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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-16 · Heft 1826 (16.3.1924) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1826 (16.3.1924)
Date
1924-03-16
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite K . Dien. Vountag wenn er in einem Jahre nicht weniger als 714o englische Meilen zurücklcge. An das Preisanbot war noch die Bedingung geknüpft, daß Barter kein Geld auf sei-? Wanderung mitncbmen und auch nicht mehr als einen Cent z-urückbringen dürfe. Baxter nahm die Bedingungen an und ist jetzt nach fast zwei Jahren Fußwanderung, zusammen mit seiner Frau, in New-?)ork angekannnen. Die, New Yorker Blätter widmen dem Ehepaar spaltcnlange Artikel. Der ehemalige Todeekandidat hat auf seiner Fußtour 3? Pfund zngenommen und fiihlt sich so gesund wie — eben ein von amerikanischen Aerzten aufgegehcuer Patieni. Er und seine Frau haben in 22 Monaten 20.39-1: englische Meilen zu Fuß zurückgelegt. Ihre Rome ging von Washington nach Florida. Von dort ging es zu Schiff nach Kuba, das sie durchwanderten. Dann kehrten sie in die Vereinigten Staaten zurück, die sie kreuz und quer durchzogen: auch nach Kanada und Mexiko erstreckte sich ihre Fußtour. Sie wiesen ein paar hundert Atteste von Postämtern und Bürgermeisterämtern vor, welche bezeugen, daß sie mit Ausnahme der zwei Schiffsreisen übers Meer ihre ganze Route zu Fuß absolviert haben. Die Fußwanderung war nicht immer gefahrlos: In Mexiko wurde das Ehepaar von Banditen bis aufs Hemd ausgerauüt; in Magove, im amerikanischen Westen, waren sic fast der Hitze und dem Durst erlegen. Den Bedingungen, die Baxters Freund stellte, hat das Ehepaar voll und ganz enffprochen und crhcift daher den Preis von 10.000 Dollar. Rettet schwachsinnige Mische Kinder! Ein Notruf von Regine Zahler. Ten Lesern der „Wiener Morgenz-eitung" dürfte aus früherer Zeit die Tätigcit des „Jüdischen Frauenbundes" j (Jntandaktirn für Greise und Kinder) nicht fremd fein, i Seit mchr als einem Jahre gehöre ich der Aktion an und habe mich im Lause der Feit, mit der schweren Rot, dem vielgestaltigen Elend unterer Schützlinge vertrant gemacht. Bei den allmonatlichen Beteilungen schütte« sie ihre von Dual und Pein bedrückten Herzen aus und wir versuchen wo möglich zu helfen, zu linder, zu dämpfen. Run begegnen wir aber in letzter Zeit einer traurigen Tatsache, der wir im Rahmen unsere? Vereines ummö-glich abhelfen können. Unter unseren klemen Schützlingen, den blaffen, fren-dloscn Kindern des Elends, unterscheidet das aufmerksame Auge noch solche, in deren Gesichtern ein besonderes Unglück seinen Stempel aufgedrückt hat. Das sind die ge i st i g abnormen Kinder, Epileptiker, Idioten usw. Man denke sich dieses Unglück geistiger Erkrankung im Rahmen tiefster, materieller Not und man lvird das richtige Bild gewinnen. ASiener __ Zur Illustration einige -Fälle. Eine Familie aus Polen. Die Eltern im Frieden Gutsvevwalter, wohlhabende Leute. Der Vater, ein intelliMter, jedoch willensschwacher, nervöser Mensch und den An-sordernngen der Zeit nicht gewachsen, erlitt einen Nerven Zusammenbruch und ist vollständig erwerbsunfähig, die Mutter ebenfalls an Leib und Seele gebrochen. Der Mann besitzt aus erster Ehe eine Tochter, die einen Bruchteil des Nötigen in einem Bureau verdient, jedoch lungenkrank ist. Und nun kommt das Furchtbarste. Der zweiten Ehe entstammt ein dreizehnjähriger Junge. Er kann weder schreiben noch lesen, ist wild, unruhig, scheu. Der Junge ist vor zwei Jahren von Professor B uch n c r untersucht worden. Der Befund lautet aus einen leichteren Grad von Imbezillität; nach zweijährigen! Aufeurihalt in der 'Anstalt wird großer Erfolg garantiert, ja sogar Verwendbarkeit in einem Beruf. Die unglücklichen Eltern, von dieser Aussage ermutigt, wendeten alles Mögliche an. um >die Ausnahme des Jungen in die Anstalt durchzusetzen. Die Anstalt verlangt aber täglich 00.000 K., für diese Leute eine Phantasiesumme; Gratisauifuahrnen oder Ermäßigungen können nur deutschösterreichi'sche. Kinder erreichen. Kinder ans dem Osten werden unbarmherzig abgewiesen. Und so wächst dieses unselige Kind täglich mehr zu.ni Idioten heran, zur maßlosen Verzweiflung seiner Eltern. Ein zweiter Fall: Die Mutter Wiiiive, viele Kinder, der Jüngste zwölf Jahre alt, Epileptiker. Die Anfälle bekommt er meist früh, famt also nicht zur Schule. Die Mütter geht verdienen, fürchtet das Kind allein in der Wohnung zu lassen, der Bub muß also aus die Gasse. Als neulich die Mutter mittags zurück kam, fand sie den Buben vor dem Hause aus einer Wunde blutend. Strolche waren ihm nachgelausen. verhöhnten ihn, schrien „Moi-schele" und stießen ihm schließlich ein Messer in den Rücken. Die Fran erstattete die Anzeige, (bie Burschen wurden bestraft, dem Knaben blieb aber eine solche Angst vor seinen Verfolgern, daß er seither von der Seite der Mutter nicht weichen will. Der arme Bub bat mich selbst mit flehender 'Stimme, ich möge ifym zur Ausnahme in eine Anstalt vevhelsen. Aber auch er wird nirgends erhört werden, er ist ein Kind des Ostens, dem die Tore einer Anstalt verschlossen bleiben. Aehnlicher Fälle gibt es auch re re. Ich überlasse es der jüdischen Oefsentlichkeii, ihr Gewissen zu prüfen, über.Wege und Mittel nachzusinnen, um diese unschuldigen Kinder vor körperlicher und geistiger Degeu.erierung zu reiten. Hier muß etwas geschahen, denn die Folgen von Fahrlässigkeit können unheilvoll sein. Wir Juden, die wir so viel Hoffnungen in unsere Jugend, in die kommende Generation setzen, dürfen nicht zulasten, daß unter ihr, durch unsere Schuld, geistig minderwertige, unbrauchbare und verzweifelte Menschen heranwachsen. _16. März 1924_Nr. 1826 Starker Erdbeben in Per«. Aus Paris wird gemeldet: Nach einer Meldung de? „Eclair" hat an der Nordgrenze von Peru ein heftiges Erdbeben stattgefunden, das erheblichen Schaden anrichtetc. Die Zahl der Opfer ist noch unbekannt, sie soll aber sehr groß sein. BorlSusig Irine Erhöhung der Rauchmaterka!» preise. Wie wir erfahren ist in den nächsten sechs Woche» mit einer E rh öch n n g der Preise für Nanchmaterial nicht zu rechnen. Auf eine längere Frist hinaus kann derzeit der Preissatz allerdings nicht festgelegt werden. Re Zustände auf der Straßenbahn. Drc Gemeinde Wien kann das Verdienst in Anspruch nehmen, allen üblen Kriegs- und Nachkriegserschcinungen an den Leib gerückt zu sein. Eine Ausnahme jedoch, die besonders fühlbar ist, ist die Straßenbahumisere. Nämlich die Auflassung, beziehungsweise Nichtwiedereinführung des Ueberfüllungsverbotes. Es ist geradezu mit Lebensgefahr verbunden, morgens oder abends nach Buremrschluß einen Zug der O-Linie oder irgendeiner anderen an die Peripherie der Stadt führenden Strecke zu benützen. Ganze Menscheutrauben hängen an den Trittbrettern, und es ist eigentlich nur glücklichen Zufällen zu danken, daß die Unfallächronik nicht täglich um einige Fälle bereichert wird. Die Ansrede, es wären nicht genügend Waggons vorhanden, kann absolut nicht als stichhältig bezeichnet werden. Bei iy herrschenden Arbeitslosigkeit sind sicherlich genügend oejer/te Arbeitskräfte vorhanden, um einem eventuell vorhaud/nen Mangel abzuhelfen. Ein zweites Kapitel bildet der frühe Betrievssck/uß der Straßenbahnen. Während in kleinen Provinzsb,'ien die Straßenbahn viel länger verkehrt, nicht zu reden von den Hauptstädten benachbarter Staaten, wie Berlin, Budapest usw., wo der Bctricbsschluß erst eine Stunde nach der polizeilichen Sperrstunde der öffentlichen Lokale erfolgt, kann man bei uns von dem einzigen, für die große Masse in Betracht kommenden Verkehrsmittel zu einer Zeit keinen Gebrauch machen, wo in anderen -Städten das' Nachtleben erst beginnt. Erst vor kurzem ist die Verlegung des Theaterbeginues an dieser Frage gescheitert. Es ist bekannt, daß viele Tausende von Existenzen und nicht zuletzt die Gemeinde Wien als Empfängerin der Lustbarkeitssteirer, an dieser Sache interessiert sind. Es wird Aufgabe der verantwortlichen Faktoren sein, in diesen Punkten schleunigst Remedur zu schaffen. INE WERBEPRÄMIE DER„WIENER lll!llllllllllll!l!illllllllii!iililllll!lllll!l!!!i!Hnilil|i||||||!ni!|||!inil!||| MORGEN ZEITUNG“ AN UNSERE FREUNDE UND LESER! Di« Leitung der ^Wiener Morgenzpiturg“ hat weder Mühe und Korten gescheut, um unser Blatt nach Inhalt und Umfang auszug*>efalten. Ein direkter Pressedienst aus den wichtigsten Zentien europäischer Politik informiert Tauchest und gründlich über alle wichtigen politischen Vorgänge der W^lt; der Berichterstattung über alle gesellschaftlichen, kulturellen urd poetischen Erscheinungen auf jüdischem Gebiete ist ein weiter Raum eingeräumt worden, der Jeden, den uns mindestens 3 neue Jahretsabonnenten br ingt, erhält S^SifiSy gegen blossen Ersatz der Porto- und Verpackungsspesen die dreibändige Ausgabe von Kampf fiepen antisemitische Hebelgriffe ^TSStZ' JÜdlSCheT GeSCHIChte um für das gute indische Recht ist seit Anbegiun einer unserer leitenden Gesichtspunkte und d e Ra.che der iud'schen Renaissance die täglich mehr pine Angelegenheit der gesamten Judenschaft wird, findet in unserem Blatte die kräftigste Stütze. Die „Wjener Morsenzeitung“ informiert ausserdem in sachlicher Form nicht nur über alle lokalen Vor änge von allgemeinem Inte-esse, sie bietet dem Kaufmann sowie jedem Wirt°chaftpinteresspnten ausführliche volkswirtschaftliche Informationen in ihrem au^geba »t.en Hande'steil, die ‘ständige Berichterstattung auf dem Gebiete von Theater, Musik und Kunst, interessante nnd belehrende Feuilletons sowie eine 1 ferar schwertvolle Romanbeilage u d eine ausgedehnte tägliche Körpersportrubrik erf euen sich ^er Anerkenne g weitester' Leserkt eise. Unsere neugesctaflene wöchentliche Beil.^e: j5Sa?5 ne ns PalSstin#1* hält den Lese»* über das erwachende neue Lebe-: in Paltl lina auf dem laufenden, die erstmalig am 19. März erscheinende.L i ter & tur-Beilage wird einen willkommenen Wegweiser für jed^n Literaturfreund d'Id'N. Geben uns schon die E»folge unserer bisherigen Anstrengungen die Gewähr, dass wir auf »lern ree* ten Wege sind, so wollen wir unsere Bemühungen weiter fortBetzen, um das ur\s vo-schweb^-nde Ziel vollauf zu erreichen: das grosse dcutschgeBchriebene Tagbl&tt mit weltpolitischer jft discher Tendenz. Zu diesem Zwecke bedürfen wir jedoch der Mithilfe unserer Freunde und Leser. Wir beginnen in den nächstp/i Tagen mit einer neuen Abonnenten-Werbeaktion, welche den täglich wachsenden Kreis unserer L'faer bedeutend vergrüssorn soll. Um den Werbeeifer unser r zahlreichen Freunde zu steigern, h?ben wir uns trotz der bedeutenden Kosten dieser Aktion entschlossen, jedem erfolgreichen Werber ein wertvolles Geschenk zu widmen. in $esrhmackvoll»ter Edition. W»r bieten damit unseren Freunden eine Gabe, die nach Ausstattung und Inhalt ein« Zier te für jede Bücherei bildet, das bisher u' üb^rtroffene Werk'des Al'meisters neuer iüdscher Geschichtsforschung, da« in knapper Form nie grandiose Epopöe der jüdischen Geschichtsentwicklung in spannendster Weise vor dem Leser entrollt. Unsere Freunde werden sicherlich gerne die Gelegenheit ergreifen, um sich dieses Werk zu sichern und gleichzeitig der „Wiener Mor ge n ze i tun g“, , dem wirksamsten Sprachrohr der Jüdischen Sache, neue Abonnenten zuzuführen. Gleichzeitig mit der Übersendung der geworbenen Abonnenten ist die Be ugsgobülir für ein Jahr zu ei legen, und zwar für: Oesterre ch K 420000 8. El. S. . Dinar 720 Tschecho slowakei ...... KL 816 Bul arten. Lewa 860 It» in . Lire 144 DfUtschland.Goldmark 48 Polen .Zloty 4=! Rumän en.. l>i 1560 Frankreich, Belgien .... Frc*. 144 Schweiz und das übrige Ausland -chw. Frcs. 48 Es w rd betont, dass nur derjenige Anspruch auf die Piäraie hat, der drei neue Abonn»m nta (nicht bereNs b«s«»ben tel aufgibt. Nie Aktion wird mit 16. April abgeschlossen. Vergeh oiss»r habn ke nen Anspruch auf die Pr'iraio. Dii Ueberweisung der Beträge?psch«*ht durch fn gei de Zahlstellen: Oenterr. Post»parkas»f’nkonio 16M.693, Rumänien und Rukow:nn: Osttank A.-G. in Tsc echo-s'owakischps Postspaikassenkonto Gernaut« und de n Kilt-len, (Prag) 59 531, Polnisch^ Po4sparkassenkonto (Warschau) 19 >.‘ 27. Dp t.sclies Postscheckkonto (Berlin W 7) 108.722, Schweiz: Schw« zer Vo ksbank in St. Gallen, Jugoslawien: Postsparkassenkonto (Zagreb) 40 ('85,!tauen: Societa di Credito Commerciale Triest^ Via Mazzini 30. Diä Verwaltung des« „Wiener Morgenzeitung“ Wien, fl. Ta’jorstrasse 1-3, Tel. 44.©38, 43.319

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