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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-04 · Heft 1814 (4.3.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1814 (4.3.1924)
Date
1924-03-04
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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gfc Ml Wien, Vievstas_ Wiener Morgenzeitung._4. März 1924 _ SM > Me „Protokolle der Weifen von Zion" 2. Sitte der Klosterbettler?) Kennen Sie schon die grandiose Wirkung des Franzbranntwein? Feder Gesunde tma jeder Kranke Wird es Ihnen bestätigen, dass die denkbar beste Wirkung durch Sima- Franzbranntwein mit Menthol erzielt wird Ueberall erbSittich Liana-Franzbranntwein Prodnttions Gef. WIEN, II. PRA Q, Till Engerthstraese 189 Lieben, Drahobeljova 1073 Rechts und links in der Berliner Sozialdemokratie. Auseinandersetzungen bei den Reichstagskandidaturen. Berlin, 3. März. Gestern wurde hier der Bezirks- Parteitag der SoziaNemokraten von Berlin und Teltow-Beeskow abgehalten, um die Aufstellung der Kandidaten für die Reichstagswahlen vorzunehmen. Im Anschluß hieran kam es, wie die „Montags- Pos^ meldet, zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen dem rechten und dem linken Flügel der Partei, die damit endete, daß alle rechtssozialistischen Kandidaten ihre Kandidatur niederlegten, weshalb vereinzelt bereits von einer bevorstehenden Spaltung der Partei gesprochen wurde. Der Parteivorsitzende Dittmann, der zur Einigung mahnte, wurde niedergeschrien. Zu neuerlichen Zusammenstößen führte ein Antrag des radikalen Flügels, der Bezirkstag möge gegen di« Ausstellung Noskes als Spitzenkandidat für Hannover Stellung nehmen. Nach lärmender Debatte wurde der Protest vom Vorsitzenden für angenommen erklärt. Aufhebung der polnischen Arbeitsminifteriumr. Warschau, 3. März. (Wirtschaftspoilitifche Korr.) Im letzten Ministerrat wurde die Liquidierung des Ministeriums für öffentliche Arbeiten befchllofsen. Me ewige Bombe. Lodz, 2. März. (Tel. der „Wiener Morgonzeitung".) Gestern abends wurde gegen das Hans des Präsidenten des Handelsverbandes Dr. Barcinski eine Handgranate geschleudert. Die Fassade wurde beschädigt nnd einige Fensterscheiben gingen in Trümmer. Menschenleben sind nicht zu lbeAagen. Die Polizei hat eine energische Untersuchung emgeleitet, um der Täter habhaft zu werden. Warschau, 3. März. (P. T. A.) Samstag explodierten im Schnellzug Le mb er g—W a r s ch a u zwei Bomben. Es wurde kein größerer Schade verursacht. Man vermutet, es mit einem Attentat zu tun zu haben, das von ukrainischen Kommunisten gegen höhere Polizeibeamle, di« sich in diesem Zuge befanden, geplant wurde. Ae anttfemttische Hochschulhehe in Polen. Aus Warschau wird uns unterm 1. d. berichtet: Die antisemitische Hetze an den polnischen Hochschulen geht unenttvegt tveiter. Die gestern stattgesundene Generalversammlung der akademischen Vereinigung B r o t n i c P o m o c, welche von der Negierung subventioniert wird, hat den Verschluß gefaßt, daß j ü b i s,ch e H o ch s ch ü l e r dieser Vereinigung nicht als Mitglieder an gehören können. Die Vertreter der unabhängigen sozialistischen Jugend verließen den Beraiungssaal, da sie diesen Beschluß nicht anerkennen wollten. In der Diskussion ergriff auch der Rektor der Warschauer Hochschule Prof. Lys-- ik o w s k i das Wort, welcher zur Besonnenheit mahnte und daran erinnerte, daß Po-len jetzt im Zeichen der Sanierung stche. Dieser Moment sei für solche Experimente und Hetzereien nicht entsprechend. Der Appell blieb erfolglos. Unter dem Drink seiner verschlechterten äußeren Verhältnisse geschah ein Umschwung in Nilius' Gesinnung, und siehe! der Anarchist und Lebemann wurde zum orthodoxen Gläubigen, ja zum Mystiker und Spiritisten. Er ivandte sich besonders dem Mystizismus der russischen Kirche zu und begann ein Bagabu'ndenleben, indem er von einem Kloster zum anderen in Rußland wanderte. Als er 1900 eine religiös-mystische Schrift, welch,e die Bekehrung eines Freidenkers zum orthodoxen Glauben darstettt, veröffentlichte, lenkte er ctwf sich die Aufmerksamkeit der Großfürstin Sergi u s, einer hessischen Prinzessin, welche nach dem gewaltsamen Tode ihres Mannes, des Statthalters von Moskau — er wurde von Revolutionären ermordet — als alternde Dame von höfischer Leichtlebigkeit in nonmnhafte Gottergebenheit gefallen war Md sich an die Spitze griechischerihodoxer Frömmigkeit und sämtlicher russischer Klöster stellte. Zu jener Zeit lebte und wirkt« am Hose des Zaren Nikolaus des Zweiten ein Franzose namens Philippe, ein Spiritist und Tausendkünstler, Magnetiseur, Hypnotiseur, Gvisterbeschwörer und Gedankenleser, welcher einen großen Einfluß anf den Zaren ausübte, so daß die höchsten Würdenträger um seine Gunst buhlten. Philippe war Freimaurer, gehörte zum Orden der Mart misten und hat den Martini s-mus auch am Zarenhose eingeführt. Der Zar selbst soll Präsident einer solchen Loge gewesen sein. Als patriotischer Franzose bearbeitete dieser Magier den Zaren zwar zugunsten Frankreichs, indem er jedesmal, wenn er dem Geist Alexanders den Dritten heraufbeschwor, ihn von der „unverbrüchlichen Treue zu Frankreich" zum Sohne sprechen ließ, als Anhänger des Martinismus aber war er Pazifist und wirkte in diesem Sinne Mif den Zaren ein. Die pazifistischen Anwandlungen des letzteren, welche bekanntlich zu den Haager Friedenskonferenzen führten, sind in hohem Maße diesem Einfluß zu verdanken. Diese Beherrschung der zaristischen Gedanken durch den Franzosen erweckte die Eifersucht anderer Hofgrößen und ärgerte besonders die hohen Militärs, welche' die pazifistische Bearbeitung des Zaren für schädlich hielten Die Folge davon war, daß sich allmählich am Hose eine Partei gegen Philippe bildete, au deren Spitze die .Kaiserin-Witwe in Petersburg und die Großfürstin Sergius in Moskau sich stellten. Der Haß der Kaiserin- Witwe gegen Philippe ging so weit, daß sie -Ratschkowsky beanstragte, Material gegen den Franzosen zu sammeln. Ms aber die von Ratschkowsky heran sgefnn'denen kriminellen Verbrechen PH Nippes ohne Wirkung aus den Zaren blieben, mußten die „Protokolle", welche Ratschkowsky zu jener Zeit, wie es mit Bestimmtheit angenommen werden kann, schon fertig in den Händen hatte, herhalten. Diese sollten die Ränke der Freimaurer vor die Augen des Zaren führen und, da Phillipe als ihr Abgesandter leicht hin gestellt werden konnte, chm beweisen, daß er unter die Herrschaft seiner Todfeinde geraten sei, welche danach trachteten, die Monarchie in Rußland zn stürzen. Diejenigen Stellen in den ,/Protokollen", welche mit besonderer Heftigkeit die Tätigkeit der Pazifisten angreistn, sogar die Person Leon Bourgeois nicht schonend, sind höchstwahrscheinlich zu jener Zeit in diese emgefügt worden und sollten eine besondere Spitze gegen Philippe bilden. Dadurch verband also Ratschkowsky mit dem Hauptzweck der „Protokolle", der darin bestand, einen Schlag gegen die Inden und den Liberalismus zu führen, noch -den Nebenzweck — die Diskreditierung Philipp-: s, was 'das Pamphlet umso wertvoller machte. Die Großfürstin Sergius war ihrerseits von der Idee beseelt, den französischen Spiritisten am Hofe durch einen russischen rechtgläubigen Mystiker zu ersetzen, welcher die geistige Der Be«zlnstandal in Prag. Prag, 8. März. Wie die Polizeikorrespondenz meldet, haben die Militärbehörden festgestellt, daß bei der Vergebung von Benzinlieserungen für das Ministerium für nationale Verteidigung Unregelmäßigkeiten vargekommen sind. Einzelne Referenten dieses Minisiernvms haben Tausende von Kronen an Bestechungsgeldern entgegengenommen und die Firmen, die das Benzin zu liefern hatten, haben im Bewußtsein dar Bestechlichkeit der Referenten bei der Lieferung schlechtere Ware geliefert, als sie offeriert hatten. Im Laufe 'bei' Untersuchung wurde weiterhin sestgestellt, daß sich einige Zivilpersonen des Verbrechens lder Verleitung zum Mißbrauch der Dienstpflicht, der Bestechung rmd des Betruges bei Lieferungen schuldig gemacht haben. Gegen diese wurde die Strafanzeige erstattet. Aus diesem Grunde wurden der Privatbeamte Gottfried Stufka, weil er Referenten des Ministeriums für nationale Verteidigung bei der Vergebung von Beuziuliefermigen zur Verletzung der Dienstpflicht verleitet hatte, ferner der Direktor der Naphthagesellschaft in Prag, Gottlieb B c rt o n i, und der Ministerialrat Dr. Josef S v a >t e k, weil er nach der Aussage der Verhassten an den Manipulationen beteiligt war, und, da Kollusionsgefahr bestand, verhaftet. Außer den Genannten sind auch mehrere Mililärpersonen verhaftet.worden. Bis jetzt wurden verhaftet: Stabskapitän Bo übel c>, Stabskapi>tän D o st a I, Kapitän Kutlvaser, Stabsoffizier des Iustizdienistes Ada in und Major Mot tl. Im ganzen Herrschaft über den Zaren übernehmen soll, und faqid i* de Person des Nilus den geeigneten Mann, der den uiwliebsamei und schädlichen Franzosen ablösen konnte. Sie arbeitete aul diesen Plan hin, welchcr noch mit einer Heirat des NAuS unk einer Hofdame der Zarin, einem Fräulein Oferowa, kom» diniert wurde. In diesen Plan wurde auch Ratschkowsky ein geweiht. Was lag nun für diesen gewiegten Spitzel näher als d» „Protokolle" im Wege der Veröffentlichung durch Nilus zu» Kenntnis des Zaren bringen zu lassen? Da man sich bei Nikolaus dem Zweite« durch nichts besser'als durch eine Schmähschrift gegev die Juden einführen konnte, da ferner die Angliedernng der „Protokolle" an die mit Geheimformeln nnd -Zeichen verzierte mystisch-religiöse Schrift des Nilus den mystisch veranlagten Zaren für die „Wahrheiten" der ersteren noch empfänglicher machen mußte, so war der Erfolg des Werkes sowie der des Nilus sicher. Dieser Erfolg aber barg in sich einen zweifachen VoHeil siir Ratschkowsky: erstens die Beseitigung Philippes, was ihm die Gunst höchster Stellen eingebracht hätte, uni: zweitens die Erwerbung eines dankbaren Freundes in der Person des künftigen geistigen Beherrschers des Zaren. Mit der verflossenen Freundin von Ailus, Frau K„ welche in Paris verblieb, traf Ratschkowsky oft in dortigen spiritistischen Kreisen zusammen, da Frau K. unter dem Einfluß von Nilus dem Spiritismus sich zuweudete nnd auch Ratschkowskys für die okkulten Künste eine Passion besaß. Es war also nichts gelegener für Ratschkowsky, als die „Protokolle" der Frau K. zu übergeben, welche sie au Nilus übermitteln wollte. Was sie auch tat. In der Ausgabe der „Protokolle" von 1917 behauptet allerdings Nilus, diese vom Adelsmarschall Suchotin, einem bekannten russiischen Reaktionär und Bauernschinder, erhalten zu haben?) Es ist also möglich, daß Frau K. das Manuskript nicht direkt an Nilus übergab, sondern durch Suchotin übermittelte. Es ist aber auch möglich, daß Nilus die Person Suchotins nur vorgeschoben hat, um seine Freundin Frau K. nicht an die Oeffentlichkeit zu bringen. Jedenfalls Herrn du Chaillela erzählte Nilus, daß er die Protokolle" dire-kt von Frau K. erhielt und daß diese das Manuskript vom „General" Ratschkowsky bekommen hatte, dem es gelungen war, die „Protokolle" direkt „dem Archiv der Freimaurer zu entreißen". Wie oben erwähnt, behauptet Nilus im Vorwort zu ersten AuSgäbe der „Protokolle", sie seien von einer vaterlandsliebenden Frau — worunter also Frau K. zu verstehen ist — einem Frei- ■ maurer der höchsten schottländischen 33. Potenz gestohlen worden. Diese« Freimaurer der höchsten schottländischen 33. Potenz scheint er also später verleugnet zu haben. *) In der Einleitung zur deutschen Uebersetzung der „Protokolle" gibt der Uebersetzer Gottfried mt Beek eine andere Schilderung davon, wie man in den Besitz der „Protokolle" gekommen ist, zum besten. Einem nach dem in Basel 1897 stattgefundenen Zionistenkongreß von der russischen Regierung eigens entsendeten Geheimagenten gelang es dort, den jüdischen Vertrauensmann der ok.cn Leitung der Freimaurer, der die „Protokolle" an die 1807 gegründete jüdische Loge ,,zur ausgehenden Morgenröte" — welche übrigens den Vorzug hat, nie existiert zu Habei' — in Frankfurt a M. zn überbringen hatte, zu bestechen. Auf dem Wege von Basel nach Frankfurt übernachtete dieser Vertrauensmann in einem kleinen Städtchen, wo der russische Agent ihn mit einer Schar von Schreibern erwartete, welche über Nacht die Abschriften anfertigten. Die Abschriften wurden dann an verschiedene zuverlässige Personen in Rußland gegeben, darunter auch an „den Gelehrten S. Nilus, der sie im Dezember 1901 ins Russische übertrug". wurden bisher 16 Militär- und Zivilpersonen verhaftet. Die Bestechungen datieren schon feit einem Jahre her. Ministerialrat Dr. Sva t e k soll die Verbindung der Naphtha- - gesellschaft mit den Offizieren her gestellt haben. Wie Wieske Slovo" meldet, sind außerdem noch eine Großbank und eine Reihe weiterer Militär- und Zivilpersonen in die Affäre verwickelt, darunter Frau Kolben-Angelescu, die gegenwärtig in Rumänien weilt. Nem, nem; soha! Budapest, 3. März. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Gestern abends kam Erzherzog A lbrecht in Bekescsaba an, nm an einem Ball des Heldenbapitels des Komitats Bekes teilzu nehmen. Der Erzherzog war von seinem Migeladsu tauten begleitet, ferner befanden sich in feinem Gefolge der erste Flügeladjutant des R e i ch s v e r w e s e r 8 Oberst Magashazy sowie die Obergespane der umliegenden Komitate. Der Erzherzog wurde im Bahnhof von Bekescsaba vom Obergespan Brand empfangen. Am Ball nahmen der gesamte Hochadel und alle Notabilitäten des' Komitats teil. Ein Chor von Univevsitätshövern sang das irrcdcntistis§se Kampf!ich „Nem, nem, soha!" („Nein, nein, niemals!"). Der Tanz wurde durch den Erzherzog eröffnet, der im Saal mit den Klängen der Nationalhymne empfangen wurde. Siehe ,Mener Morgenzettmrg" vom 2. März 1924. P““Covercoat für Kleider u. Kostüme lST#T#pl SEIDE*

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