Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1814 (4.3.1924)
- Date
- 1924-03-04
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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V te: k hf" <' v rv Eeiie 8 Wien, Dicnsiag Berekne, »ortrage mid Versammlungen. Gesell schuft zur Förderung moderner K»ust in Wien. Der für heute im VortragSsaale des Oestrrreichischen Museums, 1. Bez., Äollzeile 45, anberaumte Dortrag deS Privatdozenten Dr. Egon Wellesz: „Das Problem des Naturalismus in der Musi!" muß wegen Verhinderung des Vortragenden entfallen. -• 3 ii b i f d) c T i s ch g e s e l ls ck» a f t. Heilte,^ 8 Nbr abends, im großen Saale des (fass Siller, 1. Bez., Franz Iofefskai < Mezzanin), Vortrag Professor Dr. Viktor, Kellner, Direktor des südismen NealgNmnasiums, über: „Die Pstnhe des ftidiichen lindes." Gajie lins,'kommen. -- Zionistische Sektion IV/V. Heute, 8 Uhr abends, im SitznngSsaalc de? Dempelbereiues Ausschußsitznng. -Sozialpädagogische Gesellschaft. Viorgen, genau uhr abends, Anatomisches Institut, 9. Ber., Wahringerstraste 1.3 ((Erdgeschoß), Vortrag Dr. Bruno Schön seid: „Die Nolle der GeschichtSanffassnng in der Erziebimg". Gintritt frei. — Frauengruppe der z i o n i st i s ch e u Bezirkss e k t i o n XX. Morgen, ‘/2S Uhr abends, findet im Vereinslokale, Karl Meißlstraße 5, eine Vollversammlung mit nachstehender Tagesordnung statt: Frau Erna Patak: „Die GegenwartSausgaben der indischen Frau". Dr. Israel Waldmann: „OrganisationSfragen". Gäste willkonimen. Leopold st ädter V o l k? h e i m, I!. Bez., ZirkuS- Zasse 48. Beginn deS Sommerhalbfahre? mit folgenden Kursen: 1 llär, Volkswirtschastspoliji.k mit Hebungen. Geschichte der Philosophie, Elementares Rechnen, Einführung in die Mechanik, Geschichte der Erschließung des Erdballs, Ehcmische Vorgänge im Menschen, Rechtschreiben, Französisch 1 für Anfänger niit Vorkenntriissen. Französisch ll, Latein s, Beratung und Besprechung von Lesestoff. 8 Uhr, Anleitung gut Ralmbeobachtung, Denken uud sprechen. Die politischen Probleme deS 19. Jahrhunderts, Rechenvorteile, das Weltbild der modernen Physik, Aufsatzlehre, Französisch lll. Einschreibungen, ausführliche Arbeitspläne und Auskünfte täglich von 6 bis 9 Uhr abends. zionistische Bezirkssettion Leopsldstadt Heute Dienstag den 4. d., präzise 8 Uhr abends, - d« TifchgeWchaft Barschal Hotel - Restaurant Darschak, ll. Große Schiffgasse 3 NvÜtllß Dr. 8. WaldNMn: „Die volitische Loge der Zionismus" Jeden Dienstag zwanglose Zusammenkünfte mit Vorträgen Zionistische Sektion für den 6. bis 8. Bezirk. Heute, 8 Uhr, im Vcreinsheim, 8. Bez., Bennoplatz 1a, Äonzertalademie mit anschließendem Tanz. Programm: Fräulein Hilde Läw, Klaviers Herr Emil Ostermaun, Gesang; Herr Bruno Böhm, Violine: Opernsängerin Fräulein Lilly Axelrad, Lieder- Vorträge: Herr Hugo Breuer, Humor; Herr Emil Ostermann, Lieder zur Laute. Am Klavier: Prof. Hans Adler. Arrangement: Herr Emil Ostermann. Regiebeitrag. Eine Zirkusvorstellung siw die Kriegsinvaliden. Der Landesverband der Kriegsinvaliden teilt mit, dech für die Mte Dienstag stattfindende Galavorstellung, deren Erträgnis den Kriegsinvaliden gewidmet ist, die gewöhnlichen Preise gelten. Der Vorverkaufs hat begonnen, btc restlichen Karten werden an der Abendkassa des Zirkus erhältlich sein. Zionistische Bezirkssektion Brigittenau. Am 28. Februar fand im Pereinslokale, 20. Bez., Karl Meißl-Straße 6, die Konstituierung der Fra neu gruppe der Sektion 20 statt. In das Präsidium wurden folgende Damen gewählt: Griffel, Iinber, Immergut, Petyan, Ungar, Waldmänn, Wühl. — Jeden Mittwoch findet um halb 8 Uhr abends eine Zusammenkunft der Frauen im Vereinslokale statt. Zionistische Sektion Zwischenbrücken. Am 17. Februar fand die erste Generalversammlung der Zionistischen Sektion Iwrschenbrücken statt. Ter Bericht des Obmannes Hsrtn ^aul O f f e n m a n tt wies darauf hin, daß es in den nenn Monaten des Bestandes bereits möglich war, die jüdische Bewegung in diesem Sprengel lebendig zu machen und gute Anfänge einer Organisation zu erzielen, die weiter ausgebaut werden soll. Dem abtretenden Ausschuß wurde nach der Berichterstattung einstimmig ein Vertrauensvotum erteilt. Der neue Ausschuß, der aus 23 Mitgliedern besteht, ist bereits konstituiert. Dem Präsidium gehören die Herren Herliczer, Oppermann und Rubin, dem Sekretariat die Herren Adler, Koffler und Schlesinger an. Kassier: ~ Herr Pohorylles. Nationalfondskommissär: Herr Kalmann. Keren Kajemeth-Konmnssär: Herr N a t o n i t s ch. Revisor: Herr H e r z m a n n. Ausschnßmitglieder: die Damen: Koffler, Heiliczer, S t o ck h a m m e r, B. Eilen, Dörfler, tonnt, R. Wind; die Herren: Augapfel, Verlad, Rickholz, Reiser. Seemann. Tanne, Z e u g. Bühne und Kunst. .Marly." Rene Wiener Bühne. Ein ein zückendes Stück und ein erquicklicher Abend. Dem Verfasser des Lustspieles, der den ein lvcnig umständlichen Namen B a l - A n d r e I a g e r - S ch in i d t trägt, ist eine anmutige und geistvolle Variation über das Thema „Dreieck" geglückt. Ueberdtes erna humorvolle und nachdenkliche Betrachtung darüber, wie das richtige Dreieck entsteht, jenes nämlich, an dessen Errichtung der dritte, außerehelühe T-eilu>chmer die geringste Schuld trägt. Sie ist über den vtelbefchaftigten Gatten empört «und redet ihm eines schönen Tages ein, sein allerbester Freund sei ihr Geliebter. Er eilt zum Freunde, dom Ahnungslosen, macht Hm die bittersten Vorwürfe und bringt ihn durch diese Szene um sein Vtädel, das hinter Vorhängen zugehört hat und ihn bitter gekränkt verläßt. Dem Dritten gelingt es, dem (Hatten zu beweisen, daß ihm seine Frau einen blauen Dunst vorgemacht hat. Aber da sie eine Viertelstunde später sellbst kommt, um ihm zu gestehen, was sie verbrochen, wird -die Fabel $ur Wahrheit. Der Freund, ein anständiger Mensch u.nd feuriger Liebhaber, will natürlich Freundes Gattin ganz für sich haben, den besten Kameraden nicht belügen, und drängt auf Ehescheidung. Aber wo denkt er hin! Jetzt, wo sie den ersehnten Geliebten hat, fühlt sie sich i<n der Ehe außerordentlich wohl und verhindert (düse Szene ist köstlich) eine Aussprache der beiden. Der Watte trägt die Hörner mit Behagen und der Dritte, Seriöse, entdeckt, daß eine schöne, geschmackvolle Frau es in Liebesdingen tut, wie m ihrem Boudoir, wo sie häßliche Flecken an Tapeten mit schönen S&ote» KU verstellen weiß und schadhafte Tischplatten mit Drckchen zu verhülle,:. Sie bringt ihn artet verruchter Wiener: Morgenzeitung. Harmlosigkeit und mit himmelblauem LächM dazu, seinen besten Freund zu Heimchen. Carola Toelle, halb Eva halb Madonna, engelrein und süß» verrucht, steht im -Mittelpunkt, trägt -das Spiel. (Die hochbegabte, feine Künstle rin scheint -uns diesmal recht erma'tstt nach Wien gekommen zu sein. Ausspannen!) Ganz außer.orden'te lich Anton Edthoser als Ehestörer wider Willen. Wie er niit leisen Andeutungen und sparfanister Geste das süße. Unbebagcn des beglückten Dritten mintt, ist meisterlich. Auch HanS R baden als glücklich gchörutcr Ehegatte ausgezeichnet und die gesamte Aufführung sehr anständig. O. A. Ein Mischer HvrnorU. Zinn 50. Geburtstag Jakob Adlers. In Ncwtt))ork feierte dieser Tage der bekannte Misch« Humorist Jakob Adler (B. Korner) seinen 50. Geburtstag. Adler entstammt einem kleinen galizischen Städtchen. Sein dichterisches Talent entdeckte er erst nach seiner Einwanderung in New-Uork, wo er zunächst als Arbeiter lebte. Seine lyrischen Gedichte, die er um diese Zeit geschrieben hat, waren von Sehnsucht nach der alten Heimat erfüllt. Im Jahre 1910 ist seine .ll)ujct)c Sammlung „H e! an w e h" erschienen und fand großen -lnklang. Zur gleichen Zeit schrieb Adler auch humoristische und satirische Skizzen und Gedichte unter dem Psoudmchm „Chvjsyks Einikel", die sehr bald volkstümlich wurden. Genie infam mit dem bekannten jüdischen Humoristen Mojsche Nadir gründete er damals daß humoristische Wochenblatt „Der jüdische Gasten" und wurde auch ständiger Mitarbeiter der humoristischen Wochenschriften „Der Kiebitzer" und „Ter Kundes". Später trat er in die Redaktion des New-Aorker jüdischen Tagblattes „Vorwärts" in New-Iork dm, wo er bis heute eine humoristisch« Beilage redigiert und viele gelungene Humoresken veröffentlicht. Adler schöpft feinen Humor aus dem jüdischen CmigrantenleLen in Amerika. Eine Sammlung feiner besten Humoresken ist in Buchform erschienen. A. M. F—§. Bürgcrthcater. Ferdinand Bonns dreiaktiges Schauspiel ..Der junge Fritz" ging Sonntag den 2. d. als Mafthttp im W> i c n e r B ü r g e r t h e a t e r vor überfülltem, beisallsfreudigem Hause in Szene. Das gut gezinrmerte Stück, das niemals den besseren^ Geschmack verletz:, und dort, wo cs an Gestaltung gebricht, sich mit charakteristischen Lescbuchanssprüchen^ der historischen Figuren behilft, wurde vom Autor und Darsteller der Hauptpolte, Ferdinand Bonn, mit Schwung heruntergespielt. Der junge Herbert Waniek als junger Fritz halte Hal.'in-a in einer Nolle, die an der Schneide des Sentimcntal-komischen steht, Klitsch. Onno und Beregi produzierten ss.rt.'s Theater. Auch szenisch stand das in Deii-rschlgud verbotene Ho tenzollern-Schauspiel aus respektabler Höhe. " Wiener Xlomödienb.aus. Ein neuer Direktor, Hans Sonne n th a l, gst in das Haus ein gezogen und lmt die Piteae .der Operette auf einträglichere Zeiten verschoben. Mit dem Gastspiel von Mizzi Zwerenz hat er wicht vergeblich und zu seinem L>chaden auf d:e Pietät der älne-ren Wiener Generation gerechnet, dre in dieser Frau alles verkörpert fand, tvas sie erfreuen und rühren konnte, die Sing« und Tanzselftckeit imd das viel zitierte weiche, goldene Herz rm Lachen und im W.ipen. Die Künstleri'N ist sich treu geblieben und hat -in der fairbeven, sicher gekonnten Posse B u ch binders, „Er und seine S ch w e st e r", das Wiener Mädchen aus dem Volcke mit erden- Tefter Realistik verkors>ert. Ihr Partner -Karl Göttlcr, in allen Verwandlungen ein ausgezeichneter Komiker, dessen hagere Gestalt zu akrobatischen Schnzeri heransfordert. -tvar ein überaus liebenswürdiger Briefträger. Der Applaus, den die beiden Gäste bef ausoerkaufteur Hause einheimsten, ist Gewähr, daß das Gastspiel noch manche Abendkasse -füllen wird, ohne daß die erhöhte Lustbarkeitssteuer den nemen Direktor als Schreckgespenst verfolgt. dt. Die Smeiana-Feicr in Prag. Anläßlich des 100. Geburtstages Smetanas fand Sonntag den 2. d. im Prager Nationaltheater eine F e st v e r s a m nr l u n g statt, welcher der Präsident M a s a r y k und die gesamte Negierung sowie die Gesandten aller in Praa vertretenen Staaten betiwohnten. Der Minister für Volksaufklärnng Brchyne fcirtec Smetanas Kunst als die Verlündigung einer glücklichen Zukunft des tschechischen Volkes. In lr'drängter, dunkler Zeit ertönte sein Orakel und nun hat es sich erfüllt. Es sprachen ferner dcr Präsident des Parlamentes Tomaschek und der Kmnponist Förster. Eine Richard Strauß-Premiere in DarnsitM. Im der Davmstädter Oper fand als reichsdvutsche Erstanffühvnng die szenische Darstellung der Tanzsuite statt, die Richard Strauß aus Klavierstücken von Francois Eonperin zusainmengestellt und bearbeitet hatte. Dirigent des Abends war der Schwcker- Sck.üler Josef Rosen stockdie Tänze hatte Nini Willenz einstudiert. .Kleine Kunftnachrichien. In der hiesigen Kunsthandlung Würthle, 1. Bez., Weihburggasse 0, wird dem-nächst eine Ausstellung sra nzösischer^ Impressionisten eröffnet. — Heute um 11 Uhr vormit-tags findet die erste Vollvevsanrmlung der Gesellschaft zur Fördern n g m ode r n e r K u n st i n W i e n im großen Saale der Albe tv t i n a, ft. Bez., Augustinerbastei 6, statt. — In Prag sind gegenwärtig mehrere Kollektivausstelktngen zu sahen. BeachtrnLirert im R-idolfinum eine Sonderarlsstellung vor: Älfted Kn bin. die wegen großer Anziehungskrast verlängert wurde. Neu eröffnet wurde eine große Soirderansstellimg des bekannten Landschafters Wenzel Rad im skh, ferner «cine zyklische Scharr von Stimmamgsbildern der smrqerr B. Kvapil nick» von Zeichnungen des Weimarer Graphikers Helmut Astf a l ck. — Der trotz seines franjzösischen Nanrens dsntsche Maler Louis Don zette ist im Alter von 90 Icchren gestorben. Seine Populavität verdankt er dem Reiz seiner Morrdlandschafterr, die in -den Museen der ganzeir Welt zu finden sind. — In Frankfurt ftndet die Ausstelluarg des jüdischen Malers Ar-min Stern viel Beachtung. — Das ^bekannte BiDarchiv des verstorbenen Sammlers und Mähens Karl Ernst O st° > Lin Roman ans der ISdischen Gesellschaft Budapests j iDleHeimatlotenl H von Wilma v. Yuke Iich —j ~ Zwei Dtefle vor aNenr lassen blcfiMt Roman bemerkenswert und fesselnd ~£ S aus der Reiße der vielter hervortreten: die überraschende Krast, mit der ES 53 das soziale Bild einer heit und eines Kreises gegeben und die unbekümmerte ES ss Kühnheit imd erschütternde Ehrlichkeit, mit der sein Gegenstand gebracht SS HS wird. ,A7ewa Frtit iVesie* 53 Es Preis geheftet K 48.000 In tyalblelnwand K 88.000 S s Za beziehen durch jede Buchhandlung oder direkt vom Verlag ES ss Deutsch-Oeoter/oicbischor Verlag, Wien, 1. Fischerstiege 6 Ss ■_4. März 1924 Nr. M4 Haus, da? taufende wertvoller pbotogvapihischer Vatzt-n nach europäischer und ofta>siatisch:r Architektur und Kirnst enthält, wird vom Verlag Georg Müller un-tier Mtarbeit namhafter Gelehrter weitergeführt. — Der Salon Cafsirer (Berlin) zeigt in enter SonderauSstellung Bilde« von La eb e rmqnn, T r üb n er, Slevogt iwib Schuch; hiefe bildeten eine private Galerie, die fetzt durch den Verkauf anfgÄöst wird. Paul Poiret ladet dte P. T. Damen ffiix Besichtigung sei sie r neuesten Frühjahrs- und Soinmevtoitetten. die iu den Salons Richard Rosenfeld, Pailais Ähevenhüller, 9. Bgz., Tür teuft rast: 19 (A-nruf 16-1-47), Vvrgeführt werden, ein. Borftihrungelt Dienstag vort 8 bis 6 Uhr, MMvock) und die folger den Tage von halb 11 bis 1 und von 3 bis 6 Uhr. (EnftMl'ich.) Aus de» Aeatern. Burgtheater: Morgen, 7 Uhr, „Die Dran, v o n M e s s t n a". AkademtetKeater: Morgen, V,8 Uhr, „G es p e n st e r s o n a t th. B o l k 8 o p er: Heute „Fürstin Tanagra". — Morgen Mittwoch Gastsviel B a t t i st i n i im „Maskenb a l l". — Direktor Weingartner ist au« Spanien zurückgekebrt und hat sein Amt in der V o l k 8 o p e r wieder übernommen. In den K a m m e r s p i e l e n findet heute die Uronsführung des dreiaktigen Schwankes „Dar Mädel mit d e m S t o r ch" von Wolkgang Pollaczek, Musik und Gesangstexte von Dr. Robert Kätscher, statt. Im Raimund-Theater verabschiedet sich heute Max P a l l e n b e r g als § i l i o m und vwrgen als Pfandleiher in dem Volksstück „Nebeneinander". Georg Kaiser wird der am Freitag den 7. d. stattfindenden Erstaufführung seiner Dichtung „G a r", erster und zweiter Teil, beiwohnen. Im Neuen Wiener Stadttheater findet heute die 75. Aufführung der Gilbert-Operette „Das Weib im P u r p u r" statt. Tie Nenaissancebühne hat de» dreiakttgen Schwank „B a r o n i n F r i tz i" von Arnold und Emil G o l a erworben, der zwischen dem 25. d. und 1. April in Szene geht. Jüdische Bühne, 2. Bez., Taborstraße 12. Heute, V„8 Uhr abends, wird als Sondervorstellung der „Jüdischen Morgenpost" A. GoldbergS Komödie „Der Moralpredi-- g e r" aufgeführt._ Gerichlsfaal. Die Geheimnisse des Labathauptvcrlages. Der Tabak hauptverlcger Sch. brachte gegen dte Tahaktrajikantin P. eine Ehrenbeleidigungsklage ein, weil sic im November v. I. als sie bei ihm ihren Tabakmrd Zigarrenvorrat „gefaßt" ijalte, die Aeßerung gemacht hast, sie sei bei der F a s s n n g b e t r ogen und bemogelt ivorden. Bei der Verhandlung vor dem Strasstzirksgerichte 1 hielt die Geklagte ihre Befchnldigungen aufrecht und gab an, sie habe bei der Fassung um 30 Schachteln „Aegvptische" und 30 Schachteln „Memphis", somit um 00 Schachteln Zigaretten weniger bekomnten als ihr gebühren. In ihrem Fassüngsbuche fei widerrechtlich die reduzierte Summe eingetragen worden. Der Privatckläger gab an, es sei im Oktober v. I. anläßlich der damals 'bevorstehenden Preiserhöhung der Tabakfabrikate von der Tabakregie an die Tabak- Verleger' die Weisung ergangen, die Zigarrettenabgabe an die Tabaktrafiken in der Weise zu drosseln, daß jeder einzelnen Trafik nur der Drtrchschnitt der letzten Tage auszufolgen sei. Die Geklagte sei nicht verkürzt worden, er habe im Gegenteil ihr und den übrigen Trafiken etwas ntehr als den Durchschnitt gegeben. Richter: Wenn Sic mehr gaben, übertraten Sie ja die Vorschrift der Tabaregie. Kläger: Es war eine Kompensation für «ine ausgefallene Zigarrettensortc. G cklagtc: Ich habe keine Koin-pen!sation erhalten, mir fehlten im Gegenteil 00 Schachteln. Der Verteidiger der Anae- Aagtell brachte vor, gegen den Hanptverlaig des Klägers schlvebe eine Untersuchung beim Gefällsbezirlsigerichte; cs sei daher der Strafakt von der Fmanzbpsirksdireiktion einzuholen: se.rn.er tvurde die Vernehurnng des Präsidenten des Reichsverbandes der Trafikanten über Erfahrungen mit den Verlegern beantragt. Der Richter gab diesen Anträgen Folge und vertagte daher die Verhandlung. Der Diszipliuarfall eines getauften Rechtsanwaltes. Alls Budapest wird uns berichtet: Das Disziplinargericht der BndaPcster Advokatenkammer hatte dieser Tage in öffcntlichrr Verhandlung über eine seltsame Klage pl urteilen. Ws Kläger trat der Präsident der Budapester jüdischen Gemeinde auf, der Geklagte war der Ncchtsanwaltsanwärter Dr. Attila Beck. Laut der Klage erschien Dr. Beck vor einigen Monaten , im Budapester Rabbinat mit dem Ersuchen, die Anmeldung feiner Eheschließung anzunehmen und die vorschriftsmäßige Verkündung, wie das bei jüdi-schrn Trauungen üblich ist, in der Shnagoge vornehmen zu lassen. Der Bitte witrde Folge gegeben und die Verkündiglmgsakten der Kultnsgemeinde von Zombor. dem Geburtsort Dr. Becks, überisendet. Das Zorwborer Rabbinat sendete die Akten mit der Bemerkung zurück^ daß Attila Beck Wohl als Jude geboren wurde, gegenwärtig icdoch der reformierten Kirche angehöre und demnach nicht von einem Nabbiner nach jüdischem Ritus getraut werden könne. Die Budapester jüdische Gemeinde erblickte nun in dem Umstand, daß Dr. Attila Beck im Rabbinat seine hmrttge Religion^ Angehörigkeit verschwieg und durch Irrefühenng die Bcrkündi' gung erreicht hat, ein Verhalten, das mit de»n Ansehen des MwokatenstandeS unvereinbar ist, lveshalb sie die Angele geilheit dem Disziplinargericht der Kammer zur Anzeige brachte. Dr. Beck verteidigte 'sich in der Verhandlung damit,. daß er Wohl verschwiegen hast, daß er reformierter Konfession sei, andersrsieitS aber vom Rabbiner, der ihn nach seinem Namen für einen Juden hielt, nach feiner Konfession nicht gefragt Wurde. Daß ein jüdischer Seelsorger die Trauung von Personen anderer Konfession nicht vollziehen dürfe, baue er n i ch t gewußt. Der Anwalt der Kammer verlangte vie Bestvasuug des Angeklagten. Das Disziplinargericht fällte jedoch ein freisprechendes Urteil. Dir Begründung ist genau so seltsam, wie die ganze Angelegenheit. In der Begründung wird es als höchst unwahrscheinlich au genommen, daß der Rechtsanwalt als gewesener Jude in Unkenntnis dessen gewesen wäe, daß dte Vollziehung der Trauung von andersgläubige» Parteien durch den jüdischen Seelsorger gegen die staatlichen und auch gegen die Neligionsgesetze verstoße. Aber andererseits habe der Kammeranwalt sich mit dieser Seite der Frage gar nicht befaßt. Es handle sich hier ohne Zweifel um eine gelinde Irreführung, wobei jedoch angenommen Werden kann, daß Dr. Beck stim Anblick des Rabbiners sich in einem seelischen Zustand befand, der ihn unfähig machte, sich zu jenem höheren moralischen Grad zu. erheben, den die Advcckatenlkammer von jedem ihrer Nttiiglieder mit Recht fordern kann. Dos Gericht hat daher nach Erwägung aller Umstände gefunden, daß die Anwendung auch der ntlidesten in str Advokatenordnung vorgesehenen Straft in diesem Falte zu schwer wäre, vx'shalb es gezsinrngen war den AngMagten fv'zusprechen. ^89785767983^508^97219 02482348534848482353480248235323480253482353235323234891534848534848