Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1816 (6.3.1924)
- Date
- 1924-03-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Wiener MorMnzerkrwü. fi. mg im srr. tm Rintelen und Wutte Au« den Geheimnissen de» öfterreichlschen Radio. . Di« B-erlpudlungen des La »Leshau Ptnmnnes der Steierrnark, Dr. R i n tele n, uni» des Doktor ^skar Czeija als Vertreter der neuen öfterreichlschen BroadcastlnMi'cllschrst sind murmehr klavgestellt. Es handelt sich ihneir darum, dve Gchafftlng des neuen Tetetzrapheivgesetzcs, das -den Radioverkehr regelt, imch ihrem Interesse nnt» in ihren Absichten durchznsehen. Der Entwurf dieses (Gesetzes ist bereits fcrtiggestellt und hat jetzt die Abänderung seitens der verschiedenen nmßgcbenden Zen-- tralstellen :;u errvartan. Rintelen und Czeija wollen mm, dieses Gesetz der neuen (Gesellschaft erne dominierende Stellung oinninnre, sdaß das neue österreichische Unternahmen <mf ErAeugung tntfc Handel einen maßgebenden Einfluß lMen lvcrd. Allerdings soll nach dem Willen -er Generald'rektion für Post-- und Telegrapherrwese«, deren korrekte Haltung in der Radivfrage a n e r-! a n n t tverderr muß, jeder den Radioapparat kanifen dürfen, wo er tvill. Aber es soll ein Komitee bestehen, das die Apparate Zn prüfen hat, die ln den .Handel gebracht werden dürfen. Und dieses Komitee wird — von der neuen östrvreichlschen Bvoadcastiuggescllschaft gebildet tverden! Ueber die ^douzessivnÄtrkuude wird bekannt, daß der neuen Gesellschaft 'bis zu.m Jahre 1952 das Recht zur Errichtung und zum Betrieb von Radrosende- und -empfangsan lagen im Inlande fitr den allgemeinen Verkehr cingcräumt wird und ixijj genau die Ausnahmen festgesetzt sind, in deurrc außerhalb der .Hanpttonzefsiouserteilung die Kon.- zesswn für Ser^dcaMagen gewährt wird, das heißt die rwue Gesellschaft hat das alleinige Recht, Sendestationen zu errichten. 9htr der B u n d, dos La u d ratb die Gemeinden haben für rhrc Anstalten und Betriebe, ferner für RadioversuchsKwecke das Recht, Sendeanlagen zu errichten. Die Bcrndesrcgierung glmrbt, da der Staat s'lbst an der Gesellschaft beteiligt ist und Staatsbeamte als Wächter anfstellcn wird — mem tveiß, wie diese Staatsbeamte a la Sochor zum Beispiel bei der SachvemoMsierung ,^Ävach^ -haben —, werden Eigenmächtigkeclen der. Gesellschaft vermieden werden. Die Konzession wurd' dem Kreditinstitut für öffentliche Arbeiten, also dom gewesenen Minister G r i m »n erteilt, der dann We von Ms bereits evlvähntcn Unternehnrungen in die Aktiengesellschaft müsyenommen hat, so . die Steirerbank. Und dicrch diese letztere B^rnk hat sich Rintelen in das warme Nest hine-ingesetzt und will jetzt Präsident der neuen Gesellschaft werden. Sollte dies nicht gelingen, dann wird Wohl Grimm tsträsidcut werden, aber-ganz unter doM Einfluß des Dr. Rintelen stehen.' Zum Bizeswäsidenten der Gesellschaft und konmrer-- ziellen Direktor ist der gotvesene Äkretär Wuites, Doktor Oskar C z c i j a, ausersehen, pm komincrzMen Direktor der Professor am Technologischen Gewerbsmusomn Schwaiger, der allgeinein als ein Fachmann auf dem Gebiete des Radiowesens gilt. Dr. Czeija ist der Strohmann Muttes und man wird bald das Diosknrenpaar Rinleleri-Wrttte vereint an der Arbeit sehen! Die Sozialdemokraten haben die Bildung der neuen Gesellschaft nicht beachtet und wollen nur mcht, daß Rildteieu der Präsident der Gesellschaft ivcrde. Sie verraten! hier leinen großen Scharfblick, da sie eine Gesellschaft von so allyMi-einer Bedeutung in die Hände einer Hakenkreuzeligue gewirrt ließerl. Bc-im Telegvapheugesetz tverden sie Schwier vigkeiten umä)en. wenn eS schon zu spät sein wird. Man muß bei der ganzerr Frage stets eines beachten: Wer wird Mitteilungen, Vorträge uftv. aussender: dürfen? Nur diese Gesellschaft! Wer wird in politischerregten Zeiten durch Aussendung von Wahlaufrufen, durch Reden reaktionärer Bolksfi'chrer, durch einseitige Wahlmache das öffentliche Leben korrumpieren können? Dich: Gesellschaft denn da sie das Monopol besitzt, wird sie cS auch politisch zu ihren Zwecken ausnützen und niemand wird sie daran hindern könne». Die Generaldirvkticm für Post- und Dolegraphenwesen, die Wohl ein Anfsichtsrecht besitzt, wird die Verbreitung derartiger Rodelt und Wahlaufrufe nicht verbieten können, da sie weder gegen die öffentliche Mcherheit noch Sittlichkeit gerichtet sind. Es wird sich also das Monopol der neue« Gesellschaft zu einem Deonopol der von Rintelen urtd Wutte begünstigten reaktionären Politik ausgestalten n«d die Sogialdemcckmten »verden das Nachsehen haben. Wir resümieren: In Wien werden Radioftttdeanla-AUt ohne Einwilligung der neuen Gesellschaft nicht gebaut werbeu und die neue Gesellschaft wird auch den Verkauf der Apparate zu rn-olwpolisieren verstehen. Umsonst hat Doktor Rintelen nicht so viele Besuche beim Nefeventen des .HandÄsmin-istermms für Radioüvesen, Hofrat Zeisel, abgestattet. Allerdings lvir-d er weder bei ddssem noch den anderen in Betracht konrmenden Herren der Genevaldivektioil für Postlntd Telegra'phelvwesen dem Staate abträgliche Vorschläge durchsetzen können; doch ist es leicht möglich. daß es ihm durch unscheinbare Zusätze gelingen kan«, für die Gesellschaft dem Radiowesen nicht dienliche, aber den Taschen des Riutelen-Wutte-KongernS sehr gut Paffende Bestimmungen über das Gosetz hmeinzuschmuggÄin, die natürlich nicht als seine eigenen Bovschläge auftauchen. Darauf sei die Genevaldivektion ausnrerksam geuvacht. * Wie die „Reichs Po st" meldet, ist hier der Pvasiderrt der deutschen Telofun-kengesellschaft, Graf A r c o, eingetrosffen, um die Verhandlungen über di« Patentlizenzen nrit den mteveffierten Firmen aufzunehmen. Die Telefu.nkengefellscha.ft hat die Vertretung der Patente für Radiotvlephone und Radiotelegraphie. Sie verlangt eine Patentlizenzgebühr von ungefähr 709.900 K. Pw Apparat, welcher Betrag von den Wiener Firmen als zu hoch.angefohen wird. Es ist ivahrscheinlich, -aß die österreichische Radioindustrie sich mit dom Konzern des, Grafen Aveo doch einigen wird. vme 9 Men, DonnersW schwerden kntacgcn, versprach deren mündliche Prüsunc, und versicherte, daß die Polizei sich ihrer Aufgabe, die öffentliche Ordnung anftechlznerhalten, keineswegs von einer einseitigen Parteinahme leiten lass«. Diese Auffassung sei auch den untergeordneten Organen bekannt. Er sprach auch das Ersuchen aus, daß die Organisationen der Bankangestellten und die gemeinsame Streikleitung ihre Autorität nach wie vor dafür verwenden mögen, um die Disziplin unter den streikenden und ausständigen Angestellten .infrechtzuerhaltev. Die Streikleitung hat im Interesse der dißziplimertclr Führung des Lohnkampfes an die Hanptvcrtrauensmänner in den Streülokalen folgende Weisung hmauSgegeben: Alle Dispositionen für die Veranstaltung von Knnd-- gedungen irgendwelcher Art durch die im Ausstand stehenden Angestellten erfolgen nur durch die Streikleitung und werden durch die verantwortlichen Vertrauensmänner in den Streiklokalen bekanntgegeben. Irgendwelchen anbcren, von welcher Seite immer ausgehenden Aufforderungen ist unter keinen Vmstäuden Folge zu leisten. Die Streikleitung erwartet, daß üe Kollegenschaft trotz ihrer begreiflichen Erregung die Disiplin anfbringeu wird, sich im Interesse der Kampfführuug ritte an die Weisungen der Streikleitung zu halten. 3nland. Lr. zkmmenmm bei Aar Ionald. London, 8. März. Gcneralkommisiär Dr. Zimmerm a n ist herUc nach kurze,n Aufenthalt in London nach Rotterdam abgereist. Dr. Ziminwnan war in London mit verschiedenen Persönlichkeiten znsammengekommen, di« an dem finanziellen Wiederaufbau Oesterreichs beteiligt such. Er wurde auch vom Premiermin ister Mac Don ach empfangen, der für die bisher erreichten Ergebnisse des WioderaufbarUoerkes lebhaftes Interesse zeigte rmd dem Generalkommisjär seine Unterstützung bei .-er Vollendung seiner Aufgaben versicherte. Lefterreich und der Freihandel. Minister Schürff in Berlin. Berlin, 5. März. fTel. der „Wr. Morgcnzettung".) Bei Einern Empfang in der österrechischen Gesandtschaft besprach der österreichische Handelsminister Schür ff den Stand dev - Bertragsverhandlnngen mü Derufchland. Er werde feme Anwesenheit zu Besprechungen mn den rn aßgeb enden Persönlichkeiten benützen, die den Borbereiinngen d:r Verhandlungen für den Handelsvertrag zwischen Deutschland und Oesterreich gelten sollen, deren Beginn siir anfangs April in Aussicht genommen ist. In Oesterreich bekennt man sich zum Grundsatz des Freihandels. Die vertt'orreuen Verhält» niste der Nachkriegszeit haben allerdings die österreichische 9legierung von ihrem Grundsatz mehrfach abzuweichen und durch Verbote oder ähnliche Bestimmungen de» freien -Handelsver-' kehr einzufchränken gezwungen. Jey: sollen in den Bo- Iprechungen zwis^cn Drutschlaud und Oesterreich dir Beschränkungen beseitigt werden, und man hält die Zeit für gekommen, zum Abschluß eines Handelsvertrages mit sreihändlerischen Grundsätzen znrnckzukehrrm Ter Minister will ferner in Berlm Verhandlungen über die Aufhebung der Hemmnisse des Reiseverkehrs zwischen Deutschland und Oesterreich, insbesonÄ^c über di« Aufhebung des Paß- und Visumzwanges führen. Besprechungen über diese Frage sind zwischen Deutschland und Oesterreich schon seit längerer Zeit im Gange und der Minister teilte mit, daß sie «inen Verlauf nehmen, der Erfolg verspreche. Endlich verwies der Minister darauf, daß Oesterreich seit einiger Zeit von Delegationen aus dem Ausland besucht werde. Die Delegationen kommen, nm politische Beziehungen anzuknüpfen, und Dr. Schürff sprach den Wunsch aus, daß auch einmal eine deutsche Delegation nach Oesterreich Iomrncn möge, der er die herzlichste Aufnahme rn Aussicht stellte. Der Minister erwähnte dann noch die Wiener Messe, deren Eröffnung bevorstehe und, wie er hoffe, denselben glänzenden Erfolg haben wende, den er auf der Leipziger Messe habe konstatiieren können. Der bei dem Empfang anwesende Reichskanzler Doktor Marx teilt« den Journalisten mit, rr beabsichtige, wenn es >ihm die politische Lage in DentschlarÄ irgendwie gestatte, schon m nächster Zeit zmn Besuch des österreichischen Bundeskanzlers Dv. Seipel nach Wien zu kommen. Der Reichskanzler, der seit seinem Regierungsamritt diese Reise nach Wien plante, hat sie bisher immer wieder verschieben müssen, hofft aber jetzt, daß er, wenn der Reichstag seine Verhandlungen geschlosten haben wird, noch vor den Neuwahlen seinen Reifchlan zur Ausführung bringen könne. Ae vohnbmsteuer tritt in Straft Die Bundesregierung hat seinerzeit gegm die Nvdelle zum Wien« Wohnbausteuergesetz Einspruch erhoben. Nachdem nuwnchr der Wiener Landtag einen Beharrungsbeschluß gefaßt hat, hat die Bundesregierung ihre Eiuwendu'ngen nicht weiter verfolgt, so daß die Novelle in Kraft treten kann. Für diese Entscheidung der Bundesregierirng war insbesondere sine Erklärung maßgebend, die der städtische Fiuanzrefevent, Stadtrat Breitner, im Zuge der Berhandlungen im Wiener Landtag abgegeben hat. Danach kann auf die BeroitwiMykoit der Gemeinde geschlosten toexfeen, im Landtag bestimmte Erieichterunge« der St-euevlaist für den Fall vorzuschlagen, Äs die von der Bundesregierung befürchteten nachteiligen Folgewi-rkungen der «chöhten Abgabobelasttmg bei gewissen Gruppen van Abgabepflichtigen rat sächl ich eintreten sollten. Tagesbericht. Ein großes Erdbeben in Südamerika. (Eigendienst der .Miener Morgeyzeitung".) London, 5. März. Durch ein starkes Erdbeben, das gestern irr der ganzen Republik Costarica zu spüren war, wurden die Städte S a n I o s e und P o r t L i m o n zmn großen Teile zerstört. Es sind ansehnliche Verluste anMenschenlebenzu verzeichnen. Die Vepbmdungen der 'beiden Städte sind durch das Beben unterbrochen. Die Meldungen der Wiener meteorologischen Zentralanftalt. Die Seismographen der Zentralanstalt für Meteorologie verzeichneten gestern ein starkes E r - e L e.L e n «mit einer Herddistanz von 9800 Kilometern. Der Herd des Bebens düche in Südamerika gelogen fein.. Der Beginn der Bowegmig fand in Wien um 11 Uhr 20 M- Mten 48 Sekunden vormittags mitteleuropäischer Zeit statt. ernteten in Paliistlna. Jerusalem, 29. Februar. kJ. T. A.) In der Nacht vom 27. auf.den 28. Februar wurde in Jerusalem, Liberias und anderen Orten Palästinas ein leichtes Erdbeben verspürt. Ueber etwa vorgrkommerre Beschädigungen wird nichts berichtet. Mm Siddtz eine Reise tut. ■ Das Blatt der Lillvs und der »Franzis, der Sigis. Siddyö, Lanczys, Manczys „macht" jetzt in Palästina, seit «s Mode geworden ist, daß die Träger und Trägerinnen der durch das saignierte Dpsilon vornehm buoapesterisch verzärl-Äten Namen ihre Frühjahrsreisebilletts statt nach Algier oder Japan nach dem vorderen Orient nehnren. Neben der gesellschaftlichen Ber- . pflichtung, von der Frühjahrsreise in „ihrem" Blatte Kunde zu geben, fühlen die diversen Lillys, Siddhs, Srgrs und ManczhL noch das ExtrabodürfWS, ihr ifraelitrsch.'s Weltgcfühl in besondere B-cziehnngen zu ihren Rcis^insrückcn ans Palästina zu setzem Es kommen dann Schilderungen zustande, die den Sinnen und dem Sinn der Getauften, Daldgetauftcn und Rückgetauften entspringen und dem Gerrms des gegenwärtig aus Publikumsrücksichten israelitisierenden Weltblattes ungetrübte Freude, dem normalen Leser aber geradezu Ueblichkeiten bereiten müssen. Einer dieser Fünfzigkreuzernamen gibt jetzt wroder Kunde von seiner Anwesenheit im heiligen Land und seine Augen ruhten mit kritischem Weltblick auf den Fluren Palästinas, so daß es für vier ZeitungSspalten reichte. Was sieht so ein Dimmutivname? Was hört er? Was empfindet er? Der Wafchraum im Schlafwagen nach Jerusalem hat eine schlecht funktionierende Tür. Natürlich — empfinden die anderen, die cs lesen, gleichgestimmt nach — man kommt ja ins jüdische Land! Der Schlaftvagenkon-dukreur spricht erst englisch, dann aber — jüdisch; denn „sein Englisch scheint er jenseits der Grenze gelasien zu haben". Ein Borwurf. Er trifft den Schlafwagenkonduktenr wahrhaftig nicht. Dem imponiert Siddh nicht und die englischen Antworten, die ihm auf seine englische Anrede gegeben wurden; haben chn wahrscheinlich überzeugt, daß er mit dem Jüdischen am besten vorwärts fonmtett kann (denn bndapesterrsch kann der Mann nicht, da er ja Jude ist). Im alten Jerusalem wandelt Siddy voll ehrfürchtigen Schauers den mühevollen 5kreuzweg. den JesuS Christus gegangen. Und wenn alle LAYS zerspringen, sie wandelte bis zur Grabeskirche über Golgatha nach Bethlehem zu des Erlösers Geburisstätte. Später bemertt sie „am Freitag abends die frommen H e b r a e r, mit Kerzenstümpfchen in den Häwden, an der Klagemauer V>v'men und beten". Welch rin« feine Distanzierung! Als ob es sich um einen wildfremden Bolksstamm mit ganz absonderlichen Gebräuchen handelt«, als ob gar keine Aehnlichkeiten mehr trotz Taufe und Rücktritt bestünden! Jni «eiten Jerusalem, welch cm peinlicher Anblick: „Man begegnet kaum einem gut oder einem sorgfältig gekleideten Menschen." Und eine Drrk-Ecke gib: es auch nicht'. Dafür aber schrecklich viel Aarzte. Sie haben zwar keine Zutvoiber, dafür lassen sie — shocking! — ausrnfen, daß sie ordinieren. Ju Tel-Awiw desgleichen; mit Papaverinpräpavaten ist dort nichts zu machen. Auf der Autofahrt nach Haifa neben einem Herrn man teufe, entern Herrn! — aus Transvaal jüdische Mitreisende, natürlich ungezogen; eine Mutter mit eiucm Knaben, der, um im literarischen Attsdruck der Budapester I NamenSsPhare zu bleiben, als „Jüngelchen" bezeichnet wirb.