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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-04 · Heft 1814 (4.3.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1814 (4.3.1924)
Date
1924-03-04
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Mene« KL MSq Bto. 1814 atebt diplomaMches Notenspiel mehr, die ganze Well zu mck> die Zeit der Radiophonie ist für die öden Kmmegveßereien der Berufshetzer sehr tntgütlstig. Die Arberterregienmg läßt sich nicht deinen und sollte es ihr nicht gelingen, Herrn Poincare zu überzeugen, dann werden das seine Wähler trm. Hitlers Armee. gnfnuterieschulr uud Reichswehr. — Ser neue General Dort. (Eigcndienst der „Wiener Morgenzeitung".) Las englische Riiftnngsvroblem. Wo» unserem Londoner W.-Korresponventett.) Objektiv betrachtet, stellt das RüsKmgsproblem eine sehr peinliche Frage für viele ftiedensliebende Engländer Lar. CS ist weder Imperialismus, noch Kriegshetze der Presse «»der der Chauvinisten, wenn man heut« in England ein wenig geangstigt ans die eigerve Wehrlosigkeit schaut mrd d« Fordertrng nach Stärkung den- Wehnnacht erhebt. Trotz der Washingtoner Konferenz und aller Mrüstungspläue, trotz des Bölkerbtrndes, gleicht heute Europa einem großen Heerlager. Deutschland, Oesterreich, Ungarn und Bulgarien find fast vollständig entwaffnet, lind trotzdem ist die Zahl der Soldaten Europas lnn critc Million Mann größer <ÜS sie am Vorabende des Weltkrieges 1914 war. Eine Stunde Fahrt von Dover entfernt, wacht der nächste Nachbar Englands, Frankreich, mit brci Viertel Millionen Soldaten auf Friedensfuß, «nzähligont Kriegsmaterial, entwickelter Luftschiffahrt, die mMtaristischefte Macht Europas. Milrtärischer als das Deutschland des Kaisers Wilhelm. Italien rüstet, die neuen Staaten im Oflcit mrd Süden geben Milliarden für Rüsttmgen aus. Aber nicht nur in Europa zeigt sich dieses BrD. Die Fntereffen des britischen Imperiums reichen ja in alle Welttelle. Und berall stoßen sie auf Rüstungen. Der Bundesgenosse und zugleich große Rivale, Japan, ist herlte bewaffneter denn je. Mit feritex Macht bedroht er die britischen Interessen in Oftasien und im Pazifik mittelbar auch in Indien. In Älsrika organisiert Frairkreich systcnralisch. die schwarzen Stänrme und lehrt sie, wie man die Weißen mit ihren eigenen Waffen schlägt. Wie, wenn em[t die Nemesis der Geschichte losbricht, und der weißen Herrschaft im schwarzen Kontinent ein Ende bereitet wird? Ist da nicht der britische Besitz in Südafrika einer furchtbaren Gefahr ausgesetzt? lind endlich sind heilte die Vereinigten Staaten stärker denn je und bestreiten mit ihrer Flotte die Herrschaft über die Meere. Der Traum der Beherrschung der Weltmeere ist verflogen. Darüber nmcht man sich in London keine Jllllsionell mehr. Noch mehr, weiß man, daß ohne die Einwilligung Amerikas England heute nicht imstande ist, eine Wirtschaftsblockade gegen irgendein Land duvchzuführen, ja sogar dann nicht, wenn diese Blockade im Aufträge des Völkerbundes gegen ein widerspänstiges Mitglied gerichtet lverden sollte. Nicht zu vergessen ist dabei die Taffache, daß England nach Beendigung des Krieges vollkommen abgerüstei hat, und heute, bei vermehrter Verautwortlichksit fine die Reichsverteidigung, militärisch schwächer beim je dasteht. Ein befoiÄers wunder PuM ist die Gestaltung der Luftstrellkräste. Die Erfahrungen des Krieges lehrten, daß auch eine Insel nicht unverwundbar ist, wenn der Feind mit allen technischen Kricgsanittelu aus-urüstet ist. Was einst Jlapotevll nicht gelailg, uäullich, die Grelles des Krieges nach Euglaild zu tragen, das vermochten die dnüschen Flieger. REt E'.lisetreu deilkt der La:Holler au jene gümenvollen Mondschemriächta mit den herannahenden Nngeheuern, die Tod und Verderben herabwarfen. Man emmvert sich mll Wehnrut an jene läuall vergangene Zeit, in der der Londoner ruhig zu Ha ".st dlieb, während die britischen Strellkräfte draußen für das Imperium stritten. Diese Zeit ist vorbei. Der Engländer hat sich schnell mit den Tatsachen abgesunden und denkt daher um so intensiver au Vorbeiugungsmittel. Mit geittischlen Gefühlen vernimmt man, daß der Freund jenseits des Kanals planmäßig seine Luftstrertkräste vergrößert und daß das Verhältnis bereits das erschrecketlde Bild von 1:10 erreicht hot. Dupu kouuut, da die verschiedenen Berechnungen der Strategen dom Londoner sinen geradezu tvahnfinnigen Schrecken ein jagen. Man erzählt ihm täglich, daß nach dein Stande der heutigen Technik ein Geschwader von 500 Aeroplancn nt bc.r Lage sei, eine Stadt wie Loitdon in drei Wochen dem Erdboden gleich zumachen, daß das Gewicht der täglich hewbgeworfenen Sprerrgstoffe in Hunderte von Tonnen geht, lifta Ist es zu verwundern, daß unter diesen Umständen auch die Pazifisten unter den Engländern für die Stärkung der Luftflotillc ein treten? Die Regiertrng kann sich dieser Forderung, die fast von alleil Bevolkerungskreiseu rlntcrstützt wird, nicht verschließen. Sie tritt daher für die Weiterführung der Rüstungen ein, wie dies die frühere Regierung Baldwin im Sinne hatte. Der Vau der projektierten Kriegsschiffe, der übrigens nur int Rahmen des Mashlltgtoner Abkommens geschieht, wird Tausenden von Arbeitslosen Verdietfftlnöglichkeit gewähren. Hinter der Negierung steht in dieser Sache, troh mancher Gegner unter den Liberalen, der Irxitaus größte Teil der englischen Bevölkerung. Ae Abrüstungsfrage!m Mterhmis. (Eigendieust der „Wiener Morgenzeilnng") London, 3. März. Im Unterhaus wurde heute rm een Mmffterpräsidenten die Frag« gerichtet, oa er augenblicklich Schritte unternehmen würde, nm eine i rr t e r n a t i o u a ' r. Stonferenz für di e Nüstnngsbtj d)i cinIunge u emzubernfen. Mac Donald erwiderte, daß die Frage bereits vom Völkerbund besprochen worden sei tuib er glaubnicht, daß der gegenwärtige Augenblick geeignet sei, einet, unabhängige« Schritt zu unternehmen. München, 3. März. (Ä. B.) Zehn Mirmteiu vor 9 Uhr eröfftietc der Vmsitzeude die Verhandlung. General! Lude udorff stellt stist, dctß e.r nicht vom Generalobersten Gmfeu B o t h m e r gesprochen urtd nrit tiefem' Schmerz wtnotmticit habe, daß Gerüchte den Herrn ^neralobersten mit seinen Darlegungelt in Zilsomnreu'hang gebracht hatten. Der General bedmiere dies. Hauptmann R ö h m erklärt, daß er nicht die ReckchLwehr als solche angreifen, .sondern Mlr durch Kennzeichnung einiger Offiziere diese habe treffe lt tvvllen. Dann wird mit dem Verhör dos ange klagten Leutnants.Wagner begonuetl. Wie ldor Vorsitzende feststellt, war Leutnant Wagner im 14. Iälstinterieroginreirt. Ec besuchte den Zweiten Lehrgang der Infalllerielschube. Der Vorsitzende vevlistst ein Führungszeugnis der Jrchrntevieschulle; «S ist geradezu glänzend zu ncttuen, dem Lentuant Wagtter werden die besten Eigenschaften nachgosagt. Der Angeklagte gibt dann eine längere Darstellung, wieso er zur gangen Sache gekommen Äst. Er führte «toter andenm ans: Am 2. November 1918 forderte der Neffe deS jetzigen ReichsPrästdenten Ebert, der als Vizefckldwebel bei unserer Division stmrd, die Leutezur Meuterei culs. Im Märtz 1920 wurde ich ans Heidelberg ausgrwiesen. In Meiningen hatte ich Wasstn vor der Kontrollkomntisiion verborgen, aber ich lvuvde denunziert und vor den Cckaatsgerichtshos in Leipzig gestellt; daS Ver> fahren wurde alleriuaZ eingestellt. Wagtter erklärte, er fei ein erbitterter Gegner der Sozialdenrokratic. Meine Soldaten bringen mir heute noch ihren Dank zrun Ausdrttck, sagte er Weller. Meine Trnrppe war streng national evzogen. Ende^ September 1923 kanr ich zur Infaillarieschule. Ich bewachtere Bayern als den H o r t d e r n a t i on a I e « Bewegung. Wir Mchtbahern sahen aus die bayrische Reichswehr mll Neid; sie brachte ihre monarchistische G e s i n n u n g klar und deutlich znnt Ausdruck. Der Vorsitzende unterbrach hier die Ausführungen des Angeklagten mit der Frage, ob das alles zur Sache gehöre. Wagner sagt: Jawohl, und führt fort: Ende September tauten etwa 50 Offiziere und 50 Fähnriche sowie gegen 200 Offiziersafpiranten m der Jaffa nterieschuile zusammen. General Lossow hot den Besuch der Hitler- Vers a m mlu « gen emPfohlen. Die gesamte Jnfanterieschule jubelte Lossow zu und sah tu ihtn einen neuen General ZoÄ. Die Kriegsschule stand geschlossen hinter der 7. Division. Weil die Schirle nicht arffgelost wende, dachten wir, daß auch uustr Kontanando hinter Lossow stehe. Wer die Tellnahme an den Noßbach-BersaMmluntzen anwgte, weiß ich nicht. Baron Arrfseß äußerte sich gelegentlich: Wir wollen nicht los von Berlin, wir wollen nach Berlin. Sininal m.ud ein Empfang eurer LkbmHrmng bei Ludondorsf statt. Er sprach über die Ziele der völkischen Bolveguug, enthielt lick) aber jedes Urteils über die Reichswehr. Hierauf ^beantragte der Siaatsaillvalt dem Ausschluß der Oeffentlichkett wegen Gefährdung der Sieherhell des Staates, da der Angeklagte ü be £ die Zu s a m ut c u arte i t der Jnfa«- terieschulc mit der Reichswehr sprechen wolle. Rach einer längeren Beratung wird dem Antrag des Staatsa ntoultes statt g c g e b c u und die Oesstntlichkcit bis aus Weiteres ausgeschlossen. In der RachmittagsverhaMumg beantragte Iustizrat .st ohl dicVernehmungsämtlicher MiWieder des Minffternrnls ‘‘Versuchen Sie unseren seidenen 3dealstrumpf ™ /. TRAT! NERHOF 2 (Graben Ern cmderes Rtitsiicd wünschte zu wissen, welche Pötllik die Regiernn.q verfolge, um .zu einer Derstäitdignug mll den europäischen Regie mit fielt bezüglich einer Beschränkung der L u s 1 si r e i t l r ä s 1 e zn gelaugctl. Mae Donald antwortete, die Negierung verfolge eine Politik, die zu einer allgemeirten Emschränkitng der Rüstungen führen soll. Dolche Dinge würden aber nicht getan, llldem man anderen Negierungen Pläne an den Kopf schlendere, sondern durch sorgfältige Vorbereitungen der Vedingung e u, die solche Vorschläge billig erscheinen lassen. Zubaland-Frage. Die britisch-italienischen Differenzen in Afrika. London, 3. März. (Wolfs.) Unterhaus. Auf eine Anfrage, ob der italiettischen Regierung im Jahve 1915 von der britischen Negierung versprochen worden sei. Italien gewisse Gebiete, wie das Jubaland, treten, «r- Knilling omfchilichli'ch des chemaNgeW LcmdMvWafiK» mknffters Wrrtzelhofer, dos Gehemtvates Dr. Held u ird des F-oristrntes E s ch e r i ch. Kievcvuis wnrvs der Stieffohw Lttdendorsfs Oberstleutnant a. D. Pemet vermmmiim. Er bestätigbe die UebevbriiNguug der Agrfford^ rnng an Leutnant Wagner, am 8. November m die Schellingstvaße zu kommen. An der Bersammürng vonr 8. Novemibei halbe er teilgenommen, ohne zu wissen, daß dabei etwas unternommen werden solle. Bon dm Ereignissen im Bürgepbwukellersvi er völlig überrascht worden. Tr halbe dann mit Scheubner-Richter auf dessen Atfffovdewt.ng seinen Stiefvater, General Lude nd o r f s, geholt uitd arff Befehl Hitlerarvch die Quittung über die Roquisition vo« 14.ß5V Bikliorreu mücrschrieben. Er habe gedacht, daß die Sache legal sei. Obevamtmvnn Dr. Jri ck wurde letzter Amgcklag« fer vernommen. Er ging bei seinen Ausührungen davon ans, daß er sich nie in seinem Leben von marxistischen, pazifistischen oder demokwtischen Gedanken habe leiten Lrssen. Er sti von P o e h«11 Müte Mai zum Leiter der politischen Abteilung der PMA^irektion er- Mtmt worden, wobei er lltSbes-ondere die Reichswehr, die Poltzeiwehr und die Eittwohnertvehr kennen gelernt habe. 1920 sei er auch Kahr besonders nahe getreten. Ende September 1984 ^habe Frick um anderweitige Verwendung gebeten. Wir evikannten, fayde der AugeWagte, daß die -nationvffozialfftffche Bowsgung geeignet war, in der marxistisch versenchtm Arbeiterschaft wieder Fuß zu fassen. Deshalb hielten lvir unsere schützende Hand über die natirmalfozialfftifche Partei urch Hi-tler. Der Angeklagte betont, daß sich seine Beziehungen zu Poehner mit der Zeit sehr enge gestaltet halben. Seine Neigungen hätten sich imuver mehr dem aktiven Teil der vaterländischen Bewegung zugewandt. Er habe während seiner Tätigkeit in der Pollzeidirektioir Wert darauf gelegt, nnt der natEalsozialistifchen Partei in ständiger Fühl U N 9 zu 'bleiben, um dadurch di« Bewegung zu zügeln und so einen yewiffen Giniluß auf sie auSzulüben. Die Fühluingnahme zwischen der Pokizeidivektion und der vaterländischert Bewegung sei nach dem Abgang Poehners tmnter enger geworden. Dr. Fvick kam dann auf die Vorgänge im BüvgeÄräukeller git sprechen^ wobei er bemerkte, daß ersion der Ansmfung der neuetr Regierung d u r ch e i n e n t e l ep h o n i s ch e n Anruf llfformiert worden sei. Der AngeWagte Frick führte weiters aus, daß er erst am 8. Dezember «sich«« Hobe, was er begangen haben soll. W fei zwecklos gewesen, nrit einer Hundertschaft einzugrcisen, da diese viel zzr schwach war. Frick bestreitet, vou den gmiMl Vorgängen Kertutnis gehabt zu haben. Nach Evleidlg-uttg iveiterer Fva<ie.n wird die Sitzung g H s ch l o s s t rv und die B e r \x chm u ngder A n g e 1‘ f a a - feu beendet. Der Vizeferdwebel Evert. Berlin, 3. März. Wie das Woffffche Bureau von a m t-' li che r Stelle erfährt, ist der in dem Hochvvrwtsprozeß gegen -Hikler und Genoffen von dem Oberleitttnant Wagner erwähnte VzefÄdwebckl Ebert, wederein Neffe des Reichspräsidenten Ebcrt, noch ftnst mit Neichsprä-sidewten irgendwie verwandt, noä? bestehen irgendwelche andere perfoatisiche Beziehungen zwischen dem Reichspräsideuton und ihm. Widerte der Premierminister Mae Donald vorne ll ttend und fuhr sodann fort, die nach Artikel 13 des Vertrages von London eutgegangetten Verpflichllmgelt seien derart gewesen, daß, falls Großbritannien sein Kolonial, gebiet , in Afrika auf Kosten Deartschlands vergrößere, die britische Regierung grimdsatzlich zusti inmen würde, daß Italien eine angemeffene Kontpensation beanspruchen könnte, die sich auf die Grenzen der italienischen Kolon irrt vott Erykhvea, Somaliland mrd Libi)en beziehe. Dir deutsch-jugoslawischen RedaMion»- verhandlungen. Belgrad, 3. Mäuz. (Tel. ^der „Wr. Morge.nzcllllug".) Wie die hail>bauttliche Agenllvr Avala mitteill, sind die jugoslawisch-deutschen B e r h a n d l >t -u g e u ^bezüglich der Einstellung der S a ch l i e f e r lt u g t tt a. u f Neparal'tonskonto zu ehient befriedi g c it d e n Abfchluß golattgt. Ein Protokoll m sieben Artilllu regM die strittigen Punkte. Die geschädigten j n g o f l a w ischen Firmen oder Privatpersonen behalten >ihrc Rechte atff die Bestellungen, auf welche das NeichÄomnüssariat Vorschüsse geüvährt hat. Sofern Teilliefertlngen vlöglich sind, tverden lediglich jene Teilläeferunge it, bte durch die deutschen Vorfchiisse gedeckt sind, zur DirrchsühvU'Ug gelangen. Attderertsalls wird ein Teil der Liefern uge'u durch das Dottffche Reich l i g u ih i e r t und mll dem Er- Ws werden die Preise der anderett Lieferttugen beglichc.lt. Die Regiertmg des S. H. S.-Slagbes behält sich alle ihre -Rechte sür den Fall vor, daß Deutschland seine Repavaiioitv zahl u ui]c it o n andere reparationslbe re chligte L.taate^jPMtehttr.-> .oiUo.

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