Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1815 (5.3.1924)
- Date
- 1924-03-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ElQzelnammer R1200 Wien: Zum Abholen in det Expedition, II., T aborstr. 1-3, oder meiner Vers chlei «stelle (Trafik) monatl. K 35.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt,I.Bexn Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl, K 35.000 Tschech o-SI owakei: Mon. K18. Jugoslawien.1 Mon. DinaröO. Po I en:Mon. 3‘/* Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, Frank r., Belgien: Mon. Frcs. 12 RNF* Na eti z ah t u a gen "MW bei Preiicrhohungen eerbehaltee WWMWMWWWWMWWAIW«»^ Nr. 1815 W1IrA Wiener OeriunlialiaraWi orgensettung 5m Wien. Mittwoch. 5. Mär; 1924 It.li.., HmU.131*. R n m S »• Mom. ISÖLei Bn!f«ri«n Mkm.80Lna» Schweix nd (hufch Atnhwl momMIdh Im? Redaktion a.AdnklMiai Wien. IU Tahnrrtrtaaa1—1 Telephone: 44-0-38,43^4^ ab 6 Uhrabds.19-483,25-283 Tel-Adk.iJiorgeweRnng* Wien OeaterreiehiaBhae Pnetapar1 kasaen-Konto Nr. ISO.« 8. gahrgm« ZeuWand unter Kontrolle. An englisches Verlangen. — FranMch-belgifcher Anvemehmen. — JenAiland lehnt ab. Paris, 4. März. (Tel. der „Wiener Modenzeitung".) Der „New?) orkHerald" berichtet, daß sich die Sachverständigen nach wie vor risst der Frage der internationalen Kontrolle der deutschen Finanzen beschäftigt. Bisher konnte jedoch keinerlei einvernehmliche Lsung erzielt werden. Die Unterkommissvon für die Banken wird heute ihre Schlußfolgerungen über die deutsche Emissionsbank unterbreiten. Auch die Budgetkommission hat ihren Bericht über den deutschen Staatshaushalt sertiggestellt. Die englischen Sachverständigen fordern eine besonders weitgehende und «infassende Kontrolle, die das einzige Mittel wäre, um das Ve r t r a n e n der Welt zu erwerben. Diese Kontrolle müßte mch weiter-- aehen, als die, die Deutschland vor achtzehn Monate dem Garantiekomitee gewähren wollte. B e l g i e n u n d Fr a n k r e i ch haben sich ans ein K o m pro m i ß über die Reparationszahlungen Deutschlands geeinigt. Danach soll die neue deutsche Gold v ote nbank angewiesen werden. ein eigenes Konto für Reparationszahlnngen zu führen. Sollte sich binnen zweier Jahve Herausstellen, daß Deutschla nd nicht in der Lage ist, Rechavationszahlungen zu leisten., so würden die.bereits gezahlten Betrage. zurückerstattet werden. Demgegenüber «Märt die Reichsregievmg, sie könne 'eine Be.dingu.ng annehmen, die die Souveränität des Reiches! und das verfassningsnväßige Recht des ReichssvMnzmiNiisiers und der ReichSbanik schmälert. Deutschland habe genug geleistet. wenn es durch Verpfändung der Eisenbahnen das Kapital für die deutsche Goldnotendank selbst anfbringe. Englische Intervention am Balkan. Ein Schnitt Mae Donalds. Wie wir aus Wiener diploumtische« Kreisen erfahren, tot die englische Regierung einensreundschastlichen S ch r i t t bei den Balkanregierungen unternommen, der sich mit den in letzter Zeit hausenden Alarmnachrichten an« den verschiedenen Balkanstaatm beschäftigt. Die Vorsprache der englischen Vertreter ging dah-in, die Balkanregierungen anfzufordcrn, im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht durch kriegerische Unternehmungen die Weltsituation zu verschärfen. Nie russisch-rumänische Konferenz. Wie wir von russischer Sette erfahren, wird die russische Delegation für die Wiener Verhandlungen mit Rumänien erstEndeMarz von Moskau abreisen, weshalb die Konferenz erst anstmgs April znfammentrete» kann. Entgegen der ursprünglichen Absicht wird die Führung der russischen Abordnung der derzeit in Moskau weilende russische Gesandte in Berlin Krefiinski übernehmen; die weiteren Mitglieder der Vertretung sind der Wiener russische Geschäftsträger L e w i e k y, der Vertreter in Kowno Lorenz und der frühere Sekretär der Exekutive der Sowjets und gewesener Stellvertreter des Volkskommissars für Verkehrswesen S e r e b r i a k o w. Rußland verbietet die Getreideausfuhr. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Riga, 4. März. In einer Rede vor dem Moskauer Sowjet machte Käme new die Mitteilung, daß die Sowjetvegierung die Ausfuhr russischen Getreides zu verbieten beabsichtiHe. Kamenew begründete die Notwendigkeit des Ausfuhrverbotes für Getreide niiit den Erfordernissen der Währungsreform. Die in den Ansfuhvlagern g-ufgefpeichevteu Getreidövorräte im Ausmaße von 40 Millionen Pud sollen für den Verkauf im Jnlande he ränge zogen werden. . .... Das Gararrtieabkommcir zwischen England und Frankreich. Paris, 4. Mrz. Im „Matin" teilt Jnle's Sauerw e: n mit, daß nach Mitteilungen hochstehender Persönlichkeiten entscheidende Verhandlungen in der Sicherheitsfrage bevorstünden. Vielleicht noch in diesem Monat würden die Präliminarien abgeschlossen werden. Es handle sich vor allem um die Verteilung der Verantwortlichkeiten zwischen Frankreich und England inn Falle eines Krieges oder militärischer Sanktionen. Frankreich hätte die Landstreitkräfte, England die See- und "Luststreitkräste zu bewilligen. Begegnung Mae Donalds rrnt Pvineane. London, 4. März. (Tel. der ,Mener Movgenzeituwg".) Auch die englische Presse Mt eine Begegnung Ramsay M a c D o n a l d s mit P o i n c a r e nach .der Ueberreichung der Sachverständigeniberichte für wahrscheinlich. Vor einem Expose Poineares. Paris, 4. März. (Tel. der Wiener Movgenzeitung".) Der „Matin" kündigt an, daß Mmisterprälfideut P o i ncare am 7. d. in der Kammer die großen Linien der allgemeinen Politik, insbesondere seine Ruhrpolitik darlegen werde. Mn frmi»öMcheS'Wettzb«ch. Paris, 4. Marz. (Del. der /Wiener Morye-nzertwitz".) Die französische Regierung gibt in den nächsten Tagen ein Weißbuch heraus, das alle Dokumente und Verhandlungen enthalten wird, die sich auf die Frage der von Frankreich seit Kriegsausbruch geforderten Sicherheit beziehen. Das Weißbuch wild auch die Schriftstücke aus jener'Zeit enthMon, in der P o i n c a r e P r ä s i d e n t der Republik war. Nie belgische Kabinettskrise. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Brüsiel, 4. März. Die belgische Mnisterkrise ist heute in ein neues Städium getreten. Gestern abends hatte der König den konservativen katholischen Abgeordneten Houtart empfangen, um ihm die KckbmettAbUdung <mzutragen. Aber dieser mußte aus verschiedenen Gründen ablehneu. Mittlerweile ist jedoch eine voMommen neue Lage durch di« Haltung der Sozialisten eingvtreten. Nachdem nämlich die Sozialisten bisher erklärt hatten, daß sie keinesfalls wieder am einer Regierung teilnehmen konnten, bevor Neuwahlen ftattyeftmden hatten, haben sie heute morgens einen Gsnevalrat abgehalten und eine Tagesordnung gefaßt, in welcher sie erklärtem, daß der König aus seiner konstitutionellen Rolle heraustreten würde, falls er nicht den Versuch mache, eine Regierung zu bilden, mit jener Mehrheit, welche sich am 27. Februar bei der Abstiurmumg gezeigt habe. Gleichzeitig erklärten die Soymlistm, daß ein Wiederaufleben der ehemaligen Koalitou Mit der früheren Regierung nicht zulässig sei, da die Regierungsvovschlage über die Revision des Achtstundentages sowie der französisch-belgische Handelsvertrag vom Parlament abgelehnt worden seien. Die Sozialisten gaben ferner die Bedingungen an, unter denen sie eventuell in eine Koalitionsregierung in Belgien eintreten würden. Diese lauten: ,-Ende der militärischen. Okkulpatianen, Kamps gegen die Teuerung und freundschaftliche Regelung des Reparationsproblems." Praktisch läuft dies aus eine Koalitio n zwischen den Sozialisten und Flamen hinaus. Auch Hughes in de» Selitandal verwickelt? (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng") New-Nork, 4. März. J.n b-cn Erdölfkandal, der nun seit Wochen die Oeffentlichkeit beschäftigt, ist nun auch der Lrcratsfefretom für Aeußeres Hughes verwickelt worden. Das Organ der Eisenbahngewerkschaft „Labour" veröffemtlichte nämlich einen Artikel, in. dem behauptet wird, Hughes habe anläßlich der Verhandlungen über die Oolfelder bei M off ul in der Richtung interveniert, daß die Standard Orlkompagnie gegenüber den übrigen Interessenten den Borrang er- Kche. Der Münchner Karneval. -7- W i e », 5. März. Der Rat der zehn Putschisten, der seit acht Tagei mit dem Bolksgericht Verstecken spielt, hat die erst« Etappe dieses wunderlichsten aller politischen Prozesse hinter sich. Die Männer, die man als Angeklagte bezeichnet, haben sich zur Anklage geäußert und das bemitleidenswerte Bolksgericht ist mit hörbarem Widerstreben in das Zeugenverhör eingetreten. Der Gudruck, den der Prozeß auf alle Welt, vornehmlich aber auf das Ausland, ausübt, ist ziemlich gleichartig. Es wird da eine Komödie abgehvickelt, von der man sich eine gewisse politische Wirkung verspricht, und die oben deswegen schon jetzt die Entwicklung der Tragödie ahnen läßt. Nur daß die Trauernden nicht die zehn Helden und Komparsen der Hitler-Kompagnie sein werden, sondern das deutsche Volk, mit dessen Ehre und Ansehen ein schimpfliches Spiel getrieben wird. Mit Erstaunen bemerken die dem Prozeß folgenden Korrespondenten der großen Ententepvesse, daß nieniand die Verhandlung ernst zu nehmen scheine. Es wird klar werden, daß das Volk dies wird tim müssen, und daß ihm die weitere Gestaltung der Dinge den Ernst der Sachlage vevstäMich machen wird. Ueberblickt man die Resultate, die in der ersten Woche ans Licht getreten sind, so kann man sagen, es gab keine Uebervaschungen, nichts, was irgendwie tüe sorgfältig vorbereitete Regie hätte stören können. Die Angeklagten waren im vollsten Ausmaß der Klage geständig. Sie beteuerten nichts, sagten nichts, um was. man sw nicht fwgbe, und bchcmpelür«beit ifeum fttt ßoiftee* legten Hochverrat als MfWKiche'^ache. .Wenn^ das, was sie getan haben und wozu sie sich bekennen, Hochverrat ist, nun dann haben sie eben Hochverrat begangen. Aber sie haben das doch mit Gemhmigung der Behörden getan! Die Verantwortung entsprächt ja nicht dem Ideal der Männlichkeit, die gdtfetet, sich im gegebenen Fall auch zur Schuld zu bekenne«. Wenn der zornige Lehrer dom Franz die Hose ouSklopft, weil er mit Papierkugeln geschossen hat, so schreit er, der.Karl habe es ja auch getan. Und dieses Rezept haben alle diese deutschen Männer angewendet, nacheinander, so wie ihnen der HUer daö vorgepfiffen hMe. Sie haben die Novemberwpublik stürzen wollen, jawohl, aber der Kahr wollte das auch, und da er nicht angeklagt sei, weshalb denn sie? Daß ist die Verteidigung aller und auch der große Ludendorsf weiß nichts anderes zu sagen. Nein, sie alle sind nicht Mänmr des großen Entschlusses, die, wenn es schief geht, zu ihrer Tat stohen. Herr Ludendorsf hat ja Uebung darin. Als Kapp aus Berlin rannte, flog Ludendorff mit einer blauen Brille nach Schwchen, offenbar in der Meinung, « müsse sein kostbares Leben für die Zukunft des deutschen Volkes schonen. Diese Sippschaft redet so gerne von der jüdischen Feigheit. Mit den Juden sind sie überhaupt stark verbandet. Geistig natürlich. Sie sind den Spuren des semitischen Einflusses eifrig rvachgewanbekt und sahen, daß er schlecht sei. Hitler war WÄibürger und wurde in Wien Antisemit. In dieser Stadt, in der sich Ost und West treffen, wie er das so schön sagte, hat er etkannt, daß der Jude der größte Feind der arischen Nationen sei. Aus dem Vergleich seiner Lebensdaten ergibt sich, daß Hitler diese Kenntnis sich als Knabe mit sechseinhalb Jahven aneignen konnte. Das ist ein hübsches DetcrÄ. Erich Ludendorff hat, wie er breitspurig und mit allem Applomb ausführt, „die Judenfrage im Weltkrieg studiert", und gleichfalls ihre ganz besondere Schädlichkeit erschauernd wahrgenommen. Man sollte meinen, daß dieser größte deutsche Feldherr im Weltkrieg etwas anderes hätte studieren müssen, etwa die Bewegungen seiner Berufsgenossen auf der anderen Seite der Front. Aber Ludendovff hatte es just mit den Juden zu tun und so gino der Krieg durch die Schuld der Juden verloren. Merkst du was? Foch, der mit dem genialen Strategen viel zu tun hatte, hieß ihn einen größenwahnsinnigen Kadetten. Jmmechm hat er große Suggestionskvaft ausgeftrahlt und die militärischen Unterführer des BraschauHütsches mit der Aufgabe betraut, die Bahnhöfe zu besetzen, um das rassenfremde, jüdische Gesindel abzusangen, wen» es, mit Devisen bepackt, flüchten wolle. Die LeuÄe wissen ja, wie es in solchen Zeitläusten zugeht. Sie haben-ja die Autos der deutschen Fürsten und Generale geleitet, die im November 1918 die Ki-sten mit den Jmvelen und. Wertpapieren nach -der Schweiz und Holland verschrien. Sie waren alle von herzerfrischender Qffynhtft, jo daß man nicht bllck Me EiMMm EW ÄchmtzW