Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1815 (5.3.1924)
- Date
- 1924-03-05
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette « — " Men, MMdD " __ AMschrr Kindergarten 12.—15. Bezirk. Im Jüdischen « Klntergarten, 15. Bez., Hcrklotzgassc 21, sinnoch e'nnge Plätze za besetzen. Die Ausdehnung -es Betriebes für -er ganzen Tag mit Einschluß einer Mittagsntahlzcit ist in Vorbereitung. Neu mrsnahmen täglich (Samstag ausgenommen) von 9 bi§ 12 Uhr vormittags. Der Verein der Kostler in Wien benützt die Anwesen» heit seines Landsmannes, des Herrn Adolf P o l l a k, europäischen Vertreters des Hauptbureaus des Jüdischen NationalfonvS, um im Restaurant Kahn, 20. Be;., Hcinzelmanngasse 3, moram Donnerstag um halb 9 Uf>t abends einen Vortragsabend zu veranstalten. Thema: „Reifeeindrücke aus Palästina". Sämtliche Beremsangehörige werden hierzu höflichst e!ngeloden. ZiouMche Bezirkssektion Leopoldstadt HtzNtr Mittwoch de» 5. März 1924, präzise 8 Uhr abends, im Cafe Kaffer Josef, II. Heinestraße 25 Bortrag David Webcnzahl: »Der Völkerbund und wir" Iebeu Mittwoch zwanglose Zusammenkünfte mit Vorträge» Jüdische Tischgesellschaft Landstraße Heute Mittwoch, ‘/99 Uhr abends, fax Cafä Lovrana, III. Löwengaffe 36 Bortrag Dr.Heinrich Sokal: .Var Gesetz über den Manieren Wettbewerb" Vorher Schekelderrechnnng Gäste willkommen! Gäste willkommen! Biihie und Kunst. Sderntheaier. (Smetana-Feier.) A'rch i-ittgec Pause gab man anläßlich der Sinetana- Jahrhundertfeier wieder einmal „Dalibor" in der Staatsover. Wehmütig erinnert sich bec ältere Opernbesucher -er prachtvollen Ausführung zu Mahlers Zeiten, da der heldenhaft« Schmedes und die dämonische Mildenburg ht den Hauptrollen wirkten. Dan! ihres grandiosen Spiels trat 'damals der slawisiertc Wagner-Stil in „Talibor" um so stärker in Erscheinung und die von Lohengrin beeinflußte Gerichlsszene des ersten Aktes mit ihrem Wagnerschen Festgepränge bot zugleich rin erhebendes Bild von Prags großer historischer Vergangenheit. Deo zlveite Teil der Oper, der im Gefängnis spirlt. ist nicht nur im Milieu dein „Fidelio" abgelauscht: Dalibor und Milada, die vor dem Betreten des Kerkers;n der Tonsprache der „großen Leonoren-Ane" Blut und Kraft finden, gebärden sich wie Florestan und Leonore, und der gute Kerkermeister Beursch, zu dessen Gesangsszene — ,/n den düsteren Mauern habe ich nichts, was mir gefällt" — dunkel drohende Basse motivisch mitgehen, erscheint wie ein schwacher Abglanz des Kerkermeisters Rocko. Zwischen Wagner und Beethoven sind im Chor der Krieger des zweiten Aktes und im Duett zwischen Veit und Jutta liebe Weber-Erinnerungen eingebettet. Dieser trotz der deutschesten Vorbilder national kämpfenden Cper, die wohl nur auf heimatlichem Boden in tschechischer Sprache ihre volle Wirkung erzielt, wäre um ihres reichen Melodienschatzes und ihrer schönen, dankbaren Rollen willen auch in der Wiener Staaisoper ein längerer Bestand im Spielplan zu wünschen. — Ter beste Solist des Abends war das von Direktor Schalk geleitete philharmonische Orchester. Als .Kerkermeister bot He:r Mayr eine rührende, poesieumflossen-e Gestalt, mit echt hochdramatischer Wucht und riesenhafter, freilich schriller Höhe stattete Frau W e i d t die Milada aus, warm und eindringlich sang Frau Mihacsek die Jutta, Herr Fischcr - Nie '.n a n n bemühte sich merklich um Kunst ge sang und lebhafteres Spiel, vom künstlerischen Streben zur Ersülluug ist freilich noch ein weiter Weg! Tie Herren M a i k l, I e r g e r und M a d i n wirkten verdienstlich in den kleineren Rollen der tschechischen Nationalopcr, die vom mäßig besuchten Hause mit freundlichem Beifall ausgenommen wurde. flb. Sa» Engagement der Fra« Nemeth. Der Vertrag vor dem Abschluß. In cinenr Blatte war mitgeteilt worden, daß Direktor Schalk die ungarische Opernsängerin Nemeth mit einem. Monatsgehalt von 30 Millionen Kronen engagiert und ihr eine Wohnung in Wien zugesichert habe, nachdem er sie gefragt hätte: „Wo befehlen Sie die Fünszimmerwohuung". Wir erhalten hierin von der StaatLoPer die Mitteilung, daß der Vertrag mit Frau Nemeth, die die stets abwesende und nur Reklamctelegrnmme über ihre Erfolge ans Amerika sendende Frau Jeritza ersetzen soll, noch nicht perfekt ist/daß aber das Engagement sicher sei, jedoch nicht mit einem Monatsgehalt von 30 Millionen Kronen. Tirekror Schalt hat seinem zukünftigen Mitglied tatsächlich ein.-.- Wohnung mit mehreren Zimmern versprochen. Wir gönnen der Frau Nemeth die Fünfzimmerwohnuna, zumal sic uns schon jetzt — sympathischer ist als die Brunner Fleischhanersrochtec Jedlieka-Jeritza, die die Wiener Oper nur als Reklame für sich benützt, währenv ihr Mann, der Baron Popper, seinen Aufenthalt in Amerika dazu verwendet, um Oesterreich dort zn diskreditieren. Hoffentlich wird sich Fran Nemeth länger uns ö'ter in Wien anfhaltrn, zumal ihr ja die Wohnungs'sorg'", "i?;t' 'n V'-dipest so bedrün . a/. ..... muten tverden Wlstirr Myv^ettzeiLusttft.__ Mitteilungen aus dem Publikum. ^fiiiiiiiiiimmmiiHiniHiiiiiMimniminmiiimimmiiiiiiiNiniiiiiiiiniiiiimHiiiifiiiii^ 1 Antiquariat Dr. Schwarz, f. Habsburgergasse 3 'S AUSSTELLUNG 1 einer kunsthistorischen | «UN»»» n o o li ii e n f e von 10 bis 6 Uhr |j VERSTEIGERUNG: | Donnerstag den 6. März und die folgenden Tage Z § Preis des Kataloges K 15.000 3 5iiiiiinnnmminiinnnniinmintHniiiiHniiiinHiimnmniinniiiiiiiiininiiiiaiHiimiiiH Ehrenpension. Der städtische Finanzausschuß hat beschlossen. der Witwe des Dichters Johann Jakob David eine monatliche Ehrenpension von 250.0M K. zu gewähren. Für das Mische Theater. Der Verein Freie Jüdische Volks b ü h u c hielt Sonntag nach mittags in soiivem Theatersaal im Hotel Stephanie «ine außerordentliche Generalversmnmlung ab. deren Zweck die Gründung und Sicherung eines ständigen jüdischen Theaters war. Nach Erstattung des Kassenberichtes führte der Referent, Herr Redakteur M. S i nger, aus: Während Warschau, Krakau und Lemberg ihr ständiges jüdisches Theater haben, welches ein Spiegelbild der Leiden uni» Fremden der jüdischen Bevölkerung bietet, mit ihr fest verwurzelt ist und in kultureller sowie nationalerhaltender Hinsicht einen bedeutenden Faktor dorstellt. fiiljrt die Wiener Jüdische Bühne ein kümmerliches Dasein. Dieses „Vegetieren" hat für die Zukunft kamen Sinn. Entweder es ft't möglich, aus der Enge des gegenwärtigen Betriebes heraus zu einem stabilen jüdischen Theater zu gelangen oder in Wien ist kein Boden für jüdische Theaterbestrebungcn. Indessen könnte gerade hier «irre blühende jüdische 5knnst Wurzeln schlagen und den Zusammenhang des Ostsudeninms erhalten. Die Bestrebungen müssen sich auf die Massen stützen und dürfen nicht von der materiellen Gunst einzelner Gönner abhängig sein. Wien als Stätte klassischer Kunst wird dann auch die jüdischen Schauspieler anspornen und allmählich auch Westjuden zu ständigen Besuchern des jüdischen Theaters machen. Di« Versammlung nahm die Darlegungen des Referenten beifällig ^entgegen. Zum Obmann des Vereins wurde wiederum Herr Singer gewählt, während rin achtgliedriges Finainzkomitve mit den Herren R o s e n b a u m und Sulzmann an der Spitze euren Fonds zur Errichtung eines ständigen jüdischen Theaters sammeln wird. Theater an der Wien. Im Theater an der Wien beginnen in Anbetracht der langen Spieldauer di« Vorstellungen der Emmerich Kalmanschen Operette künftig um dreiviertÄ 7 Uhr abends. „Coneordia",Borsiellimg im Moderne» Theater. Die nächste Novität des Modernen Theaters ist ein Werk des angesehenen Bühnenautors Pierre Frondaie „Ter Gaid", dessen Komödie „Das Weib und der Hampelmann" vor Jahr und Tag mit so außerordentlichem Erfolg in Wien. in Szene gegangen ist. Die llraufführung der Komödie „Der Gaid" ^deutsche Bearbeitung von Robert Blum) findet nächsten Dienstag als Veranstaltung des Journalisten- und Schriftstellervereius „Concortzia" zugunsten der Wohlsabrtscinrichtungen dieses Vereines statt. Für die Darstellung der Titelrolle, des marokkanischen Prinzen Fazil. wurde Jakob Feld Hammer vom Deutschen Volkstheater gewonnen. Dte weibliche Hauptrolle liegt in den Händen von Evelyn Landing. Das Stück wird von Hans B r a h m in Szene gesetzt. Internationales französisches Mirsikfest. Vom 16. bis 17. August findet in Le Havre ein großes internationäles Musikfcst statt. Das Grabdenkmal für Perez, Dinefohn und An—stv. Wie I. T. A. aus Warschau meldet, hat die jüdische Gemeiudeverwalrung den Entwurf für den über den Gräbern der jüdischen Schriftsteller P e r e z. D i n e s o h n und A n—s ky zu errichtenden gemciiy'amen Gedenkstein genehmigt. Der Gedenkstein wird drei hebräische Inschriften tragen und eine Stelle aus Pere;' „Goldene Ketten" in jüdischer Sprache enthalten. Aas de» Theatern. BolkSoper. Heute Mattia B a t t i st i n i als Rene im „M a S k e n b a l l". Freitag Aubers „Die Stumme v c> n P c> r t i c i" mit Frau Weingartner als Gast in der Titelvartie. Direktor Weingartner erscheint an diesem Abend zum erstenmal nach seiner spanischen Tournee am Dirigentenvull. Im R a i m u n d - T b e a t e r spielt Mar Pallen- 6 e.t d heute zum letzten Male, und zwar den Pfandleiher in „Nebeneinade r". Morgen , 2 i l i o m" mit Oskar Sima in der Titelrolle. Wiener Komödien!) an?. Sonntag, V,3 Uhr nachmittags, „Der Pfarrer von K i r ch f e l d". Tie Titelrolle spielt Wilhelm Klitsch. Jüdische B ü h n e. 2. Bez, Praterstraße 12. Heule, V-jS Uhr abends, einmaliges Gastspiel de? Charakterkomikers I. Silbe r. Zur Aufführung gelangt Jakob Gordins Drama „Die I e s o j m e". Die Titelrolle spielt Frau Lea W e i utraub-Graf. Gerichtssaal. Die Fudeniuftiz in Sefterreich. Der Schuster-Senat in Tätigkeit. Der Kaufmann und Gutsbesitzer Wolf Lagst ein, seine Gattin sowie seine z w e i Söhne unb z )u «t Töch t e r, welch letztere Medizinstudentinnen an der Wiener Universität sind, lvurden von dea: 'Poli;cidirektion Wien, und -machber von der lifemeind« Schivarzenau, wo Wolf Lagstein das landtäfliche Gut Schwavzenan erworben hatte, aus Rücksichten der äffe üblichen Ordnung abge sch afft. Die Bezickshanptmannschaft Zwettl bestätigte dos Ubschafftlugsewkenntnis der Gemeinde Schwarzenau. Gegeir die Abschaffungserkenntnisse der Poilizeldireb'wu Wien und der Bezirkshauptmcrtrnschaft Zwettl brachte Wolf Laasleicc die Beschwerde an den Verweltungsgerichtshof ein. Ter Beschmerderwrtreter machte g:lten,d, -daß die Familie Lagst-ein, die nach Polen zuständig ist, ans Oesterreich nicht ansge-wies.'n werden könne, weil nach -dem anr 22. Jänner 1923 abgeschlossenen Handelsübeneinkommen zwischen Oesterreich und Polen Angehörige des einen der vertragschließeniden Teile das Recht haben, sich im Gebiete des anderen Teiles iriederznlassen. Durch dieses H-andetsübereiukoirnrren mit Polen haben polnische St.«ttSangchoriae das nnbestrai'tbare Recht.ruw MfenWlte Mid 8. MLrz 1924 ' '_ Nr. MS zur Nisdcrlassung in Oesterreich erworben. Die Familie Lagstein sei übrigens wicht, -wall sie Polen, sondern weil st« Juden' sind, ausgewicstn worden. Aus den AbschafftmgSerkemvtnifs sei dies natürlich nicht ersichtlich, aber die vorliegenden ltm-» stünde lassen es als unzweifelhaft erschonven. Wolf Lagstei-n habe sich die UuZufriedenheit und die Antipathie deS Bürgermeisters von Schwarzenau zugezogen, dieser habe den Abgeordneten Schönbaner mobilisiert, welcher die Abschaffung durchsetzte. CS bestehe aber in bezug aus Konfessicm, Nation und Rasse kein Unterschied. Wcider weil sie Polen, nochweil st« Juden sind, dürften die Beschwerdeführer aus gewiesen werden. Die Familie habe sich nicht das geringste zu schiüden kommen lasten. In Schwarzenau, wo sie das landwirtschaftliche Gut zur Blüte gebracht, di« Armen mit Geld. Holz usw. reichlich unterstützt haben, seren sie sehr beliebt, was durch Einvernahme von Bewohnern von Schwarzenau hätte festgestellt werden können. Wolf Lagstein habe 21 ©tif!tonen Kriegsanleihe und 16 Mil- T-Loiten Vermögensabgabe in Wien geleistet. Ganz unbegreiflich sei es, daß auch der älteste Sohn Woilf Lagsteins, der pvotokodierter Kauftnann in Wien sei und niemals in Schwarzenau wohnte, von der Gemeinde Schwarzenau, die gar nicht dazu kom'petent sei, aus Oesterreich abgrschafft wurde. Der Verlvaltungsgerichtsho-f (Vorsitzender PvLsidenit Dr. Schuster) wie8 die Beschwerde, mit Ausnahme Max Lagstems als unbegründet ab, loeft das Handelsübcweinkommen mit Polen die Ausweisung polnischer Staats-airgehöriger aus Oesterreich, aus Rücksichten der öffentlichen Ruhe und Ordnung, -deren Prüfung dem freien Ermesten der Behörden unterliege, nicht hindern könne. Bezüglich des Sohnes Max mutzte die Entscheid ung wegen mangelhaften. Verfahrens aufgehoben werden. Eine Klage der Richtervereinfaung gegen die Regierung beim Berfassungsgerichtshose. Die Richtervcreinigung hat schon seit längerer Jeit bei der Regierung die Forderung auf Valorisierung der für die Richter emgeführten Instanzen« Zulage erhoben, da diese Zulage m ihrem bisherigen Ausmaße ganz wertlos^ ist und nur dann den Charakter einer „Zulage" hat, wenn sie mit der Geldentwertung gleichen Schritt hält. In einer Sitzung des Haichtaussckusses der Richtervereinigung teilte Vizepräsident Hofrat Dr. Peutlschmid mit, daß die Regierung das Begehren auf Valorisierung der Jnstanzenzulags endgültig abgelehnt habe. Die Richter- Vereinigung wird daher zur Durchsetzung dieses berechtigten Anspruches die Klage gegen die Regierung bei« Verfassungsgerichtshofe überreichen. versuchte Einflußnahme einer ausländischen Staatsbehörde aus die österreichische Rechtsprechung. Der Rechtsanwalt Dr. C i b u s ch i tz hat an den Vorsitzenden des Justiz« auLschusses dc§ NationalratcZ, Dr. Erwin Waiß, eine Zuschrift gerichtet, worin mitgeteilt wurde, daß bei zwei Klagen vor dem Einigungsamte für Streitigkeiten aus Lteferungsver« trägen, wo ein Franzose einerseits' Beklagter, andererseits Kläger war, der Vorsitzende Senatspräsident Dr. Reumann bemerkte, daß in dieser Angelegenheit auch eine Intervention der französischen Behörden erfolgt sei. Da die Souveränität des Landes zumindest in der Richtung einer unbeeinflußten Rechtsprechung zutage treten müsse, die Aeußerung des Vorsitzenden dagegen erkennen laste, daß von den Behörden fremder Staaten der Versuch gemacht wird, auf die österreichische Rechtssprechung zugunsten der aüsländrschen Staatsangchörigen einen Einfluß zu nehmen, sei es wichtig, fcstzustellen, durch welche Kanäle die Wünsche der ausländischen Behörden den österreichischen Richtern zur Kenntnis gebracht werden. Es wird daher gebeten, daß der I n st i z r u 8 s ch u ß des 9'cationalrates die zum Schutze der Unabhängigkeit der österreichischen Rechtsprechung erforderlichen Maßnahmen treffe. Wir werden sehen, ob der gewesene Unter st aatssekretär Waiß es wagen wird, in diese Sache hineinzuleuchten. CzeminS Freund. Der „Chefredakteur" des noch bis vor kurzenr erschienenen antisemitischen Gesudels „Der Verkehrs« ring", Hans Payer — bekanntlich hat d»r Abgeordnete Czernin die Unternchmungen des Antisemiten Payer unterstützt —, wurde gestern wegen Amtsehrenbeleidigung zu einer Million Kronen oder drei Tagen Arrests verurteilt, tveil er eine Kassierin der Südbabn beschimpft halte und ihr zugerusen hatte: „Dieses Mensch gehört nicht in die Kasse. Die werden wir Redakteure noch biegen!" Zur VerhaMung schickte Payer eine Frau, die mittellte, daß er dringend verreist sei, weshalb er nicht erscheinen könne. „Machtmit dem Haus, was Ihr wollt, mich geht das HauS nichts «m." Der Z'iWrrenfpitzenfakriLant Gustav B. ha: >i-m Hanfe. 10. Be,;., Fernkorrrgasfe 26, feilten Betrieb. Gr ist Besitzer dieses Hauses, in welchem er auch wohnt; er besitzt noch andere Häutser, aber spestTl wegen dieses Hcnrses hatte er sich gestern «vor dem Bezirksgevicht Favoriten verantworten sollen; er erschien nicht, weil er, wie die Zeugen angaben, keiner au ihn gerichteten gerichtlichen Äaditng Folge Mistet. Die Anlklage legt dem Hausbesitzer siwc Last, daß in >dem geitann« tett Hause — bis vor kurzer Zeit — geradezu -unerhörte Z u st ä nd e thervschten. Das Hans Imrd von 29 Parteien de« wohnt. Die längstz: Zeit gab es dort keinen Hausbesorger, der alte ist gestorben und die Witwe hatte keine Zeit, sich um das I Haus zu flimmern. Das .Haus werde in diesem Interregnum, das Monate dauerte, nicht gesperrt, nicht geöffnet, es wurde kein Licht angezimdei, niemals ge. säubert usw. Ni-emand fümmnle sich um das Haus, der Hausbesitzer am allerwenigsten. Die Parteien nrachten dem Hausbesitzer .zahlilos-e Vorstellungen, worauf er zur Antwort -gab: „Dös Haus geht mi nir an, machts damit, was wollts; cs tragt ja eh' nix. dös Haus inte r e s s -i c r t mi aber scho gor net." — Die als Zeugen itiinvern-omrntenen Vertranensmä-nner bezsichne'tcn das Haus als einen Saustatl. da es monatelang -nicht gereinigt, momuelang nicht beleu-cht-et war. Endlich halbe sich eine Partei entschlossen, den Hansmeisterposten zu überneihmen. Diese Partei Wohute aber nicht in der Haus>n>:>isterwohrruiw, sondern im 2. S t o ck, im Hintertrakt. Ms eine „Deputation", unter ihnen auch die Vertrauensmänner, sich zum Hausherren in die Fabrik begab, um ihn zur Ordunngntechun-g int Hause a-ufzuso-rdcrn, -iraftu sie ihn unter den Arbciteri-im'eu, deren er eine größere Anzahl beschäftigt, ruhig mit -ihnen die Arbeit -besprechend. Als er sie erblickte, geriet er in Wut, ergriff einen Holzprügeb ging auf sie los und vertrieb sie -mit der Holzwaffe Dabei schrie er immer wieder: „Mach-ts mit 'bem Haus, was wollts, gibts mir Ruh' nsw." — Seit der Anzeige fei es etwas — .nickit viel — besser geworden, denn eine Hausbesorgerin im Hintertrakt und tm 2. St-ock sei eben auch nicht das richtige. — Der Richter verurteilte den sonderbaren Hausbesitzer zu einer ($Äst-vase von 500.000 Kronen. Es ist schr svagl-ich, ob diese Geldstrafe'Pen Hans-herrn veranlassen w>rd, sich n-m sein Hans zu , «Immittiiu*- D-B