Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1828 (18.3.1924)
- Date
- 1924-03-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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GiDzeinnnmerKi^O Wien Zum Ahholen in <!ei Expedition, M.,Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleißteile (Trafik* mnnatl. K 35.000 Strassen verkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied!, I. Bez„ Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 35.000 Wiener Po'en:pou.Mk 360-001) Italien: Monat!. 12 Lire, Rumänien Mon. 1301 ei, Bulgarien Mon. 30 l-ewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcsi •' Redaktion u. Administration Wien, II.,Tahorstrassel—3 Ts checho”.Slowakei: Mon. K 13. fu«roslawien: Mon. OinarßO. Polen: Mon. 3*/* Zloty, Deutschland Mon Goldmark 4, F r a n V r, Belgien "'Inn Frcs. 12 Telephone: 44-0-33,43-3-19, ab 6 Uhr abds. 19-433,25-282 Tel.- Adr.:„Mer«enzeitunr' Wien Üst N a c li ▼ » h n o? r n Wev liei fVeiterlintinnnen virtietiklkev Nr. 1888 mmm WWNwMjHWU Wien. Dienstagr 18. Mn 1924 Oesterreichisches Postspar*■ kacoen - ^onto Nfr. 150.fi9.3 ß. anhrqnmi Der ZlkmnM als qewerbsmaßiger Kuppler. Sanierung und Kontrolle. st—. W i e n, 18. März. Zwischen dem christlichsozialen Bundeskanzler Oesterreichs und dem sozialdemokratischen Bürgermeister Wiens ist ein Kampf entbrannt. Es geht für und wider yk Konfiskation einer neuen Wochenschrift erotischen Inhaltes, einer Fachzeitschrift für das Liobesgewerbe. Die Bundespolizei hat die Verbreitung dieser Zeitung untersagt, der Bürgermeister aber hat die Verfügung außer Kraft gesetzt. Es soll hier nicht darüber gestritten -werden, wer im Rechte ist und wer recht behalten wird. Aber über den Sachverhalt, der den Anlaß zu diesen Auseinandersetzungen bot, muß klar und eindeutig gesprochen werden. Er bietet einen Einblick in das Getriebe und in die seelische Verfassung von Kreisen, welche in der öffentlichen Meiimng tonangebend 31t werden drohen. Herr Hugo Bettaner, einer der Hauptredakteure einer verbreiteten Wiener Tageszeitung, welche Eigentum eines führenden Finanzmannes ist, ist Herausgeber des umstrittenen Organes. Er hat in der erwähnten Tageszeitung seine Tätigkeit als Sachverständiger für Schlafzimmerangeleaenheiten begonnen und mit Talent und Erfolg fortgeführt. Er vertrat jene Richtung, welche den geschlechtlichen Genuß in allen seinen Abarten als einziges Gebiet des menschlichen Lebens krachtet, welchem Bedeutung zuzumessen ist, und welche alle Menschen, die nicht innerlich und äußerlich ans )iese Lebensauffassung eingestellt sind, in die Kategorie stumpfsinnigen und lästigen Pöbels verweist. Herr Bettauer hatte großen Zulauf zu verzeichnen, insbesondere seitens der infolge des Krieges und seiner Nachwirkungen völlig desorientierten Jugend. Er wurde in kurzer Zeit der meistgelesene Journalist. Der ihm in der Tageszeitung zugemessene Raum schien ihm bald zu klein. Er tat den entscheidenden Schritt und gründete rin eigenes Organ, das er „Er und Sie" nannte. Der Erfolg übertras alle Erwartungen. Das neue Blatt weist eine Riesenauslage auf und die Nummern werden den Verkäufern aus den Händen gerissen. Das Geheimnis dieses Erfolges ist in dem Ümstande gelegen, daß Herr Bettauer von der Theorie zur Praxis übergegangen ist. Er bringt in jeder Nummer seiner Zeitung Hunderte von Kupplerannoncen. Da bieten sich junge Mädchen reichen alten Herren zum Gebrauch an und rüstige Jüng'linae suchen alte wohlhabende Damen. Jede Art von natürlicher und widernatürlicher geschlechtlicher 'Befriedigung in allen Preislagen kann mit Hilfe Herrn Bettaners erlangt werden. Herr Bettauer gibt sich mit der Jnsertionsgebühr zufrieden, die Masse macht es. Der Mann ist unter die gewerbsmäßigen Kuppler gegangen, ohne seine Stellung bei der Tageszeitung aufzugeben. Er betreibt das Handwerk mit einer Virtuosität, welche alles Dagewesene übersteigt. Die gewiegtesten Angehörigen der Zunft der Kuppler und Mädchenhändler müssen ihm die Palme reichen. Er hat des Kupplergewerbe industrialisiert. Es ist wohl Sache der Behörden, darüber zu entscheiden, ob und wie in diesem Falle die staatlichen Gesetze zur Anwendung zu bringen sind. Aber die Gesellschaft dieser Stadt wird darum nickt der Pflicht enthoben, ihrerseits Stellung zu nehmen. Sie wird erklären müssen, ob Herr Bettauer noch weiterhin ihr geschätztes Mitglied bleibt. Herr Bettaner ist Journalist. Die Organisation der Wiener Journalisten muß sich unverzüglich dahin äußern, ob geiverbsmäßige Kuppler ihr angehören dürfen. Herr Bettaner ist noch immer Redakteur einer Tageszeitung. Ihr Eigentümer und ihr Chefredakteur werden aussprechen müssen, ob ein Zntreiber und käuflicher Gelegenheitsmacher Mitarbeiter ihres Blattes und dessen Vertreter, bei künstlerischen und aesellschafllichen Veranstaltungen bleiben kann. Auch vom jüdischen Standpunkte aus muß in der Angelegenheit Stellung genommen werden, denn Bettaner ist Jude und hat sich bisher der Förderung seitens gewisser jüdischer Kreise erfreut. Den Schreiber Bettauer zu fördern und zu hätscheln war geschni-acklos und leichtfertig. Die Duldung > und Förderung des Kupplers Bettaner wäre ein Verbrechen, das die jüdische Gesellschaft würde bitter büßen müssen. Die Beschlüsse der Das Wiener Generalkommissariat des Völkerbundes veröffentlicht den Wortlaut der vom Völkerbundrat in seiner Sitzung vom 12. März gefaß'en Beschlußresolution über den W i e d e ra usba u Oe st er r e i ch s. Diese Publikation deckt sich vollinhaltlich mit den von uns am 14. Mörz veröffentlichten Mitteilungen unseres Genfer Spezialk 0 rresp 0 ndenten. Die Resolution nimmt Bezug aus das Schreibe n der österreichischen Regierung, das zwei Tage vor der Sitzung, am 10. März, dem GcneraÜ'ommissär übergeben und von diesem an den Rat übermittelt wurde. Text und Inhalt dieses Schreibens sind nicht bekannt, doch ist aus bett Mitteilungen des Generalkommissärs 31t entnehmen, daß es sich um eine Revision der vom Völkerbund in den Genfer Protokollen gemachten zisfermäßigen Vorschriften für den Staatshaushalt und um die Freigabe der Kreditreste für I n v e st it i 0 n s z w e ck e handelte. Herr Zimmerman erklärt, daß die Initiative zu diesen Wünschen von i h m selb ft ausgegangen fei und in einer Besprechung mit den österreichischen Ministern am 18. Februar ausgesprochen wurde. . Der Böllerbundmt ist aber aus dieses Begehren Oesterreichs nicht eingegangen, sondern hat den Gene r a l k 0 m m i s s ä r, der den Inhalt des Schreibens erst in Genf erfahren-'hat, und das Finanzkvmi tee mit der Prüfung beauftragt. Die im Rat vertretenen Regierungen, das sind die K r e d i t st a a t e n, werden ersucht, die notwendigen Daten für dictzs Studium zur Verfügung zu stellen. Meilers nimmt der Rat mit Befriedigung mr Kenntnis, daß das monatliche Budgetdes'zit Oesterr: ichs bedeutend zurückgegangen ist itub daß sich noch vor Abbaus des ersten Jahres der Kontrolle die Ziffern der Einnahmen und Ausgaben sich wahrscheinlich die Wage gebalten haben. Er nimmt auch zur Kenntnis, daß unter diesen Verbältnissetl möglicherweise zu Jahresende noch ein beträchtlicher Teil der Wiederausbauanleihc unverwendet sein wird. Gle'chzeiria aber enmimnil der Rat den Berichten des Genisralkommifsärs, daß dies Ereignis mehr durch Vergrößerung des Abgabenertrages als durch Verminderung der Gesamtausgaben der öffentlichen Verwaltung erreicht worden ist. Der Rat stellt fest, daß nach Auffassung des Generalkommifsärs nicht alle jährlichen Einnahmen dauernde u E h a r a k t e r haben, und bringt in Erinnerung, daß Abmachungen zu konkreten R e s 0 r m e n ausgearbeitet wurden und noch in Kraft sieben. Der Rat spricht deshalb die Hoffnung aus, daß R >e f 0 r m e u i n der V e r w a l t n n g u u d Mind e r ungc n der Staats l a st e n auch weiterhin verfolgt werden, um so die Ausgaben entsprechend den Richtlinien des Programmes berabzusetttn, welches das Gleichgewicht auf dauernder Grundlage sichern will. In Erwägung dessen stellt der Rat fest: a) daß das von der österreichischen Regierung ursprünglich ansgearbeitete Programm eine feierliche Verpflichtung bildet, deren Durchführung obligatorisch bleibt, so lange keine Abänderung, u n t e r Z n st i m m u n g aller Ve r t r a g s t c i l e erfolgt ist; b) daß im Einklänge mit den Protokollen die K 0 ntrollc so lange nicht aufgehoben werden könnte, als nicht das dauernde Gleichgewicht des österreichischen Budgets hergestellt und die finanzielle Stabilität Oesterreichs gesichert wäre; c) daß im Einklänge mil den Protokollen und mit den Prospekten der verschiedenen Anlethetrauchm, d. h. gemäß den gegenüber den Garantie st a a t e n und den Darlehensgebern eingegangenen Verpflichtungen der gesamte Anleiheertrag nur unter Kontrolle des Generalkommissärs mit seiner Genehmigung und zu den von ihm gebilligten Zwecken verwendet werden darf. Mkerbundrates. Diese Mitteilungen ergänzt Generalkommissär Tr. Zimmerman durch eine Darstellung seiner ans der Reise in Paris, London und Genf gewonnenen Eindrücke. „Ich stieß." sagt er, „auf e i n e g e w i s s e B e s 0 r gu i s über die große und rapide Steigerung der Sta-atseinnahmen und vor allein über das Ausbleiben einer Ausgabenverringerung sowie der vereinbarten Reformen mtb Vereinfachungen im Staatsdienst. Man gab der Befürchtung Ausdruck, daß aus diese Weise die (Grundlage der Staatsverwaltung nicht gesunden und das Gleichgewicht nicht bleibend sein würde... Mau gab sich davon Rechenschaft, daß nicht nur die-Bundeslasten in Betracht zli ziehen ftnb, sondern auch die Steuern, die von den Ländern und namentlich von der Stadt Wien eingehoben werden." Der Generalkommissär teilt dann einen bisher unbekannten Auftrag des Kontrotlromitees, beschlossen in Paris am 19. Dezember 1923. an ihn mit, in welchem die VerwalturrMesorm für Oesterreich urgiert wird. Da in dieser^ Komitee alle Garanüestacnen vertreten sind, wird mau — setzt Dr.. Zimmerman fort — vielleicht das Drängen aus me i ie re, Fortschritte i n, de n Erspa r u n g e n.mtb den Reformen besser verstehen. Leider bat bis ietzt die Meinung, daß ein Nachgeben gegenüber diesen: Drängen einer „Drosselung" von lebenswichtigen, kulturellen, sozialen oder Wirtschaftlichen Fragen gleichkäme, zu wen-'g Widerspruch gefunden. Ich muß dieser Auffassung e i n s ü r allemal in den Weg trete n. Nichts ist weniger wahr. Die Reformen, Vereinfachungen und Reorganisationen, inklusive Abbau. welche int Herbst 1622 — che ich nach Wien kam — zwischen der Negierung nud der vrooiwrischen Delegation des Völkerbundes vereinbart worden sind, verletzen kein emz'g's wahrhaft allgemeines Inte resse; sind im Gegenteil denselben förderlich und werden von der ganzen Bevölkerung,' insoweit sie nicht im Staatsdienst tätig ist, als eine bleibende W 0 h l t a t empfunden, werden. UngAickticherweise sind es eben diese Maßnahmen, die auf starken p a r l a m e it i a risch - p 0 litis ch e n Wide rftand stoßen, weil sie die Interessen derjenigen, die in großen B e r b ä n d e n 0 r g a u t s i c 1t s i n d, berühren. Deshalb wird mit der Durchführung dieser Maßnahmen gezögert,' man möchte sic lieber vermeiden, und die Versuchung ist groß, die Ersparungen auf Gebieten zu suchen, wo die Resistenz des Politikums weniger zu befürchteu ist. wo sie aber für das öffentliche Interesse weitaus schädlichere Folgen haben können, als in den von mir ständ'g angedcuteien Regionen. UeÜerdies habe ich auch dem Ausland gegenüber intmer die Auffassung vertreten, daß die im Herbst 1622 vercin- - barten Ziffern, obwohl im allgemeinen mit Sorgfalt und unter voller Mitwirkung der österreichischen Regierung ausgestellt, keine Versteigerung bedeuten könnten und daß es noch mehr als für einen Privathau.shali, für bett Staatshaushalt unmöglich ist, die Gebarungsziffern zwei Jahre im voraus fesizulege». Ich bedauere sehr, seststettcuzu müssen, daß ich bis jetzt bei meinen Besprechungen im Ausland nur sehr geringe Neigung f ü x c.i it e M 0 bi ft k a t i 0 11 beizurzeit b st e h e n d e n V e r e. i n b a r u u g c n a u g e t r 0 f f e n i haben im Gegemeil, es wird e i u e r g r 0 ß e n U c 6 c re d 11 u g bedürfe», nun die am meisten maßgebenden Fattoren zu einer Zustimmung zu veranlassen. Auch was b ' e Verwendung eines R e l i q u a t e s der Alle i h e a n l a n g t, wird man gut tun, sich auf S ch ln i e rigkeiten v 0 rzubereite n. P.c r so n l i ch bin ich dieser Aktion g ü nstig gesinnt (selbstverständlich unter der Voraussetzung einer Beschleunigung in. der Durchführung CHIFFON und BETTZtlfGE Herrenu Drmenwäscl'.e, Regenmäntel, enpl.Wollstoffe, gestriok öSorKe«. ixleirier,Kostüm - u.Jumper, al es erstk aasig ufd billigst Im Warenhaus Hi Schiffmann II. TaborstraSs 48 Te'e^hon 47-1"7S En gtros En detail