Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1815 (5.3.1924)
- Date
- 1924-03-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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kkr. lMk»_Wien, Mittwoch_ Wiener MorAeUzelkiMg. Sie Prozebkomiidie in Mnchen. 5, März im_Wb» Inland. Ausschluß btt Seffentllchkett und bet Relchswehtbehötbe. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Hierauf wird Reg-ievungsvat Daltz vernomnren, der der Ansicht ist, daß Frick kerne Freude Wer di.e AnttsWer- ' Mütchen, 4. Mürz. Heute vomnttags wurde die BerhatMmpg mit dem Naimensaivfruf von zehn Offiziere« auS der 'Jnsanteri'eschuile, mit Gene ml Tiechwitz mid Oberst Lenpold an der Spitze, die als Zeugen einvernvmmen -werden sollen, eröffnet. Rechtsanwalt Roder verlieft eine EEmng der Verteidigung, die sich ans die Bovirifiussung von Zeügen dszieht. Sie behauptet, daß ZengWdeeintftufsmrg durch GmhäNdignug von Berichte« Lossows und Seifsers und einer Wugfchvift ,Meiß-Mmr" erfolgt fet, a«S denen die 'Zeugen dann ditteS wSMch Vst ihre» Aussagen angeführt hatten. So hätten Zvuyon nach diesem Dokument Worte Hitlersaus einer Rede gefunden, die «r me gesprochen habe. Die Herren der Gegenseite" hatte» aber darüber hinaus, entgegen dem Gesetz, ihre Aussagen gemeinsam gemacht, und Zwar erst am Schluffe der Zeugenvernchmung in der Unterfuchung, nachdem sie die Berichte der Untersuchung gelesen und sich untereinander verabredet Hatten. Der Bericht Lossows sei in 600 Exemplaren verbreitet und an alle militärischen Zeuge« versendet worden. Die Devteidgung fordert, daß der sehr mnfangveiche Bericht Losiows verlesen werde,, aus dem man Stellen wörtlich i« die Anklageschrift Lbevnommen habe, die nachweisbare Fälschungen enthalten. Der Vorsitzende will den Bericht erst spater verlesen lassen, da er für honte nur Zeugen Wer die Vorgänge in der Jnfcmterieschrrle geladen halbe. Die Staatsanwaltschaft stellt in Abrede, den Bericht Losiows gelesen und der Anklage und Zeugenvernehmung zugrunde gelegt zn halbe«, llach weiteren AusWhVrngeu der Verteidigung zieht sich das Gericht mit dem Bericht Losiows zurück, um Wer die Verlesung zu beraten. Während dieser Vemtungspause zehen die Angeklagten Poehner und Hitler im allgemeinen Hauptkoroidor zwischen dem Publikum und den hauptzeugen spazieren. Nach der Beratung verkündet der SerichtShof den Beschluß, daß die Schrift Losiows erst jpater verlesen werden soll. Der Staatsanwalt beantragt für die Vernehnung der ersten Zeugen, der Offtzieve der Jnftmtevieschule, Ausschluß der Oeffenlttchkeit, Die Verteidigung widerspricht und fordert^ daß bei Anschluß der OeffeMichkeit die beauftragten Zuhörer des lLchrkveislklMMnandoö und des ReichswchirminiisteviMNs, Äso die Vorgesetzten Behörden^ während der geheimen mMtarischen Vernehmungen gleichfalls de« Saal verlassen sollen, damit die Zeuge» «nbeiangen aussagsn können. Die beauftragten Vertreter der genannten Militärbehörden widersprechen und erbitten die Zulassung, da es sich um wichtige Angelegenheiten der lleichswchvbchorden handle. DaS Gericht zieht sich abermals zur BeschluMsiung zurück und verkündet nach fünf Minute», daß für den ganzen heutigen Vormittag für di« Bemehmuny der Zeugen aus der Infam- /erieschule die Oeffentlichkeit ausgeschlossen fei. Zugelasien ind die Vertreter der Behörden, jedoch wurden, dem Antrag d^x Verteidigung entsprechend, die beiden Reichswehr- Vertreter, Hauptmann Speck und Major Vaudeville, »us dom Zuhörerraum ausgeschlossen. Zu Beginn der Nachmittagssitzung gab Justiz rat Schramm eine ErNarung ab, in der er aus nne Angabe des Hauptmanues R o e h m zu sprechen kam, vonach der Leutnant Casella auf dem Sterbebett zesagt habe, daß Oberleutnant Braun auf ihn geschossen hrbe. Zeuge B e r ch e m habe Rvehm, solange dieser seine Behauptung nicht zurücknehme, als den niederträch. Ugsten Verleumder bezeichnet. Als erster Zeuge wurde Oberregiernngsrat Tenne r, der Stellvertreter des Münchener Polizeipräsidenten, ansgerufen, der unter anderem erklärte, daß Frick durchaus nach rechts eingestellt zciwesen sei und mit den snhvenden Persönlichkeiten der dentschvölkischen Bewegung Beziehung aufvechterhalten habe. Er habe niemals den Eindruck gehabt, daß sich Fvick einer Bewegung anschließen Würde, die aus einen gewältsamen Sturz der Verfassung hinarbeite. Aus die Frage dos Vorsitzenden, ob Frick verpflichtet gewesen wäre, ihn gu verständigen, erwiderte der Zeuge, da der Polizeipräsident selbst nicht anwesend wa!r, wäre er als deffen Stellvertreter unbedingt zu 'benachrichtigen gewesen. Als weiterer Zeuge wird hierauf Regievungsrat Bern reut her von der Polizeidirektion vernommen. Ob Frick von den Vorgängen Kenntnis hatte, könne er nicht ohne 'weiteres sagen. Aus die Frage des Jufttzvaies Kohl, ob die Staatsanwaltschaft bei der Polizeidivektion den Aufenthalt Erhardts hätte erfahren Wunen, antwortete der Zeuge verneinend. Er wisse, daß Schreiben aus der Zeit von Mitte Dezember existierten, die mit nmsturzähnlichen Dingen zusammenhängen. tragung als Leiter des Polizeipräsidiums ausgedruckt habe. Auf Befragen der Verteidigung äußerte sich der Zeuge zusammensasiend dahin, er halte es für verdienstvoll, daß Obeva-mknann Frick nicht den stellvertretenden Polizeipräsidenten zuerst verständigt habe, sondern den diensthabenden Politzeiofftzier im Polizeipräsidium, denn o.n umrechtes Einsetzen der Landes Polizei im Bürgerbmukeller hätte ein Blutbad zur Folge haben können. Hitler wiederholt hier feine Erklärung, daß er bis zur endgültigen Abvechmmg mit den MovemberverHvechMn" die Leitung des politischen Kampfes übernehmen wollte; wenn er Reichskanzler hätte wachen wollen, so hätte er diesen Titel auch vorgeschlagen. Hierauf macht KriminaUonMnsiar Kiefer Aussagen. Der Zeuge stMe am 8. November, abends, im Bürgerbräukeller mit 80 Schutzleuten die Ordnung aufvechterhalten. Zeuge PoliMvachtmeister Bücks hatte in der Versammlung den Ruf gehört, daß die Politzer in fester Hand fei. Auf seine Frage, wer diese feste Hand fei, wurde ihm erklärt, daß Oberamtmamn Frick Poltzeipväsident werde. Der nächste Zeuge Major a. D. H ubr r, Bahvsuch, äußerte sich über die Besprechung der militärischen Leiter der NationalsoziMston am 23. Oktober. Ans Antrag der Staatsanwaltschaft wurde eine Bevnehwung auf den Schluß der Sitzung verschoben. Der Hauptmann Joses Gvkring, der ebenso wie Hoffman« ««vereidigt vernommen wurde, will die Bemerkung, daß man der neue» Regierung huldige« wolle, nicht vernommen haben. Das Gericht beschloß' hierauf, auf die Dauer der DerwchMMg des Majors Huber die Oeff««tlichkeit auszuschließen. Die weiteren Zeugenvernehmungen finden erst am Donnerstag vormittags statt. Di« Vernehmung der drei Hauptzeugen v. Kahr, Lossow Md Seisser wird erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Ettvas spät. München, 4. März. Heute nachmittags wurde hier der Hermlsgeber der früheren Einwohnerwchrzeitung ,Heimatland", Hauptmann a. D. Mchelin Weiß, gegen den schon vor langer Zeit ein Haftbefehl wegen Beihilfe zum Hochverrat evlasien worden war, verhaftet. Weiß sollte bekanntlich nach dem Hitler-Putsch die Präsidentschaft der neu ernannten Regierung übernehmen. Da» Leben als Kernstück. Die völkischen Ziele. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeittmg") Berlin, 4. Marz. Die deutschnaüonale Bolkspartei hat jetzt chve völkischen Ziele genau festyeleyt. Sie stellen eine Arbeit des doutschvölkischm ParteiauSschusies dar und sind von der PartsLeitung ausdrücklich genehmigt. Die Ziele werde« i« ihrem Hauptpunkten folgendermaßen umschvieben: Zur Freiheit einer kraftvollen Nation gelangt das deutsche Volk nur auf dem Wege der Blut- und Rasiengemeinschaft; die Stärkung Md Psiege wahrhaften Deutschtuurs auf der Gmmdlage nordisch-germanischer Eigenart unter Ausscheidung alle« FremdMttgo», bssiMnS Müschen. Im Leben deS deutsche» Volkes ist ei« Kernstück dentscher nationaler Politik. Der deutsch« Staat, der künftig dem geftmtten deutschen BolkSkörper umfaßt, hat zur Aufgabe, das deutsche Volk unter starker Betonung seiner deutsche« Eigenart Md Rasie leiblich und gelsttz höher zu entwickeln. Die Ordnung im völkischen Staate darf nicht auf mechanischer Nachahmung wesensfremder Einrichtungen beruhen, sondern nur auf organischer Entwicklung nach deutscher Geschichte und Art. Mehr Schutz nach außen, Rechtsschutz, nach innen stützen die neue Ordnung des deutschen Staates. Die Vorbedingung der Wehrhaftigkeit ist die allgemeine Wehrpflicht. Die Tätigkeit der Staatshoheit nach außen wie nach iMen kann nur ein Erbkaisertum sicherstellen. Der vAkische Gedanke führt ferner notwendig dazu, das deutsche Volk unter Anlehnung an die Bismarcks che Rei chsversassung in Bundesstaaten zu gliedern, die aus geschichtlicher Entwicklung beruhen. Die Wirtschaft ist nicht Selbstzweck, sondern Mittel zur Erhaltung und Eutwicklmrg des Volkes. Soziale Gerechtigkeit sichert den Wirtschaftsfriedsn. Die deutsche Kultur ist mit dem Geiste germanische» Volkstums zu durchdringen. Sitte, Wissenschaft, Kunst, Dtteratttr, Presse werden von allem Fremden gevevmgt. Chrrstlichreligiöse Weltanschauung ift eine Grundlage völkischen Geistes. „Wetlzeng bet Botsehmig.' Rom, 3. März. Der Papst hat heute «achmittags den Kardinal-Erzbischof Dr. P i f s l « einer über eine halbe Stunde dauernden AMenz eulpsangerc. Der Papst gab ettseircer Freude darüber Ausdruck, daß sich die Verhältmsie in Wien nmd i« Oesterreich dank der unermüdlichen Tätigkeit des Bundeskanzlers, dessen Persönlichkeit er als Werkzeug der Vorsehung betrachte, stottg bessern. Ae jftranaieKeu Bethandlmigeu mit nugmm. Das Ungarische Telegraphen-KorvespondenzEurea« meldett Die zwischen Oeslerveich und Ungarn schwebenden fmanziellen Verhandlungen wurden seinerzeit RS zur ersten Hälft' des Monats Marz verschobm, damit in gewisse« Fragen beide Regierungen separat ihre Stellu«g»ahme präzisieren können. Da diese Fragen nun von beiden Regierungen bereinigt worden find, begibt sich der Leiter der ungarischen Delegation, Baron Josef Szterenyi, mtt den Vertretern der rntevesiierten Resiorts vorauAsichllich nächste Woche nach Wien, um dort die BerhaMungen neuerdings wieder MvtzMehmen. Nmbestat. Die nächste (70.) Sitzung des BMdesrates findet Frei« tag um 2 Uhr nachmittags statt. Tagesovdmmg: Wahl vom 11 Mitgliedern in den Ausschuß für äußere Angelegenheiten; Pechmalsteuernvvelle vom Jahve 1924; Uu^tzstMwvnovelle vom Jahve 1924; Novelle zum Gesetze betreffend die Aufhebung des Zahlenlottos und die Einführwrg dM^KLasienlottMe. Tagesbericht. 8t. Attut Hantte — 80 Iahte alt. Heute, am 5. März, begcht Dr. Avbur Hantle, einö -er bekanntesten Persönlichkeiten in der zionistischen Weltorganisation, seinen 50. Geburtstag. Ms junger Recht >m Berlin schloß sich Dr. Hantte als einer der ersten deutschen Juden der zionistische« Bewegung an und wurde im Jahre 1801 zmn ersten Male als Dslegievter zum Kongreß enibsendet. Dieser wählte chn im Jahre 1905 ins große Aktionskomitee. DamÄs itbernahm Dr. Hantke die Le>itnng deS Berttner Zmtrakbnveaus der zionistischen Bereinigung für Deutschland, deren Vorsitzender er von 1910 bis I960 war. Im Jahre 1911 wurde «r Mitglied des engeren Mtionskomitses, das ihn mit der Führung der Orgcmisationsage-nden betraute. Seiner organisatorischen Begabung ist die straffe Zusammensaffuny de« deu-tschöu Zionistenschaft zu danken und bis zmn Ansbruch des WMrieges hat Dr. Hantke auch m der zionsitischvn Exekutive gute organiftl-tovische Arbeit geleistet. Anfang 1980 ging Dr. Hantte »ach mancherlei Schwierigkeiten — als ldvutschem Reichsangchörigen war ihm die Einreise noch England nur schwer bewilligt worden — nach London und wirkte dort längere Zeit als Leiter-des Organisationsdepaetements der Exekutive. Zu Beginn des Jahres 1981 kehrte et wieder wach Berlin zmück, wo er die Leitung der MdraleMopäischen Abteilung des Keren Hajessod und dann die des Beriviner Bureaus >der Ziomsttscheu Organisation übernahm. Dr. Hantte hat es Verstanden, überall, wo er wirkt«, sich durch seinen Ernst, ferne Arbeitsenergie und seinen zähe« organisatorischen Willen Freunde zu verschaffen. Sein Name ist -in der zionifl^chen Partei populär und geachtet, feine Arbeit geschätzt. Möge er sie in feiner unermüdlichen energifche« W noch lange zum Wohle der Bewegung sortsetzen! SechMemestriner Stiftungsfest bet Unftas. Die Mrsch-alademische VeMndrtng Anitas beging in den letzten Tagen ihr sechzigsemestriges Stiftungsfest mit einer Reihe von Festlichkeiten, die mit einem Gange zum Grabe Dchodor HerzlS edvgüertet wurden. Namens der Verbindung gelobte Herr Dr. Otto Hahn am Grabe deS verstorbmen Führers, dem Zionismus stets treu zu bleiben und erneuerte für die Verbindung den Schwur des Feschaltens an den Ideen der Mischen Rmdaiffancsbewegung. Am 29. Februar versammelten sich nach einem vochergegangenen Festkonvent mchvere hundert auswärtige und Wiener Gäste im Hotel Metropole zum Festkommers, der ein prächtiges «nd farbenfrohes Bild bot. Den offiziellen Teil drS Kommerses eroffnete der Präses der Anitas cand. rer com. Hans Kolb an mit einer Begrüßungsrede an die erschienenen Gäste und Korporationen und der VerWmg der emgelcrufenen Glückwünsche. Stümnische Begeistentng erweckte ein langes Begrüßungsschreiben Wladimir I a b o t i n s k y §, das die farbentragende zionistische Studentenschaft als Erueuerin und Wahreren des jüdischen Stolzes feierte und mit den Worten schloß: M»at, crescat, floreat! Ich möchte euch besonders Zurufen Crescat, denn eure Aufgabe, Freunde, ist es, dafür zu sorgen, daß die gesamte Judenheit eine schlagende Verbindung werde!" Herr Dr. Wolfgang W e i § I, der die Tendenzvede hielt, die er in hebräischer Sprache begann, zeichnete die Mele, die NCovercoatSSKi WIIN.I.AOlIRbAS«'' *