Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1807 (26.2.1924)
- Date
- 1924-02-26
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Men, Dienstag habt der Beschwerden ansmalen), und während sie dies taten, ging auch dieser Zug im Nebel unter. Zurrtckdliebon ein -paar irrsinnige Passagiere, der Fahrdiensrleiler und die Hahnbafgasl wirtschaftsräume. Willibald Zgveidick ist noch nicht anfgeftmden. Gegen die Schließung des Nordlveftbahnhofes. feilte Protestverfammlung der gewerblichen und Handelskorporationen des 2. und 20. Bezirkes. — Sanierung auf Kosten des Gewerbcstandes. Gestern abends fand eine von mebr als 1000 Personen besuchte P rote st v c r s a m m l n ng -aller 'Schichten der Gewerbetreibenden tuiib Kaufleute des 2. und 20 Bezirkes gegen d e 0 ch l i e r n n g des N o r -d rv c st b a h n b o f e s statt. Tie Redner bemängelten vor allem, daß die von der Zusammenziebnng der Bahnhöfe beneff:neu Kreise überhaupt nicht vorher befragt wurden, und bezeichnen: die von der Generaldirektwu genannten Eriparnngsgrnnde als nnsiichhältig. Gremialrat Pf er er besprach die schwierige Vage der K-anfleute, Gen'erbelreibendcn -und Hoteliers. Ter Vizepräsident des Detaillnrenrrrbtttdes Salzer beiehwcne sich darüber, daß alle Eingaben unbeantwortet bleiben uns die Regierung eine bedauerliche Gleichgülriateil in dieser wichngen Frage an den Tag gelegt Hab'. Bezirksoorsteher Berdiczower d ''..a b die Norwendigkeir der Orga n : s i e r u n g aller I n r e r e s s e nt e n. Gemeinderal Bei-mann erklärte, -daß durch die vor-ge - nommenen Maßnahmen insbesondere auch die A r b e i: e r n n d A n a e st e l i ■: o n geschädigt erscheinen. Gemeinderat Dr. Plaschkes erklärte, zu einer Zeit, rvo man in erster L-inie von den Gelverbeireibenden ein U e b c r m a ß vo<n S tener n verlange, haben diese das Rech: auf Forderung nn-d Gehör. Speziell ans den;->oei -Bezirken Leopoldstadl und Brigittenau werden riesige S i e n e r b c l r ä g e-heransgeholc. Sanieren heiß: nicht zugrunde richten, und es sei ein Hohn, wenn unter dein Tirol der Sanierung eine solche Absperrung erfolge. Es müsse ein Dringlich k e i t s a n t r a g der G e m c i n d e Wien bei der Bundesregierung eingebracht tverden. Wenn alle Parteien zusanunenste^hen, könne der Lin schlag abg.'wehrt werden. - Gemeindsrar Bolkert Vertvies darauf, daß das Minist erinni für Verkehrswesen nicht den entsprechenden Einfluß auf aie Generaldirektiou der Bundesbahnen besitze. Hotelier Sperber forderte namens des einberufenden 5komilecs für den Fall der Nichterfüllung der Forderungen zur Toerrung der Geschäfte und;n,n Steuer streik ans. Es wurde sodann folgende Resolution tu genommen. Die heutige Versamnrkmg ist sich klar darüber, daß die Sperrung des Oiordweftbcchnhofes und die Umleitimg der Schnellzüge der Nordbahn auf den Ostbahnhof ohne zwingende Gründe erfolgte, das Ende des Fremdenverkehres für den 2. Bezirk auib damit die Vernichtung der wirtschaftlichen EMtenz breitester Kreise der Erwerbswelt des Bezirkes bedeutet. Sie forder.: sämtliche Mandatare der betroffenen Bezirke auf, die ehestnwgliche Wiedereröffnung des Nordwestbahrchofes und die soforrige Wiedersinschaltung des Bezirkes in den Fremdenverkehr >urch Abfertigung der Novdwestbahnschnellzüge vom Nordbahn- ' Hose durchsetzen. Die Versammlung erwartet von den Berirctcrit Der parlamentarischen und öffentlichen Körperschaften >ie wirksamste Unterstützung dieser Forderung. Sie ermächtigt zugleich die Einberufer dieser Ders<rmmlmig, falls diese Forderungen in kurzer Zen nicht erfüllt werden, den Widerstand des Bezirkes zu organisieren, da die erwerbenden kreise des 2. Bezirkes bis zum äußersten entschlossen sind, sich gegen den drohenden Ruin zur Weihve zu fetzen. Sie Erhaltung von Sartenanlagrn und Partgebiete». Parkschutzgebrete mit Bauverbot. Ter Gemeinderatsausschuß für technische Angelegenheiten hat beschlossen, daß eine Reihe von großen Gartentt! lagen und Parkgebieten durch ein Barlverbot geschützt tverwn, da des öfteren Gefahr besteht, daß solche Anlagen durch -3au'en verkleinert oder verunstaltet werden. Als Partschutzgebiete verden erklärt: Burggarien-Bolksgartcn und Museumsstraßevor dem Messegebände. Born Prater wurden mehr als snnseinhalb Millionen T u a d r a t m c t c i als geschütztes Gebiet erklärt. Es ist dies wr allem der Volksprater, mit Ausnahme des Teiles der Venedigerau, der jenseits der Llnsstellungsstraße liegt, die Rotunde und das Ausstetlungsgebäude, das Gelände des Trabrennplatzes, die Krieau und Teile der Freudenau, der größte Teil des Prater-Fasangartens und des Unteren Praters, der Obere Prater mit der Zivkuswiese und dem Gnuldstück des Praterinspekiorates und der Englische Garten. In das Parkschutzgebiet werden auch der Augarten mit 'mer Fläche von rund 483.000 Quadratmeter, vom Belvedere aer Fürstlich Schwarzenbergische Besitz an der Prinz Eugen- Straße, der ganze hofärarische Besitz „Belvedere und ehemalige Gardekaserne am Rennweg", ausgeitommen ene Bauplatz, der aonr Bund bereits dem Operndirektor Richard Strauß zugeächert ist, der Salesianerinnen-Besitz, der Garten- und Hof- :aunt der österreichischen .Heilmittelstellc und der größte Teil des 'litauischen Gartens nnb des Theresiauumparkes einbezogen. Dieses Gebiet ist rnnd 332.000 Quadratmeter groß. Ferner sind ein- »ezogen 10.400 Quadratmeter des Liechtenstein-Gartens, das Wiener Morftenzeitung.__ 2(>. Februar Nv. iSOrjJ Der BankbeamtenftteL Günstige Aussichten? - Roch leine Kompromißformel. - Kein Streik der «ngeftesilen de» ► « Die gestrigen Verhandlungen, denen eine große Bedeutung bcigemessen wurde, haben gegen 4 Uhr begonnen. Inzwischen geht der Notidienst bei den Banken »veitev, der von de>t Direktoren und Direkioren-Stellvertretern versehen wird. Der Kundendienst hält sich in sehr bescheidenen Grenzen, da die Parteien von der Ansicht ansgehen, daß der Streik noch einige Zeit dauern wird und daher nur in den dringendsten Fällen die Banken aufsnchen. Die Börsenaufträge sind ebenfalls sehr gering. Die Möglichkeit der Ausdehnung des Streiks. Gestern versammelstcn sich die Vertreter der freigewerkschaftlichrn Angestellentorganisationen in der Ar beü erklimm er, uni sich darüber schlüssig zu werden, in welcher Form sie die im Abtvehrkampf stehenden Beamten und Gehilfen der Banken am wirksamsten unterstützen können. Die Vertreter sä'.ntlicher Organisationen erklärten sich rückhaltlos bereit, alle geeigneten organisatorischen Maßnahmen in Anwendung zu bringen, um eine Vernichtung der Organisation zu verhindern. I-u erster Linie handelt es sich um die weitestgehende finanzielle Sicherung des Kampfes. So ist insbesondere schon vorgesorgt, daß die L l r e i b Oelber am letzten dieses Monats aus den eigenen reichliche n B e st ä n d >e n der Bankangestellten selb st ansbezahlr werden können. Tie Vorstände der freigewerkschaftlichen AnAestelltenor-ganisationeu beschlossen, die Mittel sicherzustetlen, die für eine längere Führung des Streiks erforderlich sein sollten. Alle Organisationen verpflichten sich, ihre sämtlichen Mittel für diesen Fall flüssig zu halten. Ferner wurde beschlossen, durch die Vertrauensmänner in allen Betrieben eine prozentuell festgesetzte außerordentliche Steuer bei Der Gehaltsauszahlung am Letzten dieses Monats einzuheben. Tie Organisationen haben schon für die nächsten Tage Vertrauensmänner- und Betriebsräteversammlnngen cinberufen. Auch die Durchführung von Solidaritätsstreiks durch solche Berufsgruppen, bei denen ein Streik besonders wirksame Folgen nach sich ziehen kann, wurde emg'hend erörtert. Solche Solidaritätsakte könnten schon mit Rücksicht aus den bevorstehenden Beginn der Wiener Messe empfindliche Rückwirkungen zeitigen. Kein Streik bei den Privatbanken. Die Meldungen, daß heute der Streik bet den Privat banken beginnt, werden uns von informierter Seite alr uw richtig bezeichnet. Wie uns erklärt wird, beginnen heute die Verhandlungen über die Forderungen der Augestellten bei den Privatbanken» von deren Verlauf das weitere Verhalten abhängig gemacht wird. Abgeordnete in den Streiklokalen. Zn den Streiklokalen der Beamten erschienen heute Ab«- gieordneie, die dort Ansprachen hielten. So sprach Dr. Bauer im Streiklokal der Beamten der Oesterveichischen Kreditanstalt. Der Tevisenverkehr während des Streiks. Infolge Andauerns des Bankbeamtenstreiks sieht sich die O e st e r r ei ch i s ch c N a t i o n at l b a n k im Einvernehmen mit Dem Bmldesmiuisterium für Finanzen veranlaßt, den befugten Devisenhändlern und -Einkäufern zu gestatten. Devisen und Valuten im Wechselstnbenverkehr zu handeln. Hinsichtlich des Ausmaßes und der Bedingungen gelten die. für den Devisenverkchr aufgestellten Richtlinien, doch sind etwaige lbeberschüsse nicht in die Nationalbank einznliefew, sondern können von den betreffenden Deviserrhändlern für eigene Rechnung übernommen oder im Wechselstnbenverkehr wieder abgegeben werden. Da die Abhaltung von Clearingversammlangen vorläufig noch unterbleibt, wird die Nationalvank täglich Richtkurse in den Tagesblättern veröffentlichen, hie als Basis für dve Abrechnung mit den Knn>den zu dienen haben. Die gestrigen Verhandlungen. Ueber die gestrigen Verhandlungen wirD mitgvteilt, daß sie die Aussicht auf baldige günstige Erledigung durch Auffindung einer Konipromißformel eröffnet haben, daß jedoch in wichtigen Punkten noch starke Henrmungen bestehen, dir man heute zu beseitigen hofft. Die größten Schwierigkeiten bestehen noch in der Frage der Kcissastundcn. Lustschloß Hetzendorf und der dazu gehörige Garten, von Schönbrunn der Fasangarten, die teilweise in Privatbesitz > befindlichen Villengärten an der Grünbergstraße, die ganze Schloßanlage, die Menagerie und der botanische Garten sowie der Tirolergarten. Das Ausmaß dieses Schutzgebietes beträgt rund 1,860.000 Quadratmeter. Schließlich werden 334.000 Quadratmeter SchmelMünde und der Sternwartepark in Währing mit dem Bauverbot belegt. Gleichzeitig werden alle gegenwärtig von der Gemeiirde Wien erhaltenen öffentlichen Gartenanlagen als Parkschntzgebiet erklärt. Das gesamte neu festgesetzte Parkschutzgebiet ist ungefähr so . groß, wie der vierte Teil des Wald- und Wiesengürtels. * Die Gemeindefürsorge. In einer Bersammluug besprach gestern llniversitätsprüsessor Tn. Tandler die Wohlfahrtsarbeit der Gemeinde Wien. Seinen Ausführungen welche alle Zweige der Gemeindefnrforge behandelten, sind folgende^ interessante Zi-ffern über den Umf-ang der öffentlichen Fürsorge zu entnehmen: In Privatpflege befinden sich auf Gemeindekosten 9000 Kinder. Das Jugendamt beaufsichtigt laufend 26.000 Kinder, von denen es 22.000 einem Landaufenthalt zuführen konnte. In 80 Kindergärten werden vorschnlpflichtige Kinder tagsüber betreut.. 46 Schulärzte wachen über die gesundheit'liche Entwicklung der Schulkinder. Die Gemeinde Wien verfügt heute über 2000 Betten für Tuberkulöse,^ in die aber nur Patienten Aufnahme finden, die durch die Fürsorgestellen überwiesen werden. Das Versorgungsheim in Lamz beherbergt heute 2500 Sieche und nur solche, während früher 6000 Insassen. gesunde , und krcurke durcheinander, gebracht wurden. Welche Geldbettsige darf man in das Ansland mltnehmen? In beu mitteleuropäischen Staaten sind in jüngster Zeit für den Grenzverkehr hinsichtlich der Mitnahme von Geldbebeträgen ins Ausland die folgenden Bestimnnmgen in Geliimg: Aus Oesterreich kann man vier Millionen österreichische Kronen und fremdes Geld in jedem Betrage ausführen. Bei der Ausreise aus der T s ch -e ch o - S l o w a k e i könnnen unter Feststellung der Summe im.Reisepaß im Monat 3000 tschechische Kronen pro Person, beziehnngs-weise 5000 tschechische Krpnen pro Familie oder bereit Gegenwert über die Grenze mitgenommen werden. Aus Jngosiawien nt auf Grund eines Reisepasses die Ausftchr von 3000 französischen Franken gestattet, wenn das R isez'el Frankreich üi. Reisende m ein anderes valutastarkes Land können 3020 Einheiten der Währung des betreffenden Staates mitsübren, tvährend bei einer Reise in einen Staat mit schwacher Valuta die Mitnahme eines Beitrages, der 3000 Dinar entspricht, gestattet ist. Aus Polen können pro Person 1000 Schweizer Franken oder deren Gegenlvert über die Grenze gebracht werden. Ans R um ä n i e n können nicht mehr als 100 Lei ansgesührt werden, hingegen ist die Ausfuhr von ungarischen und österreichischen Kronen sowie von deutschen und polnischen Mark unbeschränkt. Im übrigen ist die Ausfuhr von 2000 französischen Franken oder eine diesem Betrage entsprechende Summe in anderer ft WerbetAbouuentevfürdie ft 1 „Wiener Momenzeitung"; Valuta frei. Es empfichlt sich, bei Reisen nach Runiänien an der Grenze die eingefiihrte Geldsumme genau detailliert im Reisepaß vermerken zu lassen. Aus Ungarn kann ein Betrag im Werte von 500.000 ungarischen Kronen, davon 200.000 Kronen in ungarischen Noten und der Rest in fremden Wäbnmgen ausgeführt werden. Mrdversuch an dem Satten. Das Martyrium einer Frau. Gestern hat die geschiedene Frau des SüdbahninspektorS Josef Helldorf diesem während des Essens mit einer .Hacke einen wuchtigen Hieb gegen den Kopf versetzt. Da der Schädelknochen durchgeschlagen wurde, muß die Verletzung als lebensgefährlich bezeichnet werden. Die Frau handelte im Zustande der höchsten Auftegung, die durch das Verhalten ihres Mannes hervorgerufen wurde. Helldorf hatte eine Reihe von Verhältnissen mit Mädchen, zuerst mit einer Restaurateuvin, wobei er seine Gattin damals gezwungen halte, das Mädchen in ihre Wohnung aufzunehmen. Das Mädchen erschoß sich später, da es die Aussichtslosigkeit ihres Verhälinisses einsah. Im letzten Sommer lernte Helldorf ein Mädchen kennen, das er heiraten wollte, weshalb er seine Frau zur Scheidung zwang. Als er nach der Scheidung heiratete, verlangte er von seiner geschiedenen Frau, daß sie die Wohnung verlasse. Infolge der Wohnungsnot konnte die Frau jedoch keine Wohnung finden. Gestern erklärte Helldorf der Frau, daß sie unbedingt ausziehen müsse. Sie geriet in große Aufregung und während eines Streites griff sie nach der Hacke. Nach der Tat eilte sie die Stiegen hinunter, während der Mann hinter ihr WJ Die Frau wurde aufgehalten und verhaftet. Kn sadistischer Doppelmord in Berlin. (Eigendienst der Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 25. Februar. Großes Aufschen erregte in Berliü ein Doppelmord, der Samstag in der Schleiermacherstraße an der Frau Elisabeth H o f f m a n n und ihrer Mutter, einer Frau Traubmann, begangen wurde. Frau Hosfmann wurde mit einem 16 Zentimeter langen H a l s st i ch, einem tiefen Brust st ich und einem Stich in den rechten Augenwinkel, mit Spuren von Hieben ins Gesicht und von Bissen ins rechte Bein tot aufgefundcn. Der Hals war mit dickem Zinkdraht fest umschnürt. Die Mutter, Frau Traubmann, war mit den Händen erwürgt worden. Gestern vormittags fand die Obduktion der Leiche statt. Sie bestätigte die Annahme der Polizei, daß Frau Hoffmann das Opfer eines sadistischen Lustmordes geworden ist, und daß ihre Mutter vom Mörder getötet wurde, um eine unerwünschte Zeugin aus der Welt zu schaffen. Die Polizei glaubt nicht fehl zu gehen, wenn sie annimmt, daß der Mörder der beiden Frauen identisch ist mit dem Mörder, der vor einigen Tagen den Mord an einer Witwe, namens M i l- Dauer, begangen hat. Ausfallend ist, daß die Lage der Leiche der Hoffmann übereinstimmt mit der Lage, in der die Leiche der vor einiger Zeit ermordeten Witwe aufgefunden wurde. In beiden Fällen waren die Leichen zuerst der Kleidungsstücke mit Gewalt beraubt worden, die dann später wieder über die Leichen geworfen wurden. Auf die Ergreifung des Mörders ist eine Belohnung von 600 Goldmark ausgesetzt..