Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1819 (9.3.1924)
- Date
- 1924-03-09
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18X9 Men, Simrrfa^ Wiener Morgenzeituns. 9. März 1924 Seite 17 Messe und ttanftefttfrttfäe. Bon Dr. Alfred Grün -erger, B u n d e s m i n i st e r für Aeußeres. Wieder lädt das österreichische Voll die ganze Welt zu Goste. Zum sechsten Male wird die'W iener Messe, deren Ruf in der internationalen Handelswelt bereits fest begründet ist, eine Diusterstsau österrei HsAer Arbeit bieten. Zugleich alwr wird in noch höherem Maße wie bei don früheren Messeveranstallunoen in Wien die bedeutsame Mission dieser neu erblühten Weltstadt als des zentralen Marktes im Herzen des europäischen Kontinentes sichtbar in Erscheinung treten, eines Marktes, dessen Handelsradius weit nach Osten ausgreift und deshalb fernab gelegene Absatzgebiete auch für die westlichen Industriestaaten lanstnännisch erfaßt. Darauf beruhte ja der Gründungsgedanke der Wiener Messe. Daß sie diesen in jeder ihrer bisheriaen Veranstaltungen bestätigte und die von Messe zu Messe gesteigerten Erwartungen in dieser Richtung auch erfüllt hat, darin liegt oben das Geheimnis der Tatsache, daß die Wiener Nieste unter den zahlreichen Niesten der Nachkriegszeit diejenige ist, we-lcl)e alle anderen im friedlichen Wettbewerbe überflügeln und an dauernder Bedeutung nahe an die fchon Jahrhunderte alte Leipziger Messe heranrücken konnte. Sie ist erstarkt am B e rtrauen der Welt, und zwar einem wahrhaft niichternen Vertrauen, das kritisch die von der Wiener Messe gebotenen Gewinnchancen oibzuwägen weiß, denn es ist das Vertrauen von Kaufleuten. Die Steuer Messe ist denn auch selbst e i n W e r k v o n K a u f l e u t e n a u s der besten Wiener Handels Welt. So sel)r die österreichische Regierung bemüht ist, Begünstigungen für die ausländischen Messebesucher und ihre "Messeschlüsse zu schassen, so wenig darf in der Wiener Vtestc eine Veranstaltung der Regierung vermutet werden. Diese tritt nicht zwischen Käufer und Verkäufer, sie will im Gegenteil Wirtschaft und Handel von allen Fesseln und Hemmnissen befreit wissen. Dafür geben die von ihr abgeschlossenen H a ndelsverträge beredtes Zeugnis, deren erleichternde Wirkungen sicher auch dem Mestegescl)äft zugute kommen werden. Man kann daher von der sechsten Wiener Messe nicht nur erwarten, daß sie auch diesmal dein Kaufmanne halten werde, was sie verspricht, sondern, daß auch sie nicht wenig dazu beitragen werde, den Begriff „Oesterreich", die Achtung vor diesem Staate und seinem Volke im internationalenLebenzuerhöhen. öowjetrußland auf der Frühjahrsmesse. Von Dr. Michael Lewitzkij, bevollmächtigter Vertreter der Union der Sowjetrepubliken. Die Wiener Frühjahrsmesse 1924, an der sich zunr ersten Male die Union der Sowjetrepubliken beteiligt bildet einen Markstein fite die fernere Gestaltung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Oesterreich.und der Union der Sowjetrepubläken. Die Tatsache selbst, daß die Messe in einem Zeitpunkte stattfindet, wo die Union der Sowjetrepubliken im Begriffe ist, die ihr kraft ihrer Macht zukomniende Stellung bei der wirtschaftlichen Wiedevaufrichtung der Welt einzu nehmen, ist außerordentlich bedeutungsvoll. Die Möglichkeiten, die sich aus einer Ausdehnung der wirtschaftlichen Beziehungeil zwischen beiden Staaten ergeben, können für die österreichische Industrie- und Handelswelt von großer Bedeutung sein. Die Wiederaufnahme geregelter Beziehungen mit der Union der Sowjetrepubliken, die auch Oesterreich vorgenommeu hat, wird dazu beitrageil, daß die durch Krieg und Bürgerkrieg erschütterte Wirlschast bald auf jene Grundlage gestellt wird, die zur Wiederau fr ich tu ng einer geordneten Wirtschaft nowcndig ist. Nachdenl wir bei uns die Kinderkrankheit der neuen Wirtschaft Überstunden und bereits weitere, nicht unbedeutende Erfolge zu verzeichnen haben, können wir der Woiteventwicklung unserer Wirtschaft frohen Mutes entgegensehen. Die Industrie sämtlicher Sowjetrepubliken hat im abgelaufenen Wirtschaftsjahr scholl nahezu 36 Prozeilt der Vorkrtegsprodnktion erreicht. Hatten wir noch vor wenigen Monaten in einzelnen' Teilen des Reiches eine Hungersnot ailfzMveisen, deren unmittelbare Ursache jedoch zumeist das mangelhafte Berkchrssystcm bildete, so köllnen wir heute schon von einem Getreideüberschuß sprechen, der es uns erlaubt, ganz beträchtliche Getreidomengon nach Europa auszuführen. So hat Oesterreich allein in beit lehren Monaten 60.000 Tonnen Getreide eingcführt, wovor^ allerdings nur 10.000 Tonnen sin Oesterreich selbst verwendet, der Rest tveitervertauft wurde. Auch Petroleuni spielt bei unserer Ausfuhr eine sehr wichtige Rolle. Die Wirtschaftskrise, an der Nußkind so arg gelitten hat, ist mit der fortschreitenden Verbesserung unseres.Exportwesens im Schwinden. Der Zugsverkehr nimmt von Monat zu Monat'zu, das brauchbare ' Eisenbahnnetz vergrößert sich zusehends, dem Mangel an Waggons und Lokomotiven wird durch Anschaffungen im Auslande immer me^r abgchoffen. Betrachtet man d'e ""teln der ' Steatewr^,ast, soweit sie für das Jahr 1123 (elf Monate) zustnllnei'gAtellt ist, so mich man kv'.st alleren, daß der Ausfuhr im Werte von 170 Millionen Goldrubel eine Einfuhr im Werte von 130 Mill'onen Goldrubel entgegensteht, nnstre Bilanz also einen Ueberschuß von 40 M llion.'n Goldrubel cms.ite'ft. Dieser günstige Erfolg ist vornchml'ch dem Nnß."'-andAsmono. ol zu danteu, las einen Grund feiler des Wirts Etlichen Wiederausj bailes Ruß arrdZ leoeutet r d das ki'ter in kenier We.se angetastet werden darf. Ans sinauz'eltem Gebiet bewegt sich Rußland mit raschen Schritten einer stabilen Goldwährung zll. Die Würdigung dieser Zustände beweist das Ausland eben dlrrch stille Anerkennung der Union der Sowjetrepnölikn. Vielfach — und dies gilt auch von Oesterreich — ist diese Anerkennung nur eine Legalisierung bereits bestehender Verhältnisse. Nufere Teilnahme an der Wiener Messe bildet daher nur eine logische Weiterentwicklung unserer Beztehnngeli. Wir haben vor der Rotunde einen eigenen Pavillon anfgestellt. Daran sind beteiligt: die Handelsvertretung der Union der Sowjetrepubliken, der Verband der landwirtschaftlichen Genossenschaftell, der Zentralverein der Kooperatrvgenossenschaften, das Moskauer Außenhandelsamt, das Ledersyndikat, der Glunnlitruft, das Aaphthasyndikat und die Getreideexportstelle. Ausgestellt werden Illohstoffe, darunter Felle und Haute, Borsten, Roßhaar, Hanf lind Flachs, Federn und Daunen, Naphtha, Rohtabak, Erze Asbest u. a. Sodann zeigt der Pavillon Gegenstände echt russischer Volkskunst, >vie h-tetoebe, Stickereien, Spitzen, Teppiche, aber auch Holzschnitzereien unb Spielwaren. Auch Warenmuster von Weizen, Roggen, Gerste und Mais werden zu sehen sein. Auch auf der internationalen Buchmesse ist die Union der Sowjetrepubliken durch den Staatsverlag vertreten. So ist zu hoffen, daß die Frühjahrsmesse die österreichischell Kauslente dem russischeil Markt naherbringt, daß aber auch wir österreichische Fabrikate kennen lernen. /TRAGET Ständiger Messestand : Keue BurgNr.4083 &!k Ständiger Messestand : NeueBurg Nr.40f 3 SCHUHEN Sie wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Äefterreich und der Tschecho-Zlowakei. Aus einem Gespräche mit dem tschecho-sloivakischen Konsul Dr. Vrabec. Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Oesterreich und der Tschccho-Slowakei können als sÄhr gut bezeichnet werden. Oesterreich ist das Hauptgebiet für den tschecho-slowakischen Außenhandel. Im Jahre 1923 stellte sich der Wert der Ausfuhr nach Oesterreich auf 2639 Millionen tschech. Kronen, im Jahre 1922 sogar auf 3969 Millionen tschech. Krönen. Da die gesamte Ausfuhr der Tschecho-Slowakei im Jahre 1923 dem Werte von 12.518 Millionen entspricht, erscheint Oesterreich ungefähr mit eineul Fünftel daran beteiligt. An der Einftchr in die tschecho-slowakische Republik war Oesterreich im Jahre 1923 mit einem Werte von 665 Millionen, im Jahre 1922 mit 986 Millionen beteiligt. (Was die Kohlenanssuhr anlaugt, wurden nach Oesterreich geliefert: Von der Gesamtcrusfuhr von 1,736.188 Tonnen Steinkohle im ganzen 686.098 Tonnen, von der Gesamtausfuhr von 2,132.816 Tonnen Braunkohle insgesamt 758.358 Tonnen, von der Gesamtansfuhr von 618.877 Tonnen Koks 273.299 Tonnen. Von der Gesamtansfuhr von 183.943 Tonnen Briketts entfallen auf Oesterreich 32.224 Tonnen. Diese wenigen Ziffern ergeben bereits einen Betveis dafür, daß Oesterreich und die Tschecho-Slowakei in einem sehr innigen Handelsverkehr zueinander stehen.) Die neuen Handelsvertraiasverhaudlungen zwischen beiden Staaten werden in diesem Monate beginnen und hoffentlich zu einem für beide Teile günstigen Handelsvertrag führen. Die Zentrale der tschecho-slowakischen Handelskammern hat sich für eine Beschleunigung der Freigabe der Einfuhr für den Fall ausgesprochen, daß sie auf 'der Grundlage der Reziprozität dnrchgeführt wird. Die Frage der Meistbegünstigung ist in der Weise im St.-Gcrmainer Friedensvertrag geregelt, daß Oesterreich verpflichtet ist,, sowohl hinsichtlich des Zollregimes als auch der Behandlung der Ein- und Ausfuhr der Tschecho-Slowakei als einer der alliierten und'assoziierten Machte einseitig die Meistbegünstigung zu gewähren, und zwar für fünf Jahre, gerechnet vom 16. Juli 1920. Der Artikel 222 des Friedensvertrages enthält jedoch .'einen Verzicht auf die Meistbegünstigung der alliierten und assoziierten Staaten fzugunsten gewisser Zollermäßi- Hungen, welche die Tschecho-Slowakei mit Oesterreich vereinbaren würde, wodurch döm wirtschaftlichen Zusammenhänge der ehemals in der osterr-ungarischen Monarchie vertretenen Law der entj, rochen werden soll. Von dieser Möglichkeit gesonderter Zollvereinbarunge.. ist bisher nicht Gebrauch gemucyr ftrvtxrc* itite es ist fraglich, ob bei den kommenden Zollverhandlungen mn Oesterreich von dieser Bestimmung Gebrauch gemacht wer. den wird. Die tschecho-slowakische Industrie hat das größte Interesse, sich durch besondere Zollvorteile den österreichischen Markt m sichern, doch würden in vielen Fällen diese Vorteile ausgckwben werden, wenn sie auf Grund der bestehenden Meistbegi'nst:gunasvertrüge auch diesen Staaten, so Deutschland, zw kommen müßten. Die Wiener Messe wird von den tschecho-flowakischeu Kauftentcn sehr stark besucht. Der Andrang der Anmelder ans der Tschecho-Slowakei war so stark, daß nicht alle Aufnahme finden konnten. Es besteht gegenseitig die zuversichtliche Er. Wartung, daß die Messe dazu beitragen wird, die Handelsbo zichungen zwischen den beiden Staaten noch enger zu gestalte» Zie wirtschaftliche« Beziehungen Mischen Lefteneich und Fugo^ slavien. Von Dr. Lazare Baitch, Generalkonsul des Königreiches S. H. S. Oesterreich ist der Hauptabnehmer des jugoslawischer Marktes. Andere.seitZ ist die Einfuhr Oesterreichs nach Servier die stärkste unter alten Staaten. So hat Oesterreich nach Serbien im Jahre 1921 Waren im Werte von einer Milliarde 169 Millionen Dinar eingeführt, was 28 Prozent des gesamten jugoslawischen Importes ausmacht, im Jahre 1922 für eine Milliarde 861 Millionen Dinar, gleich 28,81 Prozent des gesamten Importes. Der Werk der gesamten Einfuhr nach Serbien betrug 1919 2 Milliarden 973 Millionen Dinar, 1922 6 Milliarden 330> Millionen Dinar. Der Export betrug 530 Millionen im Jahre 1919 und 2 Milliarden 929 Millionen im Jahrs 1922. Nach Oesterreich wurden vom jugoslawischen Markte im Jahre 1921 Waren im Werte von 882 Millionen» gleich 35,86 Prozent des gesamten Exportes, und im Jahre 1922 847 Millionen, gleich 22,97 Prozent des .gesamten Exportes, ausgeführt. In den ersten zehn Monaten des Jahres 1923 wmdo? nach Oesterreich Waren im Werte von einer Milliarde 811 Millionen Dinar gebracht, in demselben Zeitpunkt hat Jugoslawien von Oesterreich importiert im Werte von 1172 Millionen Dinar. Jugoslawien hat vor allem Weizen, Mehl, Kukuruz, Hanf, Zement, Holz, Tannin usw. exportiert, während Wolle, Baumwolle, Eisen, Glas, Mineralöle, Salz usw. eingesührt wurden. Jugoslawien gedenkt in Oesterreich eine jugoslawisch e H a n d e l s k a m m e r zu erteh en, um den Handelsverkehr noch' mehr ausznbauen. Die wirtschaftlichen Beziehungen sind die allerbesten, die Visa bei den Reisepässen werden anstandslos gewahrt und die Gäste aus Oesterreich, die nach Jugoslawien Waren bringen, mehren sich von Tag zu Tag. Die Wiener Messe wird eine weitere Verbindung zwischen Oesterreich und Jugoslawien bringen und dazu beitragen, daß die guten Beziehungen zwischen den beider Staaten vertieft werden. Bulgarien und die Wiener Messe Von Dimilre Dlakhoss, königlich bulgarischer Handelsattache. Die seit längerer Zeit bestehenden freundschaftlichen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen 2* ul garten und Oe st erreich sind äußerst gut. Diese beiden Staaten ergänzen sich gegenseitig in überaus vorteilhafter Weise, so daß sich zwischen ihnen ein reger Wirtschaftsverkehr entwickelt hat. Bulgarien, ein Agrarstaat, exportier: nach Oesterreich landwirtschaftliche Produkte, Getreidesorten aller Art, sehr viel Eier und anderes mehr. Oesterreich, der Industriestaat, liefert technische Artikel, Eisenwaren, Maschinen, landw ir t sch a ktlich e Geräte und anderes. Diese wirtschaftlichen Beziehungen hcrben sich stets zur beiderseitigen Zufriedenheit abgewickelt, so daß auch der bulgarisch- Staat keinen Anstand nahm, umfangreiche Staaisteeserungen an österreichische Industrielle zu vergeben. Ich hoffe, daß sich die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Bulgarien und Oesterreich in Zukunft noch weiter entwickeln werden. . Bustsarien hat derzeit mit keinem Staat einen Handelsvertrag abgeschlossen, daher auch nicht mit Oesterreich, doch ist Aussicht dafür vorhanden, da kr dieser Mißstand bald beseitigt lverden dürfte. Nichtsdestoweniger leidet der Handelsverkehr nicht darunter, was auch dadurch illustriert wird, daß W;$• ner Messe eine große Anziehungskraft auf die bulgarischen Kaufteute ausübt. Unsere Bemühungen, für Bulgarien einen eigenen Messepavillon zu erhalten, sind dadurch gescheitert, daß ti« Messeteitung die Ausstellung der Gegenstände nicht nach nationalen Gesichtspunkten, sondern vielmehr nach Branchen arrangiert. Dadurch war es ans nicht vergönnt, bei der Frühjahrsmesse bulgarische Produkte auszustellen. Wir hoffeti, daß die nächste Messe auch bulgarische Erzeugnisse answeisen wird, dmmt cmch auf diese Weise die gegenseitigen Beziehungen ge-