Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1826 (16.3.1924)
- Date
- 1924-03-16
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 82% known words query
- IRI
…/2979076-2980834-2980909--18195-3005244- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Geff- TS Wien. Sonntag * Ein neuer englischer Zeitnngstrust. Nus London wird nnS telegraphiert: In Londoner Finanzkreisen wird seit einigen Tagen von einer großen Transaktion gesprochen, durch die eine Vedenirnde Gruppe von Zeitungen in andere Hände übergehen soll. Diese Transaktion soll bereits dnrchgeführt worden sein. Wie es heißt, soll Lord Rothemere, ein Bruder -es verstorbenen Lord Northoliffc für den Betrag von sieben Millionen Pfund Sterling seine Beteiligung an mehreren Zcitnngsnnternehmnnaen verkauft haben/Der Lord hat vor einiger Zeit von der Zeitnnasgrnppe Hclfon in Manchester diese Beteiligung um fünf Millionen Pfund Sterling erworben. Der durch den Verkauf erzielte Nutzen beträgt demnach zwei Millionen Pfund Sterling. Als Käufer wird der bekannte englische Zeitungsmann Berrh genannt, der Besitzer der „Financial Times", der „Sunday Times", der „Graphic" und anderer Zeilungsunternehmungen ist. Keren Karemeth l'flfroel 'Mischer Natkonalfondr), Wien. 2. Bez., Zirbl«gasse 33. Tel. 45-606. — Ausweis Nr. 11 vom 3. bi? 11. Mar' 19-24* 9.880.811 K.: bisherige Gewmtwendenlu'nnie 197.00" .97 4 K.. .ruwinmen 206,683.784 K., hierzu Filmeingänae bis Ende Februar 8.009.000 K. Versicherungsabte-lunar l'.OO -.000 K., zummmen 229.888.784 K. — 1. Bezirk: Smla. D,. NoOienberg 270, Frl. Süß 50, Mar Eckstein 102. 2. Bezirk' Betb Israel 48?.^ Hermann Pauker, Meier Lindenbcnnn, Ioles Hirsch ie 100, E. Torczhner 50. g. Bezirk: Bethaus Schomre Israel t"5, Masorczyg 100, S. Wann. M. Mang \t 50. 0. Bezirk: d. H. Meiner 200. 12./15. Bezirk: Eduard Mabler bO. 13. Bezirk: d. Spieß 85. 18. Bezirk: Sberreämungsrat Nathan Torimann 50. Akademischer Landesverband: Z. A. V. Bar Kochba, Go'd. Bum 300, Hacm'vdab Smla. Frl. Straucher 345, Tr. S. v. Aciöelberaer 1OO, Tr. Springer, Zwirn, Silberberg je 50, I. A. B. Unitas 10 Pro-ent Kartenstener 2ZOO. S. C. d. Mittelschnlverb. Z. M V. Hasmorea 1.0OO, Paul Scherr 60, Z. M. V. Nebemia d. Ebrenfreund 216. V. Z. Hochscküler Theodor Herz! 90, Buotn Iebndab. Büchsen 232, Erez Israel 68. Frciueu-Dracmisitimi d. Iran Tr. Lowenberz: Lkamila Segall 200. Tr Leo Jaust, Sophie Lowenberz. anonym ie 100, Smlg. Fr. Tr^Taubes 210, Erna Weisels 1O0. Frau Ehameides 50, Smla. Frau Tr. Blauer: Metzger 100, Dr. Bar. Bodenbeimer je 50, Hitach'utb, Adir, Büchsen 226. M. Spieoel 115. Zlhawath Zion 184, d. Frl. Singer 72, d. Braten-Teich 112, Kulturgrnvvc XX t Lacherl 478, Smlg. b. Hochzeit Zieg-Brüller d. Lachci'-Frl. Linczyc L6O, Büchsen d. Frl. Leibl-Rotb 88. Büchsen d. Konter 90, Linz: Paul Stein 1O0, Zion. Sektion Prater, L'achie'. Tavid Beicber. Oswald Reicher je 50. Büchse, Sektion Brater 101, Gerickon Wittlin 85, Kwuzah Chawerim 88, für Flugschriften 50. Stcckerau d. D'. L. Rieß a. N. Fritz Sofer 360. Zentra c: M. u, E. H. 100, Diverse: Ravhtali Llpvel 100, Smlg. Bok'enbaum 340, Leo Ballint 100, Weidenfeld, Weltsch, Reb nowitz je 50, Haawodah Ha ar 800. RichLia^elluug zu Ausweis Nr. 7 : Gesamtsumme der Einaange aus Sektion Zwischenbrückcn war 634 und nicht 364: zu Ausweis 9h‘. 9: Sammlung Ril'an Tastet 680 Nolum Pritik-'n, Tr. Willelm Grüß je 200, S. Zuckerwann, Tr. Rafal, Tr. Schmelz, Ephraim Tastet, Penlna Tastet je 50. Nachfolgende Notizen bis zu der Rubrik „Vereine" sind entgeltlich.) A. Gcnigroß Aktiengesellschaft für diese Wccbe: Covercoat. reine Molle, 130 Ztm. breit, kür » .Kleider und Kostüme K 195 000. Eckte Neavolitaner-Teiotvare 1 Kilogramm K 9400. Aevselspalten Kompot 1 Kiloararnm-Tose K 11.500. * Alle Ha« trauen rufen lm Ebor: ^Tie beste Seife ist Kagor." die Preste stir Leinenwaren im Jlrarenbau? Brüder S ch i f f m a u n, 2. B e z.. T a b o r st r a ß e 48. Webe . pro Meter 10.500 K. 8.500 K. Ebiston ...... pro Meter 13.500. 11.000 . 9.800 . Streimradl.pro Meter 19.800 „ 17.500 „ Damast.pro Meter 22.800 „ 18.500 . In!et. .pro Meter 14.800 „ Molino .- . . .pro Meter 8.900 , Be1t^eu>w ... ...... pro Meter 15.800 K. 12.800 „ Batistchiston...pro Meter 15.901 „ Matratzengradl.pro Meter ro.ooo K. 24.000 Bettle er . 26.500 . 19.800 , Tischtücher .48.000 . Kaffeeoarniiuren.. . 98.000 . Gläsertücher ... .. 8.000 „ * Im altbekannten Tatzezierermöbelhims M. Weitz, 2. Bez., Tarwingajse 39 ''Ecke Nordbahnstraß?h kaufen Sie erstklassige Ottomanen, Eisen-, Messing-, Rateutmöbel usw. in erstklassiger Ausführung zu außerordentlich billigen Preisen. Vereine, Vertröste und Versammlungen. Zionistische Iugendgrupve Leopoldkt « b r. 2. Bez.. Talmstrase 20». Heule, 11 ll^r vormittags, Ausschußsitzung. Morren. aifi llbr abends. Hebräisch. Dienstag. '/»8 llbr abends, Plenarver'ammsuna. Erscheinen der Mitolieder ist Pflicht. Gäste w'lltommen. Mittwoch, 7 Ilhr abends, Herrenturnen bei Makkabi ll. Volksschule in der Leopldsaasse. — Hio* n i st i 1 ch - a k a d e m i s ch e r L a n d e s v e r b a n d. Sonntag den 16. d.. pr^zjie 9 Uhr vormittags, historisches Seminar. Vräzi'e 10 Uhr Seminar Tr. Plaschkes. — Z i 0 n t st i s ch e Bezirks i'ektion Däbling. Montag den 17. $>., 9 Uhr oben s, im Eaf6 Toblingech'of, 19. Bez., Billrotbstraße, Bortrag Prof. Wilhelm Stein über: Volkstum, Rasse und Judentum. — Zionistische Bezirkrsektion Brigittenau. Montaa den 17. d.. 7 Udr abends, im Vere-nslokale. 20. Bez., Karl Meißlstraße 5/1, Vortrag D. Nebenzabl über: Ter Völkerbund und die Juden. — Jüdische Eltern Versammlung fürdie Bezirke Xl 1/XV. Morgen, präzise V28 Ubr abends, 15. Brz., Herklotzgaste 21, Festsaal, jüdische Elternver'ammluna. Redner: Rabb. Dr. I Ta gl i ch t, Tr. H e r z b e r p, Tr. I. K l a b e r. Anschließend Gründung der jüdischenEltrrnvereinigung für denXU.tXV. Bezirk. ~ V e r s 0 h n u g s b u n d. Dienstag den 18 d., 7 Uhr «bends, Gricht der bekannte tschechische Pazifist Premysl Pitt er über: Ter neue Bü>ger, im Hörsaale Hl des Elektrotechnischen Inslitrues, 4. Bez., Gußhausstraße 25. Eintritt frei. Leopold st ädterVolkshelm, 2. Dez., ZirkuSgasse 43. 7 l!br abends. Festsaal: Heiteres ans Alt-Wien. Mitwirkend: Blanka Glossy Burgtheater), Aonzertsänger Dr. Heiprich Schwarz-Glossq. Karten bis 7000 5t. Zionistische Sektion für den 8. bis 8. Bezirk. Dienstag den 13. d, präzise halb 9 Uhr aucnoS, im L>erstnsheim, 8. Bez., Bennoplatz 1 a. Purim-Fest. Festrede: Rabbiner Dr. I. Trabinsly. Nach der Pause Fräulein Berta Portney: 5tlavier; Herr Isaak Deutsch, Direktor der Jüdischen Bühne: Jüdische Lieder; Frau Leo Weintranb-Gras. Mitglied der Istidischell Bühne: Indischer Humor. Anschließend Tanz. T6. Mar; 1024 Nr. IM Bühne und Kunst. „Michael Kramer." Raimund-Thvater. — Gastspiel Eugen Klopfer. Dioses Drama, noch aus der Zei.t stEmend, «da die Holden der Tragödien büvgerlickze Nmnen trugen, dioseS naturalistische Stiück aus de.r «vsteir Gerhart Hamptiman-n-Periode, gn^be tanglich.'u Stoff für die Neu- und Ncuost-Töncr. Man lasse die Windmaschine der „geballten Sprache" knattern, zwicke den mlstrctenden Personen Dor- und Zunamen ab, fn.ic die vier Akte zusammen, um so daun den Dranrenteig im zehn bis zwölf Bilder zu zerhacken, füg: an den Schluß, wenn einladend zu solchem Beginnen auch bei Hauptanann die Glocken tönen, einen ms Aügemeime, Ungemei-ne hinans-grebfenden Schrei aus gequältcr Brust des Zeitgenossen — stelle die ne-nesten Kulissen aus — und die aller modernste Bühnendichtung ist geschaffen. — Aus den Modestil kommt es wirklich nicht au. 4- Wer tragt Schuld am Selbstmord des buckligen, hämischen, scheuen, von d n forschen Saufbrüdern geiltzten, von dsr frischen dnm-men Wirtstochter verlachten, genialischen Arnold Kramer? Wer wird es vor den hiinmleschen Mächten zu verantworten haben, wenn es himmlische Mächte gibt, daß Arnold ddramer, ein nicht verMmmolter Hinkemann, ausgeschlossen blieb von der Liebe? Vater Michael Kramer trägt die Schuld, imd zum Unterschied von dem Dhcater-Vater in Hasenklevers „Sichn" ist seine Schuld wahrhaft tragisch. Michael, der Vater, -ist unsere» Mill-cids gewiß. Der bürgerliche Avbsttsgeist, der engstirnige Wahcheitsfanatismus, der rechcha-berische Ergichungsdünkel erschlägt rn Prof. Kramer den Künstler, dem Philosophen, den inbrünstig liebenden, an dem Schichal des Sohnes leidenden Vater. Er wstß, daß man im Wirtshaus mit seinom armen Jungen Sch-indlud'r treibt. Weiß e8 mis dem Mrinde der Film hospita-lis, welch« ihn bitten kam, zu verhindern, daß Arnold weiterhin den Stammtisch verunziere und ihr hofiere. Mer in seiner Vaterwürde drängt er daraus, die „Wcchcheit" (man müßte hier das Wort mit zehnfachem „a" schreiben) aus dem Munde des Sohnes zu erfahren. Hat soeben in den herrlichen Skizzen Arnolds geblättert, hat ihn soeben mit dem Hinweis aus Beochov ns menschliches Schicksal dahin zu lenSen gesucht, Schönheit und Freude und die heiligen Schauer des Schaffens durch Versenken in die eigene Brust zu erlangen, hat soeben mit Inbrunst nach Amol-ds Freundeshand gelangt — und hinkst ihm nicht, trotzdem er weiß, wo Hrlse nötng, sondern wend-:t sich ab, weil er nicht von chm selbst hört, was chm eine Fremde mrr allzu deutlich sagte. Wir boug-en uns vor dem alten Manne, wenn er an der Bahre Arnolds das WÄträtsel zu ergründen sucht, und bewundern seine Läuterung durch Gram. Aber er, er vor allen anderen, hat de« Jungen mrter das schwarte Tuch gebracht. * Eugen Klopfer spielt dem Pflicht- und Kkmstlermenschen Michael Kramer als jchweMntigen, alten Mann, dem längst jedes lin-de Lächeln erfroren ist, dor aber in der Brust einen Altar ousHerichtet hat, an dem er der Schönheit dient. Man weiß, daß dieser Künstler sich hinemgräbt in das Geschick der Gestalt, die chm anvevtrmrt ist, nicht loskommt, wen« or sich in die Nöte seines Holden eingenistet hat. Man weiß es, daß er dann das Fortschr.ei-ten der Handlung mit Bleigewichten behindert, und läßt sich's gefallen. Es ist die Eigenart rineS großen Gestalters, und daß es chm gleichwohl gelingt, zu ergreifen, ja, in dem überaus -langwi-riaen Requiem des Schlußaktes hinKureißen, rechtsertigt jedes Ritardcmdo. Der hochbegabte junge Richard Duschinsky hat mit dem Arnold Kramer seine bismAk^ vollendetste Bühnengestalt geschaffen Im Dialog mit dom Bater hat er sich besonderes Vor^ierist erworben. Seine eindrucksvolle Zurückhaltung dampft« die breitspurige «Selenmolerei Klöpfers ab und bewirkt« den künstlerischen Ausgleich. Die feine Lilly Karoly, Hans Ziegler und Advienne G e ß n e r standen im Vordertv-ssen der unter KaAheinz Martins Loikmg sehr geglückten Ausführung. Nur das symibo>llsch fchw «Kende, zvm mitwivkenden Akteur erhobene Glockengeläulte des letzten Aktes scheint uns ans dem Stil des Werkes und der Inszenierung zu fallen. Es würde b:sier als symphonischer Schlußakkord für jckk>?s expressionistische Drama taugen, das sich, wie eingangs bemerkt, ans dom Hauptma-nn- Stoff unschwer formen ließe. Otto Abeles. RuÄolk zqrost kn »Moral''. Deutsches Volks theater. Diese einstmals so lebensvollen, kühnen und boshaften Stücke sind jetzt merkwürdig dünn geworden und wirken schon durch ihr« Technik wie graziöse ,Fkonversationsstücke", nicht aber wie Satiren. Die Pointen sind noch immer witzig, der Dialog geschickt geführt und die Typen ausgezeichnet gesehen. Aber alles, was da gegeißelt oder verspottet wird, geht uns eigentlich nichts mehr an. Wir haben zu sehr „Distanz" gewonnen, die Luft der Nachkriegszeit hat dies« Gesellschaftssatiren mehr angegriffen, als ihr Alter. Trotzdem konnte man sich des behaglich-amüsanten Abends freuen, der das einst so beißend-scharfe Spiel in vorzüglicher Darstellung vorführte. Herr Dr. T y r 0 l t, trotz angekündigter Heiserkeit ausgezeichnet bei Laune, stellt in seinem Rentier Beermann eine köstliche Gestalt auf die Bühne. Die Herren Schreiber, Dumont, K u t s ch e r a und L a ck n e r wie die Damen K a r l s e n und H e t s e y brachten alle Möglichkeiten des Stückes zur besten Geltung. Besondere Erwähnung verdient Herr K i r s ch n e r» der als Amtsdiener immer neue Lachsalven hervorrief. Da8 Publikum zeigte sich überhaupt lachlustig, angeregt und sehr befriedigt. K. M. Ausstellnngen im Mnstlerhanr. Emil Nold«. Für Wien ist Emil N 0 l d e ein neuer Name, in Deutschland haben sich schon seit langer Zeit Kunstzeitschriften mit rhnr beschäftigt und sich bemüht, ihm innerhalb der Moderne eine« Platz an;ri tveisen. Die Gesellschasi zur Förderung moderner Kunst hat ihn jetzt in einer umfangreichen Kollektion vorgesühn, aber es ist sehr zweifelhaft, ob Nolde eilten t-ieferen Eindruck in Wien zurück'lassen wird. Die Neigung zur Grvteste, zum Herailsballen des Unwahrscheinlichsten auch in der Natur, die Fremdheit seiner Gedankenwelt, die dem Anmutigen und Phantastisch-Realen sich verschließt, schaffen eine strenge Distaiiz; auch die Ausdrnckssormen sind nicht reich, Gefühls- und Farbenskm'a ermüden. Lebendiger ist fein« Graphit und darinn auch in der Wirkung eindringlicher. Felix Hart«. Der Sprrmg von der Natur in den Salon, der Wevom Heudust zum Parfüm haben Harta vorläufig noch nicht, geschadet. Der Kern seiner künstlerischetl Kraft ist unberührt geblieberi, er nlalt noch immer mit Schmiß und Feiler, farbig sich ailSIer>eud, bemüh: um die Komposition im Raum — auch bo: den modischen Porträts. Aber schon kriecht eine süßliche Glätte heran, das Individuelle des Objekts wird zugunsten gefälliger Wirknilg vernachlässigt, Eil.llnsic fremder Natur drehen den Charakter zu verderben: eine Mischung voll Makarts drauslosgäi-gerischem Sammctrot, von Sargents Silberherrlichkcit in den Stoffen, vo-m Wiener dekadenten Porträtistcntum verwischt den besten Vorsatz, „flott" zu sein. Ausnahmen bilden einige wenige Stücke, wie das Blldnis einer Aristokratin, das wundervoll im Ton abgestimmt ist und an Englands klassische Porträtcpoche erinnert, eine Familien gruppe, das Bildnis eines Fräuleins B. in sitzender Haltung und bes-onders prägnant und einfach im Stil ein Selbstportrat. Hingegen bezeugen die kleinen 2lquarellunv Bleistift« studicn das starke Naturell Havias, das sich so eindrucksvoll in den Salzburger Landschaften doklimentiert hat. Hart» hat es nicht notwendig, die Reihe der Wiener süßlichen Salonporträtistcn zu verlängern. Oskar Rosenseld, Vom Wiener Mischen Museum.") Interessante Neuerwerbungen. In dm letzten Wock)-n sind die sehenswerten Sammlnnigi'U durch ve'.fchiedene Nenerwerbnngen ans Schenkungen mrd An» källfen sehr wcselltlich bereichert worden. Außer ckwer gvschlossenen Sammlung von l>ä"slichen und svnagogalen Rtz' tualien aus Metall, die der jüngst verstorbene Großindustrielle Michel BcnieS in zwei toertvollen Bitrimen dem Museum zuwendete, ist insbesondere cina überaus seltene historffche h?bräisck)e NiEnnde von dem um das Museum schon mehrfach hochverdienten Herrn Kalman Langsner gespendet worden. Es handelr sich um em Dokument zur Judenge schichte Steiermarks aus Judenburg vom Jahr« 1427 rind stellt sich als ein „benueff bvieff und das sigill in der Iudenschnell zu Judrnburg" dar. Unter „beruefs" ist am einfachsten das heutige Vergleichsverfahren eines Schuldners mit seinen Gläubigern zu verstehen, d. h. der Schuldner sucht die Gläub'ger zur Begleichung der Schuldposten, die aus einem von ihm ohue deren Kennwis übernommenen Erbe lasten, zusammenzumfen, was man im modernen Sinne eine „Konvobation" nennen könnte. Der hrev in Betracht kommende Schuldner ist der „edle und geehrte Herr — haipariz han'chbad — Moriz Wike^lze-r (Welser?)", der bei seinen jüdischen Gläubigern „in der Synagoge zu Indenburg be-- kannimachen ließ, daß. wer eine« Schuldschein... besitzt, binnen 30 Tagen zu erscheinen habe . . ., wer dies nnwrlkszL. der« liere all sein Recht und seine Al,spräche". Dr nun, so heißt es weiter, seit dieser Konvokation „mehr denn 80 Tage" derstrickien sind, so überleben die Un'erzeichneten, Benjamin. Sohn Ahrons, Schammafch. und Menachem, Sohn Mosches. Bovbeter. am 13. Nisian 6187 dem Herrn Moriz M(e)lzer die- Schrift, daß diese in seiner Hand „zur Re<l)tfcrt'ignng und zum Ausweise und zum Zeugnis" verbleibe. — Diese Urkunde wirft sin helles Licht ans die Rech'sverhällnisie der steirischen Juden und ihre Stellung im Wirtschaftsleben im Miticlalter Dr. Jak. Bronner. Boykott der Theateragentnren gegen die Budapestet Staaistheater. Wie uns aus Blldapest berichtet wird, haben di« Theatera<s?nt,lren beschlossen, den S!aats4>eatern keine neuen Stücke mehr zur Aufführung zu überlas s e n. Mit Rücksicht aus die Krtrsschlvankungen, denen die ungarisch« Krone aus^esetzt ist, forderten d'e Agenturen die wöchentliche A u s z a h l u n g der entfallenden Autorentantiemen. Die Privattheater bewilligten diese Forderungen sofort, während die Vertvaltnng der Staats heater, und zwar des Opernhauses, des Nationaltheaters und d s Str.d'iheaters, von der bisherigen Uebnng der mona-'.lichen Auszahlung nicht abgch«n wollten. H'erains wurde über Drängen der, auswärtigen Llutoren der Boykott beschlossen. Opernaufführung im Akademiethcater. Di« Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien gab durch sine Aufführung von Mozar'8 „Figaros Hochzeit" einen Beweis von den ausgezeichneten Erfolgen ihvcr Lc>hrmethode, die vor allem aus die organisalorüche Begabung ihr'L Leiters Hofrat Professor Marx zurückzusühren sind. Seine glückliche Hand bewies er schon bai'in, daß er den Oberregisseur der Staa^soper Josef Turn au mit der Aufgabe be'raute, nicht nur den s-zenischen Rahmen für die schw'erige Aufführung des Werkes zu schaifen. sondern auch dem S'il der Darstettn-ng eine für Schüleraufführungen seltene künstlerische Abrundung zu geben. J«des Detail schien ans dem Geiste der Partitur und des ' leicht beschwingten Buffo-Tones in ungehemmter darstellerischer Lebendigkeit wiedergegeben, so klar und delltlich wurde der Charakter des Werkes' in seiner besonderen Eigenart gegossen. Die gesangliche Allsbildung der jugendlichen Kräfte ließ noch manchen Wunsch unerfüllt, ebenso das unter der Leiiling des Kapellineisters Hugo Reichende rger si'hen'de Orchester, das «die Mozarlsche Grazie und Zartheit vermissen ließ. Eine Bitte bleibt noch allszrrsprechen: Könnten nicht i,n Rahlnen der SchülcraussiUiruligen aus dem großen Schatz kostbarer komischer Dpern, die leichter zu bewältigen sind, eine Auswahl getroffen werden? Die Akademie hätte überdies das Verdienst, unbekanntere Werke wieder ans Tageslicht zu bringen. *) 2. Bez., Malzgassi 16, Besuchszeit: Samstag und Sonntag von 11 bis 1 sitzr. Sprechstunden des Kustos Sonntag