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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-04 · Heft 1814 (4.3.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1814 (4.3.1924)
Date
1924-03-04
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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~ ggfetfeg __ ~*** 3. Mq .— jj,. ffl't Jer Bankbeamtenstreik. eine aemelnssM Dorbesprechmg. — Berschärsung der Lage infolge der gestrigen Jemonstrationen. - Sevsrste?;ende Wiederaufnahme des Klearingverkehrr. - Sine antisemitische Stteikrede. ‘jBimw— ~ sm, Set Lonaufchlstsverlehr. Ltarke Tariferhöhung bevorstehend. Vvküpest, 8. Mär^. (Tel. der „Wr. Morgcuze'ltnng".) Am 18. Marz wird der Schiffsverkehr auf der Donau wieder a u f g e n o> m nr e n. Die kartellierten Donau-Dampfschifsahrksgesellschafwn Planen eine starke Erhöhung der Tarife sowohl im Frachtenverkchr wie insbesondere auch fiir den Passagierverkehr zwischen B u d a p e st und W i o tu gnterparlamentarische Union. Am 29. Februar fand hu Parlanront die InvreT' derfammlnng der österreichischen Gruppe der Interparilamentariischen Union statt. Präsident Nationalrat Dr. Mataia erstattete den Tätigleitsbericht, aus welch ein insbesondere d'e zahlreiche Beteiligung der österreichischen Gruppe an der Int er parlamentarischen Konfevcnz in Kopenhagen m August 1623 (25 Mitglieder) hervorziiheiben vst. Am 6. April d. I. wird in Strahburg der Interparlamentarische Rat znsammentrclen. um die diesjährige Konferenz vorznbereitm und einige tarnende Fragen zu erledigen, darunter eine Revision der Statuten und em Reglement fiir die iuterparlameniarischeu- Konferenzen. Dr. Mataja wunde zum Präsidenten tvieder- SÄvähli. % ViViSatn. Tagesbericht. Monarchismus als SamiertriS. Wir „Corriere della Sera" berichtet, wurde in einem Mailänder Hotel em gewisser Ostrovski ans Bamberg aus eine Anzeige des aus Berlin stammenden Salomon Ganz verhaftet. Ostrovski soll dem Ganz ‘lnOO Dollar und 6400 holländische Gulden abgeschwindelt haben, die Ganz ihm in Deutschland zum Wechseln ubergeben hatte. Ostrovski erzählte bei keiner Einvernahme eine sehr abenteuerliche Geschichte: Er sei Student der Chemie in Berlin und gehöre einer Gruppe an, die die Niederster st cllnng der Monarchie bezwecke. Salomon Ganz sei im Aufträge eii»es Berliner Kommunisten namens Goldberg enr ihn herangetreten, um von ihm Enthüllungen über die Bestrebungen dieser monarchistischen Gruppe $tt erhalten. Ostrovski sei scheinbar darauf eingegangen, habe sich die erwähnte Summe geben lassen und sei damit nach Italien geflohen. Die italienischen Behöben können gegen ihn als Ausländer nicht -inschreiten und werden jetzt über seine Auslieferung entscheiden. . -- -MM' Der deutsche Srstndergeist. Paris, 3. Mao;. (Havas.) In Besprechung eines ans Dresden gemeldeten Unfalles in einem dortigen militärischen Laboratorium, dem sieben Menschenleben zum Opfer gefallen sein sollen, stellen die Matter die Behauptung auf, die deutsche Armee verfüge über ein neues ans Blausäure hergestelltes Gas ohne Geruch, Farbe rrnd Geschmack, das eine verheerendere Wirkung auSzuüben imstande sei als die im Weltkriege Verwendeten Gase. Kein Ausgleich zwischen den Wiener Damenmodefirmen nnd Voiret. Als Ergebnis einer Protestversammlung der Wi ner Modesalons gegen den französischen Schneider Poiret wurde derlautbart, daß es zwischen den Wiener Modesalons nnd Poiret gmem Ausgleich gekommen sei, indem der große Poiret-Ball gemeinsam mit den Wiener Damenmodefirrnen veranstaltet werde. Wie uns von maßgebender Stelle mitgeteilt wiÄ>, ist von einem Ausgleich zwischen den ersten Wiener Modesalons und Poiret keine Rede. Die ersten Wiener Damemnodesirmen lehnen jede Gemeinschaft mit Poiret in bezug auf seine Veranstaltung a b. Poiret erklärt demgegenüber, daß er nicht nur Waren nach Wien bringe, sondern auch gewisse Modeerzeugnisse, die «ine Wiener Spezialität sind, soweit sie in den Rahmen seines Unternehmens fallen, in Paris einführe, so seine Wäsche, die er von einem der ersten Wiener Wäschesalous begehen werde. Vor einer Schließung der großen H-Mz, Pensionen und (Sanatorien? , Wegen der Wohnbausteuer. Wie mrs von zuverlässiger Seite mitgeteilt wird, hat in eurer kürzlich stattgefundenen geheimen Sitzung die Bereinigung. der Wiener Hoteliers (Genossenschaft der großen, dem Fremdenverkehr dienenden Hotels) einhellig den Beschluß gr- Mt, zuBeginn der Wiener Messe ihre Betriebe zu schließen, falls die Absicht der Rathausmajorität, die Wohnbausteuer neuerlich zu erhöhen, durchgeführt würde. Mit diesem Beschluß haben sich die Sanatorien und Pensionen sowie die obige Unternehmungen beliefernden Fleischer solidarisch erklärt. , Mit Rücksicht auf die schwere Schädigung, die dem Ansehen der Stadt Wien und dem Wirtschaftsleben unserer Republik aus einem derartigen Vorgehen erwachsen würde, erscheint unbedingt die Nottvendigkeit gegeben, daß alle in Betracht kommenden Faktoren ihr möglichstes tun, um eiucn derartigen folgenschweren Konflikt Zu vermeiden. In der Angelegenheit des Banken strciks hat der Bundeskanzler gestern sowohl mit dem Banwnverband als mit der Organisation der Bankangestellten Fühlung genommen, um festzustellen, ov der Zeitpunkt für die Wiederaufnahme der Einigungsverhändlungen bereits gekommen sei. Er empfing nachmittags den Abg. Allina »ad in beit Abendstunden den Präsidenten de>:> Bnkenverbandes, Dr. H a m m c r s ch l a g, nnd hatte mit beiden längere Unterredungen. Das Ergebnis ist, daß heilte zwar voraussichtlich die Ein i g n n gsverh and! ii ii g r n st! dst noch n i ch t ausgenommen werden, wohl aber hat der Bundeskanzler für 1l Uhr vormittags einige Vertreter beider Stteitteile zu einer geincinsameu Vorbesprechung in das Bnndeatanzleramt eiugeladen. Die Einladung wurde beiderseits angenommen. Die Z e n t r a! st r e i k l e i t n n g betrachtet durch die Einberufung zu der gemeinsamen Vorbesprechung, an der ein gleichbeschickies Verhandlnugskomitee teiluehmen wird, die seit Mittwoch den 27. Februar abgebrochenen Verhandlungen alS wieder ausgenommen. Große Demonstrationdcr Streikenden. Im Laufe des gestrigen Vormittag« kam e8 infolge der Demonstrationen der Bankbeamten ans dem Schottenring zu Tumulten und Zusammenstößen mit der Wache. Ein größerer Trupp zog zur Depositenbank und von dort zur Zentralbank deutscher Sparkassen Am Hof, wo gleichfalls mit Rusen, Pfeifen usw. demonstriert wurde. Die Wache drängte die Demoiistrünten ab, die hieraus zur Auglobank zogen. Der Zug der Deuronstranten war indessen auf etwa tausend Personen angewachien. Als die Demonstrautcu bei der Auglobank ankamen, ivar vor dem Hause der ehemalige Tertionschef und jetzige Generalrat der Auglobank Dr. Schwarz Wald gerade im Begriffe, sein Auto zu besteigen. Als die Streikenden seiner ansichtig ronibcn, drängten sie unter lauten Demonstrationsrusen stürmisch gegen das Auto vor, so daß die Wache, die ihnen entgegentcat, die Säbel ziehen musste, ohne jedoch von der Waffe Gebrauch zu machen. Verletzt wurde niemand. Nachdem die Menge dort abgedrängt war, bewegte sich der Zug zum Bankverein, wo es gleichfalls zu Demonstrationen kam. Eiice bei dieser Gelegenheit vorgenonimene Arretierung hatte zur Folge, daß die Menge der Demonstranten neuerdings eine drohende Haltung gegen die Wache einnahm und der Eskorte des Arretierten über den Schottenring zur Polizeidirektian folgte. Dort bildete ein starkes Wacheanfgebot einen Kordon, der die Demonstranten auf die der Polizeidirektion gegenüberliegende Seite des Schottenringes zurückdrängte. Einige Redner, die dort austraten, veranlaßten die Streikenden, abzuzieben. Bei diesen Zusarnurenstößen wurden sechs Verhaftungen vorgcuommen. Während der Demonstration am Schottenring stürzte ein Wachmann bewußtlos zusammen und st a r b bald darauf. Es wird Herzschlag angenommen'. Auch vor der Börse fand eine Demonstration der Streikenden statt, da Verlautbart wurde, daß der Direktor der Nationalbank Hofrat Stankovics mit einigen Beamten der Devisenzeutrale den Dienst versehe.;j() Oberbeamte der Nationalbank nehmen den Dienst wieder ans. Die Nationalbank teilt mit: Die lange Dauer des Streiks droht, die Nationalbank an der Erfüllung ihrer hohen, ans dem Gebiete der Valuta- und Geldpolitik liegenden Aufgaben zu verhindern. Aus diesem Grunde haben sich ungefähr 30 Oberbeamte entschlossen, unter Bedachtnahme auf die besondere Verantwortung^ die sie zu tragen haben, den Dienst sofort wieder aufzunehmen. Die Devisenzentrale hat mit der Abarbeitung der Rückstände sofort begonnen nnb hofft, in den allernächsten Tagen so ii'dt zu sein, daß der ossizielle Clearingverkehr wieder ausgenommen werden kann. Keific Me ssc-Mechscl stubc«. Die ursprünglich bestandene Absicht, Wechselstuben der Städtischen Zentralsparkasse in den Messehäusern zu errichten, mußte laffcu gelassen werden, weil die Streikleitung keinerlei Erleichterung für die Däner der Messe zuzugestehen bereit sein soll. Verschärfung der La^e. Tie Strcillüge hat insvsercr eine beträchtliche Verschärsimg erfahren, als durch den Anschluß von 3100 Angestellten der Provinzsilialen die Zahl der Streikenden wesentlich verstärkt wurde. Am Samstag wurde den Beamten der Provinz-filialell der halbe Gehalt und jenen der Bank für Oberösterreich und Salzburg sogar der volle Gehalt ausbezählt. Eine Stunde später brach der Streik auch bei diesen Zweigstellen aus, die lvährend der ganzen. 14 Tage sich vocc dem Allsstand ferllgehalten haben. Bei den Salzburger Filialen der dem Bankenverband angehörenden Injlilnte ist der Streik der Bankbeamten vollständig. Nur die keinem Verband ailgehörenden Jllstillltc sind noch nichl in den Streik cinbezvgen. Aus alle Fälle vom Streik befreit ist bisher nur die Salz, burger Sparkasse, die sämtliche Forderungen der Arlgestellten bewilligt hat. Ein antisemitischer: Redner: in einer: Streik« versamurlung. i In der Bolkshallc des Rathauses fand gestern Vormittags eine Versammlung der ausgesperrten Angestellten der Mittelllild.Kleinbanken statt. Es sprachen Vertreter des Reichs- Vereines der Bankbeamten sowie eine Anzahl von Abgeordneten. Alle versicherten die Zuhörer, daß die Arbeiterschaft geschlosien hinter den Streikenden stehe. Einen peinlichen Eindruck machte e? auf die Versammlung, daß die Streikleitung auch einen angeblichen Gewerbetrerberrden rcamens Eich ing e r zu Worte kommen ließ, der wahrscheinlich die Sympathien seiner Berufsgenosien hätte auSdrücken sollen. Cr tat dies nicht, hielt aber eine Rede, die das Niveau des Kampfes bis zur Unerträglichkeit herabdrückte. Die Direktoren, meinte er, seien Leute, die vor ein paar Jahren noch nicht gewußt hätten, was man mit einer Waschschüssel anfängt, und heute im Auto fahren. Das ist eine der milderen Stellen in dccn Gcschimpf dieses Mannes, der schließlich auch noch die antisemitische Walze einlegte. Es wird im Ilttevesse der Aufrechterhaltnng der Stimmung notwendig sein, daß die Streikleitung in Zukunft sich die Personen genauer besieht, die Sympathien cnlszudrncken vorgcben. Es lvird nicht geduldet werden, daß sich die Haken» kreuzlerei in die Sache mengt. Sollte ein solcher Versuch unternommen werden, ohne sofort durch ein Desaveu der Streikleitung zurückgewiesen zu werden, dann wäre die Einheit der Kampffront sofort zerbrochen. Keine Bewegung in -er Kmlfnrannschast. Aus Bankkreisen werden die Meldungen, daß sich in der Kaufmannschaft eine Bewegung gegen die Banken fühlbar mache, weil die Störungen durch die Einstellung des Bankbetriebes im legitimen Handel angeblich einen großen Umfang annehmen, als unrichtig bezeichnet. Allen seitens der Kauf- Mannschaft ohnchm nur in reduziertem Umfange gestellten Forderungen an die Banken wird von diesen in dem gewünschten Maße entsprochen. Ans dem Mrriklnger. Bon der Zentralstreiklertung wird mrtgeteilt: In der Streiklage hat sich eine wesentliche Veränderung gestern reicht ergeben. Die Stimmung der Streikenden ist zuversichtlich, doch macht sich zusehends eine steigende Erbitterung in den Kreisen der ausgesperrten und streikenden Angestellten geltend. Der Montag ist erfahrungsgemäß bei der Führurrg von Streiks der kritische Tag. Nach den der Streikleitung vorliegenden authentischen Berichten ans den Betrieben ist bei der Mehrzahl der Banken keine Veränderung im Stande der Arbeitswilligen eingetreten. Unter den 90 Arbeitswilligen in der Nationalbank befindet sich der Obmann der Sektion „Bankangestellte" des Deutschnationalen Handlungsgchilfenverbandes. Bei der Länderbank haben sich fünf Prokuristm zur Arbeitsaufnahme gemeldet. Bei der Niederösterreichischen Cskomptegesellschaft zwei Angestellte. Bei der Bodenkreditanstalt sind drei Angestellte «uS dem persönlichen Bekanntenkreis der leitenden Funktionäre der Anstalt in den Betrieb gegangen. Bei der Oestcrreichi« scheu Industrie- und Handelsbank hat sich ein Skontist zur Arbeitsaufnahme gemeldet. Bei allen anderen Banken ist keine Veränderung eingetreten. Insgesamt ist die Zahl der Arbeitswilligen mit drei Promille der streikeuden urrd ausgesperrten Angestellten eher zcr hoch als zu niedrig gegriffen. * Die für die Wiener Bevölkerung besonders empfindliche Verschärfung des Streiks durch seine Airsdehnutlg aus die Wiener Vieh- und FleischmarktSkasse, tvelche dem Bürgermeister durch ein Schreiben der Zentralstreikleitung angckündigt wurde, ist bisher nicht in Kraft gesetzt worden. * Von der Streikleitung wird zu beit gestrigen Straßcuklmdgcbimgen mitgeteilt, daß die Zusammenstöße beim Schottentor deshalb erfolgten, weil es dort zu ltumoti» vierten Verhaftungen einzelner Demonstranten kanr, die betvirktcu, daß der ganze Zug, der bereits in Auflösung begriffen war, durch Zurufe aufmerksam gemacht, den Verhafteten zur Polizeidirektion nachzog. Ein Ultimatum der Beamten der Ersten österreichischen Sparkasse. Die Beamten der Ersten Oesterreichischen Sparkasse haben der Direktion die Forderung überreicht, ihnen eine 10 p roz e n t i g e Erhöhung ihrer Bezüge zu b e w i l t i g e u, uuv verlangen die Erledigung bis heute mittags, widrigenfalls, sie in den Streik cintretl'u würden. Die Bilreanzeit dauert von S bis 2 Uhr. Die Gewährung der Ivprozeniiizeil Erhöhung an die Sparkassen beamten würde einen Präjudizfalt beinhalten. Die Leitung der Ersten Oesterreichischeil Sparkasse U'ivb int Streikfalle trachten, mit Unterstützung der Tirei.rv.u einen! Notdienst aufrechtzuerhalten.

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