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Wiener Morgenzeitung · 1924-02-27 · Heft 1808 (27.2.1924) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1808 (27.2.1924)
Date
1924-02-27
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. I8Q8 ggfew, OT«üi?a> ZKnzBMK. Steffy Malden. — Helene v. Pmkalska. Es ist schwer, nach dem: a.u.frütteln.b2n Ergebnis, bie Krmst einer Edith v. Schwnck. einer Adary Wig-nlan» oder Vekleska Gert geboten cha-t, den Wey, zum Alltag b?9 Tcvnzes Aurückzusinden. Man muß ganz besonders vovsichtig rn der VonrleTuntz, im AnSeinanderhalten von Talent und Untalent sein, uin an die rw'i'w«ndige Distai^ier-unH nicht zu vergessen und dcch immer daran ev.nnert sein, daß de einzelnen Sprossen seder künstlerischen Stuscttsi.i'str von den verschiedentlichsten Begabungen besetzt stn-d. Stefsy Maiden teilt das Prrgrainin chneS Alends in Tan>zfbuteen und Kcritainnen oin. Die ernsten Tänze, die dem Zyklus Schicksal" entnommen sind, sind von 'bleiche!: Ideen Utero- Äscher Prägung ang>:ikrälML. ohne in wArni-schTr. krmstilevischer D^woguivg gestaltet ivorden zu sein; es sinid lyrische Emotionen d e teils neben der Technik einhe-rgehen, teils zusällrg in ihr imtertauchen, a'ber nie von ihr bewußt durchdrungen und gesorrnt werken. Besseres und wohl weiterhin Ctudiuin Würdige res gel-Mgt ihr in den gvotesken Tanzen. Wenn sich auch noch nicht ihr inneres Gesicht rm Objekt ihrer Gestailturg MiederspiElt, sondern dres-es aus peripherischen EmKelzUgen zirsammei^sügt wird und e:n Mnsaii? Anger Beobachtungen im Tanze sich zusammensetzt. sieht man doch eine Mga-bung <p"«n die Ueffeln bürgerlicher Kunstschran-ken oitremtcn und kann der »Hoffnung Ausdruck geben, baß die weitere EnÄmcklung auf ihr Künstlertum vertüserd wirken wind. Helene v. Penkalska tanzt Ballett mit nr-dornen Ambitionen. Aber die Schwere ihres Körpers, der DLangel LN persönlicher Annvuh die mem-isims die beENtzte Technik nicht jeden Augeniblick fühlbar machen würde kam: nicht durch geschmackvolle Kifftürne oder durch Reguisiten^a-nHer mch^ehoben werden; es ist rttcht abznsehen. was uns bevorsteht, tvenn alle polnischen Täterinnen ans ihrer Reife von Warschau nach Paris in Wien A-rrferttHatt nehnren. dt. Russisches Ksmert. Im Rahmen einer russischen Woche, tvekche der rnsiischen bildenden Kunst, Literatur und Musik gewidmet war, v-rranstaltete die Gesellschaft zur Förderung moderner Kunst gemeinsam mit der internationalen Gesellschaft für neue Musik einen russischen Musikabend. Das interessanteste Stück war die Suite aus „L'histoire d'uu soldat" von Igar Stravinsky für Klarinette, Violine und Klavier. Der russische Tondichter ist hier säst ein Franzose geworden, er erzählt nicht die Geschichte eines russischen Kosaken, der den Krieg mitgemacht hat, sondern er gibt Grotesken „d'uir foldot" zum Besten, der auf den Pariser Boulevards herumspaziert, mit seinem Liebcheu nach dem Montmarrre schlendert und zu allerlei Schabernack aufgelegt ist. Er klimpert auf der G-Bane der Geige und entdeckt erst später, daß man auch auf den anderen Saiten spielen könne, er versucht moderne Tänze aufzuspielen und lacht sich Eins ins Fäustchen, wenn dabei allerlei Mißklang herauskommt, in welchem der französische Esprit, mit einem Schuß russischen Galgenhumors versetzt, seinen musikalischen Ausdruck findet. Ein recht aufgeklärter Soldat, der sich über die herkömmliche Musik lustig macht, gleichwie der Jungsranzose Milhaud in seiner „Cinemaphantasie". Wenn „le soldat" Musiktheorie studiert hätte, würde er wohl nicht die einfache „Monotonalitöt", sondern die erweiterte „Polytonalität" auf ferne Trikolore schreiben! — Auch Lieder von Stra« vinsky wurden ausgesührt, von der zahmen, noch von Debusiin träumenden „Schäferin", an bis zu späteren in chrer scharfen Charakteristik überspitzten „Quatre chants russes", die wieder vor charakterisierendem Mißklang durchaus nicht zurückschrecken. Bon Serge P r o k o s i e s f — auch er hat der Heimat den Rücken gekehrt — horte man eine Ouvertüre für Klarinette, Streichquartett und Klavier über jüdische Themen — das jüdische Element behauptet sich übrigens nicht nur irr der Thematik, sondern auch in der bunt«n redseligen Durchführung, im Mollausdruck und in eigenartigen Fiorituren — und eine Auswahl der bekannten Klavierstücke „BisionS fusitives". Sie haben Chopins „Preludes" manches abgeguckt und bringen in deren zeitgemäßer Fortführung mehr Französisches als Russisches, mehr Farbigkeit als Bildhaftigkeit. Die bald ein halbes Jahrhundert alten Lieder des echten Russen M «s s o r g s k i „Aus der Kinderstube" — ein ähnliches Stück findet sich übrigens auch in seiner Oper „Boris Godonow" — taten mit ihrer einfach kindlichen Bewegung und ihrer Anlehnung an Kinderheime auch diesmal ihre Schuldigkeit. Durchwegs vorzüglich waren die mitwirkenden Künstler Emmy Heim, Viktor P o l l a t s ch e k, Friedrich W u h r e r und das K o l i s ch - Q n a r t e t t, die sich selbstlos in den Dienst der Musikmoderne stellten. Es war freilich ein recht enger Ausschnitt aus der Musikmoderne und eine einseitige Orientierung über das zeitgenössische Rußland. Allerlei Feinkost in winzigen Mengen, leckere Appetitschnitten, denen das erwünschte Hauptgericht nicht nachfolgte. Und so ging man schließlich höchst angeregt aber ungesättigt nach Hanse. slb. Mische MEeder der snmMch« Akademien. Anläßlich der Wahl des Konservators am Louvre Museum, Georges Benedite, zum Mitglied der Acadepstc tes IrrscriptionS et Velle8-L'tives. veröffentlicht I. P. Z. die Liste der jüdischen Mitglieder der fünf französi-i schen Akademien, die zusammen das Institut de France bilden. In der Academie Franeaise sind Zwei jüdische Mitglieder, rmd pvar dr berühmt« Philosoph Henri Bergso» und der Dramatiker Georges Porto-Ri che. Di« Academie des Sciences zählt gleichfalls zwei jüdische Mitglieder, den Professor am College de France, Jacques " Hadamar und den Profesior an der medizinischen Fakultät Wiener MorsenzeitunA. An unsere P. 1 Abonnenten! Am l. Mär, 1024 beginnt ein neues Abonnement auf dt« „Wiener Moweu,ejtung" Mr ducken, die. Be-ugsaebttllren reckitre'iia eiiunzahlen, damit die Austellmm des Blatte; keine llnterteetllinici erleide. AeznMaebsibrm ab I.Mn 1924: VNiwewmenl ffi* Wien -,znv« Abstvlen im <SmM, ober in einer Berschieiffslette) monatlich.&. Da? wolle oefiilliall reckttettta in der näck>q. lle^ndn- S-e^cs'li'ißlli'lla erneuert und die Bezugsgebühr aleich» roll« do^tsilbst ersiat werden. errnatlidb . . . » * ..J$» »».soll,- Dk-l'-ebo.Srswallrt rusnatttch. . . . .<3. 1«.- Vo'e« mou^lll'ch . . . . 3 50 monuttieh. .... Sttnnr «N. mvnntlich . 4.- ^«mS«r«n «-on"ttich . . . . . .P«l . . .... holl. »U 1.50 t-itasie» mnua'll«*» . . . . . . 'ttirr Kebweir mouaNt-*' . . . 4,— f&rmtfti’el«*, mouaittch . fr<tn^. K'r-n*'«« 12.- V-loton monattt-'h . . . . be!q. Kronktn mona'Nch. . » . . . SrbUllng s.- Amerikra MvrraNich. . . . . . . DoÜ«v 1.- Fö&FVen: CWtWMfdWffi«* ^v1kspnrNn°«en^«»n^» 1S<M?93. Tschecho-NoVaNisches PoNfvarKaNenironto LPrsq> 39.331 fD-Akin «» 7> 103.722. Rnmiknien nnd ^„"«»wina OskbanN A. G. in Eern«»r «ntz deren Pfilialen. Kküweiz r Srbwe^er in *51. ^uooNawien r ^oMPaekisttenhsnt» (Jnoeed) 40.0W. Platten: Soeieka bi Crevilo ^ommeeeiaie Leieste« Dia Mazzint 3L. Dis Denwarrnna Ser „Wiener Wornenzestnnn" Wien, II.. T"bnrfteshs L—K ^s'evbon 44.03». 43.A19. Bidal. Fünf I'.'deu si/^en in der Academie drö Sciences morales et politiques: Charles Lvon-Coen. ebmol'i-ger Dekan der Rrch'ofakulrät und lebenslänglicher S-etroiör der Academi.« b.'s Sciences; Henri Bergfon. der. wie oben erwähn:, gleichzeitig Miralied der Avademie frsncaise ist; Lucian Levv-Bruhl, Prostsfor der Wllosephie; Rafael Georges Levv, Mrich'ed des Senats und Bevfasier niedrerer Werke über R-a-rronaKkorromre. und Professor der Pbilosvi'h'.e Leon B r u n s v i i In der Academie deSJn^crip-tions et Bellcs-Let'rr'es gibt es vier j&VWx* Mi^^eder: der neiMvahtt-e Georges Benedite, Professor für griochifche Lsierarur; Gust'we G l o ß Türd'btor des Museums von S-amt-Germchrr, und Pvostsior am Louvre Salomon R e i n a ch und bellen Bvrrder, der -Hellenist Tbeodore Rein ach. SMieüli^b zäW die Akademie der schönen Künste drei mdisede Mitglieder: Direktor der schonen Künste im llnierrich's'uinisterimn Paul Leon; Prostsior an der Hochschule für sckwn« Kunst Ponircmoli und Baron Gdmonde de R o t h f di i I b, der zu den größten iird freiaebigsten französischen K"nstmären'N Z''dlr und der Begründer des Mailsn srancaise für Künstle: rmd Gclc.hrte in London ist. Pallenkerq hekstr. Im Rannund-Tboa^r tritt h"'"^e Mai; P o l l c n b e r g. Acft-’m w^^n Heiserkeit absag < n m-'Pe, in der Lustsvvtti^cheit „Armer Kleiner..!" wieder a>uf. Donners'oq sv'el' der Künstler den Wauwau. Ein Singspie! von E. 3A A. Hoifmann. In der che« mallem kön'^lick"n Hotlnbsi^^b'-k wurde ein Sin^vvel von E Tlr. A. Hoffmann. .Die Moske". at^^^n. das bisher als verschollen Mt. Es llt?:« J^-^nda-erk des wratm Roman^t^z nnd zeiot seine dovvcille Degcckwng Äs Dichter und Musiker in der Anfangs?ntwicklnna. Mnllorgß^h an den dents-^rn Opernbühnen. An der Frankfurter Over erleb'« das .zweite dram-a?rsch" Werk M"ll-r'l*iZkyg ..Die Fmnilie Hodonskv" ihre reichsdeu'sche Uraufführuna. Tvs cn'''ßt»ntesi8 lvrrs-che Werk, dessen S'on aus der rusirschen G^chich'e entnonrm-n ist, m^ch'e <nck das Publikum riefen Eindruck. Seine erit-e Oper „Boris Gord"now" fa.^d in der Ausllkl"-»,u'a au d"r Groben Balksover in B-rl'in unter drr ausgez-eichueten L-'i'una des Goneralnursikdivektors Cilgen S' c n k a r 8 reichen. Beifall. Mulikpflcg« in Brriin. Rudi Stephans' Oper „D i e ersten Menschen* der daL Mvsierium von Otto Borngräber zugrunde liegt ist nnnmebr auch in der groben B o l k s o p e r in Berlin zur Ausführung in der nächsten Spielzeit angenommen worden. Max Clkvogt als Dekorationsmaler. Für vre Nene in-- studieruna des M-ozart-scherr „Don Giovanni" an d"r Dresdner S'aa'sop^r. die nn April ftatts'ndet, wirb Max Slevogj die Srew-U'b'lder und Figurinen scbrffen. Ba» rineL hebräischen Thrajers ln Haifa. In Haifa wurde ein Komitee organisiert, das sich die Erbauung eines hebräischen Theaters zur Aust^be geinacht bat. Fl« der palästinensischen Oper gel.arr.si in der nächsten Zeit die Oper „Faust" zur Aufführung. Die Dekorattonrn werden in der Jerusalemer Kunstgeiverbeschule B e z a! e! besorg:. ^Der Abbruch" Karnevalsb-lä"er für weit« Musik, ist soeben , erschienen und durch die Druckerei Otto Maß. Wien. 1. Bez., Da'lfischaasse 10. zu beziehen. Das gesamte zÄtgen" fische Musikleben wird darin m überaus lustiger und einfallsreicher Weist verzpoltet. _ ft» den Theatern. Kammer spiele. Heute, 7 Ubr abends. 25. Vorstellung des dretakiigen Lustspiels „Die Alarmglocke" (La Sonn«* ie d’Alu'nit') vonHenneqninundCoolus mir Gisela W erde z i r k, Eugen Burg und Hans A l b e r 8 als Gästen. — In der Nachtvorstellung spwtt von heute an Leopold Z w a l d diü Rolle des Wetterstem. Dolksover. Heute „Fürstin Lanagra". —- Morgen ^Carmen", Jv'.ö — Kammersänger Petar R a i e s f f vom NationaltheatLr in Agram, die Titelrolle singt Frau R c ntz ö «, die Micaela Frau G s: ö, den EStÄmilla Herr Brand. _ 27. Februar 1Ö24 Seit« 7 — Mattia B a t t i st i n i stnat Sonntag abends als erste Parsid den R i q o I e 11 o Mittwoch den ReneS im „Maske ti* % a l r, Scrnikstcw. den Scarvia in „% o « c a* und Mittwoch den 12. Mäi^ den Neinsco in der gA f? i k a n e r t n". Der Vorverkauf für alle vier Vorstellungen hat bereits begonnen. Iobann Strauß-Theater. Karl Bachmann verabschiedet sich mvroen in ,,B a s a z z o 8 Abenteuer". - Freitag gasiiert Roonl A 8! a n in der Operette »Die F 5 r st e r ch r i st l"; taaSbarauf beginnt ein Zyklus der grSfiten Erfolge dieser Bühne mit KalmanS »Z i g e u n e r v r i m a S". Jüdisch? Bühne, 2. Bez.. Taborstraße 12. Heut«, halb 8 Uhr abnids. wird A. Goldbergs Komödie „Aus Sommerfrische" aufgeführn. Avollotbeater. Freitag den 2S. d. Premiere der Stoi?schen Overctte { « B a! l r o m a n* tTer Kavalier von -edn bi>) vierV Die DonnerStagvorstellnnq entfällt. „D e r i ü ß e Kavalier" wird heute.Mittwoch zum letzten Male gcsviel' Gerichtssaal. Ma ehemMger SWer Wege» Liebstchts verurteilt. Diebstahl aus Notlage. Ei:» trauriges Bild sozialen Elends wurde gestern beim Strafberirilsgericht 1 in einer Berhandlung entrollt, in der der pensionierte Major Edmunh P. wegen Diebstahls ang:klagt war. Dem Be chuldigten lag znr Last, daß er im Dezember vorigen Jahres aus der Wohnung seiner Quortiergek^rin, während diese in Innsbruck weilte, eine Nähmaschine im Werst von 1.600000 Kronen und ein Paar altt Damenschube entwendet hatte. Der Angeklagte, ein 50jühriger Mann, war d:8 Tatsächlichen geständig und bcteucrle, daß er sich nur durch eine deso-.r'eere Notlage zu den Diebstählen habe Hinreißen lassen. Die Nähmaschine habe er um den Betrag von 150.000 Kronen versetzt, da er am Ende des Monats kein Gttd mehr batte. Sofort nach der Rückkehr d^r Quartierfrau habe er den Schaden ^gutgemacht, seine Quarii-rfrau habe auch die Anzeige zurückgezogen und man habe ihm bei der Poli'ei gesagt, daß dw Sache erledigt sei. Was den Diebstah. bo Schuhe onlan^t. erklärte der Angeklagte, daß e: eines Tages den Besuch semer Nichte erhielt, die «rrisstne Schuhe und da es v^gneie. nasie Füße hatte. Er habe sich deshalb ein Paar alte Schuhe einer Ouartierssrau ohne deren Wissen ausgedorgr und sie seiner Nichte mm Tragen gegeben. Ueber fein Vorleben befragt, erklärte der Angeklagte, daß er aktiver Offizier war und nach dem Umsturz als Major in Pension ge'chickt wurde. Er bestehe monatlich für seine Person eine P e n s r v n v o n 3 4 0 0 0 0 Kronen, während der Rest ferner Be<^üge ihm sofort für die Erziehung sei,:e8 in der staatlichen Erziehungsanstalt unstrgebrach'en Scchneö ab^zogen werde. Auf den Vorhalt des Richters. daß vr von einer Pension von 340.000 Kronen wohl kaum leben körne, erwiderst der Angeklagte, baß er hie und da einen Nebenverdienst durch Schreibarbeiten öd.'r durch Erteilung von Privatunterricht babe daß er aber im allgemeinen <mf seine Pension angewiesen fei.- Die als Zeugin vernommen« Quar-- tiergeberin erklärte, daß sich der Angeklagte tatsäch'ich in großer Notlage befinde und daß er die Nähmaschine v:rsetzt habe, da er. wie er sagte, ein paar Krönen halben wollte, um sich einmal sattessen zu können. Die Zeugin crHärtc, fie hcche die Anzeige bereits am nächsten Tage nach deren Erstattung zurückgezogen, doch sei cs zu spät geivesm. 3>:r Richter verurteilte den wegen eines Eigentumdelikts bereits vorbestraffen Angttlagten unter Anwendung äußerster Milde m 2 4 S t u n de n Arrest. Zn der Urteilsbegründung führte ver Richter aus, daß die Notlage des Nngsklaaten der von seiner Pension fern Auskommen nicht finden könne, zur kriti-- sch-n Zeit zwar eine sehr große war, daß aber die Notlage nicht als Strafausschließungsgrund angenommen werden konn'e, da der Angeklagte immerhin ein Obdach hatte und außer seiner Pension noch *eiilwiIiG einen Nebenverdienst hat. Der Verurteilte hielt sich Bebenkzei: rfffen. 21 Prozent statt 107 Prozent. Wie kürzlich dtrichtet hatte die Zentra"^^denkreditbarr? einen Warenhändler auf Zah'nng von acht Millionen Kronen als Zinsen geklagt, we'cher Betrag Zinsen von 107 Prozent entsprach Gestern wurde dciS Urteil bek<n"tigeaooen. wonach der Gaklagte nur znr Zahlung von 3.6 Millionen Kronen verurteilt wurde, da das Gericht auf Grund des Sachvrrstäudigengutachlens 21 Prozent als aer''cht^ertigte Zinsen annahm, wie sie ielstnz der Banken als üblich zu gelten haben, das sind in diffem Falle 2,4 Millionen, wom für die Klägerin als Mittelbank ein Zuschlag von 50 Prozent, also insgesamt 3,5 M'lllonen, kommt. Die Hauspersenalabgabe der reichste« Familien. Dem Großgrvwdbesttzer Paul Wiktgenstein und feiner Mutter Leopoldin-e w"rde für das in dem Palais beschäftigte, auK neun männlichen und fünf weiblichen Personen bestehende Personal von der Gtmeinde Wien eine Hauspersonalabgabe von 33 MiMonen Kronen für das Aahr 1923 vorgeschriebrn. Gegen diese Dorlchverbung. inso''ern in die elbe auch die drei im Wiltaeustein'schen Sekretariat beschäftigten Personen einte» zogen wurden, brachte Paul und Leodoldine Wittgensstin die Beschwerde an den Verwaltungsg'richtshos ein. weil diese drei Personen nicht für die HauNvirt^chatt. sondern für die Berwa'itung bestellt seien. Zn ähnlicher Meise werde die Dermögensverwaltung der Häuser Rothschi'd. Gutmann. Sch'vller vsw. durch eine eigene Firma, oeiuöhnlich einer Bank, gc^''hrt. Der Vertreter der Gemeinde Wien erwiderte, den im S koetariat der Belchwerdelnhrer beschättigstn Personen nbllioge die Verwaff"ng des Familienvermögens, sie arbeiten daber in der Hauptsache für die Hauswirtschaft, ihr: Einbestehung in dv: Hauspersonalabgabe sei doller gerech^ertigt. Der BerwaltungSgerichtshos gab der Beschwerde Folge und holl die angefochtene Entscheidung als ungesetzlich auf. wei* unter die Hauspersonalabackl^e nur solche Ber onen lallen können, die der Verbranchswirtschaft im Haushalt dienstbar st sin. DI« Betrugsanzelg« der Konkurrenzfirma. Vor dem BezirkSrich'er Dr Neudeck (Strafbe.strksgerichi 1) hatte sich gestern der Pelzwarenhändsir Siegfried Soffer. Mitches der Firma Dr. Sofscr, gmen eine eigenartige BetrugSanklage zu rechtfertigen. Di« Anklage beruhte auf einer Strafanzeige der Pelzwarcnfirma „Leipziger Mann", nach welcher sich Soffer wiederholt nnlanstrer Mittel im Konkurrenzkampf gegen den Anzeiger bedient habe. So soll er am 18. Dezember vorigen Fahres gegenüber Dr. Hermann Fischer, der bei Soffer einen Pelz kaufen wollte und hierbei bemerkte, daß beim .Leipziger Monn" d?r Pelz billiger zu haben fei. gesagt haben, beim „Leipziger Mann" sei die Ware billiger, weil dort die anögemusterte Ware hinkomme. Durch dieses Borgeten soll Soffer nach Inhatt der Anzeige die Firma „Leipziger Mann" gefchädigr haben. Der Bo chnkdigte te^stchnete die Anzeige alerdich'tt. Die Verhandlung wurde zur Ladung werterer von den .Parteienvertretern -eantraLdcn Zeugen vertagt.

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