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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-01 · Heft 1811 (1.3.1924) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1811 (1.3.1924)
Date
1924-03-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1811 Wien, Samstag Wiener Morqenzeituna 1. Mr- 1984 Seite 8 dabankmäßige Geschäft ringest tllt und dadurch in der Lage, daö Geschäft, davon den Banken nicht übernommen werden kann. <m sich -u ziehen. Lohnforderungen der Eisenbahner. Die Eisenbahner Hachen im Lause der letzten %<mder Veneraldlrektivn der Bundesbahnen neue Lohnfovde'.'mgen überreicht. Sie verlangen eine Erhöhung der Bezüge um 7 Prozent. Generaldirektor Dr. Günther gab die Berechtigung der vorgebrachten Wünsche zu, verwies jedoch auf den M a ngel an den zu einer neuerlichen Lohnregulierung nötigen Mitteln. Die Vertreter der einzelnen Gewerkschaften werden nunmehr das Ergebnis ihrer Vorsprache ihren Organisationen mitteilcn und von diesen neue Weisungen einholen. Die Forderungen der städtischen Angestellten. Die städtischen Angestellten haben daß Ansuchen aus eine lOprozentige Gehaltserhöhung gestellt. Die Verhandlungen mit der Gemeinde werden demnächst beginnen. Die BimMgkeil der Gemeinde Wien nnch dem Kriege. Eine passende Ergänzung zu unseren Mitteilungen über die Wohnbauten der Genreinide Wien bildet em Vortrag, len Senatsrat Ing. Hafner gestern im Oesterrcichischon Ingenieur- und Architektenderein unter Vorführung von Lichtbildern über dieses Thema hielt. Er führte unter anderem auS: Erst nach der Einführung der allgemeinen Mietzinsrbgabe im Mai 1922 war eS der Gemeinde Dien möglich, eine größere Bautätigkeit zu entfalten. DaS Bauprogramm enthielt die Erbauung von vier Wohnhausgnippen, eines Einzelhauses, die Fertigstellung eimS großen, im Rohbau stecken gebliebenen Hauses, vier Stotkwc'ckccmfsetzungeu und die Errichtung einer WohnhanSkolonie in Groß- Fcdlcrsdorf. In diesem Jahre wurde auch der Bau dos Wiener KonlumazmarlteZ vollendet und das Krematorium errichtet. Anfangs 192B wurde der Bau von 15 großen Wohnhausgruppen, von drei großen städtischen Siedlungen mit insgesamt 2255 Wohnungen, von drei öffentlichen Bädern, von drei Woblsabrts- und vier Iltilitätsbanten in Angriff genommen und pnu Teil noch in diesem Jahre fertiggestellt. Dazu gehört das Bad am Bürgerplatz im 10. Bezirk mit seinen Brau.se-, Wonnen-, Heißluft-, Heißdamps-, Sonnen-, Kaltwasscr-, Heiltutb Lichtbädern und km mit einem verschiebbarem Glasdach überdeckten Hallenschwimmbad, ferner die Kinderübernahnrs- ,'telle und das Svitalsgrbäude im 9. Bezirk, Ayrenhoffgasse. In kn nächsten fünf Jahren werden bekanntlich sälrUch 5000 Wohnungen hergestellt werden. Das Bauprogvarum sicht 24 aroße Wohn Hausgruppen vor. Die Durchführung aller Bauten erfolgt wie bisher durch das Stadtbauautt bei Vergebung der Vau- und Profcssionisteuarbeiten im Anbotswege. Magister Resch nicht suspendiert. Amtlich wird mitgeteilt: Gegenüber den von privater 'ciic stammenden Mitteilungen, als ob gegen den pharmazeutischen Referenten in der Verwaltung des Wiener Sie werden e$ nie bereuen wenn Sie den Rat befolgen: Ihren Körper widerstandsfähig u. wideretandskräftig zu machen Em Kamn.f ums Dasein spielt es eine grosse Rolle, dass Sie keinen Tag verlieren, dass Sie durch keine Erkältung gezwungen werden, tagelang Ihrem Geschäft, Ihrem Bureau fern su bleiben Gebrauchen Sie ständig jeden Tag Franzbranntwein mit Menthol und Sie schützen sich am besten gegen alle Unbill des Winters und des Alters Ueberall erhältlich Oiana-FranzbranBlwein-Protlnkfioii-Ees WIEN, II. PRA®, VIII. Engerthstraße 159 Lieben, Drahobeljove 1073 Krankenai'stalteiisonds, Oberprovisor Magister R e s ch, von Amts wegen die D i s z i p l i n a r u n t e r s u ch u n g eingcleitet und er vom Dienste enthoben worden wäre, muß ausdrücklich fcstgeftellt werden, daß diese Mitteilungen nicht zntreffen. Magister Resch hat selbst um die Einleitung des Disziplinarverfahrens gegen sich angesucht. Das unter Streikandrohnng gestellte Verlangen, daß der altgegriffene Beamte noch vor Turchführllng der Untersuchung unb vor Fällung des Erkenntnisses der Disziplinaroberfommission in irgelid eitler Form gemaßregelt werden solle, wurde vom Minister für soziale Verwaltung als gesetzwidrig und, weil dem Urteile vorgreifend, als ungerecht abgelehnt. Magister Resch versieht daher nach wie vor seinen Dienst. zuschristen an die Redaktion sowie unverlangl einlangenden Manuskripte» walle man stet, Rückporto beilegen, da sonst eine Deaulwortung» beziehungsweise Rücksendung nicht erfolgen kann. Aus dieser amtlichen Darstellung ist ersichtlich, daß da deutschnatianalc pharmazeutische ReichSverbanb einer rein privaten Konflikt mit dem Referenten dazi benützen will, um die Bevölkerung zu terrorisieren Die Wiener, die sehr langmütig sind, werden sich derartigt Anmaßungen aus die Dauer nicht gefallen lassen. Selbstmordversuch im Kaivordarl. Lehrling-elend. Großes Aufsehen hat gestern der Selbstmordversuch einet langen Burschen im Kaivorpark hervorgerufen, der genau an der gleichen Stelle und auf die gleiche Weise verübt wurde, wie ein zweiter Selbstmordversuch eines Friseurgehilfen, der sich Hort vor einigen Monaten abgespielt hat. Passanten fanden im» Kaivorpark bei der Werdertorgasse einen jungen Mann in einer Blui'achc im Schnee liegen, der sich kurz vorher mit einem Rasiermesser eine tiefe Schnittwunde am linken Handgelenke zugefügt hatte. Heribeigerufene Wachebeamte leisteten dem Lebensmüden sosort erste Hilfe, unterbanden, um ein Verbluten zu vermeiden, die Schnittstelle und brachten ihn ans nne Bank des Parkes, wo sie ihn betteten, bis dm Rettung-;- Gesellschaft erschien. Der junge Mann ist der 10jährige S ch n e i o e r l e h r l i n g Josef M. Er gab als Ursache der Ta au. daß er von allen Seiten schlecht behandelt worden sei, und hat diese Amßerungen auch in einem bei ihm gefundenen und an seinen Onkel gerichteten Abschiedsbriefe angeführt. Die LedenMittelmSrNe. Schwach« Nachfrage. Gesten sind die Fleischznfuhren sehr günstig ausgefallen In der Großmarkchalle langten per Bahn 83 Waggons Fleisch — hauptsächlich Rindfleisch — ein. Unter dem Druck des gesteigerten Angebotes, dem nicht die cntspvechende Nachfrage gegenüverstand, gingen sowohl aus dein gestrigen Markt, in St. Marx als auch im gestrigen Großhandel in der Groß- Markthalle dir Preise für Kälber und Fleischschweine etwas zurück. Die Kleirchandelspre-ise blieben vorläufig unverändert. Auch ans den übrigen Marktgebieten war die Nachfrage sehr schwach. Der Absatz in Buttlar und Eiern stockt fast, gänzlich. _ SchneeM und Stürme. Ein ungeheuer starker Druckfall zwischen der Nordküstb. von Schottland und Norwegen hat dort eine tiefe Depression' mit ungewöhnlich starkem Druckgefälle geschaffen und im Gebiete des Nordmeeres und der Nordsee starke Stürme entfesselt. Im westlichen Teile Oesterreichs ist der Himmel bedeckt, im östlichen ziemlich heiter. In den Nordalpen sind die Temperaturen' etwas unter, in beit Südalpen über Null. Voraussage: Meist bedeckt, zeitweise Schneefall, Temperatur zunächst nahe dem Nullpunkt, spater abnehmend, zeitweise Stürme. An unsere geehrte« Monnenten ln Polen! Ab 1. März haben wir die Bezugsgebühr für Polen mi| 37, gleit) monatlich festgesetzt. Die Umrechnung in Bolenmark hat nach dem Kurse der Warschauer Devisenzentrale zu erfolgen. XsmmgamsLWm" H STOT'TE MWR ÄTmtire GH ult WieN.UAOURGASSS 9 Teilen Mr •» */* Lossow oder der Poliz-eioberst Süsser waren mehr die C b]ivfic des Angriffs — die bayrische Regierung mit allen ihren Institutionen, nirt Staatsanwaltschaft und Gerichtshof war )Um Angriffsziel geworden. * Hitler hatte c8 sich verhältnismäßig leicht gemacht. .Ist dos, was ich getan habe, Hochverrat, so haben Kahr, r'ossow und Seisser ebertfalls Hochverrat getrieben." Die rsogit ist zwingend. Mer diese Argwmmtation evwMe den Anis-chein, als wollte Hitler «nur dagegen protestieren, daß .int ungleichem Maß gemessen wird, als fei das einzig bevegcu'de Äcoment in saitwr Verteidigung der Groll über ,tcu perfiden Verrat Kahrs". Als Pochuer sprach, trat dagegen der politische Kern dieses Prozesses gam klar und scharf zutage. Poehner ist bin guter Redner. Er spricht stockend, mit leiser Stimme, "ie sich in der Erregung überschlägt. Aber tarnt ersten .'lugen,blick an hatte man den Eindruck, hier spricht der.Poätrker. Nicht der Agitator. Das ist der Manu, der hinter >en Kulissen gestanden ist, er, nicht Hitler, hat die Faden >er völikrschen Politik in Bayern in den Händen gehalten. Jedes Wort vorsichtig auf die Wagschale legend, schildert Poehner seine Beispvcchmigen, seine Verhandlungen mit llahr. Er vermeidet jede Polemische Färbung und es liegt 'ine ganz raffinierte Bosheit darin, wie er so offensichtlich bemüht ist, Herrn Kahr zu „schonen". „Wenn Herr Kahr H so dachtellen will, daß er Komödie gespielt habe, so muß 'ch ihn, den ich aus jahrelanger, intimer Mitarbeit ken-ne, gegeir itfju selbst in Schutz nehmen. Er ist ein anständiger Meuph uud kein Schuft." Hier wird nun der Schlachiplan der Verteidigung offenbar: 'Nicht darum handelt es sich ihr. Kahr zu kompromittiereu, uachzwoeiseu, daß er i>>n November oin Hochverrat beteiligt war, sondern durch die Aufrollung der ^bayrischer Frage" der Staatsanwaltschaft die Gefahr vor Augen zu führen, in die sie sich begibt, wenn sie die Angeklagten zwingt, Einmal tüchtig auisKichacken": Van soll in Bayern nicht über Hochverrat zu Gericht sitzen, weil in B a h e r n s e i t I a h r u n d T a g v -o n a l l c n s ü h r e nd e n Politikern nur Hochverrat getrieben w u r d e. Die Verteidigung führt die Offensive — man muß eS ihr lassen — sehr geschickt. Sie legt es geradezu darauf an, immer wieder zu zeigen, wie loyal, wie rücksichtsvoll sie ist. Poehner selbst unterbricht sich alle paar Minuten, um bekümmert zu fragen, ob er diese oder jene Frage nicht lieber unter Ausschluß der Oesfentlichkeit beantworten soll. Ein Märtyrer seiner Anständigkeit. Die Verteidiger müssen fast gegen Poehmers Willen auf Behandlung der Fragen in voller OesfeM-ichkett beste'hen. Aber als der Staatsanwalt protestiert, geben sie gleich nach. Vorderhand genügt e8 ihnen — zu drohen. Es wird Sache der Staatsanwaltschaft sein, sich dieses Entgegenkommens würdig zu zeigen. Denn sonst. . . Poehner ist nicht der einzige, der manches erzählen -kann. * Oberstleutnant Kriebe l, der militärische Führer de'S PutscheS, ist der zweite „Eingeweihte". Bei seinen Ausführungen schloß das Gericht, durch die ewig versteckten Drohungen reichlich nervös gemacht, die OeffentlickMt aus. Der Prozeß hatte seinen ersten Höhepunkt überschritten. * Der Hitler-Prozeß hat noch einen großen Unbekannten: Ehrhardt.'ES war der entscheidende Vorstoß der Verteidigung, als sie so ganz von -ungefähr die Ladung des „Eonsut" al-S Zeugen forderte. Der Antrag kam ganz improvisiert. nachdem Poehner Pst unabsichtlich die Bemerkung halte fallen bissen, der beste Zeuge für die BorLereitungeu des Hitler-'Putsches und die Rolle, die Herr Kahr dabei gespielt habe, sei Ehrhardt selbst. Ein dramatischer Angenblick. Ter Staatsanwalt sucht abzulensen, meint, diese Fragen seien nicht wesentlich, übrigens könnte Ehrhardt nicht geladen wevden. weil das Gericht seinen Aufmthalt nicht kenne. Und widerspricht sich sofort durch die seinerkung über diese Dinge dürfte in öffentlicher Sitzung nichtverhandelt werden. Die Berteidignug nimmt die Blöße des Staatsanwalts sehr geschickt wahr. Die versteckten Drohungen werden, ganz deutlichbrutal. Darf man vielleicht über die Pläne des Herrn v. Kahr erzählen, in Sachsen und Thüringen Ordnnltg zu schaffen? Darf man erzählen, daß er bereits P o e h n e r z n m Z i v i l g o u v e r n e u r v o n S a ch s e n ermannt hatte? Darf inan sagen, >daß Kahr diesbezüglich mir der Reichsregierung verhandelt hat? Der Staa-tSanwal! springt erregt in di>e Höhe. Man darf eS nicht. Und was den Aufenthalt Ehrhardts betrifft, nun, die Verteidiger sind nicht gewillt, Komödie zu spielen. Weiß der Staatsanwalt, daß Ehrhardt vor wenigen Wochen auf einem Kommers in München gesprochen hat? Der Staatsanwalt möge sich von dem Verdacht reinigen, Ehrhardt verhaften zu wollen, wenn er als Zeuge erscheine, und man wird ihm Ehrhardts Adresse witteilen. Der StaEanwalt verwahrt sich dagegen, daß er solche schnöde Absichten gegen den bieldereu Kapitäitleutnanl hegt — daß dieser wegen Hochver-' rats von der Reichsregierung., wegen Meineids von der bayrischen Regierung gesucht wird, ist so nebensächlich, daß darüber kein weiteres Wort verloren wird —, die Verteidigung zögert nicht, Ehrhardts Adresse mitzuteilen. Und da? ist der letzte Trumpf, -den die Verteidiger. Len dt' Angeklagten unter ihren Stichen ha>ben: D i e Karten offen auf den Tisch zu legen. Aus dem Spiel kairu noch Ernst werlden. Eilte Frage könnte lauten: Will der Staa!>onwalt leugnen, daß auf dem fraglichen Koinmors des „Wafsemings deutscher Art" neben Kapitärtl'.'ittjMiil Ehrhardt dcr Siaatsanivalt selbst zugegen war? D:ese Frage aber wird — wenigstens vorläufig — ganz gewiß nicht gestellt werden. Für alle Fälle;edoch — ist die Oeffentlichkeit auZgef-chaltet. *

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