Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1819 (9.3.1924)
- Date
- 1924-03-09
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Men, Sonntag Kr. ISIS Wiener Moraerizeitung. einheitlichen Aktion des gesamten Judentums für den Ausbau Palästinas anschließt. Nach drei tägiger Beratung wlrvde dvr Kongreß geschlossert Der Prozeß Grünbaum gegen „Gazetta Warszawska- Krschoben. Der Prozeß des D?puUerten I. Grün bäum gegen die Redakteure der antisemitischen Hetzblätter „Gazetta WarHjawska", „Dwa Grosze^ und „Rozwoj", der am 39. Februar in Warschau verhandelt werden sollte, ist, wie I. T. A. berichtet, auf unbestimmtcZeitverjchoben worden, da mehrere'wichtige Zeugen beider Parteien nicht erschienen waren. Wie bereits gemeldet, hat Grünbaum gegen die drei Hetzblätter wegen des erfundenen Unrechtes über seine Teilnahme an einer angeblich geheimen Konferenz in London die Verleumdungskl-age überreicht. Der Präsident der jüdischen Delegationen, Herr L. Motzk'rn, der eigens nach Warschau gekommen war. um als Zeuge vernommen zu werden, ist nunmehr zusammen mit dem Deputierten Grünbaum nach London zur Teilnahme an der A. C.-Tagung abgervist. Kn englisches Sksenbahndarlehen an Manen. Warschau, 8. März. (Tel. d. ,Mr. Movgenzeikuvg".) Wie aus Kowno gemeldet wird, hat England Litauen ein Darlehen von 1 M il! ion PfundSterling gewährt. Diese Summe soll Zum Ankauf von Eisenbahnmaterial in Engla nd Vevtoendet -werden. Me BAlerbundkommiM« in Ungarn. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 8. März. Die Finanzdelegation des Völkerbundes hielt heute nachmittags eine Vollsitzung ab. Von ungarischer Seite waren Ministerpräsident Graf Bethlen, Handelsminister und stellvertretender Finanzminister Valko, Dr. K a l! a y anwesend. Gegenstand der Beratungen bildete die Frage der Ein-undAusfuhr im Zusammenhang mit dem Devisenbestand. Die Mitglieder der Delegation waren heute Gäste des Ministerpräsidenten und des Reichsverwesers. Hierbei hielt der Führer der Delegation, Sir Henry StraLosch, eine Ansprache, in welcher er unter anderen: betonte, daß die Verwirklichung des Sanierungsplanes nicht nur unter tätiger Mitwirkung der Regierung erfolgen müsse, sondern auch Opfer von allen Schichten der Bevölkerung erfordere, die bereit sein müsse, eine entsprechende Steuerlast zu irag&t. Wenn es auch wesentliche Unterschiede gebe, so sei das Problem im Grunde dasselbe wie in Oesterreich. Sir Henry Strakosch empfing ferner die Vertreter der Presse und erklärte bezüglich der zu errichtenden ungarischen Notenbank, haß deren Stammkapital nicht über 38 Millionen Goldkronen hinausgehen dürste. Da Ungarn ein vorwiegend ackerbautreibender Staat sei, würden die Eskomptewcchsel wahrscheinlich eine längere Laufdouer als drei Monate erhalten. Was den Zeitpunkt der Begebung der Völkerbundanleihe betveffe, so sei es schwer, diesbezüglich eine genaue Auskunft zu geben. Horthtzs Heide». Budapest, 7. März. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung*.) vorgestern fand hier zwischen dem Sekretär im Finanzministerium Dr. Andor Szabo de Moha und dem Gardokapitän Baron Eduard K a a s ein Pistolenduell statt, dessen Vorgeschichte reich an tragikomischen Momenten ist. Am 10. Jänner I fand, wie wir seinerzeit berichteten, der Ball des vom Reichs- Verweser H o r t h y gegründeten „Hsldenstichles" statt. Finanz- Sekretär Dr. Szabo erschien gleichfalls aus dem Ball, wurde jedoch von einigen Offizieren, die von Horthy zu Helden ge- I schlagen wurden, angestänkert und zur Ausweisleiftung aufge-- sordert. Während dieser Szene bildete sich um den Dr. Szabo Lin Ring von lärmenden, drängenden Helden, die unter den Rusen: „Hingus mit dem stinkenden Juden! Marsch hinaus, Saujud!" den Fmanzsokretär tätlich insultierten. Die Wach^. befreite Szabo aus den Händen seiner rassenschntzlerischen Gesinnungsgenossen. Bezeichnenderweise hatte Dr. Szabo im Ballsaal mehrere gute Bekannte erblickt, die er um seine Legitimierung bat, die aber erklärten, ihn nicht zu kennen. Doktor Szabo wollte nun seine Beleidiger feststellen, um von ihnen ritterliche Genugtuung zu fordern. Das ging nicht so leicht denn alle, die er stellte, erklärten, an den Insulten nicht beteiligt gewesen zu sein. Endlich gelang es ihm, den Gardekapitän Baron Kaas zu fassen und das Pistolenduell mußte Äusgetragen werden. Es verlief unblutig und die Gegner schieden versöhnt. Jestzustellen ist noch, daß Finanzsekretar Dr. Szabo einer uralten Siebenbürger adeligen, arischen Familie entstammt. Me geograMtze klnteilnng tytföftiirat. Samaria wird de« Norddistrikt Palästinas zugeteilt, Jerusalem, 7. März. (I. T. A.) Es wird offiziell bekanntgegeben. daß vom April d. I. ab der ganze Samaria- Di strikt der Nord Provinz (.Haifa), die dem Gouverneur des Norddistrikts Leutnant Kolonel G. S. Symes unterstellt ist, zu geteilt werden wird.. In den Jahren 1920 bis 1922 war Palästina in ficben Bezirke eingekeilt: Jerusalem, Jaffa, Phönizia, Galiläa, Samaria, Gaza und Bevseba. Im Juli 1922 wurde eine Zusammenziehung in vier Provinzen vorgenommen: Jerusalem und Jossa, Nvrdprovinz, Samaria, Südprovinz. Der Bezirk von Samaria, der nun einen Teil der Nordprovinz bilden soll, schließt die Unterbezirke Nablus, Jen in, Tulkora m und Beisan ein. Durch die'« Maßnahme ist Palästina von nun ab in drei Provinzen (Jerusalem und Jaffa, Nordprovnrz und Südprovinz) geteilt. Inland. Neue Wege der Sanierung. Die amtliche Mitteilung, daß sich Außenminister Dr. Grünbergcr zur Tagung des Völkerbundrates nach lNcnf begeben habe, enthielt nur die lakonische Begründung, daß aus der Tagesordnung toie in früheren Sitzungert auch diesmal der finanzielle Wiederaufbau Oesterreichs stehe. Das Commrmique der Amtlichen Nachrichtenstelle tvendei sich dann ziemlich unmotiviert gegen „mehrfach aufgetauchte Kombinationen" und stellt fest, daß die österreichische Negierung selbstverständlich nicht daran denke, eine Abändereung der Genfer Protokolle zu verlangen, die nach wie vor das unverrückbare Fundament der österreichischen Samenmgspolitik bleiben. Um dieses Dementi recht verstehen zu Wimen, ist es notwendig, es mit diesen sogenannten Kombinationen zu vergleichen. Diese Gegenüberstellung wird unschwer zeigen, daß wicht eine Abänderung der Genfer Protokolle nicht im Bereiche des Möglichen und des tatsächlich Geplanten liegt, daß aber das Dementi nicht jene Tatsachen aus der Welt schasst, die dafür sprechen, daß in Regierungskreisen der Wunsch laut gewovdett ist, im Rahmen der Völkerbundprotokolle das Wiederaufbaugesetz, bezw. das Reform- und Regierungsprograman in der Weise zu interpretieren, daß .der Zweck der Sanierungsaktion innerhalb des mit der VMerbunddelegation vereinbarten Zeitraumes erreicht werde, ohne daß gerade die Bestunmungen des Reform- und Sanievungsprogramms über den Beamtete- und Funktionabbau des Staates wörtlich eingehalten werden. Dr. Zimmerman hat allerdings noch in feinem letzten Monatsberichte die Auffassung vertreten, daß die Nichtbefolgung der Aübauvorschristeu einem einseitigen Vertragsbrüche gleichkommen und daß eine Abänderung des Paktes nur mit Zustimmung der die Garantie für die Völkerbundanleihe gewährenden Mächte möglich ist. Demgegenüber betonte der Finanzminister ganz öffentlich, daß numnehr das Ziel der Sanierung, die Her-- .stellung des budgetären Gleichgewichtes, auch ohrre die Heranziehung tveiterer Raten des Völkerbundkrediies infolge der Steigerung der Steueveingänge gesichert sei. Von Dr. Zimmerman tvurde» immerhin Zweifel geäußert, ob diese exzeptionell hohen Stouererträgnisse auch bei dem schon beginnenden Abflauen der Konjunktur anhalten tverden und ob darum schon von einer dauernden Sanierung gesprochen werden könne. Mit Jahresende erlischt die Generalvollmacht der Regierung. Alle Angleichungen von Tarifen nfw.. die jetzt im kurzen Woge von der Regierung verfügt werden können, müssen dann durch den Nationalrat geleitet werden, der nach den gegenwärtigen Mehrheitsverhältnissen und nach dorn noch immer aufrechten Beschluß der Sozialdemokraten, gegenüber dem Kabinett Seipel eine Politik der verschärften Opposition zu betreiben, ziemlich schwierig zu handhaben ist. Es wurde darum auch bereits angeregt, die Sozialdemokraten in irgend einer Form zur Mitarbeit RklsemM des Warenhauses hUtrSchiffmann Wien, II. Taborstraße 48 Telephon 47-1-79 Nachstehend einige Beispiele: _Y^MLr; 1924 Seite L yeranzuzichen. Im christlichsoziar.^.: Lager hat dieser Gedanke Anhänger und Gegner. Die letzteren befürchten namentlich, daß Dr. Seipel eine neue schwarz-rote Koalition nicht lange mitmachen würde und dann i>m Schmollwinkel sehr gefährlich werden könnte. Jedenfalls hat die feit einiger Zeit schon im Gange befindliche Diskussion über die neuen Wege der Sanieruugspolitik bereits das Ergebnis gezeitigt, daß wenigstens äußerlich die Opposition sich von der Taktik des wilden Mannes abgewendet hat. Das zeigen wohl deutlich die Verhandlungen des Bndgetausschusses, die sachlich und rasch abgewickelt werden. Noch erfreulicher ist aber der Umstand, daß aus der Tatsache der Nichtinanspruchnahme weiterer Raten des Bölkerbundkredites der Erfolg der Sanierungswerkes handgreiflich in Erscheinung tritt. Die Erörterungen in Genf werden sich also vornehmlich mit der Frage zu beschäftigen haben, ob die Erreichung des Sanierungszieles auch durch langsameren Abbau bei gesteigerten Einnahmen nach dom Völkerbundpakte statthaft ist. Stimmt der Völkerbundrat dieser Auffassung zu, dann dürften sich auch fiir die iunerpolitische Entwicklung neue Möglichkeiten ergeben. Den Völkcrbundpakt haben die Sozialdemokraten als ein nunmehr mit internationaler Rechtsgeltung ausgestaltetes Pertragsinstrument anerkannt, fiir die restliche Samerungsperiode schlagen sie die Schaffung eines Finanzplanes vor. Da der Finanzminister die Notwendigkeit eines solchen bereits anerkannt hat, ist kein Grund zu finden, warum nicht zwischen Mehrheit und Opposition ein solcher Sanierungsplan paktier werden sollte. _ Münze und Tabak. Der Finanz- und Vudgetausschuß setzte gestern die Spezialdebatte über den Bundesvoranschlag, Titel „Hruptmüuz-- amt", fort. Abg. Zelenka (Soz.) fragt, inwieweit die Müiize geztvungen war, Silber von der Nationalbank zu übernehmen und tvelcher Kaufpreis dafür gezahlt werden müßte. Er verweist darauf, daß die Firma Krupp scheinbar das Monopol habe, im Namen der österreichischen Regierung ausländische Aufträge Zu übernehmen und Abschlüße zu machen. Die Firma Krupp diktiert dem Müuzamt den Prägelohn, wodurch diesem Betrieb große Gewinne entgehen, die zur Auswechslung den teilweste veralteten Maschinen hätten verwendet - werden können. Finanzminister Dr. Kienböck beantwortet die Anfragen des Abg. Zelenka. Nach dem Schlußwort des Berichterstatters Ing. Reiner wird die Buidgetposi ^Hauplmünz-- amt" angenommen. Abg. . Stein egg« r (Christlichsoz.) referiert üb8e ’ aba -k". Er erklärt, daß der Konsum stetig im Wachsen bA griffen fei. Die Ausgabe jedes Oesterreichers für Tabak-, sabrilate mache fast doppelt soviel aus, als durchschnittlich für eine kleine Wohnung verausgabt wird. Sektionsches Dr. D o r r e k erklärte, die Preispolitik der Tabakregie dürfe nicht in den einzelnen Erhöhungen, sondern zusammenhängend betrachtet werden. Die Tabakrecch bemühe sich durch Vornahme kleiner Packungen, die in der nächsten Zeit ausgegeben werden, den Wünschen der Konsumenten entgegenzukommen. .Hierauf wird das Kapitel Tabak abgebrochen ituft Doktor Odehnal referiert über das Kapitel des Staatsvertrages von Sami-Germain. Dieses Kapitel wird angenommen und die Sitzung geschlossen. Bo» der Wiener amerikanische« Sesandtschast. Der erste Sekretär der hiesigen amerikanischen Gsstmdlschuft. Mr. H. F. A. Schoenfeld, der sich gegenwärtig auf einem kurzen Urlaub in Italien befindet, wurde abberufen und zum Botschaftsrat an der Botschaft in Mexiko ernawut. Am ferner Stelle wurde Mr. Norman Armour. ein Angehöriger der bekannten crmerikanifcheu! Jndust-riellenfamilre, kcufett; er wird demnächst aus WaWngtiM m Wien eintrvffen. Empfang beim BnnberprMdente». Bundespräsident Dr. Harnisch und Frau Emilis Harnisch haben gestern nachmittags in der Bundespräsidentschaftskanzloi einen Empfang veranstaltet. Es waren erschienen: die diplomatischen Korps, di« Präsidenten des Naiionalrates urrd des Bundesrates, die Mitglieder des außerordentlichen Kabinettsrates, die Bundesregierung, Vertreter der Gemeinde Wien und der Länder, di« Spitzen der staatlichen Behörden, die Leiter der derzeit noch hier tätigen ausländischen Wohlfahrtsaktionen sowie «irre Reihe von Gelehrten, Künstlern, Schriftstellern, Repräientanterr der Banken und Industrie, Vertreter der Presie und Mitglieder der Staatstheater. IBarchcnte una wasch waren 8 Wäscheflanelle . . ..per Meter & 12 800 Velourbarchente . , . .per Meter 18 900 K 13SMJO Wäschebarchente . ..per Meter K 10 500 PranzSalsche Wäschvelonre 80 cm, p. Meter & &7.$00 Etamin«, grosse Auswahl, weiss und isrdix, . . per Meter K 14 OOO Seldenelolh» alle Farben ... per Meter S 35 000 Bflautfrvck. ..per Meter K 1* *00 Jacfceafiiiter, neueste Muster. . per Meter K *4.500 I Bamenwasche una Wirkwaren i Garnituren. Hemd und Hose . 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