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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-11 · Heft 1821 (11.3.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1821 (11.3.1924)
Date
1924-03-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Mt I Bft. WR B&leit, SSetiSfas - - - - - Wiener MolMnzellrrnK. ^MMWW '*'' 11. Mürz IM --- n *<gin.miu n«»flfBiViMWrtmfi«r<nn»i».- .. Die Tagung des Mkerbundrates. Genf, 10. Märg. (Schweig. DeP.-Ag.) Heute vormittags wurde die 26. Session des Völkerbundrates unter dem Vorsitz von Guami (Urugay) eröffnet . Der tat September zum Mitglied des Rates gewühlte tschechoslowakische Außenminister B e n e s ch nahm zum e r st e n Male als Vertreter seines Landes an einer Sitzung des Rates teil. Lord Robert Ce eil gehört, wie bekannt, dem Rate nicht mehr an, als Vertreter der britischen Regierung ist, ebenfalls zum ersten Male Lord Parmoor erschienen, Hymans, der wegen der Ministerkrise in Brüssel zurückgehalten -ist, wird durch den bevollmächtigten Minister Melot vertreten. An der Sitzung nahmen ferner teil: Souze Dantas (Brasilien), Qninones de Leon (Spanien), Hanataux (Franveich), Salandva (Italien), Jshii (Jaapn), Branting (Schweden). Die Sitzung hate v e rtraulichen Charakter. Der Rat diskutierte die Tagesordnung der Session sowie einige auf das Sekretariat bezügliche Personal- und Finanzfragen. Der Rat ernannte Revaillaud (Frankreich) zum Nachfolger des verstorbenen Delegierten Noblemaire in der F i n a n zkon tr o llko m m i ssi o n und erneuerte die Mandate der Experten der Opiumko mmission Brenier (Frankreich), John Jordan (Großbritannien) und Hamilton Wright (Bereinigte Staaten). Von den Beratungsgegenständen der 28. Tagung seien hauptsächlich erwähnt der Bericht des Juristen ko mite es über die anläßlich des italiensch-griechis ch e n Konfliktes und der Besetzung von Korfu aufgeworfenen Rechtsfragen, ferner der Bericht über die finanzielle Sanierung Oesterreichs, die finanzielle Sanierung Ungarns, Neuwahlen der Mitglieder und des Präsidenten der Regierungskommission für das S a a r g e b i e t und Entgegennahme des Berichtes über das Gebiet von Memel. Ferner wird den Völkerbundrat die Frage der Festsetzung der Grenze zwischen der Tschecho-Slowakei und Polen im Gebiete der I a w or i na beschäftigen. Die Sommerzeit. (Eigendienst der „Wiener Morgeuzeitmng".) Paris, 10. März. Die englischen, belgischen, holländischen und französischen Delegierten sind heute znsammengetreten, um die Einführung der Sommerszeit zu erörtern. Für das Jahr 1924 wurde als Uebevga-ng für Frankreich, Belgien und Holland die Nacht zum 29. ans den 30. d. festgesetzt. Für England wurde hingegen als UebergangsMlcht die vom 12. auf den 13. April festgesetzt. Poimare bildet sein Kabinett um? (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitirng".) Paris, 10. März. Die Fmaalzkomwission des Senats hat heute die Artikel 23 bis 50 der Fiskalivorläge geprüft. Sie schlägt einige Aendevungen vor, die den, Zwiespalt zwischen ihr umder Regierung offenbar noch vergrößert. Die Finanzkommission hat unter anderem die Aufhebung des Zündholzmonopols abgelichnt, mit der Motivierung, daß diese Maßnahme imr zu vermehrten Ausgaben und Steuerausfällen Anlaß geben würde; außerdem lehnt sie den Artikel 47 äb, der für die vorzeitige Steueventrichtung eine Art Rabatt Vorsicht. Die Minister und Uuterstaatssekretäre traten heute zu :m«r Sitzung züsaurmen, welche drei Stunden dauerte. Nachher wurde folgende Note ausgegeben: Der Ministervat hat die Haltung der Regierung für die Diskussion der Gesetzvorischläge, welche vor der Kammer und im Senate anhängig silvdfestgesetzt. Nachdem Ministerpräsident Poincave feine Ministevkollegen über die auswärtige Lage orientiert hatte, gab er die Einzelheiten der Maßnahmen zur Hebung des Frankenkurses bekannt. „Echo National" berichtet, gestern sei in den Wandslffängen des Senates das Gerücht verbreitet gewesen, daß Ministerpräsident Poincare eine teilweise Erneuerung seines Kabinetts beabsichtige. Einzelne Blätter, wie ,/Rappel" und Tournee Industrielle", enthalten gleichfalls Anspielungen auf bevorstehende Veränderungen im Schoße des Kabinetts, ohne sie indessen näher zu präzisieren. 8Ma«r' Krim. Paris, 10. März. In seinem in Maniipcllier gehaltenen Lortrag über die politische und finanzielle Lage Frankreichs führte der frühere Ministerpräsident C a i l l a u x aus, die Ursachen der Valutenkrise seien darin gelegen, daß Frankreich durch den Krieg ein Drittel seines Reichtums verloren habe. Der Einwand, daß die Handelsbilanz nicht günstig sei, könne keineswegs gelten. In der Vorkriegszeit hätten die Einfuhren bei weitem die Ausfuhren überstiegen und trotzdem sei Frankreich in vollem Aufblühen gewesen, da es dank dem Sparsinn der Bevölkerimg als Gläubiger einer Reihe von Staaten über sechs bis sieben Milliarden Rente verfügen konnte. Der Krieg habe das Bild vollständig geändert; Frankreich sei zum Schuldner geworden. Caillaux erklärte, es seien viele Fehler seit dem Kriege begangen worden. Er übte sodann Kritik an den Stcuererhöhungen und den fiskalischen Maßnahmen der Regierung, die die Kricgsgewinner und nicht die Steuerträger hätten treffen sollen, und sprach schließlich von der Wahlkampagne. Er T,E&A*SeY □ER Ständiger Messestand : Neue Burg Nr.4083 Ständiger Messe stand: NeueBurgNr.4683 SCHUHE!< sonderte die Republikaner auf, zusammenzustehen in dem Kampf um die Wiedercmfrichtung einer Republik des sozialen Fortschrittes und der Kontrolle über die Mächte des Kapitals, einer Republik, die durch die Regelung des Parlamentarismus die Ideen der Freiheit mit jenen der Autorität vereinbaren werde. Man dürfte in der Annahme nicht fchlgehen, daß Caillaux durch diese Rede sein Wiederauftreten im politifeigen Leben Frankreichs angekündigt hat und daß die radikale Partei, unter deren Auspizien die Rede gehalten wurde, Caillaux als einen ihrer Führer, vielleicht sogar als den Führer anerkenne. Las neue belgische Kabinett. Brüssel, 10. März. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Das Käbirrett Theunis setzt sich wie folgt zusammen: Premierminster und Finanzminister: Theunis; Justizminister: M a s s o n; Außenminister: Hymans; Innenminister: Poullet; Wissenschaft und Künste: Rolf; Landwirtschaft: Rueette; Eisenbahnminister: Neujean, Kriegsminister: Forthomme; Volkswirtschaft: Va n de Vyv eres; Jndustrieminister: Psch offe n; Kolonialminister: C a r t o n. Die letzten Devisenkurse. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) Lvtttzon, 10. Marz. (Radio.) Devisenschlußkurse: Prag 134'/,, New-York 4.27V», Paris 114%, Brüssel 127.-, Nom 101.12V, Zürich 24.80, Madrid 35.07V, Amsterdam 11.55, Kopenhagen 27.52'/,, Christiania 31.62'/°, Stockholm 16.39'/,, HelstngforS 170*/,, Berlin 19.- Billionen, Wien 305.500, Lissabon —, Athen —. Aew-Dork, 10. Marz. (Radio.) Devisenschlußkurse: Taggeld —, Wechsel auf London 4*/4, 60 Tage-Wechsel 4.2575, PanS 3.51, Amsterdam 36.89, Prag 3.88*/,, Berliner Schlußknrs 22.25 bis 22.50, Silber 64*/,. Paris, 10. März. (Radio.) Effektenschlußknrse: Banque de France —, Credit Lyonnais 18,90, Soclete generale 748, Metropolitaine 531, Thompson Houston 762, Raffüierie sah vrd 3187*) Russe cons. 2550. Russe cons. 3"/, 1891/94 1710, Russe cons. 3°/» 1896 1690, Russe cous. 5'/. 1906 2985, Russe cons. 4V*°/0 1809 2050, Serbie 5450, Dette Ottomane 6375, 5*/0 Ottomane 1914 3410, Rio Tinto 3720, Schneider n. Cie. 1448, Baku 2860, Royal Dutch 42.800, Shell 525 Steauna Romana 587. *) Russe cons. 3*/,»/« 1894 1740. Ile Zusammenkunft Mar Imald-Poinrare. London, 10. März. Aus eine Anfrage im Unter* hause bezüglich einer etwaigen Zusammenkunft zwischen den Ministerpräsidenten von Großbritannien und Frankreich evwiderte Mac Donald, die Wiederaufnahme der mündlichen oder schriftlichen Erörterungen zwischen Poincare und ihm könne nicht erfolgen, bevor die beiden SachverstäMgLnausschusse Bericht erstattet hätten. A>us eine Anfrage bezüglich weiterer Schritte im Zusammenhang mit der Regelung >der Jubaland- und Dodekanes-Frage antwortete Mae Donall), er habe Vorschläge und eine schriftliche Antwort erbeten. Die Lage in Inland. London, 10. Marz. Angesichts der Lage im Irischen Freistaat hat die Gendarmerie von Ulster Maßnahmen getroffen, wm den Schmuggel von Waffen über die Grenze nach Londonderry zu verhindern. In beit Stvaßen von Dublin patrouillieren Lastkraftwagen mit Truppen. Englische Rottemmmöver im MittelMer. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 10. März. Heute haben auf der Höhe der b a l e a r i s ch e n I n s e l n btc englischen Flottenmanöver begonnen. An ihnen beteiligen sich das Geschwader des Mittelmecres und des Atlantischen Ozeans. Insgesamt nehmen 83 Schiffe daran teil, die sich wie folgt zusammensetzen: 1. Das Geschwader des Atlantischen Ozeans: 9 Schlachtkwwzer, 31 Zerstörer, 7 leichte Kreuzer, 9 Unterseeboote. 2. Das Mittelmeergeschlvader: 6 Schlachtkreuzer, 16 Zerstörer, 5 leichte Kreuzer. Der erste Lord der Admiralität, Lovd Beatty, leitet die Manöver, die am Samstag zu Ende gehen. Der Zweck -der Manöver soll sein, ein Bild der Seeschlacht bei Jütland zu ^konstruieren. Lumulte beim Weberstrett iu Bombay. London, 10. März. (Del. der Mene« MovMzeitung".) Wie „Daily Mail" ans Bombay berichtet, Dam es zu Z u s a m m e n st ö ß e n zwischen den seit mehreren Tagen streikenden Arbeitern mehrerer gvotzer Bammwvllfabriken nnd der Polizei, weil die StroiAe»- den eine Fabrik in Brand stecken wollten. Als Polizei anrückte, wurde sie mit Stemwürfen empfangen. Die Polizei machte von der Waffe Gebrauch, tot eie drei und verwundete acht Arbeiter. Die Regierung interveniert für die Streikenden. Die Negierung hat, wie „Daily Mail" zu dom Vorfall weiter meldet, zugunsten der Streikenden eingegrifftn, indem sie darauf bestand, daß die Bamnwvllindustriell-en den Arbeitern in der Lohnfrage nachgeben. Eine Untersuchung der englischen Behörden führte zur Feststellung, daß eine große AntzaA der in den BcmmwolWnnereien beschäftigten indischen Arbeiter infolge der niederen Löhne buchstäblich mit dem Hunger kämpfe. Zahlreiche Frauen und Kinder, ja selbst Männer, Iftiti) in in den Bianrnwollspinnereien infolge Unterernährung gestorben. _ Dar Kalifat. Neue Kandidaturen. tEigeiidi-enst der „Wiener Morgenzeitung".! London, 9. März. Die Ausrufung des Kom.igö Hussein von Hodschas zum Kn lösen hat in den übrigen nrufelmamschen Zentren starke Unzufried enhcrt ausgelöst. Es wrd daraus himgewiesen, daß die Muselmanen des Hedschas. des Irak und Twnsjordaniens lediglich einen kleinen Teil der Mohammedaner airs machen. Aegypten und Marokko schlagen Gegenkandidaten für das Kalifat vor. In Indien hat die Nachricht von der Absetzung des bisherigen Kalifen Erregung unter der mohammedanischen Bevölkerung hervorgerufen. * Kairo, 10. Ntärz. (Reuter.) Ulema Alabar hat gegen die Ernennung des Königs Hussein zum Kalifen protestiert. Zahlreiche Scherls und Würdenträger haben dem König Hussein mitgeteilt, daß sämtliche Kandidaten für das Kalifat die Entscheidung der nruselmauüjchen Welt abwarten müssen. Der EHrrlif. Bern, 10. März. (Schweizerische Tep.-Ag.) Ein Beamter des politischen Dt partemienLs begab sich gestern nach. Territet zu einer Rücksprache mit dem EMlifev. Dieser konnte bezüglich fernes künftigen Aufenthaltsortes iwch keinerlei Mitteilungen machen. Er hatte Konftant'mopcl innerhalb zwei Stunden verlassen müssen, ohne Wer sein. nächstes vorgeschriebenes Reiseziel, die Schweiz, hmausrerchende DrÄpositionen treffen zu können. Der Bundesrat behandelt übrigens diese Frage keineswegs Ätz dringlich und drängt nicht ans eine Entscheidung, sondern gewährt vorderhand Lem Exkalisen und seivivm Gefolge die nötige Zeit zur Erholung. Die Reformen der Angora-Regierun-. Aonstaniinopcl, 10. Mürz. (Del. der „Wiener Morgenzeitung".) In Fortsetzung ihrer Re form maß nahmen auf kulturellem Gebiet hat die Regivmng ein Verbot des Turbantr rgens für die SchNer der religiösen Lehranstalten erlassen. Die Zöglinge dürfen in Zwklnst kein geistliches Gc-waud tragen und werden aus die staatlichen Lyzeen ausge teilt. Alle nach ei nein verstorbenen Sultan benanwen Lehranstalten wurden umbeirannt. Die Kammer hält ihre Sitzungen zum ersten Male seit Menschengedenken während des Mono-tes Ramadan ab. Die Bevölkernng in Konstantinopel verhält sich ruhig. BenWor verläßt Griechenland. (Eigen-ienst der „Wiener Morgenzeitung".) Athen, 10. März. Veniselos und seine Gemahlick werden heute an Bord eines italienischen Dampfers Griechenland verlassen, um sich nach Cannes zu begeben. Die Zeitungen veröffentlichen einen Br>ef Benifelo s, den dieser am 4. d. an den früheren Ministerpräsidenten Kasandaris gerichtet, hat. Veniselos erklärt darin, er sei im Jrrtam gewesen, als er glaubte, er könne seinem Lande nützlich sein. Seine Politischen Gegner hätten ihn angeklagt, die Hinrichtung der früheren Minister im November 1922 betrieben zu hcvben. Sogar seine früheren Mitarbeiter hätten sich geweigert, seine Politik zu unterstützen. Er hätte gern gewünscht, den Kampf gleichwohl fortzusttzen, aber seine Gesundheit gestattet ihm dieses nicht nnd er sehe sich darum gezwungen, sich für eine unbestimmte Zeit vom politischen Leben zurückzuziehcn. Bis jetzt ist es dem Führer der Republikaner Papanastasiu nicht gelungen, ein Kabinett zu bilden. Die Militärliga, die mit den Republikanern zrrm Sturze der Regiemmg beigetragen hat, hat Papallastasiu die Zusicherung gegeben, daß sie sein Kabinett unterstützen werde. Die Militärliga ist entschlossen, die Republik sellbst Schafwollrips für Kleider | u. Kostüme s wiew;^E1D£; I SToirf£;

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