Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1804 (23.2.1924)
- Date
- 1924-02-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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0a*e!mmiwK1?OÖ Wien 7um Ablio'en in Her Expedition. II^Tahorstr. 1-3, oder in einer Verschleißteile girafikl mnnatl. K 35.HOO trassenverkanf in Wien durch die Kofoortenre der Firma <ioM«chmiedt,!.Bez« Wofhseile 11 Mit Poatversaind für Wien n. Oesterr. monatl. K 35.000 Tscheeho-S lowakei: Mon. K 13 lu<roslawien: Mon. DinarßO. Polen: Mon. Ssterreich. Kronen 30.r00, Deut«chl.' Mon. Goldmark 4.—. Frankr* Peljfien: Mon. Frca. 12 WHT Naeh**hlun»en bei Preinerhohanr«» vorbd»«1l«> Ar. 1804 Ungams Kredit. * — y. W i e u, 23. Februar. Ungarn soll einen Generalkommissär bekommen. Einem Amerikaner, dem gewesenen Präsidenten des Federal Reserve Board, Herrn Harding, will, einer Pariser Meldung zufolge, der Völkerbund den Auftrag erteilen, die Finanz-- und Währungsreform Ungarns zu überwachen. Das Programm hierfür besteht noch nicht. Es wird erst von der ungarischen Kommission des Völkerbundes ausgearbeitet werden, die sich nach Budapest begeben wird, sobald die Vorfragen der zu gewährenden Anleihe von insgesamt 250 Millionen Gold-, krönen gelost sind. Es wird demnach, wenn , man die hierfür notwendigen Zeiträume nach Analogie des bei Oesterreich beobachteten Vorgehens berechnet, noch Mindestens ein halbes Jahr dauern, ehe die Sanierungsaktion beginnen kann, vorausgesetzt, daß sich keine Friktionen, ergeben und auch die notwendigen Garantien beschafft werden. Einstweilen steht nur der Beschluß der Reparationskommission fest, das Generalpfandrecht für gewisse Einnahmen Ungarns für ztvanzig Jahre zu suspendieren. aber für diesen Zeitraum eine Leistung an Kohle oder Geld von 200 Millionen Goldkronen von Ungarn einzuheben. Die Anleihe würde demnach» wenn sie überhaupt zustande kommt, die ungarische Wirtschaft außerordentlich belasten. Zwar kann Ungarn. seinen Lebensmittelbedarf aus eigenem bestreiten., aber, es muß doch für die Zwecke der Reparationszahlungen eine radikale Produktivierungs- und Ersparungspolitik einleiten. Es muß sein System ändern und dies' nicht aus .ficeiem Entschluß, sondern unter dem unerbittlichen Zwang der. Verhältnisse. Darin liegt dre KardinalschwierWeit. Ungarn hat nicht die Kicaft, die Peiniger abzuschütteln, die sich seiner nach der Niederwerfung der Kommune bemächtigt haben, die die Macht festhalten und in der gleichen Methodik ausüben, die zu einem festen, starren Begriff geworden ist. Eine^militaristisch-bureaukratische Kaste hält das Land in ihren Klauen und erstickt jede Aeußerurrg freien Menschentums mit Hilfe eines frechen Lyndsknechtetums. Es ist die Herrschaft einer Klasse aufgerichtet und das von Personen, die cnrgebcn, daß sie die Klassenherrschaft für immer beseitigen wollen. Sie haben den Judenmord zum Range eines politischen Programmpunktes erhoben und lügen selbst vor den Gräbern ihrer jüdischen Opfer, der weiße Terror sei nur die Reaktion auf den Terror der „jüdischen Kommune". Wie sichchas in Wahrheit verhalt, erfährt man — wenn es noch einer Richtigstellung bedurft hätte — aus den oben erscheinenden Memoiren Boroviczenyis, der aus den Tagen des Umsturzes erzählt, Horthy habe ihm nach der Uebergabe der Flotte an die Südslawen gesagt, er gehe nacb Ungarn, um es von den Juden zu »befreien, die die Revolution angezettelt hätten. Der Plan des Pogroms bestand demnach zumindest schon ein halbes Jahr vor der Kunschen Episode und er war schon damals ein Teil des politischen Programms, das Ungarn in der Folgezeit geistig ansgedörrt hat. Mit Bluteiden und allerlei mystischem Krimskrams, der aus der Freimaurerküche fortgetragen wurde, band sich diese ganze Gesellschaft aneinander. Das stärkste Band freilich, das sie auf Leben und Tod miteinander verbindet, ist das, was jeder von dem anderen weiß und alle zusammen von ihrer Spitzensigur, von Horthy, wissen, die Kenntnis von geheimen Rezepten, wie man zu Macht und zu Reichtum kommt. Diese Garde ist eine ständige Gefahr für die Ruhe und politische Sittlichkeit Europas. Diese Klasse ist aggressiv, sie muß es sein, weil ihr einziges politisches Argument, mit dem sie ihr Treiben vor ihrer .Oeffentlichkeit rechtfertigt, die Wiederherstellung der ungarischen Staatlichkeit ist, die Zurückeroberung der Slowakei, Siebenbürgens, des. Banats und des Buvgenlandes. Dieses Programm, das von allen ungarischen Politikern beschworen und von den Feldvikaren und Bischöfen eingesegnet wurde, ist der lebendigste Widerspruch gegen die Fricdenstendenz. die heute in Europa vorherrscht. Alle Fricdensverträge wird die Evolution revidieren und das Zusammenwirken der Staaten zmn Ausbau des Völkerbundes wich die Härten aus der Welt schaffen. Ungarn strebt-dieses Ziel auf dem Wege der Gewalt, der Hinterlist und Korruption an. Es wiegt sich jetzt in der Hoffnung auf eine Anleihe, die ihm Europa gewähren soll. Es wich sich zeigen, daß dieser Kredit ohne ausreichende, öffentlich zu prüfende Garantie für die Beseitigung der Mördersippschaft unerreichbar ist. 2oh:y.;.' Horthy und HejjaS regieren, kann Kr.^'n. werden. " ER «’BSffiSi" PoVmmh.fflr.200.001 Italien: Monat!. 12 Ure Rum 5 n i e n Mon. ISOtei BbMarien Mon.80 l.eiw Schwei* Bnd dasubrta• Analand monatlich Frea. ’ Redaktion u. Admfalatratiot Wien. 1k, Tahnratraiaetl —•* Tefenhone: 44-0-38,43-3-19 ah iS Uhr abda. 19-483,25*281 Tel* Adr.:„Mor?enze!htng* Wien Wien. Samstag. 23. Februar 1024 Oantenefehiachaa Postapa* kaaMn*Konto Nr. 150.69 0. Suftruatta Ungarns Reparationen. AMebmg der Numerus ümfur-Gefetzes. — Bethlen gegen die Raflenschützler. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeittms".) Das ^eneralpfandrecht zurückgestellt. -Paris, 22. Februar. Die Reparationskormnissron beschäftigte sich gestern nachmittags mit der, ungarischen An-. leihe und faßte, nachdem sie den ungarischen Minister Baron Kor a u y t angehört hatte, ernstimmlg fügende Beschlüsse: -1. Aus die Hypotheken' z n de r-z i ch t e n, die sie aus gewisse Einnahmsguellen Ungarns besitze, um Ungarn die Anwirtvsteruug und Vevstnsung der Völkerbuud'san>leshe zu ermöglichen. Dieser Verzicht ist für 20 Jahre gültig, kann aber erneuert werden. . 2. Wurden die Zahlungen festgesetzt. die Ungarn während 20 Jahren auf dasReparatronskonto zü leisten ■ hat. T'.'yes Zahlungsprcgramm. .stimmt mit dem des Völkerbundprrjektes vollständig überein. Bg.on Korany.i teilte d?ri RepachtimiLkommission mit. daß er von der ungarischen Regrerüng die n ö t ig e n Bollmachtcn erholten habe,' und. die Beschlüsse der Kommission a-nnchme. Die Zahlungsverpflichtungen. Die Rbparationsverpli chtungen sind,' wie ein der Ent- - Widwngl anMWtt' Annex' 'Ufäfc - in folgender Weise festgesetzt: ° < .. , 1 t .'BiS 31. DHember 192öJirrdtaMch 880 Tönneü Kohle zu leiflen, was einem Werte von 21 MAionen Goldkronen' entspricht. Die halbjährigen G e.l dl ei st u ngen beginnen am 30. Juni 1927 mit 2,5 ANlionen und steigen bis 31.'Dezember 1940 aus 7 Ml- Donen Goldkronen an. Der Gesamtbetrag der Reparationsleistungen betragt bis zu diesem Zeitpunkte 200 Millionen. Demokratische Reformen'k . Budapest, 22. .Februar. „Az Ujsag" verofisintLicht Aufsehen erregende EinzeHoiten. aus ci-ng^ve-chten Parlamentarischen Kreisen über eine bevorstehend politische Umgruppierung in Ungarn..Darnach sei Ministerpväisident Graf B e t h l e n zu einer Orientierung nach links und zu einer engeren Fühlungnahme mit der gemäßigten 'demokratischen Opposition entschlossen. Die persönlichen Beziehungen des Ministerpräsidenten mit den maßgebenden liberalen Politikern, insbesondere , mit Gabviol Ugron, Franz Heinrich und Karl Rafsay haben sich in der letzten Zeit ganz auffällig gebessert. GabM Ugron sei zum Nachfolger des jetzigen Innenministers Rakovszky ausersihen, der bekanntlich den Rassenschützlern nahestcht. Politiker, die in die Intentionen des Grafen Bechlen bestens eingewscht sind, glauben mit Bestimmtheit, daß Graf Bethlen wicht M-i, sondern drei Ministerposten m seinem Kabinett neu besetzen werde. Für das I u st i z m i n i st e r i u m stehe der Vizepräsident des Abgeordnetenhauses, Pest H y, für das Finanzvessort der Sparkassendirektor Franz Paupera.im Vordergründe der Kombination, „Az Ujsag" will weiter wissen, daß Mnisterprasideni Gras Bethlen die Neugestaltung des Kabinetts im Sinne e-iner liberalen Orientierung zugleich mit der Einbringung des Gesetzentwurfes über die Ausländsanleihe vornehmen wird. Das rekonstruierte Kabinett Bethlen -Hjiti) sodann an dre Aufhebung des Gesetzes über den Numerus elauses schreiten. Sollte die. Nationaldevsammlung den demokratischen Tendenzen deS Muistevpväsidenben nicht Gefolgschaft leisten wollen, so wird' Graf Bethlen, dem „Az Ussag". zufolge, die National- Versammlung auslösen und an die Wählerschaft appelli-ererr. Der SanierungSplaiR. Budapest, 22. Februar. Ministerpräsident Bethlen erklarts in ven Couloirs, daß die FinLnzkommifsion des Böhkerbundes sowie der in Aussicht genommene Kontrollor Harbin g Linnen kurzem in Budapest eintressen dürften^ woraus der Sanierungsplan von der Finanzkommissio». rm . Einvernehmen mit der Kontrolle und der ungarischen Regierung ansgearbeitet werden wird. . Da das Programm zum. größten Teil bereits fertig vorliegt, wird die. Regierung in. der Lgge sein, ,de^ . Kommission^ diesen Entwurf vprzulegem Kr 'Mnisterpräsident erklärte weiters, er Aaube, daß ' die' zur Sicherung der Anleihe angebotenen P f.a n d eA genügen Urs", ten und daß eS nicht notwendig sein werde, den Sicherheitsfonds von 7,5 Millionen Goldkronen in Anspruch zn nehmen, der im Finanzprotokoll.geplant ist, aber nur. ans Wunsch , der Gläubiger zu schassen wäre. Das Defizit:' Mormtttch. 15 Millioue« Gott-- krönen. Budapest, 22. Februar. Für die Bedeckung des Defizits der nächsten vier Monate braucht die Regierung 1200 MA« üavden, welche sie durch die Zwang sau leihe herein» zubrin-geu gedenkt. Das monatliche Defizit wird aus 15 M i l l r o n e n Goldkronen geschätzt. Dre velerdrgte NatronalveLsnmmlnns. Budapest, 22. Februar.'Der ZMAmnttätSausschuß har heute beschlossen, der- Nationalversammlung zu beantragen, die sozialdemokratischen Abgeordneten Reisrnger und Estergalyos wegen Storung der Verhandlungen zur Abbitteleistung und den letzteren zirm Fernblerbsn von drei Sitzungen zu verhalten. Perdl von Polizei empfangen. Budapest, 33. Februar. Boi der Ankunft des sozialdsmo'kratlschen Abgeordneten Julius Peidl mit dem gestrigen Wiener Abendschnellzug hatte die Polizei umfaargwiche Sichevheüsvorke.hm!Ngen getroffen, um eventuelle rechtsradikale Demonstrationen gegen den aus London zurückgekehrjen Dozial'iftenfühwr zu vereiteln. Als Peidl aus dem Zuge stieg, fand er den Perron von nicht weniger als 40 Polizisten, 8 Detektivs und 2 hohen Polizcibeamten besitzt. Im übrigen simden keinerlei Demonstrationen, weder für noch gegen Peidl, statt. Mac Donald über AlMm. Die Negierüng übernimmt die Verantwortlichkeit für die Palästina-Politik. (Eigendienst dvr „Wiener Morgenzeitung".) London, 22. Februar. Ministerpräsident Mae Donald erklärte im Unterhause, die Regierung habe die Verantwortlichkeit für die P a l 8 st i n a - P o l i 1 ik übernommen und stehe in Beratungen mit dem Oberkommissar. Die Verwaltung Palästinas habe England gekostet: in den Jahren 1920 bis . 1921 8 Millionen Pfund, 1921 bis 1922 3,15 Millionen, 1922 bis 1923 1,8 Millionen, 1923 bis 1924 1,4 Millionen Pfund. Btnet Milliarden Dollars deutsches Auslands' Mital? Paris, 22. Fvbruür. Nach dem „Now-Hork Hcrald" hat das zweite Expertenkomitee die Gestmstumme der dentfchen Kapitalien, die in ausländischen Banken mttergebracht siiey, mit zwei Milliarden Dollars, also, auf das D.ops pelte der Schätzung Mac Kennas, beziffert und aus das Dreifache des Betrages geschätzt, den K e y n e s angeführt hat, dagegen das in Deutschland selbst befindliche flüssige Kapitol auf 610 Millionen Goldmark geschätzt, wobei die Reserven der Reichsbank nicht inbegriffen sind. Sie bimgungsverliaMmlgen im Banlenstrell. . Die BechaMungen.Aber die Beilegung des Banken» sireikcs loilvden gestern zwischelt den Vertretern der beiden i'^ruppen unter Vorsitz des Bundeskanzlers fortgeführt. Dieser leitet die Beratungen damit ein, daß er a!ls Ergebnis der Sonde rverhandlungen. die vorgestern begonnen hatten, das ganze Gebiet der strittigen Fragen absteckte. In der anschließenden Wechselvöde wurden einige der wich- ^tigsten Diffcrenzpnnlte erörtert. Die Verhandlungen, die bis in die späten Abendstunden währten, iverden heute um 10 Nbr vormittags fortUesetzt.