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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-08 · Heft 1818 (8.3.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1818 (8.3.1924)
Date
1924-03-08
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Vierzig Mann feinet Ko>mpagnie feien frevelt, die Hand zum Schwur zu erheben. Der nächste Zuge, Ofrerst Etzel, Kommandeur der Reichswehr in Regensburg, gibt an, daß er m der Nacht zum 9» November den Führer der dortigen Nationalsozialisten verhaftet habe und freffem Maulüschaften en>twaffnett liefe. Auls seine (Etzels) wiederholte Frag'e hafre der Führer der Nationalsozialisten geantüvoriet, daß er von der neuen Negierung direkte Befehle erhalten halbe. Ans weitere Fragen erklärte der Zeuge, in öffentlicher Sitzung nicht antworten zu können. Neichsweihrolberlentnant R oß mann schildert als Zeuge seine Begegnung mit Ludendorff und Kriebel. Lrrdendovff habe eine Unterredung mit Lossow gewünscht. Aus eine Frage des Zeugen 'hafre Ludendorff die Versicherung gegeben, er tverde nie die Kaserne oder die Reichswehr angreifen. Oberst Etzel behauptet, dafe die Verantwortung für die Opfer des 9. November nicht Hitler und seinen Anhängern, sondern Lossow und Kahr zusalle. Aus die Frage seines Berteidigers, welchen Eindruck Kahr ans ihn in der Baracke des 19. Jnfautcrieregiuients gemacht habe, erwidert Zeuge: Wenn ich ein Maler wäre und das „schlechte Gewissen" zu malen hätte, würde ich mir Herrn v. Kahr als Mo. dell nehmen. Oberleutnant Braun, frei denc er wegen seiner Behandlung Beschwerde geführt habe, hafre ihm gegenüber geäußert, er werde diese Hundert mit lächelndem Gesicht zusammenschieße« (Große Bewegung.) Oberleutnant Braun widerspricht mit Zustimmung des Vorsitzenden und eMärt, dafe er sich an diese Äußerung nicht mehr erinnere. Als der Vorsitzende hieraus die Vernehmung de's Obersten Etzel sortsetztzn will, beantragt der Staatsanwalt Ausschluß der Oesse ntl i chke it. Die Sitzung wurde sodann geschlossen. Fortsetzung morgen vormittags. Der Landesverröter Ludeudorff. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 7. März. In der gestrigen Sitzung der Berliner Stadtverordnetenversammlung bezeichneie der zum Zentrum gehörige Stadtvewrdnete Lange in einer Rede, in der aus die Aeufeerungen desGenerals Ludendorss über die Katholiken Bezug nahm, den General als einen Landesverräter, tvas einen Wutausbruch der deutschnationalen Fraktion zur Folge hatte. Die Deutschnationalen stürzten aus die Rednertribüne und es sah eine Zeitlang so aus, als sollte es zum Handgemenge kommen. Der Stadtverordnetenvorstand hob die Sitzung auf. Nach Wiedervusnahme der Sitzung versuchte der Stadtverordnete Lange, seine Rede fortzusetzen, wurde aber daran durch den Lärm, den die Deutschnationalen vollführten, verhindert. Die preußische Negierung bedauert gegenüber dem Vatikan die AursAle Ludendorffs. Berlin, 7. März. Der preußische Ministerpräsident Braun hat dem Nuntnis P a c e l l i schriftlich das Bedauern der preußischen Regierung über die Angriffe ausgesprochen, die General Ludendorff im Lause des Hitler-Prozesses gegen den Papst gerichtet hat. Der Ministerpräsident erklärt, die preußische Regierung bedauere die Ausfälle des Generals um so mehr, als sie sich bewußt sei, wie unbegründet die Angriffe seien. Der Snhatt der Botschasteruote an Deutschland. Berlin, 7. März. Die dem deutschen Botschafter in Paris überreichte Note der Botschafbcrkonferenz über die rntevallierte Mlitärkontrolle in Deutschland untersucht unter Hinweis auf den Schriftenwechsel der deutschen Regierung mit der Militärkontrollkomnnffion vom 9. und 17. Immer die politischen und rechtlichen Seiten der Frage in ihrem.gegenwärtigen Stadium. Die alliierten Regie» mngen hätten mit der in ihrer Note vom 29. September 1923 erfolgten Anerkennung der fünf Punkte der deutschen Regierung eineu Gcneralverglnch vorgeschlagen, auf Grund dessen die alliierten Regierungen als Gegenleistung die Kommission Zurückzuziehen sich erboten, sobald sie hinsichtlich der fünf Punkte befriedigt sein würde. Dieser Vergleich sei von der deutschen Regierung niemals angenommen worden. Das Recht zur Fortsetzung der Kontrolle bestehe daher ohne Einschränkung weiter. Die über die Art der Kontrolle bestehenden Mißverständnisse seien den deutschen Interessen ebenso abträglich wie den Jntereffen der Alliierten. Es scheine in der Tat die Stunde gekommen zu sein, um durch gemeinsame Anstrengungen cms der Sackgaffe herauszukommen. Die alliierten Negierungen seien bestrebt, aus jede mögliche Weise und in einem möglichst kurzen Zeitraum die Lasten der Kontrolle, die aus Deutschland ruhen, zu erleichtern. Fm Hinblick auf dieses Ziel seien sie bereit, der Regierung folgende Vorschläge zu machen: Beschränkung der Ausgaben der Kommission auf die fünf Punkte und spätere Schaffung eines Garantiekomitees oder eines Organs mit gleichen Aufgaben, das an Stelle der Kommission eingesetzt werden würde, sobald diese sich davon überzeugt hebe, daß die Durchführung der fünf Punkte soweit fortgeschritten sei, daß die endgültige Regelung gesichert erscheint. Dieses Angebot werde jedoch unter folgenden Vorbehalten gemacht: Mit Rücksicht darauf, daß die Kontrolle praktisch seit länger als einem Jahre geruht hat und daß die deutsche Regierung der Kommission versichert bat, daß die militärischen Bestimmungen mit Ausnahme der fünf Punkte durchgeführt sind, wird die deutsche Negierung den Beweis für ihre Erklärung mvrmgen. indem sie die nutz e h i n d e r t e D u r ch f ü h r u n g der erforderlichen Besichtigungen sichert. Diese Besichtigungen werden in bezug auf Kriegsmaterial, Rekrutierungen >-nd militärisch' Ausbildung in Deutschland vorgenommen werden. ' ''liierten Regierungen seien über;argt. daß ein Berg ans dieser Basis beiden Teilen Vorteil» bringen würde. Er würde der Ausübung der Kontrolle bestimmte Ziele und genau festgelegt Grenzen setzen wir der deutschen Regierung die Perspektive eröffnen auf eine baldige Zurückziehung der Kommission und auf ihre Ersetzung durch ein Garantiekomitee oder durch ein anderes Organ. Die Note erklärt schließlich, daß die alliierten Regierungen höchsten Wert darauf legen, baldigst Antwort zu erhalten. Die letzten Devisenkurse. (Eigenbericht der „Wiener Morgonzerümg".) London, 7. März. (Radio.) Drvisenschlußkurse: Prag 148.80, New-York 4.29»/,„ Paris 109.88, Brttffel 126.-, Rom 100.60, Zürich 24.83, Madrid 38.21. Amsterdam 11.8378, Kopenhagen 27.176, Thrtstiania 31.678, Stoächolm 16.476, Hrlstngfors 170, Berlin 19 Billionen, Wien 304.60V. New Porki» 7. März. (Radio.) Devisenschlußkurse: Taggeld 4'/. Prozent, Wechsel auf London 4.2825, 60 Tage-Wechsel 4.2825, Paris 3.79, Amsterdam 87.12, Prag 2.895, Berliner Schlußkur» 32'/. bis 22'/., Silber 64. Paris, 7. Mürz. (Radio.) Effektenschlußkurse: Banque de France —, Credit Lyonnais 17.30, Societe generale 748.—, Metropolitain 838.—, Thompson Houston 760.—, Raffinerie say ord. 3298.—, Ruffe cons. 4% 26.20, Russe cons. 3°/, 1891/94 17.15, Russe cons. 3% 1896 17.50, Russe cons. 3V,°/0 1894 17.05, Russe cons. 5»/. 1906 29.65, Russe cons. 4‘/«°/o 1909 21.20, Serble 4% 1895 64.-, Dette Ottomane 4°/0 65.40, Ottomane 6% 1914 34.65, Rio Tinto 3545.-, Schneider u. Cie 1850.-, Baku 2940.-, Royal Dutch 41.600, Shell 514.—, Steaua Romana 603.—. Neuerliche zusmnmenftöße in Ludwigshafen. Ludwigshafen, 7. März. In den heutigen Vormittagsstunden sammelte sich wieder eine große Menge vor der Badischen Anilin, .und Sodafabrik an. Ein Teil der Demonstranten drang nach Eindrücken des Hcmpttores in den FatzEshos ein. Gegen mittags griff französisches Militär ein und drängte die Demonstranten quS der Fabrik wieder hinan-, die alsdann von deutscher Polizei besetzt wurde. Zu Zusammenstößen ist es bei dieser Aktion nicht gekommen. Die ungarische Nationalversammlung über den Schutz der Krone. Budapest, 7. März. Bor Uebevgang zur Tagesordnung erklärte Volkswohlsahrtsminister V a ß, daß von einer Mietzinserhöhuug gegenwärtig nicht die Rede sei, sondern nur von der Durchführung der schon bewilligten Valorisierung der Mietzinse. In fortgesetzter Debatte über den Gesetzentwurf betreffend den Schutz der Krone führt Abg. Czettler aus, daß durch die verspätete Einführung der Valorifierung der Staat einen Schaden von Milliarden erleide. Redner bespricht sodann die Zwangsanleihe und verlangt, daß die Regierung einen Rückzahlungsplan vorlege, damit das Publikum sehe, daß es sich hierbei um eine Anleihe und nicht um -ine Brandschatzung handle. Ein Teil der Zwangsanteihe sollte als Stammkapital der Notenbank verwendet werden können. Abg. Stephan Farkas (Sozialdemokrat) unterbreitet einen Beschlußautrasg, wonach die Vorlage an den Ausschuß zurückgeleitet werden soll. Einkommen unter 260.000 Kronen sollten von der Zwangsanleihe befreit bleiben und diese solle aus progressiver Basis eingchoben werden, ivofrei die Großbanken mrd die Bvrseirmitglieder einen großen Teil zu übernehmen hätten. Die Völkerbundkommission an der Arbeit. Budapest, 7. März. Die nach Budapest entsendete Völkerbunddelegation hat sich in Subkommissionen gegliedert und unterzieht nun die einzelnen Teile des finanziellen Sanierungsprogramms einem Studium. Die innerpolitische Lage Jugoslawiens. Pafie ist beruhigt. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Belgrad, 7. März. Der parlamentarische Klub der radikalen Abgeordneten hielt heute nachmittags eine Sitzung ab, in deren Verlause Ministerpräsident Paste die innerpolitische Lage schilderte mrd darlegte, daß weder der Regierung noch der Partei irgendwelche Gefahren drohten. Selbst eine volle Entfaltung des oppositionellen Blocks und eine Niederstimmung der Regierung ivürdeu für diese keine Gefahr bedeuten, denn es könne nicht damit gerechnet werden, daß der Block eine aktionsfähige Negierung bilden könnte. Nur die radikale Partei als größte Einheit der Skupschtina käme fiir die Negierung in Betracht. Die Erklärungen Paste' wurden zur Kenntnis genommen und ihm das Vertrauen ausgesprochen. Der oppositumelle Block gegründet. Belgrad, 7. März. Heute abends wurde der Beschluß des Hauptausschusses und des parlamentarischen Klubs der demokratischen Partei für die Bildung des oppoitionellen Blocks gefaßt. Die Demokraten haben das Projekt des Abkommens angenommen und ihren Präsidenten Dr. D a w i d o w i t s ch ermächtigt, dasselbe mit den Führern des jugoslawischen Klubs der Klerikalen des muselmanischen Klubs zu unterzeichnen. Inland. Das Fntenteintcreffe an der österreichischen Mumtionserzeugung. Fm Budgetausschuß ist die Opposition der Sozialdemokraten merklich a b g e s l a u t. Gestern unterhielt man sich noch längere Zeit mit den Zuständen in der Wehrmacht. Die Sozialdemokraten führten wieder Beschwerde über die ungleiche Behandlung der Wehrmänner. Den christlichsozialen Wehvbündlern würden alle Vorteile zugeschanzt, während gegen die Mitglieder der Militävgewevkschast das Distziplinarstrafrecht mit aller Scharfe angewendet werde. Der Heeresminister B a u g o i n widersprach diesen Behauptungen und bezeichnete es als merkwürdige Erscheinung, daß die MannschastsdiszMna.rkommissionen strenger entscheiden als die Offizierskonimissionen. Diese Tatsache sei aber nicht aus eine ungleiche Behandlung seitens des Ministeriums zurückzuführen, es liege durchaus kein System darin. Nach langem Hin und Her wurden schließlich die sozialdemokratischen Anträge abgelehnt und das Budgetkapitel „H e e r e s w e s e n" angenommen. Bei der Erörterung des Budgettitels „Pulver- und S P r e n g st o s s m o n o p o l", das einen Betriebsüberschuß von 3,4 Milliarden ausweist, bemängelte Dr. Deutsch, daß eine Pulvererzeugung -für das Heer nicht stattftnde, da hierfür die maschinellen Voraussetzungen fehlen. Fm Jahre 1921 konnte die Heeresverwaltung 17.000 Kilogramm Pulver nicht übernehmen, weil es den Bedingungen nicht entsprach. Bis heilte wurde hierfür kein Ersatz geleistet. Abgeordneter Dr. Elleubognen erzählte Pikanterien über die Errichtung .der Munitionssektion. Ein Organ des in t e r a l I i i e r t e n L i q u i d i e r u n g s a u sschnsses hat sich in sehr auffallender Weise für zwei Privatunternehmungen interessiert, denen die Mmitionserzeugung übertragen werden sollte. An dem Tage, an dem ein Beschluß über die Vergebung der Munitionse rzeugung an eine von der Möllersdorfer A.--G. vollständig unabhängige Mkiengesellschaft durch den Ministerrat gefaßt werden sollte, ging beim Ministerium des Aeußern eine Note des Liquidierungsorganes ein, in der aus das Verbot der Errichtung der Munitionssektion in Wollersdorf hingewiesen wurde. Es sei merkwürdig, woher die interalliierte Kommission weiß, an welchem Tage und mit welcher Tagesordnung ein Ministerrat zusammentritt und daß der Ministerrat, bevor er noch einen Beschluß faßte, sozusagen eine Verwarnung von diesem interalliierten Organ erhielt. Noch interessanter ist eine zweite Zuschrift dieses Liquidiemngsorganes, worin die Anregung gegeben wird, die Munitionssektion in einer von zwei Fabriken zu errichten, von denen jede einer privaten Gesellschaft gehörte. Schon vorher hatte sich dieses Liquidierungsorgan für diese beiden Fabriken eingesetzt und eine äußer st gewunden e B e g rü n d u n g für diese leidenschaftliche Anteilnahme an der Zuweisung von Profiten fiir diese privaten Unternehmungen gegeben. Minister V a u g o i n gab eine sehr vorsichtige Erklärung ab. Er meinte, dem Abgeordneten Ellenbogen sei es ja bekannt, welche Entwicklung die ganze Angelegenheit genommen habe. Eine Einflußnahme auf die Sache entziehe sich seiner Kompetenz. Kompetentsei in diesem Falle nur das A u ß e n a m t. Der Budgettitel „Sprengstoffmonopol" wurde hierauf angenommen, ebenso die Titel „Salz m o n op oI" uni „Staa tsd ru ck e r e i". Radlotelegravtz und Radiotelevtzoa. lieber die Regelung des Jnlandsradioverkehrs, wor» über wir bereits vorgestern Mitteilungen des Generaldirektors H o h e i s e l veröffentlicht haben, erfolgt nunncehr eine amtliche Verlautbarung. Dieser ist u. a. zu ent nehmen: P^Covercoatfür K,eider u. Kostüme WICN.I, ADLCRGASSI & T&fonjlr Nr. 4818 Wlau, Sam'skag_ WlM'ev . 8. März 1924 T’WIF'r Seite 8 herabzureißen, daß er den schmählichen Ausdruck gebrancht habe: ,Ma8 gehen mich die Toten der Reichswehr an? Ich bin Soldat und werde dafür bezahlt." iSSSKSB 3BK

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