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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-06 · Heft 1816 (6.3.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1816 (6.3.1924)
Date
1924-03-06
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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«i*‘ _ CeWe g Men, DckMeÄ-atz """"" scheu Mohammedaner, die ans der Diaspora die Politische Entwicklung der Türkei mit rwuen Ideen ans dem Schatze der englischen Politik versorgen, sind in ihrer Mehrheit Anhänger des im vorigen Jahre vertriebenen Sultans Mohammed des Sechsten, den sie mit allen Ehren bei sich ausnahmen. Jetzt geht sein Sohn, der nur mehr Kalif war, ins Exil. Für sie ist diese Würde der Inbegriff aller osmanifchen Staatlichkeit, und Ihre Stellungnahme zugunsten der kürzlich m Konstantinopel und in Angora Hingerichteten Parteigänger deS Sultans hat Musta-pha Kemal viel Propagandastoff gebracht. Sie schützen nunmehr zwei Kalifen. Der Emir von Afghanistan, König Faisnl in Amman und die südarabischen Scheichs in dem heiligen Bezirk von Mekka erheben gleichfalls beit Anspruch auf eine Institution, die von ihrem Stammsitz in Konstantinopel entfernt worden rst. Der Beschluß der Nationalversammlung ist mangelhaft; wahrscheinlich aus guten Gründen. Aber er ist, wie die Dinge liegen, der stärkste Schlag gegen den Panislamismus, dem das geistige Zentrum genommen worden ist. Hedfchar und Palästina. Verhandlungen zwischen Sir Herbert Samuel und Emir Abdullah. Jerusalem. 1. März. (I. T. A.) Emir Abdullah von Transjordan-ien und sein Bruder Emir Ali, der Thronerbe von HeLschas, werden m Jerusalem evwartet. Sie sollen mit dem britischen OberLommissär Sir Herbert Samuel eine Besprechung abhockten. Wie bekannt, sind am 22. Februar der Premierminister van Transjordanien, Hasian Kal id Pascha, der Außenminister von Hedschäs Scheich Jirnad Cattid und König Husseins Vertreter in Rom, Emir Habib Lutsallah, zu einer besonderen Besprechung mit Sir Herbert Sa-muel nach Jerusalem gekommen. Es wurden auch politische Fragen eingehend erörtert. Wie verlautet, sollen in der jetzigen Zusammenkunft der Söhne Husseins mit Sir Herbert diese Besprechungen fortgeführt werden. j Die Verhandlungen in Shuna. ■r Jerusalem, 1. März. (I. T/A.) Das offizielle Organ der national-arabischen Partei, der „Mirat el Sherk", teilt mit, die Mitglieder der palästinensisch-arabischen Exekutive hatten während ihrer Beratung mit König Hussein in Shuna (Transjordanien) ihre Zustimmung zu der Annahme der Balfouv- Deklaration und des britischen Mandats unter der Bedingung gegeben, daß eine nationale Regierung in Palästina eingesetzt werden wurde. 2er amerlkanisch-küdWe Koagreß und dle Fewish Agench. ' New-Iork, 1. März. (I. T. A.) Aus der in P r o v idenec (dtewt-iJevseh) stattgefnndenen Landeskonferenz des amerikanisch-jüdischen Kongresses wurde die Forderung gestellt, daß der amerikauisch-jüdifche Kongreß als eine demokratisch aufgebaute Körperschaft.in.der I e wi sh Agency vertreten sein soll, üm an der Errichtung des jüdischen Natronalheims mitzuarbeiten. Es wurde eine Resolution angenommen, die die Einbevufmi-g eines das gesamte jüdische Volk repräsentierenden Weltkongresses zur Beratung der Palästina-Frage fordert. Sie Untersuchung im amerikanischen Prtrolem«- skandal. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 3. März. „New-Aork Hevalid" meldet aus Washington: Die Uittersit-chmng des PetrolenanskandalS hat gestern e>im sensationelle Wendung genommen. Senator Wal sh wird angellagt, mit dem Petwleumnragnaten D o h e n y Telegramme auAgetauscht zu haben. Walsh ist mit' der Leitung der Untersuchung im Petwleumfkandäl betraut. Das Pübilikmn beginnt sich zu fragen, ob die Mitglieder der Untersuchungskommission selbst über jeden Verdacht erhaben sind. Es sei jeder Verdacht möglich, wenn unwiderleglich davgetan sei, daß Senator Walsh bemüht war, Teilnehmer Dohenys zu werden.! Von anderer Seite habe man arusgesogt, daß das "Just: zdeparte ment in CH iss re nie leg rammen mit dem .Herausgeber -der „Washington Post", Maclean, korrespondiert habe. Maclean -wird verdächtigt, di« Verteilung des Propagandafonds zur Vertuschung der Untersuchung organisiert zu haben. Bisher leugnet das Justizd^xrrdement energisch, Maclean seine Chiffren mitgetei.lt zu haben. Reue AufftSnde in Marokko. / Madrid, 6. März. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) In Marokko ist ein neuer Ausstand der Eingeborenen gegen die Spanier ausgebrochen. Die Rifflabylen haben gegen die spanischen Truppen eine großangelegte Offensive begonnen. Sämtliche spanischen Schiffe, die den Dienst zwischen Marokko und der spanischen Küste versehen, sind zur Beförderung von Truppen requiriert worden. Der spanische Kreuzet „Catalonia" wurde von den Marokkanern bombardiert. Ein« -Abteilung der spanischen Truppen wurde von den Kabylen gefangen genommen. Gerüchtweise verlautet, daß die Garnison von Malaga 'gegen ihren Abtransport nach Marokko gemeutert habe. _~ Wiener Morgrnzellnnft. _ Sie franMchen Neuwahlen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, L. März. Der französische Mmfterrat wird demnächst endgültig das Datum der französischen Wahlen festsetzen. Es scheint Poincares Absicht.zu sein, die Wahl so spät als möglich durchzufühwn. Man glaubt, daß das Datum derselben der 18. M a i sein wird, da das Mandat der Kammer am 31. Mai ablaust. Die neue Kammer wird sodann am 1. Juni zusammen t r e t e n. Da noch verschiedene Gefetzesvovschlage von der derzeitigen Kammer zu verabschieden sind, dürfte sich die Session 'der Kammer noch lange hinausziehen, vevnrutlich bis zum 17. April, so daß für die eigentliche Wahlkampagne noch etwa ein Monat übrig bleibt. Var englische Budget. ' (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 5. März. Das Budget für 1924*25 weist gegenüber dem laufenden Budget Au r ga ben reduktiv ne n in der Höhe von 37,338.146 Pfund Sterling aus. Es wird erklärt, daß nach Fertigstellung des Budgets die Ersparungen sich auf 47 Millionen Pfund Sterling be-' laufen werden. Im Unterhause wurde heute ein Antrag eingebracht, in dem die Regierung aufgefordert wird, in das Budget eine Summe von 10 Millionen Pfund für landwirtschaftliche Zwecke einzufügen. Der Zweck des Antrages ist, die Regierung zu veranlassen, den landwirtschaftlichen Arbeitern den Mindestlohn von 30 Schilling wöchentlich zu zahlen. Die englischen Luststreitkräfte. Im Oberhaus« wurde die Frage der britischen L u f tstreitkräfte von dem Konservativen Lord Londonderry aufgerollt, welcher verlangte, daß die Regierung erlläre, diche Kommission sei lediglich die erste Phase der fortgesetzten Politik der Verteidigung. Thompson, der Sekretär der Lustschiffahrt, erklärte in einer längeren Rede das Programm der Labouvregierung und führte schließlich aus, daß das Gesetz betreffend die HilfSluftstreitkrafte und die Reserve st reitkräfte dem Parlament raschest unterbreitet werden würde. Thompson schloß mit der Bemerkung, daß die Labourreglevuirg allen Konferenzen, wie der in Washington zur Sicherung einer allgemeinen Abrüstung, zustimmen würde. Der Vorschlag LondonderrhS wurde angenommen. Versuchen Sie unseren 370 üdealstrumpf 1. TRAT!NERHOF 2 (Graben 2ie belgische Kabinettskrise. Brüssel, 5. März. (Telegramm der „Wiener Morgenzestüng".) Theunie wurde heute vom König empfangen. Der König stellte die Frage, ob TheuniS nunmehr das neue Kabinett zu bilden imstande wäre, worauf Theunis eine kurze Bedenksrist erbat. Soweit sich bis Abend übersehen läßt, bessern sich die Chancen der Regierungsbildung unter Leitung Theunis'. Kein Seheimabkommen zwischen Jugoslawien und Stalien. Sine stürmische Skupschtinasihung. Belgrad, 5. März. (Tel. der „Wr. Morgeuze'üung".) In der heutigen Sitzung der Skupschtina brachte der Radikale Stepanovie vor Eingang in die Tagesordnung Gerüchte, zur Sprache, wonach der italienisch-jugoslawische Vertrag auch geheime Klauseln enthielte. Minister des Aeußern Nineie erllärte, diese Behauptung sei eine ungeheuerliche Lüge wie überhaupt alles, Iva8 Radic srllärt habe. Diese neueste Lüge sei erfunden worden, um zwischen den Völkern deS südslawischen Staates Zwietracht zu säen. Die Rode des Ministers wurde häufig durch stürmische Zwischenrufe unterbrochen. Die Mitglieder de>v demokratischen Partei nahmen Radic in Schutz. Davidovic rief dazwischen: Die Regierung nimmt den Beschluß der Radic- Partei lediglich als Vorwarid, um Radic zu bedrohen. Als Nineie davon sprach, daß sich die Regierung di- Interessen sämtlicher Völker des jugoslawischen Staates vor Augen halte, rief der Klerikale Hohnye dazwischen: Und Zara und Fiume? Infolge der lärmenden Zwischenrufe war der Präsident genötigt, die Sitzung zu n n t e r b r e ch e n. 2K Mkeriundkommisfiou in Ungarn beginnt die «rbett. Budapest, 5. März. Dir Mlkevbwnddelsgation ist heute nachmittags mit den Mitgliedern der ungarischen Regierung zrt einer meritorischen Beratung zusammengetreten. Zunächst wunden alle Maßnahmen durchhesprochen, die für die UebevgangSzeit bis zur Aufnahme der Ausländsanleihe sich als notwendig erweisen, besonders eingehend wurde die Frage der Einstellung der unbedeckten No te na u s g a b e erörtert, ebenso die in der jüngsten Zeit von der ungarischen Regierung getroffenen finanziellen Verfügungen und' die mit der Devifenlage' züsalmnetthängeniben Fragen. 6. März IM _ Nr. 1816 Die Balorisiermg der ungarischen Kroue. Budapest, 5. März. Die Nationalversammlung begann heute die Beratung des Gesetzentwurfes zum Schutze der, Krone. Der stellvertretende Finanzminister Dr. Valko führte aus, die Valorisierung bezwecke nicht die Schaffung einer neuen Valuta, denn diese Frage werde erst aktuell werden, wenn die Verhältnisse auf dem Gebiete der Währung geregelt sein werden, sondern die Schaffung einer BerechnungSgruttdläge, durch die die Verhältnisse vom 80. Febmar zum Ausgangspunkt aller Kreditgeschäfte gemacht werden können. DaS Prinzip der Valorisierung rverde bald das ganze Wirtschaftsleben durchdringen und eine Oche-re Grundlage zur Kalkulierung bieten. Wegen der Wertschwankungen der Krone 'trachte gegenwärtig jeder, ausländische Valuten oder Waren anzuhäufen. Ueber das Kreditwesen hinaus sei eine Valorisierung nicht beabsichtigt. Am Schlüsse der Sitzung wurden zahlreiche Interpellationen unterbreitet, wobei es zu Sturmszeneu kam, besonders gelegentlich der Interpellation des sozialdemokratischen Abg. Györky, der die Angelegenheit deS wegen verschiedener Malversationen bei der AuSfolgung von Ausfuhrbewilligungen in Haft befindlichen ehemaligen Privatsekretär Es kütt des Ackerbauministers Szabo-Nagyatad zur Sprache brachte. Györky erklärte, daß er im Prozeß ESkütt als BertMger deS Angeklagten fungiere, und bemängelte, daß während der Voruntersuchung die Sache nicht als gewöhnliche Strafsache, sondern als Politikum behandelt werde. i Ackerbauminister Szabo-Nagyatad erklärte, daß Eskütt sein Vertrauen mißbraucht habe. Es handle sich aber keineswegs um eine großzügige Sache, sondern um kleine Manöver eines unbedeutenden Sekretärs. Es sei gänzlich unwahr, daß gewisse Beträge für Parteizwecke verwendet WoÄen seien. Eskütt habe sich, um sich zu rehabilitieren, Quittungen ausstellen lassen wollen, daß er die von ihm eingesteckten Beträge für die Zwecke des westungarischen Aufstandes aufgewendet habe. Da die Interpellation Györky an das Gesamtministerium gerichtet ist, wurde sie an den Mlnisterprästdentev weitergeleitet. 2er Wahlkampf in Karvathorntzland. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Mukaeevo, 4. März. Die Ausstellung jüdischer Kandidaturen hat bei den anderen in den Wahlkampf eintvetenden Parteien Karpathorußlands — zusammen nicht wenger als dreizehn — ein lebhaftes Werben um jüdisch«'Stimmen heworgerufen. Es ist aber nicht anzunchmen, daß diese Stimmenwerbung von Erfolg begleitet sein wird. Di« Juden- . schaft von Karpathorußlaud ist nicht gewillt, auf ihr« eigene Vertretung zu verzichten. In dieser Hinsicht sind auch Bemühungen im Zuge, um die zwei jüdischen Kandidatenlisten, . welche ausgestellt wurden, in sine einheitliche Wcchlfront . zu bringen. Wie verlautet, soll -dies in der Form erfolgen, daß . die jüdisch-demokratische Partei (die bürgerlichen und demokratischen Juden) chre Kandidatenlisten in den Senat zurück« zieht, während die jüdische Volkspartei (die Zionisten) auf ihre Listensührung ins Abgeordnetenhaus verzichtet. Zwischen beiden jüdischen Parteien finden unter Vermittlung deS Präsidenten des Jüdischen Nationalrates Dr. Singer, der gegenwärtig in Ungarn weilt, Verhandlungen in dieser Richtung statt. : Das Benziapanama in Prag. Prag, 5. März. Die Polizeikorrespondenz deröffenÄcht heute zur Untersuchung wegen der Benzin lieferungen für das Ministerium für nationale Verteidigung einen ausführlichen Bericht, aus dem hervorgeht, daß sich die beiden konkurrierenden Firmen Kolben und Naphthaspol zu d-m Zweck vereinigt haben, um durch B e ft e ch n n g jener Personen, die auf die Vergebung der Benzrnliefernngen Einfluß hatten, die Ausführung dieser Geschäfte zu erlangen, was ihnen auch gelungen ist. Bor einer ersten Lieferung von 60 Zisternen Automobilbenzm und 50 Zisternen Flugzeugbenzin im Februar 1928 wurden an Malina, Dostal, Stufka und Mottl je 40.060 und an den Stabskapirän Boubela 60.000 Kronen aks Bestechungsgelder ausgezahlt. In dem Bericht heißt es werter, es lasse sich zwar nicht beweisen, es sei aber trotzdem unstreitig, daß auch bei der Uebernahme des Benzins vielfach BestechungKgelder ausgezahlt wurden, da sonst die schlechtere Qualität der übernommenen Ware konstatiert worden wäre. Für ein« weitere Vergebung von abermals 100 Zisternen rumänischen Benzins im Mai 1923 zahlte die Firma dem Stabskapitän D o st a l 100.000, dem Stabskapitän Boubela und dem Ministerialrat Doktor S v a t e k 200.000 Kronen. BÄ der letzten Vergebung hat Ministerialrat Dr. Svatek eure hervorragende Rolle gespielt, indem er den Referenten der Wirtschaftskontrolle, Stabskapitän Boubela, der sein intimer Freund war, dahin beeinflußte,, daß diese Lieferungen an die Naphthaspol und Kolben vergeben werden, wofür er 600.000 Kronen verlangte, sich aber dann mit 400.000 Kronen zufrieden gab. Weiter erhielt Dostal 60.000 bis 100.000 Kronen und Kapitän Kutlvaser ein' Bestechungssumme in der gleichen Höhe für diese Geschäfte. Die ruUch'rumiinWe Konferenz. Bukarest, 6. Marz. Auf Anfrage Tschitscherins teilt dtt Minister des Äeußern D u c a nach Wtoskau mit, daß die rumänische Delegation anr 24. März in Wien eintreffen und bereit sein wird, die Verhandlungen sofort anfzunehmon. Eine entsprechende Mitteilung ging der österreichischen Regierung zu. Bezüglich der Aussichten der Konferenz ist man in hiesigen Kreisen sehr skeptisch. Runiänien wird auf den Versuch, die rumänischen Rechte auf Veßarabien zu bestreiten, eingehen. Sollte jedoch Rußland ein Plebiszit Vorschlägen, so würde Mmuäuien dies glatt abiehüen 'und nötigeufalls die Bei''' Handlungen abbrechen.

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