Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1819 (9.3.1924)
- Date
- 1924-03-09
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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flfo 1819_Wien, Sonntag „Gas" ist das Endprodukt jener mörderischen Ent- Loicklmig. welche am besten mit den Worten „Technis- «ms" gekennzeichnet ist. In einer Anlage von getvaltigen Dimensionen wird diese neue Kraft erzeugt und betreibt alle Maschinen. Handarbeit, Dampf, Elektrizität wurden überflüssig. Die Arbeitsteilung ist bis zur äußersten Grenze vorgedrungen, der einzelne nur ein winziger Hebel der Riefemnaschine und führt mechanisch, sein Leben lang, eine einzige Bewegung aus. Der Chef des Gaswerkes, der „Milliardärssohn", ist ein Idealist, betrachtet sich selbst alZi Arbeiter und teilt (allerdings nach einem für ihn höchst günstigen Schlüssel) mit allen „ArbeitSgenossen". Da geschieht das Unglück. Schreckensmel- Dungen, daß eine Explosion bevorstehe. Warmrngsglocken, Sirenenpfiffe, verzweifeltes Durcheinanderrennen. Die Formel, nach der das Gas gebraut wird, ist richtig. Dennoch kann der ,Ingenieur" das Entsetzliche nicht abwenden. Furchtbare Detonation, tausend Äichen. Ein wahnsinnig gewordener Arbeiter wälzt sich brüllend auf der Bühne. —Der „Milliardärssohn" will die zerstörten Werke nicht wieder aufrichten. Einfamilienhäuser mit Ackergrund sollen auf dem großen Territorium entstehen. Der Lohnfflave soll wieder Mensch werden. Die Fabriksherren Protestieren natürlich einmütig. Der Ingenieur setzt seine starke Persönlichkeit gegen diesen Plan, der Schreiber, au sein gewohntes Tagewerk gebunden, jammert, und auch die Arbeiter wollen nicht. „Das Gas bleibt. Der Erzeuger de§ Gases, der Ingenieur, muß fort!" heißt ihre Parole. In einer Massenversammlung wendet sich der Milliardärssohn an die Arbeiter selbst. Schon gewinnt er sie für seinen Plan, als der Ingenieur, dessen Beseitigung sie empört geordert hatten, das Podium betritt und sich bereit findet, freiwillig zu weichen, wenn der herrliche Betrieb wieder in Gang gesetzt wird. „Gas!!" rufen die Arbeiter begeistert, fallen von dem idealen Chef ab und ziehen hinaus zum Wiederaufbau der Gasfabrik. Die Staatsgewalt steht ihnen fordernd zur Seite. Es mutz ja §um Kriege gerüstet werden. Einsam und verlassen bleibt der Milliardärssohn. Seine verwitwete Tochter aber gesellt sich zu ihm und symbolisch klingt der erste Teil aus: sie verkündigt dem gebrochenen Vater, daß sie den neuen Menschen gebären werde. — Zweiter Teil: „Gas" arbeitet für den Weltkrieg. „Gas" macht das Manko an Fußtruppen und Kanonen gegenüber dem Feinde wett. Der Enkel des „Milliardärssohnes", der Milliardärsarbeiier, bewegt die Genossen, die Arbeit mederzulegen und den Welffrieden zu erzwingen. Jnnehalten! Denn hier erblüht die einzige dichterische Szene des gekünstelten Dramenbaues. Die versammelten Arbeiter rufen ihren Appell hinauf zur Kuppelhöhe, damit der Genosse oben den „Funkspruch an alle" hinaussendet. Der Milliardarsarbeiter formt die Parole einmal, ein zweites-, ein dvittesmal, immer eindringlicher, inbrünstiger. Eine Stimme von oben wiederholt den Auftrag, die Arbeiter harren sehnsüchtig der zustirnnrenden Antwort. Sie bleibt aus. Dafür bricht — Kaisers dramatischer Mechanismus surrt weiter — der Feind ein und zwingt die Arbeiter in den Frondienst. .Oas" muß erzeugt werden — und jetzt unter dräuenden Gewehrläufen. Der Werkführer hat ein neues „Gas" gemischt und präsentiert den Arbeitern ein Quantum, mit dem sie den Feind vernichten köniren. Der Milliardarsarbeiter mahnt sie zur Menschlichkeit, sucht sie mit evangelischer Rede zur Arbeit zurückzuführen, das Joch auf sich zu nehmen und zu tragen, um der Menschheit willen, weil nicht Gslvalt gegen Gewalt zu setzen ist, soll die Welt gereinigt und befreit tverden. Die Ohren bleiben seiner Rüde verschlossen wie damals dem „Milliardärssohn" und in Selbstvernichtung endet die Tragödie: er schüttet das mörderische Giftgas über sich und seine Ar- -eitsgenoflen, $ In richtiger Erkenntnis, daß Sinn und Bau des, Tendenzdramas die Aufführung beider Teile an einem Abend fordere, hat Herr Direktor Beer in einer außerordentlich geglückten Inszenierung „Gas" 1 und 2 an einem Theaterabend zusammengefaßt. Die Katastrophenszenen mit ihrer ungeheuren Spannungskapazität sind nicht schwer zu formen. Die Kunst, die eminente Kunst des Spielleiters zeigt sich an den Zwischenstrecken, wo es ihm gelingt, die Unuatürlichkeit der Sprache durch Entkleidung der Szene von allem Realismus den: Publikum näherzubringen, den Hörer für den geistigen Inhalt des Dialogs empfänglich zu machen. Prachtvoll prägnant die Fabrikantensitzung — ein Symbol harten, herzlosen Willens zur Macht. Sehr förderlich, daß die Massenversammlung der Arbeiter nicht, wie damals im Deutschen Volkstheater, naturalistisch gebracht wurde, daß man nicht die zuhören- Äen Arbeitermaffen bedauern mußte, weil sie doch unmöglich verstehen können, was ihre Brüder und Schwestern von der Tribüne aus zu ihnen sprechen. Die Redner wurden ins Theaterpublikum gehalten und im Hintergrund war die Arbeiterversammlung bloß angedeutet. Meisterlich herausgehoben hie einzige Geigenarie, die sich über das Brausen der Blechinstrumente süß und edel erhebt, die Szene mit dem Funkspruch an die Lohnsklaven der ganzen Erde. Unter solcher Führung vereinigte sich die Schar der Mitwirkenden zu einer Gesamtleistung von seltener Geschlossenheit. Rudolf Z e i s e l s Sprechkunst, Schlichtheit und Kultur kam dem Milliardärssohn sehr zustatten, die Herren Duschinsky, Böhm und Rosenthal sind den übrigen Hauptrollen durchaus gewachsen und aus der Schar der Darsteller ragen noch die Herren Ziegler, Schmiede« und Weil, die Damen Karo ly und Wagner hervor. Otto A b eles. _Wiener Morqenzeitirns._ „Ae Löwin und kör Junger." i Lustspieltheater. Wer durch die harte Schule des modemen Schwankes gegangen ist, wird sich bei diesem friedlichen Lustspiel von Richard Keßler und Emil Zumpe auf angenehmste Weise unterhalten. Es geht, so unglaublich es klingen mag, ganz ohne Zotenreißerei ab, und in den beiden ersten Akten katm man herzlich »lachen, sogar, ohne sich nachher schämen zu müssen. Ueber Wahrscheinlichkeit, Psychologie und ähnliche Ueberslüssigkeiten nachzudenken, wäre verfehlt — die Autoren haben sich's auch erspart. Aber sie haben dafür eine lustige Szene vor dem Bezirksgericht aufgebtnrl, rn der der junge Staatsbeamte wegen „Verführung unter Zusage der Ehe" belangt wird. Die Verwechslungen, Mißverständnisse, Temperamen tsausbrüche der Klägerin, Mutter des verführten Mädchens, zeugen von gründlichster Kenntnis des Milieus und wurden von den Juristen im Publikum mit verständnisvollem Schmunzeln ausgenommen. Der Auftakt zu dieser Verhandlung, der erste Akt, ist gleichfalls unterhaltend. Im dritten Akt, der dem Sentiment gewidmet ist unib in dem sich die beiden Liebenden unter allen Formalitäten der bürgerlichen und Lustspielordnung „kriegen", wird die Löwin eine brave, verständige Hausmutter. Diese Wandlung ist so langweilig und öde, daß sogar das winzige Aktchen ohne Frau Niese, die echte Tränen vergießt (sie ist die einzige, die die Sache schwer nimmt, die Zuschauer wissen schon,' was kommt) und auf allen Registern des Wiener Gemütes spielt, überhaupt unmöglich wäre. Frau Nieses kernige Art rief immer neue Beifallsstürme hervor. Frau Waldner, reizend als süßes Mädel, und die Herren Hörbiger, Kammauf, Paul und Alfred Mahr und Neckamm verhalfen dem flotten Stückchen zu einen! wohlverdienten E^olg. K. M. Das Programm des Burgtheaters. Am 30. d. geht im Burgtheater Ferdinand Raimunds „Alpenkönig und Menschenfeind" in Szene. Thaller spielt den Rappelkopf, Direktor Herterich führt die Regie. — Die nächste Rolle der Frau Ida Roland im Burgcheater wird die Hauptrolle in Paul Claudels „Mittagswende" sein. Die Dichtung wird im Akademretheater Ende des Monats unter Leitung von Hans Br ahm, dem neuen Regisseur des Bnrgtheaters. in Szene gehen. Ein Unfall Leo Slezaks. Kammersänger Leo Slezak hat wahrend seines Gastspiels an der Berliner Großen Volksoper einen Unfall erlitten und mußte nach dein ersten Akt des ,Zohengrin" abbrechen. Der Künstler hatte an seinem ersten Gastspielabend auf der Bühne eine Stufe verfehlt und stürzte nieder. Erst am nächsten. Tage rigte es sich, daß Slezak durch die Folge des Unfalles gern d e r t war, sein Ga st spiel so rt z u setzen Nach dem ersten Akt des „Lohengrin" mußte der im Theater anwesende Kammersänger Loeloen kür Slezak einspringen. Reue Cellomusik. Der junge vortrefflich? Cellist Joachim Stutschewsky läßt es sich angelegen sein, die Cello-- literatur durch Bearbeitung älterer Werke zu bereichern. So hat er Klavier- und Kammermusik von Händel. Mozat, Tschaikowsky usw. für Cello eingerichtet. Bor uns liegen zwei Heftchen Transkriptionen, über sine jüdische Volksmelodie und einen orientalischen Tanz, fremdartig reizvolle Tonbrlder, die von Stutschewsky mit Geschmack und Geschick für Cello und Klavier gesetzt sind. Die dankbaren effektvollen Stücke sind im Berlage Gebrüder H u g. Leipzig und Zürich, erschienen. Karl Reinecke — 100 Jahre alt. Die Stadt Leipzig deransta'lteä zur Feier dcs 100jährigen Geburtstages Karl Reineckes, des verdienten Tondichters,. Gewandhaus- Kapellmeisters, Pianisten und weit beriühmten Musikpädagogen, Ende Iu-rri ein musikalisches Fest, das innerhalb einer Woche einen Ueb'wlick über das gesamte 'Schassen dieser vielseitigen Persönlichkeit geben soll. Lady Magnus gestorben. In London ist die Schriftstell'erin Lady Magnus, die Gattin des einstigen Parlamensvertreters der Londoner Universität Sir Philipv Magnus, im 90. Lebensjahre gestorben. Unter ihren Arbeiten sind hervorzuhobeu: „Umriß der jüdischen Geschichte", „Jüdische Porträts" und andere bemerkenswerte Studien. Einer ihrer Söhne, Laurie Magnus, ist der Redakteur des „Jewish Guardian". Jüdischer Einfluß iu der polnischen Kunst. Aus Warschau meldet I. T. A.: Der Direktor des Kunstdepartements im Unterrichtsministerium M. A k o t n i tz k i » fordert in seinem Bericht über die Arbeit seines Departements die Abschaffung des jüdischen Einflusses in der polnischen Kunst. Juden dürften nach seiner Meinung keinen Platz innerhalb des künstlerischen Lebens Polens ein nehmen. Er verlangt ferner noch die Verabschiedung aller jüdischen Beamten des Kunstdepartements. auch jener, die, Söhne getaufter Eltern, schon als Christen zur Welt gekommen sind. DOROTHEUM Versteigerungs-Einteilung ».V I T&giieh Praias««; jeden Di .-'ilber und Chinasilber; jedoa >i Brillante«- und Perlcnschmuck int Franz-Saal. Tägiloh BabrauatogageMtfiateirn Ludwipstorff-, Rösslerond Kolowra--Saai; speziell jeden Di SohöftQ Wtieohs, Petze. Kleider, Persertepploh«. BBhtnatohlMn Fatir* rJU'f jeden Bl Pbotoaeparate, Ferngläser, Reisezeuge, Schreibmaschinen: Fr Id III. Ja-«Waffen. Sportausrflstung. Sattelzeug, Pelze im Ludwlgstorir-Saal. Mo 10. Do 13. bis Sa IS. im Eminger-Saat. Pr 31. Sa 22. stl. im Dechau Saal: Bücher; jeden Di und Fr Briefmarke«, 6. Bezirk, Marlahilferstrawe 73. Do so. bis Sa 22. llt. Brasse Sendersokton: Prurkmobiliar, Klub-und Sitzgarnitaren. 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Täglich Schaustellungen von 1 Uhr an Beginn der Versteigerungen um 3 Uhr Näheres durch die „Mitteilungen“ und „Nachrichtenblätter* 9. Wrz 1924 Seite 11 Le?en Sie Mittwoch den 19. März 1924 DAS BUCH DER ZEIT Beachten Sie das darin veröffentlichte Preisausschreiben Aus Den Matern. SÖurgtfjeatcw Morgen, 7 Uhr (kein Kartenverkauf): „Die Jungfrau von Orleans". Dienstag, 7 Uhr: „Die Katakomben". ■ ' VolksoPer. Heute, halb 3 Uhr nachmittags, „D e r Waffenschmied"; abends: „Cavalleria rustica na" — „Der Bajazzo". Morgen: „Lobengrin". Im Deutschen Volkstheater wurde der Spielplan in der Wehe geändert, daß Mittwoch „Professor Bernhardt", Donnerstag „Familie Schimek" (mit Dr. Rudolf Tyrolt als Zawadil), Freitag (neu einstudiert) „M oral" (mit Dr. Rudolf Tyrolt als Beermann) und Samstag „Erde" (mit Dr. Rudolf Tyrolt) in Szene geht. In den K a m m e r s p i e l e n geht am 27. d. um 18 Uhr abends Frank Wedekinds nachgelassene Idylle aus dem modernen Leben „S o n n e n s p e k t r u m" in Szene. Der Abend, den Wedekinds „Kammersänger" einleitet, wird in drei folgenden Nachtvorstellungen wiederholt, da das Werk nur viermal in geschlossenen Vorstellungen gespielt wird. Die. Hauptrollen werden von Maria Orska, Ralph Artur Roberts und Rudolf Förster dargestellt. Theater an der Wien. Hubert Marischka ist von seiner Heiserkeit wieder hergestellt und singt ab heute die von ihm kreierte Rolle des Tassilo in der Emmerich Kalmanschen Operette „Gräfin Mariza". Im Johann Strauß-Theater gastiert in der heutigen Nachmittagsvorstellung Raoul Aslan als Kaiser Josef in der Operette „Die Förster christl". Abends um viertel 8 Uhr geht „Der Zigeunerprimas" in Szene. Jüdische Bühne, 2. Bez., Taborstraße 12. Heute, halb 8 Uhr abends, gelangt A. Goldbergs Komödie ^Au s Sommerfrische" zur Aufführung. Donnerstag den 13. d. wird Jakob Gordins Drama „Der jüdische König Lear" mit Herrn Bernhard Ehrlichmann als Gast aufgeführt. Modernes Theater. Die vom Journalisten- und Schriftstellerverein „Concordia" veranstaltete Uraufführung der Komödie „Der Caid" von Pierre Frondais findet Dienstag den 11. d. im Modernen Theater statt. Das Stück, dessen französischer Titel „L'Jnsoumise" lautet, spielt ab wechselnd in Paris und in Marokko. Der Caid ist ein marokkanischer Prinz (Jakob Feldhammer), seine Hanptpartnerin ist Evelyn Landing als Pariserin Fabienne. Der Vorverkauf für diese Vorstellung hat an der Tageskasse des Modernen Theaters (1. Bez., Johannesgasse 4) begonnen. Apollo-Theater. Heute, nachmittags 3 Uhr, gelangt die Operette „Ein Ballromatt" bei ermäßigten Preisen unter persönlicher Leitung des Komponisten Robert Stolz zur Aufführung. Abends, 7 Uhr, ebenfalls „(Sin Ballt'oman" in der Premierenbesetzung. Konzertiiachrichten. (Die nachstehenden Ankündigungen find entgeltlich.) Heute Klavierabend Gisa Adler, Rezitation Grete Bach. Mittlerer Konzerthaussaal, 7 Uhr abends. Karten an der Konzerthauskasse. Konzertdirektion Melly Weiß, 7. Bez., Bnrggasse 22. Tel. 38-3-65. Gerichtssaal. Ein furchtsamer Zeuge. Auf Grund einer von der chrisu lichsozialen Parteiorganisation im 20. Bezirk erstatteten Anzeige hatte sich gestern der Tischlergehtlfe Johann F. beinc Strafbezirksgericht 1 wegen einer eigenartigen boshaften Beschädigung sremden Eigentums zu verantworten. Einige Tage vor oen Wahlen für den Nationalrat und Gemeinderat hatte der postenlose Kellner Theodor P. im Aufträge der genannten Partei in mehreren Hausern christlichsoziale Wahlaufrufe, die sogenannten Seipel-Briefe, von Tür zu Tür auszutragen. Als er im Hause Karajangasse Nr. 22 die Wahlaufrufe, die kuvertiert waren, von Tür zu Tür austeilte und hierbei auch an die Türe des Tischlergchilfen F. kam, soll dieser den Agitator wegen des Austraaens der Wahlaufrufe zur Rede gestellt und schließlich mehrere Ausrufe, die der Agitator bei den einzelnen Türen zurückgelassen hatte, aus den Couverts heransgenommen und zerrissen haben. Hierdurch soll die christlichsoziale Partei nack Inhalt der Anzeige einen materiellen Schaden erlitten haben. In der Verhandlung stellte der Angeklagte in Abrede^ die erwähnten Wahlaufrufe zerrissen zu haben. Er gab an, daß er allerdings den Agitator zur Rede gestellt und ihn nahegelegt habe, das Haus zu verlassen. Der Kellner P. wollte zuerst um keinen Preis aussagen, de er durch Aussage sein Leben aufs Spiel zu'setzen furchte. Et -"^ärtc, als früheres Mitglied o e r F r o n t k ä m p f e r v e r e i n i g u n g bei der sozialdemokratischen Partei sehr verhaßt und wiederholt von Mitgliedern der Arbeiterwehr überfallen worden zu sein. Schließlich sagte er aus, daß der Angeklagte zwei der Wahlaufrufe gerissen habe. — Ein Zeuge gab an, daß der Angeklagte den Agitator bloß zur Rede gestellt habe. Zur Vernehmung weiterer Zeugen wurde die Verhandlung vertagt und über Antrag des staatsanwaltschaftlichen Funktionärs eine Abschrift des Verhandlungsprotokolls der Staatsanwaltschaft Lur eventuellen Verfolgung des F. wegen Ver-