Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1821 (11.3.1924)
- Date
- 1924-03-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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i. n r i ^»clTO^a^^Jg^^llrww, '■flWj’yronMa^iwMMaaw Dekte t ' ■ Men, Dtens-ag_ Wiener MoLgenzeriv«s. Ae Sitzung des NoniUche« Aktionskomitees. Ae politische Debatte. - Die gewlsh Agemtz. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Vvudou, S. MÄrz. Das Referat des Präsidenten der Exekutive, Nahmn Sokolow, besprach ausführlich die Vechand- Kargen über den Anglo-Hedfchas-Vertrag. Sokolow! gab zunächst einen Ueberblick über die Ereignisse, welche mit den Verhandlungen zwischen der englischen Regierung und l König Hussein von Hedschas rm Zusammenhang stehen. Diesen : Verhandlungen, soweit sie auf Palästina Bezug haben, hat die Exekutive größte Aufmerksamkeit zugewendet und alle zufiäMgen Stellen genau über die zionistische Austastung in« fqvmiert. Die Verhandlungen über den Anglo« HedschaS-Vertrag scheinen, wie Sokolow ausführte, im Augenblick resultatlos verlaufen zu sein; der Referent vermochte in dieser Hinsicht beruhigende , Mitteilungen zu machen, betonte jedoch, daß nach seiner Aus« 'sassumg die Verhandlungen wohl fortgeführt werden dürften, weshalb es die Exekutive als ihre Pflicht «achte, die Ereignisse mit größter Aufmerksamkeit zu verfolgen. (Nach einer Meldung von arabischer Seite, die wir nuten folgen lassen, sicht die Unterzeichnung des Vertrages bevor. — Red.) D« Referent erstattete sodann Bevicht über die direkten Verhandlungen zwischen dem palästinensischen Vertreter der Zionistischen Exekutive, Kolouel Kish, und König Hussein. Hussein hat die »jDrsche Delegation sehr würdig und freundlich empfangen. ^Sokolow fuhr fort: „Wir begrüßen es, daß die Möglichkeit eines direkte» Kontaktes gegeben war und auch die Moglichdie führenden Araber persönlich über unsere Gesinnung batt arabischen Volke gegenüber im Sinne der Kongreßbeschlüsse ,«rfzuk!ären. Allerdings dürfen wir uns nicht zu der allzu optii »Mischen Ansicht verleiten lasten, daß die gastfreundliche Auf- Loch»» der jüdischen Delegation seitens Husseins auch schon die .Bedeutung einer politischen Verpflichtung hat." Der Redner charakterisierte dann den Unterschied zwischen den palästi- »eusischen Arabern und den anderen arabischen Gruppen und schilderte auch die Schwierigkeiten, die KSwig Huffein außerhalb Palästinas hat und die seine Halvnpg beeinflussen. Bet dieser Gelegenheit wandte sich der Redner scharf gtypt die Versuche mürerantwortlicher Persone«, iw« allem des Prof, de Ha au, als angeblicher Mischer Vertreter Verhandlungen mit Huffein und seinen Söhnen z u u ngn»fte» des. jüdischen Volkes zu führen. „Wir sind Lerzengt," beendete Sokolow diesen Teil fernes Berichtes, „daß '..die jüdische» Masse», besonders die orthodoxen Massen, Kr diese HandtungÄveise kein Verständnis haben und jedem Vechtch ein« Sonderecktion entgegentreten werden." Hinsichtlich de- Regierungswechsels in Eng« tattfe gab Sokolow der Genugtuung Ausdruck, daß an der Spitze der englischen Regierung ein Mann stehe, welcher die zionssüsche Sache kennt, selbst in Palästina war und Verständnis für die zionistische Arbeit in Palästina hat. „Wir find überzeugt," schloß der Referent, „daß die gegenwärtige Regierung uns freundlich gesinnt ist. Trotzdenr stt die objektive Lage einerseits, die Lage der Regierrug <mde«rs«itS derart, daß wir keine plötzlichen Lendervngen erwarten dürfen. Die Exekutive betoachtet es aber als ihre Hauptaufgabe, der Regierung gegenüber diejenige Stellung zu behaupten, die der Zionistischen Organisation als Jewish Agency in allen, Palästina betreffenden Fragen gebührt. In dieser Hinsicht wurde» bereits Schritte eingeleitet, um den Kontakt herpr-stellen." Nach dem Referat SokolowS, WÄcheS einige Stunden .dauerte, wurde die Debatte eröffnet, welcher die Herren De. Jaeobfoh», JameS Fischer, Dr. GottlieL, 'Jrrg. SaplanSky, Abg. Grünbaum, Dr. Farbstein, Kapla«, Oberrxrbbtn« Dr. ChajeS, Ing. Stricker, ^De Lteme, Mayer, Meriminski, Ab. Goldberg rmb Schmarjahu Lew in sprachen. Die Ausführungen der Redner aus Palästina fanden besondere Aufmerksamkeit. Ing. 'KaplanSkh teilte mit, daß die Poale-Zion damit beschäftigt sind, sin Programm für die konkretenForderuugen in Palästina auszuarbeiten. Der Redner; charakterisiert zunächst gewisse wirtschaftliche Möglichkeiten und!Forderungen und geht dann auf die Frage der Verfassung ^Palästinas ein, wobei er -betont, daß eine mechanische An- . Wendung des Prinzips der Demokratie in Palästina unmöglich!ist ttrib daß Garantien geschaffen werden müssen, damit .nicht die Araber ihre momentane numerische Ueberlegenheit zu ungunsten der Juden ausmützen. Mit diesen Kautelen soll ein Ausgleich auf der .BasiS demokratischer Selbstverwaltung Und nationaler 'Autonomie angestrebt werden. Die mefften Redner stimmen mit Kaplansky darin über- , ent, daß die ExÄkttive jetzt mit einer initiativen Politik hevvortrettu .muffe, setzten sich jedoch mit den Einzelheiten seiner Vorschläge kritisch ruw zum Teil ablehnend auseinander. Sliesar Kaplan (Hitachduth), welcher soeben aus Palästina' znrückgekchrt ist, schilderte die Stimmung irn Lande urck betonte, daß das Interesse der öffentlichen Meinung Palästinas weniger den diplomatischen Verhandlungen -»gewendet ist, als vielmehr konkreten, wirtschaftlichen Fvagchr. Dementsprechend fordert der Redner eine Konzentrierung auf konkrete, wirtschaftspolitische ^Ziele. Er teilt mit, daß die palästinensische Arbeiterorgani« ' sation sich mit dem Gedanken trägt, eine Deputation zur KcoUy nach Lo^r^on zu schick^ W -SrWWWA für ganz bestimmte Aufba«unternehmn«g»n brr Palästinensischen Arbeiterschaft zu fordern. Im allgemeinen stimmten die Diskussionsredner der politischen Tätigkeit der Exekutive ju. Völlige Uebereinstimmnng herrschte in bezug auf die von Sokolow gemachte Feststellung, daß die zionistische Exekutive ohne jedes Kompromiß gegen den im Anglo-Hedschas-Vertrag vorgeschlagenen arabischen Länderverband ist. Dem Vernehmen nach soll darüber eine Resolution vorbereitet werden. Nach Abschluß der politischen Debatte hielt Herr Sokolow das Schlußwort, in welchem er auf verschiedene, im Laufe der Diskussion aufgctanchte Probleme näher einging. Im Laufe der Abeudsitznng wurde auch die Frage der Einsetzung einer ft ä n d i g e n politischen K o in m i ss i o n d e § A. C. erörtert, die Frage wurde jedoch nach längerer Debatte z u r ü ck g e st e l l t, um der Exekutive die Möglichkeit einer Stellungnahme zu gaben. Die folgende Sitzung war dem Problem der Jewish Agench gewidmet, lieber die Frage der Konstituierung der Jewish Agency erstatteten die Herren Sokolow und Louis L i p s k y Referate, Herr A. Goldberg, welcher erst nach der von Louis Marshall einbernfencn Pro-Pälästina-Konferenz Amerika verlassen hat, ergänzte die Ausführungen der beiden Referenten. Ferner wurden Briefe Dr. Weizmanns und Dr. Ruppins, welche im Zusammenhänge mit der erwähnten New-Porker Konferenz stehen, vorgelegt. Wie I. T. A. erfährt, wurde betreff der Jewish Agency folgender Plan in Diskussion gestellt: Die Zionistische Organisation repräsentiert auch weiter die im Palästina-Mandat vorgesehene Jewish Agency. Es soll jedoch im Sinuc des Beschlusses des Zionistenkongresses ein Jewish Council für P a l ästina geschaffen werden, der zur Hälfte aus Vertretern der Zionistischen Organisation und zur Hälfte aus Vertretern anderer Körperschaften bestehen soll. Der in Vorschlag gebrachte Jewish Council für Palästina soll die folgenden Aufgaben haben: a) Die notwendigen Gelder für das Palästina-Werk ans;ub ringen; b) an dem wirtschaftlichen Aufbau Palästinas mitzuarbeiten; c) das Palästina-Budget festzulegen; d) mitzu beraten über sonstige den Aufbau Palast i n a s betreffende Angelegenheiten. Wie wir'hören, stimmt die Mehrheit der A. C.-Mitglieder mit dem Vorschlag in jeder Hinsicht überein, ausgenommen den das Budget betreffenden Punkt. Manche Mitglieder des Mtionskomitees befürchten, daß bei Ausführung dieses Vorschlages der Zionistischen Organisation die Kontrolle aus den Händen genommen werden könnte. Bisher sind drei wertere, von eiuander abweichende Vorschläge zur Budgetfrage eingelanfen, die zur Diskussion gestellt werden sollen: 1. Das Budget soll vom Jewish Council vorbereitet und darin der Z i o n i st i s 5) e rr O r gn n i s a t i o n zur Ratifizierung unterbreitet werden. 2. Es sollen zwei Budgets aufgestellt werden. Das gegenwärtige Budget der Zionistischen Organisation soll auch weiter nur der Bestimmung der Zionistischen Organisation unterliegen, während ein zrveites, noch festzusetzendes Budget alle anderen Ausgaben, wie Investierungen, Banken usw. betreffen wird. 3. Das gesamte Budget soll beiden Körperschaften, sowohl dcnr Z i o n i st e n k o n g r e ß als auch dem Jewish Council vorgelegt werden. Wenn Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Körperschaften entstehen, soll eine gemischte Kommiffion eingesetzt werden, die einen Vergleich Herstellen soll. Die Debatte über dieses Thema dauert fort. Josef Cowen plötzlich erkrankt. Herr Josef Cowen ist infolge plötzlicher Erkrankung verhindert, an der Beratung des A. C. wÄter teilzunehmen. Von der jüdischen Nationalversammlung in Palästina. Die dritte Session der Assesat Hanifcharnn (Nationalversammlung der Juden Palästinas) wurde aus technischen Gründen auf den 24. März vertagt. Der Waad Leumi veröffentlichte den Enttourf des Wahlgesetzes für die nächste Nationalversammlung. Der Entwurf, welcher während der Tagung der Nationalversammlung beraten werden wird, bestimmt das Wahlrecht für jede Person, männlichen oder weiblichen Geschlechts, welche das zwanzigste Lebensjahr erreicht hat. Das passive Wahlrecht ist auf ein Alter von 26 Jahren gebunden. Auf je 300 Wähler wird ein Deputierter entfallen. Die Wahlen erfolgen. auf Grund des Proporzes. r... tt . ■■ :.r,t:,--- ■-7'-r—Tnr-~'sr.r. .ran Nicht 8, nicht 14, sondern 366 bUUgC TßgC bei „Nealstrumpf" J. Trattnerhof Nr:% -1 >t.-77'-■; »7; > ■ <-•"■;■ "ft M. MSr, 1984 Nr. ISA Sir Herbert Samuels Verhandlungen mit König Hussein. Jentsalem, 8. März. (I. T. A.) Di« palästinensischarabische Presse teilt mit, daß die vor einiger Zeit zwischen Sir Herbert Samuel als dem Bevollmächtigten der britische!» Regierung und König Hussein gepflogenen N n t e r h a n dlun gen mit Erfolg zn Ende geführt worden sind. Die arabische Presse fügt noch hinzu, daß König H u s s e i n Z ugeständniss e gern acht habc, damit die Unterzeichnung des Angto-Hedschas-Vertrages bald vollzogen werden konnte. Die Konferenz der arabischen Staaten in K o w e i t über die Grcnzfragen wird am 16. März eröffnet werden. Zar Duell Kienböck—Jimmermm. Eine Rede des FiltLnzminist'ers. — Die Einführung deS Silberschillings und des „Stüber". — Die Fortsetzung des Genfer Programmes. Innsbruck, 10. März. In einer DersammLt-ng in Jnnsbmtck hielt Findnzmiurster Dr. Kienböck eine Neide über die FinanMirtschaft Oesterreichs, bei dsr er unter anidewm folgendes erklärte: Ebenso tmbegründet wie die Bosvrgniffe wegen eines Berlassens der Linie der Stabilität sind die hte und da ouftanchenden Meinungen, daß durch Ausgabe des Schillings das bequeme Rechnen erschwert werden wird. Ich stelle mir im Gegenteil den, wie ich nvchnmls 'betone, für eine spätere Zeit voLbchalteuen Uebergaug zu einer neuen Währungseinheit so vor, daß, wenn erst einmal das Pub'likunt an die neue Münze und 'daher an die Wertgröße, die sie repräsentiert, ge-wöhnt seiil wird, die vier Nulle» ge st richenwerden können, um alle Rechnungen ans Schillinge überzuführen. Der Schilling. welcher jetzt 10.000 Kronen entsprechen wird, wird gleichfalls in hmrdevt Untereinheiten zerfallen, die jetzt dem Nennwerte von 100 Kronen entsprechen. Für die Kupfermünze, welche!das 100-Kronen-tStück repräsentieren wird, schlage ich den Ausdmck „Stüber" vor, eine ältere deutsche MüuzLezelchnung, an die sich auch 'das Ohr des Oe>sterreichers ratsch gewöhnen wird. Wenn der Buntdesminister für Aoußeres zn der Tagung des Völkerbundrates, die heute beginnt, nach Gens gefahren ist, so erschien dies zlv-eckmäßig, da wir alle SorglsvLt ^darauf wenden nmssen, daß die Herren vom Völkerbund über unsere Absichten ganz genau infornriert werden. Ein Mißverständnis geht >dahm, aüis db schon bei der jetzigen Tagung des Volkerbnndvates eine Vereinbarung über neue Ziffern erfolgen sollte. Auch davou kan» keine Rede fein. Es wundert mich überhaupt, daß eine solche Meinung entstehen komrte, da es ja sonst selbstverständlich gewesen wäre, daß der Finwnzminister sich nach Genf zu begeben hätte. Da dies, wie Sie sehen, nicht der Fall ist, ich vielmehr heute Nacht wieder nach Wien zuvückfahre, so ergibt sich schon daraus, daß in Genf eim Vereinbarung über Ziffern nicht erfolgen kam», daß eS sich vielmehr dort höchstens darum handeln wird, den MvduS zu ermitteln, nach welchem verhandelt werben soll. Ich hoffe, daß es möglich sein wird, ohne bedeutende Erhöhung der Steuersätze durchzukommen. Ich will hiermit nicht jede derartige Maßnahnle ausschließen, kann aber unt gutem Gewissen sagen, daß keine Pläne für besonders einschneidende Abgabeerhöhungen bestehen. Ich begreife voMommen, daß eine niedrige Summe der Zlu^gaben für den auswärtigen Beurteiler unserer Fimniz-- Verhältnisse zunächst größere Beruhigung bietet, denn eim größere Ausgabensumme ist immer schwerer zu bedecken als eine kleine AuSgabensumme. Es wendet sich die Kritik immer wieder zur Frage, ob wir denn volkswirffchatlich gedeihen können, ob dae Mißverhältnis der Eigenproduktion von Lebensmitteln und B rennst off e n zu dem Konsumbedarf uns nicht erdrücken wird, und ob wir auf die Dauer eine günstige Zahlungsbilanz werden aufrecht erhalten könne. Ich verkenne nicht, daß sich diese Fragen nickt mit der AnMmng weniger Ziffern beantworten lassen. Wenn ich auch auf die Vorteile, die für unsere .Handelsbllanz aus der erfreulich fortschreitenden Ausnützung unserer Wafferikväfte p Elektrizitätswerken evivachsen, und auf die Möglichkeit einer intensiveren und daher ProduAiveren Bewirtschaftung von Grund und Boden verweisen kann, so bleibt immer noch ebte genügend große Zahl von Problemen offen. Wird es uiNiferer Industrie möglich -sein, sich gegenüber erstarkenden Nachbarn zu behaupteit? Werden die Küsten der Arbeitskraft in Oesterreich im Vergleich mit konkurrierenden Staaten zu groß sein? Wird unsere Geschniack- und Luxusindustrie sich genügenden Absatz erzwingen können? Wird Wien d u r ch f e i n e S t e llung als Finanz- und Handelszentrum für ejUestgroßerrTei l Europas und als K ultu ranziehungSPunkt auch weiter jdas Passäv u m d e r Zahlungsbilanz a u 's g l e i ch c u f ü nne n, das sich sonst erge-ben würde? Wem: wir auch zugc-beir müssen, daß die Natrrrveichti'mrer u>useres Vaterlandes nicht fo groß sind, um zu gestatten, ohne jede B>c!svmuis in die Zukunft zu blicken, so ist uns eben das Schicksall beschiedeu, alle unseve Kva>ft austrengen zu nmssen, um vorwärts zu koNÄnen und nicht wieder zurück zu Gewarnt sei nur vor uusrucht'barenr Pessinnsmus. GrÜnbergcr in Genf. Genf, 10. Marz. (Schweizerische Dep.-Ag.) Der öfters roichiifche Bumdesminister für ausivartige ÄngelLgenihüteu, Dr. Grüuberger, ist hier emgeirofsen. Die Ankunft des Geusralkommissärs Dr. Zimmer mau rvlrd erwartet.