Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1804 (23.2.1924)
- Date
- 1924-02-23
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Serie S Wien, SamSiag Sie Anerkennung ßowjettMarck. Umwandlung der Wiener Handelsvertretung in eine Gesandtschaft. Bezüglich der Verhandlungen wegen Anerkennung der russiscken Sowjetrepubliken durch Oesterreich erfährt die Amtliche Nachrichtenstelle! daß die Aufnahme der normalen diplomatischen Beziehungen' in Kürze bevorstcht. und damit die beiderseitigen. bishc rigen Hair'delZvertretnngeu -in Gesandtschaften rnngcwand''lt werden. ... Die österreichische Regierung beabsichtigt, das Verhältnis zu Rußliand in einein nach dem Muster, des Rathena u s ch e n Rapallo-Vertrages textierten Abkommen zu regeln. Für Rußland führen der hier bereits angekommene Volkskommissar Joffe und der" Wiener Gesandte Lewieky die Verhandlungen. Keine Anerkennung durch den Vatikan. Rom, 22. Februar. (Tel. ,der. „Wiener Morgen-/ fteihtng".) Eine vatikanische Mitteilung bestreitet jede 2lbsichn des -heiligen Strchls, die Beziehungen mit Rußland wiederanfzunehmen, oder die S-öwjctregierung anzuerkennen. Polen und Rußland. Warschau, 22. Februar. (Pol. T.-A.) Der zrun polnischen Gesandten in Moskau ernannte ehemalige Arboitsrnimster Darowski ist heute nach Moskau abgereist. Irr englische Dockarbeitrrstre» noch nicht beisrlrgt. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) . London, 22. Februar. Der D ockarbeiterstreik ' bau e r.t vorläufig .an, da die Delegierten der Streikenden, denen in der gestrigen Sitzung die Bedingungen des Friedensschlusses vovgelegt worden waren, -in ihre Bezirke zurückgekehrt sind, um den Streikenden diese Bedingungen - rnitzuteilen. Die Arbeit ist vorderhand noch nicht aus- - genommen; dm Beschluß der Streikenden wird man. im Laufe -des heutigen Tages erfahren. Zwischen den Führern der Streikenden herrscht starke -Memuntzsderschitzdenheit, da ein Teil von ihnen die Forderung vertritt, daß die geforderte Lohnerhöhung den Streikenden in vollem Ausmaße' sofort und nicht stuf e n w e i f e, wie der Vorschlag der Unternehmer lautet, zu gewähren sei. , Die Konferenz der Dockarbeiter-Delegierten beschloß, . die A n nahme der für die Einigung vorgesehenen Bedingungen börzuschlagen und vertagte sich W Montag.! Inzwischen kehren die Delegierten in ihre Bezirke zurück, um die Arverter'über die Lage aufzuklären. s - - Drohender Streik auf den Schiffswerften? London, 22. Februar. ' (Tel. d. ,pMener Morgen- Zeitung".) In Northampton haben 5000 Arbeiter der Schiffsbauwerften beschlossen, morgen die Arbeit n ieder- . zulegen, wenn bis dahin die 'von ihnen geforderten Lohnerhöhungen nicht gewährt werden. Auch in Frankreich wird gestreikt. s (Eigendienst der „Wiener. Morgenzeitung") Paris, 22. Februar. Ans Eherbon-rg wird gemeldet: baß dort ein Streik der Dockarbeiter ausgebrochen ist. Tie-Dockavbeiter verlangen eine ZOprozentige Lohnerhöhung. Ter Hasen ist polizeilich besetzt. Soziale Arbeit bei Unterhauses. Erziehungsbeiträge für Waisen. . (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 22. Februar. Der Abg. Dukes (Arbeiterpartei) brachte folgende Entschließung ein: Das Unterhaus ist der Auffassung, daß alle Witwen, welche Kinder haben, und alle Mütter, deren Ernährer arbeits- - unfähig sind, vom Staate Pensionen bekommen sollen, die es ihnen ermöglichen, ihren Kindern eine angemessene Erziehung, angedeihen zu lassen. Nach Schätzung des Abg.' Dukes würde die Reform 20 Millionen Pfund jährliche Ansgaben verursachen, was wohl eine große Summe sei, sich jedoch dadurch bezahlt machen würde, daß viele verwahrloste Kinder zu arbeitenden Bürgern erzogen würden. Schatzkanzler Snowden erklärte, die Regierung trete trotz der schweren finanziellen Lage, die sie angetroffen habe, mit vollem Herzen für ein solches Gesetz der Gerechtigkeit ein. Nachdem die..Vertreter sämtlicher Parteien zugunsten des Antrages gesprochen hatten, wurde der Antrag einstimmig angenommen. Sie fiskalischen Reformen in Frankreich. Keine Goldfranken. Paris, 22. Februar. (Tel. d. „Wiener Morgen- Zeitung".) Die Kammer hat heute die Beratungen über hie fiskalischen Reformen fortgeisetzt. Ein Antrag des Sozialisten Blum, wonach von dem Erlös der Grundbesitzsteuer 75 Millionen Franken für die Arbeiterversicherung bestimmt werden sollen, wurde mit 230 gegen 170 Stimmen abgelehnt. Ein Zusatzantrag des Mb-, geordneten Ramel, der die E i n f ü h r u n g des G old franken vorschlug, wurde nach dem Einspruch deS Finanzminifters zurückg e z o g t n., Artikel 45, derdenjenigen Steuerzahlern, die ihre Steuern im Voraus eilt* richten, einen Abmg gewährt/ wird angenymmen. Artikel 46, der eine „Buße. van, 10 -Mo-ent, jür die gm Wiener MorgenzeitunF. Der Äln^lo-Hedschas-Vertrag. Die Verhandlungen unterbrochen. — Emir Abdullah über die-arabischen Forderungen. Jerusalem, 20. Februar. (I. T. A.) Das arabische Matt „Alif Ba" veröffentlicht ein Interview seines Korrespondenten m Amman mit Emir Abdullah von Transjo.rdamen. Auf die Frage, wie es um den Anglo- H c d s ch a s - B e r t r a g stehe und ob König Hussein sich nt-it der palästinensischen Frage befaßt habe, antwortete Emir Abdullah: „Se. Majestät der König kann auf die ihm von den Großmächten während des Krieges gemachten Zugeständnisse u i ch t verzichten. Die Besprechungen über den A n g l o - H e d s ch a s - B e r t r a g sind zwecks Aenderung einiger Klauseln ausgesetzt worden. Man weiß nicht, ob siewiede raufgenommen wevd e .n. Acber den anglo-aräbischen Vertrag habe ich erfahren, daß König Hussein dem Obe rkomm i ssä r von Palästina verschiedene wichtige Bedingungen bezüglich der palästinensischen Frage gestellt hat. Diese Bedingungen beziehen sich auf die von den Palästinensern gewünschie 2 e l bst r e g i er u ng. Der Oberkommissär hat diese Bedingungen an das Auswärtige Amt gesandt und wartet nun auf die Antwort. Ich bin sicher, daß der König Transjordanien nicht verlästert wird, ehe nicht die palästinensische Frage erledigt ist. Die amerikanischen Interessen in Syrien. Paris, 22. Februar. (I. T. A.) Der B e r t r a ß zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten bezüglich der amerikanischen Interessen r n' Syrien wird binnen kurzem in Paris unterzeichnet werden. Die arabisch-jüdischen Verhandlungen Über Palästina. Eine Palästina-Konferenz in Shuna. Jerusalem, 20. Februar. (I. T. A.) lieber den Besuch der jüdischen Delegation in Amman veröffentlicht das offiziell« Organ der transjordanischen Regierung folgenden Bericht: „Eine Delegation der Zioniftifchcn Exekutive unter Führung von Colonel Kis-H wurde von Sr. Majestät, dem großen Befreier, empfangen. Eolonel Kifh hielt eine Begrüßungsrede und berührte -darin die Verwandtschaft zwischen den semitischen Völkern. Der König, der große Befreier, bewies in feiner Antwort, wie sehr er an der Forderung auf die absoluten Rechte der arabischen Nation auf Freiheit und -Unabhängigkeit festhält. Er ' verwarf alle Vorschläge, die seiner Politik entgegenstehen, und ' gab seinem Wunsche, nach der Pflege guter Beziehungen gemäß den,lauteren arabischen Prinzipien.Ausdrucks .Hussein und seine /beiden, .Söhne, Emir. Abdullah Und Emir Ali haben sich nach Shuna begeben. Dort findet eine Konferenz über die Palästina-Frage statt, an der eine Anzahl von arabischen Führern, darunter der von Hussein zum Mitglieds des soeben gebildeten Pvopagandakomitees für den panarabischen Bund ernannte Präsident der palästinensisch-arabischen Exekutive Musa Kagim P a s ch a crngehörem Tpansjor-anien und Palästina. London, 21. Februar. (I. T. A.) Auf einer Versammlung der Gesellschaft für den nahen und mittleren Osten, sagte Lord Raglan, es sei kein strategischer Grund dafür vorhanden, die Absonderung Transjordaniens vom übrigen Palästina aufrechtzuerhalten, da zwischen den Distrikten jenseits des Jordans und dem diesseitigen Palästina eine größere natürliche Verbindung besteht als »wischen den einzelnen -transjordanischen Distrikten selbst. Sie sind in allen Dingen, außer den Lebensmitteln, auf Palästina und Damaskus angewiesen. Die Negierung Abdullahs hat sich im höchsten Grade unfähig und unpopulär erwiesen. Wenn auch Faisul und Abdullah in der 30. Jänner -1924 nicht entrichteten letztjährigen Steuern festsetzt, wird nach Stellung der Vertrauensf r a,g t durch den Finanzminister mit 290 gegen 145 Stimmest -GeusaAs a n genommen. . Am Schlüsse der Beratung verlangt Poincare, der in die Sitzung nicht eingegviffen hatte, die Abhaltung einer Nachtsitzung, um womöglich die Verhandlung über die Finanzreform noch in dieser Sitzung durchzusühven. ..Das. .Haus beschließt in diesem Sinne. Demission der Senatskommission für Wahlreform. Paris, 2$. Februar Infolge der gestrigen Abstimmung' im Senat hat die Senatskommission für die Wahlreform demissioniert. Frankreich schickt die Psalznote zurück. Berlin,' 22. Februar. (Wolff. — Reichstag.) In fortgesetzter Debatte über die Pfalz-Interpellationen ergriff Außenminister Dr. Stresemann das Wort. Er erklärte unter anderem: Am 20. Februar halben wir der französischen Regierung in einer Note das gesamte Material überreicht. Heute teilt der deutsche Botschafter in Paris mit, daß diese Note z u r ü ck g e s a n d t worden fei. (Lebhafte Entrüstungsmfe.) Frankreich lehne es ab, diese Note entgegenznnehmen, unter dem Vorwände, daß es sich nicht inStreitigkeitenderDeutschen e i n m i f ch e n wolle und. an diesen Streitigkeiten nicht beteiligt sei..(Lebhafte Entrnftüngsmf^.) Es bedarf keiner D.iskü sssiannber die Begründung dieser Zuriickweis-ung .der^e-uirfchen Beschwerden. Die. französische.Regierung, ver- . . Räbel'M' zevsivM'haW, 'die/ dbe' jrcmK-. 23. Februar 1924 Nr. 1804 M1 ^FW-*WH*W**** Diplomatie de 8 Nichtstuen 8 einige. Geschicklichkeit zeigten, so waren sie doch mit den Prinzipien der eigentlichen Verwaltung, selbst eines so primitiven ackerbautreibenden Landes wie Transjordanien durchaus nicht vertraut. Husseins Londoner Unterhändler. London, 20. Februar. (I. T. A.) König Hussein hat seinen diplomatischen Agenten in London, Dr. Naji es Assil, der zum Zwecke der Verhandlungen mit der britischen Negierung über den Anglo-Hodschas-Vertrag seit 18 Monaten in Lausanne und London weilt, beauftragt, nach Shuna zu kommen, um den dort stattfindenden Besprechungen über den Anglo-Hedschas-Vertrag beizuwohnen. El Assil ließ sich vor seiner Abreise von einem Reuter-Vertreter interviewen und erzählte dabei abenteuerliche Geschichten über verlorengegaugene Sendungen an Hussein: unter anderem soll nach seinen Angaben im November des letzten Jahres bereits ein Plan zur Lösung' der parlamentarischen Frage ausgearbeitet gewesen sein, der die Zustimmung aller beteiligten Kreise, der britischen Negierung, Husseins, der palästinensischen Araber und der Zionisten gehabt haben soll, so daß der Unterzeichnung des Freundschafts- Vertrages zwischen Großbritannien und Hussein nichts im Wege zu stchen schien. In diesen Aufzeichnungen war, so behauptet El Assil, auch festgestellt, daß die britische Regierung nicht nur die Unabhängigkeit der Araber in Jrakund Transjordanien, sondern auch auf der ganzen übrigen arabischen Halbinsel anerkennen und diese unterstützen wich. Es war darin auch berichtet Wochen, daß Großbritannien den Plan hegt, nach der eiwgültigen Annahme des Planes durch König Hussein so bald wie möglich eine volkstümliche repräsentative Regierung in Palästina mit weitestmöglicher Unabhängigkeit für die dortigen Araber unter gleichzeitiger Wahrung der Interessen-der Zionisten, wie sie im White Paper von 1922 festgelegt sind, schaffen zu helfen. Dieser Entwurf ist angeblich verloren gegangen; schon damit wich seine Authentizität in Frage gestellt. Wie. übrigens die Exekutive der Zionistischen Organisation feststellt, entspricht die Behauptung El Astils, das sein Vorschlag-von der Zionistischen Organisation angenommen worden sei, nicht de« Wahrheit. Eine neue Palästina-Oeganifation des Vattkans. In Rom hat sich, wie I. T. A. berichtet, in vatikanifch en Kreisen eine neue Vereinigung konstituiert, die den Namen ,Lpera della Proservazione della Fede in Palästina!^- ... (Werk des GlaübenSschutzes in Palästina), führt. An. diese Ver-- einigung hat Kcrchinalfekretär GaSparri im Namen des Papstes ein Glückounschschreiben gefendet, auS welchem klar heworgcht, daß die Vereinigung zum Zwecke antivnglifcher und onii- Kioniftischer Propaganda begründet wuche. Es heißt in dem Schreiben: „Aufgabe der Vereinigung ist es, ein. starker i nte rna-tionaler Organismus für diejenigm zu werden, die willens sind, das Land, welches die Wiege des Christentums war, gegen jede neue Bedrückung zu verteidigen . . . Die Probleme, welche Gegenstand von VechaMungen zwischen dem Londoner Foreign Office und der kacholifchen Kirche - waren, bleiben offen und man sicht keine Anzeichen dafür, daß ihre Lösung den gerechtfertigten Wünschen des Vatikans uich den jahrhundertelangen Rechten der Christen entsprechen wird. Umgekehrt ist e8 augenscheinlich, daß die unsichere Lage im Heiligen Lande mit jedem Tage schwerer wird, und daß vor allem die Zionisten sich bemühen, nicht nur die schon erschwer- > ten Positionen zu erhalten, sondem sich neue zu sichern." Die Vereinigung, wÄche unter dem Vorsitze eines hohen Würdenträgers des päpstlichen Hofes, Monsignore Cremonesi, - steht, hat -in verschiedenen Ländern Propagandaabt-eilungen! begründet. ..... fische Berichterstattung über die Vorfälle in der Pfalz verbreitet hvt. Mit gespielter Objektivität hatte man es so dargestellt, als ob Separatisten Md PfAizisches Volk eine Einheit wären. Das ist nicht mehr ausrechtzuerhalten. Wenn sich die Franzosen an diesen Vorgängen nicht beteiligen wollten, wäre der Spuk in 24 Stunden zu Ende. Große politische Aursvrache im Reichstag. Beginn am Dienstag. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 22. Febmor. Der Ae-ltestenrat des Reichstages beschloß heute, die große politische Aussprache am Dienstag beginnen zu lasten. Die Aussprache wird eingeleitet werden mit einer Rede des Reichskanzlers Dr. Marx und anknüpfend an die Einbringung des vorläufigen Staats- Voranschlages, zu dem 245 Anträge über die Abandernng, beziehungsweise Aufhebung der Notverordlmngen Stellung nehmen. Da diese Aussprache die ganze in» und ausländische Politik umfassen wird und alle Ressortminister in diese eingveifen werden, dürfte sie die g a n z e- W o ch e in Anspruch nehmen. In parlamentarischen Kreisen wird behauptet, daß wahvschein-lich die Lögislaturperiode Ende März zu Ende gehen wird und die Neuwahlen Mitte oder Ende Mar statdfl-nden dürften. Auch die Frage der Wahl re form tvurde erörtert und fe-stgestellt, daß bei allen Parteien Ueberei-nstimmung darüber herrscht,, die Wahlresorm nicht rnchr vom alten Reichstag erledigen zn lassen. . ' -