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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-06 · Heft 1816 (6.3.1924) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1816 (6.3.1924)
Date
1924-03-06
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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m. fwtts Men, DonnerRag Älgenpe Stücke -auf: ,-Sabbat a>i Zwi" von Zubawsk!, ,-Toiwje vor MAchmaun" und „Schwer, ein Jude m sein" von Schalom Welchem, „Bilacksmichs Tochter" von David Pinsky und „Der verlassene Winkel" von P-erez Hwschbc-:u. Gin Mischer Knnstpalast in Warschau. Aus Warschau wird uns berichtet: In der letzten Sitzung des Verwaltiingskomitees der „Gesellschaft für Verbreitung der schönen Künste unter den Juden" wurde der Beschluß gefaßt, die Schritte zur Errichtung eines jüdischen Kunst- und Knlturpalastes in Warschau einzuleiten. Cs ist die Schaffung eines eigenen Monumentalbaues für diesen Zweck geplant. In das Komitee, dem die Aufgabe zugewiesen wurde, die entsprechenden Vorkehrungen zu treffen und die Herbeischaffung der noch fehlenden Geldmittel zu beschleunigen, wurden die Herren B. Karlinski, A. Appenschlag, S. Rosenverg, Goldberg und S. Löwenbaum gewählt. Ein namhafter Betrag steht für diesen Zweck bereits zur Verfügung. Hebräische Musik als ForschungSgegenstarw. Das „Master Institut of United Art 8" in New-Bork hat eine Sondevabtiofluug für die Erforschuna hebräische? Wil eingerichtet. ■— Es ist zu begrüßen. daß sich die Wissenschaft auch diesem arg vernachlässigten Gebiete zuwendet. Ein Seitenstück zu Kaisers „Nebeneinander" ist die Tragikomödie „Wer weint um Jucken«ck?" von Hans I. Reh fisch, die am Leipziger Schauspielhaus mit starkem PublikumSerfolg und ernstem literarischen Erfolg zur Uraufführung gelangte. Aebnlich wie Liliom, wird der Held dieses Stückes nach seinem Tode wieder auf die Erde zurückgeschickt. Er konnte auf die Frage, wer um ihn da unten weine, keine Antwort geben und hat nunmehr zu veranlassen, daß es Erdenpilger gibt, die sein Hinscheiden mit Schmerz erfüllt. Juckenack benimmt sich in seinem zweiten Leben sehr löblich —- leider ohne Erfolg. Ein Strolch, den er beschenkt, will ihm den Schädel einhauen. Einer Dirne, der er sein halbes Vermögen vermacht, geht die willkommene Bereicherung doch nicht so nahe, daß sie über den Tod hinansgehende Sympathien für den Schenker faßt. Um einen Schwindler zu retten, begeht er eine strafbare Handlung, indem er ein Aktenstück verschwinden läßt. Wenn er wieder vor der Obrigkeit in den sieben Himmeln erscheint, kann er leider nicht das Resultat berichten, daß jetzt irgendein menschliches Subjekt ihm Tränen nachweine. Das Stück ist eine bemerkenswerte, satirisch gefärbte Variation über daS Thema „Menschenliebe". Ein Morris Rosenseld-Abend in Budapest. Aus Budapest wird uns geschrieben: Die jüdische Kunstzeitschrift „Mult es Jövö" widmete ihren vierten Kultuvaüend der Muse Morris Roisenfelds. Diese Knlturabende wirken äußerst erzieherisch, wofür auch die Tatsache spricht, daß der groß« Saal der Musikakademie diesmal bereits ausverkaust war. Eingeleitet wurde der Abend mit einem sehr beifällig aufgenommenen Gedicht von Arnold Kiß „Der Dichter Morris Nosenfeld". Dieses sowie ungarische Uebertragungen berühmter Rosenfeld-Dich'urigen wurden von der besten ungarischen Rezitatorin Anna Hamvah vorgetragen. Nach einigen musikalischen Einlagen folgte der Vortrag mehrerer Rosenseld-Gedichte in der jüdischen Ursprache durch den Schauspieler S. Holzschlaq, der früher Mitglied des Warschauer Jüdischen Theaters war Der Redakteur deS „Mult es Jövö", Dr. Josef Polar. hat sich durch die Veranstaltungen solcher Kulturabende in Bud-west nnd in der Ungarischen Provinz große Verdienste um die Verbreitung jüdischer Kultur in Ungarn erworben. Ein Budapests Theaterwitz. Eine Budapest« Operetten- Viva befand sich vor ekirigen Tagen, Äs .Mompcrdour" zum hundertsten Male in Sqon-e gegangen war, in einer größeren Gesellschaft. Man sprach von der Pompadour und ine Diva fragte vorsichtig, wer eigentlich diese Pompadour gewesen fei. r0m RokoLo-Kvkotte" antwortete einer aus der Gesellschaft. Gleich darauf fragte ein anderes Mitglied der Gesellschaft ine Schouspiellerin: ,Mas sagte er?" „Ich weiß eS nicht," antwortete die Diva verlogen. ,/Kr stottert, der Arme." — Das D Budapest« Niveau. Die „Unsterblichkeit". In Paris starb dieser Tage der ehemalige Tenorist Viktor Capoul. Dieser Name ist heute kaum mehr bekannt und doch gehörte er einst zu den bestbekannten der Welt, denn Capoul war dev berühmte Tenorist der Pariser Großen Oper. Anläßlich seines Ablebens frischen Pariser Blätter die sonderbare Art seines seinenzeitigen Rücktrittes von der Tenoristenlaufabhn aus. Zur Zeit, als Capoul auf dem Höhepunkt seines Ruhmes stand, trugen die Modeherven von Paris und der großer: Welt ihre Haartracht a la Capoul: rückwärts gerade geschnitten und ausrasiert. Eines Tages betritt Capoul auf dom Boulevard «inen Rasierladen. „Ich möchte mir das Haar schneiden lassen," sagte er: „Wie wünschen Sie es," fragte der Gehilfe. „A la Capoul". antwortete der Künstler. Der Friseur ertoibecte jedoch mit besonders ausgesuchter Höflichkeit: „Sie verzeihen, mein .Herr, aber für Ihr Alter paßt diese Haartracht nicht rnchr." Und tagsdavanf meldete Capoul der Qperndirektion, daß er von der Opernbichne endgültig scheide. Und dabei blieb es. Capoul ist 95 Jahre alt geworden. Künstlerschicksal. Der seinerzeit auch in Wien viel gefeierte, in Hamburg wohnhafte Tenor Henririch Bötel, der am 6. d. sein 70. Lebensjahr vollendet, ist infolge der Gvident-- kmtnwfl ' it bittere Not geraten. Gin« Anzahl der namhaftesten iKünstler Hmnibuirgs hat boschlossen, am Geburtstage Bötels in einem großen Hamburger Cafe Vorträge zu veranstalten, deren Erträgnis Bötel Äs GevMtstajgsMche überreicht werdon soll. Abel PannS Bibelbilder. Abel Pann, dar bereits vor dem Kriege Lehrer an der Kunstgewerboschu-be B^alel in Jerusalem war, hat das Layd und die Menschen studiert, um auf Grund seiner palästinensischen Eindrücke. die Bibel zu, illustrieren. Bor Ausbruch des WMkricges gütg er nach Paris, um eine Ausstellung fc'mer Werke zu veranstalten. Er konnte infolge der Kriegserklärung nickst mehr nach Palästirra zurück und schuf während der Kriegsze.it feine bclannte Dilderfolge ^Pogrome irr. Rußland", die insbesondere in Amerika großen Eindruck machten. Ein New-Dorker indischer Mäzen hat diese Getmilbc gekauft und den: Bezalel gewidnovt. Nach dem Kriege Lehrte Pann nach Palästina zurück und hat sein Bkbetlwerk m Angriff genommen. 150 Blätter sind beve-its vollendet. Ein Teil seiner Bibelbilder war anläßlich der Bezalel-Ausstelluna beim Karlsbader Kongreß zu sohen und machte großen Eindruck. Es hat sich nun, wie uns ans Jerusalem mitgeteflt wird, ein Komitee für die HerauSga-be künstlervscher Werke gebildet, welche für die Vervielfältigung dieser Bibelbilder in Mbumform Sorge tragen wird. Es tvevden Albums mit je 25 Bildern Panns zur Bibel angefertigt und anläßlich der "bevorstehenden Ausstellung in Tel-Awiw zu sehen sein. Kleine Kunstnachrichten. Heute Donnerstags 7 Uhr abends, spricht Hofrät Dr. Lei sch in g im Oesterreichlschen Museum „Uebe r Mein und Dein im künstlerischen Schassen". — Zum ersten Male nach dem Krieg wurde in B e l g r a d auf Initiative des Verbandes der Kunstfreunde eine Kunstausstellung jüngerer und älterer Künstler veranstaltet, in welcher die drei Gruppen „Lada", die sogenannte „Sechsergruppe" und die Unabhängigen vertreten sind. An Namen sind Militschitsch, Rosanditsch, Dobrowitsch, Krschinitsch, Stojanowitsch, Tartaglia, Bijelrtsch und N a st a s i j e w i t s ch hervorzuheben. — Die Wiener Künstlcrzunft „Die Hand" wird ihre erste Ausstellung im Mai veranstalten. Als Ausstellungsraum ist der Hagenbund in der Zeolitzgaffe in Aussicht genommen. _Wiener Morstenzeitinig. __ Eine kunschistorische Bibliothek. Heut« gelabt im AukltionSinstit-ut Dr. Jana« Schwarz, 1. Bez., Habsburgergass« 8, eine kunsthlstor ische Bibliothek zur BersteWDUng, die zu den besten Privatsammlungen dieser Art gehört. Sie umfaßt sämtlich« Gebiete der Kwustgeschichte und enthält in de-n emzoln-en Spezial-woigen eine große Zähl vergriffener und h'ute fast gm nicht mehr auflindbawr Monumentalpublikationen. so unter anderem die BorzugsaalSgabe des bisher im Handel wicht vorgekommenen Werkes .M-iener StvcißeiEder im ZeitÄtz'-r d?s Rokoko" Stark ist di« orientalische Kunst vertreten, darunter mit besonderen Raritäten, wie der sechsbändigen Beschreibung der kaiserl-ich-iapanischen Schatzkammer. Die Literatur über Porträttniniaturen, Porzellan, Spitzen, Stoffe und Teppiche ist -besonders reichhaltig. Dis Bibliothek zahlt m den vollständigsten und wertvollsten ihrer Art. «tu de» rheatern. Burgtheater. Morgen, 7. März, neu einstudiert, „Die Liebe wacht" von G. A. de Caillavet und Robert de Flers. Akademietherter. Morgen, halb 8 Uh«, .Tageszeiten der Liebe". Operntheater. Direktor Schalk hat heute einen mehrwöchigen Urlaub angetreten, den er nn Süden verbringen wird. Kammersänger Piceaver ist von seiner Amerikareife zurückgekehrt und wich in der Staatsoper zum erstenmal nach seinem Urlaub Donnerstag den 13. d. als DeSprienx ' in „Manon Lescarrt" von Puecinr apftreten. BolkSoper. Heute ,/Der fliegende Holländer". Im Deutschen Volkstheater ist für Samstag den 8. d. die Erstaufführung von Karl SchönherrS Komödie des Levens „Erde" «»gesetzt. Dr. Rudolf Tyrckt spielt den alten Grutz. : . In den Kammerspielen geht Samstag den 8. d., 7 Uhr, Edwach Knoblauchs Komödie ,D e r F a u n" Mit Ralph Arthur Roberts ÄS Gast zum ersten Male in Szene. Neues Wiener Stadttheater. Sonntag den 9. d., 3 Uhr nachmittags, geht der Sctzvank »Lm weißen Rößl" von Oskar Blumenthal und Gustav Kadelbnrg in Szene. Hn Wiener Bürgertheater beginnt morgen die Lehar-Premiere „Clo-Clo" ausnahmsweise um halb 7 Uhr. Im Lu st spiel theater gelangt morgen Freitag den 7. d. mit Hansi Nies« in der Hauptrolle daS Lustspiel „Die Löwinund ihrJunges"von Richach Keßler und Lmll Zumpe zur Uraufführung. Jüdische Bühne, 8. Bez. -Taborstraße 18. Heute, halb 8 Uhr, gelangt A. Goldbevgs Komödie „Der Moralpredige r" zur Aufführung. Im Modernen Theater eröffnet Samstag den 8. d. in der Abendvorstellung die Traumtanzerin Helga ein kurzes Gastspiel. Gleichzeitig gelangt das musikalische Lustspiel .L'amour masque" von Guitry-Blum-Mesiager in der Originakbefetzung zum ersten Male als Abendvorstellung zur Aufführung. Gerichtssaal. Lohnklagen der ansgesherrtrn «aukbrmntrn. Die Banke« verurteilt. Beim Wiener Gewerbegerichte sind über tausend Lohnklagen von Angestellten jener Großbanken anhängig gemacht Wochen, die bei Verhängung des Streiks gegen dier Großbanken mit der Aussperrung chrerseits vorgingen. OLerlandesgerichtsrat Dr. E tz verhandelte gestern nachmittags in einer bis in bk Nachtstunden währenden Verhandlung über die Klagen zweier Beamten der Zentralbank der deutschen Sparkassen in Wien und der Zentraleuropäischen Länderbank, in welchen der Älagevertreteo Dr. Freundlich die Zahlung der am 1. Mär^ fällig gewordenen Märzgage begehrt, die wegen des Streiks der Bankbeamten unwrblieben ist. Zu Beginn der Verhandlirng beantragte der Vertreter der Länderbank, Dr. Cumont, die Ablehnung des Amgestelltenbeisitzers Rudolf Feldmann, weil dieser in seiner Eigenschaft als Sekretär der kaufmännischen Angestellten in einer W^ise zu dem Streik Stellung genommen habe, welcher seine Befangenheit und Voreingenommenheit dartue. Dr. Cumont beantragte aber auch die Ablchnung des Beisitzers der Arbeitgeber, Kommerzialrat Bruno Trussiig, weil derselbe nicht genügend über die Verhältnisse bei den Großbanken informiert erscheitle. Dr. Freurrdlich sprach sich gegen diesen Ablehnuttgsantrag aus. Nach längerer Beratung gab der Vorsitzende bekannt, daß der Ablehnung des Beisitzers Feldmann stattgegeben wird und an seiner Stelle der Ge>^ werkschaftssekretär Franz Kraminger eintrete, wogegen die Ablehnung des Kourmerzialrates Taussig zurückgewiesen wird. In mehrstündigen Ausführungen beantragen die Vertreter der beklagten Banken, Dozent Dr. Artur Lenhoff für die Zentralbank deutscher Sparkassen und Dr. Eduard Cumont für die Länderbank, die Zurückweisung der Klagen. Wenn die Organisation der Arbeitnehmer behaupte, daß der von ihr verfügte Streik das zulässige Mittel fütf die Kollektivvertragspartei ist, so, muß auch der anderem Vertragspartei das gleiche Recht. zustehen. Wie der Reichsverein von seinen Angehörigen verlangt, daß sie strittet Solidarität bewahren und es vechietet, daß jemand in den bestreikten Betrieben arbeite^, so müssen auch die Mitglieder der Organisation des Bankenverbandes ein einheitliches Vorgehen bewahren. Wenn der Streik als zulässig erklärt wird, dann muß aber auch die Aussperrung als zulässig bezeichnet werden. Die bettagten Vertreter Mren aus, daß Eigentlich keine Aussperrung im technischen Sirme vorlag, sondern bloß ein Ruhe» des Betriebes. Das Rocht zu den gleichen Kampfmitteln müsse beiden Teile« zustehen. Wenn heute 2000 Klagen auf Zahlung seitens der Angestellten eingebracht wurden, so stünde den bettagten Banken folgerichtig das Recht zu, von den Klagenden de» Ersatz auf Dienstleistung zu begehren. Es wird hierauf von den bettagten Vertretern der Nachweis zu führen gesucht daß auch die einzelnen vier Kläger noch vor Beginn des prottawiertcn Streikes Verletzungen ihrer durch de» Kollettiv- _6. März 1984 Seite 7 vertrag übernommenen Verpflichtungen sich zu Schulden kommen ließen, so einen Ueberstundenstreik inszenierten, des Dienststunden willkürlich verlegten und die Arbeitszeit verkürzten. Dr. C u m o n t führte an der Hand der tatsächlichen Umstände aus, daß die Klager, trotzdem sie verständigt wurden, den Dienst anzutreten, dies nicht taten und daher, weil sie die Arbeit Über Beschluß ihrer Organisation verweigerten, nicht mehr als ausgesperrt zu betrachten, und den Lohn nicht zu fordern berechtigt sind. Dr. Freundlich stellte durch die Angab-n der Be. triebsräte fest, daß die Kläger -mrch ihre Bevollnrächtigten am 1. d. ihren Lohn forderten »»d ein bekanntes Zirkular erhielten, wonach ihnen die Lohnzahlung verweigert wurde. Dr. Freundlich führte entgegen den Ausführungen der Bettagtenvertreter aus, daß die Kläger immer nur als Ausgesperrte zu betrachten sind, denen Vi8 Gehalt nicht zu verweigern war. Wenn man versuche, sie durch Aunordernng zum Dienstantritt nachträglich aus Auögesperrten in Streikende $u verwandeln, ändere dies an dem Verhältnis bis heute rechtlich nichts »nd was morgen gefchche, darüber hat der Richter heute nicht zu entscheiden. Der Senat beschloß, ave Mellten Beweise abzulehnen, und zog sich um halb P Vhr abends zur Urteilsberatung zurück, nachdem von alle« Parteienvertretern neuerlich in Replik und Duplik der Sran-puntt festgelegt worden war. Nach 10 Uhr nachts verkünd:te der Borsttzenve, Oberlandesgerichtsrat Dr. Etz, das Urteil, mit welchem die beiden beklagten Banken schuldig gesprochen wurden, den vier Klageruf die eingellagten Gehalte samt Zinsen und Gerichtskosten zu bezahlen. In der Begründung wurde darauf verwiesen, daß nach dem am 18. Februar in vier Großbanken ausgebrochene« Streck, die übrigen Banken, darunter die Bettagten, mit der Aussperrung der Beamten dorgingen. Settens der Beamten kx Bettagten waren bereits vor Ausbruch des Streik«» und der Aussperrung gewisie Pflichtverletzungen, wie Verweigerung der Ueberstunden, Verlegung der Arbeitszett, früheres Entfernen a»S dem Dienst, begangen worden, welche die Banken vielleicht berechtigt hätten, mit der Entlastung der Angestellten vorzugehen. Dies haben die Banken jedoch nicht getan «nd sind mit der Aussperrung vorgegangen, wodurch der Dien st vertrag suspendiert, aber nicht gelöst wurde. Die Folge dieser Maßnahme war» daß die Banken verpflichtet waren, als am 1. d. die Kläger durch Bevollmächtigte ihre fällige Gage behebe» lassen wollten, diese auszuzahlen. tzioe «etrugrameige gegen den Direktor Des öchweriiwaMenverdondes. 87 Millionen tzera«Sg:lockt. Beim Schöffengericht ist gegenwärtig der Prozeß gegen den Kaufmann Otto Pleß in DerhaMung. der gemeinsam mit dem Sekretär der'Britischen Handelskammer Hamilton einen großangelegten Betmg mit ungedeckten Pfundwechseln verübte. Gegen Pleß, wegen besten Zurechnungsfähigkeit bei Ausübung der strafbaren Handlung gegenwärtig zwischen dem Staatsanwalt und den Psychiatern ein Streit herrscht, lauft noch eine -wette Anklage. Zu Otto Pleß kam eines Tages eine Comptoiristir^und verlangte von Pleß, daß er für -ihren Bräutigam Rudolf Kantor, welcher Direktor und Leiter der Wirtschaftsstelle des Verbandes der Schwerinvaliden tu der Hofburg ist, einen Zestionsbries über den Betrag von dreißig Millionen Kronen unterzeichnet. Diesen Wunsch erfüllte Pleß. Gegen Uebevgabe dieses Zesiionsbriefes erhielt Kantor von dem Garagenbesitzer Ingenieur Rudolf P i s s e k 87 Millionen Kronen als Darlehen. Als Ingenieur Pistek bei Otto Pleß den Betrag emtreiben wollte, erAärte sich dieser dazu außerstande und bemerkte, er habe ten ZestionSbrief nur dcshallb unterschrieben, well Kantor ihm sageil ließ, er brauche trotz der Unterschriften nicht zu bezahlnr. Im übigen war die Forderung schon deshalb nicht eintreibbar, weck Pleß unter Kuratel sicht. Kantor hat auch dem Ingenieur Pistek als Referenz für Pleß den Sekretär der Britischen Handelskammer Hamilton angegeben, besten Auskunft äußerst günstig lautete. Später wurde eS allerdings bekannt, daß Hamllton in engen Bezichungen zu Pleß stand und daß Kantor von der Zahlungsunfähigkeit des Pleß vollständig in Kenntnis war. Die Anklage gegen Kantor wegen Betrug wurde dem derzeit schwebenden Verfahren angeschlosten. . Die Angelegenheit ist deshalb intevestant, well die Wirtschaftsstelle des Verbandes der Schwer^ invaliden von Kaufleuten Waren auf Kredit erhalten hat und noch zu erhalten sucht und diese Kanfloute leicht zu Schaden kommen könuem Dag Urteil im Sadistenprazeb. Zu dem unter diesem Titel erschienenen Ausführungen in unserer letzten SonntagSnmnmer sendet unS Herr Doktor Hugo Schonbrunn, der Rechtsanwalt des in den Prozeß hineingezogenen, jedoch während der Perhandluwg freigefprochenen Schauspielers Hernrculn Romberg, das nachstehende Schreiben mit der Bitte mn Beröffenckichung, der wir um so lieber Nachkommen, als unsere Bemerkungen nur die Absicht hatten, den Schutz der persönlichen Freiheit vor Polizetwillküv zu fordern. Die Mitteilung lautet: .Hermann Romberg war weder bei der Polizei, geschweige denn brun Untersuchungsgericht auch nur eine Minute in Haft. Er wurde bek feiner polizeilichen Einvernahme sämtlichen Kindern gegenübeagestellt und selbstverständlich von keinem der Kinder agnosziert. Gerade aus diesem Grunde wurde er auch sofort nach seiner Einvernahme ohne den geringsten Anstand mit Zustimmung der StaatSaMvaltschast entlasten und blieb bis zum Rücktritt des öffentllcheu AuttägsrS «mf freiem Fuß."

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