Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1809 (28.2.1924)
- Date
- 1924-02-28
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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tzeite 4 Men, Donnerstag_ - enen Gebieten Großrumänieus diejenigen Personen, die Staatsbürgerschaft erlangen können, welche vor Oktober 1918 bereits nach einem Orte des heutigen Rumäniens zuständig waren. Diese Bestimmung trifft die Vertreter der Minderheiten in den neuerworbenen Gebieten, wie die Juden, Deutschen und Magyaren ziemlich schwer. Als nun in der Kammersitzung hei der Debatte über den Gesetzentwurf der ungarische Mgeordnete Josef S a n d o r darauf hinwies, daß der Gesetzentwurf die B e st i m m u n g e n des Frieden s- Vertrages verletze, erhob sich bei der Mehrheit großer Lär in und Sandor konnte seine Rede nicht sortsetzen. Die Abgeordneten der Bauernpartei nahmen Sandor unter Hinweis darauf, daß er allein gegenüber 200 Abgeordneten stehe, in Schutz, worauf sie von den Liberalen als Batcrlandsveräter apostrophiert wurden. Es entstand eine Schlägerei zwischen den Abgeordneten der Bauernpartei und den Liberalen, und die Sitzung mußte schließlich unterbrochen werden. Lodz und Posrn. Warschau, 20. Februar. Der Borwaltnugsaiisschuß des Leim beschäftige sich in der lebten Sitzung mit den Anträgen des Indischen Klubs, die Wegen der Judenexzrffe in Lodz und Posen eingebrach: wurden. Abg. Grünbaum schilderte die Borfälle in Lodz vom 12. November 1923. Jüdische Baffanten wurden damals, wie gemeldet, von Polizisten verhaftet und aufs Polizeikommiss-aria: geschleppt, wo sie dann blutig g e s ch l a g e n wurden. Die Wachlente bedienten sich dabei der Nagaika. Der Redner wies darauf hln, daß die jüdische Bevölkerung von Lodz in starke Unruhe versetz: wurde, da die Polizei, welche berufen ist. die Bürger zu schützet!, diese Bürger ohne jeden Grund verhaftet und verfolgt bat. Abg. Grünbauin beantragte, eine Unlersnchnng einzuleiten und die Schuldigen zu bestrafen. Die Vertreter der Rechtsparteien, die Abgeordneten Kozlowskr und Holeksa, erklärten. diese Angelegenheit könne im W-eae einer Jntcrpellatton an die Regierung erledigt werden, r>er Administrationsauvi'chutz brauche sich nicht „mit solchen 'lst-inigkeiten" zu beschäftigen. Der 'Antrag Grünbaum wurde abgelebn: und der Ausschuß nahm eine vorn Abgeordneten Holeksa beantragte Entschließung an, in welcher die Regierung aufgeforderr wird, die U n l e r s n ch u n g wegen der Lodzer Vorfälle in. t ü r j eft c r Zeit u beendigen. Der Vertreter des Ministeriums des Innern gab dir Erklärung ab, daß in Lodz Ivohl Exzesse vorgekommen seien, die Verhafteten seien jedoch nicht blutig eres.chlugen worden. Gegen die Schuldtragenden wurde eine D i s z i v l i n a r n n t e r s uch u n g erngeleiter, in einigen Fällen .auch die Anzeige an die Staatsanwaltschaft erstattet. Sodann referierte Abg. Grünbanm über die antijüdiichen Exzesse in Posen, die, wie Redner mitteilte, angesichts der Passivität der Behörden noch immer Vorkommen. Die Ablehnung eines Dringlichkeitsautrages über diese Vorfälle sei von den Mitgliedern der „Liga zur Verteidigung des Vaterlandes und des Glaubens" dazu benützt worden, um neue Exzesse gegen Inden zu inszenieren. Die bekannten Posener Pogrom isteii Sekratarczik und Noskowi.z befinden sich bis heute auf freiem Fuß und Hetzen weiter gegen die Juden. Abg. Grünbaum beantragte die Verhaftung der beiden und die Wahl einer Subkommissron, Ivelche die Vorfälle und besonders das Verhalten der Poseuer Behörden untersuchen soll. Die Anträge wurden durch die Darlegungen des Abgeordneten Schipv c r unterstützt. Abg. Jlsk: lNationaldemvkra:) erklärte, daß die Sache vors Gericht gehöre: daher lehnen die polnischen Parteien die jüdischen Anträge ab. Bei der Abstimmung wurden auch diese Anträge der jüdischen Deputierten abgelehnt. Alle polnischen Parteien, auch der freiheitliche Klub Whztoole nie und die Sozialden okrate n, stimmten dagegen. Sie polnische Emissionsbank. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 27. Februar. Wie Ihr Korrespondent aus mt informierter Quelle erfährt, wurden bisher auf die Emissionsbank 50 Pr o) c n t des gesamten Kapitals, das sind 50 Millionen polnische G u l d e n, g c,] e ichnet. (Bekanntlich ist zue Schaffttirg der Emis-- sionsdank eine KOpvozentige Bewili-gu-ng seitervs des Privatkapitals erforderlich.) _- Ler Arafakt über die Erwachende« abemals verschwunden. Budapest, 27. Februar. (Tel. d. ,Mr. MorgerMtung".) Limnal waren die Akten -gegen die Bombenwerfer Josef Marsfy und ls-enossen schon verschwunden. Damals, vor drei Monaten, loomten sie erst nach wochenlangen Bemühungen und nach einem erregten Rotewvechsel mit der Polizei im irgend einem Winkel der Registratur des Gerichtshofes gesunden werden. Seither ist jedoch der damalige Verdacht zur Gewißheit geworden, daß alle Bombenatten'tate von der Zentrale des Verbandes dar Eriivachenden Ungarn entworfen und amdesohlen wurden. Aus •biefem Grunde wtwden die endlich ausgeftmdenen Men der Polizei nbornlittell. Nun sollte der Staatsanwalt, der in ‘bi'Cfct Angelegenheit 'das Referat hat, einen Untersuchungsantrag stellen, doch erklärt er sich in einer Meldung an seine Vorgesetzte Behörde außerstande, Anträge zu stellen, da die Bo rakten abermals verschwunden sind. Boi der Polizei wird behauptet, daß die Vorakten mit den Protokollen jüngeren Datums der St a at 8- Anwaltschaft zugesckickt worden sei«:. Bei der Staatsanwaltschaft ist dieses umfangreiche Mtenbündel jedoch 6iHer nicht aufzu.fin-den gewesen. Und so beginnt nunmehr eine neuerliche Jagd nach diesen -verhexten Mten. O-b ist wohl auch diesmal nach gefn-n-den wewdenip Wiener Morgenzeitung. 28. Februar 1924 J\U 18« Zer Bankenftreik. Unterbrechung Ser Verhandlungen. Die gestern bis in die späten Abendstunden fortgeführten. Berbandlnnaen zwischen >den Vertretern der Bankett und den Angestellten haben die sv wüwchenÄv-erte Einigung nicht gebracht. Die Gegensätze haben sich noch nicht übcrbrückcn lassen, so daß eine Unterbrechung der Verhandlungen eintreten mußte. Der amtliche Bericht über die gegenwärtige Situation besagt: Im Sinne der am Schluß der gestrigen Verhandlungen durchgeführten Besprechung über das weitere Vorgehen haben die Vertreter der Banken und die der Bankangestellten ihren beiderseitigen Organisationen Bericht erstattet und von ihnen die Entscheidung über einige Streitpunkte, über welche endgültige Erklärungen noch nicht abgegeben werden konnten, eingeholt. Diese Erklärungen wurden gestern gegenseitig ausge. tauscht. Am frühen Nachntiltag überbrachten der Präsident des Bankenverbandes Dr. H a in m e r s ch l a g und Abg. Allina dem Bundeskanzler zur Vermittlung an die Gegenseite die-in den Sitzungen ihrer Organisationen gefaßten Boschlüsse. Obwohl diese schon erkennen ließen, daß, wenn von keiner Stelle weitere Konzessionen gemacht würden, wenig Aussicht aus eine erfolgreiche Fortsichvung der Verhandlungen bestehe, ersuchte der Bundeskanzler die Veistreter der beiden Gruppen dennoch, noch einmal mit ihren Organisationen in Fühlung;u treten und zu einer neuerlichen gemeinsamen Aussprache um 6 Uhr abends in das Bundeskanzleramt zu kommen. Bei dieser Ansprache erklärte zunächst Abg. A l l i n a, daß die beiden Organisationen der Angestellten ihre Vertreter ermächtigt haben, in eine weitere Verhandlung zunächst über das A u s m a ß der generellen Erhöhung nur unter der Voraussetzung einzutreten, daß die Vertreter der Banken diesbezüglich ein über das bisherige wesentlich hinausgehendes neues Angebot machen. Die von den Bankenverbänden geforderte Zweiteilung der K a s s a st u n d e it in Depositenkassen der inneren zehn Bezirke lehnen die beiden Angestelltenverbände im Hinblick auf die bereits konzedierte Verlängerung der Kassastunden bis halb 3 Uhr, beziehungsloeise 8 Uhr nachmittags, strikte ab. Der Präsident des Banikenvrrbandes Doktor Hammerschlag erklärte, daß die beiden Bankenverbände, nachdem laut der Erklärung des Mg. Alling der von ihnen heute unter Vorbehalt einer loyalen Einigung gemachte Vorschlag betreffend die generelle Erhöhung der Bezüge ebenso wie die Forderung nach Teilung der Kaff«stunden von der Gegenseite abgelehnt worden ist, nicht tn der Lag« seien, einen neuen Vorschlag zu machen. Der Bundeskanzler stellte fest, daß ihm, da er ' natürlich nicht berufen sei, den Streitfall durch einen Schieds-■ spruch zu entscheiden, nichts übrig bleibe, als zu erklären, daß im gegenwärtigen Zeitpunkt eine Fortführung der Verhandlungen zwecklos erscheine. Er sei fedoch ' s elbstverständlich bereit, wenn es einer der beiden ' Teile für angebracht halte, oder nach der Sachlage auch aus eigene Initiative jederzeit die Verhandlungen wieder einzuleiten. In Anbetracht der schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgeu, welche die . Stillegung der Banken mit sich bringt, muffe er hoffen,, daß die nunmehr erfolgte Unterbrechung der Einigung'sverhaMungen nur von kurzerDauer sein werde. Zum Schluß appellierte der Bundeskanzler an die Bertvcter der beiden Gruppen, ihren ganzen. Einfluß auszubieten, damit auch in dieser Uebergangszeit alles vermieden tverdc, was zu einer Verschärfung des Konfliktes führen könnte. In informierten Kreisen wird damit gerechnet, daß die eingetretene Unterbrechung der Verhandlung nicht lange dauern und daß innerhalb von zwei bis drei Tagen die Einigungsverhandlungen wieder ausgenommen werden dürften. Es darf allerdings nicht überschen werden, daß diese Unterbrechung gerade vor dem Ultimo eine Verschärfung der Situation.. bedeutet, um so mehr als bekanntlich die bisher zurück gestellte Interpellation in der Nationalversammlung heute nunmehr doch zur Verhandlung kommen wird. Die Ursachen der Unterbrechung lassen sich dahin zusammenfassen, daß das Zugeständnis der Bankenvercmrgung auf eine dreiprozentige Gehaltserhöhung von den Bankbeamten als unannehmbar bezeichnet wurde, während der Bankenverband seinerseits auf einer Verschiebung der Arbeitszeit und Zweiteilung der Kassenstunden in den inneren zehn Bezirken Wiens bcharrte. Heute beginnen die Beratungen über die Forderungen der Metallarbeiter; weiters stehen auch die Verhandlungen über die Forderungen der Jndustriebeamten bevor, und es ist nur zu befürchten, daß der bisher ergebniS los verlaufene Kampf der Bankbeamten auf' die Lohnverhandlungen dieser beiden Kategorien nicht, ohne 'Rückwirkung bleiben wird. Seheimverordnnug 20.000. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 27. Februar. In einer Interpellation, die den Empfang des Erzherzogs Albrecht durch die Regierumgs-- und Militärbehörden m Debreczin zum Gegenstand hatte, suchte Abgeordneter Horvath den Nachweis zu erbringen, daß in Ungarn noch immer Propaganda für die Habsburger getrieben werde. Er stellte die Frage: Ist es der Regie vM-g betagt, daß 'den Mitgliedern des entthronten Hauses H a b s -b u r g auch -heute obenfo wie früher Ehrenbeze igungen geleistet werden? Was sagt der Mnifterpräfident zur Auffassung des Honvedministers, wonach Ungarn noch heute eine Dynastie hat? Ist die RegieMny bereit, die offizielle Habsburger-Propaganda einHustellen, dem Gntthwnuugsgesetz auch in der Armee Geltung zu verschaffen und -den Honivedmiwifter zu veranlassen, daß er seine Erklärung rektifiziere oder sein Amt niederlege? AbgeorÄMter Hebelt bringt die Geheimver-- ordnung, Zahl 20.000, zur Sprache. Diese hat beikauntlich die Ausweisung von lästigen Fremden, das heißt von Juden, zum Inhalt. Honvedminister Graf Csaky erklärte heute, daß er gegen Mafovauditor Györffy, -der sich anläßlich einer Militärgerichtsverhandlung dem Diewstregleinent widersprechender Aeußvrungen bediente, und auch mit dem sozial- ^demokratischen Abgeavdneten PM-er -in eine 2l>ffäre verwiMt lvurde, das Disziplinarverfahren eingeleitet und ihn nach Raab versetzt habe. Eine Mtgistftener ln Amerika. Washington, 27. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung") Im Repräsentantenhaus wurde mit 191 gepen 66 Stimmen die Einführung einer Mitgift st euer beschlossen. Zu versteuern sind Mitgiften von 60.000 Dollar angefangen. Die Steuer steigt progressiv bis zu 40 Prozent. GEORG,BAD (CLUSIUSBAD) IX., «luslingazse 12 ir neueröffnet Dampfand Wannenbäder Ruisischei Dampfbad (einzig in Wien) umgebaut und neu eingerichtet äMP Für Damen sind die russischen Steinschwitzbäder jeden Donnerstag nachmittags geöffnet e Tagesbericht. Die schwarze Droffel. Eine ©elbföSilt in Jassy. Die Polizei von ganz Rumänien beschäftigte Monak hindurch das Treiben einer Verbrecherbande, die üt I as s y ihren Sitz hatte. Obzwar das ganze Detektivkorps ausgeboten war, gelang es nicht, , die. Bande unschädlich zu machen. Eine geheimnisvolle Gesellschaft hatte nämlich in Jassy eine modern eingerichtete Werkstatt, in der.falsche Hundert- und Fünfhundertdollarscheine, Zeugnisse und Diplome auf maschinellem Wege erzeugt wurden. Endlich gelang es der Bukarefter Polizei, festzustellen, daß das eine Haupt der Bande eine außerordentlich schöne Frau ist, dü die europäische Diebswelt unter dem Namen die „Schwär? Drossel" kennt. Ihr wirklicher Name ist Josefine Dürmand. Detektive sandelt sie im Klausenburger Hotel Astoria. Sie hat ein langes und abenteuerreiches Leben hiitter sich. Im Alter von achtzehn Jahren kam sie aus ihrer Vaterstadt Berlin nach Wien und machte hier die Bekanntschaft eines Baukbeainten. Die Freundschaft dauerte mehrere dRonate. Eines Tages gab das Mädchen den Bitten des jungen Mannes nach und besuchte ihn in seiner Wohnung in der W ä h r i n g e r st r a ß e. Am anderen Tag bemerkte der junge Mann, nachdem das Mädchen von ihm. gegangen lvar, daß ihm auch ein Betrag von 22.000> Kronen abhanden gekomlnen war. Der junge Maun erstattete dw Anzeige, doch trotz eifriger Nachforschungen gelang es nicht,. das Mädchen zu verhaften. Der gestohlene Betrag genügte Josesine, um sich elegant zu kleiden und elegant auftreten zu können. Zuerst tauchte sie iu Mailand auf, wo sie ständiger Gast aller Spielklubs war. Infolge eines seltenen Sprachtalents batte Josenue Dürmand innerhalb anderthalb.Äonaten perfekt italienisch erlernt, so daß sie sich längere Zeit in Italien berunrtrieb und in verschiedenen Städten mehrere Hochstapeleien beging. Sie bildete mehrere Diebsbanden., mit denen sie immer in einem anderen Argot verkehrte, so daß die Banden von einander nichts wußten und nur blind dem Befehle der tollkühnen Führerin folgten, und zahlreiche Raubansallc ausführten. Die italienische Polizei hatte sie zwar wiederholt verdächtigt, aber in jedein Falle gelang es ihr, zu entkommen. In Venedig hatte sic mit cineiil italienisch-ert Grafen, der sich in daä auffallend schöne Mädchen verliebte, ein Abenteuer. Seine Liebe hatte er mit dein Verlust von 50.000 Lire und fast seines Lebens .zu bezahlen. .Damr reiste' das Mdchett nach