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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-11 · Heft 1821 (11.3.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1821 (11.3.1924)
Date
1924-03-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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/ — .... ,l" -; •*# de« Preis einet Diktatur durchzuführen und die Folgen -er kleinasirtifchen Niederlage durch rationelle Maßnahmen zur Stärkung des Ansehens Griechenlands gegenüber den Nachbarn (!) wett- MMdachen. Das Recüerungshrogmnrm dürfte in der Hauptfache den militärischen Wünschen angepaßt sein und VerstärLmg der Armee und Flotte sowie Erhöhung des Mikitä^o-ntingents aus 400.000 Mann umfassen, j Hebet das tvoiiere Vorgehen Papanastasius ist nran i im allgemeinen der Ansicht, daß das neue Kabinett, wenn; es im Parlament eine Mehrheit finde, diesem eine Vorlage! unterbreiten werde, worin die Absetzung der ^Dynastie und die Einführung der Republik ausge- - sprachen wird. Danach würde zur Bestätigung des Parla- ' ment-beschlusses sine Bolksabstimmung borgenommen werden. Ae Goldkreditdank. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, lg. Märg. Heute morgens hat die Dankenuuter- . kommistion des Sachderständigenkomitees das Statut der Gold- ' kreditbank verhandelt. Morgen wird zum letzten Male Doktor 'Schacht angehörl werden. .Heute nachmittags fand eine; Plenarsitzung des ersten Komitees unter dem Vorsitz des Generals D a w e s statt. Es beschäftigte sich vor ollem mit der Festsetzung der Summe, welche Deutschland während der nächsten Jahre zu bezahlen haben trnrd. Es ist wahrscheinlich, daß man während der ersten Jahre auf Barzahlungen verzichten und sich mit der Finanzierung der Materialleistungen begnügen wird. Nach dem Wortlaut des Gesetzentwurfes über die Errichtung der GoLkreditbrnk soll die Bank den offiziellen Titel fuhren ^Deutsche Golddiskontbank" und die Befugnis haben, auch auf Pfund Sterling lautende. Noten bis zinn Ge- 'samtbetrage von 5 Millionen Pfund Sterling auszvgeben. Völkische Lögen im Reichstag. Berlin, 10. März. (Wolf.) Reichstag. Vor Eintritt ik» die Tagesordnung gab Reichsminister Stresemann eine Erklärung ab, die sich gegen die von dem de u tschdöHischen Äreslauer Professor von Freytag- Höringhoven mehrfach ausgestellte Behauptung wendet, daß sein (Stresemanns) Schwiegervater einer der Ha-uptaktionäre der tschecho-fiowakischen Skodawerke Kei, an denen bekanntlich auch französisches Kapital beteilig fei, und daß er unter dem Einfluß dieser Tatsache stehe. Der Minister stelle fest, daß fein Schwiegervater, der angebliche Großaktionäre der Skoda-Werke, seit über zwanzig Jahren tot sei und niemals an einer ausländischen Waffensabrik beteiligt gewesen sei. Weder im Besitz der Strefsmamrschen Familie, noch in dem der, Faamföe seiner Frau befinde sich eine Aktie der Skoda-Werke. Das Ganze fei also völlig aus den Fingern gezogen, Das Haus erledigte sodann den Notetat in zweiter Beratung und begann in dritter Beratung die Generaldebatte, die Abgeordneter Dr. Düringer (deutsche BoAspartei) mit der Erklärung eröffne te, seine Partei wünsche das baldige Auseinandergshen des Reichstages «ltb baldige Neuwahlen. Nach einer weiteren Besprechung wird die Beratung auf morgen 3 Uhr nachmittags vertagt. Tagesordnung: Beratung der Vorlage über die Gold-Diskontbank imd über den deutschnationalen Antrag, die Neuwahlen schon tan 11. April stattfinden zu lasten. Die Neuwahlen. " verkitt, 10. Marz. (Wolfs.) In parlamentarischen Aveifen verlautet, daß mit der Auflösung des Reichstages am nächstes Donnerstag zu rechnen sei. Der Termin der Neuwahlen soll für den 11. Mai festgesetzt werden. Morgen findet eine Sitzung des Aeltestenrates des Reichstages statt, in der die Frage der Reichstagsauf- Wmg endgültig gelöst weiten soll. ' - - -'Y-- ■■ r^T.-'-! T ' Relonstruttion des ungarischen Kabinetts? Lukacs — Finanzminister? (Eigendienst der „Wiener Morgcnzeitung") Budapest, 10- Marz. Bezüglich der Besetzung des Finanzministeriums erhält sich hartnäckig das Gerücht, daß der ehemalige Ministerpräsident Ladislaus Lukacs das ’ Finanzporteseuille übernehmen solle. „Uj Nemzedek" berichtet, daß Außenminister Daruvarh den Wunsch geäußert habe, zurückzutreten. Graf Bethlen habe vorläufig die Demission nicht angenommen, sondern sei mit Daruvarh dahin übereingekommen, daß nach Erledigung der Anleiheverhandlungen an die Rekonstruktion des ganzen Kabinetts geschritten werde, bei welcher Gelegenheit auch Versucht werden solle, einen Nachfolger für Daruvarh zu finden. Die Salti« Karolyis klagt. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitmrg") Budapest, 10. März. Die Gattin des Grafen Michael Karylhi hat das ungarische Aevar auf Herausgabe der durch die ungarische Regierung beschlagnahmten Werte geklagt. Es handelt sich um Besitztümer von ungeheurem Wert. jggfeft-gg D7oitOenzettunü. wmw* xx, DMz 1904 1 Nr. 1WL Wie die Baumeister der Negierung Milliarden Goldkronen verschaffe» Aediagung — Abbau des Mieterfchntzgefetzer. Ans dem nllgernemen öfter reich ischc.n Bau meister tag, der gestern eröffnet wurde, hat Stadlbau meister Ing. Ludwig S o m m e r l a t! e ein Projekt entwickelt, das ichn zum Retter des Vaterlandes nmchen soll. Er will den Negierung, die sich 500 Millionen Goldkronen ausleihen mußte, jetzt drei Milliarden Goldkronen verschaffen. Dafiir fordert er nur die Abschaffung des M'ieterschutzgesetzcs. En hat fein Projekt an dem er viele Tage imd Nächte arbeitete, der Negierung bereits vor gel egt und günstige Ansagen erhalten. Wir möchten uns auch die Regierung ansehen, die drei Milliarden Goldkronen mit einer einfachen Handbcwegn.ng -- ausschlägt. Nur ist dieser so fern ausgeklügelte Plan zu n!opistisch mrd nnniöglich realisierbar. Der Plan des Herrn Sonrmerlatte stützt sich darauf, daß die Ausländer billig Häuser erworben haben, oft zu einem Fünftel ihres wahren Wertes. Die verschuldet gewesenen Hausherren haben nach dem Kriege die Hypotheken in entwertetem Golde zurnckgezahlt. Es soll imn nach seinem Plan von allen Hypotheken, die nach dem 1. November 1918 zurückgezahlt wurden oder noch bestehen, ein Teil des wirklichen Wertes der Hypothek als Gewinnabgabe an den Staat geleistet werden. Auch wenn die Abgabe 50 Prozent beträgt, bleibt wich ein großer Gelvinn für die Hausbesitzer, die ihre Häuser schuldenfrei gemacht haben. Die Gewinnabgabe, die bei billig gekauften Häusern schärfer zu evfasten wäre, ist in Form eirrer Hypothek auf die Hofier ein* zuverlciben. Als Gegenleistung für den Gewinn, den der Staat erzielt, wird die Abschaffung des Meterschutzes gefordert. Die Baumeister und .Hausherren -vollen unbedingt, daß im ersten Vierteljahr nach Inkrafttreten des Gesetzes über die Gewinnabgabe dev Reinertrag aus 20 Prozent des Friedenszrnses und in den nächsten sechs Vierteljahren um weitere 10 Prozent erhöht werde, so daß nach Ablauf von eineinhalb Jahren die Zinse auf 80 Prozent des Friedensreinertrages erhöht find. Aus dev Gcwinnabgcche würde die Regierung 3 Milliarden Goldkronen erzielen, so daß sie mH Leichtigkeit die 500 Millionen Goldkronen, die sie nach dem Sanieruugsplan schuldet, zurückzählen kann. Die Regierung hätte die Pflicht, den Betrog teilweise für die private Bautätigkeit zu verwenden, indem sie drin Ran - golverbe und den anderen Jndustvien Baulredite und Hvpothekarkredite einräumt. In dem Plan wird vor allem übersehen, daß die Annahme der besonders billigen Erwerbung de§ Hauses nicht stimmt, biß dieses Geld, wenn c§ damals für Geschäfte verwendet worden wäre, viel mehr getragen hätte, als jetzt der Wert des ganzen Hauses ansmacht, und vor allem nicht beachtet, daß das Projekt die Rentabilität der Häuser noch mehr verringern wird, so daß die Bnechnnngsgrundlagc für die Gcwinnabgabe und die Mietzinsrentabilität lächerlich erscheint; denn die Mietzinse müßten weit mehr gesteigert werden als selbst die Hausebesitzer jetzt verlangen. Wir nchmeu an, das; Herr Sommern latte kein Hausbesitzer ist. Irrteresscmt war zu hören, daß B a u meister und Hausherren mit dev Regierung schon lange über Abbau des Mioticvschutzgsetzes verhandeln und anscheinend bereits Zusagen erhalten haben Es scheint, daß die Rede des Bundeskanzlers Seipel vor den Wahlen doch nicht so harmlos war> wie sie hernach hingestellt Wunde, und daß der Bundeskanzler doch vorzeitig an's Schule geplaudert hat. In der Debatte über das Projekt wurde von aufgelegter Schmutzerei der Meter gesprochen, die beinahe urnsonst wohnen, und erklär!, der I , rsinn mit dem Mieterschutz müsse aufhören. ,,Bi» haben die Regierung für uns und im Natioualrat die Mehrheit." Ein Redner erklärte, daß die Gemeinde Wien offiziell keine Vertreter zur Tagung gesandt habe, weil in dem Vortrag „Sozialisierung des Baugewerbes" Angriffe gegen die Ge inemde erwartet wurde«. Zum Schluß sei erwähnt,'daß die chviftlichsozial-großdeutsche Versammlung eine Resolution anmchm, die den Abbau-des Mieterschutzgesetzes verlangt und das Gesetz als die Ursache der Verschleuderung des Volksvermögens an Bolksfrcnidc b.egeichrret. HHBHMNHHflBMMflBBERBBBHiBHBHHHHHHBHMHRHHHHHQMHMBM Fnland. Aus dem Parlament. Da der Bundesvoranschlag nicht mehr rechtzeitig öor Monatsende im Nationalrat fertiggestellt werden kann, wird die Regierung ein einmonatiges Budgetprovisorium ansprechen, das im Laufe der zweiten Lesung des Budgets rm Parlament verabschiedet werden wird. Jedenfalls wird der Budgetausschuß m den nächste« vierzehn Tagen mit der Spe* ziakdebatte über das Bnr-dget zu Ende komme«, so daß noch tn der letzten Märzwoche das Plenum den Bundesvoranschlag in Beratung ziehen wird. In den Vorverhandlungen, die in den letzten Tagen mit der Opposition über die Arbeitseinteilung geführt wurden, hat diese für die rechtzeitige Erledigung des Budgetprovisoriums drei Bedingungen gestellt: Sie verlangt die Novellierung der Krankenversicherung durch Schaffung einer neuen Lohnklaste. Jmplicite würde damit auch eine Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung eintreten. Ferner wünscht sie Vorsorgen für die ausgesteuerte« Arbeitslose« und eme Verlängerung der Verordnung über die Erhaltung des Arbeiterstandes in dm yelverblichen Betrieben. Der Bundeskanzler und der Minister für sozickke Fürsorge Sch'mitz werden noch im Laufe des heutigen Tages über diese Forderungen mit der Opposition direkt verhandeln. Falsi atus sämtlichen Branchen wird rvbeveinstmÄnend berichtet, daß bcr zweite Messetag übe voll eine stattliche Reihe von Geschästsabschlüssen gebracht hat. Im Messepalast stellten sich besonders in der Ledergalanterie- und Taschner brauche die Käuifer in größerer Zahl ein, und sowohl aus der österreichischen Provinz und aus den Nationalstaaten wie auch ans .bent Alt-Ausland >wnvden umfangreiche Bostellungert erteilt. Ebenso erfreut sich die Abteilung, m welcher die kunstgewerblichen Gegenstände ausgestellt sind, größeren Interesses, und kunstgewerbliche Bvongegelgenstände, dann Bilder au's einge'legten Edelhölzern fanden viel AufiwerksanM-t. CdsHo-lzdosen wurden nach Ingcslawien, Hollarvd, Schweden und Italien Vevkaust. Perleübsntel und Pevlentaschen wurden nach Franlkreich und Spanien abgesetzt, Fächer fanden bei Griechen, Italienemr und Amerikanern starkes Interesse. S«chr günstige Geschäfte wurden in der RauchrequLsitenbvauche erzislt. In S p o r t a r t ik e ln erteilte die österreichische Provinz, ebenso aber auch Schweizer EiMuser 'Austräge. Zusrieidenstellend waren auch die Geschäste in der St>Ä- und Schirmbranche, wo seitens englischer, französischer umd däoLscher Einkäufer Orders gegebeu ivurdeu. In der Papiermesse herrschte dieses Mal ungleich größere Bewegung. In Schreibwaren wurden Ge schäfte mit Ingvsiawen Md Italienern ru größerer Zahl abgeschlossen. In der Buchmesse macht sich ein starker Zustrom des LoseplMikums bemerkbar. . Iu der Rotunde war der Montag der Tag der Offerte und ein großer Teil dev Wiesseavbeit lbewegte sich in Erledigung von solchen. De r Sonntag Mchmittvg hatte außer oinsm Massenbesuch auch noch verhältnismäßig spät anr Tage einzelnen Branchen -beträchtliche Abschlüsse ge'bmcht, besonders in der Lebensmrttel'bvanche. Ue-bereinstimnrend berichten Aussteller der verschiedensten Branchen, daß diesmal die Bundesländer ausfallend viel Käufer stellen. Nachmittags setzte ein starker Besuch ein. Cs bewegte sich das Interesse in La st an tos für Polen, Drogenmühlen für Bulgarien, von wo auch Damen als Einkäuserinuen austvaten, Kleinmotoren flir alpenländische Bergwerke, Bau-mafchinen (Litauen, DüÄei, Rumänien), Mühlen industr ie war mehrfach, aber ausschließlich aus der Tschecho-Slowakci gefragt. In der Autobranche fanden schwere Motorbeiwagen Intereste i-n den Mpenländern, Werkz-eugmvschinen wur den für Griechenland gefragt, im Elektro ring traten auch Japaner als Käufer ans, in Radioartikeln nahm die Nachfrage W, u. a. auch für Smyrna, elektromedizirische Apparate für Koustmvdnwpel. .Kleine elciktrischL Hausgeräte österreichischer EvMgnng gingen «auch nach.dem Mutterlaüde dies>er Industrien, nach NordamerAa. Für Holzbearbeitungsmaschinen herrschte das inländische Jnteveste und das der türlischeu Einikäuser vor. Die Besucher mtewsfierten sich vor allem für die .Radio-Ausstellung, für den rustischen Pavillon, von dem. nahmhafte Zlbschlüsse in Getreide, Naphtha und Fellen gemeldet wurden, und für die Expreß--Kasstonmsch'mcn, deren dampfenden Produkte lebhaft begehrt und gekostet wurden. Die LebenKmiittielabtellung ersreuite sich übrigens eines besonders starken Andranges, mir ovscheinelc gewisse Kostproben etwas tsuer berechnet. In der Mitte des Riesenraumes der Lebensui stiel- Ausstellung erhebt sich wieder die staben Meter hohe Winduiühle einer hollandösch-iudischen Gesellschaft.- Ferner sind u. a. zu sehen: Ein .Kaffeelhaus, ein japanisches Techaus. Pavillons, in denen die verschiedenisien, Delikaiestelr seilge- .halten werden, Kasttogen für Maine und Liköre, für Wurstwaren. Das dsnMchste Bild des Aufschwunges der österreichischen Industrie geben die Mv'bol- und die?lr-ioneH Ausstellung, die von den Gästen sehr belagert iu;'i In der Hofburg -vor der Geschäsiegang etwas schwächer. Dort ist die Bekleidnugsindustrie untorgebracht. Die SHuhbranche, die Pelzabteiluug innd vor ollem die Moderibra ache, haberr «m mnfangreiche^ MnMellrMg veranstaltet. Eine SchH-

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