Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1822 (12.3.1924)
- Date
- 1924-03-12
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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an. re.?B ' tu**" ssrwtt, MlNwoch -’-^pawwy Sine kmkgrationskonserenr iu Genf. Genf, 11. Atärz. (I. T. A.) Vor einigen Tagen ist die fcoim. Internationalen Arbeitsbureau beim Völkerbund einberufene Emigrations$onfc* renz in Genf eröffnet worden. An der Tagung nahmen unter anderen teil: die Vorsteher der zwölf z e n t r a l e n Emigration's organisati onen, das Internationale Ro t-e Kreuz, das Zentralkomitee für Frauest¬ und Kinderschutz, die katholische Kongregation für Emigvantenschutz, Protestantisches EmigrantenschutzVonritee „Dt. Raphael", Jüdisches E Migrationsdirektorium, die Jca sowie der Vorsitzende des Internationalen Arbeitevbureaus Albert Thomas. Vom Iüdffchen Emigrationsdirektorinm nahmen teil: Z. Aber so n, Dr. Ben-Nathan und Dr. Dinowi Tiomkin. Das Einigrationsdirektorium hat der Konferenz ein Memorandum zugehen lassen, das sich über alle Punkte des Programms äußerte. Außerdem wurde vorn Generalsekretär des EinigrationsdirMoriums Dr. T i o mk i n auf einer Sitzung der Konferenz ein eingehendes Referat erstattet. Von der Jca waren vertreten die Herren Lucien Wolf und I a n o w s k y. Die Beratungen der Konferenz nahmen mehrere Tage in Anspruch. ksolidge kandidiert. Rew-Iork, 11. März. (Tel. der „Wr. Morgcnzeitnng".) Präsident Coolidge hat seine K a n d i d a t u r für die Prasidentschaftswahlen beim Gouverneur des Staates Michigan angemeldet. Die Anmeldung war mit 1 3.0 v 0 Unterschriften au? allen Staaten der Union versehen, während das Gesetz nur 100 Unterschriften verlangt. Panamaorgien in Amerika. Vorläufer des Oelskandals. — Anschuldigungen gegen Wilson. New-Iork, 11. März. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung") Die Blätter veröffentlichen im Zusammenhänge mit dem großen Oelskandal Enthüllungen über Korrnptionsaffären, die sich während des Krieges unter der Präsidentschaft Wilsons zugetragen haben sollen und behaupten, daß die Korruption in den Vereinigten Staaten damals Orgien gefeiert habe. So seien während des Krieges für 4,8 Millionen amerikanische Soldaten über 40 Millionen Paar Schuhe und beinahe 150 Millionen Brotbüchsen angeschafft worden. Für Ml.000 Pferde und Maultiere wurden 945.000 Sättel, eine Million Doppelgeschirre, 1,148.000 Decken und ähnliches Zeug in großen Mengen gekauft, um gewisse Lieferanten zu bereichern. Für eine Pulverfabrik in Nitro in Wcswirginia, die lein einziges Pfund Pulver hergestellt habe, seien Baukosten in der Höhe von 60 Millionen Dollar verausgabt worden; nach denk Kriege sei die ganze Fabrik samt beweglichem Eigentum aus 10 Millionen Dollar geschätzt und für etwas mchr als 8 Millionen Dollar verkalkst worden. Mehr als eine Million Dollar sei für den Bau von Luftschiffen ausgegeben, aber auch nicht ein einziges Kampfluftschksf dafür hergestellt worden. Eine besondere Untersuchnnaskommission unter dem Vorsitze des Obcrrichtcrs Hughes hat die Untersuchung über diese Korruptiousaffäreu seinerzeit geführt und ans Grund des Beweismaterials die strafgertchtliche Verfolgung einer Reihe von Personen verlangt. Präsident Wilson habe fedoch die Untersuchung niedergeschlagen, so daß diese Korrnptionsaffärerk ans der Kriegszeit bis heute noch keine Sühne gefunden haben. Diese Angriffe ans das Andenken des toten Präsidenten Wilson erregen in der Oeffentlichkeit großes Aufsehen und werden als A b w c h r m a n ö v e r der den Oelmagnaten ergebenen Presse aufgefaßt. Die letzten Devisenkurse. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung") London, 11. März. (Nadio.) Devisenschlnßkurse: Prag 148,25 Rew-York 4,2675, Paris 119,25. Brüssel 136,75, Rom 103,625, Zürich 24,775, Madrid 34,945, Amsterdam 11,5375, Kopenhagen 27.975, Christiania 32,055, Stockholm 16,325 HelsingforS 170,25, Berlin 18l/a Billionen, Wien 303.500. New Bork» 11. März. (Radio.) Devisenschlnßkurse: Taggeld 4*/,, Wechsel auf London 4,29, 60 Tage-Mechsel 4.26, PaUS 3.83, Amsterdam 37.13, Prag 288,27 Berliner Schlußkurs 22.- bis 22.25, Silber 64. Paris, 11. Marz. (Radio.) Effektenschlußkurse: Banque de France —.—, Credit Lyonnais 1700, Societe generale 715, Metropolttaine 532, Thompson Houston 755, Raffinerie sah ord 3190, Russe cons. 4«/„ 2582, Russe cons. 3«/» 1691/94 1725, Russe cons. 8<Y0 1896 1680, Russe co,ks. 3'/,°/, 1760, Russe cons. 5«/. 1906 2980, Russe cons. 4'/2°/0 1909 2030, Serbie 4% 1895 64, Dette Ottomane 4% 5610, Ottomane 59/0 1914 3425, Rio Tinto 3050, Schneider u. Cie. 1800, Baku 2935, Royal Dutch 43.100, Shell 5026, Steauna Romana 611. Das englische Maulmch. London, 11. März. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Neber den Inhalt des englischen Blaubuches, dessen bevorstehende Veröffentlichung der Premierminister gestern im Unterhaus an kündigte, verlautet in eingeiweihten Kreisen, daß es ein überaus interessantes Ka-pitel in der F r a g e der Sicherheit Frankreichs gegen deutsche Angriffe enthalten werde. Ans dem englischen Blaubuch wird unzweideutig hevvorgchen, daß die französisch-englische Konvention, welche Donar Law ausgearbeitet und im Frühjahr 1923 der Alliiertcnkonserenz unterbreitet hatte, mit Bestinrmtheit zustande gekommen wäre, wenn Frankreich nicht mittlerweile das Ruhrgebret besetzt hätte. Der Konvention Bonar Laws lag der Gedanke zugrunde, daß Frankreich mit den Vereinigten Staaten und Englartd ein Bündnis schließe. Auf Grund dieses Bündnisses hätten die Alliierten längs des Rheins «tuen breiten Streifen deutschen Gebietes entmilitarisiert und die Neutralität dieses Territoriums durch die vereinte bewaffnete Macht Amerikas, Englands und Frarkkreichs garantiert. Dieses Mlomnren wurde, wie in dem Blaubuch detailliert ansgeführt wird, durch den Franzoseneinbruch in die Ruhr vereitelt. Ergebnislose Verhandlungen mit den Bergarbeitern. London. 11. März. Wie die Blätter melden, siltd die Verhaudlungcn zwischen den Grubenbesitzern und den Bergarbeitern über eine Erhöhung der Löhne ergebnislos verlaufen. Die Befestigung Singapores. (Eigcndienst der „Wiener Morgenzcitnng".) London, 11. März. In Beantwortung einer Anfrage erklärte M a c Donald gestern abends im Unterhause» daß die Regierung mit -den Regierungen der Do m in i o lk s u rr d Indiens' in Verbindung getreten sei, um deren Standpunkt in der Frage der Errichtung einer Ftottenbasis in Singapore kennen zu lernen. England in Mesovotamka. (Eigendienst der „Wiener Morgenzettung^.) London, 11. März. Im Unterhause antwortet« Kolonialnrinistzcr Thomas ans die Anfrage eines konservativ eik Abgeordneten, daß er das Datum für die Räumung Mesopotamiens durch die englischen Truppen noch nicht angeben könne. Die Regierung beabsichtige, in Mesopotamien die Politik ihrer Vorgänger fortzusetzen und das Land möglichst bald zu räumen. Dar Kalifat. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 11. März. Ueber das Verhalten der indischen Mohammedaner zur Absetzung deS Kalifen schreibt „Daily Telegraph", >daß in Indien offensichtlich keinerlei Einwendungen gegen die Absetzung gemacht würden, sosirme Angora einen anderen Kalifen ernennen und diesem die bisherigen Vollmachten auch weiterhin zuerkennen würde. Sollte dies nicht geschehen, dann würden die iitdischen Mohammedaner auf der Einberufung eines mohammedanischen Kongresses bestehen, der einen neuen Kalifen zu wählen hätte. Nach einer Meldung aus KonstantinopÄ hat Ke mal Pascha den Führern der Mohammedaner Indiens «tat Tcllegvamm über die Abschaffung des Kalifats gesendet. Ke mal Pascha erklärt in diesem Telegramm, daß das Kalifat in Zukunft durch das Parlament von Angora repräsentiert werde. Eine Kalifendebatte im Schweizer Bundesrat. Bern, 11. März. In der heutigen Bundesratssitzung referierte der Vorsteher des politilchen Departements Butwesrat Motto aus Grund des Berichtes Legations-vates Traversini, der den Exkalffen am Sonntag in Terrttet besucht hatte, über die Einreise des Exkalifen in die Schweig. Aus dem Berichte ergibt sich, daß der Exkalif vorderhand in der Schweiz z« bleiben gedenkt. Der BamdeSrat hat noch keinen Beschluß gefaßt, da der Vorsteher deS Justiz- und Polizeidepartements zurzeit abweisend ist. Er wird ' sich später darüber schlüssig werden, ob dem Eykalifen für sein längeres Verbleiben in der Schweiz bestimmte Verpflichtungen auszn erlegen sind. Borläufig wird seinem Wunsch« nach Verlängerung seines Aufenthaltes in Territet Rechnung - getragen. Selbstverständliche Voraussetzung hierfür ist, daß der Exkalif sich jeglicher Politischer und religiöser Propaganda enthält. Fortsetzung der volitischru Debatte im Reich» tag. Berlin, 11. März. (Tel. der „Wiener Morgeiq^tung".) Ter Reichstag überwies zu Beginn seiner heutigen Sitzung den Gesetzentwurf üLe*- die Golddiskontbank ohne D»lotte an den Haushaltsausschuß und setzte lllonn^n Der-, bindmrg nlit der dritten Lesung des Notetats die allgemeine politische Aussprache fort. Abg. Birnreiter (bayr. Volks- Partei) beschwerte sich über die ungerechte Verteilung der Stenern und insbesondere über die Benachteiligung der Land-- Wirtschaft, durch die die Produktion gefährdet werde. I« Ähnlichem Sinne äußerte sich der Abgeordnete Eisenberger (bayr. Bauernbund), der auch die starke Belastung deS Mittelstandes beklagte. Der Demokrat Schuldt wandte sich gegen eiit cit weiteren Beamtenabban, während der Reichsfinanzminister die Haltung der Regierung verteidigte und erklärte, daß di« Mittel zwar hart, aber doch leichter zu ertragen seien, als eine Wiederkehr der Inflation. Sodann wurde die Beratung vertagt. Hausauflösung am Donnerstag oder Freitag. Wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, wird der Reichskanzler voraussichtlich nach dem Abschluß der allgemeinen Beratung der Anträge auf Abänderung der Notverordnungen und vor dem Eintritt in die Spezialberatung die A u f l ö s n.n g des Reichstages erklären. Der Aeltestenrat des Reichstages hat die Dispositionen' für den Rest der Tagung so y. troffen, daß Donnerstag oder Freitag die Auflösung des Reichstages erfolgen kann. T" Dr. Stresernanns Kan-iÄatAL. Berlin, 11. März. Wie die „Zeit" berichtet, ist Doktor Stresemann von der Deutschen Bolkspartei als Spitzenkandidat in seinem bisherigen Wahlkreis Teltow-Beeskow aufgestellt worden. . , Hasenarbeitrrstreik in Hamburg. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Hamburg, 11. Marz. An dem Streik im Hamburger Hafen sind etwa2 0.0 00Arbeiter LeteMgt. An den staatlichen Kais wird gearbeitet; doch werden nur solche Arbeitin verrichtet, die unter dieRegie der Kaiverwaltung fallen. Auch der Hasen Vo n3lltona ist von dem Auöstand betroffen. Zur Beilegung der Differenzen sind heute n«u e Verhandlungen eingeleitet worden. Heute abends haben sich auch die Hafenarbeiter von VremenfürdensofortigenStreik ausgesprochen Wiener &*****■- -jo 1924 z de Gtncvcs" der Ansicht, daß bis zur Erledigung dieser Frage der Anbahnung eines freundschaftlichen Verhältnisses zwischen den beiden interessierten Staaten, das sowohl von Dr. Benes wie von dem Grasen Z ani 0 i s k i in gleicher Weise herbeigelvünscht wird, nichts um Wege stehe. Der Ha^üptgegenstand der heittigen öffentlichen Ver- I samnrlung lwar die Frage der Vermehrung des cücheimischen Gendarmeviekorp's im Saargebiet. Die Saar- | bevölkevung verlangt seit langem eine weitere Herab- > sktzung der zur Aufvechterhaltung der öffentlichen Ordklung und Sicherheit anwesenden Truppen. Berichtevstatter Salandra beantragt eine Echöhung des Korps von 350 an 500 Mann. Lord Parmoor (GroWritannien) brachte einen Zuisatzantrag ein, wonach eine iveitere Erhöhung des ^bestehenden Landjägerkorps noch im Laufe dieses Jahres geprüft w^erden soll, . falls die finanziellen Berhältinisse des Saargebietes es erlauben. Schließlich wurde der Antrag Salandra zusanvmen mit dem Amendment Parmoor einstimmig angenommen. Der Rat beschloß, ein Expcrtenlkomritee unter dem Vorsitze von Be rg so n vor der nächsten BoUerbundversammiung nach Genf einzubernfen, um die Bedingungen einer eventuellen Revision der Konvention von 1866 betreffend den internationalen Anstausch der Literatur wissenschaftlichen und künstlerischen Inhalts zu Prüfen. In der Nachmittagssitznng referierte Lord Parmoor über das Hilfswevk zugunsten ^der unter den Ailfpizien des VAkevbnn'des in Westmvzedonien wdhnenden griechischen Flüchtlinge. Der Rat nahm eine Entschließung an, worin der Völkerbund ersucht wird, allen seinen Einfluß aufznbieten, um Griechenland bei der Hilfeleistung für die insolge des griechisch-türtkischen Krieges aus Kleinasien veririckenen Griechen zu unterstützen. Der Rat beschäftigte sich sodann mit Abrüstungsfragen. Minister des Aeußern der Tschecho-Slowakei Dr. Benes erstattete das Referat. Der Rat lbeaufiragte auf Antrag Dr. Benes' feinen Präsidenten, an alle Mitgliedsstaaten des Völkerbundes, die ihre Ansichten über den int Dezember 1923 in Genf ausgearbeiteten Entwurf eines internationalen Abkommens für gegenlseitige Hilfeleistung und Abrüstung noch nicht zur Kenntnis gebracht haben, die Bitte zu richten, dies vor der kommenden Jaihresversammlnng zu tun. Auf Antrag Lord Parmvors wurde das Rejferat ,^8eschräinkulng der staaklichen Ausgaben für Rüftungszwecke" auf eine spätere Session verschoben. Der britische De'legicrte erklärte, die Regierung MacDonald ha^be noch nicht Zeit gefunden, diese komplizierten Frägen einer gründlichen Prüfung zu unterziehen. TRAGET Ständiger Messestand : L\TeueBurg Nr. 4083 Ständiger Messe stand: Neue Burg Nr. 40F3 *i—in »«>»»§ § H w I für Kleider I u.Koitüvneg