Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1814 (4.3.1924)
- Date
- 1924-03-04
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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B Nr. Men, Dlenskdg "" ' Wlenev MorüenzeltunA. '1 Marz 1924 Sever-Krlaß, Heimatsrecht und Nordwestbahn. kine Aussprache zwischen Mrgermeister Seih und den Wischen Mandataren. Mitteilungen nur dem Publikum. ^mnimiinmimiiiiimiiiiiiiiiiiiiinniimiiiiiimiiiiimmiiiiiimiiimiiiiiiimiitiiiiiiing 1 Antiquariat Dr. Schwarz, I, Habsburgergasse 3 1 I AUSSTELLUNG | 1 einer kunsthistorischen Bibliothek | 1 nur noch heute und morgen Mittwoch den 5. d. | S von 10 bis 6 Uhr s | VERSTEIGERUNG: | Z Donnerstag den 6. März und die folgenden Tage §j Ü Preia des Kataloges K 15.000 §| stimimniiiiiimimiiiimiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiimiHiiiiiiHiHiiiiiHiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiirrs Geschäftshandwagen jeder Banart, viernnd «reir&derig, steif nnd gefedert, in erstklassigster Ansfflhmng, zn ganz konkurrenzlosen Preisen, stets lagernd Klosterneuburger Wagenfabrik A. G., Wien, 12. 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Nißl, die der neugegründeten Broadcasting'- Gesellschaft nicht angehört, den Sendeapparat im Dechmckoai-- schen Museum nicht mehr zur Verfügung stellt. Sie verlangt für den Sender nicht eine Milliarde, wie ursprünglich behauptet wurde, sondern „b>loß" 50 0 Millionen, welche Forderung von der neuen Gesellschaft als zu hoch betrachtet wird, da für einen 100 Watt-Sender eiine derartige Summe nicht gefordert werden darf. In Wirklichkeit spielen sich hinter den Kulissen geheimnisvolle Verhandlungen ab. Die maßgebende Persönlichkeit der neuen Broadcasting-Gesellschaft ist Dr. Oskar Czeija, der frühere Sekretär Wuttes, der erst vor kurzem den Dienst frei Wutte ausgegeben hat. Es wird angenommen, daß die neue Gesellschaft, die noch nicht einmal ihre Tätigkeit angetreten hat, schon jetzt Schwierigkeiten macht, um jede Konkurrenz zu beseitigen. Neben diesen geheimnisvollen Behandlungen, deren Seele Dr. Czeija ist, gehen offizielle Verhandlungen mit der Post- und Delegraphendirektion über die Art der Rechte, die der neuen Gesellschaft znstchen sollen. Wie wir aus guter Quelle erfahren, beabsichtigt die neue Gesellschaft, den im Gebäude des Kriegsminiftermms befindlichen neuen, großen Sendeapparat, der dem Staate gehört und im Betrieb stcht, zu übernehmen, mit einem Tslcphonzusatz zu verschon und dort den Betrieb aufzunchmen, so daß Czeija u. Nißl mit seiner übermäßigen Forderung durchsalleu wird. Nach dem Kadiver-Proreß. Der Fall Chlmneckh. Wie mitgeteilt wird, ist Leopold Chlumceky au Lungeuspitzenkaitarvh erkrankt wnlb daher gezwulngen, die in Aussicht genommene Einladung der Vertreter der Wiener und der ausländischen Presse, denen er ausführliche MitteilMlgen. über die Vorgänge während der siefrenwöchigen Untersuchung zu machen gedenkt, zu verschieben. Das Urteil hat in der Oeffentlichkeit großes Aufscheu hervovgerufen, noch mehr aber die Art nnd Weise, wie die ©1ia;ait§- anwaltschaft gegenüber den Mitangeklagten vorgegangen ist. Chlmnecky hat wegen ungerechtfertigter Untersuchungshaft einen gesetzlichen Schadensevsatzauspruch. Werrn er diesen nichlt geltend macht, könnte die Staatsanwaltschaft in einem ähnlichen Falle lvieder so Vorgehen wie diesmal. Es ist daher dringend nötig, daß diese Angelegenheit lüchit von der Tagesordnung verschwindet, zwrual na>ch Angabe des Verteidigers Doktor H a r p n e r auch das Oberlandesgericht m der Frage sehr gleich- . gültig vorging, denn es hat ein motiviertes Enthaftungsgesuch drei Stunden nach Vorlegung mit einer dreizeiligeu Begründung ab ge lehnt. Auch hier ist eine Aufklärung dringend geboten. Wie wir erfahren, empfing Bürgermeister Seitz gestern eine Abordmrng des K l u b s jüdischer Ä! a n d a t a r e, bestehend aus Gemeinderat Dr. Plaschkes nnd den Bezirksräten Berger (1. Bez.), Ho ff mann (2. Bez.), K o h n (4. Bez.), Engel (8. Bez.) uitfo Dr. Weiner (9. Bez.). Die Deputation überreichte dem Bürgermeister zwei Memoranden betreffend die Aufhebung des Severschen Fremden aus Weisungserlasses vom Jahre 1919 sowie betreffend die ungerechtfertigte Abweisung von zahlreichen Heimatsrechts Gesuchen trotz Befürwortung von seiten der Bezirksvertretungen. In dem Memorandum über die Aushebung der Sever-Verordnung wird aus-gesührt, daß sie unsozial ist; sie trifft nur die Aermsten, sie ist zwecklos, da der angestrebt-e Zweck nicht erreicht werden konnte, sie steht mit den demokratischen Grundsätzen der Gleichberechtigung und der Freizügigkeit in schärfstem Widerspruch. Die seinerzeit für die Kundmachung angeführten Gründe, besser Scheingründe, sind weggefallen. Die Nahrungsmittelknappheit ist verschwunden, die Wohnungsnot besteht zwar noch, doch sind sich heute alle Einsichtigen klar, daß sie nur durch den Neubau von Wohnungen beseitigt werden kann, die Arbeitslosigkeit ist seit dem Jahre 1919 wesentlich zurückgegangen. Es besteht daher für die sozialdemokratische Mehrheit des Wiener Landtages sicherlich kein Grund mehr, an einer Verordnung fsstznhalten, welche ihren Parteiprinzipien geradezu Hohn spricht. In dem Memorandum über das Heimatsrccht wird gefordert, daß die Ansuchen von Heimatsrechtswerberu ohne Rücksicht auf ihre Aufenthaltsdauer mit der Einschränkung des Beschlusses des Heimatsrechtsausschusses vom 13. Mai 1919 (bei einem Aufenthalt von über einem Jahr) individuell geprüft werden. Ohne Rücksicht auf die Abstammung hat jeder Aufenthalts- Werber, der weder gerichtlich noch polizeilich bestraft ist, Anspruch auf Aufnahme in den Heimatsverband gegen Taxerlaig; ferner wird gefordert, daß den Gutachten der Bezirksvertretungen mehr Beachtung geschenkt wird, da sonst diese Körperschaften vollkommen Beteiligung der Gemeinde an der Men- Badner LokMahn. Die Gemeinde übernimmt 38 Prozent des Aktienkapitals. Im städtischen Finanzausschuß berichtete gestern Stadtrm Breitner über das Ergebnis der Verhandlungen zur Sicherung eines angemessenen Einflusses der G e m e i n d e Wien ans die Aktiengesellschaft der Wiener Lokalbahnen, die den Betrieb der Linie Wien — Baden führt. Die Gemeinde erwirbt von den bisherigen Großaktionären, der Zentral-Europäischen Länderbank und der „Elin-M.-G. in Amsterdam, 38 Prozent des fe-it Kriegsausbruch vollständig unverändert gebliebenen Aktienkapitals. Der Erstehungskurs beträgt 60.000 Kronen für eine Aktie und stimmberechtigten Genußschein der verschiedenen Emissionen, also etwa vier Goldkronen gegenüber bern letzten Friedenskurs von 230 Kronen. Die zur Erwerbung des Mtienteiles notweltdige Summe von 700 Millionen Kronen winde vom Finanzausschuß genehmigt. Mildes Wetter andauemd. Eine warme Südwestströmnng überweht das ganze Festland Ernopas. In den Nordalpen ist unter den: Einfluß be§ Föhn die Temperatur vorgestern in Salzburg bis plus 12 Grad gestiegen. Gestern früh hatte fast ganz Oesterreich leichten Frost, mittags hingegen hatten die meisten Stationen gegen acht Grad Wärme. Die Bewölkung hat gegen vorgestern allgemein zugenmmnen. In der Höhe der Alpengrpsel wehen seit Samstag starke südwestliche Winde. Sonnblick meldet gestern mittags Schneesall. Voraussage: Mildes Wetter andauernd, wechselnd bewölkt. Die LebenrmittelmSrtte. Die Beschickung der Gwßma-Mhalle siel ganz besonders reichlich aus, per Bahn langten 07 Waggons Fleisch ein, darunter 26 Waggons Rindfleisch .In. der Großmarkthalle blieb vorläufig die Preislage unverändert, da die herrschende Witterung^ noch immer eine Aufbewahrung der Fleischvorräte erntöglicht. Arrf dem Rindermarkt in St. Marx ist der Auftrieb ungefähr ebenso groß wie auf dem Hanptmarkt der Vorwoche, doch dürfte das reiche Angebot in der Großinarkthalle n-icht ohne Einfluß auf den Marktverkchr bleiben. Die Beamten der Vreh- und Fleischmarktkasse in St. Marx versehen ihren Dienst vollkommen, so daß die Abhaltung des Marktes und somit die 2lpprovisioniermrg Wiens durch den Streik der Bankbeamten nicht leidet. Ans den Grünlvarenmärkten waren Beschickung und Nachfrage äußerst gering. j' , ’"V, &i'; Wien, 4. März. * Ein österreichisches Konsulat in Agram. Wie uns berichtet wird, wurde die österreichische Paßstelle in Agram zu einem Konsulat erweitert. Von der österreichischen Regierung wurde Herr Emmerich H e r z f e l d zum Konsul bestellt- Ju beiden Angelegenheiten sprachen die Herren Doktor P l a s ch k e s und Dr. Weiner nnd verwiesen insifresondere aus die noch iit letzter Zeit vorgekommene Abschaffung v o tt P c r s o n e n, die seinerzeit die Staaisbürgecschaftserklärnng abgegeben hatten und nunmehr nachträglich anläßlich des Ansuchens um Verleihung de? Heimatsvcchtes von der Polizei abgcschasft wurden, obzwar sie als seinerzeitige Inländer gar nicht verpflichtet waren, um eine AusenthaltSbewilliglmg anznfucherc. Der Bürgermeister sagte bezüglich dieser letzteren Fälle die Abhilfe zu nnd versprach, auch sonst die Abschaft fungspraxis zu mildern. Bezirksrat Engel setzte als Vertreter der Kawflente und Industriellen dem Bürgermeister auseinander, das; cs für das Wirt schafsleben Wiens von besonderer Wichtigkeit wäre, wenn die Zentralsparkasse der Gemeinde Wien beit Kaufleutcn und Industriellen billige Kredite gewähren würde, wodurch auch die Banken nnd übrigen Kreditinstitute zn einer Ermäßigung des Zinsfußes gezwungen würden.' Diesbezüglich versprach der Bürgermeister, die Gebarung der Zentralsparkasse entsprechend zu prüfen und, wenn möglich, eine Herabsetzung des Zinsfußes anzuordnen. Schließlich besprachen die Herren Genre cnd"rat Dr. Plaschkes ttufr Bezirks rat $ off me. nn uni dem Bürgermeister die Frage der Sperrung des Nordwestbahnhofes und die Ablenkung der Schnellzuge vom Nordbahnhof> wodurch die Handels- und Gewerbetreibenden der Leopoldstadt empfindlich geschädigt wurden. Der Bürgermeister anerkannte vollinhaltlich die Berechtigung der vorgebrachten Wünsche. Er verwies selbst darauf, das; die Ablenkung der Züge nach dem Ostbahnhof vielen Bewohnern Wiens zum Schaden, aber niemand zum Nutzen gereicht, da die Umgebung des Ostbahnhofes Fremde kaum an- -ziehen kann, während die Leopoldstadt und insbesondere die Umgebung der beiden Bahnhöfe auf den Zustrom der ' Fremden eingerichtet sei. Er versprach, nach feinen Kräften alles zu tun, um die diesbezüglichen Maßregeln der Regierung rückgängig zu machen und vor allem im Wege eines Driuglichkeitsantrages die Angelegenheit vor den Gemeinderat zn bringen. * Die Sterblichkeit im Jänner. In Wien sind im Jänner b. I. um 98 Personen mehr gestorben, als int Dezember 1923. Die Zahl der Todesfälle war im Jänner d. I. 2.195, gegenüber 2097 im Dezember 1923. Ein Vergleich mit dem Monat Jänner 1923 ergibt einen Rückgang der Sterblichkeit um 279 Fälle. Die größte Zahl der Todesfälle, nämlich 324, entfiel auf Krankheiten der Kreislauforgane. * Der Kampf gegen die zehnfache Antomobilsteuererhöhung. Gegen den Obmamt des Komitees zur Abwehr der Automodilsteuererhöhuug Hugo Erös ist die fremdenpolizeiliche Perlustrierung eingeleitet worden, um feftzustellen, ob sich sein Ausenthaft als Ausländer in Wien und Oesterreich n.ach den bestehenden gesetzlichen Vorschriften als berechtigt erweist. Es liegt gegen ihn nichts anderes vor, als daß er Obmann des Äbwehrkomitees ist, das bisher eine unschädliche Tätigkeit entwickelt hat. * Aus der Werkstätte der Börse. Zu dem Berichte über den Vortrag, den Bezirksrat Waltuch über die Börse hielt, wird uns von dem Redner ergänzend mitgeterlt, daß der Börsenrat Leopold Langer die Initiative für die Freigebung des Jomkippnr ergriffen hat. Auch hat Herr Langer sich für die Anstellung von Juden an der Börse bemüht, jedoch keinen Erfolg erzielen können. * Die Kaufmannschaft über die Auflösung des Nordwestbahnhofes. Der Hauptverband der österreichischen Kaufmannschaft hat bei der kürzlich im Ministerium für Handel und Verkehr stattgehabten Enquete zur Förderung des Fremdenvevkehres die Einflußnahme aus die Bundesbahnen zwecks Rückgängigmachung der Verfügung über die Auflösung des Nordwestbahnhoses beantragt. Im übrigen wurden auch die Abschaffung des Paßvisums, Lichtbildervorträge über Oesterreich im Auslände, Mschaffung der Fremdenzimmerabgabe und andere Wünsche bei dieser Enquete angeregt. * Rücktritt zum Judentum. Dora K r o n a w e t t e r, false Brandwein, welche laut dem zuletzt von uns veröffentlichten Verzeichnis der Austritte aus dem Judentum ausgetreten war, ist, wie aus einer uns vorgelegten Bestätigung der Kultnsgemeinde Herd ergeht, am 11. Februar d. I. zum Judentum zurückgetreten. * Eine Ozean-Bank. Die Eastern Trust Company hat auf dem Dampfer „Leviathan" der United States^ Lines für die Bequemlichkeit der Passagiere eine Filiale mit Wechselstube errichtet, welche während der Reise einen ungewöhnlich starken Zuspruch hat. Ein besonderes Interesse findet der durch radiotelegraphische Mitteilungen täglich veröffentlichte Kursbericht. * Die Morgan-Bibliothek. Ans New-?)ork wird uns berichtet: Der amerikanische Bankier Pierpont Morgan überließ als Denkmal für seinen Vater die von ihm geerbte wunderbare Bibliothek, die sogenannte Morgan-Bibliothek, der Oefsentlichkeit. Mit dieser Sammlung von Büchern und Manuskripten geht eine großes Gebäude an die Stiftnieg über, außerdem noch der Betrag von 1,500.000 Dollar. Ter Wert der Bibliothek ist ans fünf Millionen Dollar geschätzt. Der Katalog umfaßt 1000 Folioseiten. * Die deutsche Technische Hochschule in Brünn tritt in das 75. Jahr ihres Bestandes, und es soll dieser Umstand durch ein Fest gefeiert werden, bei welchem sich in den ersten Maitagen d. I. alle derzeitigen und ehemaligen Angehörigen, Freunde ltnb Gönner dieser Hochschule in Brüml vereinigen mögen. Der Festausschuß fordert daher ans diesem Wege alle ehemaligen Hörer nnd Freunde der Hochschule auf, ehebaldiast ihre Anschrifterl rrnter seiner Adresse (Brünn, Komenstv- Platz 2) bekamrtzugeben, damit sofort mit der Versendung der Einladungen begonnen werden kann. überflüssig erscheinen.