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Wiener Morgenzeitung · 1924-02-24 · Heft 1805 (24.2.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1805 (24.2.1924)
Date
1924-02-24
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Sk. 1605 Wiert, So,Mt>ag Wiener Morgenzeituns. Alleinige* Erzeuger D&mase Hobe, Grflnder der Llktomarke Hob6 and einziger Träger des Namens D&mase Hobe, Prunelle Noisette iloMno Punch ü l’flnimas! Creme de vanille Angostara Bitter Ecbt nur in dieser rundem Flaschenform! j~ : Wien, I. firillparzerslrasae ilr. 14. Tel. 24229 Ne Ausführung des Fiumaner Berttages. . (Eigcndienst der „Wiener Morgeirzeitung") Sussak, 23. Februar. Im Sinne des nunmehr ratifizierten italienisch-jugoslawischen Bertrames werden morgen Sonntag vormittags mn 9 Uhr die südslawischen Behörden von Italien den Baroshafen, das Delta und beu Bamino Übernehmer:. Anläßlich dieser Uebernahme, welche den Abschluß der umstrittenen Fimnefrage bedeutet, werden keine besonderen Festlichkeiten veranstaltet. Am fünften Tage nach dem Austausch der Ratifikationsurkunden, also am Mittwoch, werden auch die kroatischen Dörfer an der südslawischen Grenze zurückgegeben, die der neue Vertrag dem Königreiche S. H. S. zugesprochen hat. Die Grenzerstellungskommission wird ihre Arbeiten in einigen Tagen beenden. Die Ankunft des Königs und des „Grafen von Fiume". Fiume, 23. Februar. Die Vorbereitungen zuin Cmp-- s<mg des Königs von Italien, der am 16. März in Fiume eintreffen wird, wurden bereits in Angriff genommen, In Aufschriften wird das itabienisthe Fiume, der Konotz nnd d'A n n u u g i o gefeiert. Letzterer wird an diesem Tag den Titel eines Grafen von Fiume erhalten uirfb Wird zu den FcirerliWeilen in Fiume ebenfalls erwartet. Da der Ä-ön-ig an Grippe erkrankt ist, mußte die feierliche UeibevgÄbe «bis Mitte März verschöben werdest. Ne Aufgabe der englisch fvrecheudeu Böller. (Eigendienst ver „Wiener Morgenzeitung".) London, 23. Feibvrtar. Churchill eMärte bei einem Bankett des Bundes der englisch sprechenden Völker, die einzige Hoffnung auf das Wiederaufleben Europas liege in einem freundschaftlichen Zufaimnenwirken zwischen Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Dieses Ideal fei keineswegs unerreichbar. Der amerikamfche Botschafter K e l l o g erklärte, Großbritannien srnd Amerika könnten mehr tun als die gärige übrige Welt, nm den Frieden aufvechjjzuechalten. Eine wirkliche nnd dauernde Entente zwischen dem britischen Volk nnd den Vereinigten Staaten könnte nicht au einem Tage zustande gbracht werden. Im Ädrigen könne eine solche Entente nicht geschaffen werden durch Offmsiivverträge oder Desensivbünduisse, auch nicht durch Verträge zufälliger Staatsolbevhäu>pte>r. Sie setze vielmehr gvnrei'rchmrre Ideale und Ziele voraus sowie den Willen zur Berücksichtigung der gegenwärtigen Rechte und des gegenseitigen Platzes in der Welt. Die englischsprechendenVölker hätten in Europa große Arbeit zu leisten. Neue Abmachungen der Besatzungrbehörden mll Znduftriellen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng".) Paris. 23. Februar. Aus Koblenz wird hierher gemeldet: Die interalliierte Rheinlandskommission hat soeben neue Abmachungen mit verschiedenen industriellen Gruppen des Rheinlandes, insbesondere mit der .Zement- und Ziegelsteinindustrie, getroffen. Diese Industrien werden sich demnach an den Sachlieserungen beteiligen. Deutsch-polnische Verhandlungen. Berlin, 23. Februar. Anr Mittwoch den 27. d. beginnen in Warschau die deutsch-polnischen Verhandlungen über die Fraget: der Optionen und der Rechtshilfe. Gleichzeitig tagen in Berlin die Unterkommissionen zur Regelung der Frage der Pensionen und der Teilung der Akten nnd Knilling von seiner Partei saüe« gelassen? (Eigertdienst der „Wiener Morgenzeitung".) München, 23. Februar. Gegen den Mmrsterpräftdetlieu & n illi st g, der an Grippe erkrankt ist und sich zur Erholung in Gcumnsch befindet, sind, tote das „Vaterland" berichtet, in der Fraktion der bayrischen Volkspartei bittere Anklagen erhoben worden, weil er seine Fraktion über die Hombnrger Besprechungen mit -dem Reichskanzler nur mangelhaft informiert habe. Dazu bemerkt die „Münchner Post", das sicht so ans. als wäre diese Grippe bereits zu einer politischen Krank- IM ausgeartet, von der keine Genesung zu erwarten ist. Verbot der Neuwahlen im besetzten bayrischen Gebiete. München, 23. Februar. (Tel. d. „Wr. Atorgenzeüung".) Die Besatzungbehörden habesr die Durchführung der bayrischen Landtags wählen anr 6. AprA im 'besetzten lmyrischesr Gebiet verboten. Hindenburg sür Ne Aechttpftege. Berlin, 23. Februar. Aus die Aufforderungen an H i nd e n b u r g, es zu verhindern, daß der Prozeß gegen General Ludendorff stattfinde, hat der Feldmarschall in einem Briefe, der vorn ,Zokalanzeiger" veröffentlicht wird, geantwortet, bei ruhiger Ueberlegnng müsse rnan sich sagen, daß in einem Staatstvesen ein Eingriff in die Rechtspflege unmöglich sei. Rußland und Rumikmen. Die Verhandlungen in Wien. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Bukarest, 23. Februar, In den ruWh-«mtär«fchen Vephandlnttgen, deren Aufnahme in Wien vorgesehen war, teilt „Adeveml" mit, daß Rumänien m wirtschaftlicher Hinsicht die Rückgabe des rumänischen Goldfraget Schuhel Die sieben Kosttage. Aus der Serie „Schwindende Ghettogestalten", Von Jakob Krausz. Es nützt nichts, es ist Zeit daß ich's gestehe. Man wird immer älter nnd wahrheitsliebender. Man möchte nicht mit einem Geheimnis „in die Gruft fahren", aus dessen Lüftung die Zeitgenossen berechtigten Anspruch haben. Nebenbei gesagt, ist das „In die-Gruft-fahren" natürlich nicht wörtlich und unter Zugrundelegung der heutigen Valuta- und Preisverhältnizse zu nehmen. Wer heutzutage in die „Gruft" fahren will, muß es als Milliardär tun, denn der Fahrpreis in eine Gruft kostet beute sowohl in jüdischer als auch in christlicher Währnng eine Unsumme von Millionen. Und hast du neben dem Totenschein nicht auch noch einen guten Wiener Heimatschcin in deinem Nachlaß, so wird dir auch ein Fremdenzuschlag in einer Anzahl von Millionen auferlegt, mit dem du manchen Ucberlebenden hättest glücklich machen können. Ich aber werde in die Gruft fahren, indenr ich mich zu meinen „Vätern versammle", nach deren Nachlaß niemals eine Erbschaftssteuer zu bezahlen war. Das ist wahrscheinlich auch die Ursache, warum mich eine so unbändige Wahrheitsliebe ersaßt. Also, ich will's gestehen: Ich sehne mich nach der Jndengajje zurück. Nach jenem Ghetto mit seinen schmalen winkligen Gäßchen, seinen traulich-heimlichen und anheimelnden Höfen, den kleinen Häuschen und den niederen Fenstern, hinter denen alles mit Tränen endet: das Weinen und das Lachen. Wenn ich heute als alter Knabe noch so ans vollem Herzen lachen kann, so danke, ich es dem sorglosen Humor der Judengasse, und wenn mich ein singendes Kind oder der Aufmarsch eines demonstrierenden MassenzugeS zn Tränen rührt, so wirkt die Erinnerung an das fünfjährige Kind des blinden Geigers Oiser, das zu den jüdischen Weisen, die der Vater spielte, mit Llockenreinem Stimmche» sang, oder an die patriotischen Lieder, 24. Februar 1924 Die wird bis 2. März verlängert I Unsere Serien wurden durch neue preiswerte Okkasionen ergänzt tti schätz e's von 430 Millionen Goldlei.ii-chst stqusstricri-en Wertpapieren und Wertobjekten von/Rußland fordern wird. Wcklors beansprucht Rumänien die Rückematt-ll.n>g der .Kosten für dir Verpflegung einer russischen Armee in der Moldmi' sowie Ersatz für die. wahrend des -Rück- M-Ms der. verursachten VerwüsinnFen nnd das die die Huligans unserer Stadt brüllten, als sie gegen die Judengasse zogen, in mir nach. Der lebende Quell jeder großen Judenstadt war die Jeschiwah, diese jüdische Kongregation von Lernenden, ewig Lernenden, denen das Lernen Selbstzweck war. Und so will ich in meinem Geständnis fortfahren und bekennen: ich bin aus der Jeschiwah hervorgegangen, in der ich meine schönsten, glücklichsten Jahre verlebte. Was ich da wohl lernte? O, mehr als ihr ahnt! Mehr, viel mehr als in den alten, mit Weisheit vollgepfropften, abgegriffenen Talmudfolianten zu finden war, habe ich vom Leben in der Jeschiwah gelernt. Vor allem die humoristische Auffasftrng des Lebens überhaupt. Nie seither fand ich so viel lachende Menschen beisammen als in der Jeschiwah, nirgends so imponierende, souveräne Verachtung der Meinung anderer und das fanatische Streben nach eigener, gefestigter Meinung wie Am Hofe des Beth-Hamidrasch. Seit ich auf der Jeschiwah war, kann ich hungern und lachen. Zwei Waffen, die sich im Kampfe ums Leben stets verläßlich erwiesen, und mich gegen meine mächtigsten Widersacher gewappnet, ja mächtiger als sie gemacht haben. Die erste Sorge des Bachurs in einer neuen Jeschttvah ist, sich die „Kosttage" zu sichern. Ein solcher Bittgang bei den Mäzenen der Gemeinde gehört wohl nicht zu den erhebendsten Aufgaben. Meine Vorliebe für Ungezwungenheiten und mein Hang, gerade jene Menschen aufzusuchen, die von anderen gemieden werden, machte mir aber auch diese Arbeit leicht. Ich ging einfach zn jenen Familien, die gerne einem Bocher einen Kosttag gewähren wollten, aber wegen i^es schlechten Rufes keinen bekamen. Ich habe das Wagestück niemals bereut. Beginnen wir gleich mit d^m Sabbat. Meinen Kosttag am Sabbat hatte ich bei Reb Mendel Silberstein. Der Freilagabend gehörte dazu. Reb Mendel war ein robuster Mann, groß und dick, und hinkte. Er war eines der gesürchtetsien Mitglieder der Gemeinde. Fromm und unwissend, ein Verächter aller WissLnspwtzen. Wohlhabend und «AHArisH. ein Mann, de« von, Frankrei ch au R:nn änien g-eArMe und von de« Russen zurnckb-chültelw .Aücgsmat-eria'l.' Bon russischer Seite ivttb dein Blatt zufolge Ersatz für das auf rumänischem GeLäet zmiükgrl-Lffene Hrarrswatcrial und für die a-us der Utraiuc gelieferten Lebens-- nütrel gefordert. Eine besondere Forderung- Runrä niens in Po! irischer .M-ichicht ist eine Garantwerklär'.'Ä'g MoÄauZ Wer tz.'-e Ü nt a r l a s s n n g j eg l i cki e r P r o p a g.3«. da in R nm ä n : 2 n. Ältz iKernpun'tt der. Vechandlwngen bezeichnet „Ade-- vevus" -dir rumämsche -Forderung Ämr «usdr-ückliichen Anerkennung einer Einverleibung Beßarabiens in RrmräMn> Ärrch Rußland. Diesbezüglich erwartet rnan ki Bukarest, das; Frankreich nvch"wr drm Ausmmnenwitt der Wien-er Konferenz den Vertrag bezüglich des Anschlusses B'eßarabrrns an Rnrnänien r a t i-- fizieren werde, um den Standpunkt Rmnämn.w in der bL^awbrfchen Fra-ge bei den- Verhandlungen eMchcidend 31t ftstigen. Londoner Infor-nwriiomn «der rnntärrischen Presse zusÄge find in Äor de ß a rabis ch t« Frage zwischen Rußland nnd England Differente« entstanden. In der ruMche« AnÄvortnote auf die -de jnre-Ancpkeluw-ng der SvwjetvegieruW durch England besinnet sich nänrlich ein Passus, worm gesagt wird, die russische Mgrernng u.'hme mit BefriedvWNT zur Kenntnis, -daß die.Souveränität der Sowjetregirmrng über alle russischen Provinzen als de jure bchie-hend anerkannt wird, mit Ausnahnre derjenige« Provinzen, die sich mit Znstinrrnnng der Sc-wjetregierung von Rußland losgelöst haben. Nun hat Englenrd « seiner Note über die Anerkennung der Sewietregi^rnng Beßavabien als m nicht zu Rußland gehöriges Gebre-t detrachtet, während die Moskauer R'Wernng die Sonrerä- - nitat Rußlands über Betzaraibi-en pvinzipiell ansrecht erhält, da Beßarabien sich von Rußland nicht mit .Irntü-mrnng Moskaus losgelöst 'habe. immer das wollte, was andere ablehnten, nur um zu zeigen, daß ihm nichts imponiere. Als in der Gemeinde sich die ersten Trennungsbestrebungen zeigten und die Fortschrittlicken eine eigene Gemeinde gründen wollten, wurde er zum Kämpfer und Märtyrer der Orthodoxie. I« einer der stürmischesten Auseinandersetzungen im Sitzungssaale wurde er t'vuntnt geschlagen: seitdem hinkte er. Cr wäre sicherlich für die Idee des Fo?t •- schritts lahmgeprügelt worden, wenn die Orthodoxen zurrst mit den Trennungsabsichten hervorgctretcn wären. Reb Mendel Silberstein haßte die Bachurim, deshalb gab er ihnen gerne einen Kosttag. Um sic an seinem Tisch y? verulken. Der Bachur bei Tisch war ihm ein Sabbatveranligen. Reb Mendel war der geborene Witzbold, aber seine Witze töteten. Er gefiel mir außerordentlich, besser als seine zwei Töchter, die in meiner Anwesenheit schlecht französisch parlierten und sich mit wenig Witz über nüch lustig machten. Im Hause des Reb Mendel Silberstein war es weiser alter Brauch, am Freitag abends Suppe mit bitfeu Rudeln, dann Fische mit Mandelsauce und nachher eingemachtes Junges von der Gans zu essen. Die Bauches, knusprig, innne.r weiß nne Schnee, flaumig, war treue, anbetungswürdige Begleireriu durch die ganze Speisenfolge. Die ersten zwei Woche.'.: vergingen ohne ernsten Zwischenfall. Reb Mendel erzählte irnu-er aufgeregt von den Streitigkeiten in der Gemeinde, ich wurde kaum beachtet. Ich hatte Zeit, mich im Hause umzusehen, die Gebräuche zu beobachten, und war überglücklich, seststelleu zu können, daß Papa Reb Mendel, der gerne den Kops vom Fisch aß, dabei ebenso wie auch beim Jungen vom „Gaus!''. Messer ruck Gabel mit gewohnter Verachtung strafle und sich „Gott's Gäbelech", d. 'h. der fünf Finger, bediente. Ich wollte nicht vornehmer erscheinen als der Hausherr und tat es ihm nach. Aber die dummen Gänse, die beiden Töchter, stießen einander an, höhnten und nannten mich französisch ein Schwein. Sie hatten's leicht, denn sie bekmnen vom Fisch das Mittelstück, währchtd mir ein halber Kopf zufiel; ihnen teilte die fürsovg- 65111

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