Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1809 (28.2.1924)
- Date
- 1924-02-28
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. MS Wien, Dott'NtrrstaH Zusehen: Der modern Oriertticitc mag darin eine ferne Zn-- Ämftsmusik erblicken, der konservative Hörer einen Wahnsinn. Äer Methode hat. Denn die Methode, die strenge Logik in F-onit nnd Entwicklung, die Kraft, die aus iw nt Pollen schöpft, kann auch der Awdersgläubiae nicht weigdiKputieren. Meistechaft ist allttS Technische, die Einfühlung in die alten Gebilde von Prä-' Indium, Gavotte. Musette, Intermezzo, AftenuKt und Gigue, ckl'so archaisierende Formen, die Schott berg mit — nennen wir es futuristischen Klangbildern erfüllt. Von Willtlirr oder (ir? ti- ‘menHcren keine Spur, doch die Gesev-e, die oÄvalten, sind uns noch nicht verständlich. Wir meitnen allerdings eine Tonalität zu ertennn, die — von Dur und Atoll himm-elwert entfernt — «kombinierte T-onarrkom-pkxe wstllHt Modulatorisch ve?> ändert. Die oszillierenden tonsonanzfreicu Klänge erschweren es freilich, den Verlauf dar MKodi? und S'!reonichr«u-i zu verfolgen und lasten eine rein geMsmäßtae Auslegung d'eser nouLtt^en Gebilde ganz ausgeschlossen erscheinen. flb. Mr ei» ständiges jüdisüies Thmler in Kren. Der Verein Freie jüdische Volksbühne sendet unS folgenden Aufruf: An alle Mitglieder und F r e n n dc d c r Ire i e n iüdifchen Bolk 3 bühr! Wir haben beichlosten. einen ernsten Versuch zu nnwrmchnien, um den Beit-and eines st ä n d i g e n j n d i i a? e n Theaters in W t e tt ZU sichern. Die Einzelheiten werden den Fre"-n.den und Mitglrbern.m der Generalversammlung unseres Vereines, welche Donnt-aa den 2 März um halb ll Uhr nachmittags im Sa ale der Jüdischen Bühne (2. Be-:.. Taborltraße 12) ftai'!“ finden wird, mitoeieili. Dir ersuchen alle Mitglieder nnd Freunde unseres Vereines, zahlreich zu erscheinen. Gäste und Mvaiirtretende Mitglieder sind willkommen. Zwiaelö angehören. Ueber diesen Kiinstlerbnnd toird noch Näheres zn sagen sein. — Tie Berliner Knnst-'ewerdeichule bringt e--ne Auöft'tlnitq der „A r b e i i s g e m c i u s ch a f i f ü r deutsche Ha ndwerksku ltn v", ans welcher auch die ö st e r r e i ch i s ch « lGmundner) 5tera>nik. vcrtreft'N ist. —- Im Kronprin-en-valais nt B'llin wurde eitte Ausstellung des 7i)Iähriqvn Malers Kurt Herutann eröffnet. — Die jüdische Mal'"ttn Rinh Eabn ans tz>' in B a r c e [ c n « (Kunstsalon Daltttan) eme Reihe ihrer Werke ansaesteklt, die starkem Inwreste bei Pubftknm "nd Prelle bcoeanen. - Die Gdaats-aa-lerie bat das Werk des Berliner Malers Karl Hofer „Mädchen ini» Blatw'latrzc" envorben. — Der Lew-wer Kunst- Verein vewm'talter im, kommenden Avril eine AvSsteUnna der Werke Friedrich Au<"ist Tischbeins. - Im Berliner In« stittir f'"'r Kn'"usorschnna fin-de^ a^aenwäriig eine Ausstellung van 2.50, mssischeit Äi tt d-erzei ch« ung«u auS Hermen der Internationalen Arbeii-echilfe statt. 88. Februar 1924 Seite 7 nehmen )Cil AimareMentluL im MnAeklmnr. Ein Ausrnhett von umfangreichen Kompositionen, eine Atempause nach schwerem Ringen um das Allerletzte in der hlV^'lden Kunst, aber nicht das Sichbefchiden des Alters — so muß man die Ausstellung des AquareNistenklubs der Genossenschcrst der bildenden Künstler Wiens sähm. Werke kleineren Stils, anspruchsloserer Technik ssi'd sür diese Bilder-' schau charaktersttisch. Aquarelle, Goneschen, Radierungen, Lithographien, Demperapastelle, farbige Holzschnitte, Wischmalereien, Kohlen- und Rötelz-eichminaen, Farbschnitte und Cchabkunstblätter beweisen, daß die Wvner.Künstler auch als Graph'ker Gutes leisten. Paitl F a h r i n g e r, der bekannte Tivemaler, hat diesmal eine Expedition nach Java gemacht. Oskar L a rf e tt brilliert mit zwölf aus dem Handaelenk geschirtAlten Aquarellen größeren Formats, die unbedingt einen Altfstieg dieses all-usehr auf Technikvintuosität eingestellten Künstlers bedeuten. Wind hager bringt diesmal Li.thoaraphien, Ferd. Mich! einen Zvklns zu dem Mappeuwerk „Das Lied von Erd e". Oskar S t ö s s e l zwei exquisite Porträts, etwas schwach ist Oto Herschl geraten: hinreißend rm Schwung Iungnickel 8 groteske Zeichenstudien, barock Alfred Buchta. Daneben eine R'ihe vortrefflicher Stücke von bekannten Namen wie Ichuda Epstein, Hampel, Konopa, Köpf, Geller, Böttger, Dier, Charlemont. Ein« Spezialität bilden die Arbeiten Rudolf Iunks, die inS graphische und buchgewerbliche Gebiet fallen. o. r. 1 Bin Roman m der Ifidisclien fifsflllschaft Bndapests | I DieHeimatlosen I §5 von Wilma v. Voke.ich H =jj Zwc, Dinar vor ailttn lagen dielen Roman benierkenkweri nnd «rfleind W r— an» bi'r fflfifif ber vielen Eirronrtrrfp«: hif rbTroidifnbc Ärofi, m-t der ~ sa das sozial»- Bild eine» ll^>> »nd eine» Kreise» yeneben und die unbestnumerie KmindeU und erschütternde EhrNchseii, rnrt der sein Gegenstand «ebrochi St ss tdird. „jWüc f'reu Prt**e* S M Preis geheftet K 48.000 In Halbleinwand K 86.000 gjj ss Zu boziehea dureh iode Buehhandinnr oder direkt vom Verlas §§ r: Deutrch-Oesterroicbischer Verlag, WTeo, 1. Fischoretiese 6 SE W!!««!!!!!!i!I!!!rrki!rrr!.'!iirl!!!i!,,lIlili!l!!j!!I!I!!!I,II,,!,!,!!!!!,,!!!,,lP!l„I!!!„l!!I!l!!I«!'Z Ehrenmitglieder des Burgtheaters. Der Nmerriiblsmini-!ter har die Hofftbauspielerinnen Frau Hedw-ia Blei bl reu und Frau Lotte Me de l s kv und den Regisseur Hoft'chau« spielex Albert Heine zu E h r e n nr i t g l i e d e r n des Burgcheater» ernannt. Eugen Zabel gestorben. Die aus Berlin gemeldet wird, ll't dort der bekannte Echristsi ller nnd frühere langjährige Redakteur der „Na-tionalzÄi'Uing". Eugen Zabtzl. gestern abends gcstorbni. (Zabel hatte sich durch ntehver-r Ho-f- und Reiseromarte -einett Namert gemacht.) Daö jüdische Kammertheater «bersiedelt nach Minsk. Laut Meldung d"r I. T- A. hat das Bibduttgskomnnstart'at der wciftrussischen Regierung beschloffett, daß das Moskauer jüvtsche Ka nt me r t h e a t e r seinen ständigen Aufenthalt in Minsk, als dem Hauptzertt-rtu» kmnoaktcr st'tdischer Massen, Ans den Theatern. 7 Uhr ,W >: n n der ti v.! v */98 Uhr: ,G r° 'evor das Kammertheawr enidoullig in Minsk sein Domizil aufschlägt, muß es laut Berpslich<ung Vor stellung-u in verschiedenen Orten Weißrußlands geben. Cerhart Hauptmanns „Berfnnkene Glocke" als Oper. Der römische Komponist Ottorino R e s p i g h i hat von Gerbart Hauvt-.iann das Recht zur Vertonung der „V e r- ) u n re neu Glocke" erworben. .Hof'enllicki wird dieser Versuch bester auafcillen als es Heinrich Zöllner geglückt ist. Eru interessantes jkannnermusikwerk. In der Berliner Inleru.'niottal-ett Musikg sellschast harte ein L-iederzykkrs des Busoni-SchülerS Kurt Weil l, „Frauentanz", sür Sopran, Bratsche, Flow. Klarinette, Horn und Fa-gott groß-'n Erfolg. Nraufsührung eines moderne» Ballettes in Paris. In der Pariser Opera E o m i q u e kam das ein rklige „Peüt elfe Ferme-l'Oeil" von Florent Schmitt, der Ballett zu den bedeutendsten französischen Tondich'ern der Moderne zählt, mit nennenswertem Erfolg zur Uraufführung. Die Partitu.r ist aus einer bereits 1913 komponierten vierhändigen Klavier-Suit« hervorgegangeit. „ Kleine Kunstnachrichteu. In Wien hat sich einiurvlosc: Künfttewereini-gung gebildet, der un'er dem Aamcn ..Die Hand" Blauensteiner, Brunuleiirwr, Grat.', Kelkel. Pe'rntti, Pollaud, Patz«, Steininger. Sderer, 'Weüeba, Wejein-auu mkd B n r g t h e a t e r. Margen, e M ei» blüh t". A k a d e m i e t b e a t e r. Morgen, n ‘f « t f o n n i t“. 0 p e t tt t h e fl t e t. Wforgett Freitag ru be'onberett Vreisen: r R o s e n k a o a l i e r". Sflirnttetianncrin W 7 sdt tr’tt als D-kllntarlchallin zum trilet« Male nach einem fnnoerett Erlio'miflvnrsmih tvieder auf. Musikalische Leitung Herr Dr. Strauß. Beainn h'x7 ilbr. V o l * I) £> b c r. Heute: „*>• arme u".?m Deutschen 5y o I f § t T< •: n t c r findet movoett, 7 Nhr, die deutsche llrausti'l'nmg iatz wtirtichen Lußsviels „D r. K n o ck" oder „Der T r i u m v b d e r M e d ' z i n" bau .'ule8 Romain«, mit Karl Forest und Karl Goetz in den Hfluvtrollen. ftcstt. Regle Friedrich Ro^enlbal. D h e a t e r a n d e r W i e n. Die heutige Premiere der Emmerich Katmaulchen Overette „Gräfin Marts a" beginnt Prämie XU Uhr abends. Einlaß für Zuspätkommende erst tu der ersten Rau'e. Im Earl» Theater gelangt t^ottutas den lk März, nachmsttaaS Uhr. anläßlich des .^0. Geburtsiflges deS Komponisten Edmund E p s l e r denen erfolgreiche Operette „D i e Sch üben lies!" ,nr 8'uffübrung. Ter Komvouist Eptzler wird in den Zwischenakten die Hanptnummern die'er Operette dirigieren. B ü r o c r 11. t a t c r. Von morgen bis inflnsive Montag Kalmans „H e r b st m a n ö v e r". Vom 4. bis 6. März aeschlosien. Am 7. März Urausiübrunq der Lebarlchen Operette .E l o - E l o" unter persönlicher Leilnna des Komponisten, mit den Damen Louise Kattouich nnd Gisela Werbezlrk und den Herren Ent st Tautenbapn und Robert Nästelberge". An der Neuen Wiener B ü k n e sinket Samstag den 1. März die deutsche Nraufsührung des Lustwieles „Eh arlp* von Val Andr^-Iäger-Schmidt mit Karola T o e l l e in der weiblichen Hcntvtrolle statt. An der Nenaissancebühne wurde die Erstaufführung von NrwanwsiS Schausv'el „Vera Mirzewa" nunmehr für Dienstao den 4. März sestaesedt. Die. Titelrolle, welche in Berlin von Else HeimS dargestellt wurde, spielt hier Maria 0 t 8 I a. WienerKomödiendauS. Samstag den 1. und Sonntag den 2. März gelangt die Gesangsposie „E r nnd feine Schwester" mit Mizzi Z w e r e N z als Josefine zur Aufführung. Im L u st s p i e l t b e a t e r verabschiedet sich heute Charlotte A n d e r in der Ksmödle „Die i n n e r e S t i m m e". Morsen Freitag beginnt Hansi Riefe ikr Gastspiel in der GesaNaSpoffe „I h r K o r p o r a l* von Karl Colla. IüdischeBübne, 9. Ber., Taborstraße 12. Heute, V,8 Uhr abends, wird A. Goldberas Komödie „2 1 Tage A r r. e st" aufaeführt. (Sondervorstellung zugunsten des Schauspieler» Adolf Bell.) Terichtssaal. Lee geheim durchgeführte Sadikenprozeß. Die Vorgangs im Salon Kadinetz. Gestern Hai der Prozeß Kadm-rtz begonnen, der sofort nach Abnahme der Generalien der Angeklagten sür tzrheitn erklärt wuvde. Infolgedessen ist ei-n-e Brrichterst.ntuna untersagt. Bloß das Urteil muß in öffentlicher Sitzung verkündet werden. Zu Beginn der Derbandlnng ist der Saal beinah« dicht gefüllt. In der ersten R'ihe der Angeklaatenbank sitzen dt« Haupibeschuldtgt« Cldith K a d i n e tz, Walter T a u s s i g und der Tevpichhändle.r Paul Kotanyi, in der zweiten Reihe der Universitätsprofessor Dr. Ernst D a ch st: tz mtb Eugenw D egrassi. Gegenüber sitzen die Angeklagten Stattha!t«retsekrr:är außer Dienst Leopold Chlumeckp und der frühere Bnrgschauspieler Hermann Nomüerq. Die A-nHage bezi-cht sich auf das Verbrechen der Sch-än-dun.g, der Berführnna zur Unzucht und gegen Frau Kadinetz auch auf das Verbrechen der Unzucht wider di« Natur. Aus dem T'sch des Gexich-shoses nimmt man den Kation wahr, in beut sich die Werkzeuge der sadistischen Mißhandlungen, Peitschen und Ruten, jbic vielgetnnn-« Nagaika und jene N«i!pei!sche liegt, di« dft- Widmung „Dominarrix" (Die Herrscherin) trägt. Di« Kadineh macht den Eindruck einer Lehrerin mit energischem Ausdruck, di« kleine, trippelnde De» gr-assi mit üppigem, schwarzem Haar sitzt in kostbarem Pelz da und hat zur Verhandlung Drnzsch'.the mit blitzenden Aaraffen angezogen, Dozent Dr. Bachstetz ist ein kräftiger, großer M-nn. der sehr ernst aussieht, Ehlumecky, in elegan'em Iackettanzng, erscheint gar nicht befangen/während Romberg und besonders Taussig sehr m'rvos sind. Kotau vi ist kräftig, un-tersetzi. Da Taulsig in Zuckun-ien verfällt, gesta'tct ihm dw Vorsitzende nach Abnahme der Generalien den Saal zu verlassen. Den Vorsitz führt Hofrat Dr. H a b i e 1 i n eDi« Derteidiatmg haben Dr. Alfred Kr (nner für die Kadinctz. Doktor Steg « r für Tauffig. Dr. P r e ß b u r g e r und Dok or Wol'faang Pollaczek ft'ir Kotanhi. D'. Premtnger für di« Degrasfi, Tr. H a r p n e r für Dr. Bachstetz, Dr H e rdegen für Chlum ckv und Dr. Schon brn nn lür Romberg übarnommru. Man sieht, baß die ersten Stützen der Ver» ieidignng sich als „Sad i s! r tt b arre a >t" installiert haben. Die Erhrbimien der PoUzei. Die Polizei hat festgestellr, daß Frau Ka-dinetz ein 18jähr<re§ Mädchen nicht e".ra aus Gründen der Erziehung gezuu--ig-> hat. sondern vor Zuschauern fy^vu Entgelt schwer mißhöiidelt hatte. Bei vitier in cer Wohnttng in der Biberstraße votj.-.eno!nmeurtt H-an-ünrär'ülchung wurde' ein« aroße Zahl von obszönen Bildern, photvgraphiftbe Aufnahmen, Prügel inst rum« nie in reicher Auswahl. Pe-i scheu.,! Ruten', Noßschweife, Led"rriemen, darunter die Peitsche mit der Attfschrift „Domitmtrix" und dsrglrtchen mehr vorgefuuden und brschlagitahnti. Attg-esich's di-c-j-er belastenden Funde und der Attg-aben des mißlwn-delten Mädchens »egte dann die Lehrer ut /n Geständnis ab. Insbesondere waren es drei Kitt der, an denen Edith K-adiney sadistische Handlungen beg'ag; ein zehn- und ein . elfjähriger Knabe nnd «in etwa Illjahtrioes Mädchen. Die sadi-! stischen'Schaustellungen waren sehr geschickt arrangiert, so daß 5 unerfahrenen Kind-ertt der eigentlich« G:und verborgen blieb. j Ge'vöhnlich erhielten die Länder Kn« schwer zu beivälttgende l schriftliche Ausgalre. Fiel dies« nicht zur Zufriedenheit der^Lehs rerin aus, und gewöhnlich war b:c5 der Fall, so setzte es Hiebe, das heißt es wurden sadistische Schaustellnngcn, veranstaltet. Zu diesen war immer ein Gast zngezogen: nur e . n Gast erh'elt hierzu Zutritt. Di« K naben mußten da^ >8.esaß etstblvßen, das Mädchen di« Röcke ichürzen und die hiebgewattd'« Sprachlchr-e in schwang die Geißel. Je nach Wunsch sielen di« Orgien aus. Es gab solche mit blutigen Striemen, die von den einzelne'.' der perversen Gäste geküßt wurden, und es wurden Schaustellimgen veranstall-et, die unblutig anssielen, ivv di« spielerische Geste des Hiebes die Wucht des Schlag-es ersetzen muß!« Edith Kadi-netz verfügte über «in ganzes Arsenals von Schlagwerkzeugen: Ruten verschiedener Form o-ch Iftirk«, Peitschen in An unsere geehrte» Wouueuten in Koten! AZ 1. März habrn wir die Dezugsgebühr für Polen mit 3’/ Ar-Y msuostttch festgrsetzl. Tie Umrechr.nng in Po len mark hat nach drm Kurse der Warschauer Tevisrnzentrale zu rrsolgetr. schlagen wurde, dienen sollten. Eine Unzahl Riemen war als Fesselma.erial vorhanden. Stricke, geflochtene Schnüre und dergleichen mehr. Die schlagfertige Spvachlehterin verstaud es nccht ntir ber den Kleinen die ewig» Fiktion aufrecht zu erhalten, daß ihre Strafe eme gcrechw sei, sir verstand ftch auch auf die szenische Belebung dieser Sexualschauspiele. Die Sadistin wurde für dies« Vorstellungen von ihren (ssästen glanzend honoriert. Einzelne ließen auch di« Veranstalterin in die Sommerfrische Nachkommen. wo Edith Kadinetz Dcharatvorst»llnngen geben mußt«. Schon einmal hatte die Sprachlehrerin vor dem Richter gestanden. Sie war damals wegen Mißbrauches des Züchtigungsrechws an>gcklagt worden, kam aber?rct. Damals wies sie eitte beschmutzt« Hose vor, sic als Anlaß der verabreichten Züchtigungen und — legte sie auf den Gerichtstisch. Damals hat'e sie sich vor Gericht aewallig entrüstet, als Sadistin verdächtigt zrt wetden. und war foftar furchtbar darob etnpvrt. daß die Anklage ihr sadistische Momente unterschob. Auch ihre Tochter war wiederholt Lar'stell e r t« bei den sadistischen Schaustellungen. Vftmpe hatten die Kinder ihr Schicksal geduldig ertragen. Schließlich Hütte daL 1Zjährige Mädchen, das intelligenteste und aufgeweckteste der drei Kinder, sich einer Bekannten, die als Bediem-rin in einem Amte beschäftigt ist, anvertraut, dne dann die Anzeige erstattete. Die Frequenzliste. Es wurde auch konstatiert, daß bei der Feststellung des Kreises jener Personen, die an den „Lektionen" teilnabmen, Auszeichnungen von Wichtigkeit gesttnlden wurden, welch« die Sprachlehrerm geaeMber den Frequewanwn ihrer „Unterrichtsstunden" geführt habe. In dem Büchlein waren Namen der Gäste und Zeit des Befttches und die empfanaenen Honorare eingetragen. Einigie Besucher waren mit vollem Namen bezeichnet, andere mit Pseudonhmen. Das Inkognito der unter Decknamen verborgenen Perso-nen konnte nur teilweise gelüftet werden. Bon Paul Kotanyi erfuhr man. daß er als Schulinspektor galt. Um dre'wiertel 10 Uhr begcinn die Berhandlung. Die Kadinetz gibt an, verwitwet zu sein. — Bork.: Sie waren doch mit Ihrem Lebensgefährten nicht verheiratet. Angek l.: Gewiß. — Vors.: Warum haben Sie in ver-siebenwöchigen Haft nicht den Beweis erbracht? — Angekl.: Das habe ich mir für die Verhandlung Vorbehalten. — Bors.: Haben St« Urkunden für Ihre Verehelichnna? — An g e kl.: Ich glaube, ich könnte sie mir beschaffen. — Die Kadinetz gibt ferne an. in St. Martin in Istrien geboren und auch dorrh'n ztiständig zu ft'in. Sie bezeichnet sich als Sprachlehrerin und erklärt, kein Vermögen zu besitzen. Die Degrasfi ist geschieden, Dr. B a ch st e p und Romberg erklären, daß sie für Frau und Kind zu sorgen haben. Staatsanwalt Dr. K a d e c k a beantragt aus Gründen der öffentlichen Sntlichk-eit den A u s s ch! u ß d e r O e f f e n rlichkeii. Verteidiger Dr. Kramer spricht sich gegen den Antrag ans und erklärt, daß alle Vorgänge im Salon in der Biber st raßein die Oesfentlichk-.it gedntngen seien, so daß nichts erörtert werden wird, was nicht ohnehin schon b e I a tt n t i st. Der Gerichtshof verkündet den Beschluß, die Verhandlung geheim durch zu sührm, weil das Gericht die Uebcrzeugung gvlvonnen habe, daß die Din-^. die zur Sprach« kommen werden, geeigttet sind, die öffentliche Cittlichke.it »zu gefährden. insbrsondere dadurch, daß^ in i'fsemlichen Verkaufslokalen die Berhandlit-nasberichte feil.t'bown und so auch Jugendlich« und Kinder in Dinge einaeweiht werden, deren Kenntnis gefährdend aus ihre Sittlichkeit «l.-rwirken könnte. . Di« Räumung des Zitschauerraum-es wird vurcheeführt. Es verbleiben im Zuschauerrattm die 21 Bertranensversonen der Angeklagten, darunter als Verrrauensmanner üiombcrgs der ehemalige Durgthxtterdir 'kwr P a u l s e n nnd der Schauspieler W « r n e r - 5k a h l e. Das Barreau ist _ mit Rechtsanwälten und richterlichen Fnnkiionären überfüllt. Auf der Iournalistettbank verbleiben einige Vertreter der Zeitungen, die jedoch sitber die gehenne Sitzung n t ch t berichten dürfen. Wir werden über den Änsaang des Prozeises und im Falle ein Teil über Antrag der Verteidigung sür öffentlich erklär: werden sollt« auch hierüber bcrich'en. De^ Ausschluß der Oesfemlichkeit für dir ganze Verhandlung N>§ auf drei Tage anberaum'en Prozesses erscheint ichon deshalb nicht angebracht, weil das Publikum zur falschen Ansicht htnneigen wird, daß man hier manches verbergen will, was bei einer öffenrlichert Verhandlung unmöglich märe. Das Unglück in der Praterstraße. Wie erinnerlich, wurde im Dezember Frau Dora Srein ^urch einen lAejimsabfturz vom Hattfe. der Praterstraße 59 getötet. Tie gerich-liche ll n-» t« rf u ch ung, die wegen Unterlassung der Anzciae bei drolMdem Einsturz geführt wurde, tst c i n o, e st «Ui worden; es war ein Gutachten erstat-t«.l worden, daß das stbort hundert Jahr« alte Gesims sehlerbaift war. ohne daß dies iraendwie hätte wahrgenvmmen werden können. Der Gatt« der Vernnalücktetr beabsichtig!, aeaen die ungerechtsertiaw Einstellung des Ve'.fahrens Einspruch zu echebert. Die Einstellung der Untersuchnng erscheint schon deshalb vollkomnteir unbegründet, weil dadurch di' Hausbesitzer in dem Wahn bestärkt werben, daß sie M bisher mit Anzeigen Vorgehen müssen.