Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1816 (6.3.1924)
- Date
- 1924-03-06
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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eerre n roten, Mmnmmy Hunderts? Söcit.t bw? acht niefcwftnft auf den flHonf* der Großstadt, um den Winter und Frühling kämpfen, wahrend die Gemeinde zuscha.lt, dann reißen sich loS von den diversen Busen Urahne, Großnmtter, Mutter und Kind, die Frau nimmt Abschied vom Manne, ihm den Säugling überlassend, das Mädchen wendet sich von „chm" und ein seliger Seufzen flüstert „Goal-Game". Die kriegerischen Tugenden der Generation erwachen, aus den Pistolen fliegen die Kugeln auf den Ball; da läßt sich keiner entheben, die Augen funkeln, die Newen zittern, die Sinne sind erregt und schrill« Schreie gellen. Du stehst im Taumel des Spieles alle Zuckungen der Lebenstriebe zwischen Aufstieg und GerichtSsaal, daS ewige Narrenhaus der Menschheit im Sch'agwort des TageSk Heute noch Goal-Game, morgen wieder irgend ein allerneuester Schrei. a. s. * Betrügerische Insolvenz der Firma Speiser, Deutsch u. Co. Wie bereits berichtet, wurden die Gosel» chafder der Firma Speiser, Deutsch u. Co.,' welche unter Hinterlassung von Schulden rn der Hohe von zirka 810 Millionen Kronen flüchtig geworden waren, steckbrieflich verfolgt. Wie der Kreditorenverein mitteilt,. befindet sich der eine Gesellschafter, Alexander Speiser, beraitS in Haft. Es wird gegen ihn nunmeyr die Untersuchung wegen Betruges, beziehungsweise betrügerischer Krida, geführt. D»e bisherige kurze Vernehmung des Beschuldigten hat bereit» ergeben, daß mehrere Firmen in Ottakring von der Firma Spe-lser, Deutsch u. Co. knapp vor deren Zahlungseinstellung Waren in größeren Mengen weit unter dem Fakturenwerte bezogen haben; auch auf diese Firmen wird dl« strafoerichtsiche Untersuchung ausgedehnt werden. * Die Lohnbewegung in der Industrie. Der Judustriellenverband hat die Lohnforderungen der Jndustriean gestellten und der Metallarbeiter abgelehnt und vorgeschlagen, die Lohnforderungen bis nach Ablauf der Messewoche zurückzustellen, da bei dann eintretendem besseren Geschäftsgang günstigere Aussichten für ein Entgegenkommen bestehen. Heute wird sich der Verband der Jndustrieangestellten mit den Vorschlägen befassen. Die Ausbeutung des Publikums. In den Wiener Kafteehausern Ivird eine zehnprozentige Erhöhung der Preise durchgefuhrt, die mit der Erhöhung der Warenumsatzsteuer und der Erhöhung der Löhne begründ^ wird. * Das Radio während der Messe. Für die Zeit der Messe wird die Radiofabrrk S ch r a ck, die übrigen» auch der neuen Gesellschaft angchört, einen Sender von 400 bis 500 Kilowatt (also vier- bis fünfmal stärker als der der Sender- ,'tation im Technologischen Museum) funktionieren lassen, der von der Fabrik in der Schumanngasse aus arbeiten soll. Es jst möglich, daß dieser Seirdeapparat auch nach der Messe tätig sein wird, so daß die Radiosreunde nicht mehr auf die -bisherige unpünktlich. arbeitende und streitlustige Sendestation angewresen sind. * Freie Aerstestelle. Der Vorstand der israelitischen Kultusgememde teilt mit: Im Spitale der israelitischen ^ultusgemeinde, Wien, 18. Bez., Währingergürtel 97, geengt an der internen Abteilung die Stelle eines Seku nd a rarzteS zur Besetzung. Zur Anstellung ist erforderlich: Die isterrerchische Bundesbürgerschaft, -lediger Stand, die Berechtigung zur Ausübung des Heilkunde in der österreichischen Reowblik, die körperliche Eignung, nachgowiesen durch ein amtSlrztlicheS Zeugnis, und em Alter von unter 95 Jahren. Mt dieser Stelle sst nebst den Barbezügen fvvie Wohnung und Verpflegung in der Anstalt verbunden. Mit den Pevsonaldokupenten (Diplom, Nachweis der Zugehörigkeit zum Judentum» Zeugnisse über bisherige — wenn möglich.spitalsärztliche — Tätigkeit) belegte Gesuche sind an den Vorstand der israelitkchen Kultusgemeinde. Wien, 1. Bez.. Seitenstettengasse 4. bis ongstens 20. Marz 1924 mittags zu überreichen. Beredte, BortrSge und Serfammlungen. Verein für jüdische Geschichte und Ziteratur in Wie». 2. Bez., Ferdinandstraße 29. --amStag den S. März. '/,8 Uhr abend», im Sitzungssaals der rultusgemeinde. 1. Bez., Seitenstettengasse 4, Vorttag Dr. Navhtali Lieber: „Die Juden in der französischen Literatur". Eintritt rrei. Gäste willkommen. — Akademische Sektion P i t a ch d u t h. 2. Bez., ZirkuSgasse 33. CamStag, 8. März, $,8 Uhr abends. Vortrag Dr. Zborowitz (Berlin): „Grundlagen in Gustav Landauers Sozialismus" (Dorbsstrechuna). pünktliches Erscheine» Pflicht. — Verbtndungzionitischer Studenten Emunah. Samstag, 9 Uhr ibendr, im Leopoldi-Wiesenthal-Etabliffement Konzertakademie mit nachfolgendem Tanz. Restliche Karten (40.000 K.) cm der Abend- 'affe. LeovoldstädterDolkshetm, 2. Bez., Zirknszasse 48. Beginn des Sonnnerhalbjahres mit folgenden Kurse«: 1 Uhr: Oeffentliche und private Fürsorge. Philosopie der Gegenwart. Arbeiter- und Angestelltenschutz. Schopenhauer und die Romantik. Nichteuklidische Geometrie. Gemeinschaftsleben der Tiere. Englisch II. BersönlichkeitSpsychologie. Stimmbildung und Thorgesang. Französische Konversatton. Dante» Göttliche Komödie. 8 Uhr: Experimentelle Psychologie. Mathemattsche Fachgruppe. Familienrecht. Sattriker der Weltliteratm. Ban de« menschlich«: Körpers. Englisch für Anfänger mit Vorkenntnissen. — Einschreibungen, ausführliche Arbeitspläne uud Auskünfte täglich von ß bis 9 Uhr abends. Grösseres Klubzimmer kür zwei T age 1» der Woche '*U W K ■* M * M TT » IW. 10&4» Oaf6 Ilion, QL, Löwengaeee 89 Zionisfiscbt 8«irkmklion EeopoldUidt HEUXK Donamlag den 6. März, präzise''/,8 Uhr abbs.. im lvitstk Lßrger.e«si. 2. Bezirk, Praterstraße 11 Vorlrag Frau Erna Patak: ,.vle iionutiuhe Urteil der?r*i” j Jeden Donnerstag zwanglose Zusammenkünfte mit Vorträge« Die Leitung des Bundes jüdischer Jnnawcmderer teilt mit, daß Neuaufnahmen in den Bund derzeit joden Mittwoch von 5 bis 7 Uhr abends, 2. Bez., Taborstraße 59, 1. Stock, vorgenommen werden. Der Bund bezweckt bekanntlich die Pflege des Manderns und anderer körpetsvortlicher Betätigungen unter den jüdischen Jugendlichen, sowie insbesondere deren moralische Ertüchtigung durch entsprechende Erziehung. CS finden wöchentlich \t einmal einstündige geeignete Unterhaltungen und Belehrungen sowie allsonntäglich Wanderungen Mlener Movftenzeltung. 6. März 1924 Nr. leie Mitteilungen ans dem Publikum. Antiquariat Dr. Schwarz. I, Habsburgerrasse 3 Heute Beginn der Versteigerung einer kunsthfttorischen Bibliothek ab 3 Uhr nachmittags Preis des Katalog es K 15000 |j Tel 17-3*18 GEKA Tel. 17-3-18 .»- ■ IX'NussdorfarstrasselS, Xill, Märiatrasoe 154 liefert reten TEILZAHLUNGEN SCHUHE KLEIDER WASCHE STOFFE LEINWAND SEIDE MÖBEL KÜCHENGERÄTE UHREN TEPPICHE LINOLEUM VORHÄNGE ER und SIE HUGO BETTAUERS Wochenschrift ist das Ereignis des Donnerstag Nummer A 60.000 Exemplare! 60.000 Exemplare! in allen Trafiken erhältlich! Grösste Auswahl im Wirkwartn-Spezialhaus ,ZUM LÖWEN', IX. Porzeitangasse 52, Tel 5088/IL verleiht gegen Sicherstellung aller Art bei sehr niedrigen Zinsen Pinanaierungsgesellschaft Josef Taussfg & Co. Wien»!’Jasomirgottstrasse 6, l.St .. Telephon Nr. 63140 ■———*— DAMENWESTEN Strickwaren, Wirkwaren u. 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ES herrschte von Anfang an reger Leben und die animterteste Karnevalsstimmung hielt bis in die frühen Morgenstunden an, Bühne und Kunst. „Sera Mirzewa." RenaissaveebUhne. Etwa: Henry Bernstein kommt russisch, versetzt sein gerissenes, auf Spannung gestelltes Theater mit Turgenjew- Essenz und die Mischung verursacht Sodbrennen. Im ersten Att diese» Schauspiels von Urwantzow erkennt die schöne Dera zu spät, daß ihr Geliebter einer jener ausgemachten Schufte ist, die nicht einmal in Kolpor-- tageromanen auftreten dürfen, weil die Stubenmädchen die zweite Fortsetzung nicht mehr kaufen und dem Kolporteur mit einem pickierten ,,Eh' schon wissen!" die Wohnungstüre vor der Nase zuschlagen. „Geld, viel Geld oder ich liefere die Liebesbriefe deinem Manne aus!", herrscht er sie an. Da reckt sich die schölte Bern auf und schießt ihn wieder. Ihr Gatte ist natürlich Staatsanwalt und uni Hause de- Gatten verkehrt natürlich der gefürchtete Unttvsuchungsrichter. Wird man ihre Tat entdecken? Die beiden folgenden Akte zeigen dis Heldin in Hangen und Bangen und schwebender Pein. Hat sie ein corpus delicti am Tabort zurückgelassen? Wild sie ihre Unruhe oder ein unbedachtes Wort entlarven? Wird sie zusammenbrechen und gestehen (denn edel ist die Mörderin und Rächerin ihres Ehre), lvenn einen Unschuldigen der Arm der Gerechtigkeit packt? — Neben jenem, nicht mehr bühnenfähigen Exemplar von einem Schuften begegnet man gleich in der ersten Szene einer Lar komplizierten echt-russischen Gestalt: ein degeneriertes Subjekt, dem skrupellosen Weiberjäger und Geldmenscherr sklavisch ergeben, von Sehnsucht nach gesellschaftlicher Geltung und Salonfähigkeit gequält, urrd nach dem Tode seines Gebieters, aus jener Abhängigkeit heraus, mit der Sendung belastet, den Mörder zu entdecken. Nach vielen Wigel-Wogel-Szenen (wird Vera entlarvt —, wird sie nicht entlarvt), fragt sie der besessene Cretin, förmlich nachtwandlerisch, ob sie die Mörderin sei. Nein! ruft sie gebieterisch» Das wirkt prompt bei pathologischen Schwächlingen und er schleicht davon wie ein verprügelter Hund. Aber dev Gatte, der Staatsanwalt, war Zeuge dieses Dialogs. Fetzt, endlich, bricht sie zusammen, umfängt seine Knie- und wimmert: „Ich habe. . Der Staatsanwalt-Gatte aber verschließt ihr den Mund und sagt linder „Ich wußte es längst". — Vorhang. Maria Orska. für solche Rollen nach unserem Geschmack weit tauglicher als für Wedekind-Weibchen und Pariser Kokotten, ist diesmal wirklich außerordentlich. Den Jammer der betrogenen Liebe, das Fieber des gefolterten Gewissens verdeckt herrlich die erzwungene, eiskalte Maske und die schwarzen großen Augen teilen mit, was der Armen zu sagen nicht verstattet ist. Minder gelingt Herrn S t ahl- Nachbaur der ordinäre, bei den vornehmsten Damen siegreiche Scheckjäger. Er sollte bei Herrn Werner-Kahle in die Schule gehen. Mit schöner Schlichtheit spielt Herr, Teubler den liebenden und wissenden Gatten und das echt-russische, verkommene Subjekt hatte das Glück, an einen Schauspieler vom Range des Herrn Lovric zu geraten. Voll Verdienst Hilde Wagen er sowie Herr Hendrichs. Der wohlbeleibte, urgemütliche Herr Ui b e rack er gab den gefürchteten Untersuchungsrichter. Er stellte, wohl ohne Absicht, eine Figur auf die Beine, die wie eine Satire auf. das grausam-gruselige Stück anmutete. Frau Orska wurde nach Gebühr gefeiert. O. A. Kammersviele. „Das Mädchen mit dem Storch? Zwei angesehene Rechtsanwälte. Dr. Wolfgang Pol« laczek als Dichter und Dr. Robert Kats cher als Mitt siker, haben sich vereinigt, um mit einem musikalischen Schwank Gehör bei dem nicht überaus anspruchsvolle» Publikum ciu-r Nachtvorstellung zu finden. Ihr Verteidiger am musischen Areopag müßte unwidnstehlichem Zwang für den einen, Kleptomanie für den anderen Autor als jeden Durchfall ausschließendeS Moment in Anspruch nehm.m, so leicht und bedenkenlos sind beide auf den Erfolg losgesteuert (der sich trotzdem nicht recht emstellen wolll-V Im ersten Akt vernehmen wir zu unserem Erstaunen, daß höhere Töchter in ihren Traumen mehr an die Nachtlokale als an die Kochschule denken. KUMal wenn sie darin vom Prinzen Ghimmy LebmSrnstrdig unterstützt werden. Zu diesem neuen Einfall gesellt^ sich ein zweiter, wenn auseinandergesetzt wird, daß die Väter solcher Töchter schon bei der Geburt ihrer Kinder wach Schwiegersöhnen Ausschau halten, bei denen der Stammbaum und' das (Mb mehr Ausschlag geben, als seelische und geistige Qualitäten. Und daß sich im zweiten Akt im Nachtlokal das Paar findet, das zusammengebracht werden soll und im dritten Akt unter dem Segen der ganze« Familie im Ehehasen landet, war mich nicht erst zu beweisen. Nur am Höhepunkt der Handlung, als der Sohn des Deputierten seiner Angebeteten Celestine den immergrünen Satz entgegenschleudert. ,$<§ kann ohne Ihnen nicht leben," da erst war man von der gleichsam «ach Worten suchenden Intensität des Gefühles und von der Mßhand^ lung der deutschen Sprache ganz überwältigt. Man konnte fast die Antwort erraten, „wo der Storch die vielen kleinen Kinder hernimmt". Wenn ein Schimmer von Versöhnung aus diesen unerguicküchen Abend fiel, so ging er von Adrvenne G e ß n e r aus, die mit dem Gewand^ der bürgerlichen Tochter auch deren Charakter abstrsifte und im KolombinenkostÄm daS Musterbild einer tem-- peramentvollen, lustigen Kokotte schuf; nur dürfte sie nicht gesanglichen Ehrgovz an den Tag legen — das ist sie doch sicher dem guten Ruf ihrer Familie schuldig. Von den cmdeve-n Mtwirkenden seien die gutgesehemn Figuren beider Schwiegervater, verkörpert durch dk Herren Robert Valberg und Franz Kammaus, hervorgehoben. Was sich sonst noch auf der Bühne bewegte, wurde zur allgemeinen Plage, wenn eS sich nicht mit dem mehr oder minder augsborenen mimischen Talent begnügte und di» widerspenstigen Stimmbänder zu malträtieren begann. dt. Ein historisch-jüdischer Liederabend. Der Zionistisch, akademische Landesverband veranstaltet heute Donnerstag um halb 8 Uhr abends im Saal« deS NiederöfterreMcheu GewerboveroiiN'eS. 1. 93«#., Gschenbachgasse 11, einen j iN ischen Liederabend mit Vovanlstchvndsm Bortraa des Sairrsd stellers Dr. N. M. Gelber über „Fahrende jüdische Sänger der Haskallckh-Zei^. Mittvirkend: Herr Isaak Deutsch und Frau Weintraub-Gras. Europa-Tournee des New-Uorker jüdischen Kiinstler« theaterS. Wie I. T. A. meldet, wird sich ine Truppe des judv scheu Künstlertheaters in New-Aork am 8. April auf W(, Europa-Tournee begeben, üoobei sie Me Städte London Paris An'ttverpen, Berlin und W ien ^besuchen will. Die erste Europa^ vorstellnna wird am Samstag den 19. April im Scala-Dheater zu Hlmdon stattfttlidm. Das Repertoire weist tmter andererr