon. Frei. 12 bei Prei*erhöiiiin<’cn vorbehMtee Wiener Wi hAXd NERO htlsnnioli.iit.390.iNf Italien: Monatl. 12 Eire, Rumänien Mon. 130 Bulgarien Mon.80 Lewa, Schweiz und das übrig« Ausland monatlich Frei. 4 Redaktion u. Adrainiatratioi Wien, ILfTaborstraasel—5 Telephone: 44-0-33,43-3-19, ab 6 Uhr abds. 19-483,25-283 Tel.- Adr.:„Mory^n*eftunjr*' Wien Oesterreiehisehes Postspar» Itassen-Konto Nr. 150.698 jjt. 1829 t_Wien. Mittwoch, 19. März 1924 6. Jahrgang Re französische Finanzresorm. Amahme der Finanrvorlagen durch den Senat. — Sie Bedingungen der amerikanischen Anleihe: Unbedingte Anerkennung der Resultate der SachverstSndigenkomitees. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 18. März. Der Sennt hat heute nachmittags die Finanz.vorlage zu Ende beraten und sie in der Schlußa'bst'mrrnung mit 181 gegen 23 Stimmen angenommen. Die fünf sozialistischen Senatoren haben gegen die Vorlage g e st i m m t. Die meisten Demokraten haben sich der Stimmenabgabe enthalten. London, 18. März. Der Pariser Berichterstatter des „Daily Heral-d" bestätigt heute, daß der Präsident der Bank von Frankreich sich Morgan gegenüber habe verpflichten müssen, daß Frankreich währendderamerika n i s ch e n Stützu ngsatt i o n seine schwebende Schuld nicht vergrößern und keine Anleihe herausbringen dürfe, deren Verzinsung nicht aus den ständigen Mitteln des Budgets gedeckt sei. Die französische Regierung habe sich ferner verpflichtet, die Empfehlung des Sachverständigen^ ausschusses der Reparationskornnnssion betreffend die Reform der deutschen Finanzen und die Stabilisierung der deutschen Währung a n z u n e h m e n. Der Berichterstatter bemerkt, daß die Bedingungen, die Po in ca re angenommen habe, in Frankreich lebhafte Unruhe erregt hätten, da man sie jetzt, nachdem der Franken sich so schnell erholt hat, als zu hart empfinde. Sie Arbeite» der Sachverständigen beendet. Fertigstellung des Berichtes bis anfangs April. Paris, 18. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg") Der ,IemPs" teilt mit, daß die technischen Arbeiten der beiden Sachverständigenkomitees als beendet angesehen werden können. Es handle sich nur darum, den Sachverständige »bericht ansznarbeiten, was voraussichtlich bis anfangs April dauern werde. Es frage sich auch, ob die Berichte zu. gleicher Zeit veröffentlicht werden können, wenn sie. der Neparaticmskormnissicm überreicht werden. Die Sachverständigen befürworten im allgemeinen die sofortige Veröffentlichung, um zu vermeiden, daß durch.die Indiskretion falsche Jnformati.neu in die Oeffentlichkeit gelangen. FrauMch-tschrchische Eeheimabmachungen? Berlin, 18. März. Das „Berliner Tageblatt" veröffentlicht verschiedene Dokumente über augebliche Geheimabmachüngen Zwischen Frankreich und der Tschecho- Slvwakke-i. Danach sei das wichtigste Aktenstück eine am 24. Jänner d. I., also gleichzeitig mit dom Abschlüsse des fvan>zösisch-t>schechy-slvwa!kischen Freuu-dschaifts- und Bündnisvertrages in Paris von Poincare und Beuesch Unterzeichnete Deklaration, die in einer Reihe von Artikeln für verschiedene Konfliktsmöglichkeiten. Mmachuugen treffe. Neben dieser Deklaration bestünde auch ein Gcheimprotokoll vom 25. Dezember 1923, das mit dem Beitritt Südslawiens zu dem Vertrage und auf eine Verbindung mit Polen und Rumänien rechne. eine Avterhauranfrage über den englischen Kredit. London, 18. März. Kenworthh wird am Donnerstag die Negierung im Parlament befragen, ob die der Bank von Frankreich zur Unterstützung des Franken gewährten Kredite im Einverständnis mit der britischen Reigevung gegeben worden sind, ob die Bank von Frankreich mit der Londoner Regierung konferiert habe und wie groß die Kredite sind. London, 13. März. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Nach einer Mitteilung des „Daily Expreß" sei es die Bank Lazard Brothers, die der französischen. Regierung in Verbindung mit Zier anderen Banken eine Anleihe von 4 M r l l i o n e n P f u nd S t e r l i n g getvährte. Die Bank von Frankreich habe dafür einen Teil ihres Goldbestandes verpfänden müssen. Die französische Negievung hat, dem Blatte zufolge, vorher vergeblich versucht, bei der Bank Samuel Mon tag u e Kredite zu erhalten. Die Lehren der Krieger. Paris, 18. März. Die Kammer hat heute die Be- 'Talung einer Vorlage Mer die a 11 g eme i n e O r g a n isatioit der Armee eröffnet. Berichterstatter Fa b ry erklärte in seinem Bericht /daß die Lehren des Krieges sich in folgende vier Punkte znsamimeusassen lassen: 1. Verteidigung der Grenzen. 2. Ausbeutung aller Hilfsquellen des Landes für die nationale Verteidigung.- 3. Heranziehung der Kolonien und ihrer Reichlümer für die Verteidigung des Landes. 4. Befolgung einer Politik, die im Kriege falle die Unterstützung der größtmöglichsten Zahl von Ländern sichert. „Jas Buch der Fett." Die Literaturbeilage der „Wiener Morgenzeitung". Heute erscheint znm ersten Male unsere literarische Beilage. Wir machen unsere Leser auf das in dieser Beilage enthaltene Preisausschreiben besonders aufmerksam. Kn russisch-chinesischer Konflikt. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Moskau, 18. März. Am 14. d. hatten der russische Vertreter in Peking, Ka ra cha u, und der Bedollmächtigte der chinesischen Regievung, W a n g, einen Vertrag über die Wtvdcranfnahme der diplomatischen Beziehungen unterzeichnet. Als es zur Unterzeichnung der Reinschrift des Vertrages kommen sollte, verweigerte die chinesische Regierung die. Bestätigung der Unterschrift Wangs. Karachan protestierte dagegen und erklärte, daß er die volle Verantwortung für -bcn A b b r u ch der Verhandlungen der chinesischen Regierung anferlege, falls die Unterschrift Wangs nicht binnen drei Tagen bestätigt -werde. Ts chitscherin - hat dem chinesischen Vertreter in Moskau gegenüber auf die Felgen dieses Verhaltens hingewiesen. Die Geduld -der Sowjetregievung 'habe ihre Grenzen überschritten. Es wird vermutet, bafj die Haltung Chinas ans fran-- Mische und amerikan-ilsche Einwivkuingen hin erfolgt ist.- Autoritittswiihlen. —y. Wien, IS. März. Die ftcmzösischen Wahlen werden erst nach den deutschen stattsinden. Das ist ein sehr geschickter Schachzug Poinc-ares, der als guter Beobachter der Vorgänge in Deutschland aus der Situation alle Vorteile zu ziehen vermag. Denn in Deutschland wird diesmal auch die Entscheidung darüber gebraut, wie die zukünftige Kammermehrheit Frankreichs beschaffen sein wird. Die Pariser Presse widmet, uni der Regierung gefällig zu fein, einen ansehnlichen Teil ihres Raumes den Berichten ihrer deutschen Korrespondenten und diese befassen sich jetzt hauptsächlich mit den Wahlen und den sich um dieses Thema rankenden politischen Ereignissen. Dieses lebhafte Interesse entspricht maturgemäß auch dem Bedürfnis der französischen' Wahlmacher, die sich diesmal ihre Anregungen ans Deutschland holen, weil sie dort die Wahlparole finden, die sich noch stets bewährt hat: den Patriotismus. Ihrem 'Geschrei entnimmt dann wieder der deutsche Valerländler und Revanche-Enthusiast seine Parolen, und:\o wäscht eine Hand die andere. Es ist das ein für die Veranstalter persönlich ungefährliches, aber sehr einträgliches Geschäft. Sie schreien helmbnschumfl-attert vom Krieg, den ja nicht sie, sondern das Volk schlägt und bezahlt.'.Aber ihnen winken fette Wahlsubventionen der - Schwerindustrie, Lobsprüche der Militärs und schließlich die Abgeordnetensitze, die ja auch nicht zu verachten sind. Wenngleich sie in der öffentlichen Wertung bedenklich gelitten haben. Denn hier wie dort sind, die.Kammern im großen und ganzen nichts als trengchovsaMe Steüerbewilligun-gsmaschiMn gewesen. Der Respekt vor hei politischen Tribüne hat. sich. darob z vsrflMM.-. Äm Deutschland spielt die MoUte.'DffMür/eW-'/WiiHH! Rolle in der politischen Diskussion und.auch iff Fiüm-i reich sucht sie ihren Platz an der 'Wirtshansbank. . Es ist ein paradoxer Zug in der deutschen Politik, daß es diesmal, bei den Reichstagswahlen in erster Reihe um.den Parlamentarismus geht, und daß -Parteien in den Wahlkampf eintreten,'deren Äeg zugleich, ihr eigenes Ende wäre. Der Morpion, der sich selbst in den Unterleib sticht,'gerät hier in die Politik^ Die Völkischen, die Nationalen und die Kommunisten Haffen alle in der gleichen Inbrunst das Prinzip, das ganze Volk mit dem gleichen Recht seine Vertreter.auswühlen zu lassen. Sie wollen dem DM diktieren, unter wessen, Leitung allein es glücklich zu werden vermag. Die einen präsentieren ihm das Direktorium der großen Männer, die anderen die Volkskommissare. Der .Weg zu diesen - Zielen ist eine lange Strecke weit -der gleiche- und er gabelt sich erst irgendwo, am Horizont. Aber er.würde über , die Leiche der dsinokratischen Republik gehen, die mit dem Schicksal ihres Parlamentes steht und - fällt.; Siegen die Rechts- oder die Linksflügler, dann hohensie selbst nichts mehr zu reden und alle Macht im Staate geht dann auf ihre Meister über. Das wissen sie natürlich auch. Trotzdem nehmen sie an dem Wahlkampf teil, weil sie alle — sie leben ja .in Deutschland — die legale Grundlage für ihren Staatsstreich suchen. Mit Revolution und revolutionärer Entschlossenheit sieht es nämlich in Deutschland s-mderbar aus. Man kann das jetzt an dem Münchener Prozeß studieren, der nebst anderen schönen Dingen auch das Detail zutage gefördert hat, daß die Putschisten ihre Unternehmung'aus den Artikel 40 der Verfassung' basieren bestrebt Ivareu. Das.sind die Rechtsbolschewiken. .Ihre Antipoden wieder leben geistig von dem Gesetze zum Schutze der Republik. Es muß immer nur ein Paragraph gefunden wer-, den, dann verliert selbst die anrüchigste „nazjonale Sache" ihren odiosen Charakter und klingt in die Wacht am Rhein aus. Der Paragraph ist eine Autorität,.ohna die die Gesinnung nun einmal nicht besteben sann. Hat man keine Obrigkeit, dann schasst man sich eine und alle Schmerzen der Republik resultieren letzten Endes nur daraus, daß sie sich nicht ordensbehängt dem Bürger überall in den Weg stetst n kann. Er sicht üe . nicht, er vermißt den Amts mann, der ihn ans die Schulter schlägt und ihm befiehlt. Als Ludendorff die deutschen Sol-' daten in die Feuerhölle von Verdun jagte, stand die . Teppiche MYorMwe Herren- und Damen Wäsche, Regenmäntel, engl. Wollstoffe, ferner Bettzeug u. Webwaren, alles erstklassig und billigst im Warenhaus b Schiff mann II. Taborstraße 48 Telephon 47-1-78 En groa 3» dtatall