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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-06 · Heft 1816 (6.3.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1816 (6.3.1924)
Date
1924-03-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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IanlmmnwKl200 Wie#: Zum Abholen in der Expedition, IL, Tabor atr. 1-3, oder,in einer VamhleiaateHa (Trafikl monatl. K 35.000 Strassenyerkauf n» Wien durWi die Kolporteure der Firma GoldsehmiedM.BeK., WoHeeOe 11. Mit Postveraaud fSr Wien «. Oesterr. monatl. K 95.000 Tseheeh o.-S I owakei: Mon.K18.luf oalawian: Mon. DlnarOO. Po 1 en: Mda. 37t Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, F r a n V r, Belf ien: Men. Free. 12 MT Niekuhläifen Wl bei , PrdtarhSlHnffw ■ «eAalwItcp av T rA MnaMikinUtlH MSIIMI11.W 350.000 Italien: Monat!. 12 Lire, Rumänien Mon. 130Lei, Bnlf arien Mon. 80 Lewa, Schweis und d-s übrige Ausland monatlich Fres. 4 Redaktion n. Administration Wien, II., Taborttrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abd«.19-483.25-282 TeL- Adr.j^Morgenseihws ‘ Wien Oesterreichisches Postspar kassen-Konto Nr. 150.699 Rr.1810 Wie«. Simnemtag, 6.9l3n 1124 0. Jahrgang m Aelchüch der SotschaslerlonfttW. Mt @oRmotenban! unter (GgenMeust -er ^Wiener Msrgenzeit«»^.) . Paris, 5. ÄMrz. Die Botschafterkoxferenz hat heute in Anwesenheit der Marschalls F a ch m mehrstündiger Sitzung de» Text einer für Deutschland bestimmte« Rate betreftmd die WiederartsnahNt« der Mttitärkontrvlle sestgestellt, wobei in der Hauptsache die britischen Vorschlage mit unbedeutenden Abänderungen in den Einzelheiten angenommen wurde«. Die Röte, die heute abends der deutschen Regierung überreicht werden wird, tritt den Beschluß mit, binneu kurzem die Militarkontrylle in Deutschland wieder anf-nnchme», und nimmt siir die interalliierte Militärkommisfien dtS Recht i« Anspruch, mit ihrem gegenwärtige« Personal und mit. Unterstützung der deutsche« Behörden m ganz Deutschland festzustellen, ob während desJahres1S2 3, wo die K o»t r o l l e r« h t e, keine neue» mttitarische» Borbereitnnge« getroffen wurde« und ob gegenwärtig die i Entwaffnung . als eubgutttz durchgrftrhrt augescheu werden könne. Wenn die Nüschd Rrgietunst in Süese Ermittlung einwAigt, Änd wenn deren Ergebnis negatid ist, werden die Alliierten HNstimmen, die mAitärische Kontrolltommisston durch m : > j;? GarantiÄomitre oder em anderes, gleichartiges Organ mit ein«« «enteren Persolralftand gemaß den Vorschlägen zu ersetze«, die die Botschafterkouferenz Deutschland im September 1932 gemacht hat. Vorher wird die deutsche Regierung, die in der Note vom Jahre 1922 angeführte» fünf Forderungen, die sich insbesondere auf die Abä^erung der gesetzlichen Bestimmungen, beresfend die A v s f u h r v o u W a f s e» und dre Militarisierung der Polizei blichen, befriedigend erledige« müsse«. Die Kettung -er Goldnotenbank. - - >P«iS, In ider . Frage der deutschen Fmanskontrolle dürften die Sachverständigen, wie „NÄv-York Herald" erfährt, nach dem Einspruch Dr. Schachts gegen töe Erneimnng einer den alliierten Mächten angchoretlden PersonlWeit Zum Präsidenten der deutschen EntissionZbant folgende Lösung voryeschlagen: / Zum Präsidenten der Enrissicmsbank wird ein Deutscher ernannt. Zugleich aber wird die Stelle eines ausländischen Kontrollors geschaffen, der ein Betvrrchc erhielte, für den.Fall, daß Deutschland wieder mit einer Inflation einsetzte.. Damit höfft man, dem Argnnieuie, -ätz ein amsländdscher Präsident der Goldnote>tb<rnk einen' Eingriff in die deutschen Souveränitätsrechte bedenren würde, Rechnung getragen z» haben. Die Sachverständigen befaßten sich ferner mit der Frage, an Stelle .-er Ruhreinnahmen Frankreich andere, gleichwertige Emnahmsquelleu zu verschaffen. Re ÄnigmssverhandlMsen im ÄMkenttrell M m das kntfcheidMgsstadinM setrete»! . Die.Verhandlungen, die Dieustag in vorgerückter Stunde abzobrochen worden waren, ohne daß di« in Beratung gezogenen Fragen vollständig hatten durchfiprochen tverden können, rvurden gestern nachmittags wieder ausgenommen. Die Vertreter der Bcnrken brachten vor Eintreten in die Verhandlung Beschwerden über einige Fälle von Einlch'üchterungsversuchen nnd von Tätlichkeiten gegenüber arbeitswilligen Bankangestellten vor und verlangten Sicherungen gegen die Wiederholung derartiger Vorfälle. Der Bundeskanzler stellt« fest, daß die Regierung felbstversLändlich ihre Pflicht, Gesetzwidrigkeiten zu verhindern, erfüllen werde, daß er es ober im .Interesse einer endlichen, friedlichen Bereinigung des schon so lange schwebenden Konfliktes für zweckdienlich halte, wenn die Führer Wt Organisation, ohne auf das Einschreiten der Behörden Und der Reichst«« ««Wert sich... Die völkische Pistolensorderuug. Berlin, 6. März. (Tel. du „Wr. MorgeuZeuung".) Jin Reichstag herrschte heute eine Zeitl-mg größt« .^rterkeit, hervorgerufen , durch die Bekanntgabe. der Pistolcrlforderung der ÄeutschvMschen Abgeordneten. M öen volksparteilichen Mgoordneten Dr. Krämer, der die drei deutschpöflischen Abgeordneten Hochverräter genannt hatte. Als die Abgeordneten den Sitzungssaal betraten, lagen auf dem Tisch des Hanfes zwei K-imderpistolen, die von tot Abgeordneten. mit allgemeiner Heiterkeit besichtigt wurden.' . lieber die Herausforderung selbst erklärte der Abgeordnete Krämer unter anderem: Am 1. d., nachmittags, suchte mich in den Räumen des Reichstages -!im. Auftrags der.drei deutfchvölkischen Abgeordneten -ein Herr auf und ersuchte mich, die. Äeußerung „Hochverräter" zurückznnchmen. Ich präzisierte meine Stellung dahin, daß ich für Aeüßerungrn, die ich als, Abgeordneter getan habe, mich außerhalb. des ParlayrMs dev?.Herr für -jeden d'er^ dr^j -vMfchrn^^M^eoMetsn eine For-i derüvg auf Prstolen ' bis zur Kampfunfähigkeit. WMmische Heiterkeit.) Ich lehnte diese Forderung ob, da sich rricht mit- Pistolen, sondern nur mit Beweisen entscheiden lasst, ob die drei Slbgeordneten des Hochverrates schuldig, sind oder nicht. Sk. M«rx tzerla«et A«M««g des «richrtag'es Berlin, 5. März. ReichskanKstr Dr. Marx wird morgen mit dem ReichIpväfkderrten E'bert eine Besprechung haben, die der AnflÄswng des Reichstages gilt. Der Re-ichskünzler wird irr dieser Besprechung vom Reichspräsidenten die Ermächtigung fordern, idem Reichstag auflöstn zu dürfen, falls eine Gmigung mit den Dpflosttions- Parteien nicht ^möglich fein sollte. . Jur Anschluß an diese Besprechung mit denr Reichs- Presidenten findet eine Kabrnettssitztmg statt, in der der endgültige Beschluß gefaßt tverden soll. Es besteht die größte Wahrscheinlichkeit, baß der Reichstag noch im Laufe dieser Woche ausgelöst werden wird und : die Neuwahlen für den konmrenden Reichstag am 26. April stattfinden. 8iq «r«er Aeichrprateß aegrn die Srtzaratifte«> eingnffe. Berlin, 5. März. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung^.) Die Blätter berichten über eine bevorstehende neüe deutsche Note au die französische Regierung im Zusammenhang mit verschiedenen Verstößen, der Desatzungsbehörden gegen das am 16. Februar abgeschlossene Abkommen von Speyer zum Schutze der reichstrouen Bevölkerung der Pfalz gegen separatistische Eingriffe. Hinsichtlich dieses Schutzes sollen sich die Besatzungsbehörden rnehrmals eines Bruches des Abkommens schuldig gemacht haben, weshalb in der neuen Note eine strenge Untersuchung dieser Fälle verlangt wird. zu warten, durch ihren Einfluß Verschärfungen des KonWwZ entgegeuiwirken. Namens der Vertreter der Bankangestellten erklärte Abgeordneter.. A l l i n a, daß er und seine Kollegen, jedes gewalttätige Vorgehen gleichfalls mißbilligen; die Streikenden würden neuerdings angewiesen werden, sich aller solcher Handlungen zu enchalten. Die Vertreter der Banken nahnien diese Erklärung zur Kenntnis. Sic legten sodann einen, zusammen« fassenden Entwurf für die zu treffenden kollektivvertragliche« Abmachungen für das Jahr 1924 vor, der zugleich » « u e D o r f ch l ä g e für eine endgültige Beveinigung der noch strittigen Punkte enchätt. Die Vertreter der Angestellten unterzogen ihrerseits diesen Entwurf einer Beratung und überreichten am'Ende der Besprechungen in später Abend« struwe den Vertretern der Bargen ein« schriftliche G egenäußerung zu jenen Punkten, in welchen Sern Einvernehmen bestcht. Heute un: 11 Uhr vovnnitags werden die Der- Handlungen, die nunmehr in ein entscheidendes Stadium getreten find, im Bmsteskanzlmamt fortgesetzt. Die Sprengung der isirmischeu Anhett. —y. Wie«, 6. März. Bor fast genau eiitent Jahr hat bk Nationalpersanrmbrng in Angora die Türkei als Republik erklärt, . den Sultan Mohammed Wehadeddin abgesetzt und seinem ältesten Sohn Abdul Medschid das Kalifat übertragen. Nunmehr ist ihnr diese Würde wieder abepkannt und gleichzeitig die gesamte Dynastie landesverwiestn Worten. Tie Nationalversammlung nahm am letzten Sonntag die entscheidenden Abstiinmungen vor und die Regierung führte den Willen des Haiisos mit der denkbar größten Beschleunigung aus. Der Beschluß der Nationalversammlung wurde dein Kalifen Abdul Medsclsid am Dienstag um zwei Uhr nachmittags vom Wali sÄvie von einem Vertreter des Außen-: Ministeriums in Angora und von dem Polizeichef von Konstantinopel überbracht, die, begleitet von einer Mtei'lurtg Polizisten, den Palast be§ Kalifen betraten. Der Kalif wurde ein geladen, auf seinem Throne Platz zu nehmen, um die Verlesung des Beschlusses anznhören. Daraus wurde ihm befohlen, sich zuvückzuziehen, Um die nötigen Anordnungen für feine Abreist zu trefsey; .er' habe mit seinem Sohne und stinen Frauen die Stadt' innerhaLr einer Stunde zu verlassen. Nach Verlauf diesex Stunde erschien ein Polizeiaufgebot, das den Kalifen -bis nach. Dschataldscha begleitete, . wo ihn ein Svnderzug erwartest, um ihn nach der griechischen Grchize' zstl börygen. Abdul 'AWM reiste nach der SHEz M> wird wahrscheinlich versuchen, zu seinem Vater zü. gelängen, der mi Exil in Indien lebt. Damit firästt dst sechshundert Jahre lange Verbindung der Tüvkei rüit dem Wüst'Dsman einstweilen ihre Losung. > Ueber die Debatten in der Nativnalve-rsammluug, in lderMi die von Mustapha. Kemal geführte Volkspartei. ihren Willen zu fast einstimmigen Sieg derhalf, liegen noch kerne näheren Berichte vor, so daß mau die Einzelheiten der gegen die Dynastie erhobenen Anklagen nicht kennt. Man geht aber nicht fehl, wenn man "die Schuld an dem Eintritt der Türkei in den Krieg als das treibende Moment ansieht. Der Gegensatz zwischen der Türkei vmi damals, deren Leitung die Sultansfamilie und ihre Kamarilla besorgte, und der von heute, die von Mustapha Kemal aus dem tiefsteu Unglück herausgchoben wurde, spricht zu deutlich, und es mußte einmal dazu kommen, daß . die in der Nachbarschaft der Türkei auf dem Balkan, in Mitteleuropa und in Osteuropa vollzogene Abrechnungsmethode auch vorc einer tiirkischen Partei aufgegriffen wurde. Die neue Verfassung, die die Nationalversalmnluug eben in Beratung halt, lehnt sich an das Acuster der westlichen Demokratien cm, und sie hat, um den Schnitt zwischen gestern und heute möglichst tief zu ziehen und dies dem Volke augenfällig zu maeben, die Dynastie bestraft und zugleich das Kaisertum aufgehvben. Den weiteren, vielfach erwarteten Schritt zrcr AuWbung des Kalifates hat sie nicht getan, obzwar sich auch dafür eine Mehrheit gefunden hatte. Aber dieser Beschluß hätte die Stellung der Türkei in der inoslinrischen Welt auf das Aergste gefährdet und ihre durch die Wafstnsiege über Griechenland gestärkte Autorität tvioder in Frage, gestellt. Die Frage des Kalifats rührt cm sehr enchfuidlrche Jmponderabilia. Der Stolz auf eine große, von Sieg' und militärrsä)em Ätuhm erfüllte Geschichte, der sich an die Vereimgung des Sultanats mit dem Kalifat ürüpft, ist dos einzige Gut, das den Osrnanen nicht genommen werden konnte, seine letzte moralische Kmst, dw ihm kein europäischer Diplomat rauben konnte. Der Kalif ist dir höchste religiöse Persönlichkeit, der Träger der nrohammedanischen Idee, die einstmals so offensiv austrat, das; sie Europa das Zittern beibvachte. Stößtdie Natioualversanuuluug diese Würde um, so greift sie an die letzte Grundlage d« islamischen religivstn Einheit, die im Orieirt und in AfriEa einen sehr realen politischen Wert besitzt. Die Ausweisung der 77 Prinzen, die im JiDis und im Dolma Bagschde vom und um den Sultan lebten, ncag die türkischen Massen kalt lassen, und darum konnte Mustapha Kemal die Hand cm den Thron logen, an die Dynastie, die ihn ivährend der Umsturgzeit zum Tode hätte verteilen lasten. Das Kalifat kann er nicht antasten. Trotzdem aber schafft das jetzt ciitacTracae Vakuum «Wien Konflkktsstoff imd neue Verwirrung. Die iM- 2148

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