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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-18 · Heft 1828 (18.3.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1828 (18.3.1924)
Date
1924-03-18
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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&etfe £ Men, Dienstag Jcr Reformen und Vereinfachungen im Staatsdienst) un'D namentlich würde ich es mit großer Freude begrüßen, wenn es ermöglicht werden könnte, Teile der Anleihe für die Ausbesserung der Straßen, des Ausbaues der Wasserkräfte, für die H c b u n g der Land iv i r ts ch a f t und fiir das Nachholen von so vielem, was seit zehn Jahren vernachlässigt werden mußte, zu verwenden. Zum Schluß konstatiert der Generalkommissär, daß der Vertreter Oesterreichs bei der Sitzung des Rates als vollberechtigtes Mitglied die Resolution mit angenommen hat. Besprechung zwischen Zesyel. KleMZ und zimmern»»««. Bundeskanzler Dr. S e i p e l, der durch eine leichte Halsentzündung verhindert war, gestern das Amt aufzusuchen, hatte nachmittags in seiner Wohnung eine längere Unterredung mit dem Generalkommissär Dr. Zimmerman. Der Unterredung wohnte Bundes» minister fiir Finanzen Dr. Kienböck bei. Ueber das Ergebnis der Verhandlungen in Genf wird noch im Laufe dieser Woche im H a u P t a u s s ch u ß ein Bericht erstattet werden. Es siebt zu erwarten, daß bei dieser Gelegenheit auch der Brief des Bundeskanzlers Dr. Seipel an den Völkerbundrat zur Verlesung gebracht lvird, der die ganze Angelegenheit ins Rollen gebracht hat. Sie Wahlen in Karvathomßland. Prag, 17. März. (Tschecho-slow. Preßbur.) Ueber die Erc.cbnijfc der Wahlen in Kcrrpathornßland wird folgender amtlicher Bericht Verlautbart: Wahl in das A bgeordneten Haus: Gültige Stimmen: 204.106. Tie einzelnen Parteien crhielrcn: Kommunistische Partei in der Tschecho-Slowakei 100.100, jüdische B o l'k s p a r r e i 18.032, Trüdoöa-Partei und die tschecho-slowakische sozialistische Partei 20.009, autonome -Parte: der AMochth.oncn in K na' ' u-n'rio.nd 28.157, republikanische Landwirte und kleine Landwirtepartei 15.020, sozialdemokratische Arbeiterpartei 20.904, nrthcnische Chliboroben-Partei 11.110, autonome Landwirtesojus 21.247, der Nest der Stimmen entfällt auf die übrigen Parteien. Wahl in. den Senat: Gültige Stimmen: 212.940. Hievon erhielten: Kommunistische Partei 82.167, jüdische Volkspartei 15.940, Trudova-Partei und tschecho-slowakische sozialistische Partei 16.815, republikanische Landwirtepartei 12.497, jüdische demokratische Partei 16.626, l'.rthenische Chliboroben-Pariei 10.933, autonome Landwirtefojns 20.018 Stimmen. . Demnach erhielten für die Nationalversammlung von den zehn Mandaten die K o m m u n i st e n fünf M a n d a t e, die ungarische Opposition zwei Mandate, die tschechische sozialistische Partei, die agrarische Opposition und die Trudova tschechische sozialistische Partei je ein Mandat. In den Senat wurden drei Kommunisten und ein Vertreter der un -arischen Opposition gewählt. Sie ReparationstrrtzWtnngen der kleine« Entente. Prag, I7. März. «Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Ein amtliches Communique teilt mit, daß die Staaten der kleinen Entente die Verhandlungen über die Reduzierung ihrer Verpflichtungen aus den Friedensverträgen von Saint-Germain und Trianon beendigt haben. Rumänien und Jugoslawien schlossen ihre Besprechungen in London ab und die Tschecho-Slowakei hat sich jetzt in (Yens mit Italien und England bis auf einige Detailsragen geeinigt. Diese Verhandlungen, deren Einzelheiten nicht bekanntgegeben werden, beziehen sich wohl nur aus die F re i h e i i s s ch n l d e n, nicht aber aus die im Friedens- Vertrag in Art. 208 festgesetzten Verpflichtungen, wonach die Nationalstaaten das von Altösterrdich geerbte Staatseigentum im Wege der Reparationskommission an die österreichische Republik( zu bezahlen, respektive gutzuschreiben haben. Diese Angelegenheit, die eilte Lebensfrage für Österreich darstellt, kann durch die amtlich mstgeteilte Einigung unmöglich erledigt sein. Rinne über die jugoslawische Außenpolitik. Belgrad, 17. März. Gelegentlich der Speziäldebatte über das Budget des Ministeriums des Aeußern hielt heilte Minister des Aeußern Nineic in der Skupschtina ein längeres Expose über die äußere Politik Jugoflaviens. Er betonte, daß Jugoslawien S ch u l t e r a n S ch n 1ter mit seinen Verbündeten alle Mühe daran setzen werde, ans Grundlage der Verträge eine Stärkung und Sicherung des Friedens in Europa durchzuführen. Mit großer Zufriedenheit erwähnt er die Bemühungen des englischen Ministerpräsidenten Mac Donald, mit Frankreich zu einem endgültigen Einvernehmen zu gelangen. Weiterhin beschäftigte sich der Minister mit der internationalen Bedeutung der kleinen Entente als Faktor des Weltfriedens, hob den Wunsch der südslawischen Regierung hervor, ein starkes Griechenland zu sehen, das jeden abenteuerlichen Gelüsten unverantwortlicher Elemente entgegentreten könne und erklärte bezüglich Bulgariens, daß die Aktionen des bulgarischen revolutionären' Komitees eine Gefahr für die südslawisch-bulgarischen Beziehungen seien. An der Debatte über das Expose nahmen Vertreter aller Parteien teil. Der Sozialist D i v a c, verlangte die Wiederaufnahme der Beziehungen zu Soivjeirnßland. Wiener Msraenzeitunst. _W. März 1024__ Seite 9 Mn EelWuMd ©satttos. eine neue TkandalafjAre in Budapest Budapest, 17. März. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Die Auffindung der Leiche des' seit fast drei Monaten verschollenen Marktamtsdirektors S z a n t 0 dürfte allem Anschein auch zu einer s e n | a 11 0 n c 11 e it K r i in i n alaffare führen. Die Leiche Szantos, die bei der Ortschaft Hart« ans der Donau gefischt wurde, wurde gestern im Automobil durch die Familienangehörigen des Toten nach Budapest überführt. Die Witwe. Szantos weist, t>cm „Az lli'ag" zufolge, jeden Gedanken an einen Selbstmord energisch zurück. Sänrtliche Familienmitglieder des Marktdirektors erklären übereinstimmend, * es sei ausgeschlossen, daß Szanto Selbstmord verübt habe. Szanto, der in den denkbar günstigsten Verhältnissen lebte, verließ am Sonntag vor Weihnachten in bester Laune seine Wohnung, um einen schwarzen Kaffee im Cafe Abbazia zu nehmen. Es sei psychologisch u nm ö g l i ch, daß Szanto sich umgebracht habe. Ueberdies verweist die Familie Szantos aus den vielsagenden Umstand, daß die Dona u bei Budapest seit mehr als drei Monaten vollständig zugesroren sei. Um sich in die Donau zu stürzen, hätte also Szanto zu¬ Nicht 8, icht t4, Adenlstrumpk /. Trattnerhof Nr.2 Fngoslawisch-italienische Telegraphenkonvention. Belgrad, 17. März. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Hier werden neue italienische Exverten zum Abschluß einer Postnnd Telegraphenkonvention mit Italien erwartet. Es handelt sich um die Schaffung direkter Linien von Belgrad nach Mailand und B e l g r ä d—T riest und die Aufstellung neuer gemeinsamer Posttarife. Ae letzte» Sevisenkurse. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 17. März. (Radio.) Effektenschlußknrse: Banque de France —.—, Eredit Lyonnais 1687, Societe generale 755, Metropolitaine 530, Tbomvsou Houston 752, . Raffinerie say ord. 3120, Russe cons. 4«/0 26.70, Russe conf. 3°/0 1891/94 17,90, Russe cons. 3°/0 1896 17,50, Russe cons. &/,% 18,50, Nuss, cons. 5°/# 1966 30,40, Rnff'e cons. 41909 21, Serbie Io 1895 Dette Ottomane 4% 64.75, Ottomane B°/a 1014 34,80, Rio Tinto-, Schneider u. Eie. 1700, Baku 2975, Royal Tutch 33.100, Shell 410, Steaune Romana 520. Die Besserung des Frankenkurses nahm am heutigen Liquid alionstage der Frankenwerte ihren Fortgang. Das Pfnnd notierte 87,70, Rew-Aork 20,44. Im allgemeinen zeigte der Effektenmarkt kein sehr freundliches Gesicht, insbesondere alle Valuten Papiere hatten starke Einbußen zu verzeichnen, da die Baissespellilation ziemliche Verkäufe unternahm und andererseits alle Haussepositionen abgebaut wurden. Gegen Ende der Börse war eine leichte Besserung des Marktes zu verzeichnen. Im allgemeinen zeigten französische Papiere große' Widerstandskraft, einige sogar etne bemerkenswerte Festigkeit. Bukarest. 17.. März. Die Devisen sind heute fest. Die tschechische Krone notierte 5,58, der französische Franken 9,15, der Dollar 101. Ter Effektenmarkt verkehrte in angeregter Haltung Es waren vielfach Kurssteigerungen zu verzeichnen. Die Einverleibung Fiumes. Fmme, 16. März. (Stefan:.) Anläßlich der Feier der A n n e x: on Fiumes ist König Viktor Emanml in Begleitung des Marinem inisters und zahlreicher anderer Persönlichkeiten an Bord des Kreuzers „Brindisi" hier eingetrossen. Vor: einer zahlreichen Menschenmenge begeistert begrüßt, begab sich der .König ins Rathaus mid sodann in das Ncgierungspalai's, von -dessen Balkon ans General Giardino die Einverlci-bnngLurk-un-de verlas, die von der angesvmme-tten Menschenmenge mit unge-, heurcm Jubel ausgenommen wurde. Polen und die Memelsrage. Warschau, 17. März. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Der Sejm hat heute einstimmig drei Resolutionen znm Beschluß erhoben, in denen die Regierung aufge fordert wird, alle Schritte zu unternehmen, damit die durch den Beschluß -des Botschasterrates vom 16. Februar 1923 anerkannten Rechte Polens in der M e m elfrage nicht geschmälert werdeir. Die Forderungen Polens werden hierbei folgendermaßen formuliert: 1. Autonomie. Memels. 2. B e r t r e t u it g Polens im Aufsichtskomitee des Hafenrates. 3. Eine polnische Freizone im Memeler Hafen. 4. Gleichber c chtigung der polnischen pnd litanischen .Staatsbürger im Gebiet von 'Memel.'"6. 'Freler Eisenbahn', Schiffs-, Post- und Tslegraphenverkehr« nächst die mehr als 20 Zentimeter dicke Eisdecke der Dona» dnrchsägen initffon, um einen Selbstmord auf diesem Weg auszuführen. Diese Annahme sei natürlich vollkommen widersinnig. „Vilag" erinnert aus diesem Anlaß an den einbeinigen Invaliden Barta, der einige Tage nach dem spurlosen - Verschwinden des Direktors Szanto bei dessen Gattin erschien und ihr mitteilte, daß er soeben aus dem Milltärgesängnis am Margaretenring entlassen worden sei und ihr eine Botschaft von ihrem. Gatten überbringe, der von Detektivs wegen Spionage- Verdachtes dem Müitärgefängnis eingeliefert worden sei. Frau Szanto machte damals von dieser Aussage sofort ‘ dem, Polizeihauptmann R > sticz, der die Untersuchung . führte, Mitteilung. Tags darauf war der einbeinige Invalide verschwunden. Polizcihanptmann Risticz versuchte, den Einbeinigen ausforschen zu lassen, aber vergeblich. Der Invalide blieb, obwohl er an soinem Beinstumpf leicht zu erkennen gewesen wäre, seit Ende Dezember unauffindbar. Die Leiche Szantos wird heute seziert. Die Wahlkampagne in Senlschland. .. Berlin, 17. März. Die Wahlvorbereitungen haben 'bet allen Parteien bereits begonnen. Der sozialdemokratische Parteibovstan'd hat entschieden, daß von der Reichstagskandidatur N 0 skes abzufehen sei. Der Konflikt in der demokratischen Partei in der Frage der Berliner Spitzenkandidatnr ist dahin entschieden worden, daß Siemens als Listenführer ausgestellt wird, während für den Wahlkreis Potsdam D e r n b u r g als erster Kandidat auf-. tritt. Eine Kandidatur i>e'§ Chefredakteurs der „Bessisehen.■ Zeitung", Bernhard, komme nicht mehr in Frage. Sozialdemokratische Mederlage in Potsdam. Berlin, 17. März. (Del. der „Wiener Morgenzeitung".) Bei den gestrigen Stadtverordnetenwahlen in - Potsdam erlitten die Sozialdemokraten ähnlich wie bei den Landtagswahlen in Mecklenburg und Thüringen eine schwere Niederlage. Während sie bei den Wahlen. int Mär; 1919 zusammen mit den Unabhängigen rund - 9300 Stimmen anfbringen konnten, erhielten sie gestern' insgesamt nur 3800 Stimmen, verloren also etwa 60 Prozent. In den Gewinn aus diesen sozialdemokratischen Der- ■ lüsten teilen sich die Rechtsradikalen und die K 0 inw u n t st c n._ Sie Sachverständigen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 17. März. „Petit Parisien" veröffentlicht ein Interview amt Kind e rsle y, dem bekannten englischen Delegierten in -den Sachverständlgento-mitees. Nachdem sich Kindersleh in ziemlich allgemeiner Weise über die Währimgskrife ausgesprochen n>nd die Schuld am Frankensturz dem M a n g e l a n e i n e r genügenden E i n k 0 mmenstie ner in Frankreich zugeschrieben hatte, erklärte er wörtlich: Ich bin noch immer opt im isti sch über das Endergebnis der Arbeiten der Sachverstäwdigenkomitees. Man soll aber nicht zu früh die Früchte der Arbeitwon uns verlangen. Zuviele schwierige Probleme bleiben noch zu losen. Die letzten Etappen fehlen noch und sie können nur durchschritten werden, wenn man uns genügend Zeit läßt. Es. ist mens-chenunmöglich. zu -einem Beschluß zu kommen, wenn man improvisiert. Geduld also, und immer wieder Geduld! Anshebimg des 38ndhölzchenmonopolr in Frankreich. Paris, 17. März. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung.") Der Senat hat gestern die von der Kammer beschlossene. Auslieferung des staatlichen Zündholz- Monopols alt die Privatindustrie mit 163 gegen 119 Stimmen bestätigt. Der Sc.lat hat weiters die Artikel 37 bis 50 der Finanzvorlage allgenommelt, die insbesondere eine Revisiolt des Stenerka'tasters vorsehen, wodurch der Ertrag der Grundsteuererhöhullg gesteigert werderr soll, ultd weiters den Mehrbetrag fcftftcTfcn, der in dem Falle zur Ein- ^'ebltug gelangt, wenn die Stenern nicht innerhalb d:r 'cstgesehten Frist bezahlt werden. Ferner nabm der Senat mit 213 g eg e n 66 S t i m m e n die Einsühvung der Couponlisten an. Tluf die Frage eines Senators, -ob die Regierung die Vertrauensfrage stelle, erwiderte Ministerpräsident Poincare, die Regierung habe n i cht diese Absicht, da eine bestimntte Zahl von Senatoren ben Wunsch kundgegebell habe, der Ncgieritng sponta-it ihr Vertrauert zu bezeigen. Die Debatte über die Finan-zvorlagen gedieh bis zur Alntahnre des Artikels 69. Artikel 58 fordert für die Atrszahlultg'dcr aus dem AnÄande stammenden Coupons, wenn es' sich nitt Nichtfranzosen handelt, die Vorweisung von auf Namert lautenden Verzeichnissen oder ein Affidavit. Der Finanzmiltister erklärte, daß sämtliche Filialen ausländischer Baltkel! in Frankreich der Verpflichtung zur Führung von Col-pouverzeichliisselt werden unterworfen werden.

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