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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-14 · Heft 1824 (14.3.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1824 (14.3.1924)
Date
1924-03-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1824 Wem, Freitag Wiener Morgenzeituns. 14. Ntärz 192-1 Seite» Die Anleihe« für Frankreich. Ein Akzeptkredit in London. London, 13. März. (Wolfs.) Die Kreldiwerhattdiungen Frankreichs in London betreffen, wie „Manchester Guardian" erfährt, einen MM-krEt von sünfMillionen Pfund Sterling. Der Kredit, au dessen Gewährung sich die führenden Londoner Banken und Finanzhäuser beteiligen, werde eine Lauszeit von zwölf Monaten haben, durch Bons der Natii cnaiverteidigitugsanleihe gedeckt werden, die in London zu hinterlegeu sind, und durch die Bank von Frankreich garantiert sein. Hundert Millionen Dollar von Morgan. Paris, 13. März. Die Blätter melden aus Notv-Iork: Das Ban'kernshndikat Morgan hat der Bank von Frankreich einen Kredit von IVO Millionen Dollar zur Vcrsügwng gestellt. Weitere Meldungen 'besagen, daß das Bankhaus Morgan gestern die Nachricht über den Kredit der Bank von Frankreich mitgetoilt habe. Diese habe zugestimmt, den Kredit in Gold zu r ückz u zahle n. In gut unterrichteten Kreisen wird bestätigt, daß sich der Krodit auf 100 Millionen Dollar 'Mantft und daß er in einem Zeitraum von e-tlva einem Jahre zu tilgen ist. Der Gouverneur der Bank von Frantrelich habe Morgan davon verständigt, .daß die französische Regierung keinen anderen Kredit vor Bereinigung der Finanzlage aufnohmen und auch keine Anlö'che begeben würde, abgesehen etwa von Anleihen fiir den Wisderausbau der zerstörten Gebiete. Ein finanzielles Verdun. Paris, 12. März. In der Bormittagssitzung des Ftnanzausschusses des Senates verlas der Berichterstatter für den Saniemt-ngsenHwuvf. Senator Verenge r, den Generalbevicht, der morgen zur Verteilung gelangt. Verenger führte aus, die Finanzkommission habe keine Mühe gescheut, die Negierung in ihrer Aufgabe zu unierstützen, doch schlage sie Ersparn % f s e in der Höhe von einer Milliarde Franken vor. Die neuen Maßnahmen würden einen Gesamtertrag von 5130 Millionen erbringen, tvas gegenüber dem Entwurf eine Erhöhung der Einnahtnett um 630 Millionen bedeute. Was .die N o tw e n d i g k e i t der Sparsamkeit -anlauge, fei der Ausschuß grundsätzlich mit der Regierung einig, hinsichtlich der Mittel aber anderer Ansicht. Die Kommission lehne das vevfassungswidrige Ermächtigungsgesetz ab. Die verlangte Vollmacht -würde der Regierung eine .Handhabe zur Acnderung der bestechenden Gesetze und damit des ganzen Vorwalknngsurrd Finanzsystems der Republik geben. Keine im Kriege oder heute in Elsaß-Lothringen erlassene Verordnung sei Mit dem Ermächtigungsgesetz zu dergleichen. GpavsamkeitSnmß nahmen konnten mir d u r ch Zusa mm e n a r b e i t e n von Parlament und Regierung dnrchgeführt werden. Frankreich mache im Augenblick sein finanzielles Verdun durch, aber dank dem Beistände aller Franzosen werde es abermals triumphieren. Frankreich werde sich eine würdige Finanzpolitik zu eigen machen, wenn es die drei Ziele verfolge: Bezahlung durch Deutschland, Rogetnng der auswärtigen Schuld Frankreichs und Konsolidierung der schwebenden Schuld. Der Senat hat die Regierungsvorlage, wonach dis Zinsen der Nationalverteidiguttgsurrd Schatzbons von der Einkommensteuer befreit werden, angenommen. Ministerrat und Senatssttzung. Paris, 13. März. Heute vormittags hat int Ettzste unter dem Vorsitz Millerands ein Ministerrnt stattgesunden, in dem Poincare seine Mimstevkollegen über den Stand der auswärtigen Lage informierte und de Lastehrie ein Expose über die finanzielle Situation, speziell über di« Frage der Balutenikuvse abgab. U.rn 15 Uhr trat der Senat zu einer Sitzung zusammen, die in einge weichten Kreisen mit einiger Spannung erwartet wurde, weil man für heute die Eröffnung des Kampfes nur die Regierungsvorlage erwartete. Bis zur Stunde nahm die Sitzung des Senats einen voWommen ruhigen Verlauf und die Diskussion hatte einen rein akademischen Charakter. Die eigentliche Debatte wird erst für morgen erwartet. Man glaubt im allgemeinen, daß die Regierung auch hier im Senat eine Mehrheit finden werde. Nach einem Referat Verengers erinnerte Ministerpräsident Poincare an die heftige politische und finanzielle Offensive, die im Jänner gegen den Franken ,gerichtet worden ist. Er beschwört die Senatoren, ihre persönlichen Wünsche hinter die Notwendigkeit, den Franken zu verteidigen, zu stellen. Die B e s e tz u it g ÄesRuhrgeb i e t e s, sagt Poincare, ist nicht nur ein Z w a n g smittel, sondern stellt auch ein p r o d u k t i v e s Pfand dar, und wir werden dieses Pfand gegen andere weniger produktive nicht Umtauschen. Die Beziehungen Frankreichs zu den Verbündeten sind ausgezeichnet. Die Briese Mac Donalds beweisen vollkommene Loyalität. England begreift die Notwendigkeit der militärischen Kontrolle zur Sicherung der Entwaffnung Deutschlands. Die Vereinigten Staaten haben Frankreich einen Beweis ihrer Freundschaft gegeben, indem sie Dele- .TRAGET Ständiger Messestand : jNeuc Burg Kr.4083 Ständiger Messestand: NctieBurgNr.40831 I cruHuci ^WM«WMMWWW>WWEHü»> MM M, Ml gierte in beit Sachverstärtdigenausschuß entsendet haben. Italien hat in der Reparationskonmüssiott stets mit Frankreich gestimmt. Die neue belgische Regierung ivird alle Fragen immer in vollem Einvernehmen mit uns behandeln. Die anderen Länder, die m>it uns die Sache des Rechts verteidigt haben, geben uns ermutigende Beweise der Sympathie. Nichts in der internaiiionlen Lage rechtfertigt die Krise der Wechist'Wnrse. Die Forrselmng der Debatte wurde Hieraus aus morgen vertagt. Girr verschwundener Bankier. Paris, 12. März. CHavas.) Gegen den Pariser Bankier S i m o n, der mit Schulden in der .Höhe von etwa 20 Millionen Frarrken verschwunden ist, wurde ein Haftb c f e h l erlassetr. In den Kassen seines Bankhauses wurden weder Geld noch Wertpapiere vorgefunden. Tie letzten Ievifenlurse. (Eigertdiettst der „Wiener Morgenzeilung") Loudsn, 13. Man. (Radio.) Devisenschlußkurse: Prag 118,50, Steiv-Aork 4.30V,,, Paris 99,25, Brüssel 120,7o, Nom 101,25, Zürich 24,87V., Madrid 33,82'/°, Amsterdam 11.54-/4, Kopenhagen 27.74V«, Cliristiania 31.92-/,. Stockholm 16,35'/, Helsrngfors 171,25, Berlin 19'/« Billionen, Wien 304.500. Aeio-2)orir, 13. Dtärz. (Radio.) Devlümchlußlltrie: Taggeld 4, Wechsel ans London 4,29,63, 60 Lage-Wechsel 4,26,63, Paris 3.9, Amsterdam 37.22, Prag 290'V Berliner Schlußfitr? 22Vt bis 22-/,, Silber 68V,. Paris, 13. März. (Radio.) Csiektettschlußkurse: Banane bc France —, Credit Lyonnais 1695, Societe generale 758, Metrovoüllnue 532, Thompson Houston 754, Raffinerie sau ord- 4°/o 1895 —, Delle Ottomane 4% 6340, Ottomane &•/* 1914 34, Rio Tinto 3320, Schneider n. Cie. 1705, Ballt 2895, Royal Dtttch 37.100, Shell 452, Steanna Romana 557. Nnpoleon-Poincare. London, 13. März. (Tel. d. „Wr. Arorgeuzeitung".) Düs Mac Donald nahestehende Arbencrblat't „Daily Hemld" veröffentlicht sensationelle EnthüllurtMlt über angebliche Dikta tu-rpläne Pomcares. Das Blatt schreibt, Pomcare habe während der gelhoi-NMisvollen Min-istevkottferenz arn Sonntag Millerand einen Plan unterbreitet, wie der Widerstand im Senat zu brechen fei, uänrlich durch nichts geringeres als die E i n b e r u f tl n g der Nationalversammlung nach Versailles. Die verschiedenen Mlajoritätsvechältnisse in Kanonier und Setmt machten eine Abändevung der Verfassung nötig, duwch die Poincare Diktator geworden wäre. Die Depntiertenikammer sollte mi ein Jahr verlängert werden. Der Kriegsmi'nister hatte 'bereits die notwendigen Maßnahnten getrosten. Ain Montag früh -müden vom Kriegsmiitisier versiegelte Orders an jeden Divisionskonrtnandeur des Pariser Distrikts abgesandl, die erst ttach der Erklärung des Ausnahrnszustattdes geöffnet werden dürfen Poincare habe den pmt wieder ausgegeben. Trotzdem tvären Ueberraschungett nicht ausgeschlossen. tzntftaatlichung der Telephons in - Frankreich Eine Forderung der Pariser Handelskammer. Paris, 13. Marz. Die Pariser Handelskammer hat gestern eine Entschließung gefaßt, in der die Regierung aufgesordert wird, in der Kammer mit aller Dringlichkeit eine Borlage über die Abtretung deS Telephon? an die französische Privati n d u st r i e eittzubringen, da nur private Gesellschaften in der Lage seien, mit genügenderSchnelligkeit die mit Rücksicht auf die Bedürfnisse des Publikums notwendige Erneuerung und Ausdehnung des TrlephonnetzeL durchzufnhren. Keine Kirchenstaats-Berembarung. lEicrendienst der „Wiener Morgcnzeittutg".) London, 13. März. Rach einer Meldung des Reui erschen Bureau 's ist in ttnterrichteten britischen Kreisen von einer Vereinbarung zwischen >der italienischen Regierung und dem Vatikan nichts bekannt. Kahr im Kreuzverhör. Das Beweisverfahre« vor dem Abschluß. (Eigendieust der „Wiener Atorgettzeitung*.) München, 13. März. Das Interesse der Oeffentlichtek vegimtt tagtäglich abznflauen. Schon gibt es niä)t nur freie Stühle, sondern auch lichte Stuhlreihen im Saale Wenige Minuten vor halb 10 Uhr wird heute das Kreuzverhör des Herrn 0. Kahr fortgesetzt. Sämtliche Anwesenden beteiligctl sich au diesem Kreuzverhör. Immer wieder wird Kahr gefragt, wie er sich den Druck auf die Berliner Regierung vorgestelli habe. Die vielen Fragen von dett verschiedenett Verteidigern vorgebracht, erreichen eigentlich nichts Neues: Sie sittd eine ständige Wiederholung höchstens in einer neuen Form. Auch Oberstleutnant Kriebet und Hitler richtett an Kahr verschiedene Fragen, ersterer warum Erhardt aus Nordbayern zurückberttfen wordett sei unb warum er ihn (Kriebel) und die übrigen Angeklagtett am 6. Novetnber?m Unklaren gelassen habe. Die Abberttsuttg Erhardts begründet Kahr damit, daß Erhardt über seine urspritttgtichr Ausgabe, ttämlich den G r e n z s ch u tz g c g e n Sachsen, hinansgegattgen fei, die zweite damit, daß bekannt gewesen sei, er sKahr) werde sich tticht am Marsche nach Berlin bc-. tctliflcu. Attch Hitler hält 5lahr vor, daß er am 6. 8loventber 192.3 nichts über seine Aitsichten geätlßert habe. Interessant ist auch eilte Frage eines Verteidigers, u'crmnt Kohr in der Nacht vom 8. ans den 0. Noventber dem italienischen Konsul geraten habe, er ntöge sich in eine Grettzsrcition begeben und von dort aus die Ereignisse in München wcitertelegraphieren. Kahr behauptet, tu.ni der Unterredung mit dem Konsul nichts 3 tt w isse n. Kahr venvayrr sich in seiner weiterelt Aussage dagegen, daß er am 8. November im Büraerbränkcller Hitler die Hand gegeben habe. Hitler ruft: Bin ich jetzt ein Lügner oder keiner? worauf Kahr wiederholt, er könne sich absolut uidj t et* inner tt. Weiters sagt Kahr aus, P 0 e h u e r habe ihn nach dec Rückkehr ins Nevenzintnter aus die Notwendigkeit der Ministervesiellung hingewiesen. Auf die Frage Hitlers, ob er dem Zeugen jemals eilt Ehrenwort gegeben habe, erklärt Kahr, ihm persönlich tticht, aber den Herren Lossow nnd.Seisser habe Hitler erklärt, die Neutralität zu bewahren. Hitler stellt erregt fest, er habe Seisser gegenüber am 1. November erklärt: Venn Sie aus Berlin zttrückkehren und mir nicht endgültig Mitteilung machen, was geschieht, dann fühle ich mich aller Verpflichtungen wtb Loyalitätsknnd gebimgen ledig und frei. Der Vorsitzende rügt die erregte Sprache Hitlers. Auf die Frage, ob Kahr seinerzeit bei der Abfassitng des Artikels „Bor der Mündung der Pistolen" mitgeioirlt habe, bemerkte der Zeuge, er müsse es ablehnen, ans diese Frage zu antworten. Die Fragestellung der Verteidigung bewegt sich rtunmehr in der Richrmtg des Ehrenwortbruches. Hitler stellt daztl fest, daß von einem Ehrenwort im kleinen Saal keine Silbe gefallen sei. Rechtsanwalt Holl stellt die Frage, ob der Zeitge auch dann noch Hitler dett Vorwurf eines Ehrenworibruches machen würde, wenn Dr. Weber ausstchen und aus sein Ehrertwort erklären loürde, daß die damaligen Worte Hitlers zu Seisser anders gelatttet haben. Kahr: Ich habe hier keine Ehrenerklärungen abzngeben, sorwern Aussagett über Tatsachen als Zeuge zu machen. Rechtsanwalt Rho der wirft weiters die Frage auf, ob dem Zeugen bekannt sei, daß der Staatsgerichtshof in Leipzig aim 15. März v. I. bereits die nationalsozialistische Arbeiterpartei verbotett habe unb daß auch die anderen Bundesstaaten diese Partei verboten haben. Es sei von großer Bedeutung, ob Kahr solche Bereinigungen, die sich auf eine Verfassunas mrderung eittgestellt hatten, geduldet habe oder nicht. Kahr erklärt, wetm andere Bundesstaaten eilt solchem Verbot erlassen haben, so habe dies mit seinem Auftrag als Gmeralstaatskommissär nichts zu tun gehabt. Schließlich ersucht der Vorsitzende die Verteidigung, Um Beweisanträge möglichst rasch einzttbringnt, damit m 0 r g c n bie Beweisaufnahme abgeschlossen werden könne.'Die Sitzung wird dann aus Freitag vormittags vertagt. Ae Bettretung Polens im Bvllerbundrat. (Eigendieust der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 13., Niärz. Wie bereits genteldet, ivurde beschlossen, eine st ä n d i g e Delegation Polens beim V ö l k e r b u n d r a t e zu schaffen. Mit diese! Mrsfipu sollte der frühere Delegierte beim Bölierbund, Prof. Aszkenasy, wieder betraut werden: dieser Vorschlag wurde jedoch fallen gelassen. Nun hat die Regierung dem gewesenen Minister für Aeußerev. Rontau Dmowski, diese Stelle angetragen. Bisher bat sich Dmvwski zu diesem Vorschlag nicht geäußert. SdiafwollripsüiMi: X) CO STOFFE 7SW w j e m . i> a o te r« Ass ’tf-»& Tetcfcmf«r.7fia6^

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