Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1822 (12.3.1924)
- Date
- 1924-03-12
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2979076-2980834-2980905--18134-3005179- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Hx. 1822 Wien, Mfikwoich' _ Bühne und Kunst. Philharmonisches Konzert. Man mich sich damit abfinden, dgß die Philharmoniker keilte musLkalischen HeiWorihe sind, die unbedingt noch interehonten Novitäten fahnden, man kann sich jedoch nicht damit zufrieden geben, das; sie die neue Musik allmählich ganz aus-- schalten und daß sie als Ersah dafür in aller Behaglichkeit historische Kuriositäten cmsgraben! „Shmphonie, gue me veux tu!" ist man versucht, auszurnseu, wenn Raffs Symphonie „Im Walde", die nn Jahre 1863 geboren tvurdc und gleich ihren zehn symphonischeic Schwestern -nur ein kurzes Dasein fristete, im Jahre 1964 in den philharmonischen Konyerten wieder aufersteht. In diesem neude,tischen Werke, das Beethoven, Schumann und Wagner zusammenkoppelt, schwärmt ein Wanderer vorn deutschen Walde, er träumt durch .die WaldeSdammerung, lauscht dem Tanz der Dryaden und läßt sich schließlich von der niedersinkenden romantischen Nacht umhüllen, deren Waldweben 'durch wilde Jagd nird Derliozsche Höllenorgien gestört wird. Wir sind heute gegen solche Schrecknisse abgehärtet, die Symphonie ist tot, man störe nicht weiter Raffs Grabesruhe und verschone uns mit derlei historischen Raritäten! Selbstverständlich tvurde das Stiick glänzend gespielt, und e8 gab stürmischen Beifall, der sich auch nach «Schuberts B-Dur-Symphonie uirb nach der Ouvertüre zur ^Berkauften Braut" emstelltc. Noch sind die philharmonischeu Konzerte ausverkaust, und die lebhaften Ovationen, die Felix Weingartner bald umschmeicheln, bald umbranden, werden von dem verwöhnten Liebling mit liebenswürdigsur Lächeln guittiert. Gleichwohl muß man Dirigenten und Orchester davor warnen, ans ihrem Grundsatz, das ewig Alte ohne viel Probcnarbe.it abzuhaspcln, dem Neuen den Eintritt zu verwehren und so mit möglichst geringen Mitteln einen möglichst großen Effekt zu erzielen, $u beharren. Will Felix Weingartner in den philharmonischett Konzerten, für deren Programme er wohl allein verantwortlich ist, durchaus nur die oft bewährten, ihm bequemen Paradestücke wiederholen, so lege er die Alleinherrschaft in der philharmonischen Republik nieder und lasse sich einen jüngeren Mitregenten gefallen, der in der Produktion seiner Zeit lebt und jährlich einige Novitätenkonzerte herausbringt. Ein reaftionävereS Programm als es sich die Philharmoniker in dieser Saison leisten, ist kaum mehr möglich! Und dies in einer Zeit, da allenthalben die Kunst mit Siebenmeilenstiefeln vorwärts stürmt und die Jugend immer stürmischer Einlaß begehrt. flb. Tanzabende. Aimee Earol«». — Helga. Nach den Enttäuschungen, die die Abende so mancher in Dien namhafter Tänzerinnen bereiteten, müssen die Darbietungen von Armee Carola, die von ihren Schülerinnen Esta Mara und Diua Bernowska unterstützt wurde, als erfreuliche Beweise eines ernsten .Kunststrebens gewertet werden. Sie sind nicht künstlerische Schöpfungen, deren Notwendigkeit durch das Ausmaß an persönlichem Können feststeht, aber sie sind frei von mißverstandenen Prätentionen. Im engen Anschluß an die Msik atmet sie nicht nur deren Nhychnrus ctit, sondern klammem sich enge an den Verlauf der melodischen Linie an und übertragen die artverwandte Struktur auf die Gesetze der Bewegung. Herrscht in den Tänzen von Armee Carola mehr die malerische Linie vor, so lagert über den Vorführungen von Dina Bernowska ein feiner Reif von Zartheit und Amnut; Esta Mara dagegen ist eine humorvolle '.'iuZdeuverin stilisierter Tcmzsormen. Das zahlreich erschienene Publikum, das meist der englischen Sprache sich bediente, kargte nicht mit Beifallsäußerungen. Trmuntang, Untertitel „Somnambule Ausdruckskunst", heißt eine Beschäftigung, von deren Notwendigkeit auch gestem wiederum Frau Helga im Modernen Theater zu überzeugen versuchte. Vielleicht können Aerzte feststellen, ob die Art dieser Vorführungen in das Reich ihres Wissens und ihrer Beurteilung gehört, mit Äwust, die ja nicht nur im cthymologischen Sinne vom Können abhängt, haben diese Darbietungen nichts gemein. Als . die Dame bei der Rezitation von Oskar Wildes „Salome Monolog" den Vers: „Das Geheimnis der Liebe ist größer als das des Todes" mit ihren krampfhaften Bewegungen erdrückte, da wußte man, daß das Geheimnis des Tankes sür Frau Helga daS größte aller Geheimnisse ist. dt. Reneinstudieaiurgen in der Staatsopcr. Für die. nächste Zeit hat die Oper eine Reihe von Neueinstudierungen angesetzt. Am 19. d. wird in neuer Inszenierung Mayerbeers „Afrikanerin" heran ^gebracht. Nach einer. Mischen Mrfführung des „Ringes" soll Psitzners „Pale st r i n a" wieder in den Tpi'lplan ausgenommen werden, dann folgen Nenaufführnttgen von ,.H ans H e t I ,i n g", „Orpheu s" und in neuer Besetzung Korngolds „Die tote Stadt". Ernste Vorbeveitungen werden für die Richard Strauß-Woche getroffen, die anläßlich des 60. Geburtstages von Richard Strauß anfangs Mai stattsindcn wird. Am letzten Abend dieser Fcstwolle soll '-es Meisters nciucs Ballett „Schlagobers" 'in Szene gehen. Wenn man die Nachrichten über Uraufführungen an reichsdentfchcn Opernbühnen verfolgt, wird dieses Repertoire von Auffrischungen an der größten deutschen Opernbühne, nicht genügen können. Georg Kaiser über die Ausführung von „Gas". Georg Kaiser hat an die Direktion des Raimund-Theaters folgendes Schreiben gerichtet: „Sehr verehrter Herr Direktor Beer! Trotz meiner Zusage konnte ich Ihrer Einladung, der Erstaufführung beizutvohnen, im letzten Augenblick nicht Nachkommen, da gleichzeitig auch London mich ries. Ich schwankte iini> entschied mich für London, wo „Gas" ebenfalls um diese Zeit gespielt wird. Sie werden wehte Entscheidung verstehen: für den Durchbruch deutscher Dramenkunst ist die Londoner Erstaufführung bedeutungsvoll. Ich halte es für meine Pflicht, auch in London wie eben in Paris mich als »Siurmbock" einsuisetzen. Welchen Wert ich Ihren AuMyrnn- _ Wiener Morgcnzeitung. _ gen meiner Stücke beimesse, sagte ich Ihnen nachdrücklichst bei Ihrer wundervollen Inszenierung von „Nebe nein a n v e r". Immer ist mein Dam an Sie für Ihre ununterbrochene Arbeit für mich der lebendigste. Sie grüßt Ihr Georg Kaiser." Johann Strauß-Theater. Ws nächste Novrtüt gelangt „M a r i e 1 t a", Operette von Robert Bodamty und Brunos Hardt-Warden <Gesangstexte von Willi Kollo), Musik von Walter Kollo, zur Aufführung. Bis M Premiere werden im Zyklus der größten Erfolge dieser Bühne die Operetten „Der Zigeunerprimas", „Die Faschingsfoe" „Die Czardassürstiu" und „Rund mm die Liebe" gegeben. Keine Berpachtuug des Stadttheaters. Die Direktion des Neuen Wiener Stadtcheaters ersucht uns frstzustellen, daß alle Gerüche über eine Verpachtung au die Herren Grnber und Kneidinger vollkommen aus der Luft gegriffen sind. Es wurden keinerlei diesibezügliche Berhaudlnngeu gepflogen. Die Gilbert^ Operette „Das Weib im Purpur" bleibt nach wie vor auf dem Spielplan. Jüdisches Theater in Graz. Int Rahmen einer ungewöhnlich geklügenen Dilettantenvorstellung, welche die Kultuffektion des Vereines Bikur-Eholim in Graz veranstaltete, tourde Richters Drama „Zn spät" anfgeführt. Besondere Anerkennung gebührt dem Leiter des Abends Herrn: Erich K a n d l der auch eine der Hauptrollen ausgezeichnet spielte. Die Theateranffühntng hatte derartigen Erfolg, daß die Vorstellung wiederholt werden mußte. Die Schwester Gvldmarks gestorben. Ans Budapest wird uns berichtet: Letzten Samstag starb hier nach kurzer Krankheit die Witwe Armin Nobel geh. Rosa Goldmark, die letzte von den (Geschwistern des großen Komponisten Karl Goldmark. Die Verstorbene blieb bis gut ihrem Lebensende in Beziehungen zur Kunst, da ihr Sohn Friedrich Ferenczy Oberregisscnr der Bndapester Königlichen Oper nr>d des Budapest er Stadttheaters ist. Fran Rosa Nobel war die letzte von elf Geschwistern und starb im Alter von 83 Jahren. Das Leichenbegängnis fand Dienstag auf dein jüdischen Friedhof statt. Die Leiche imtrbc auf letztwillige Verfügung der Verblichenen in dem Grabe, in welchem der Vater Got'dmavks ruht, beigesetzt. Im Deutschen Opernhaus iu Berlin kommen zwei Ballett-Divertissements, die . „N u ß! u acker - Suiie" von Tschaikowsky und „I e n x d'E n fa n t" von Bi ze t, zur Aufführung. „Serenade", eine komische Oper von Artur P i e ch l e r, ist von der Stadt Passair als Festaufführnng zur Eröffnung der Passatter Maimesse anserschen. Eine interessante Ausgrabung. Im Hamburger Stadttheater gelangten die „Lustigen Musikanten" von Brentano, Musik von E. Th. A. Ho ff mann, F»r deutschen Uraufführung. Die einzige Partitur, die auf uns gekommen ist, befindet sich in der Pariser Konservatoriums-- bibliothek. Den Abschluß dieses bemerkenswerten Abends bildete die Wiedergabe des theatralischen Capriccios von Fernccio Batsoni „Arlecchino". Uraufführung einer spanischen Oper. Am Liceo in B ologna wurde mit sehr großem Erfolg die neu« Oper des spanischen Komponisten Icüme Pahissa „M ar ia n el a" aufgeführt. Das Werk, dem ein guter Lnsffpieltext gn gründe liegt, wird ins Deutsche übersetzt und schon in nächster Saison an mehreren reichsdeuffchcn Bühnen zur Aarfführmtg gelangen. Eine Dichterlragodie. Der spanische Komödiendrchter Luis Aiiäon del Olm et hat eüten tragischen Tod gefunden; er wurde durch die Pistole eines BuMtfreamdes und heimlichen Rivalen, des Dramatikers Vidal Y Planes, bm Teatvo Eslava nstdergestneckt. Professor Bruffot spricht in der Zeitschrift „Die Literatur" von dieser Dichtevtragödic, die durch Eifersucht und Neid yekveckt wurde, bei der Impotenz und Änvbition vor wahrem Können sich duckten, um im gegebenen AugeMick dem hilfsbereiten Mentor an die Gurgel zu fahren. Von Olmct erscheint als nachgelassenes Werk der Roman „El principe asesino". Eines seiner BKHmnwerVe, ,M senorito Ladislao". hat Olmet gemeinsam mit seinem Mrder verfaßt. Eine Bewegung mrter den New-Iorker Schanfpielern. Wie aus New-AorE telegraphiert wird, hat die Berufs- Vereinigung der Niow-Porker Schauspieler mit 1200 gegen 2 Stiurriten beschlossen, mn 1. Juni in den Streik zu treten, toemt die Bühnenleiter sich der Forderung nicht fügen, daß Schauspieler nicht beschäftigt werden dürfen, die außerhalb der Berufs- Vereinigung st e h e ir. Naurens des amerikanischen Arbeiterlnntdes hat Samuel Gompers dis Schauspieler der vollen Unterstütziung der A rb e!i ter s ch a f t versichert, falls sich die Durchfirhrung des Streiks als notwendig ergeben sollte. NeuhebrBsche Dichtung. Morgen Donnerstag findet im Kltlbsaale der Urania ein Abend statt, welcher der neu« hebräischen D ich 1 ung gewidmet ist. Mirjam Schnabel-Fröhlich spricht unter anderem B i a l i k s ,-Stadt des Mordens" und Tschernichotvskis „Vor der Statue Apollos". Den einleitenden Vortrag hält Dr. Hugo Knvpfm achc v. Kleine Knnstnachrichien.?luf Grund der Spar- und Abbaumaßnahmen sollen die Berliner K u n st akademic und die Berliner .Kunftgewerbeschnlc zuisammenficleflt und Professor Brutto Paul mit der Leitung der gesamtetr Anstal: betraut werden. — Der berühmte Kunsthistoriker Hei-mäch W ö l f f s i n hat seine Mobtngsstätte an der Münchner Ilwiversitat verlassen rmd sich in sc me Schweizer Heimat begeben. — Im Frank f it r t c t KunstgEwerbcmuKum wird gegenwärtig eine Ausstellung zweien Meisterstassen der Leipziger Akademie für graphische .Kunst und Buchgewerbe borge; ährt. — Die Berliner Akadem >ie der Künste hat bei der diesjährigen Wahl sechs neue Mitglieder aufgenonmten, ttnd zwar die Architekten Albcrt Geßner, Eduard Bieber und W r a c (f t l, die Dialer Heinrich Zille, Christian Rohlfs und als enizigen Ausländer den Norweger Christian Krogh. — Slevo gts Nandzeichnungeit zu Mozarts „Zaarberflötc" sind soeben in ausgeMichmten Knpfertrrftzrucken bei Paul Cass irer in Berlin erlschienon. — Gegenwärtig sind in Paris int „Salo u des In de Pendants" Er;ett'g!tiss,e der deutschen Buch! u n st zu sehen. Die Arbestetk von Behrens, Ticmann, Koch, Cissarz und Renner werden überans lobend bcsprochctt. Aus den Theater«. V o l k s o p e r. Heute verabschiedet sich Maüia B a t tust i it t als NelnSco in Meverbeers „A f r i k a n c r i u" vom Wiener Pnblikum. Donnerstag Rkozarls „E n t s ü h r « n g ans d e m 6 c r a 11" und „D e r S ch a u f p i e l d i r e kt o r". Deutsche? B o l k 8 t h c a l e r. Heute „P r ofesforBer nyart» i". Freitag Thomas „M o r a l". > K a m m e r s p i e l e. Ab Tontterstag, 10 Uhr abend?, „S ch w a r z u n d W r i ß" von Sache Guitrtz. Raimund-Theater. Freitag Erstaufführung des SchmrspielS „M ichael Kramer" von Gerhart H a n v tm a « n mit Ettgen K l ö p f e r in der Titelrolle. Wichtssaal 6i« Schadenersatzhroieb der Schaaspieleria Ra Roland. Die Schattspielerin Jda Roland sGväfm Eoudetchove) hatte beint Gewerbegericht gegeit dcn Direktor der^ Rovtzrt- Buhlten, Pros. Dr. Engen Robert, lentc Schadenersatzklage aitf Zahlung von 31,424.880 K. angestoenqst. Zwischetr der Künstlerin mtb bat Robert-Bühnen tvgv ein Vertrag zustande gekommen, nach welchem gegen eine Bcteilicpmg von 35 Prozent der Remeinnahmen Fraic Roland in dem Stücke des in frühester Ingcrtd ^verstorbenen, österreichischen Cchvrftstellers Kcrlteneke-r „Die. Schwester" an der R-eitaissattcebühne austreten sollte. Int zweiten Akt war cnve Begleitinnsiik zum Texl, tvelck>e die Bknstk zum Ball der Homosex,tellett symbolisieren sollte. Diese Begl-eitmttsik war vom Konrpomstett m>i: 8 Prozent der Brnttoeinnahnren bewertet worden und Direktor RoberU beabsichtigte, au Stelle dieser Musik gegen den Prolest der Frau Roland eine andere Musik des Theaterkapellmeisters einpstchatten. Nach der dritten Auffuhruirst des Stuckes wurde tatsächlich die neue Musik gespielt. Dies führte rvaheAu ztt einer Katastrophe, indem eirt Mißlingen des Zwsammenfpiels pi befürchten stand. Frati Roland eilte, vom Publik,int unbemerkt, auf den Kapellmeister zu, entriß ihm die neue Ästtfrk, zerriß sie ttitd zwang iilm durch die Drohtutg, nicht weiterzuspielen, die ursprüngliche Musik westcrzuspielen, so-daß der Akt zu Ende gespielt werden konnte. Frau Roland erkrauite infolge dieser Vorfalles an nervösen Herzerscheinungen ttnd konnte an drei hterhemt Alanden nicht auflretcn. Es fant zu schtoeren .Konflikten mit Tirektor Robert und schließlich wurde dieser Konslikt applaniert ttud^Fran Roland trat noch bis 8l. Dezember in beut Stück auf, für welches wegeit Ümbesttzrttrgen ttenerliche Proben notwendig wurden. In der Klage wird nun do? Honorar für die drei durch Verschulden der Dircitiot, entfallenden Spieltage,sowie das Honorar für, die Probe« begehrt, außerdent wird ein Betrag für ärztliches Honorar sowie fiir eine zu hoch begehrte Pachtsumme begehrt, um welch letztere zwei Beträge die Klägerin jedoch m der Verhandlung das Klagebogchren einschränkte. Eine Reihe von Darstellern und Darstellerin ne >l legte dar. daß tatsächlich die heimlich erfolgte Abänderung der Musik bat Aus rc gungszn st and und die Erkrankung der Klägerin begreislich mache und daß ohne die Geistesgegenaoart der, Fratt Roland cs geradezu zu einem TheaterfkandÄ hätte kommen müssen. Das Gewerbeigericht verurteilte den Direktor Robert zur Zahlung der entfallenen drei Ga st spiel abendc sowie zmn Ersatz der Kosten fiir die weiteren Proben und zur R e ch n u n g l r g w n g int Gesamtbetrag von 21 Millionen Kronen und wies das Mehrbvqehren a b. Verführnng unter Zrtsage der Ehe. Das Bezirkskprichi Favoriten hatte den Htlfscivbeäter Stchhcm Z. wegen Verführung unter der Zusage der Ehe zu acht Tage« A r re st verurteilt. Bei der BerufuugsverhanÄlung wurde das Urteil bestätigt. Der Angeklagte legte einen Brief vor, tvvrm feine Geliebte Albme F. von Lhm Geld zur Fruchtabtrerbang verlattgte, da er sie nicht heirate und sie bereits ein. Kind van ihm habe. In der Urteilsbegründung wird erklärt: Die vom dem Mädchen gestellte Bitte, chr bei der Frttchwbtreibnng Mit einem Geldbetrag berzttstehen. ist nicht als Verleitung zu diesem Verbrechen zu werten. I» der Berfassmvg. in der sich Mbme F. befunden hat, muß dem seelischen.tmd GefWlsmoment enr breiter Spielraum zugestanden und besonldere Rücksicht zngebilligt werden. Diesen von dem Angeklagten zu seiner Erllasttmg dorAelegten Brief, den sie ihm geschrieben, hat sie nur in der größten Verzweiflung, in chrer vollständigen Hilflosigkeit an ihn gerichtet S« hat diesen Brief erst geschrieben, als sie die Mberzeu-gttng gewonnen hatte, daß eine Verehelichung ausjichtlos geworden sei. Dieser Brief kann als Dokument für die Schuldlosigkeit des Angeklagten und die Schuld der Kläger,rv mcht mS Treffen geführt werden. Der Derwieler als Preistreiber. ÄamdesgevichtSrat Doktor Arie. StrafbezirkKgsr.icht 1, hatte sich heute mit einer durch die Beglertarmstände imtevesscmten, Men den Zahnarzt Doktor Emanuel B. wegen Versuchs der Verbeitung zum Betrug erhobenen Anklage zu befassen. Der An«Äagte wohnte seit Juli 1933 bei dem Bezirckshauptmamr a. D. Dr. Ernst Kordin, dem im Jahre 1922 vom Wohnungsamt eine aus zehn Räumen bestehende Wohnung m der Lcvwgegasse 6Y ztMwiesen worden war, in Untermiete. Dr. Kordin hatte zunächst dem Zahnarzt behuss Ausübung seiner Pva^rs zwei Zimmer gegen einen Monatszins von einer Million .Kronen, bM darauf einen dri t ten Raum gegen einen wüsteren Zins von 209.000 K. monatlich vermietet. Ueberdies hatte sich der Zahnarzt vlwpsiichiet fünf Prozent seiner aus der zahnärztlichett Praxis erzielten Bmcktoeim«chmen, weiters zw anzag Prozent von den Einnahmen der chm vom Dr. Kordm «Ava zugebrachten Patienten abzuMren. Zwischen beut Zahnarzt und deur Hauptnrieter kam es bald zu Zwistigkeiten, die hauptsächlich daraus rwsnstiertett, daß die zahnärztliche Praxis sehr gering war, daher der Anteil des Dr. Kordin nur ein sehr minimalsv war, während dem Zahnarzt der ipattschalierte Zins bald viel ztt hoch erschien. Es kam auch zwischen beiden ztt verschiedenen Mtefftrei^gkeilen. In einem Prozeß, in lvelchem es sich am die Kündigung des Dr. Kordin dem Zahnarzt gegenüber handelte, brachte Dr. Kordin vor, daß sich tseine Fratt bei Dr. B. «emige Plomben machen lassen wollte. Dr. B. habe, der Fmu e'm Plombe gemacht, jedoch ein Formular über vier Plomben auf den Betrag von 220.000 K. ausgest-ellt, damit Dr. Kordin auf Grund dieser Bescheinigung von der Bundc.skranketckasse, der er als Pensionfft angehört, einen größeren Teil der Kosten der Plomben ausbezahlt betont me. Dr. Kordin erklärte weiter, daß er sich vonr Zahnarzt zu dieser Manipulation nicht verleiten ließ, daß er sich vielmehr ein zweites^Formular' ausstellett ließ, in welchem wahrheitsgemäß nur die eine Plombe bestätigt wttrde. Attf Grund dieser Angabe des Dr. Kordin wurde gegen Dr. B. die Anklage wegen versttchter Verleitung zttm Bctrttge erhoben. Als Vertreter des Hnivatbeteiligten Doktor Kordin war Dr. Gürtler erschienen. Der Richter beschloß jedoch ülnr Einspruch des Geklagten, den Dr. Gürtler als Vertrewr des Privat-beteiligten nicht zuznlasscn, da Dr. Kordin nicht geschädigt jck, daher nicht als Privatbeteiligter anzusehen sei. In der Sache selbst stellt« Dr. B. jedes strafbare Vorgehen entschieden in Abrvde und gab an, daß er eine Destätigttttg zunächst über vier Plomben aitsffcdltc, weil er der Ansicht war, daß vier Plomben notwendig sein tverden. Als es sich herausstellte, daß ein« Plombe nur zu machen itxtr, habe et eine zwe>ste Bestätigung ausgestellt und von Dr. Kordin das «che Formular zurück verlangt. Im Verlauf der Verhandlung trat auch zutage, daß gegen 'Dr. Kordin wegen Räumung beraube rs l üssigen Woh tt r ä ttute seitens dort Dtretkommission ber-eits eingeschvitten tvurde und daß hierüber das Verfahren noch anhängig ist. Weiter, wurde <nt§ den Akten festgestellt, daß Dr. B. di« Mietkommisswn um Bestimmung des Mi eU ziinj«s für die ihm vom Bezirkshaupttnonn übeMstnen Räume angerufeu Hute tmd daß die Mietkommission den ZinS mit monatlich 90 0.000 K. festgesetzt hatte. Nach durchgesührtem Beweisvcrfahrett sprach der Richter den angeklagten Zahn- 1 arzt mangels jeden stvafbaren V«asck)atldens frei.