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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-18 · Heft 1828 (18.3.1924) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1828 (18.3.1924)
Date
1924-03-18
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Ar’ IM__ JBüsb, MnZtag_ Äsesbericht. Sus Schachmeisterturniek in Neiv> Yorl. Rew-Aarl. 16. März. (Spezialtelegramm der „Wiener Morgenzeitung".) Das große internationale Schachturnier, an dem Dr. Emanuül LaSker, Capablanca, Aljechin, Retl, Dr. Tartakower, Bogoljubow, Maroczy, Aales, Marshall, Janowski, Eduard Lasker und Kriptschik (Netv-Dork) teilnehrnen, hat heute begonnen. Die erste Runde hat bisher folgendes Ergebnis: Tartakower schlägt B ogoljubownach 58 Zügen. Aljechin gewinnt gegen AateS. Dre Partie Capablanca—Janowski ergab bereits nach 20 Zügen remis. Nach längerer Dauer wurden auch die Partien Marshall—Retr und Maroczy— Eduard LaSker remis gegeben. MV« vor Stticht. Der unseren Lesern bereits bekannte Heransgvbci. des in Graz erscheinenden hakenkreuzlerischen Sudelplattes „Der M i ch e I", Hans Kipper, wurde dieser Ta>ge seines Nimbus im Gerichtssaal entkleidet, wo er als Kläger gegen ’mi Verantwortlicher RedaLteur des „Arbeiterwille", Wenzcll.Ende rs, auftrat. Enders wurde zwar verurteilt, aber Kipper Rarste nach den Enthüllungen, die dieser Prozeß brachte, für 'Miner erledigt sein. Die Borgeschicht-r der Angeileqeicheic ist kirrz folgende: Im „Michel" erschien nach der Ermordung Rathenaus eine Katiz, in der unter anderen: folgende Rvheilen zu lesen waren: „Rath'naus Tod ist ebensotvenig ein Unglück, als der T o d d e s Verräters und Erfüllers Erzberger ein llugWck gewesen ist. Im Gegenteil! Wir betrachten es als ein Glück im Unglück, als ein hoffnungsvolles Zeichen für die Zu-kunst. daß aus unserem VoMe noch Kräfte sprießen, die die offenen, und geheimen Verräter unschädlich .Aachen. In dieser Judenr-epudlik ist ihm die Ausgabe Merl geworden, das deutsche Volksver-mögen auf -dem Wege über Frankreich möglichst reibungslos in den Rachen der jüdischen Weltsinanz überzusühren — als deutscher Erfülluirasin imstor! Dieser Ausgabe haben ihn Ba t erlandssr e u n de entledigt — durch den Tod! — Tod den Vaterlandsverräte-rrr!" Dar „Aubeiterwille" reagierte darauf in einem Artikel, worin der ,Michel" als ein Blatt bezeichnet wurde, das von eirrem Pathologischen Buben für ein paar pathologische Buben geschrieben sei. Der Macher des Blattes fei der aus dem Raubmord-Prozeß Koschuh—K'i pper und Konsorten bekannte Hans Kipper, dessen Frau als Geliebte des Linen Raubmörders aus dem scheußlichen Raubmord Vorteil zog.,^Kipper, dersich da, in Druckerschwärze gehüllt, als deutscher Dolmetscher ausführt, wurde von >dem Raub morde r- Wienee _ Hams-sr«uud auL der Beute bewirret und ist außer als Ianrnrersigur nur noch als jener Schwindler bekannt, der in Amlvncen eben desseliben M-Luchelmordblattes Lvijien unter allen nröglichen Vorspiegelungen Millionen a b l o ck en will." Kipper gab in der Verhandlung, die Samstag vor dem Grazer Schwurgerichte stattfand, zu, daß er von der Beute des Raubmordes an Smida in Fürstenfeld, der von Repitsch und Richter unter M'rtwissenschaft der Koschuh und der Frau Kipper veri'rbt wurde, keinen Vorteil zog, er sei aber mit der Mordgesellschast in einer Loge im Orpheum gewesen. Er gab auch zu, daß seine Frau mit. den Mördern in Wien tvar, und baß die Frau zwei Paar neue Schuhe mitbrachte. Frau Kipper als Zeugin ovblärte, ihre Ehe sei unglücklich gewesen, weil sie ihr Mann oft geschlagen hal-e. Sie wolle beweisen, wie verlogen »nd charakterlos Kipper ist. Kipper: Habe ich irgend einmal gelogen? Frau Kipper: Deine erste große Lüge toar, daß öu als Geschlechtskranker geheirat et h a st. Du hast mich krau? gemacht und ich/leide heute noch daran. Dieser fürchterliche Umstand hat unsere Che zerstört und mich ins Unglück gebracht. Kipper fragte seine ehemalige Frau, ob sie ihn sonst noch einer Schäbigkeit bezichtigen könnte. Zeugin: Herr Kipper, Ihre S^äbiFkeit besteht darin, daß Sie als Antisemit und Hakentreuzler mit Juden Geschäfte gemacht und .viele Leute hinein gelegt haben. Vorsitzender: .Haben Sie Schwüre geleistet, wie Ihr Mann behauptet'? Frau Kipper: Ja; er hat mich oft im Zinrmer eingesperrt und mit den: Revolver gezwungen, Verschiedenes zu beschwören. Der Verteidiger Dr Kurzweil stellte sodann unter Beweis, daß Kipper in Annoncen seines „Deutschen Michels'' Geld für völkische Zwecke sucht«, daß er dieses Geld zu billigen Zinsen nahm und p höheren Zinsen weitarigab, und zwar zu so hohen Zinsen, daß man 'aas Wucher nennen kann Außerdem hat Kipver mit der indischen Gesellschaft Karpathia ein Holzgeschäst von 17 Millionen gemacht, ja dieses eigentlich gar nicht existierende Holz sogarHtveima! verkauft! Kipper erklärte nun, daß er mit der deutschen Heimftättensparkasse gemainiam eine dentsÄarische Gel4m ein 'Iagest: I1 •c gegründet hat — zur Einlage in diese Kasse tonrden jedoch nur die bedauernswerten Leser des „Deutschen Michels" durch Inserate gewonnen, während Kipper, als ihm, wie er selbst erzählte, seine zweite Frau 308 Millionen in die Ehe brachte, er sie nicht bei der arischen 'Sparkasse einlegte, sondern er machte damit, wie er salbst zugilbt, unverfrorene Schiebergeschäfte mit Holz. " __ 18. Mär« 198_MfeÜ ' Hieraus wurden. Kippers Geldgeschäft« besprruheu. ch> . Dor Holzhändler Franz U s a r sagte aus, baß er etraiwä zwei Millionen brauchte. Kipper verlarrgte 10 Prozent. Zeug« sei der Meinung gewesen, es handle sich um 10 Prozent pn Jahr, er sei jedoch nicht wenig erstaunt gewesen, als Kipper bei der Rechnung 10 Prozent pro Monat verlangte. Da et das Geld notwendig brauchte, halbe er die amgcheuren Zinsen hiugeuoimnen. Ebenso wie dem Ufa« erging es dem Hausbesitzer Käme lli, der vom ,/Deutschen Michel" drei Million«:: leihweift nahm und gleich Wechsel auf 3,60V 000 K. ausstellen mußte. M8 Kainclli nach drei Monaten nicht bezahlen konnte, mußte er an Kipper für die Prolongation des Wechsels weitere 600.000 K. bluten. Der Zeuge Dr. Hölzl bekundete, daß er durch die Ber-> unttlung Kippers 150.000 K. leihtveise bokarn, für die er 1 Prozent Zinsen pro Monat bezahlen mutzte. ' Schließlich wurde durch den Zeugen S i h c rj f t t: fmgestellt, daß Kipper jüdische Inserate für sein Hakenkreuplerblatt genomlnen habe. Kipper weinte helle Trärren, um die Geschwarnen zu er » Weichen und bediente sich schließlich eines in Graz immer wirksamen Argmmnts, indem, er wioderholt mit übe>rschna.vpende.r Stimme „J«d, Jud" in 'den Saal brüllte. Dieser Gegen>beweisfühvMg Kippers frei'» schlossen sich auch die sorgsam gesiebten Geschwormn nicht, bejahten die Schuldfrag« imd eMärien den W a h rheitsbeweis als nicht erbracht, woraus das Gericht den angellagten Redakteur Enders zu vierzehn Tagen Arrest verurteilte. Als nwralrsch BevurtMer verließ jedoch^ Kipper den Saal, was deutlich aus Le::: Resümee des Grazer christlich sozialen Parieiblaites über der: Prozeß hervorgchi. Es schrieb wörtlich: ,Kipper steht als arm selige Gestalt vor uns. Es gibt kaum ein Wort des Abscheues, das für ihn passend wäre. Solche Leute täten besser, wem: st: schweigen und verschwinde n, statt im Gerichtslaal ihre Ehre reiten und noch weiter Führer des deutschen Volkes sein zu wollen." MM heiteres Wetter. Die Wetterlage hat sich geändert. Statt der bisherigen östlichen herrschen in Mitteleuropa nordwestliche Winde, die nach einet* kurz dauernden Erwärmung gestern wieder Abkühlung und böiges Werter brachten. Vormittags wechselten in Wien Schneeböen mit Sonnenschein. Die Temperatur blieb mittags meist unter plus 5 Grad. Voraussage: Wechselnd wolkig, meist heiter, Morgenfrost, tagsüber über null Grad, nordwestliche Winde. POLEN-EXPORT-NUMMER DER „WIENER MORGEN ZEITUNG" Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Oesterreich und Polen stehen in Zeichen einer wachsenden Intensität. Immer mehr gravitieren die Bestrebungen von Oesterreichs Industrie und Export nach dem Osten, und auch in Polen beginnt man die Bedeutung Wiens als wirtschaftliches Ausfallstor immer mehr I anzuerkennen, wovon die vor kurzem getroffenen Wirtschaftsabmachungen zwischen den beiden Staaten Zeugnis ablegen. Auch der in den letzten Tagen stattgehabte Besuch einer polnischen Handelsdelegation in Wien diente dem Zwecke, dem wirtschaftlichen Verkehr zwischen den beiden Staaten neue Impulse zu geben. Die „WIENER MORGENZEITUNG" bereitet eine speziell dem Polen-Export gewidmete Beilage vor, welche allen den Fragen gewidmet sein soll, die den Erzeuger und den Kaufmann interessieren.. Dies© Ausgabe soll in besonders hoher Auflage und zum Teil in polnischer Sprache zur Qsterzeit erscheinen und wird sämtlichen polnischen Handelsorganisationen, Handelskammern sowie allen bedeutenden Handels- und Industrieunter» nehmungen zugehen, die am Import aus Oesterreich interessiert sind. Die bedeutende Verbreitung, welche die „WIENER MORGEN¬ ZEITUNG" vor allen anderen österreichischen Blättern in Polen hat, bietet die Gewähr dafür, dass die Polen-Export-Beilage das lebhaftest®-Interesse der weitesten Kreise finden wird. Die. Verwaltung der „WIENER MORGENZEITUNG" sag ■33#

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