Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1819 (9.3.1924)
- Date
- 1924-03-09
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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i'iita mtur^wS(JW<S Ha»htqj'>i*ü'j|riMKSr<Bagtw « ••>pww»^^_ -grnfcif, T-omrray Hie Geschäfte des Tchweriuvalidenvecdandes. Zwei weitere Funktionäre flüchtig. Wie gestern berichtet, ist der Direktor der Geschäftsstelle i^eS Schwerinvalidenverbandes, Rudolf Kantor, nach Unterschlagung von 600 Millionen Kronen verschwunden. Außer Kantor sind noch zwei andere Funktionäre des Verbandes flüchtig geworden, Fritz Falk aus Bayern, der im Grabenhotel von den Geldern der Schwerinvaliden lebte, und Mfred Domenego aus Belluno, der seit gestern aus seiner Wohnung im Hotel Wandl vermißt wird. Kantor ist bereits wegen Betruges mit mehreren Wochen Kerker vorbestraft. Die erste Anzeige war, wie wir bereits gemeldet haben, vom Ingenieur Pi sek ausgegangen, der dem Kantor ein Darlehen von 30 Millionen gewährt hatte, wofür er von Otto Pleß, der in der Vorwoche wegen Betruges angeklagt war und als geisteskrank ausgegebcn wird, einen wertlosen Zessionsbrief erhalten hatte. Kantor war über die Person des Pleß genau unterrichtet und wußte, daß dieser entmündigt sei. Pisek hatte nun die Anzeige gegen Kantor erstattet, der in Nachtlokalen und Bars das veruntreute Geld ausgab. Die zweite Anzeige stammt von der Tuchfirma Tonito, die einen Schaden von 58 Millionen erlitt. Die Hauptgläubiger werden sich erst in den nächsten Tagen.melden. Kantor lauste alles, was man ihm anbot, auf Kredit und verkaufte cs gegen bar weit unter dem wahren Werte. Der Zentralverband der Kriegsbeschädigten teilt uns zu der Angelegenheit mit: Der frühere Obmann Gallos, der sich vor einiger Zeit zurückzog, ist nichtsdestoweniger bis heute noch rm Verbände tätig und hat mit Kantor die Verträge abgeschlossen. Kantor konnte nur dadurch große Unterschlagungen, durch welch? eine Anzahl Wiener Firmen schwere Verluste erlitten hat, begehen, weil die K o n t r o l l e der BerbandAleitung eine äußer ft mangelhafte war und weil auch die B u ch Haltung schlecht geführt wurde. Die Oeffentlichkeit und auch die Behörden wurden durch den Titel und durch das Auftreten dieses Verbandes irregeführt. Der Schwerbeschädigtenverba-nd wollte immer wieder glauben machen, daß er die Interessenvertretung der gesamten Schwcrindaliden inne habe. Tatsache ist, daß dies niemals der Fall war, sondern daß nur e i n ganz verschwindend "Weiner Bruchteil von Invaliden ihm angehörte. J« Raubmord aus der Landstraße. Im Laufe des gestrigen Tages hat sich im Wiener Sicherheitsbureau eine Freundin der Pruscha gemeldet, die dort angab, daß sie die Pruscha vom Rudolfsspital her kenne und daß sie sie am 4. d., also am Tage nach der Tat, bei der , Arbeitslosenunterstützungsstelle begegnet habe und daß die Pruscha ihr damals erzählt hat, daß die Eberl der Schlag getroffen habe. Als die Freundin sie ftagte, wann es gewesen sei, erklärte die Pruscha gestern abends!", also am 3. d. Sie fügte noch hinzu, sie sei nur froh, daß sie nur bis 7 Uhr abends bei der Eberl gewesen sei und nicht die ganze Nacht hindurch, da sonst der Verdacht auftauchen kö n n t e, daß sie der alten Frau ettvas angetan habe. Die Untersuchung wird weitergeführt. Die Pruscha leugnet hartnäckig. Kaltes Wetter andauernd. In den südlichen Alpen ist reichlich Schnee gefalleu. Jur Westen Oesterreichs tvar es gestern meist heiter, im Osten trübe. Die Temperaturen waren tiefer. In Wien hatte es früh ein wenig unter, mittags über Null Grad. In der Höhe der Berggipfel wehen starke nordöstliche Winde. Die Nordadria hat stürmische Bora. In Prag und Warschau fiel Schnee. Voraussage: Bewölkungsabnahme, vielleicht schon heiter, kaltes Wetter andauernd, Temperatur nahe dem Nullpunkt. Wien, 8. März. * Späterer Ladenschluß im Handelsgewerbe. Der Wiener Magistrat hat festgesetzt, daß der Ladenschluß an folgenden Tagen des Jahres um eine Stunde später als nach den bestehenden Vorschriften erfolgen darf: Beim Kleinhandel mit anderen Waren als Lebensmittel an allen Werktagen während der Wiener Frühjahrsmesse, ferner am 12. April d. I., dem letzten Werktage vor dem Ostersonntage, am 7. Juni d. I., dem letzten Werktage vor dem Pfingstsonntag, an den sechs letzten Werktagen während der Wiener Herbstmesse, an den fünf' letzten Werktagen vor dem 25. Dezember d. I. also am 19. und 20. und vom 22. bis 24. Dezember und am 31. Dezember d. I., dem letzten Werktage des Jahres. Beim Lebensmittelhandel im K l e i n e n wird der Ladenschluß an den sechs letzten Werktagen während der Wiener Herbstmesse um eine Stunde verlängert. * Oesterreichischer Baumeistertag. Während der Wiener Frühjahrsmesse findet am 10. und 11. d. im großen Festsaal der Hofburg der fünfte allgemeine österreichische Baumeistertag statt. Er wird die Ursachen des Niederbruches des Baugewerbes, das Mietengesetz, die Sozialisierungsbeswebungen, die sozialen Lasten des Baugewerbes, die Bauordnung, das öffentliche Submissionswesen rmd zahlreiche andere Fragen behandeln. m * Dre Gemeinde Wien errichtet ein Denkmal für die Opfer des Krieges. Die Gemeinde Wien hat noch während des Krieges auf dem Zenlralfricdhof, an der Stelle, wo sich die Krieysgräbcr von 15.764 Soldaten und 647 Offizieren befinden, ein Holzdenkmal errichtet, das nun über baupolizeilichen Auftrag abgetragen werden mußte. Der Bürgermeister hat nun angeorduet, daß den zuständigen gemeiitdercillichen Korporationen die notwendigen Projekte und Anträge auf eine würdige .Ausstattung des ganzen Platzes unterbreitet werden. An einem geeigneten Platz in der Mitte soll ein Denkmal errichtet werden, das die'Mahnung zum Frieden und zur Völkerliebe versinnbildlichen wird. ,* Verhaftung eines Kabarettbesltzers. Der Schauspieler Christian Ehlselb erstattete namens des gesamten Personals gegen den Besitzer des Kabaretts „R a k e t e" in der Alscrstraße 9, Friedrich Schiller, die Anzeige, daß Schiller, i^ohne das Personal auszubezahlen, angeblich um sich Geld zu (verschaffen. nach Salzburg abgereill sei. Da durch die Eri»nVniiii»iim« 'Iuii,ipwrfi»>'IM«;» Wiener Morftenzeitmrg. Hebungen des Kommissariats Josefstadt sieb der Verdacht verstärkte, daß diese Abreise Schillers einer Flucht gleichkam, wurde er m Salzburg verhaftet. * Verhaftung eines Prager Fabrikanten. Die Polizeidlrektwn in Prag halte das Wiener Sicherheitsbnrcau verständigt, daß der Fabrikant Otto Kolben, der seit einigen Tagen aus Prag verschwunden war, steckbrieflich verfolgt werde und ersuchte unc dessen Ausforschung und Verhaftung. Er wird wegen Verbrechens der Bestechung und des Betruges verfolgt, da er beschuldigt wird, eine Anzahl in der Prager Benzinaffäre verwickelte Offiziere durch größere Geldbeträge bestochen zu haben. Es soll srch um zirka 750.000 tschechische Kronen handeln. Ans Grund der vom Wiener Sicherheitsbnrcau sofort eingeleiteten Erhebungen wurde gestern Otto Kolben in einer Privatwohnung ui Wien ausgeforscht und verhaftet Keren Kalemeth l'Fsrael (Mischer Rational, fonds) Wien, 2. Bez., Zirkusgaffe 88. Tel. 45-606. — Ausweis Nr. 10 vom 26. Februar bis 3. März 1924: 8,455.785 K.; bisherige Gesamteingänge 197,007.973 ft. 2. Bezirk: Smlg. H. Fleischmann b. Brith Milah Paul Haber 840 K. 9. Bezirk: d. We^"-- berg: Bethaus Unt. Viaduklg. 95, Max Markus 50 K. 10. «nb 11. Bezirk: d. Steiner 513 K., K. Hirschfeld 180 ft., F. Raab 160 K>, Ertrag Palästina-Film 275 K., Vortrag Steiner-Földes 72 ft., Smlg. Frl. Steiner-Verständig 438 K. 12. und 15. Bezirk: Abraham Zahler a.N. Adolf Böhm 100 K. 16. bis 17. Bezirk: Smlg. Frau Cdefez-Friedmann 78 K., Akademischer Landesverband: Heckawer d. Achron 52 ft., Kartell d. Z. T. Vs.: Jordania (Trebitsch) 58 K., Zeremia (Lichtensteinl 391 ft., Rose Bernstein-Schur 155 K. Jeremia (Ehrlich) 107 K., E, Sternberg 62 ft., Blau-Weiß d. Mährer 242 K.. Feldschuh 65 K., Goitein 79 ft., Smlg. b. Akademie d. isral. Humanitätsver. 295 K., Erez Israel: Büchsen Rothschild-Spital 165 K.» Hitachduth: Ahawath Zion: Smlg. b. Vortrag Prof. Freud.b. Landau 50 ft., d. Bloch Büchsen 59 ft.; Gänserndorf: Smlg. d. Franz Steiner 215 K. Kulturgruppe 20 lBacher): Smlg. Lacher-Kofier b. Hochzeit Segall-Feldmcmn 420 ft., Büchsen Dubiner-Feldstein 103 ft., Büchsen Finkel-Artur Lacher 50 ft.; ftwuzah Chenith: Smlg. b. Kinoaufführung 328 ft.: Linz; Frau Dr. Morgenstern 150 ft., Blau-Weiß a. N. Lilli Piskatn 40V ft., Thoraspenden 300 K.; Zion. Sekt. Prater: Herma«» Pauker 100 K., ftwuzali Chawerim: Smlg. b. Vortrag Földes 71 ft.; Zentrale: Kom.-Nat Bernhard Türkei 200 ft., Filmgebühr 500 ft. PalWna int Film. Der Palästina-Film des Jüdischen Nationalfouds. Wie bedeutungsvoll in fetiter Wirkung das von uns in Palästina Geschaffene trotz seiner verhältnismäßig quantltativen Kleinheit ist, können wir daraus erkennen, daß alle, die unser Kolonisationswerk mit eigenen Augen gesehen, wie umgewandelt aus Palästina znrückkommen. Immer ftärfer wird das Bedürfnis in jüdischen Kreisen, Palästina zu sehen. Aus diesem Bedürfnis heraus entstehen die Palästina-Reisen der letzten Zeit, die wieder einen neuen Strom von Liebe und BeLeistermig für das Land erzeugen. Für diejenigen aber, die noch nicht in der Lage tvareu, das Land zu sehen, bietet der N at ion al so nds film eirren vortrefflichen Ersatz. Interessant ist die Wirkung, die das neue jüdische Palästina auch, im Film ans die Zuschauer übt. Ein Beispiel: Der Film wurde in einer Provinzfladt aufgeführt. Vorher mußte er vor der Zensurbehörde gezeigt werden. Ein Mitgnlied der Zensnrkommission war ein Geistlicher. Dieser war sichtlich vom Gesehenen . ergriffen und erklärte: „Wer den Antisemitismus mit Erfolg bekämpfen will, der soll diesen Film zeigen". Selbst Persorwn, die schon im Lande gewesen sind oder schon ein- oder mehreremal den Film gesehen haben, werden stets aufs neue gebannt, -wen» sie ihn Wiedersehen. Der Film zeigt die Chalnzin: bei der Landung in Jaffa, bei der Arbeit auf den verschiedenen Arbeitsgebieten, bei der Rast. Es werden große Ausschnitte aus der jüdischen Kolonisationstätigkeit vorgeführt. Man sieht die jüdischen Städte und Dörfer, die herrlichen Naturschönheiten des Landes, die neuesten Aitsgrabungen, feriuer große, historisch bedeutsame Festlichkeiten. Ein tiefer Einblick in das Entstehen des neuen Erez Israel wird gewonnen und die Ueberzeugung, daß trotz aller Krisen unsere Sache vorwärtsgeht. Man schöpft.neues Vertrauen zur Arbeit.- Die jüdische Oeffentlichkeit wird dem Keren Kajemeth l'Jsrael (Jüdischer Nationalfonds) für diese Propaganda besten Dank nüssen. (Nachfolgende Notizen bis zu der Rubrik „Vereine" sind entgeltlich.) A. Serngroß Aktiengesellschaft erwähnt in ihrer Annonce auf Seite 16 nur einen kleinen Teil der Frühlingsneuheiten, von deren enormer Auswahl in allen Abteilungen Sie sich in unseren Kaufhäusern selbst überzeugen wollen. * Alle Hausfrauen rufe» im Chor: „Die beste Seife ist Kagor." Beachten Ae die Preise für Leinenwaren im W a r e n h a u 8 - B r ü b t x S ch i f f m a n n, 2. B e z., T a b o r st r a ft e 48. Webe.pro Meter 10.500 K. 8.500 ft. Chiffon.. . pro Meter 13.500, 11.000 „ 9.800 Streifgradl.. pro Meter 19.800. „ 17.500 „ Damast.pro Meter 22.800 „ 18.500 „ Inlet..vro Meter 14.800 Molino.. - . . .pro Meter 8.900 „ Bettzeuge ... ...... pro Meter 15.800 K. 12.800 „ Batistchisfon ............ .pro Meter 15.900 ' n Matratzengradl........ pro Meter 80.000 St 24.000 , Bettücher . . . ... 26.600 V 19:800 „ Tischtücher ...48.000 „ Kaffeegarnituren.. ...98.000 Gläsertücker . . ...... 8.000 * Meflebeffiicher, Achtung! Das seit 180 Jahren am Wiener Platze bestehende Splelwarenhaus .Clemens Grubers Nchflg., Wien, 1. Bez., Fleischmarkt 22, bringt entzückende Neuheiten rur Ausstellung. Sie finden außerdem ein reichhaltiges Lager sämtlicher Spielwaren in erstklassiger Ausführung. Besuchen Sie deshalb zuversichtlich den Messestand dieser Urmcr Abt. H, Stand 784, in den Hofstallungen, Messepalast 9. März 1924 Nk. 1819 * Wegen Auslassung meiner Filiale m der Arbeitergafl verkaufe ich die von dort übernoinmenen Waren (Ottomane Diwane. Eisen-, Messing-, Patentmöbel nsw.) in der Zentrale 2. Bez., Darwingasse 39. und 2. Bez., Nordbahnstvaße 4t. zi besonders billigen Preisen. M. Weitz. Vereine. Borträge und Versammlungen. Zionistische Bezirkssektion Brigittenau. Morgen Montag.um 8 Uhr abends im Vereinslokale, 20. Dez., Karl Meißlstraße 5, 1. St., Vortrag von Prof. Dr. Stein: „Der Anteil des Judentums am Kapitalismus. — Franc ngruppe der Zionistischen Bezirkssektion 9. Morgen Montag nm halb 6 Uhr im Vereinslokale, Liechten« steinstraße 11, Bortrag Martin R o s e n b l ii t h (Berlin): „Die Stellung der Frau iui Zionismus". Gäste willkommen. Sonntag den 16. d. veranstaltet die Frauengruppe im Vereins- Heim, Bcnnoplatz 1, um 3 Uhr nachmittags eine Purim- Kinderfeier. — Jugendgruppe der Zionistischen Bezirk sscktion Leopold st ad t. Morgen Montag um halb 8 Uhr abends im Restaurant Barschak, 2. Bez., Große Schiffgasse 4, Plenarversammlung: anschließend Vortrag über die Aufgaben der jüdischen Jupend in Palästina und im Galnth. Gäste 'willkommen. —. Indischer Frau enbnnd, 9. Bez., Liechtensteinstraße 11-13. Dienstag den 11. d. um halb 8 Uhr abends in der Jüdischen Bühne, 2. Bez., Taborstraße 12, Festvorstellring zugunsten der Jnlandsaktion für Kinder und Greise. Zur Aufführung gelangt „Stempensu" von Schalom Alejchem. — Indischer Wanderbund Blau-Weiß. Heute um 7 Uhr abends im Saale des Gewerbevereines, 1. Bez., Eschenbachgasse 11, öffentliche Bersantmluitg. Thema: „Die Rolle der Jugettd im modernen Zionismus". Referenten: Dr. Walter Moses, Dr. Georg Strauß (Berlin). — Jüdischer Kindergarten 12. bis 15. Bez. Im Jüdischen Kindergarten, 15. Bez., Herklotzgasse 21, sind noch einzelne Plätze zu besetzen. Die Ausdehnung des Betriebes für beit ganzen Tag mit Einschluß eitter Mittagmahlzeit ist m Vorbereitung. Neuaufnahmen täglich (Samstag ausgenommen) von 9 bis 12 Uhr vormittags. Einführender Kurs für H i m m e l s f r e u n d e. Mittwoch den 12. d. um halb 8 Uhr abends beginnt Prosessor Dr. Oswald Thomas im Akademischen Gymnasium (gegenüber dem Konzerthaus) einen fünf Mittwochabende umfassenden einführenden Kurs: „Himmelsdnrchmusterung im Lichtbild". Leopoldstädter Bolksheim, 2. Dez., Znkusgasie 48. Heute, 7 Uhr, Festsaal: Aus galanter Zeit (Rokoko- Musik). Mitwirkend: Erna Lamatsch (Violine), Emmy Lindner (Sopratl), Kapellmeister Rudolf Pehm (Klavier). In Originalkostümen^ Karten bis 7000 K. — Morgen Montag finden folgende Kurse statt: 7 Uhr: Geld Uttd Kredit, Shakespeare, Praktische Jnstrumentenkutrde, Praktische Ausgaben der Chemie, Das Nervensystem, Vulkane/Erdbeben und Gebirgsbildung, Deutsch für Nichtdeutsche Englisch 2, Massenpshchologie, Vortragskunst. 8 Uhr: Die Großmächte vor dem Weltkrieg, Geschichte des Burgtheaters, Musikalische Formenlehre, Analytische Geometrie des Raumes, Erdgeschichtliche Entwicklung Mitteleuropas Englisch für Anfänger mit Vorkenntnisseu, Schönschreiben. __ Jüdische Knlturorganisation in Men. Heute um halb 11 Uhr Fortsetzung der Gründungsversammlung der Jüdischen Kulturorganisation im Saale des Jüdischen Theaters, 2. Bez., Taborsträße (Hotel Stephanie). Um pünktliches Erscheinen wiid gebeten. Loede» erschienen: Der Palästina-. (KEREN HJUESSOO) von ADOLF BÖHM - - INHALT: ■ - —■ ■■ 1. Der Aufbau Palästinas; 2. Die Organisation des K.H.; 3. Die Finanzen des K. H. Mit Abbildungen und einer Karte Preis: ö. K. Sooo Zu beziehen durch das Bureau des Keren Hajessod, Wien, I. Bauernmarkt 24 Bühne und Kunst. Georg Kaisers „Gas". 1. und 2. Teil. Raimund-Theater. „Gas", 1. Teil, gab man vor drei Jahren vortrefflich im Deutschen Volkstheater. Der Abend schlug ein. Ich tonnte nicht zustintmeir. Den Georg Kaiser, der etwa „Die Bürger von Calais" und „Nebeneinander" schrieb, liebe ich. Bei der expressionistischen Zweckdichtung „Gas" kann ich nicht warm werden. Dieses monumentale Drama der Arbeit, das die brennendste Frage der Zeit in einer Peinlich theatralischen Art behandelt, in dein alle Register der Mihnenrtnd Kinotechnik ausgezogen sind, ist von einem bewundernswerten Konstrukteur aufgerichtet. Bon einem Konstrukteur! Wo die Ereignung dich im Banne hält, reckst du den Hals und hältst den Atem an. Nach den: grandiosen fletchartigen Einleitungsakt und nach den knappeu, prachtvoll gesteigerten Szenen zu Beginn des zweiten Teiles — wenn das Drama auf den Dialog gestellt ist, weht dich kalte Luft von den Brettern an, dein Herz bleibt unbeteiligt. Gefrorene Reden über Mellschen« jammer, Menschensehnsucht. An einer Stelle des ersten Teiles lehnt sich der gute Geschmack auf. Kaiser läßt eine Schwester, eine Mutter, eine Gattin in volltönender Literatensprache, in merkwürdig wortreichen „Ballungen" die Opfer des Molochs „Fabrik" beklagen.'Man weiß, keine „Menschen" sprechen, nicht Hinz oder Kunz, sondern Jdeangestalien. Aber cs geschah vorher Entsetzliches, diese hier sind verlassene Opfer — und man kann nicht darauf cingehen, daß sie als expressionistische Puppen „Ballungen" hinausschleudern. Man möchte, daß sie ihrer Pein Luft machen wie Menschen in Herzensnot. Nur einmal legt der geniale Draurenarchitekt Winkelnraß und Rechenstift weg und überläßt sich seinem Mitsühlen. Ich meine die bezwingende Szene mit dem „Funkspruch an alle". Dorthin muß aber zunächst der Bericht über den Inhalt' führen. * 15