Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1815 (5.3.1924)
- Date
- 1924-03-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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I H «I«'Wl ,. ■ mwm MsWMrckch?^' ' ~ «MkqM»^— ie Zynastis Ssman abgesetzt und ausgeviesen Me Gitter der Herrscherfamilie konfisziert. — Heftige Angriffe in der Angoraversammlung. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeittmg".) ^eit—.wmm jnt*xit auch ihre staatSbüMrlichen Kenntnisse mid ihr«, MM ja, militärischen Fähigkeiten kelv-mckern konnte. Die Revoüttion voll. 1918 war Hochverrat, also ist ihr Putsch kein Hochverrat. Daß nach 1918 der Reichstag gewählt wurde und m dem Verfasfungsbeschluß die Nevolntion legalisierte, bleibt diesen geistigen Führern ein unverständliches Geheimnis. Und wie hatterr sie ihr Unternehmen gesichert. Order, Desorder, Konterorder. Es ging so zu wie im Krieg. Als die Kronräte in Potsdam und in Wien die Mobilmachung beschlossen, Nni ssten sie nichts über die Haltung Italiens und Rumäniens. Als die Kahr und Lossow urck Ludendorfs und Pöhner den Putsch mzganifferten (Hitler, der ja nnr zmn Volk gehört, nur Unteroffizier war, burftc mrr zuhören), da wußten sic nichts über die Reichswehr und die Münchner Polizei, Sir chatten mrr die Reichskriegsflagge, die Zeitfreiwilligen «nd die Kadetten. Die Hauptmacht war mit Ehrhardt Koburg gezogen, wo sie Bauern schindele und jü- Villen auswudte. Es war ja eine schöne Zeit, aber kein schöner Plan. In München zogen sie daun durch die Straßen, bis sic die Sperrkette der Schupo und Reichswehr aufhielt. „Wir wollten sehen, ob sic schießen werden", sagte der gescheite Hitler. Sie schosicn. Und die -Helden lagen platt auf dem Bauch. Als man sie für tot aufhob, meldeten sie sich und gingen. Und lveinten, weil Deutsche auf Deutsche geschossen hatten. So. diel Gemüt hätte keiner bei ihnen vermutet. DaS alles kommt vor dem Gericht zur Sprache. DaS Gericht ist entsetzt und wagt nicht, nach weiteren Einzelheiten zu fragen. Es schließt die Oeffentlichkeit auS, fo oft die Angeklagten gemäß der Verabredung dies wünschen. Damit man nicht erfährt, das die Waffen dieses Unternehmens und das Geld aus Frankreich kam. ES ist Karneval und da beliebt man in München den Mummenschanz von der strengen Justiz zu spielen. Me New<Bork« Konferenz Wer die gewifh Agenctz. Heber die am 17. Februar in New - Aori stattgefundene Konferenz von 150 bedeutenden jüdischen Persönlichkeiten tbnttÄaS, welche die Beteiligung an der Jewifh Agency und die Errichtung einer Investitionsbank in Palästina zmn Gegenstand ihrer Beratungen hatte (über den Verlauf der Konferenz haben wir unseren Lesern bereits ausführlich berichtet), will der Jerusalemer „Doar Hajom" erfahren haben, daß sie davcnlf abzielte, eine Einigung zwischen den Anhänger« Weizmanns und Brande iS' und auch den außerhalb der Zionistischen Organisation stehenden jüdischen Persönlichkeiten zu schaffen. Diese Bemühungen, fitt die sich hauptsächlich Louis M a r s h a l l emsetzte, seien von Erfolg fogfetaM gewesen. In seiner Rede bei der Konferenz habe Wvizmcmn darauf hingewiesen, daß die Differenzen zwischen den verschiedenen zionistischen Gruppen in Amerika seiner Meinung nach nicht so groß seien, daß sich nicht eine Einigung und gemeinsame Arbeit erzielen lasse. Großen Eindruck machte das Schreiben von Louis BrandeiS, welches van feinem auf der Konferenz anwesenden vertrauten Mitarbeiter Jakob de Haas vorgelesen wurde. Branders sprach ttt diesem Schreiben fein Bedauern auS, daß er infolge dringender Arbeiten in Washington an der Konferenz nicht teilnehmen könne und erklärte, er wünsche der Konferenz vollen Erfolg; er und seine Freunde sei«« bereit, mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu der Verwirklichung des großen Gedankens der Bildung einer Jetvish Agency als Vertretung aller Juden beizutragen. In diesem Augenblick, da über die Bildung der Jewish Agency beraten werde, müßten alle Meinungsverschiedenheiten verschwinden. Auch der Präsident des Joint, Felix Werburg, der KeLarmtlich jetzt auf einer Orientreise begriffen ist, die ihn auch «ach Palästina zum Zwecke des Studiums der dortigen Verhältnisse führen soll, hat an Marshall einen Brief gerichtet, in welchem er seine Bereitschaft zur Mitarbeit erklärt. Me britischen Luftstrettkrfifte im «rohen Ssten. London, 3. März. (I. T. A.) Die „Daily Expreß" veröffentlichte am 25. Februar einen Leitartikel 'unter dein Titel „Britische Schutzlosigkeit gegen Luftangriffe", ■rit welchem festgestellt wird, daß in Mesopotamien acht Luftzeuggcschwader, in Palästina eirmndeindrittel, in Aegypten dreiundeindrittsl, in Indien sieibenundeindrittel, insgesamt zwanzig Geschwader außerhalb des Mutterlandes stationiert sind. Es blieben also für die inländische Verteidigung/für -beit Fall eines Luftangriffes rmr siebenundeindrutel Geschwader übrig. Die Zeitung bemerkt: „Diese Zahlen beweisen, daß die britische Regierung es weit wichtiger findet, nicht sterrerzahlende Araber mit Bomben zu bewerfen oder eine kleine Minorität von Juden gegen eine Majorität von Arabern zu schützen, als London vor Zerstörung zu bewahren. Die sozialistische Negierung scheint ebenso zu denken. Die erste PMcht jeder britischen Regierung, isti sofort die meununderndrittel britischer Luststreitkräfte, die in Mesopotamien und Palästina stationiert sind, Anrückzurichen." Im Untechaus richtete Dr. S p e r e eine 7Frag^ au den Untierstaatssekretär für Luftstreitkräfte, wieviel Personen der Luftflotte ausschließlich in Palästina angestellt feien in cd ob di« Kosten für dieses- Personal außerhalb des LnsfflottenetdtS-gÄeckt werde ü. ' Mr> La ach antwortete darauf, die letzte Ziffer-des Personals der, königlichen Luftflotte in Palästina habe 646 betragen. Der zweite Teil der Anfrage ist zu verneinen.. Konstmitmopel, 4. März. Den entscheidendem Beschlüssen der in Arrgora tagenden NatioualversanrMtwz in bezug ans die Staatssorm ging eine außerordentlich heftige Debatte voran, in dc'r die R'ationalPartei Mustafa K-'-ntals durch -ihre Initial ivr alle Hjcgenströnmngein niederschlrvg. Die Abgeordneten SchükriBei (Smyrna) und Bassif Bei (Sanihau), der Staatsanwalt des Una-dhängigkeitsgerichtes von Konstantinopel, gingen zum ersten Angriff vor. Die engeren parlamenlarischM und außerparlamentarischen Anhänger Mustafa Kemals sowie die ihm evg-e'bene Presse, insbesondere der „Jen: Gun" -des Abgeordneten?1 n-nusNadi in Angora und der ,>Jlleri" des Abgeordneten DschelalNuriBeittr Konstantinopel follsien nach und erschütterten im ersten Anlauf den ursprünglich beabsichtigten Widerstand der konservaiive« Mitglieder der NationalversammLttttg, msbesondeve der m o h a m m e d a n i s ch e n Geistlichen, die unter dem Spitznanwn „Sarikli" (Turbantragende), eine besondere Mionsgrrrppe Hilden. Anlaß zum Beginn deS Angriffes LWetr die pattümentarifche Disknffian der im Budget für das Jahr 1340 vorgesehenen Betrüge zur Deckung der Zivilliste und der für die Mitglieder der oKmanischsn Dynastie ansgüsetzten Llpanagen. Nach stürmischer, -bewegter Debatte, in der sichdSe Angriff e gegen das Kalifenhaus und die Dynastie in bisher nie Vovgr komme ner Heftigkeit und Rücksichtslosigkeit häuften, gelangte -man zur prinzipiellen Anaiahine nachfolgender Punkte: 1. Die Dynastie Osman -wird ihrer Kalifemechte für verlustig erklärt. S. Der Kalis und die MttgjKeder de» Dynastie werden des Landes verwiesen. 8. Das Scherimatmi-nisterium (Minffterium für religiöse Angelegenheiten) vb-nfs wie das Evkafministermm (Mmifterium für fromme S t i f tu n g e n) werden in Befolgung der Prinzipien der Trennung von Staat und Religion! aufgehoben. Der sehr bedeutende Besitz an Grundstücken und Immobilien des Evkafministeriums wird zwischen den: Unterrichtsministerium und dem siir öffentliche Arbeiten crusgeteilt. Der sranMsch-tschecho-slowMche Vertrag. Austausch der Ratisikationsurkunden. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 4. März. Heute fand im französischen Außenministerium der Austausch der Natifikatronsurkunden sowie des Textes des Vertrages zwischen Frankreich und der Tschecho-Slowakei statt. Di-e tschecho-slowakffche Republik vertrat der Pariser Gesandte Dr. O s u s k i. Framzösischerseits rmterzeichnete die Vertragsurkuude Ministerpräsident P o i n c a r e. Annahme des Nhgrrnzunsrdertrag« mit Rumänien durch die ökupfchtina. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Belgrad, 4. März. In der herltigen Nachurittagssitzuidg der Skupschtina tvurde der Abgrenzungs-Vertrag mit Rumänien verhandelt. Nach dem Ausschußbericht ergriff Außenminister Dr. N i n c t c das Wort. Drei große Vorteile, sagte der Außenminister, ergebet: sich aus dem Vertrage: Die Stärkung des nationalen Elementes, die Stärkung des wirtschaftlichen Lebens der Grenzgebiete und die d c f i n i t i b t F e stsetzung der Grenzen im Banat gegen Rumänien. Somit fei sine Abgrenzung gegen Bulgarien, Rumänien, Il-ngarn rmd Oesterreich dnrchgeführt. Es bleibt nur eine 100 K ilometer lange Strecke gegenüber Italien m Slovenien und eine Strecke gegen Albanien noch mrabgegrenzt. Rach längerer Debatte nahm die Skupschtina den Vertrag mit ,108 gegen 71 Stimmen au. An der Abstimmung nahnreir die Klerilalen und Deutschen nicht teil. fgjWcsrtientißn zwischen Holen und Rußland. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 4. Mär:. Der Minisierrat genehnrigte das Gesetz, mit weschem die zwischen Polen und Sowjetr u ß l a n d abgcschlüssene P o st k o n v e n t i o n ratifiziert wurde. Politische Serhaftuns in Warschau. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 4. März. Auf Befehl der Strcitsarurailichaft tvilrde der ehemalige Minister und Professor an der Warschauer Universität Zajcew Verhaftet. Auch eine Beamtin des Zentral-ukrainischen Komitees wurde wegen Verdachtes der Spioi'.age verhaftet. Die BerhaMung gegen Marsh und Konsorten vertagt. Budapest, 4. März. Vor dem Bndapester Strasgerichlshofc begann heute der Prozeß gegeit die Beaurten Josef Mars y, Joses Horvath und Franz V a r g a s, den Maurer Siephan Kryasty und den Postdiurnisten Franz K i ß, die we-gen des Vevbrechclrs des versucht e u Mordes 4. Dev Generalstabsches ist nicht mehr Mit- Med des KabiitteW. . 5. Die Scheriatgevichte werden aufgehoben. Die Ml reichen Medresse (geistlichen Schulen) wertden KU einer staatlichen theologische« Fakultät z::s<vmmenyezogen. Dem Bettangen nach Gknberutsimg eines paniffamitifchen Kongresses znr Wahl eines neue« Kalifen stelle« sich mit «euauiflebeuder Jnchensitüt die BestvebuinHe>u eMgsgen, das Kalifat trotz diefvv lietztvn, einschneidende:: Wandlungen weiter als Vorrecht des türkische» Volkes zu betrachten und dessen Befugnisse der Großen: Nationalbevsammlüng z::'ühevtragen. DeS Palais des Kalifen und sämtlicher Residenzen der loSmmttschsn Prinzen bemächtigte sich schon beim erste» Durchsickern der Pläne dar Refvvmev fieberhast und rattose Erregung. Kalif Abdul Medschld bvachde allerdings die größte KaWMigkeii mck Ruhe auf. Erst nach abseitigem Drängen der Mitglieder der Dynastie ervtschloß er sich, einen großen Familienrat in Dolina- Baghtschs einzubemfen. Bon sämNchen Mtgliedern der Dhnastte wurde da's Prinzip verfochten, noch vor der letzten entscheidenden Beschlußfassung der Großen Nationalbersammlung das Landzuverlafsen. Kalis Mdul Medschöd, der sich anfangs gegen jede ffeiwillige Mdaukung ausfpvach, entschloß sich schließlich sich dom Zwange der Maßnahme» der Großen Nationalversammlung und ihvM Beschlüssen zu fügen. Bevor noch die letzte Entscheidung in Angora gefallen war, verließen Adjutaute« und Zeremouieu- Meister ohne weitere Formalitäten einer nach dem anderen Dolma-Baghffche. Hofwürdvntväger, Diener und Beamte gingen gmn großen Teil noch vor dem letzten Ende. Um den letzten osmanischen Kalifen >wurde es füll, bevor noch die letzte Stunde seines Kalifats geschlagen hatte. Abreise der Kalisen «ach der Schweiz. Konstantinopel, 4. März. (Havas.) Der Kalif ist noch der Schweiz abgereist. angellagt sind, begangen dadurch, daß sie am 22. August v. I. äm Tore des Gerichtshofes in der Koharygasse und' am 3. September v. I. in der Toreinfahrt der französischen Gesandtschaft Bomben niedergelegt haben. In beiden Fällen waren die Bomben rechtzeitig entdeckt und unschädlich gemacht. Die Angeklagten werden auch beschuldigt, Bombenattentate gegen die Obefftadiha«ptnmnnschast und die tschechoslowakische Gesandtschaft geplant zu habe«. Nach Verlesung der Anklageschrift beantragte der Staatsanwalt die Vereinigung der vorliegenden Strafangclegeicheit mit den Strafprozesien, die wogen der gegen den Abgeordneten Rassay und den Nedakteur Aliklos versuchten Bombenattentat sowie wegen des gegen den Elisabethstädter Klub verübten Bombenattentat nn Zuge seien. Die Vereinigung dieser Prozesse sei umsomehr begründet, als das Substrat des gegenwärtigen Prozeßes im Bcrhällnis zu, dem Prozeß wegen des Bombenattontotes gegen den Elisabethstädter Klub, wo neun Menschen getötet wurden, von minderer Bedeutung sei. Der Gerichtshof beschloß die Verhandlung zu vertagen. Eine GeneralanNage gegen dir ungarische» Emigranten. Budapest, 4. März. (Tel. der „Wiener Morgenzertung".) Wie -berichtet, vst die für den 26. Februar entberaumt gewesene BerhmMung gegen, der: seinerzeitigen Volkskon:missär Dollar Siegumnd K u % f i abgesagt worden. Die Folgerung jedoch, daß damit auch daS Verfahren gegen Kunfi überhaupt eingestellt worden sei, ist nicht richtig. Der Bndapester Gerichtshof beabsichtigt vielmehr, gegen alle Politiker vorzugehen, die als Emigranten in der ausländischen Presse Attikel veröffentlichten, aus denen ein Verbrechen „gegen das Ansehen der ungarischen Nation und des ungarischen Staat es" konstrittert werden kann. Es wird gegen folgende Politiker -die Generalanklage erhoben: Ernst Garamr, Emanuel B u ch i n g e r, Baron Ludwig H a t v a n y, Oskar I a s z i, Johann Hock, Dr. Martin L o v a s z y, Bela L i nder, Dr. Paul Sz-ende, Dr. Siegmund Kunfi, Wilhelm Böhm, Alexander G a r b a i, Dr. Zoltan Nona y, Franz Göndör, Dr. Saum Fenhes, Richard Schwartz, Old-- wig Magyar, Michael Bira, Joses Nedey, Johann Szekely, Andvr Gabor, Oskar Robert, Joses Halm i, Ladislaus Frau k, Lrtdwig B a r 1 h a, Josef Mayor und Ernst Herezeg. De«tsche Brüder unter sich. Birlii:, 4. März. Die drei dentschvölkischeu Reichstags« abgeordn>eten v. G r ä f e, W n Tic -und H cnning haben den Bolksparteiler Cremer auf Pistolen bis zur Kampf- Unfähigkeit gefordert, weil Cremer in der letzten Reichstagssitzung dem- Abgeordneten Gräfe das Wort -,Hochvearäter^ zugerufen hat/.Nach dem „Berliner Tageblatt" wird Cremer in der Mittwochsitzung des Reichstages von der Duell fordernng Mitteilung machen.