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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-02 · Heft 1812 (2.3.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1812 (2.3.1924)
Date
1924-03-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Kr. MÄ . Wren, Sonntag Velgrad, 1. März. Die allgemeine Erregung, die die Äeußerungen des jugoslawischen Gesandten in Paris, Spalajkovie, über mazedonisch-bulgarische Angrisssgelüste hervorgerufen haben, hat sich bereits beruhigt. Die „Politika* veröffentlicht eine Aeußerung des bulgarischen Kriegsministers in der Sofioter „Slobvdna Rec", wonach Bulgarien keine kriegerischen Absichten hege, denn niemals sei die Wahrung des Bälkanfriedens so sehr in feinem Interesse gelegen gewesen wie jetzt. Bulgarien sei außerstande, die mazedonischen Aufständischen zu unterstützen, im Gegenteil, es vereitle ihre Tätigkeit, wo es nur könne. / Bulgarien zahlt seine Reparationen. i (Eigendienst Opi „Wiener Morgenzeitung".) Sofia, 1. März. Im Sinne des in: November 1923 in Sofia getroffenen Ueberemkommetts Zwischen Jugoslawien und Bulgarien hatte sich Bulgarien verpflichtet, 150 Millionen Leva in Bargeld und 150 Mil° l i o n e n in Sachleistungen zur Verfügung zu stellen. Das Bargeld ist bereits in Belgrad deponiert. An Sachwerten in der geforderten Höhe stehen Getreide und Kohle bereit. Das Getreide ist bereits m Warna und B u r g a s, den beiden bulgarischen Hasenplähen, eiugetrosfen. Die Kohle wird fortlaufend aus dom Bergwerke P e r n i k geliefert und bei den jngoMvischcn Staatsbahnen verwendet. Nie jugoslawisch-rumfinische Gremregulierang. Belgrad, 1. März. In der gestrigen Sitzung der Pcrrlamentskommtission zur Beratung der jugoslawischen GrenzberichtigungAfva>gen wurden die Vorschläge der Regierung uit 8 gegen 3 Stimmen angenommen. Minister des A'nßeru, N i n c i c, erklärte, daß sich die Vertreter des Köirigsreiches S. H. S. auf die Grundlage des Nationalitätcnprinzips gestellt und das >deutsche Hatzfeld, das der Mittelpunkt des butschen Kulturbundes sei, dein rumänischen Staate überlasten haben. Jugoslawien habe statt dessen M o d o s und Va rda nh mit 6000 serbischen Einwohnern erhalten. Neuorganisternng der iwlnMen Bchnen. Warschau, 1. März. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Ter GisenbahnmiMster >hat dem Präsidenten der Republik einen ausführlichen Plan betreffend die Reorganifiec n n g d e s p o l n i s ch e n E i s e n b a h n w e s e n s unterbreitet. Es handelt sich um eine auf durchaus k a u f nt 5 nnischer Grundlage aufgebaute Neuorganisiec it n g der Eisenbahnen, wobei das Prinzip festgehalten wird, daß die Ausgaben unbedingt durch die eigenen Einnahmen gedeckt werden wüsten. Die Durchführung dieses Planes wird mit einer Erhöhung der Personen tarife verbunden sein. Eine Erhöhung der Gütertarife wird nicht projektiert: es soll im Gegenteil ein-e Ermäßigung der G ü t e r t a r i f e für die gangbarsten Artikel geplant fein, um auf diese Weise die Hebung des GAervevkchrs zu fördern. krMuug der polnischen PatzzMhren. Warschau, 1. März. Die Gebühren für die AuZistEng eines Auslandspasses sollen bis auf 500 p ol n i s ch e Gulden, das sind zirka 900 Millionen Polnische Mark, erhöht tverden. Diese einschneidende Erhohmrg stoht im Zusammenhang mit den geplanten Einschränkungen von Auslandsreisen. Wiener Moryenzeituns. ^Nvlvlx-r- SrrauKvr Daman Hobe, Gründer der XdkOrmarfce Habs und einziger Träger de« Hamens Damaie Hobt. Proneüe Noisette 5o« Mornschlno Puncti i i’Anonas Creme de vanille Jtagostnrn Bitter Echt nur in dieser runden Flaechenform! : Im, I. iriilparzentrisse Kr. 14. Tel. 24229 Ungarn» finanzielles Sanirrnngrprogramm. Budapest, 1. März. In einem fimfstäMgen Ministerrat wurde heute der Entwurf des finanziellen Samerungs- Programurs durchbesprochmr. Das Programm wird in erster Reihe das Staatsbudget für zweieinhalb Jahre festsetzen, iu welchem Zeitraum das D e f i z i t teils durch Eiuschvänkimg der Ausgaben, teils durch Steigerung der Einnahmen eliminiert werden sott. Im Ministerrat sind auch die im Zivölseraüsschuß der Einheitspartei hinsichtlich der inneren Anleihe aufgetauchter: Pläne zur Sprache gcEout'Mien, doch dürften von diesen nur dichenigen irr den Gesetzentwurf ausgenommen werden, deren Verwirklichung technisch möglich und mit deri Grundsätzerr der gerechten Berteikmg -der Lasten vereinbar ist. /Ai. Sie Reisen der Aronkonkurrenz. Der Kömgskandidat als Protektor des irrrdentistischen ,Zeldenstrchles". (Eigendienst der „Wiener Morgerrzeitung".) Budapest, 1. März. Der Kandidat für den ungarischen Thron, der chemälig-e Erzherzog Albrecht, ein Sohn - Friedrichs, setzt seine Propaganda reisen durch Ungarn fort. Nach Debreez'm stattete er nun der Stadt Bekeß-Ghula einen Besuch ab, wo er das Protektorat des Balles der irr-edentistischen Organisation „Der Heide«ftuhl" iune hat. Er wird von zwei eigenen Adjutanten, dem ersten Zldsntanten des Neichsvevwesers, einem Gardekapitän, und anderen Personen begleitet. fraget wmmasuamm Schuhe! 2. März 1924 ©eite A Znland Kotierung der BAkerbundanleihe in Ztalie». Rom, 29. Februar. Das Amtsblatt dewffem'licht ein königliches Dekret, womit die internationale Anleihe für Oesterreich c-n allen italienischen Börsen zur Kotierung znge lassen wird. __ Sie Wiener Konferenz zwischen Rutzland und Rumfinien. Bukarest, 1. Marz. (Orient Radio.) Die rumänische Negierung hat den bevollmächtigten Minister Langa Rascano, den Senator Demeter DraMcescu und den Äbgeordordneten Mrrcea Djuvara zu D e l e g i e r t e rr für die demnächst in Wien beginnenden Verhandlungen zwischen der rum6nischen und der Sowjct regi*- t u n g ernannt. __ Der BankbeantteiOreik. Kein neuer Veremittlungsvorschlttg. — Die Verschärfung des Streiks. — Ausdehmrg auf die Provinz. — Die Vereinbarungen mit den Privatbanken. Gesten vormittags fmxb eine Plenarversanurüung ks BcultenverbLndes statt, in der ein Verm'NAungsvorschlag erörtert wurde, welcher aus den Reiher: der höheren Beancten-- schast stammte. Dian ging jedoch von dein VermirLnugsvorfefrleig a;6 und ertoodet anfangs .der Woche die Einleitung neuer VechMdbungeu. Es ist bisher jedoch kein diesbezügliches Ansuchen an den Bundeskanzler gestell: worden. Bon den Banken wird versichert, daß die Jndnftrie.nnterirchmnngerr und Kommittenten die verlangten Beträge anstandsloZ erhalten hoben BereikwittigkeiL zur Arbeitsaufnahme. In einer Reihe von Banken hat sich das Personal -- zum Teil sogar unter der Führung der. Betriebsräte —, bereit erklärt, den Dienst auf Basis des alten Kollektiv- Vertrages wieder ans zu nehmen. Die Smttgebung dies es Wunsches wurde davon abhängig gemacht, daß der Streck auch bei den übrigen, dem Kollektivvertrog angehörenden 'Banlinstituten eingestellt werde. Der Bankenverband au die Gewerkschaftskommission. Der. Barltenverband antwortet auf den von uns gestern mÄgeteWen Beschluß der Vorstäudeko-nsereuz m'rt einer Er- Uäruug, daß sich die Banken m der Abwehr befanden und dieselbe so weit als möglich himansschoben. Die Verantwortung für die erngetrctene Stockung im Pankgewerbe wird daher von de- Darrken aögolchnt. Verschärfung des Streiks. Die Z-entralstrMe.itung des R-eichsveveirres der Bank mW Sparkassenbeamten Oesterreichs teilt mit: U-eber Weisung der ZentralstreikleÄung wird der Betriebsrat der Ersten österreichischen Sparkassa Montag der Leitung des Institutes v'm 24stün>diges Ultimatum auf Abschluß eines Kollektivvertrages zu den vom Reichsverem dem Bankenverband bestellten Bedingungen stellen. Bei einer unbefriedigenden Antwort wenden die Angestellten dieses großen Kreditinstitutes am Dienstag in den Streik traten. Damit droht den: Krediiverkchr eine weitere empfindliche Drosselung. Die Streikleitung hoi über Intervention des amtsführenden Stadtrates Kokrda ' bisher der Bich- und Fleischmarktskasse in St. Marx, einer M- Friedrich ömetlma. Zum hundertsten Geburtstag. Als man vor vierzig Jahren Friedrich Smeiana in chrag beisetzte, wurde er bei der Leichenfeier „der Stolz des tschechischen Volkes" genannt und als „Opfer der tschechischen Verhältnisse" hingestellt. Zu seinen Lebzeiten rangen eine künstlerische Seele, die sich rrach Liszt und Wagner sehnte, und eine politische Seele, die im Feuer der rationalen Begeisterung eine nationale Kunst schmieden und damit die Unabhängigkeit einer unterdrückten Nation vorbereiten wollte, in seiner Brust. Schon in jungen Jahren ging er nach dem schwedischen Göteborg, um dort die Stelle eines Musikdirektors zu bekleiden, dort entstanden die Tonbichtungen neudeutscher Richtung „Richard lll." und „Wallerrsteins Lager", und im „Hakon Karl" huldigte er dem Geiste des Nordens. Doch wie Ibsen in jahrzehntelanger Trennung von Norwegen stets der Heimat gedachte und unter südlichem Himmel an ihren nationalerr Bewegungen teilnahm, so brannte auch m Smetana im kalten Norden um so heißer die Sehnsucht nach seinem Vaterland. Nicht länger als fünf Jahre hielt es ihn in Schweden, dann kehrte er heim und wurde der Begründer der böhmischen Nationaloper. Dabei mußte er sich oft Zwischen Skylla und Charybdis hindurch kämpfen, da er bald den tschechischen Chauvinisten zu lau, bald wieder der noch deutsch orientierten musikal^chen Gesellschaft zu heiß war; doch er ließ sich weder von rechts noch von links beirren und schritt sicher seinen Weg zur Schaffung der nationaiell Kunstntusik. Seine moderne Orientierung ließ ihn den Wert der neu deutschen Bewegung, der sich übrigens keine einzige moderne Nationalmnsik völlig entziehen konnte, tvohl erkennen, doch er nahm nur jener: Teil der Wagnerschen Reformen auf, der ihm für tschechische Wesensart geeignet schien. So sagte er gelegentlich: „Die Tschechen wären ein fingendes Volk und könnten die Methode des Wagnerschen Sprechgesanges nicht akzeptieren"^ und er verstand es wohl, Wagners «stzKsvG asch festi f*in MMch zu übertragen. Das Tschechische, die leichte, fließende Bewegung des Zweivierteltaktes, die Naturfreude, die naive Heiterkeit und das urwüchsige, vorwärtsstürmende Musikantentemperament geleiteten ihn durch sein schich'alschweres Leben; selbst als der Verlust des Gehörs ihn von der Außenwelt abschlolß, bewahrte er sich seinen inneren Frohsinn, noch als ihn geistige Umnachtung bedrohte, begann er die lustige Suite „Prager Karneval". Wie der sterbende Arzt oft seinen Zustand erkennt, ohne sich Helfer: zu können, so schrieb er in seinem Todesjahre auf eine Partitursekte seiner Oper „Viola" (nach Shakespeares „Was ihr wollt"), die Anmerkung: „Das letzte Blatt". Er hat leider richtig prophezeit, es war seine letzte musikalische Handschrift, unmittelbar darauf trat seine geistige Umnachtung ein, von der ihn nach wenigen Wochen der Tod befreite. Smetana hat auch richtig prophezeit, als er den künftigen Ruhm und die Macht seines Heimatlandes voraussagte: Im Schlußsatz „Blanik", seines berühmten programmatischen, symphonischen Zyklus „Mein Vaterland", der die landschaftlichen Reize des Böhmerlandes besingt, entsteigen bekanntlich die geharnischten Ritter dem Berge Blanik und verkünden den erneuten Glai^ der böhmischen Heimat. 'In der Tondichtung „Visehrad" des gleichen ZyNus erklingen triumphale Akkorde, welche der taube Tondichter in seinen Gehörshaluzinationen vemahm, gleich wie sich dem kranken kWagner in seinen Fieberträumen das Rheingold-Motiv offenbarte. Noch oft findet man in Smetauas Werken Hinweise auf sein Gehörleiden, so ün finale seines Streichquartetts „Aus meinem Leben", in welchem nach der frohen Schilderung von Jugendglück, Liebeslenz und Tanzfrcude im Polka-Rhythmus plötzlich der langanhalten de, markerschütternde schrille Aufschrei der ersten Geige ertönt, eine furchtbare Nachbildung des pfeifenden AS-Dur-Sext-Akkordes der viergestrichenerr Oktave, mit tvelchxm das zerrüttete Gehörsystem den Unglücklichen marterte. Auch in seinem zweiten Quartett, in welchem das Schwirren der Töne im Gehirn des kranken Menschen immer wiederkehrt, legt er ein trauriges Selbstbekenntnis ab, übrigrrrs ist auch sein m de« Jugend rntstaMnes. Klavier^rw auf den Tod feines Kindes eine Befreiung von trüben Erinuerungem Um so froher und farbiger leuchten seine Opern, durch die er im Auslände berühmt tvurde, freilich erst' nach seinem Tode. Weder mit der Petersburger Llufführung der „Verkauften Braut" (1871) noch mit der Hambureer Einstudierung der „Zwei Witwen" (1881) vermochte er sich durchzusetzen, erst die Wiener Aufführung der „Verkauften Braut" in der Musik- und Theateransstellung (1892) mit dem unvergeßlichen Willy Hesch als Heiratsvermittler, Kezal verschaffte ihm posthumen Ruhm; von Wien au§, das ihn seit Mahlers Abgang so vernachlässigt — an seinem hundertsten Geburtstag spielt die Staatsoper „Carmen" —, eroberte sich seine Musik d-ie Welt. „Carmen" und „Verkaufte Braut" haben übrigens in der Frohlaune, in der alle Sprüh teufe! des Leichtsinnes losgelassen werden, mancherlei Achulichkeit: Dort spanische Musiklandschast, durch das Temperament eines Franzosen gesehen, hier das heitere Idyll einer tschechischen Dorfkomödie, tschechische Rhythmen, Volksliedreminiszel^en, Mozartsche Leichtigkeit! Schon früher (1803) hatte Smetana seine erste Oper „Die Brandenburger in Böhmen" geschaffen, in welcher Leitmotivathletik und schweres Meyerberr-Pathos mit volkstümlich slawischer Musik ablvechseln. Nach der „Ver^ kauften Braut" entstand seine große historische Oper „Dalibor", ein pompöses Tongemälde voll Wagnerschen Glanzes, in welchem dem Walhallamotiv verwandte Töne erklingen und Beethovens „Fidelio" lebendig wird, wem: sich der Held im Kerker nach seiner Geige sehnt. Sein nächstes Werl „Libuschr", Bilder aus der böhmischen Vergangenheit vol' Meistersinger-Feierlichkeit, also so recht eine böhmische Nationaloper, eröfsnete 1881 das tschechische Nationaltheater das wenige Monate später abbrannte und 1883 neuerlick mit „Libuscha" eingeweiht tvurde. Nur noch ein in leichten Plauderton gehaltenes Lustspiel voll französischen Esprits - „Zwei Witwen" — sollte er im Vollbesitze seiner Gesund! heit vollenden, dann verlor er das Gehör und schuf aÜ tauber Musiker, auf denseine inneren Tongesichte em Mrntteu, rwch drei heitere Opern: den von naiver Wrß ^76515

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