Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1820 (10.3.1924)
- Date
- 1924-03-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2979076-2980834-2980903--18110-3005153- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Elnze!mmtmerK1?0fl Wien. Zutn Abtiolen in der Expedition, II., T aborstr. 1 -3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 35.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt, I. Be*., Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl. IC 35.000 Ts checho-Slowakei: Mon. K 18. Jugoslawien: Mon. DinaröO. Polen: Mon, 3'/j Zloty, Deutschland: Mon.Goldmark4, Frankr., Belgien: Mon. Frcs. 12 HT N e h e h I u n g e o bei PreiierhohuBfeD Vorbehalte« Mi Rr. 1820 Wien. Montag. 10. März 1924 Zwischen Flammen und Bestien VMÜSäl'fn Italien: Monatl. 12 l.ire, Rumänien Mon. ISOLei, Bulgarien Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ansland monatlich Fres. 4 Redaktion o. Administration Wien, Ü^Taborslrassel—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ah 6 Uhr abds. 19-483,25-282 Tel.- Adr.:MMorgen*eitang" Wien Oesterreichisehes Postapar Wassen-Konto Nr. 150.698 SafttgcttB Ler Niedergang des Franken. Regierungsattion zur Rettung der sinauzieSe» Lage. — Aue Milliarde soll «spart werden. Paris, 9. März. (Havas.) Präsident Millerand, Ministerpräsident Poineare, Finanzminister de Lasteyrie, der Direktor der Bank von Frankreich und hervorragende Persönlichkeiten der Finanzwelt haben im Elh'ee eine Beratung abgehalten und die zur G e s u ndungderfinanziellen Lage nnd zur Stützung des F r a «k e n notwendigen Maßnahmen erörtert. Die Regierung wird darauf bestehen, daß der Senat die Finanzgesetze rasch erledige, ebenso auf der Notwendigkeit, die Ausgaben herabzusetzen und der Anleihe- Politik ein Ende zu machen. Die Bank von Frankreich wird auch weiterhin die diesbezüglichen Bemühungen der Negierung unterstützen. Reduzierung des Budgets um eine Milliarde. Paris, 9. März. (.Havas.) Der Finanzausschuß des Senates hat bei der Beratung der von der Kamnrer angenommenen Finanzgesetzentwnrse den Grundsatz genehmigt, daß im Ausgabenbudget des Jahres 1924 Ersparungen von einer Milliarde Francs zu erzielen seien. Die von der Kammer angenommene Fassung, wonach die Negierung ermächtigt wird, Maßnahmen im Wege von Gesetzesverordnnngen zu treffen, wurde mit 15 gegen 3 Stimmen durch eine Bestimmung ersetzt, wonach von den im allgemeinen Budget sowie in den Ergänzungsetats eröffneten Krediten eine Milliarde Francs endgültig gestrichen werden. Diese Summe ist durch Verordnungen des Präsidenten der Republik im Nahmen der bestehenden Gesetze auf die verschiedenen Ministerien auszuteilen. Artikel 2, der ausspricht, daß keine Neuanstellungen erfolgen dürfen, Artikel 3 bezüglich der 2vprozentigen Erhöhung aller Steuergattungen, Artikel 4 sowie die Artikel 6 bis 9, betreffend die verschiedenen Gebühren, wurden angenommen, Artikel 5 jedoch zurückgestellt und die Fortsetzung der Erörterung aus morgen vertagt. staates dennoch den Mittelpunkt e i ,it c § großen Wirtschaftskörpers darstelle. (Stürmischer Beifall.) Hieraus sprach der Präsident der Messe A.-G. Ernst Hochmut h, der die Unzulänglichkeit der Messelokalitäten beklagte, die zur Folge hatte, daß nur 60 Prozent der Anmeldungen berücksichtigt werden konnten. Handclsminister Dr. Sch ürff wies auf feine Eindrücke bei der Leipziger Messe hin und legte sodann dar, daß die Wiener Messe heute eine österreichische Notwendigkeit sei, der man sich von keiner Seite mehr verschließt. Der Minister betonte, daß Oesterreich der Wiederkehr vollständiger Verkchrsfreiheit bedürfe, und plädierte weiterhin für die Wiederkehr zur völligen Wir tschastssreiheitundzum freie «Wettbewerb in Oesterreich selbst. Dr. Schürff dankte schließlich der Presse für ihre großen Verdienste um die Messt. Ae WiedererSsftmng der Banke». Heute früh wurde in allen Wiener Großbanken die Arbeit wieder ausgenommen. Die Kassiere hatten sich bereits am Samstag nachmittags in ihre Institute begeben, um die für den heutigen Detriebsbeg'mn erforderlichen Gelddotationen in Empfang zu nchmen und auch die sonstigen Vorbereitungen zu treffen. Heute sind zum erste» Dkale die Kassen bis 3 Ahr nachmittag geöffnet. Bon dem Plane, daß die Beamtenschaft sich heute morgens von den StvoLlokalen in geschloffenen Züge' 4« ihre Arbeitsstätten begeben wird, wurde oügchcheu. 8ine Laune dv Schicksals. Bor kurzem wurde in Moskau anläßlich des Geburtstages des ältesten ruffischen Revolutionärs Michael Aschenbrenner eine große Feier veranstaltet. Aschenbrenner, der O b e r st l e u tu a n t in der russischen Armee war, hatte an Aufträge des Zentralkomitees der militärischen Revolutionsorgamsation einen bewaffneten Aufstand gegen den Zaren durchführen sollen, war aber von dem bekannten Provokateur Denajew denunziert worden und saß 20 Jahre lang in der Schlüsselburger Festung gefangen, bis er dann im Jahre 1904 in ein Petersburger Gefängnis -am, aus dem ihn erst die Revolution befreite. Die Feier, welche ihm zu Ehren stattfand, hatte der Moskauer Zentralklub der ehemaligen politffchen Gefangenen und Verbannten veranstaltet, welcher eine gegenseitige Hilfsorganisation aller früheren Politischen Gefangenen und Verbannten darstcllt, welcher Parteirichtung und revolutionären Anschauung immer sie auch angchöven mögen. Alle Richtungen von der Gruppe „Zemlsa Wolja" bis zum Anarchismus sind in biestm Klub vertreten. Seine Mitglieder haben insgesamt mehr als 2000 Jahve Gefängnis hinter sich. Bei der Feier, die der Klub für Aschenbrenner veranstaltete, gab es eine eigenartige Ueberraschung: ES wurde ein Brief an Aschenbrenner verlesen, dessen Absender der ehemalige Kriegsminister des Zaren, General Kuropatkin, war, der bekanntlich auch im russischjapanischen Krieg eine höchst unglückliche Rolle gespielt hat. Kuropatkin, einer der schlimmsten Vertreter jenes Systems von Willkür und Korruption, gegen das Aschenbreenner gekämpft hatte, lebt jetzt irgendwo auf dem Lande und unterrichtet Bauern und wie Soldaten. In seinem Brief erinnert er Aschenbrenner daran, daß er (Kuropatkin) einst als Offizier bei dem Regimente stand, dessen Kommandant Ascheubvenner war. Er bezeugt nt feinem Schreiben die gute Wirkung, die sein ehemaliger Vorgesetzter auf ihn und die übrigen Offiziere des Regiments grübt hatte, die er von leichtem Leben fern gehalten und ernst denken gelernt hatte. Kuropatkin erzählt auch in dem Briefe, daß er, als er als Kriegsnünster die Schlüffelbur^r Festung besuchte, Aschenbrenner aussuchen wollte, aber diesen Vorsatz' nicht ausführen konnte, weil er die Erlaubnis des Innenministers nicht hatte erlangen köirnen; von dem Gendarmerieoffizier, bei dem er sich damals nach Aschenbrenner erkundigte, habe er erfahren, welche Leiden dieser in der Festung zu erdulden hat; der Offizier habe. sie chm weinend erzählt. Zum Schluß drückte Kuvopatkm st ine Freude darüber aus, daß fern früherer Kommandant eine Zeit erleben konnte, da stine Ideale verwirklicht wurden. Zu dieser Verbindung zwischen dem Zavengeneval und dem Revolutionär gesellt sich jedoch eine zweite Laune des Schickstls: die Feier für Aschenbrenner fand in einem Palast statt, welcher ehemÄs — Kuropatkin gehörte. Englischer Antrag M Einberufung einer Weltkonferenz. London, 9. Mürz. (Tel. der >,Wr. Morgenzeittlg-.) Der nationale Friedensrat hat Mae Donald eine Denkschrift überreicht, in der der Premier zur Einberufung einer Weltkonferenz zur Lösung aller, das Gedeihen und den Frieden Europas gefährdenden Fragen ausgesordert wird. Die Denkschrift ist von 136 Abgeordneten, 24 Bischöfen, 8 Bürgermeistern und zahlreichen Persönlichkeiten der britischen. Finanz, Kunst und Wissenschaft unterfertigt. Ae Einschränkungen im englische« Marineetat. Keine Krise in der Admiralität. London, 9. März. Das Reutevsche Bureau nreDet: Premierminister Mac Donald hatte mit Admiral Beatty eine Besprechung, wobei er mittevlte, daß das Kabinett beschlossen habe, die Pläne betreffend den Bau eines Docks in Singapove nrit Rücksicht auf den gegenwärtigen Stand der englischen Finanzen nicht auszuführen. Admiral Beatty erwiderte, die Admiralität erkläre sich mit diesem Beschluß einverstanden. Die Meldungen über eine zu erwartende Krist i« der Admiralität find daher unbegründet. Griechenland vor der Ausrufung der Republik. London, 8. März. Das Reutevsche Bureau meldet aus Athen: Der Regent hat dem republikanischen Führer Papanastas i u die M i n i st e r p r a s i d e n t s ch a f t angeboten. Der Entschluß Kafandaris', vom Posten des Kabinettschefs zurückzutreten, wurde von diesem gefaßt, nachdem er vom Befehlshaber des ersten Armeekorps benachrichtigt worden war, daß die Offiziere fest entschlossen seien, auf dem Sturz der Dynastie und der Gründung der Republik zu bestehen. Athen, 8. Marz. (Havas.) Wie verlautet, werde Papanastasiu ein republikanisches Kabinett bilden und sofort die Republik mit oder ohne Konstituante ausrufen. Beniselos verläßt Griechenland. Rom, 9. März. Beniselos dürfte, wie die Blätter melden, in den nächsten Taigen Griechenjland verlassen. Griechenland anerkennt Sowjetrußland. Athen, 8. März. Griechenland hat die russische Sowjetrepublik anerkannt. Die marrokanischen Wirre« — ei» Mrsenrnanövrr? Madrid, 9. März. Ei« offiziöses Komummqne teilt mit, daß in Brmitez eine Militärabteiluna mit Marokkanern in ein Gefecht gekommen sei, wobei zwei Soldaten getötet, acht weitere und ein Offizier schwer verletzt wurden. Offiziös wird weiters mitgeteilt, daß die Meldungen, die von einer großen Niederlage der Spanier in Marokko zu berichten wußten, vor allem dazu bestimmt gewesen seien, die spanische Wahrung ins Wanke« zu bringe». Tiefe Meldung sei tatsächlich von großen Valutaoprrationen begleitet gewesen. An katastrophales Grubenunglück. 175 Bergarbeiter eingeschloffen. Salt Lake City, 8. März. (Reuter.) Durch eine Explosion entstand in einem Bergwerk ein Brand. An der Rettung der 175 eingeschlossenen Bergleute wird gezweifelt. Re Wiener Melle. Massenbesuch am Sonntag. Die gestrige Eröffnung der Meffogobäude brachte einen großen äußeren Erfolg. In der Rotunde hatten sich Tausende und aber Tausende emgefunden, und der weite Jnnenvaum war derart gefüllt, daß man Blühe hatte, durch die Massen Hindurchzugelangen. Infolgedessen loar eine eingehende Besichtigung unmöglich. Imponierend ist die Maschinen- und Autoindustrie, die ein lückenwsts Bild darbot. Im Messtpalast herrschte schon von der Eröffnung der Messt an so dichter Verkehr, daß die Passage zeitweilig nur mit großer Mühe vor sich gehen konnte. Schon am ersten Tage stellten sich viele ernste Interessenten ein. Es wurden Geschäfte zum Teil abgeschlossen, zum Teil in Erfolg versprechender Weist angebahnt. Den stärksten Zuspruch von Besuchern hatte wie immer die Abteilung für Lsdergalanteriewaren. Es wurden bereits gestern größere Geschäfte abgeschlossen, woran sich besonders Engländer und Amerikaner beteiligten. Ein Bankett im Rathaus. Gestern abends fand m den Festräumen des Rathauses ein Empfang anläßlich der 6. Wiener Messt statt, an dem sich die Spitzen der Behörden sowie führende Persönlichkeiten des wirtschaftlichen Lebens eingefunden hatten. Es war d a s e r st e M a I, daß diest sonst im Kursalon des Stadtpavkes abgehaltene Veranstaltung diestn festlichen und offiziellen Nahmen erhielt. Bürgermeister Seitz begrüßte die Erschienenen als Hausherr und gab seiner Genugtuung Ausdruck, daß die ursprünglich so pessimistisch beurteilte Wiener Messt Zeugnis davon ablege, daß Wien, der mistige Mittelpunkt eines großen Reiches, auch als Hauptstadt eines SechSmillioneir-