Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1819 (9.3.1924)
- Date
- 1924-03-09
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 18_ Wien, Svnulag fördert werden. Wie groß das Interesse in Bulgarien sür die Wiener Messe ist, geht wohl am bester: an» dein Umstande hervor, daß die Handels- und Äewerbekammer in B a r n a eine ansehnliche Lumme ausgeworfen hat, um Kausleniien, zumeist aber Kleingewerbetreibenden die Besichtigung der Mcste zu ermöglichen. Unter der Führung von Professoren werden auch Handelsstudenten nach Wien kommen. Die wirtschaftliche Lage in Bulgarien ist derzeit eine s e h r g.it t c. .Der Export schreitet fort, d:e B a .1 u t a lfat sich seit.einem Monat gel^Iert und zEft c'ne stetige Tendenz zur Stabilisierung. Diese Umstände tveroen eS i,ns mit ermöglichen, die wirtschaftlichen Beziehungen mit De st er reich noch enger zu gestalten. Wiener Morgenzeitung. seine Ber'ehrSIme» seine Bedeutung für den Westen erlangte, so muß auch Wien seine Mittel zur Belebung des ($e* ischäflsvcrkehres nach dem Osten ausgestalten. Daß die Messe» ein derartiges Mittel ist, bestätigt die ganze am Handel mit dem Orient interessierte Kaufmannschaft. Wollen wir hoffen, daß die heurige Messe eilt tveitercs Stück znm Ausbau dieses- Handels beitrage! . J. HANNE 1 Wien, Vü. Schottenfeldgasse 24 9. März im_Nr. 1819 noch vor ainigen Monaten durch den Mangel an Zellulos, deren staatliche Bewirtschaftung notwendKg war. Heute jed>ech führt die Zellulose bereits einen großen Kampf um ihren Absatz wegen der drückenden Konkurrenz der nordischen Staaten. Sogar die Tschecho-Slowakei ist heute in der Lage, eine qualitativ hochstehende Zellulose auf den Jnlandsmarkt zu Wersen, die auf die Preisbildung rn Oesterreich besonders drückend wirkt. Während die österreichische Zelluloseindnstrie unter fortwährenden Lohnerhöhungen arbeitet — so ist diesen Monat in dcr gesamten Papierindustrie wiederum eine Lprozentigi Erhöhung e'ngetrcten, desgleichen fand eine Steigerung der Holzpreise statt —, bewegt sich in dcr Tschecho-Slowakei d^ Tendenz in deö Richtung des Lohnabbaues un-. des Sinkens der Rohstoff- und Holzpreise, was an und für sich schon die starke Konkurrenz der Tschecho-Slowakei erleichtert. Augenblicklich sind sämtliche Papierfabriken Oesterreichs mit wenigen Ausnahmen zu se<,r schlechten Preisen aus Monate hinaus beschäftigt. Nur der Umstand, daß di« österreichischen Papierqnalitäten den besten ausländische!: Produkten zun: m i n d e st e n g l e i ch w e r t i g sind, ermöglicht es, daß von einer Absatzstockung noch nicht gesprochen werden kann. Das österreichische Geschäft gravitiert sür Roh- und Halbrohstoffe, das sind Holz und Zellulose, vor allem nach dem Westen, nach Italien und Frankreich. Doch ist uns infolge der erwähnten nordischen Konkurrenz, die in italienischen oder französischen Häfen um zirka 5 ^Prozent billiger offeriert, der dortige Markt wcggcuommcn. Der Erv-rt sert^er Produkte bewegt sich haup'ü hlich nach dem Bal'an. P len, welches eines der größten Abnehmer Oe si e'ch s ivar, kommt wegen der desolaten valutor'schen Verhältnisse de zeit n'cht in Betracht 'Ebenso wenig Ungarn. Zum großen Teil gilt dies auch für Jugoslawien. Wir hoffen, nach Aufhebung der A u s f u h r a b g a b e, wozu sich unter dem Drucke der Verhältnisse das F i u a n z m i n i ster iu m wird entschließe n müssen, und bei Eintritt stabiler Geldverhältnisse in Polen, Ungarn und Jugoslawien, wiederum auf einen lebhasten Absatz nach diesen Staaten. Unsere Industrie ist gezwungen, 75 Prozent ihrer Erzeugung zu exportieren, da das kleine Inland kaum 25 Prozent der Produktion alftzunehmen vermag. Es wäre Pflichh der Regwrnng, nicht nur die Ausfuhrabgabc anfzuheben, sondern sogar Exportprämien zu bewilligen. Rur auf diese Weise wäre eine aktive Lage der österreicht.schen Papierindustrie möglich. D'e Papierindustrie erhofft besonders von der heurigen Me'se große Bestellungen. Es wird angenommen, daß viele Käufer die in Deutschland getätigten und wegen der dortigen Behältnisse nicht zur Ausführung langen Abschlüsse beider Messe in Wien placieren werden. Auch, die Tatsache, daß ein Teil der deutschen Fabrikanten ihre Berkan'e in Dollars und Pfunden berechnen. sowie die Unsicherheit der dortigen Liefernngsmöglichkeiten, dürfte viele Käu'er abschrecken, - ihren Bedarf bei der Leipziger Messe zu decken, weshalb ein Zuzug zur Wiener Messe zu erwarten ist. Verhältnismäßig günstig stellt sch. die Lage jener östexreichis^en Fabriken, die Spezial¬ und Dünnpapier, wie z. B. Seiden- und Hntvap'ere usw., erzeugen, da in diesen Artikeln Oesterreich seit jeher eine dominierende Stellung eingenommen hat. Messe und Lebensmittelheudel. Von Franz Wiener, Chef der Firma Max Wiener, Lebensmitteknnport. Der Zweck der Warenmess? ist, hauptsächlich Käufer <ms dem Auslände und auch solche ans den eigenen Provinzen cmzuziehen, um sie an Hand vorgelegter Muster von «der besonderen q:mlrta>tiven Güte v.r erzeugten Waren zu überzeugen. Für.den eigenr-l'ichen Handel mit Lebensmitteln kommen daher die Messen nur sehr wenig in Betracht, denn niemandem wird es einfallen, auch nur eines der Masserrnahrungsmvttel aus einer Messe auszust llen oder als Käufer derartiger Waren, wie Mehl, Zucker, Fetzt, Landesprodnkte usw., eine Dtesse zu lbe« suchen. Wert haben die Messen im Nahmen des Le'bensmittelhcmdels nur für die L ^bensmittelindustrie; dadurch nehmen auch die Ausstellungsräume für Lebensmittel nicht nur verhäktinismäßig, sondern auch absolut einen ganz geringen Raum ein. Auch der Verkehr ist dort ziemlich gering und beschränkt sich zum allergrößten Teile aus Detailkuirden und Neugierige. Aussteller sind inkländische Konserven-, Marmelade-, Teig-- und Fleischwarenfabriken, Fräsereien und einige Vertret-rmgen ausländischer Handelsfirmen. Der Wert einer gelungenen Warenn:esie äußert sich ober, wenn auch nicht direkt, so in indirekter Weise auch für diesen Geschäftszweig nicht nur durch de:: Mohrkonsum der Messebesucher, mehr noch durch die Schaffung reichlicherer Arbeits- und Erwerbsgelegercheiten in der inländischen Jndnstvie und im Handel. Es wäre daher eine gänzlich falsche Auffassung, wenn seitens der Lebensmittelhändler der Werl der Messen nicht entsprechend gewürdigt werden möchte. Aüsländer Exporteure G kaufen am vorteilhaftesten 588 ummimäntel erstklassige Gummierung und Ausführung bei REG MAN, Gummimäntelfabrik Wien, III., Heumarkt 7, Beatrixgasse 26. Telephon 585 Wien, dar Handelszentrum des Srients. Wiederherstellung der früheren Handelsbeziehungen durch die Messe. Von Dr. Erwin Pallech, Sekretär bes Gremiums der Wiener Kaufmannschaft. Vor dem Kriege hat bekanntlich Wien die Versorgung des gesamten Orients mit den verschHexnattigsten Waren durchgeführt. Im Laufe der Jahre waren diese Handelsbeziehungen zu festen Bindegliedern ausgewachsen, so daß trotz politischer Grenzlinien Wien und der Orient ein einheitliches Handelsgebiet bildeten. Durch den Krieg trat in diesen Verhältnissen eine grundlegende Acndernng ein. Rumänien imö Serbien gehörtet: bekanntlich zur Entente und erweiterten ähnlich wie diese den militärischen Kriegszustand aitch durch einen wirtschaftlichen, der in .Handelsverboten, Zahlungen«;.Hinderungen, Vcriehrsnnterbindungen und de eg lei.hei: seinen Ausdruck fand. Als dann der Krieg für uns eine so unglückselige Beendigung fand, verschlechterte sich diese Situation noch dadurch, daß Teile der Türkei und Bulgariens besetzt wur^ öen, wodurch der .Handelsverkehr auch mit unseren ehemaligen Verbündeten schwer litt. Tie Ententestaaten, vor allem Frankreich und England, versuchten nun, diese Situation auszimüyen, ließet: sich in bei: Fricdensverrrägen weitgehende Handelsbegür.stigungen gewährleisteten, und forderten ihre eigenen Industrie- und HandelSlreise aus, unter Umgehung von Wien direkt den Ex- und Import mit den Balkanstaaten anzuknüpsen. Damals schiene!: tatsächlich die Aussichten Wiens, in: Handelsverkehr mit dem Orient wieder eine cntfcfjcibcubc Stellung einzunehmen, trostlos, und gar viele Kaufleute, welche an diesem Verkehre vor dem Kriege beteiligt rvaren, verloren jegliche Hoffnung. , Bald zeigte es sich jedoch, daß die Diplomaten zwar in der Lage waren, Verträge zu brechen und Agitation zu betreibe!:, daß sie jebocf) das feine Gewebe der geschäftlichen Verbindungen wohl zerreißen, jedoch nicht in der von ihnen gewünschten Form neu ansertigen konnten. Der direkte Güteraustausch zwischen den: Orient und den Ententestaaten erzeugte bald unverhältnismäßige Reibungen und Verstimmungen und nahm sichtlich in ganz kurzer Zeit ab. Da abeu der Güterverkehr und -Austausch schließlich doch bewältigt tverden mußte und die Befriedigung der Bedürfnisse einer Volkswirtschaft sich nicht hinaussch'.eöen lassen, so setzte bald eine starke Strömung für die Wiederanknüpfung der Handelsbeziehungen zwischen dem Orient und Wien ein. Allerdings blieben gegenüber der Vorkriegszeit hiebe: noch immer starke Hindernisse zu überwinden. Sind oie Ein- und Ausfuhrvorschriften, das Zollwesen, die Tevisenbesrimmunge!:, die Frachten u. dgl. schon in Westeuropa ein schier undurchdringliches Dickicht, so wird dasselbe im Orient gänzlich unwegsam, weil dort der überwiegende Teil dieser Angelegenheiten nur durch Persönliche Intervention geregelt werden kann. Außerdem sind die Reiscspesen weit über die Goldvarität gestiegen, so daß auch diesbezüglich der Handelsverkehr arge Hemmungen zu verzeichnen hat. In dieser Situation bietet nun di; Wiener Messe ein überaus wertvolles .Hilfsmittel. Tie Einkäufer aus den Balkanstaatcn werdei: schon durch die Möglichkeit allein, über den gesamten Markt einen Ueberblick zu gewinnen, mach Wien gelockt.. Bei Besichtigung der einzelnen Messestände wird'selbstverständlich der . in einzelnen Fällen eingeschlafene, ehemalige Kontakt geweckt::nd die Anregung zur Festigung desselben gegeben. Tie Einkäufer aus den Balkanstaaten sind selbstverständlich über die -ihre eigene Ware berressenden Vorschriften restlos informiert, ja noch mehr, sie wissen die etivaigen Hindernisse auch durch ihre Verbindungen in der Heimat notwendigenfalls abzuschwächen oder zu beseitigen. Ein Warenverkehr, der sonst ganz unmöglich ist, wird hiedurch ohne erhebliche Schwierigkeiten in die Wege geleitet und damit viele durch den Krieg und die Nachkriegszeit verschütteten Handelsbeziehungen wieder freigelegt. Diele Situation wird noch durch den Umstand besonders gefördert, daß die schon seinerzeit bestandenen persönlichet: Verbindungen auch die sür jeden Kredit notwendige Voraussetzung des persönlichen Vertrauens erfüllen, während bei direkten Geschäften zwischen den Weststaaken und den: Orient die Kontrahenten vor einer vollständig fremden Situation stehen, so daß schon aus diesem Grunde ein Geschäft vielfach unmöglich ist. Eine durch die Messe einmal eingeleitete Geschästsverbindu:^ wird erfahrungsgemäß zu einem ständigen Geschäftsverkehr und die aus. der Messe getätigten Handelsgeschäfte repräsentieren daher nur einen Bruchteil ihres wirklichen wirtschaftlicher: Wertes. Wien wird vielfach das Hamburg des Ostens genannt. Es ist schon jetzt Tatsache,!nrß die verschiedensten Warei: aus den verschiedensten Ursprungsländern iin Transitverkehr über Wien den Bedarf des Balkans befriedigen. Ebenso wie Hamburg nur durch 4^ Luxus- und Stümöbel aller Arten Ile MsÄ!>e»ln4ustrle und die Messe. Boi: Ing. Oskar Kramer. Unser; Maschinenindustrie ist auf das Gebiet der früheren Monarchie eingestellt, weshalb das kleine Inland für sie kaum in Betracht kommt. Ter Export ist baljcvf et::« Lebensbedingung dieser Industrie. Dazu sind gute Handelsverträge notwendig, ebenso erträgliche Zollsätze. Bestimmend sind auch die internationalen Balutaverhältnisse sowie die Weltwirtschastslage überhaupt. Es muß eine Revision der Wirtschaftspolitik in alten Ländern einsctzen, dem: das System der Absperrungen macht die Welt ärmer. Das Jahr 1924 wird die Belastungsprobe dafür bringen, ob der Geist des Friedens und damit eine Gesundung Europas sich durchsetzen werden. Die Maschinenindustrie stößt in ihrem Absatz derzeit auf mannigfache Schwierigkeiten. Dazu sind die industriellen Bestrebungen in den Nachfolgestaate!: sehr groß, ::m sich vom Importe unabhängig zu machen. Unsere Löhne erreichen die Weltparirät. Von der Messe erwartet d'e Maschinen- und Werkzeugindustrie kein besonderes Geschäft. Unsere landwirtschaftlichen Maschinen, deren Qualität hervorragend und sehr konkurrenzfähig ist, finden zur Zeit lewen entsprechenden Absatz. Die Tschecho-Slowakei schließt sich ab, Polen und Ungarn: sind valutarisch zerrüttet, während Jugoslawien, das ein großer Abnehmer unserer Produkte war, auf Konto der Reparationen durch Deutschland spottbillige Maschinen erhält. Das Geschäft mit Rußland sieht zwar freundlicher aus, doch sind die Zahlungsbedingungen äußerst drückend. Es werden langfristige Kredite verlangt, überdies bevovzugt Rußland den Tauschhandel, wobei es schwer fällt, die eingerauschten Rohprodukte entsprechend abzn^etzen. Immerhin dürfte die Landwirtschaftsmaschinenindustrie nicht ungünstig abschneiden, da der Bedarf im allgemeinen größer geworden ist. Die Aussichten der Werkzeugindustrie sind nicht gut. Hier macht sich die scharfe Konkurrenz Deutschlands wiederum sehr fühlbar, das nach Freimachung des Ruhrgebietes und teilweiser Stabilisierung seines Geldwertes bereits eine 50prozentige Verbilligung d'e'er Produkte vornehmen konnte. Deutsche Werkzeuge werden h'er frachtfrei und verzollt heute schon billiger angeboten, als die österreichischen Erzeugungspreise sind. Die deutsche Fabrikation hat Heuer eine bedeutende Anzahl von Ständen in der Rotunde besetzt, um ruf dem Wege der Wiener Messe sich neue Absatzgebiete zu schaffen. In Spezialartikeln, wie z. B. Strickmaschinen, dürste w-e gewöhnlich^ein ziemliches Geschäft erzielt werden. Unsere Autoindustrie hat schlechte Aussichten. Die französische Konkurrenz ist erdrückend. Ji: Elektromaschinen sind wir sehr leistungsfähig. Das normale Geschäft im Inland ist zu erwarten. Die Feinmetallerzengung könnte auch mit Radioapparaten ein lebhaftes Geschäft machen. Jmr allgemeinen erwartet unsere Industrie van der Frühjahrsmesse kein großes Geschäft. - .. Papierindustrie und Messe. Von Kommerzialrat Max Strauß, geschäftsführender Derwaltungsrat der Kleinzeller Pap:-r» fabrik A.-G. und der Frauenthaler Papier- und Pappenfabriksgcsellschaft, Mitglied des Wiener Messebeirates. Die Papierzellulose und Holzstoffindustrie, welche bis vor kurzem zur zlveitbesten der aktiven Industrien Oesterreichs gezählt werden konnte, gilt derzeit vom Standpunkte der Verdienstmöglichkeiten als eine der ungünstigsten. Nur im Wege der Hebung der Exportmöglichkeiten kann ihre Lage verbessert werden. Die Papierindustrie führt gemeinsam mit den Papier verarbeitenden Betrieben einen Kampf für die Beseitigung der Papierabgabe, welche für alle ihre Exporte eingehoben wird. Diese Exportabgabe hatte seinerzeit eilte gewisse Berechtigung, als die dadurch emgegangenen Beträge zur Verbilligung des Papiereinkaufcs der Zeitungen verwendet wurde::. Diese Unterstützung der Presse durch die. Exportabgabe hat bei Wegfall der staatlichen Bewirtschaftung des Rotationspapiers aufgehört. Nichtsdestoweniger besteht das Finanzministerium auf der Expbrtabgabe, trotzdem die Bemühungen zu ihrer Beseitigung auch seitens des Handelsministeriums unterstützt werden. Heute stoßen wir bereits in Papier und Rohmaterialien ans die große Konkurrenz des Auslandes, vor allem Skandinaviens und Finnlands. Ich kontrolliere den Absatz einer dar größten Zellulosefabriken Oesterreichs und ich fand, daß a««-..-.