Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1820 (10.3.1924)
- Date
- 1924-03-10
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 - Wien, Montag Mnftlerzunft „Die Ha»d". Die wir bereits berichtet haben, fand in Wien unter dem Hamen „Die Hand" der Zusammenschluß von zwölf Kunst' töte zu einer Zunft statt. Diese Form wurde deshalb gewählt, damit nur solche ausübende Künstler Mitglieder werden können, die sich mit einer Meistcrarbeit auswcisen können. Hierdurch hat die i$unft eine Handhabe gegen jede Art von Dilettantismus, der sich so gerne unter der Flagge irgend einer neuen Schlagwortrichtung in Küustlerverciuigungen und Ausstellungen ein- Klschmuggeln versucht. Die Zuns: wlll sich nicht gegen eine Kon- Lrrrenz tvendert, vielmehr bat sie auf ihrem Programm die gegenseitige Förderung der eirrzclncn Mitglieder untereinander derart, daß künstlerische Austrage, sobald welche vorliegen, an den betreffenden Spezialfachmann geleitet werden. Da alle Ausstellungen jurylos sind, ist jeder Künstler für die Dualität seiner in den Ausstellungen bcfirrdlichen Werke selbst verantwortlich und findet freie Bahn für sein individuelles Können. Vertreten sind alle Gattungen: Graphik, Porträt, Tier-, Landschaft-- und Historienmalerei, Bildhauerei. Die Gründer der Zunft sind: Blauen, st einer, bekannt durch seine Ausstellungen im Hagenbund; Bcunnleitner, Historienmaler aus der Münchner Schule; die Bildhauer modernen Stils Anton Grath und Mario Petrnci; Otto Polland, Schüler des Münchners Leo Putz: der Maler und Radierer S t e i n i n g e r; Maler S t c r e r; Porträtist Rudolf Welleba, aus der Wiener Akademie hervorge.eauaen; der aus dem Künstlerhaus und Türerbuud her bekannte Tiermaler und Radierer W e s e m a n u; ferner Bildhauer P atzio und die beiden Maler Felkc l und Zwickels, welcher das Plakat für die erste Ausstellung der Zunft entwerfen wird. j Die Gemeinde Wien hat sich bereit erklär:, der Künstlerzurrst „Die Hand" für den Monat Mai eineu passenden Aus- Itellungsraunr zur Verfügung zu stellen. o. r. Wien, 10. Mär;. * Eine Protestkundgebung der Trasilauten. Ter Aaudesverein der TraifiZanten Nied-erösterreichs veranstaltete gestern nachmittags in der Volks halle eine sehr zahlreich besuchte Pr otestrwrsammluua gegen, die von. der Monopolvorwaltung geplante ständige Inventar- und Tis- ^everMachzahlung bei Preiserhöhungen, Herabsetzung der - Berschleitzproiviston und Wiedereinführung der Gewinnj rüchphlung. Der bisherige langjährige Verbandsobrnami >' E. Löffler teilte mir, daß er 'wegen der die Trafitanten-- schcoft schwer beeinträchtigenden Verfügungen der Monopol- Verwaltung und der gegen ihn gerichteten Eingriffe sein Mandat zurücklege. Die Versamullung gench:n:g:e eine Entschließung, welche darauf hin weist, daß durch die InventursnachZahLung. anläßlich der Tariferhöhung vom 17. Februar da» Betriebskapital der Trassanten empsindlächst geschmälert wird, nach daß sie auf dem ungekürzten E^rögnis aus dem TaLaGerschleiß beharren. Irr einer Kveiten Resolution lwird für Postwertzeichen eine dreiprozentige Verschleißpro-vifion für einen Umsatz von 100 Millionen Kronen pro Jahr und eine poeiprozentige Provision von über 100 Millionen Kronen jährlich verlangt. Zum Obmann der Landesorganisaüon wurde Herr Otto Patz elt gewählt. * Die Marzfeier. Gestern nachmittags sarid auf den Gräbern der Märzgefallenen des Fädres 1848 am Zen-ralfriedboie eine große Trsuertmidqebung und Gedenkfeier statt. Zirka 2000 Wiener Moeftenzeltung. .trage Ständiger Messestand : SXeue Burg Nr. 4083 Ständiger Messe Stand: NeneBtirgNr.40f3 CHUHEl Teilnehmer, darunter eine Hundertschaft der Arbeiterwehr mit Musikkapelle, waren aus gerückt. An den Gräbern svrachen Nationalrat Tr. Ellenbogen und ein Hochschüler. * Tausin'titut Hermann Braun, 14. Bez., Reiadorfgasse 42. (Entgeltlich.) %km Wmrr. * Eine Ausstellung von 2200 palästinenslscheu Photographien. Aus London berichtet I. T. A.: Unter dem Namen „Palästina im Uebergang" wurde hier am 25. Februar durch das Parlamentsmitglied Sir Martin Conway eine von dem A n g l o P a l c ft i u e C l u b zusamnungestellte Ausstellung palästinensischer Photographien eröffnet. Die Ausstellung befindet sich in der Knnstgalerie in der Brook - Street. Herr Frank Schölten hat in mehr als drei Jahren in Palästina 2200 photographische Bilder hcrgestellt. Herr Schölten beabsichtigt, eine Bücherreihe mit diesen Photographien herausplgeben. * Firdi.it für die Rerrovierung der Omar-Mvschee. Aus Bagdad meldet I. T. A.e Wie die hiesige Presse berichtet, hat sich in Bagdad unter dem Vorsitz des Wakuf-Ministers ein Komitee gebildet, das Geldsanrmlungen fiir die Renovierung der Omar-Moschee in Jerusaleur veranstaltet. D r c \ jüdische Vertreter in Bagdad haben Sitz im Komitee. Men erwartet, daß sich die Juden in Mesopotamien ebenfalls an den Spenden beteiligen werden. Schach. Aus her Bchachsektion der Hakoah. Bcrbandsmeisterschast. Schuchkamps Hakoah Holland. Die Schachscktion Hakoach fährt im benrieeu Sommer nach Hollmd, um im Haag den Olevanchewettkampf gegen den Schachklub Discendo diseimuS zu spielen. Zum Neisemarschall wurde Herr Igel bestimmt, der Anmeldungen entgegerrnimmt und alle gewünschten Auskünfte erteilt. Haboah S-Äietzing 8'/, : S'/,. Auf Teste der Hakoah führte» die Herren Alster, Eli, H a r n i k, Herzer. Klein, L e i d n e r, Tr. Nadsprecher und O. S ch w a r z ihre Partien zum Siege. Herr Katz erzielte Remis. Schachknrsc des Großmeisters H. Wolf finden jetdsn MAwoch, ab 8 Ulw. in der Schachsektion Hakoah statt. Blitzturnier. Im letzt-en Blitzturnier teilten die Heroen G o t t l i e b 2 und F i n k l den ersten Preis. Nächstes Blitzturnier Dienstag, 8 Uhr abends. Es ist Pflicht aller schachftarken jüdischen Sptzelar, der Schachsektion Hakoah beizulreten. Zuschriften sind zu richten an die Scl/nhsektstm H^ikoah, CTofc Ravel, 1. 29c^, Wallnerstraße 4. m März 1924 Rr. 18Ä) Deralungsparkie. Gespielt am 1. März 1034 in der Schachsektion Hakoah. Weiß: Beulum und Dr. Gelles. — Schwarz: Gokllied 1 Md Lewtt. 1. e2—e4 c7-eß 8. e4XdB e6Xd5 3. Sbl—c3 -7—s6 9. L c 4—b 3 L18—b 4 8. tn-c4 Sb8—c6 10. 0 -0 0-0 4. Sgl-18 a7—a6 11. Lei—gB Lb4X«^ B. »2—a4 S 8 8—16 12. b2Xc3 S c 6Xä 4 6. d 2—d 4 c5X*4 13. D d lXd 4 L c 8Xe 6 7. 8 k 3X6 4 d7—d 51) 14. 52-14") Le6-f5 Stellung nach dem 14. Zuge von Schwarz. Schwarz. '*m m » Wi WM, M i 2 j.ssE 4L m% # mm wm f Wi f X WW » M W W nm&m. mm "" wm "'ML in 8 MD Ml 4 Mi EM 1 ' ' f er t ■TM d e SBelfe. 16. Tf 1—f 3?*) T a 8 - b 8 16. Tf3~g8 Kg8—h8 17. T a 1—e 1 b7-b6 20. T g 4—h 4 Tc8—c6 21. Tel—eS Tc6—d6 22. T e 8—g 3? L e 4X15 und 18. a4—aö M6-e4 19. f4— f6? Tb8—c8 gewann nach einigen Zügen. l) Unvorteilhaft. Schwarz erhält einen vereinzelten Bauer. *) Schwarz will offenbar die weiße Bauernstellung verschlechtern. Ob aber dies das weiße Läuferpaar aufwiegt, ist sehr fraglich. ') Der schwarze ä-Bauer wird hiemit angegriffen (k 4—k b). *) Hier konnte Weiß durch Abtausch auf k 6 ein überlegenes Endspiel erlangen. Statt dessen jagt er einem imaginären Angriff nach und gerät ins Hintertreffen. Aus bet Schachwett. Las Rew-Aorker Gwßmeisterturnier. das am 16. d. seiare» Anfang nimmt, wird zweifellos das größte Schachturnier seit dem Petersburger, 1014, in welchem Tr. Emannel Sanier vor Capablanca, Aljechine, Tr. Tarasch vnd M a r s h a l l den Sieg errang. Wieder treffen L a s k e r nnd Capablanca zusammen, und A l j e ch i n e, der damals mn Beginn sewer Schachlaufbrbn stand, ist inzwischen zur höchsten Meisterschaft berangereift. Aber auch ein B o g o l j u b o w, R e t i und R u b i n st e i n, falls es diesem gelingt, seine volle Kraft zu entlalten, haben ein ernstes Wort mitzusprechen. Ans de» erwähnten Rameu ersieht man, daß die größten Meister der Gegenwart iu dem New-Aorker Turnier ihre jkräfte meffeu werden. Den führenden amerikanischen Meistern C a p ab l a » e a, Eduard Laster, Janowsky und M a r sh a e l treten auö Europa Aljechiue, Bogoljubow, Grüufeld, Dr. LaSker, Maroczy, RLti, Rubinstein, Spielmauu »nb Dr. Tartakower gegenüber. In Nußlaud erfahr! die SchachbMt die orfriafw und erlangt eme immer größere Berbreitnng. M o? k a u allein gegenwärtig über 50 Schachvereine. SdiafwollripsSMÜ CO szsre «iMtN.L.ADLERQASSE '& Telefon Hi 7Ö Z.&U Konzerte. In früheren Epochen gehörten Monsterkonzerte nicht zu den SelterchL'itcn. So wissen wir, daß bo: dn?r Uraufführung von Berlioz' stlegniem kl00 Munter im Orchester mitwirkten, tuozn es an lustigen Konnnenlaren durchaus nicht fehlte, so an einer Glosse des ,,Corsrir" m der es heißt: „Angesertigt und von mir Hektar nsw. geliefert^ eine Messe mit loO Pauken, 40 Ophiklciden, 00 Halb mottben, 100 Hörnern, 80 Trommeln und 300 Trompeten {tut ganzen 2000 Pfund an Gewicht-". Als Berlioz feine Trauernnd Triumphsynrphonie für 200 Bläser komponierte, meinte ein witziger Kollege: „Im Forte werden 200 Blasinstrumente und eine Kanone vorhanden [ein, das soll hübsch sein!" - - LePthin dir ch irrte Orichard Strauß an der Spitze des vereinigten Philharmonischen, S p ru p h on i c- und B o l? s o p c r n o r ch e st e r s seine Alpensymphonie, an Steile der ülanoitc wurde Wiudltnb Donnermaschine losgelasseu und es war hübsch so! Mit militärischer Sicherheit besehligre er die getoalügeu Musikerscharen, ein richtiger Musikgeneral, der: übrigens der Titel eines Generalmusikdirektors verliehen tverdeti soll. Direktor Franz Schalk verdanken wir eine schöne S m e t a n a - F c i e r, bei welcher die P h i l h a r m o u i k e r mit großartigem Schwünge Teile des Zyklus „Meirc Vaterland" ausführten. Der inächtiae Visehrad, die anmuuge Moldau und alle Klangzanbcr „Aus Böhiuens Hain und §1n£" zogml in echtem Festgepränge voptiber, die Ouvertüre zu Smetanas Festoper „Libuscha" rauschte in breiter Meistersinger-Feierlichkcik dahin, worauf einige Gesangsszenen aus „Libuscha" uachsülgten. sfrwl Mo sek .slnbla und Herr Dr. Schipper loarcn die eindrucksvollen Inlerpreten, welche glerchivohl die melodische Unselbständigkeit der Singstimme nicht verberge): konnten. Teilweise zu einer Smetana-Feier 'gestaltete sich auch das Konzert der „S ä n g e r v e r e i n i g n n g der Prager Lehre r". Der von- Pros. Me tob Dolezil geleitete tschechische! a eapelta. Chor, welcher schon vor dem Kriege in Wien Erfolge erzielte, gehört wohl zu den besten Mannerchören und hat im (Gegensätze zu anderen Vereinigungen dm Mut, sich auch schwieriger, weniger effektvoller Chorwerke anzunehmmi. Acit schönen Stimmen — besonders die Tenöre! - musterhafter Disziplin, reicher Nuancierung u)td lebhaftein Temperament sangen die Prager Lehrer vovwiegeud tschechische Chöre, me stark im Volkstümlichen rvurzeln und um Anerkennung für die jmge tschechische Nation werben. Eine Alfred 0, r ü >> sel d - Gedenkseier versammelte noch einmal die zahlreiche dankbare Gemeinde des verstorbenen Meisters d-s Wiener Fwhsimts, noch einmal sandte man ihm seine Liebliiigskouiponisten Acozart, Schubert und Johann Straus; ins Grab nach, mit deren Melodie it er sich durch 50 Jahre immer tiefer in die Herzen der Wiener gespielt hatte. Auch den Komponisten. Alfred Grüufeld feierte malt in einigen anmutig liebenswürdigen Gesangs- und Orchestcrpieeen, mtd der Beifall, der dem Dahingeschiedeuerr nicht mehr gezollt werden konnte, übertrug sich aus das von Rudolf Nilius geleitete Philharmonische K a m nt c r o-r ch c st e r auf den M ä n uergesangsvereiu, das Mairecker-Buxbau nt« Quartett uud die Aieistersängerin Elise E l iz z a. — Während bei chr die sinnliche, ja südliche Wärme chres jugenbfrischen Soprans noch immer unmittelbar ans Hertz greift, rnuß man sich au die etwas spröde, schier intellektuelle Kunst des Nordländers Helge Lindberg immer wieder von neuem gewöhnen. Der Weg von Lindbergs Baßöarilon zum Hetzen der Zuhörer ist nur ein ntittclbarer, mit so interessanter der kraftvolle Vortrag des körperlichen uitt> stimmlichen Athleten, dessen Riestttatem die längsten Rouladen und Passagen wie im Spiele ohne Stockung bringt, dessen männliche, ernste, herbe Art sich an Bach und Händel zu erwärmen vermag und damit auch den Zuhörer, in scirieir Bann Zwingt. Weit weniger ücleressant singt Frau Gusti S ch w a r z - P i r k e r, deren trcmolierende Svinnne bisweilen zu tief im Halse stecken bleibt. Das M a i r e cke r - B ub an m - Q u a r t e t t brachte kürzlich ein A-Dur-Streichqnartett, op. 4, von Alexander Zemlinsky, anscheinend ein Jugendwerk, frisch und unkompliziert, voll rhythmischer Kraft, noch nicht umdüstmi von den Problemen der „slorentinischen Tragödie" und 'oes spanischen „Zwerges". Das vortreffliche, klnngscohe Bndapester Streichquartett — Hauser, Poganp, Jpoly, So-n — spielte in der erdentrückien Musik von Beethovens Cis-Moll-Quartett so andächtig, vornehm und stjlsicher, daß man nur wünschen kann, deit vier ausgezeichneten Musikern öfter im Mier-r Konzer'wale zu begegnen. Iba H a rt n n g e n - B o d a'«>u k y und Mar.aarete Kolbe-Jüllig brachten ait ihrem Kammermusik" abend in schöner Abtönung eine sormklare Violinsonale lv's jungen Werner Jüllig ans dem Biannskrivt zur Aufführung: Ein echt lyrischer Musiker, der int ersten Satze von Neger und Brahms schwärmt, tut zweiten Satze eine artige Verbeugung vor dem Franzosen rliavel utacht und unversehens Richard Strauß gegenübersteht. Mannigfach sind d-ia Beeinflussungen des noch unsertige», sehr begabten Musikers, doch im Grunde redet er immer wieder die kernige Tonsprache seines Lehrers Joseph Marx. „Fl revient toujours a svn Premier amour!" Otto Schulhof, der Tag für Tag als Begleiter von Lieder- und Tanzabenden musikalische Fronarbeit verrichten muß, durste einmal in seinem eigenen Klavierkonzert seine Schwingen frei entfalten. In Chopins H-Moll-Sonale zeigte er, daß ein ganzer Pianistischcr Kerl m ihm steckt, in eigcnmr Klavierstücken, seit deren Eittstehung es wohl lange, lange her ist, bewegt er sich in der Sphäre des Musikalischen Salons. Ein sehr eleganter Wiener Musiksalon der Strauß-Makart-Zeit, mit dicken Teppichen belegt, in dem nur leise gedämpft eine zierliche Spieldose um die Faschingszeit zu klingen anhebt. Erwin Felder. säSMäHi mssma 'jbau* 'Äit£2LmauatiatttüSShaiai