Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1807 (26.2.1924)
- Date
- 1924-02-26
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2979076-2980834-2980890--17941-3004971- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
m iwt Wiin, Di-enNag Wler»er Mnr^enzeitirim. 26. ^fcLvuar 1824 A«r drr Lehrzeit berühmter Wdischer Geister. Wie Jascha Haifetz, Mischa Elman und Ephraim Zimbalist anS Petersburger Konservatorium kamen. Bor kurzem erschien in New>?)ork in englischer Sprache die Autobiographie des berühmten Geigers und Musikpäda gogen Professor Leopold Auer, der nahezu 50 Jahre Pro-' sessor am Konservatorium von Petersburg war und 1017 vor drr roten Herrschaft nach Amerika flüchtete. Auf drn Inhalt dieses sehr interessanten Buches werden wir noch eingehend zurückkornmen. Heute sei bloß aus jene Stellen hingewiesen, in denen Auer, der selbst jüdischer Abstammung ist -- sein Barer war ein armer Zimmermalcr und Anstreicher in Beszprim in Nn' garn — über die Kämpfe spricht, die er als Professor des kaiserlichen Konservatoriums in Petersburg 'nn Interesse seiner seither gleichfalls berühmt geivordcncn jüdischen Schüler mit den Petersburger Behörden auszufechren hatte. Ain Konservatorium konnten jüdische Zöglinge wobt ohne Eim schränkuitg ausgenommen werden, die Eltern der jüdischen Schüler hingegen erhielten keine Bewilligung zur Niederlassung in der russischen Hauptstadt. Diese drakonische Maßnahme machte vielen jüdischen Talenten ein Studium an der Petersburger Mirsikakademie unmöglich. Da mußte das Gesetz auf irgend eine erfinderische 'l'eifc umgangen werden. Als der jetzt sehr berühmte Jascha Haifetz ans Konservatorium kam, war er zehn Jahre alt. DaS Kind durfte sich ohne seine Eltern in Petersburg nicht aufhalten. Da kam jemand auf die kluge Idee, auch den Vater Jascha», einen 40jährigen Geiger, bei Auer emschrciben zu lassen, denn laut den Statuten der Hochschule durfte ein Zögling von Weib und Kindern nicht getrennt werden. So wurden auch die Eltern des kleinen Jascha nach Petersburg gebracht. Schwieriger gestaltete sich die Aufnahme und Unterbringung Mischa Elm ans. Für den Vater Elmans war, ob» gleich sich die einflußreichsten Persönlichkeiten dafür einsctzten, eine Auft-nthaltsbewilligung nicht zu erlangen. Die Eltern hatten l ereits beschlossen, sich in das Unvermeidliche zu fügen und den kleinen Mischa einem anderen Berns zuznführen. Auer ließ jedoch nicht locker. Er sprach selbst bei dem gefürchteten Ministerpräsidenten Plchwe vor. Der Allgewaltige war furchtbar ungehalten, das; er wegen eines jüdischen Jungen belästigt wurde und ließ Auer seinen Unmut fühlen. Auer verlegte sich aufs Bitten und schilderte dem damaligen harten Beherrscher von Rußland die großen Fähigkeiten seines Schützlings und wieviel der Kunst verloren ginge, wenn ein solches. Talent aus .idministrativen Gründen nicht die volle Ausbildung erlangen könnte. Erst bei der zweiten Audienz gelang es Auer, das Herz Plehwes zu erweichen und für den Vater Elmans für die Dauer des Studiums seines Sohnes am Petersburger Konservatorium den Aufenthalt in der russischen Hauptstadt durchzusetzen. — Dieselben Hindernisse hatte Auer bei der Aufnahme von Ephraim Zimbalist zu überwinden, was in diesem Falle noch schwerer fiel, weil Zimbalist damals schon seinen Vater verloren hatte und es sich um die Erlangung einer Bewilligung für die Mutter handelte. Aber auch in diesem Falle waren AuerS Bemühungen von Erfolg begleitet. Profesior Auer, der im M. Lebensjahr steht, betont, daß er auf diese Schüler stolz sei, das; es ihn mit Genugtuung erfülle, diesen großen jüdischen Künstlern die Wege geebnet >n haben. Ein vermißter Knabe. Seit dem 22. d. ist der dreizehnjährige, Anton Götz, .k2. Dez., 8ä'"enfeldgasse st, ans der elterlichen Wohnung verschwunden, und bisher ist kein Lebenszeichen von ihm eingetroffen. Er war am Freitag um 8 Uhr früh in die Schule gegangen und nicht mehr zurückgekehrt. Er war aber auch nicht mehr im Schulgebäude erschienen. Der Knabe wird beschrieben als mittelgroß, gut entwickelt, mit dunkelbraunem, aufgekämmtem Haar, grauen Augen und blaßem Teint, trug graues Sakko, braune Hose, graue Stutzen, schwarze Strumpfe und Schuhe, blaue Wollhaube und Rucksack mit Schulsachen. Dir besorgte Mutter bittet Personen, die über den Verbleib ihres Knaben zweckdienliche Angaben machen können, diese an die Adresse Marie Götz, 12. Bez., Längenseldgüsse 8, gelangen zu lassen. Die Fälle vermißter!? rsonen mehren sich. Wir sind wohl aus Mitteilungen aus Amerika gewöhnt, zu erfahren, daß dort Personen spurlos verschwinden, dock, ist bisher Oesterreich von dieser Mode so ziemlich verschont geblieben. Der Fall der Mazur, die vor etlicher Zeit verschwand, hat die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit hervorgerufen, doch ist es jetzt ganz still geworden. Es Ware interessant, zu erfahren, wie weit die Nachforschungen im Falle Mcnur gediehen sind, An 2 inwieweit die Wiener Polizei den Hilferuf der Mutter in dem heutigen Fall werktätiger unterstützt, als es bisher in ähnlichen Fällen geschehen ist. Beiräte kchvreMe. Im Westert Oesterreichs ist nach wolkenlosen Wetter Trübung eingctreten. Der Osten ist noch heiter. Eine Störung ist von Grönland her über die Nordsee äußerst rasch nach Süden gezogen und wird heute Mitteleuropa durchquert haben. Voraussage: Meist trüb, zeitweise leichte Schneefalle, morgens schwacher Frost, tagsüber Temperatur- -rbnahme, östliche nach Nvrdost drehende Winde. Schneeverwehungen in Polen. Warschau, 26 Februar. (P. T.-A) Infolge des Frostes, der in manchen Gegenden über 24 Grad erreichte sowie infolge der Schneeverwehungen erleidet der Eisenbahnverkehr, besonders im Bereiche der Lembcrger und der Wilnaer Eisen- Kochndirektion, starke Kerzögerungen,.... Verkehrsbureau IX. Mörlqass« Mir. 1) TdtphOlt 16-2-20 gewährt Hypolhekarkredite in jeder Höhe bill x«1 und schnell auf Häuser, Villen, Landwirtschaften, Industrie* Objekte etc., sowie Warenkredite an erstklassige Kaufleute Vorschüsse sofort Wl6 k<i4(tv<mMnm ‘^TMtr)iiM¥lWfl>a^iiiiiiiiMa»MwiWBmarTnBMnwMnnMfi>tiiaswisiMüauüjMWiiHaaMauuMaiMijjuLXLL Treibeis in der Ostsee. Stettin, 26. Februar. Infolge des gestern ausgetretenen schwer?!: Südwesrsturmcs ist die ganze Ostsee mit Treibeis angesüllt. Rur noch große Dampfer können mit Hilfe von Eisbrechern den Verkehr ortfrechterhaltcn. In der f /Rahe von Kvlberg liegt der Datnpfer ,Hansa" ans Memel j schon seit acht Tagen in Packeis fest. Ein Mann der Besatzung lies auf dem Eise 7 Kilonteter weit an die Küste, um Nachrichten zu bringen. Drei andere uttweit der „Hansa" im Eise steckende Dampfer wurden gestern durch einen Eisbrecher befreit. Nach einer Kopenhagener Meldung liegen zwei schwedische Passagierdamp°er seil zwei Tagen im Eise bei den Alandsinseln fest. Die Passagiere wurden geborgen. (Nachfolgende Notizen bis m der Rubrik „Vereinefhtb entgeltlich.) .Weiße Worär bei A. Gerngrob ' Aktienge'elllck'aft. SWlllrirren-SaudlüchEr. vro Meter 8800 K.. sind wieder tto fe'nrmt. * Großer Frühjah-s-Vferdeexportmarkt in Sopron (Oedenburg, Ungarn) am 2., 8. und 4. März 1824. Großer Auf. trieb, beste Ankan'sgelegenheit für Ausländer! Rasche Abfertigung und Abtransport! Kaufpreis kann im Bankwege für Viehmarktkassc an die Filiale der Nester Ung. Kommernalbank, Sopron (Ocdenburg. Ungarn), überwiesen öder in fremd"r Valuta bei der Marktkasse bar erlegt werden. Fremde Zahlungsmittel werden zum Tageskurse günstig verrechnet. Näheres bei der Marktleitnna: Viehmarktkasse, Sopron. * Tanzinslktut ^ermann Braun. 14. Br,.. Reindorfgaffe 4L. Heute moderne Perfektion. Beginn halb 7 Nhr abends. * Wrhlmuth. der ele^ro-galvnnische Feinsirom-Hell» advarat. Bei Nerven- und Muslel.'rkrank"ngen. Lähmungen, RückenmarkKiden, Gickn, Rbenmatismus und Ischias. Stoffwechsel-, Blut- und BerdairungsOörnngen, Krankheiten der Sinnesorgane lAugen und Obren?»,' Körperichw^che, Erschövfungs-ust-'inden und Frauenleiden wird d^r Wahlmnth- Hcilavparat stets mit Er^la angewendet Lesen Sie unsere ärztlichen Gutachten. Auskünsie U"d Prosvektc kasteuloS durch Wahlmnth-Monopolvertrieb für Oesterreich, Wien, 8. Vez^ Schlösfelgaffe 22. Wien, 26. Februar. * Professor Jeremias 60 Jahre alt. Der Leipnger Orientalist Professor Alfred Jeremias ist dieser Tage'00 Jahre alt geworden Als Neligionshistoriker har Jeremias sich durch seine vergleichenden Forschungen über babplvni'ches m’tb asst,risches Altertum und dessen Verhältnis zur biblischen Ueberlieferung einen Namen gemacht. Seine Werke und ganz besonders das bekannte Buch „Das Alte Testament im Lichte des alten Orients",in welchem Jeremias sich oer Richtung des Historikers W i n ck l e r anschloß, wurde von oer Kritik vielfach angegriffen. Professor Jeremias arbeitet gegenwärtig an einem großen Werk über die Geschichte der Religion der orientalischen Völker. * Todessall. Sonntag verschied nach längerem schweren Leiden Oberbahnrat a. D. Jakob H o r o v i y tm 52. Lebens-' jah're. Das Leichenbegängnis findet um 10 Uhr vormittags vom Zentralsriedhose, 2. Tor, israelitische Ableiltntg, statt. * Die gefährdete Botivkirche. Die Voiivkirche, die vor 55 Jahren errichtet wurde, befindet sich jetzt in einem baulichen Verfall. Die Glasiertster sind vom Rost völlig zerfressen, das nach Schnee oder Regen eindringende Wasier zerstört die Deckenmalerei der Kirche und wenn das Bleidach nicht bald durch ein anderes Dach ersetzt wird, muß mit einem baldigen Einsturz des Daches gerechnet werden. Die Jnstandbaliung der Kirche fallt in die Kompetenz des Landes Niederöfterreich, das jedoch die vielen Milliarden betragenden Erfordernisse nicht aufbringen kann. Der Bund lehnt es ab, sich für die Instandhaltung der Votivkirche zu interessieren. * Der Betrieb der beiden neuen Straßenbahnlinien. Die beiden neuen Linien der Straßenbahnen werden am Samstag den 1. März dem allgemeinen Verkehr übergeben. Die Linie über die S ch m e l z erhielt die Z i h I f» und wird von der Schleife am Neubaugürtel über die Felöerstraße, Schwenk erstraßc, Camillo Sittergasse, Habichergasse, Panileirgasse, Ro,>nlteinyasse, Taubergasse, Hernaller Hauptstraße, bis zur gegenwärttgen Endstation der Linie B in der Hormagergafje vor der Kreuzgasse führen. Die neue Linie ist eine Runolini-, 'ür oie der allgemeine Straßenbahntarif gilt. Sie wird im Frühjahre bis nach Gersthof verlängert werden. Tie zweite neue Linie n'chrt eingeleisig über die Triest erst ratze von der Troststraßr bis zur Gemeindegrenze und erhält Me Nummer 165. Für diese Linie ist ein Sondertarif von 700 K. vorgesehen. Anschasfungöbeitrag für Handelsangestellte. Bis 1. März haben sämtliche Angestellte und Lehrlinge, deren Gesamtmonatseinkommen im Monat Februar den Betrag von 3,982.086 K. nicht übersteigt, auf Grund des allgemeinen Kollektivvertrages des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft Anspruch auf einen A n s ch o f f u n g s b e i t r a g nt der Höhe der Februarminde st bezöge (also ,richt der tatsächlichen Bezüge), das ist also Iännermrndestbezüge plnS 2 Prozent Index. Angestellte nnd Lehrlinge, welche bis zu diesem Tage noch nicht sechs Monate in Dienstleistung bei ihrer derzeitigen Firma stehen, haben Anspruch aus so viele Sechstel, als sie Monate bis zum 1. März bei ihrer Firma stii dem Eintritt u:»- unterbrochen Dienst verrichten, wobei angefangene Monate für voll zu rechnen sind. * Eine Zirkusvorstellung für die Kriegsinvaliden. Die Direktion des Zirkus Hagenbeck veranur.'ret am 4. März eine Galavorstellung, deren Reinertrag dem Landesverband der Kriegs invaliden bestimmt ist. Der Kartenverkauf für diese Vorstellung beginnt heute. * Die Erhöhung der Telepbongebnhren. Der Verein für Post-, Telephon- und VerkehrsinLeresien beabsichtigt m den nächsten Tagen beim Minister Dr. Schürff wegen der zu großen Erhöhung der Tclephonqebühren vorz u s p r e ch e n, da neuerliche Vorlchreibunyen in der Höhr von viereinhalb bis sieben Millionen Kronen vorgekommen find. Er will eine Lifte der weniger begüterten Kausleute vorlogen, auf die sich die Erhöhung der Gebühren nicht erstrecken soll, nnd hat zu diesem Zwecke an die nicht zahlungskräftigen Kaufleute, oenen hohe Gebühren vorgeschrieben wurden, oie Aufforderung gerichtet, sich zu melden. * Schisfswcltreisen. Drei Cunard - Dampfer sind gegenwärtig auf Weltreisen begriffen, nämlich di-e „Franccmia". .^Laconia" und „Samaria". Die „Scythia" befindet sich aus einer sechzigtägigen Fahrt von New-Aork nach den bekanntesten mittelländischen Häfen. * Palästina-Ausstellung ln London. In den Monaten April bis Oktober findet in London die British E mpire Exhibition statt, in welcher der jüdischen Industrie in Palästina ein eigener Pavillon gewidmet sein wird. Die Zionistische Exekutive in Palästina trifft schon jetzt intensive Vor^ehrunaen. um diese Ausstellung möglichst interessant zu gestalten. Das Zionistische Landeskomitee ist aufgefordert worden, die Anzahl der aus Oesterreich zu getvärZgendrn Ausstcllnngsbesncher bekanntzug-eben. Das Landeskomitee bittet für lden Besuch dieser Ausstellung in allen jüdischen Kroisen Propaganda zu machen. Die Reiselustigen werdm darauf aufmerksam gemacht im eigenen Interesse chre Namen und Adressen dem Zionistischen Landeskomi'oe bekanurzugeben, da es bei einer größeren Anzahl von Anmeldungen nicht schwer fallen würde, für die- Ausstellungsbesucher verschiedene Erleichterungen zu erlangen. Im Ingresse des Gelingens dieser Aufstellung, dis arich ein wirksames Aaitationsmittel für die junge jüdische Industrie in Palästina wäre, wird ersucht, dieser Ausstellung besondere Aufmerksamkeit zu widuten. * Ein jüdisches Museum in Belgrad. Wie uns aus Belgrad gemeldet wird, hat die jüdische Vereinigung B'nai B'rity beschlossen, in der serbischen Hauvtstadt ein jüdisches Museum zu errichten. Es soll alle Geaensta.!vde und Alien, die sich auf die Juden i n D e r b i e n _ beziehen, rnn'assen. Außerdem hätte das Mtiscum auch die Aufgabe, dirs Malcrial lürdie Ge.jchichtx dex Juden in Serbien zu samme.n Vereine. Vorträne und Versammlungen. ZionistischeFrauenorganikationDöb» l l n a. Heute. 6 Uhr nachmittags, int tö>fe DSMngerhof (SouterralnX 19. Bez., Villrotbltraße, Ecke Ebnnani'traße, Vortrag Vrof. Dr. Wrlb. Stein über „^nürde und Wert der Judentums". Gäste willkommen. — Kulturgrutzve der zionlsti'lchen Be-irksorganilatinn Brigitte n a «, 20. Bez.. Korl Meißlltroße.\ f'evte, R llbr abends, Literaturkurs: Bros. W. Menkes über .Literattrren des alten Orients". (Fortsetzung.) Gäste willkommen. — Zionistische BozirkSsektion I aemeiniam mit Jüdischer Tischgesellschaft „Innere Stadt". Heute, */ 9 Ubr abends, im großen Saale des Cafe Siller, 1. Bez., Franz Ioiefskai (Mezzaninl, Vortrag des >^rrrn I. H. W a l t u ch, B ö r s e r a t und Obmann des Kulisiiersverbandes. Jui elgenerWerk statt: Hinter den Kulissen der Börse^. ZlONI5'n8CHE BEZIR ’SSFKTION gemeinsam mit der IGdlachen TtschgeaeHiichaft für den I. Bezirk Dienst«? den 26. Februar 1924. halb 9 Uhr abends Börsenrat Waltuch ßezirksrat und Obmartt des Kulissierverbandes, spricht im gr ssen Vortragssaal des Cafe Silier Gber das Thema: „Hinter den Kulissen der Börse“ zionistische Bezirkssektion LroiwldstM tiltWJ- -rrrr---Sektor 1 -Um Heute Dientztaq den 26. d.. vräziie 8 Ubr abends. In d« »seleMalt Barfchak _Hotel - Restaurant Barschst, It Große Schiffgaffe 3 SltfciUlll Siesmmid Haber: »Bus der kstdischm Literatur" Jede« Dienstag zwanglose Zusammenkünfte mit Vorträgen Bühne und Kunst. SttiMerg» »Gekpeufterkouate". Nkademieiheater. ^Ich habe beim Schreibet: gelitten, wie in Aarna-Loka (Scheol, Hölle), und meine Hände haben geblutet (buchstäblich) . . .* „Was die .Gespenstersonate' ongeht, so fragt man nicht, was Sie ftagen! Discretion, s'il vous plait! Man lebt in der Welt der Andeutungen, wo man in Halbtönen spricht, gedämpft, weil man sich schämt, ein Mensch zu sein . . " m . . . Ist cs das Ende, das naht? Das weiß ich nicht, ahne es aber. DaS Leben drangt mich hinaus, oder quält mich hinaus, und meine Hoffnung richtet sich schon lange auf die .andere Seite', mit der ich in Verbindung stehe . . Als Kommentar zu diesem dunklen, quälenden Gespensterspiel setzten wir einige Stellen aus Strindberg- Briefen hierher. — Das Publikum bcS Akademietheaters, welches sich jüngst erst an den Süßigkeiten der „Kleinen Konditorei" gütlich getan hatte, war natürlich recht befremdet. Es ist solcher Kost noch lange nicht gewachsen. — Aber das Vurgtheater ba.t bei diesem seinem vierten Strindberg-Abend gw bestanden. * Ern Dichter, der im Wahrheitsfanotismus er* graute' und im Bekerrnermut, in der Bekennorwut bis zum äußersten ging, hat dieses Schauermärchen vom Vampirmenschen geschaffen, von diesem „Pferdedieb aus dem Menschenmarkt", der seine Opfer „buchstäblich aus den Händen der Gerechtigkeit stiehlt", von diesem achtzigjährigen lahmen Krüppel, der in seinem Rollstuhl wie in einem Streitwagen herrlmfährt und alle S^rcksale zerfleischt. die er mit den unhörbaren Gnmmirädern erreicht. Dieser Seelenfanger Jakob Hummel sitzt im Augenblick seines höchsten Triumphes beim schaurigen Gespenstermahl im Hause des Obersten in einer Gesellschaft von Auswürflingen, die durch Verbrechen und Geheimnisse aneinander gefesselt sind. Wie eine Spinne hat er sie mit grausam spielenden Fangarmen gefesselt und glaubt, sie richten zu können. Aber da ist eine in dieser illustren Runde, die er vor Jahrzehnten zur Mitschuldigen gemacht hat, die Frau des Obersten. Die Schöne ist zur Mumie zufammengeschrumpft, plappert papageienhaft, scheut den Tag und vegetiert in einer lichtlosen Kammer. Sie hat b e r e n 1 und sie hat gelitten — und deshalb ist sic dem triumphierenden Scelensänger überlegen. Ihre Anklage jagt ihn in den Selbstmord. Ein Harfenlied, daS in diese beklemmende Gespenstcrsitzung hineinklingt, von einem jungen Menschenpaare gesmigen — Irreisgesang der Schuld-