Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1805 (24.2.1924)
- Date
- 1924-02-24
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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;v"> ■ ■ -> ■ - - s'-:;v4i?.-^w.v.umwA« m mmA Seite 8 Wien, Sonntag „Nicht berSMchttguugswürdlg." Acht Personen in drei Räumen. —- Eine Arzteuswohmmg. Wir erhalten die folgende Zuschrift, die wir der Aufmerksamkeit der Oeffentlichkcil empfehlen. Sie wird daraus ersonnen, daß die bureaukratische, fchiinmelmäßige Erledigung der Wohnungsfragen noch inrmer in Hebung steht. „Im Mai 1922 reichte ich gelegentlich der damals anoevrdueten neuerlichen Ueberprüsung aller Klassifikationen mein Gesuch beim Wohnungsamt ein, wobei sich herausstellte, daß mein alter, in der Schmidtgasse aufgenommener Mt verlorengegangen war. Ich wohnte in der Hahngasse, wo mir als Untermieter zwei Zinnner und Küche zur Verfügung standen. Daraufhin wurde ich in die Gruppe 1 mit 13 Punkten laut Entscheidung 15.298 (aus dem Jahre 1922) emgereiht. Da nrein Quartiergeber delogiert wurde, mußte ich die Wohnung räumen und übersiedelte wieder in die Wohnung meiner Schwiegermutter, in der ich als praktischer Arzt unter den elendesten Verhältnissen Hause. Die Wohnung besteht aus zwei Zimmern, Kabinett, Küche und Vorzimmer, und da müssen acht Personen leben, wobei das eine Zimmer als Ordinationsraum laut Vorschrift der Sanitätspolizei unbewohnt sein muß. Im Kabinett schlafen meine Schwiegermutter und ihre beiden erwachsenen Töchter, im Zimmer meine Frau, nunn dreieinhalbjähriges Kind und ich, wiewohl ich wegen Lungentuberkulose zu 55 Prozent triegsinvalide anerkannt wurde und laut amtsärztlichem Zeugnis mich nicht in einem Raume mit einer zweiten Person aufhalten darf, da sonst daß Kind gcsährdet ist. Im Vorzimmermuß mein Schwager, in der Küche mein Kindermädchen schlafen, das zweite Zimmer ist, wie erwähnt, Ordinationsraum rmd daher unbewohnt. Tagsüber ist noch eine B e d i e n e r i u -im Hause. Dazu kommt, daß meine 70jährige Schwiegermutter völlig gelähmt ist und an einer Erkrankung der Stoffwechselorgane leidet, so daß trotz bester Pflege der Aufenthalt mit ihr in einem Raum ekelerregend ist. In diesem Zimmer müssen wir alle essen und uns tagsüber aufhalten. Welches Martyrium wir alle da durchmachen, wird jeder verstehen. Die alte, kranke Frau hat keine Ruhe, da das Kind s^hr lebhaft ist, dieses wieder kann sich nicht ausleben mit Rücksicht aus die Kranke und die beschränkten Rmunverhältnisse. Meine Frau ist Hörerin der Medizin und findet zu Hanse keinen Platz zum Studium. Da die Räume überdies nicht für einen Arzt standesgemäß find, ist es mir nicht möglich, mir eine Existenz zu gründen. Auf mein wiederholtes Ansuchen erhielt ich nach wiederholten Urgenzen im Wohnungsamt am 16. d., nach einem Jahre, den Bescheid, daß mein Gesuch um Ueberprüfnng der Punktezahl und Aufnahme in die Kontingentlist« abschlägig beschieden sei und ich als nicht berücksichtigungswürdig mit drei Punkten in die Stufe 3 eingeveiht wurde, wiewohl doch meine Angaben von Amts wegen als richtig festgestellt wurden. ES handelt sich offenbar um einen groben Mißgriff oder um einen Irrtum. Mir bleibt aber ■wt der Weg in die Oefsentlichkeit übrig." * Wir verkennen nicht die Schwierigkeiten, unter denen bas Wohnungsamt zu arbeiten hat. Der hier angeführte Fall hat jedoch mit diesen Komplikationen nichts zu tun. Es ist aus der Schilderung deutlich zu ersehen, daß die eine Amtsstelle nichts von der anderen weiß, und daß jede nicht nach dem Menschenverstand, sondern nach der Schablone snnktioniert. Dieser Arzt ist sicherlich nicht das einzige Opfer dieses Zustandes, der beweist, daß der Amtsschimmel auch im sozialistischen Rathaus einen warmen Stall gefunden hat. Mitteilungen aus dem Publikum. xJeppichhau» Vffobethcms <sXo/ehßlnj {Telefon. 63 ~5'30Jene fZUien£ {Bauernmarkt 12 Keine Filialen in wmf jSaJimsiagsQ, bis&kabrf&ß&Qffne't' \ Berta Müller Karl Isstnann Wien I. Wien l. empfehlen sich als Verlobte Wien, im Februar 1924 Möbelfabrik J. Spira Feine » W. III.. " ' . 1~1 Wohnungseinrichtungen. (Ecke Karl Schwelghofergasse) TEPPICHHAUS DRfl.CH & Co. VI., MarlahllferstraB« 79 iss Stets größtes Lager in Teppichen, Vorhängen, Tischdecken, Bettvorlegern sowie echte Knüpf- und Smyrna-Teppiche Wiener Moryenzeltung. Sei den Stoffe LLÄ Neuheiten In Wollstoffen aller Art für Damen und Herren in grosser Auswahl Infolge der minimalen Regien unvergleichlich billige Preise im Hofmagazin -I. Tuchlauben 17ekleiöurrgshau» VII., WcffSaß«. straße Kr. 23 Fet. 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