Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1828 (18.3.1924)
- Date
- 1924-03-18
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Gerte I Men, Dienstag Wiener Morgenzeitnng. Mac Donald Aber die Kohlenkrise. (Eigendienst der „Wiener Rwrgenzeitung".) London, 16. März. Im Parlament hielt heute Ministerpräsident Mac Tonold eine Rede über die Laste in der ^hlc n i n d nstr ie und erklärte, jedermann wünsche eine Medlichc Beilegung des Streites, zu der die Regierung ihre guten Dienste anbieten werde. Er kündigte an, daß der Minister sür Bergbau,- Shinwell, beide Teile für diese Woche neuerlich zu einer Konferenz eingeladen habe, in der Hoffnung, auf diese 'Leise ein Einvernehmen zwischen den Parteien herbeizuführen. Auf eine Anfrage erklärte der Premier, es seien keine Vorkehrungen für eine Besetzung des Gesandrcnpoftens in Budapest getroffen worden. Da» iigyptische Parlament. Kairo, 1.6. März. (Reuter.) Das erste äghptij che Parlam ent ist zusa inmc ng c irc tc it. König F ua d hat den Eid a u f b i c Berfas s u n g abgelegt und erklärt, daß die Regierung bereit sei, mit England zu verhandeln, itm die nationalen Bestrebungen in die Tat muzu setzen. M a c D o u a L d hat an Z a g l u I P a s ch a folgende G l it cf'wu n s chde pe s che entsendet: „Ich beglückwünsche durch Eure Exzellenz die ägyptische Nation, die jetzt, nachdem sie durch ihren Scmveränkönig >v u o b eine mV bc rite liberale Verfa.fi u n g erhalten hat, zum e r st c n m a l durch ein nach einem großzügigen System vom Volke gewähltes Parlament vertreten wird. Ich versichere Euer Exzellenz des guten Willens und der Freundschaft, womit wir das jüngste Parlament begrüßen, und unsres Bcriraueits, daß dieser Tag einen bedeutsamen Fortschritt für Aegypte u, den Erben der alten Zivilisation, in der tzlesellschaft der freien fortschrittlichen Völker bezeichnet. Aegypten und Großbritannien, davon bin ich überzeugt, sind bofriiinnt, in engen f r e u u d s chaftliche n B ezi c Hungen vereinigt zu fein. Es ist unser Wunsch, daß diese Beziehungen auf cin>rr stetigen Grundlage beruhen mögen, die ftir beide Länder befriedigend ist. und zu diesem Ziele ist Seiner Majestät Regierung jetzt und zu jeder Zeit bereit, mit der ägyptischen Regierung zu verhandeln." Die Thronrede. In ocr Thronrede führte der König aus, die ägyptische Regierung sei geneigt, mit Großbritannien über die Frage der Unabhängigkeit Aegyptens uns des Sudans in Verhandlungen zu -treten. Die ausgewiesene Ssmav-Lyaaftie. Lon-r«, 17. Mär?,. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung*.) In Beirut nnb .bü s Prinzen : und. Prinzessinnen der Kalifenfamilie angekouuncil, darunter die Gemahlin deS früheren Sultans Abdul Hamid. Schlichmz der theologische» Lehranstalten in Konstantinopel. London, 17. März. .(Reurnr.) „Daily Mail" meldet aus .'komtonrinoprl:' Infolge der neuen Regierungspolitik auf dem Gebiete des Erziehungswesens sind sämtliche t h e ol o g i i cd e n Lehranstalte n geschlossen worden. Eine tzrMrnng der nnaarischen vßlkerbnnd« delegation. , Budapest, 17. Atärz. (U. T. K. B.) Die Völkerb u n d d e te g a t i o n läßt verlautbaren: Die Völkerbunddclegcrlion erfüllt es mit Genugtu-ung, daß sie mit den Vertretern der verschiedenen politischen Parteien gestern Fühlung nehmen konnte, denn sie erachtet es auch für die Sache als ttnbedingt notwendig, daß allen Schattierungen der öffentlichen Meinung Getegenixer! geboten wird, sich ein klares Bild darüber zu machen, welche Lasten und Borteile das Sanierungsprogramm für das Land bedeutet. Die Besprechungen boten der Delegation Gelegenheit, ihre Auffassung über die wirtschaftliche und finanzielle Lage Ungarns zu präzisieren und verschiedene Einzelheiteu des Programms zu erläutern, insbesondere in dem Sinne, daß ihrer Auffassung nach die 2 3 0 Millionen Kronen betragende Ausländsanleihe genüge, teils für den Staatshaushalt eine feste Grundlage zu schaffen, teils die Währung zu ft a b i l i f i c r c « uub schließlich die zum wirtschaftlichen Wieocranfbau des Landes unbedingt notwendigen Borbe- H:-unnoit Zu schaffen. Die Beratungen. Eioensienst der „Wiener Morgenzeituu.;". * Budapest, 17. März. Tie Delegation des Völkerbundes ha: heute ven ehemaligen Finanzminister Popovics ^tnpfangen und mit ihm die Statuten der zu errichtenden N o t e n l> (i n t durchberaten. Seit 5 Uhr ist -eine Plenarsitzung der Delegation im Gange, der Minffterpräsident Graf Bethlen, Handeiämiuister Balko unt> Finanzminister o. D. Kallay bei- U'ohnen. Sozialdemokratische Märzseier in Budapest. Budapest, 17. März. (U. T.-K.-B.) Die saziali> o m o i x.a 111 dj e Partei veranstaltete gestern nachmittags vor dem Petöfi-Monuiment am Donaukai eine Mävzfeier, an der etwa 18.000 Personen teil-wahmen. Nach der Feier formierten , sich ungefähr 1500 Mann zu ciltein Zuge, der sich durch dir Kossubh-Gasse uwd die Ratoczh- Straße bewegte, wobei die Marfcllaise gesurtgen und Ms Mi ch a ej Larqltzi mchBe la KZ.« aus¬ | M i 11 w o c h den 19. März DAS BUCH DER ZEIT ||1 die Literaturbeilage der „Wiener Morgenzeitung“ iHf IH!! Beachte n S i e 'd a s:p PREISAUSSCHREIBEN des „Buch der Zeit“ Prämie: 5 Millionen Kronen gebracht wurden. Die demonstrierende Menge wurde in der Rakoczy-Straße von berittener Polizei zerstreut. Da atts der Menge Steine gegen die Polizisten geworfen wurden, zog diese vom Leder und zerstreute die Temoitftranten. Verletzt wurde niemand. Eine Gruppe von etwa 100 Personen versuchte vor das Redaktionslokal des sozialdemokratischen Blattes „Ne-pszava" git ziehen, wurde jedochvon Polizisten daran gehindert. Zu Verhaftungen ist cs nicht-gekommen. Politische Proreffe in Ungarn. Die Anklageschrift gegen die Emigranten. Budapest, 17 März. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitnng.") Demnächst findet in Budapest einer der größten politischen Prozesse -der letzten Jahre statt. Die Stc^tsamvaltschaft hat soeben die Anklagoschrift gegen jene in: Ausland lebenden ungarischen Politiker und P u b l i z i st e n fertiggestellt, welche angeklagt werden, durch ihre im Ausland erschienen Zeitungsartikeln der'Ehre der Migarischeu Nation und dem Ansehen des ungarischen Staates nahegetreten zu sein. Die Anklage richtet sich gegen Ernst Garamt, EManuel Buching e r, Ludwig H a t v an y, Oskar s 3 i, Johann H o ck, Mäkkin L o v a s z y, Bela Li rvder und Paul Szende. Die Verteidiger Dr. Gh« r f t und Dr. Horvath -werden dieser Tage'-ihve'-Einwendungen' gegen -den Strafantrag der Staatsanwaltschaft dem Strafsenat Vorbringen. Staatsgefährliche Gedichte. Budapest, 17. März. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".') Gegen Dr. Emmerich Beer, dem Führer der umgarisch- -ropublikanischen Bewegung, der jetzt im Gefängnis von Szegszard eine -eine-inhalbjährige Gefängnisstrafe -devbüßt, hat hje: Bitdapester Staatsanwaltschaft neuerdings eine- Anklage 'wegen Schmähung >der ungarischen Nation erhoben, welche Beer durch seinen Ge d i ch t b a n b „M i 11 e rnach t" verübt h<tben soll. Sein Verteidiger, ^der gewesene Staatssekretär unter Karplyi, Dr. Barnabas B'll za, >hat an den Gerichtshof eine Eingabe gerichtet, worin er die Vorlage der Akten bezüglich der Mordtaten im Walde von Orgovany nfw. verlangt. Tie HanptverhaMu-ng in -dem Prozeß findet demnächst statt. Pettolenm »nd Alkohol. " tEigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) New-Nork, IG. März. Die Untersuchung, die der Setzat . in der Petr ol enmaffär e durchgeführt, um d'e Methoden des -in dem Petroleumskandal kompromittierten GeneralstaatsatUvaltes D a u g h e r t y ftstzustellen, gestaltet sich immer schwieriger und komplizierter. Gegenwärtig, ist der Senat mit 83 Angelegenheiten beschäftigt, von denen eine sensationeller ist als die andere. So wurde gestern Q'uinby wegen gewisser kinematographischcr Geschäffte einderuommen. Das amerikanische Gesetz.ver«. bietet nämlich, Filme, die Boxkämpfe darstellen, von einem Staat nach dem anderen auszuführerl. Qninby soll ' mehr als drei Millionen Franken durch eine Kombination verdient haben, die ihm von Jesse Smith, einem intimen. Freunde Daughertys, vorgeschlagen worden sei. Am Samstag verhörte die Senatskommiffion ..(wie schon in der sonntägigen „Wr. Morgenzeitung" mitgeteilt) den gewesenen Beamten des Justizdesrartements Gasten Mae n s, Er gab an, daß er seinerzeit, als er noch Beamter des Justiza-mtes war, von der japanischen N itsu». Gesellschaft 100.000 Dollar bekonunen habe, um eine Uptersuchrlng der amerikartischen Behörden gegen eine Luftschiffahrtgesellschaft, die mit den Japanern avboitele, niederzuschlagen. Dieses Geld will Maens Jesse S nr HH, der. S e lb st m o r d begangen hat, abgeführt lebest, . . Noch größeres Aufsehen erweckte die Atrssage des Zeugen gegen den F i n a n z st a a t s s e k r e t ä r M e llon, dem er nach sagte, daß er heimlich den Whiskyschmuggel in die Bereinigten Staaten begünstige. Maen.s behaupiete, in seiner Eigenschaft als Rechercheur des Justizdeparlernents vont Präsidenten H a r d t n g den Auftrag erhalten zu haben, Schatzsekretär Mellon zu überwachen ltnd womöglich dessen Teilnahnu' an großzügigen AlkoholsK^iebungen festzn-stelleu. MacnZ 18. März M4 ■, Nr. 18» i Jr.iupteie vor der - Senätskommission, - daß ihm dies ge-- lltngen sei und baß der Schatzsckketär an dem verboten neu -Alkoholitztport nach den Vereinigten Staaten, reichlich verdient habe. ' Der Kampf «m das Petroleum. London, 17. März. Das -Reutevsche Bureau meldet' aus Mexiko: In einem Jntervi-ew eklärte der mexikanische Präsident Ob re gen, daß hochgostellte Beamte britischer Petrol eit mgesellschaften den Aufstand in Veracruz u n t e r st ü tz t hätten, mdem sie den Aufständischen Geld und Schiffe zur Verfügung, stellten' und die Regierung bei ihren Bemühungen, die Bewegung zu unterdrücken, behinderten. Obvegen beabsichtigt, die Angelegenheit untersuchen zu lasten. Zuland. Der Besuch des deutschen Reichskanzlers. Berlin, 17. RÄirz. (Wolff.) Reichskanzler Dr. Marx und Reichsmißenminifter Dr. Stresemann begeben sich am Dienstag nachmittags zu -einem zweitägigen Aufenthalt nach Wien, um den Besuch des Bundeskanzlers ü'ot* wr Seipel 311 -erwidern. Sie treffen M'itt w 0 ch nachmittags in Wien ein. Gelegentlich dev Anwesenheit des Reichskanzlers und des Ar>ßenmmistcrs in Wien, die vom Staatssekremr Pracht bcglürrr sein werden, dürften die kürzlich geführten ^Verhandlungen über die wirtschaftlichen und Han-' 'd e l s b e; i e h n n g e it Deutschlands n n d O c ft c r-;r c i cf) <5 sowie auch Die Fragen der Rechtsangleichlmg und des .Verkehrs Gegenstand einer Aussprache bilden. Der Rechtsschichverttaa zwischen Lefterreich nnd Ztalien. Nom, 15. Niärz. (Stefani.) Das Amtsblatt -per-., üfsentlicht Verordnungen, womit die Mischen Italien und Oesterreich abgeschlossenen Uobereinkommen über die A n s l i e f e r u n g v v u V e r b r e ch e r n, den gegenseitigen Rechtsschutz für die Staatsangehörigen beider Pänder und über die Vollstreckung von zivil.und ha-n-delsgerichtlichen Urteilen in Kraft gesetzt 'werden. Das Postsparkassenamt. Das Amtsblatt veröffentlicht-ferner eine Kon-ventiott zwischen Italicn und .den Na chsolg-e staa t e n betreffend' die Depots' des -P ostspä r kaffe n a mte s. im W i e n, die- S chu l d e it -der ahemaligen Lsterre i ch.i-7 f ch e n P 0 st v e r w a l tu n g und der ehemaligen Post- Verwaltungen de-r-Nachfolgestaaten, . . . , Abreise der polnischen Handelsdelegatis». Tie von dem pobn-ifchen Handelsminister K i e dron geführte polnische Handels- und Wirtschaftsdelega-'' tion ist iZamstag um 10 Uhr abends nach Wavschan zurückgereist. Zur- Vembschiedung 'Hattert sich iw Bahnhof unter' änderen eingefunden: Hundesmim'ster für) Handel und i Verkehr, Dr. Schürfst 'der' polnische Gesandte. -in Wien. - Lasocki, der österreichische Gesandte in Warschau, Post- undder Präsident der Wiener Handels-- und Gewerbekani-mer Dr. Q n ide nn s. _ Soziale Fürsorge «nd Bolksgesnndheit. Die Zustände in den Fondsspitalcrn. Atinister Schmitz gab gestern im Budge-tausschuß, wo - bas Kapitel „Soziale Verwaltung" in Verhandlung steht, eilten-.- lieber bl ick überdie Arbeiten des von ihm geleiteten Mini--'-, sterinms für soziale Verwaltung. - Abg. Dr. Bauer besprach die Frage der Alters und Invalidenversicherung und verlangte, das; die- Negiemngsparteicn sich ehestens in dieser Frage entscheiden, ob sie den diesbezüglichen Antrag zur Grundlage der Verhand-- ' lungen nchincn oder die Regierung zur Vorlage eines anderen - Antrages veranlassen wollen. . ' Abg. El der sch erklärte, daß dir Arbeiter nnd Auge-- stellten dem Minister Schmitz größtes Mißtrauen entgegen; bringen. Die Sozialdemokraten verlangen eine M'/.derung, weint schon nicht -eine Be seit! gnng der Unt-erversicherung in. der Kranken-- und Unfallversicherung, eine Erhöhung der, A r b -e il s l 0 s e n tui t e Vst ii tz un g, zuin-indest für Ae Arbeiter der höchsten Lohnklasse, und die Emfühnmg einer Leyr i lingsUnterstützung. Bezüglich der Alters- und Jnv.iliditätsvcrsicherung stellen bk Sozialdemokraten die Fordern no, > daß im Zusammenhang mit den Deilreformen in der Kranken -l und Unfallsversicheru.ng, die der Minster angekündigt hat, ein ' Gesetzentwurf über die Alters- und Jnvalidi-tätsverficheLuitg vongelegt wird. Das scheinen offenbar die Bedingungen zu sein, für deren Erfüllung die Sozialdemokr-aten bereit wären, die Erledigung. des Budgets zuzulasseu. Der größte Teil der Rüde Eldersch'' war einer Kritik der i Zustände der Fondskrauikenanstalteit gatvi-dmet. Er verlangte die Einsetzung einer p a r l a m e n t a r i s ch e n '.l n i e r ' s u ch u n g s k 0 m m i s s i 0 m Ständig kämen dort Unregelmäßigkeiten vor. Im Mlhelmmenspltal sei die Kassen-', gebarung einem ehemaligen Offizier überla,'sen >vm« den, der bereits aus dem Militävverband wegen Unregelmäßigkeiten entlassen wurde und von dem olle Welt ■ wußte, daß er sich seit Jahr und Tag mit Börsensoeku-. l a t i 0 ii -c n abgebe, im Spital einen eigenen Börse wvere i u gegründet "hatte-' -uE aust'allen Tnrw,äv-m spielte.