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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-13 · Heft 1823 (13.3.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1823 (13.3.1924)
Date
1924-03-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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CWtei Rfca, Steimttfltog ^"1 PSTWr-TTV’ ©fette* MorfteMttrmA -'n r„ uLsm*tm yr-% T- «he. tm Inland. Ne Dctalftetöttmfl des »Mets. Der verhAtmsmätziy veibuttgslofe Berilamf der De« t vMuge» im Vudg«tauSschuß wird damit in Verbindung ge- 'beacht, daß «mgübttch in der mnerpoM'schen Sikrcrvion über- Haupt «in« Entspannung singe treten sei. Diese sti vor- ' nchvÄkh darauf -urückzuführen, daß der Firranzinimster Dr. Kienb-ck mit dem Finanzreferenten der Stadt Wien, Qtdhtoot Breitner, wiederum die Verhaindümgen über di« ' AbtzokbervleÄrrngsnovelle ausgenommen hat. Die Unterhandlungen sollen nicht rmgünsttg stehen. Die van der Opposition Dr die GMngung des Budgetprovisorimns ausgestellten VorbMnyttttgen — Kmderversiche-vung, Berlängemmg der Verordnung Wer die Erhaltung des ArberterstandeZ in den gewerbNchen Betrieben und Rovelliernittg des Krankettversichevttngsgesetzes — bWen ebenfMS den Gegenstand von Beratungen der Regierung und der Parteien; sie scheinen übrigens kemeSWegs 'danach angetan, den Sozialdemokraten als Vorwand Kr smen neuen Sttwurlauf gegen die Regierung zu dienen. UeberdieS Hot es den Ansche'in, als ob das KcrbnrM Seipel tatsächlich nvit Jahresende auf die Bormundschaft des Völkerbundes verzichten will und daß es bei diesem Bestreben die Unterstützung der Opposition findet, die der Regierung darum auch keine überflüssigen Hindernisse in innerpMischen DÄangen in 'den Weg legen will. Am 21. d. dünste der BWgeiausschuß mit der B-oratuing des Bundes, voranschlages fertig werden. Am 36. d. wird der Rationalvat die Koeiie Lesung des Budgets beginnen. Die Mehrhertsporteien wollen nun die Budgelberatung nicht forcieren ituib darum ein sechswöchiges Bndgetprov'^vrium be- «ttttdigen, das glsichzsttig mit dom ordentlichen BundesvoranWag in Verhandlung gezogen, aber noch vor Moiratsende verabschiedet werden wird, damit kein Ex lex-Zustand osntrrtt. Die unproduktive Lundwirtschuft. In der gestrigen Sitzung des BudgStMlsschufses wiwde die Beratung des Kapitels „Land- und Forstwirtschaft" sort. gesetzt-. Der SsziaLde-mokrot Pölzer befaßde sich eingehend mit dem Produktionsrückgang der österreichischen Landwirtschaft. Alles, waS in der Land- Wirtschaft erzeugt werde, werde von der in der Landwirtschaft tätigen Bevölkerung auf. gekraucht. Von den Ertragnissen der FriedenAprodMion sei man noch sehr weit entfernt. Der GhrWrchsosial« Fink verlangte die Bereitstellung des Nachtragskveidrtes für die landwrvtischaftlächen Meliorationen, denn «in oWvcs Budget werde Oesterreich nichts nutzen, wenn wir im Lande nicht selbst an. nähernd das produztsven Birnen, was wir brauchen. Der SogirAdeNokrat Müller verliMM Zur Förde rum^ des Mein, gavverkwestns M Einstellung sines BctDaaes von 1,2 M t lliarden ins Budge:. Mehrere Redner befaßten sich auch mit dem * Wie-erbefiedlmrgsgesetz. 2^c Sotzialdomokvat Dr. Eisler wendete sich namenttich gegen den Gsnevalkomm-issär Dr. Zimmerman, der in ttite&t s«mer Monatsberichte diases Gesetz scharf kvrtifiert hatte. Der Minister kam auf diese Angriffe nicht nochmals zurück, da gestern Mich eine Interpellation, die sich mit demselben Gegenstände beschäftigte, vom Ackerbanminister schriftlich bStmttlvordet worden war. In der Interpellation sbeantwovtiu-ng wird unter anderem ausgeführt, daß Dr. Zimmerman mit dieser Kritik -ledUlich gvgenülber seinem Mandanten, dem Bollerbumdrat, eine Meinung ausgesprochen, nicht aber an die Burtt>esvegiavung ein« Auffordsvmrg gevichtst habe. Die DerrerchSsche Rsgi-enmrg könnte sich nur dann mit Recht <tls beschwert erachten, wenn ihre Rechtssphäve irgendwie dadurch berührt würbe, nicht aber dann, wenn lediglich ein« für sie ««verbindliche Meinung über den volkswirtschastlichen Wert oder Unwert eines hierizvlanbe geltenden Gesetzes geäußert wird. Die Vevadung Wird honte fortgesetzt. Aevowtio« bei den Kommunisten. v Die Partei der österreichischen Kommunisten hat in dw'en Drgen in M«n einen Parteitag abgehalten intb nach längerer Debatte, die sich bitweise nichts weniger als ruhig und versöhnlich, mitunter sogar außerordentlich stürmisch" gestaltete, „mit großer Mehrheit" einen neuen P.arteivor stand gewählt: Dolezal, Deubler, Fiala, Anna Grün, Haas, Ketzlik, Killich, Kremier, Kraml, Marcsch, Marzy und Schroth. In der konstituierenden Sitzung wurde dann ein politisches Bureau als geschäftsftchreuder Ausschuß gewählt, der aus vier Mitgliedern besteht: Dolezal, Fiala, Anna Grün und Schroth. Mit den früheren Führern Friedländer, Wertheim, Frey> Korttschoner, Loman ufw. wurde gründlich aufgeräumt. Das LomMuNistrschL Organ, dem eine neue Redaktion gegeben WEde, spricht davon, daß die Partei ihre „schwerste Krise" hinter sich habe, die „Fraktionökämpse mit ihren bösartigen Wirkungen", denen manche mit „ausgeklügelten Resolutionen" begegULU wollten. Auch auf dem Parteitag seien noch einnral ,Lwei Gruppen" ausgetreten, waren aber beide „zur Ohnmacht verurteilt". Dort den Absichten der neuest Parteilechmg wird gesagt: »ZrMonskänrpfe oder Versuche fraktioneller Betätiguug werden keinen Augenblick länger gedulde:. Dom politischen Butdcw, .beziehungsweise dem geschästsführenden Ausschuß obliegt die Aufgabe, rücksichtslos gegen jeden Versuch fraktioneller Betätigung vorizugchen. Tie Parteiweiß, daß sic die volle Znstimnrung der gesamten Lurch die Ausweisung in deu Tod getrieben. Las Schicksal einer In gestrigen Blättern war die Mitteilung Über eine» Selbstmord aus unbekannten Gründen enthalten. Wir habe» Erkundigungen über den Fall eingezogen und müssen seststellen, daß es sich hier nur die traurige Eieschichte eines MauneS handelt, der infolge -der bureaukvatisch durchgeführten Behandlung der Ausweisungsbestimmttngen in den Tod getrieben wurde. Die Behörden hielten sich an dos Gesetz, daS sich gegen Juden wende:, die vom Vater her nach Galiyien zuständig firtb, dabei aber mit der Heimat der Eltern gar keine Verbindung mchr haben, da sic jahrelang — im heutigen Falle 18 Jahre — in Wien toben. Der Selbstmörder Adolf P. war von föimr frühesten Jugend an bei der Firma Neurath beschäftigt gewesen und hatte später sin kleines Geschäft in der Brigittenau errichtet. In einer Markow rind Aiustcrschutzangelegeuhett geriet er in Konflikt mit den Behörden und dsitrde zu einer Strafe und zur Ausweisung verurteilt. WEN tadellosen Verhaltens wurde ihm im Dezeiube: der Rest der Strafe nachgelassen. Unglücklicherweise war die Aufhebung der Ausweisung nicht ausgesprochen worden. P. weilte seither wieder bei seiner Fvau wrtb seinen Kindern in der bescheidenen genreinfamen Wohmmg in der Grünatorgasse, die sie schon sott acht Jahren bewohnen. Das Gesuch des P. n:u Aufhebung der Za-ndcsverweisung tvurde maßgebenden Orts giinstzig beurteilt, mußte jedoch den lar^wierigen Amtsfchimmelweg durchmachen. Polizeidirektor Hofrat Schulz zeigtsich entgegenkommend und erlläcte, es sei gegen den Aufenthalt des ttfäjtg rtttzuw^i-denwenn das Landesgericht gegen den Aufenthalt keinen Ginwand erhebe. Die Frau lief sich im LandesMicht und im Justizministerium die Füße ab, wurde immer aus oroett günstigen Bescheid vertröstet, der jedoch nicht rintraf. Am 6. d. erschien ein Polizeibeamter des Kommissariats Doltzmanrrgasie, der der Frau P. erklärte, ihr Mmrn müsst Mischen AamUke. dmerhalb fünf Tvgeu Me» verkaW«^ j h falls er nicht de» Nachweis der AustnchaltbewiMgmig «ft bringen kömie. Der Rechtsanwalt des P. gab der Fra» eiq Schreiben an den Vorsitzenden des LattdeSgerichtrS Hofvas Hotter mit, «n tot Bestätigung rascher zu rrlrmge»; jedoch Hofval Hotter erllärte, daß eine Erledigung noch nicht vorliege Der Amtsschimmel arbeitet eben langsam und am langsamste» in Oesterreich. Am 10. d. ttschiett die Fta» Sei Ha PostzchMv bet&mgft nur «inen Auflchnb vo» ü Stunde^ <. da fi« beabsichtigte, dem Manne eines der fthttar «Üzugeveu »ch die Rerstvorbeveitungen getroffen werde» mußten. DaS vw suchen wrrride abgolehnt mit der Bemerkung, ihr Mann müsst S» 12 Aste bet der Pokizoi erscheinen, da «* sonst vochefvhrt rverde^ «ui abgeschoben z» werden. Die Fva» eilte weinend in dir Wohnung und teilte dies ihrem Manne mit, der die Nachricht ganz verstört austvahm. Gr erschien auch nicht bei der Poktzei, um sich vov Wie» wsgchefördern zu lasten, sonder» beförderte sich selbst taefc indem er sich in Abwesenhett stiner Fra» zwischen dem Bovzrmmer uA der Küche stiner Wohnung erhängte. Die »»- glücklkchs Frau, die Wienerin ist, befürchtet, daß ihr auch di« WohMtttg MgMommen werde. Diese DefLrchtvng allerdings erscheint uns als unbegründet, da Mat g^etzliche Handhabe hierfür vorhanden ist. Morgen wird Herr Hofrat Hotte-r wahrschedSlch mktbrllrn, daß dst BewiLigung bervttS anSgestrtigt war, daß ade» der Änttsdienet schtte, der sie zustellen sollte. Der überraschte BurraukratismuS hätte, nach iknstrer Ansicht, om ehesten einen Äetteralkommissär nötig, der mit dem Schlendrian und de» ob, den Buchstaben des Gesetzes Übenden PnwoMPheirveiteul anst rmrmie. kommunistisch gssinnten Avbvitevschaft besitzt, wenn s« ausdrücklich evklärt, daß sie mit allen Mittel», die ihr zu Gebote stehen, alle Versuche, den Fraktionskampf neu zu beleben, urmröglich machen wird." Kne polnische Handelsdelegation in Wien. Gestern traf eine unter Fnhtrrng des polnischen Hardelsmmisters Kiedron stehende Polnische Delegation, die ms Beamten des ßartdelsministeriums und Vertretern Polnischer Handelsorganisationen besteht, in Wien ein, um den kürzlich erfolgten Besuch der österreichischen Handelsdelegation in Warschau zu erwidern. Die Delegation besuchte gestern die Messe; ihr zu Ehren gab der hiesige Polnische Gesandte Graf Lasocki ein Dejeuner, an dem auch Bundeskanzler Dr. Scipel teilnahm. Abends wurden sie in der Handelskammer eiupfangen. Srel für die innere Ernenerung. Für die Wiener Intelligenz. In «irrer Bcusarwalluing im 8. Bezirk, deren Tvilrwhtn-rr, wie eine KorrLsstondertg berichtet, „pm. größten Teile den Intelligeuzständen" angchörterr, sprach der Pogvomha-mpelmann Orel, itvelcher jetzt gewöhnlich den Getneinderat bellli'tigt, über das Thema ,^W i e werden wir dir sJ u bc.in l o§'?" Nachdem ec idemr IWurtzsche Ausdruck gegeben! hatte, daß di« Menschheit itvoch irn Mittelalter fcfoit möge, entwickelte der Fasethans eine Theorie, nach welcher durch die G l a u b e u s z e r s p I i t t c r u n g im C hri st en tu>m das Jndentumr Mt Herrschaft gelaugt sei, so daß die Christen heute Sübaven .des Indenvolles seien. Was fouut folgte, tvar der üblichen Autisemitenideolegie enlnvmuren, nach welcher für Kapitüllsmns und Sozialismus, Krieg und Frieden, Pavbschutz und Parlausrodung, Mieäe'.Wucher und Mieterschutz in gleicher Meise „darr J'wd" veraudwovtlich geniacht wird. Da cröer dc<h das Gciiväifch für die Iattelligentz inr Festlfaale der Bäckeraenossenschaft bestimmt war, so beguiügie sich der Orel damit, a-usuiahurs'iveijst nicht die HnlschlachttdNig der Juden zu verlangen, sondern er forderte die Bealsaumtliung zu r i n n e r e n E r n c u e r u u g auf. „Wir mttrssen aus den Christen, die ihrent Geist und ihnen Handeln nach Juden geworden siebd, wieder gute Christen machen." Da kann n'.an halt nix machen; der Orel scha'ln^it von Scelensanierung. Ausländer Exporteure kaufen am vorteilhaftesten erstklassig« Gummierung und Ausführung bei Reginan.' . , II/. IIUUlüUIIU I, ■J71 -- .--.-[||-1[| | r 1|T|I lifTIII.. II. i »»,» Wl. Tagesbericht. Ludwig August FnmN und die Meuer Äevolutio«. Zu unserem anläßlich beS 90. TobeKtageS FranbkS erschieicenen Aufsatz« über de» bekannten Dichter schreibt uns ein Leser: Frankl, der bekanullich in Padua das Doktorat dar erlangt hatte, hat seinen ärztliche» Beruf Htijt ausgeübt. Sein Name kat» irr Wie» in der Revolution im Jahre 1848 i« aller Mund. Fvankl ließ sich in die akademische Legion einreihe» und während er am Abend drS 14. März vor dem Poll zeiget bäude Posten stand, dichtete er ein Freiheitslied, welches in dem ersten zeusurfreien Blatt Oesterreichs erschien, nach oeur sm Abend vorher die PreßfreHeit verkündet worden war. Beim Dricck dieses Gedichtes legte Frankl selbst Hand^ tat} es war das Gedicht „Die Universitällh dessen erste Strophe lautet: > Was kommt heran vÄt kühnem Gawgek Die Waffe Miafi, die Fahne wcht, Es mcht mit hellem LroumrMame Die Aniversität. Wie die Marsellaise für die fränMsche Mvolutvoq, s-o wurde Frankls „Universität daS Kampflied für die Wiener Revolution des Jahres 1848. In einer halbe» Million von Exemplare« wurde es in ganz Oesterreich verbreitet, 27 Musiker vertonte» das Gedicht. Frankt, der Dichter des österreichischen Revolutionsliedes, wurde in seinen Träumen von wahrer Freiheit ebensoenttäuscht wie alle seine Zeitgenossen, Anastasius Grün, Bauemfeld u. cl, die gehofft hatten, für Oesterreich werde eine wen« Mt heranbrechen. Die Universität wurde bald nach 1848 einer dev festesten Stützpunkte der Reaktion und heute stcht sie mttev der Herrschaft der Hakenkreuzler. PMeuropa. Ein Weg züm Frieden? Dr. R. N. Condenhove-Kalergi euttvtckelte Dienstag abends int KonzerthauS das von ihm güzchafstnc Projekt der paueurvpäischen Union. Die heutig« Entwicklung, so führte der Vortragende aus, geht unloeigerlich oinem fürchterlichen Kriege innerhalb Europas entgegen. Sern Elenient wird die Luft fein, seine Waffe das Gift, und das Ergebnis — die vollständige Vernichtung der einst so blühenden europäischen Kultur. Das trotz seiner Kleinheit in 25 oinzelne Staaten geteilte Europa sicht einer dreifachen Katastro.phe entgegen: dem wirtschaftlichen Untergang, der vollständigen Bedeutungslosig. keit und der Unterjochung durch ciu wiederorsdariktes Rußland. Doch gilbt es «tuen Weg, denc Chaos zu entgehen. Das ist der Zusammenschluß der europäischen Rationen. Eine allgemeine Abrüstung wird die Gefahr des Vernichtungskrieges bannen,, die Aufhebung der Zolllschrairlen wird die so enge nrtteinartder verknüpfte Wirtschaft aller Staaten der pauenrypäischen Union gesuudett lassen. Jutcressanterloeise nimmt Emidelchovr-Kalergi (£ u a* land und Rußland aus. Beide Weltreiche werden erst in einem späteren Weltbund als ebenbürtiger Partner dem geeinten Europa gegenübersteheu. Dies soll a-bcr keinesfalls irgendeine Feindseligkeit gegen die beiden Staaten bciichalreu, eS'sprechen vielmehr gewichtig« wirtschaftliche und.pchchologistlie!!-Q! B6+$B

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