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Wiener Morgenzeitung · 1924-02-22 · Heft 1803 (22.2.1924) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1803 (22.2.1924)
Date
1924-02-22
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Sekk 8 " Wien, Film und Mo. »»Der kleine Bettelmustkant." Der Film zeigt nur das Bestreben. die Figur des keinen Wackre C o o g a n unbedingt in den Vordergrund zü rücken und das ist schließlich b^'i der Beliebtheit, der sich dieser kleine Junge aus der ganzen Welt'erfreut, reckt begreiflich. Es ist nur die Frage, ob dies unbedingt aus diese Art geschehen musste, ob sich rttchl vielleicht ein anderes Buck gesunden hätte, das dieselben 2?likrtid)fe?t«’n geboten hätte und dabei auch auf Literarischen Wert Arrprmch machen könnte. Die Handlung -ist etwas allzusehr auf glückliche Zusällie/keiten aufgebaut, die diversen Hindernisse, die sich dem kleinen Jungen in die'er Handlung entgegenstellen, sind allzu überwindlich und das Ganze macht nicht den Eindruck, ernstlich aus Glaubwürdigkeit Anspruch zu erbeben. In dieses Buch arbeitet die Regie mit viclerpropten Mitteln hinein und versteht es. mit Erfolg durch sehr herzige und Lebe Bilder über schleppende Stellen der Handlung hinw-.gzuhelfeit. Sie versteht es weiters den kleinen Star recht günstig in Szene zu sehen, doch sie dark bei weitern nicht an der Regiekunst Chaplins gemessen werden, so wie überhaupt dieser Film in keiner Beziehung einen Vergleich mit .J h e k i d" verträgt. Was Jackie Coogan selbst betrifft, so zeigt er wirklich entzückendes Spiel, eiiu. erstaunliche Unbefangenheit und die drollige Selbstverständlichkeit. in der iein eigenartiger Zauber liegt, den er auf sei,? Publikum ausübt. Allerdings nn'K aber erwähnt werden, dcß er bereits 'n den dramatischen Szenen etwas Fremdes, nicht mehr Natürliches hat. das verlogen wirkt. Es wäre schade, wenn er diese Eigenschaft weiter beibebalten würde, denn feine Haiivttorce lag immer in seiner Unbefangenheit. Die anderen Schauspieler sännen durchwegs nur in der lobendsten Weise erwähnt werden. Besonders muß hier der Darsteller des alten italienischen Zeigers hervorgehoben werden, der nickt nur eine äußerst charakteristische Type ist, sondern ^uch brillante schau pielerische Leistungen bietet. Sein Sriel ist von wirklicher dramatischer Wucht belebt und von wirklichem Empfinden verinnerlicht Sehr »ul sind auch die Darsteller der beiden alten Leute, die es vergehen, durch ihre ungekünstelte Einfachheit wirklich zu rühren. Alles in allem ist der Film, wie auch der Erfolg zeigte, mßerst wirksam. Es wurde hier sehr Viel Gutes und Schönes geboten, dock dark nicht verhehlt werden, daß. mit Ausnahme rer ganz vorzüglich»^ Photographie, mit den kolossalen zur Verfügung stehenden Mitteln in mancker Beziehung noch Besseres hätte geleistet werden können. -BURG-KINO t. OPERNBIN018-, AI» htiiti Als 29* Februar ■ Tragödfe einer Liebe in 7 Akten ond das übrige Schlagerprogramm Beginn der Vorstellungen: 4. ‘/„6. 7. l[J9 Uhr IIIA iUaborstrasse Nr.8 I r€#Bla Ifcinw Direktion J. Schulz" 5? Ab »nute hh 25. Februar (DER TEUFEL 1H WEIBE) Drama aus dem Alltagsleben und das übrige Schlagerprogramm Beginn: ®/,ö, */,7, */«9 Uhr » —iöWEN-KINO "SÜSTS Ab beute bis 25. Februar \ Tragödie einer Liebe in 7 Akten ' und das übrige Schiagerprogramm Beginn der Vorstellungen: 8/45, l/,7, y40 Uhr j Kmo-Orchester unter Leitung des kaoellmeisters Rümeth ROTENTURM-KINO- WIEN, ly FLEJSCBMARK’I1 ZDF" Ab heute bis 25. Februar 'MW (OER TEUFEL IH WESBE) Drama aus dem Alltagsleben und das übrige Sch läge»programm 3e?i?.n «Je? Voreiellnngen: 4. J/»6, /,8 cnd 3/t9 Uhl f'5p!oltm ßifc eirn? e?s!kla?oigen Künaltarkapolle „Der rote Reiter." iUiüu kann wirklich beim besten Willen nicht behaupten, tag das Buch zu diesem Film besonders geistreich oder originell wäre. Ti.'s allein wäre aber nicht der Grund für das ziemlich ausgesprochene Mißlingen dieses Films, der mit Ausnahme einiger Momente träge fortschleichend abgenützte Effekte bringt und'nicht immer ganz einwandfrei gepieü wird. Die Regie bietet absolut nichts Neues, sondern wickelt die ganze Angelegenheit oyne irgendwelche Spannung zu erzielen ab. Die Hauptxalb ivielt Larry de Loon, dessen wirklicher Name, Graf Ludwig Salm, infolge feiner Heirat in sensationell ausgemachten Artikeln durch die hiesigen Tageszeitungen oft genannt wurde und dadurch diesem Film eine sicher wirkende Reklame brachte Er ist aber abgesehen von manchen Momenten, in denen ihn die Handlung in unnatürliche Situationen bringt, sehr gut. da er eine Figur verkörpert, die er eigentlich selbst fein konnte. Außerdem ist er ein ausgezeichneter SportSmann und sein Sturz an der Hürde ist mit einer Naturgetreuheit und Virtuosität gemacht, um die ihn selbst ein amerikanischer Co>wboydarstcller bene Len könnte. Ansonsten gib: er den rüden Kerl, den seine Rolle vorschreibt, mit einer anerkennenswerten Natürlichkeit, wobei er es versteht, trotzdem diese Figur sympathisch zu färben. Weniger günstig wirkt Fern A n d r a, die schon lange m keinem Fllm wehr sichch-r war. Biele Berliner Wiener Movnenzettunst. §2. Februar 1924 Rr. tm j Kritiker meinten, daß dieser Umstand absolut nicht die deutsche! Filmindustrie geschädigt habe. Wirkungsvoll ist sie nur in d-.'n Momenten, in denen sie katzenartig die Bestie im Weibe spielt, bis bei ihr eine Dämonie durchbricht, die tragikomisch wirkt. Außerdem oütriert sie Kvar etwas weniger im Spie! wie früher, ober noch immer hinreichend genug. Stein rück und die übrigen Schauspieler, mit Ausnahme Jlka Grün ingS, wurzeln bedeutend mehr in einer verstaubten Bühnenatmosphäre als im wirklichen Leben. Ansonsten bringt der Film den Beweis, daß es nicht gut ist derartige Filme mit ungenügenden Mitteln zu machen und daß eine nicht erstklassige Aufmachung schlechter ist als gar keine. Der Film im Film ist sehr ärmlich ausgefallen und erinnert sehr an die schwächlichen Anfänge dieser Industrie in Berlin. „Die Stadt ohne Juden." Dieser bekannte Roman Be.ttauers wird durch den „H. K. B."-Film gedreht und reift jetzt seiner baldigen Vollendung entgegen. Der Regisseur H. K. B r e S l a u e r, der mit der bekannten Filmantorin Ida Ienbach zusammen das Drehbuch schrieb, hat es verstanden, diesem — trotz Einhaltmrg der vom Roman vorgesckriebenen Linie — eine Gestaltung zu geben, die nirgends Anstoß erregen wird. Ein ganz ausgezeiichnetes Ensemble belebt die Figuren dieses Werkes und wird sicher unter der ^nsrenierungÄlunst des bekannten Wiener Regisseurs Vortreffliches leisten Amw Milty, der bekannt Star dieser Firma, spielt d''e weibliche Hauptrolle, die männliche Johannes R * e m a i n. Weiters wenden wir hier noch Karl Thema. Hans Effenberger und Mizzi Griebl in größeren Rollen sehen, während Gisela Werdezirk. Ferdinand M a i e r h o f. r. Hans M " f«t und nicht zuletzt Armin Berg ausreichend für Humor sorgen wenden Eine großzügige Ausstattung und die Photographte des bekannten Ausnahmetechrrikers Hugo von Eywo bürgen dafür, daß dieser Film in allen Belangen Bestes bieten wind. Wir dürfen daher an sein Erscheinen die angenchmsten Hoffnungen knüpfen. Der Erfolg eines jüdischen Films. „Das alte Gesetz." <Bon unserem Berliner Mitarbeiter.) Dieser Film hat den stärksten Erfolg des Jahres aufznweisen. Obwohl er ei» Milieu erschließt, das den Leuten nicht bchagt. Ostiudentum und Wien, das Wien des alten^ Burgtheaters Beides für den landläufigen Berliner verächtliche Angelegenheiten und doch ein Erfolg! Woran liegt das? Daran, daß hier aufs Haar genau die erforderlichen Erfolgingredienzien gemischt sind, keines zu viel, keines zu^ wenig. Ausgezeichnete Regie, die keine filmische Pointe versäumt, glänzende Darsteller. ein Malevoenie als Aufnahmeleiter und vor allem ein Manuskript, das wahrhaft originell und interessant ist. In einem ostsudischen Städtchen wächst der Sohn des Rabbi «bei frommen Talmudstudien auf, bis der Anblick von Purimspietlern in ihm heimliche Sehnsucht nach Sem Komödiantenleben wachruft. Die Gestalt eines jüdischen Vaganten, frei und ungebunden schwerfend, bestärkt ihn in seinen Trieben. An eine Wanderschmieve schließt er sich an. zu niederen Diensten mißbraucht, aber vorwärts getragen von feiner Begeisterung. Da stößt man eines Tages auf eine vornehme Gesellschaft. Eine österreichische Erzherzogin ist darunter. Man leistet sich den Spaß, der Vorstellung beizuwobnen. So kommt der Romeo mit den Schläfenlocken zum grimmigen Laube und gefällt ihm. Was nun folgt ist leicht abzusehen. Liebesspiele der schönen Kaisersprossin, Hof- und Theattrintrigen, Glanz und Ruhm und endlich Versöhnung mit dem starren Elrernpaor, den gegen die Emanzipation ankämpfenden Vertretern des ..alten Gesetzes". Dies alles, laub.'"' ausgcaübeitei. um Sentimentalem und Humorvollem vermischt, reizend ohne kitschig zu werden, kurzum wirklich, erfreulich. Die jüdische Heimat im Osten rst mit wenigen Strichen sc givß und tief gezeickn"t, daß man fühlt, wie sehr schwer es dem jungen Hamlet fallen mutz ihrer zu vergessen. Der Glanz des Krinolinen-Wiens. das wunderbar gesehene aste Burpthertter, sie verblasten daneben. Und wo bleibt auch ein ttefcr^r Gedanke aus diesem unterhaltenden Spiel. Ernst Deutsch, besser im Leid als im Jubel, i'pbelt den jungen Helden. Henny P - r 11 n die höfische Partnerin. Auch die steinste Rolle ist mit vorzüglichen Darstellern, mm Teil Mitgliedern der Wilnaer Truppe, besetzt, die eine kluge und ernste Regt" zu einheitlicher W'rk'.ng führt. Soll ich noch sagen, was das auf „Jridertcus Rex"-Demonsträtionen dressierte Berliner Publikum aus diesem Film herausariff? Sie Half töten, als die Leibgarde bei der .MvgmuM" oufzog und das Orchester den Radetzkymarsch spielte! K. M. *2Det junge Maharadscha." In diesem indischen PrunMm der P a r a m o u n t - Produstion spielt der bekannte amerikanische Darsteller Rodolfo V a l e n t t n o die Hauptrolle inmitten eines ausgezeichneten Ensembles. Die ganz hervorragende Regie, das ausgezeichnete Spiel, die kolosiale Ausstattung und die hervorragend Photographie gestalten dieses Werk zu einem absolut sehenswerten Film. „Die SteinachOperation im Mm." Dieser hochinteressante Lehrfilm zeigt von Dr. Lentz-Levy in Berlrn ausgeführte Operationen nach der Steinachschen Methode an Menschen und Tieren. Vortrag und Lichtbilder erklären in leicht faßlicher Form das Prinzip dieses Eingriffes. d?r einen hervorragenden Fortschritt in der medizinischen Wissenschaft vorstellt. Dieser Film ist ein hochinteressantes Kulturdokuutknt und verdient dir allgemeinste Beachtung. Die französische Puffe über „Oft und West". Anläßlich der kürzlich statt gefundenen Premiere von ..Ost und West" äußert sich di? Pariser Fach- und Tagespresse in der anerkennendsten Weise über die'e große Komödie im jüdischen Milieu. Die Kritik befaßt sich hauptsächlick mit Mali P r e o n und stellt dies? Künstlerin in komischen Momenten mit Max Linder und Charlie Chaplin auf dieselbe Stufe. Auch S. M. Gold in, der derzeit studienhalber in Kalifornien weilt, wurde viel ehrliches Lob zuteil. Personaknachricht. Dienstag vorntittags fand das Leichenbegängnis des Direktors der Wiener Filiale der Fox- Film-Cooperation, Stephan Stäuber, auf der israelitischen Abteilung des Zentralfrie-dhoses statt. Mit ihm verliert die Wiener Filmbranche eines ihrer bekanntesten und beliebtesten Mitglieder. Die Filme -er Woche. Sin MS Auster. — Die Frau mit der BergaugenheiL — Großmutters Liebling. — Der Teufel im Weibe. — Lumpendurtt. — Die Jungaesclliu. — Bob und Mary. — Der junge Maharadschah. — Die Operativ« au Mensche« und Tieren nach der Steinachschen Methode. — Liebe und Verbreche«. Rodolfo Valentino in dem Paramount-Exklusivfilm Tragödie einer Lieb« ln 7 Akten zu sehen ab heute: Tuchtauben- Kino LIcMgplet« Hernals, ioe-*fne Burg-Xlne, Wiens« Ile, Gartenbau*Klne Ld«ren*Klno ab 29. Februar: Mttnsfteeit, Zentralpalas«, Vif., Votivpark Palast, V ll„ Rotenturm lfa»K8ne S Oeaterr. Pilm-tatfagtrie, Wien, VII. an Menschen und Tieren nach der Prof. Steinachschen Verjüngungstheorie erscheint *b heute im2 Bpem»Klne, I. Fiieg«r*Klno, IX* Marie Thoreslen*Klno( VL stB Samstag dtn 26, Februars ffa*Palast*Klno, 11. Park-Kino, XIII. Flitger-xiao, IX. Maria Theresien-Xlno, VI. mmmmmm—mmmmmmmmmmmmumsmmmmmmmmmmmm tiaaiaiiaeinaatMataeeaaaiinitaiRiiig I .Vita'Filminduftrie! f. M B ■ A. G. b Wien, VII. Bezirk, Neubaugasse Nr. I \ J Fabrik Rosenhüge! jj ■ . « u XC ■ m; In Vorbereitung: : L’IMAGE : (Das Bildnis) ■! Regie; Jacques Feyder j e ■ ■ Hauptdarsteller: ® m ■ Frau Arlette Marchal £ Herr Malcolm Tod £ Der große H. K. B.- Film Die Stadt ohneJuden nach dem bekannten Roman von Hugo Bettauer Regie: H. K. Breslauer I Photographie: H u g 0 v. Eywo I mit 1 Anny Mileiy, Johannes Riemann, Hans | Moser, Ferdinand Maierhofer, KarlTetna Hans Effenberger, Gisela Werbezirk Mizzi Oriebl, Armin Berg u. v. &» in den Hauptrollen wird in der nächsten Zeit fertiggestellt j wmmmmmmmmmmmammmmßmmmmmmmmmmmmmmmmmf 690475

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