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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-15 · Heft 1825 (15.3.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1825 (15.3.1924)
Date
1924-03-15
Page
Seite 4 (sequence 8)
Language
German
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friemel: Dem K<?rl will ein paar ich runterschmeißen! Inder: Stör' er die Justiz nicht in ihrem Lauf! Zähl* er 25 ihm auf! Stüber: Der Bursch hat’s verdient! Ich weiß es genau! Die Anne hat er mit den Juden gemeuchelt! Meine liebe Anne! — Mir wird ganz flau! (Trinkt) Itlas: Wie unverschämt der Kerl doch heuchelt! ( a i s e r Josef: Die Anne? Mich dünkt, die sollte ich kennen! (Oeffnet die Tür. itlas: Komm* nur herein! Brauchst nicht zu flennen! Führt ein kleines Bauernmädchen hrein.) jtüber: Die Anne! Du Kröte! Du Galgenstrick! Caiser Josef: Ich denke, die Anne ist nicht mehr am Leben? luder: Zum Kuckuck! Wer hat euch das Recht gegeben, Solch eine Sprache zu führen? Wie brachtet Ihr das Ding zurück? 'aiser Josef: Am Wege lag's, könnt* kaum sich rühren! Entlaufen war‘s dem grausamen Pfleger, Dem falschen, meineidigen Kläger! fuber: He, Friemel! Jetzt prügelt den Bengel erst recht! .-aiser Josef: Erlaubt das der Kaiser?! n b e r: Der Kaiser? — Nicht schlecht! Der Kaiser ist weit! — Hier herrschen wir! [aiser Josef (seine Orden entblößend): Ihr irrt euch, Mann! Der Kaiser ist hier! Caiser und Adjutant S'ehen in glänzender Uniform da! rcuißen Marsch, zwei Offiziere treten ein und salutieren.) Iffiziere: Eurer Majestät, zu Befehl! luder itüber Gnade! Gnade! ’j ie m el (Wolkenvorfcang schließt sich über die Gruppe.) 1 ein z: Na, was ist denn? (Will den Vorhang öffnen.) Jetzt haben wir ihn doch endlich! Atlas (hält ihn zurück): Nein, laß nur! Jetzt wird‘s erst recht schlimm! Heinz: Aber der Kaiser Josef — jetzt kommt doch die Aufklärung — Atlas: Ja, wenn wir ihn bis dahin nicht gekriegt haben. Nun versteckt er sich so, daß man ihn überhaupt nicht erkennen kann. Bald ist er Minister, bald Hofprediger, manchmal kommt er als bester Freund und manchmal sogar selbst als Jude. Heinz: Ach nein?! Atlas: Doch, wenn ich dir's sage. Also es ist hoffnungslos! Heinz: Weißt du was! Ich bin‘s auch satt! Ich habe Besseres zu tun! Atlas: Nanu?! Heinz: Statt mich um den ollen ehrlichen Haman zu kümmern, möchte ich, ja, was denn eigentlich? Ich möchte mal zu mir selbst kommen — mal richtig zeigen, daß ich auch selbst was leisten kann, Ohne Haman. Atlas: Hallo! Bravo! Da bist du auf dem rechten Wege! Und wenn du selbst darauf gekommen bist, kann ichs dir verraten: Wenn man nur immer hinter dem Haman herläuft, bringt man ihn nicht zur Strecke, aber wenn man sich gar nicht um ihn kümmert, dann —- Heinz: Dann? Atlas: Wenn er sieht, daß die Juden wieder eigenes Lapd bestellen, statt in der ganzen Welt herumzujagen, dann — Hein z: Dann? Atlas: Dann — (Es hat Musik eingesetzt. — Hafclkwah ) Vorwärts geht der Zeiten Lauf Haman hängt sich selber auf!! (Wolkenvorhang teilt sich. — Gruppe von Schnittern und Schnittterinnen in Palästina. — Heiterer Tanz. — Während dessen schleicht Haman j smim. sich betrübt und heimlich vorüber. Er nimmt die Vorhangschnur ds WoÜkeiworhangs, knüpft eine Schlinge und steckt den Kopf hinein. Dänin zieht er die Schlinge und den Vorhang zu. hinter dem er verschwindet Vordexbühne ist leer. Die Musik dauert ein Weifle fort, um dann trfötelfdi abzubrechen.) Nachspiel, (Bibliothek, wie In dem ersten Bilde. Heinz schüft? Atlas au seinem Platze. — Onkel B a r u c h und Schneider treten ein.) Onkel Baruch: Er schläft! Es ist zum — Mlle. Schneider: Der süßer Bengel der! Onkel Baruch: Heinz! Wach' auf! Auf! Heinz: Was? Schon zur Schule? Ich kann nichts dafür, wenn die Stiefel nicht passen — Onkel Baruch: Was? Es ist zum — Heinz: Gucken die Ziziß noch raus? — Hab' ich geschlafen? Mlle. Schneider: Er phantasieren! Zeig4 mir deinen Puls! Heinz: Das war ein Traum! — Guten Tag, Atlas! — Nun kann mich kein Torquemada mehr braten. — Hurra! (Läuft alb.) Onke! Baruch: Dieser Junge! Es ist zum —! Aber das ist diese ungesunde Phantasie! Das kommt alles von den vielen Büchern! Mlle. Schneider: Und dann sperren Sic ihn m der dumpfer Bibliothek? (Ab.) Onkel Baruch: Dieser Junge! — loh glaube, er hat gar nichts gelernt, er hat die ganze Zeit geschlafen! Na, vielleicht hat er davon geträumt! Ja, ja, liebe Kinder! Vergnügten Purim wünsche ich euch allen! Doch denkt, woran das Fest euch mahnen soff: Wie Judenhaß oft furchtbar sich erhoben, Doch schließlich bringt sich Haman selber um! - Ihr Kleinen inüßt‘s auch manchmal schon erfahren, Wie mancher euch als jüd'sche Kinder schilt; Dann sollt Ihr zeigen jenen, die 's nicht’ wissen, Was euer Glauben, euer Volk euch gilt. <. Daß ihr in eurem Kreis stets so zu wirken sucht, j Daß man das Judentum vor euch nicht schmäht,! Weil selbst Ihr Juden nichts davon versteht, j Daß Ihr nach Wissen strebt und lernet — seht! Das lehrt in lusfgem Scherz das Spiel von! Hamans Flucht!** .1; •;f<>

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