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Wiener Morgenzeitung · 1924-02-22 · Heft 1803 (22.2.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1803 (22.2.1924)
Date
1924-02-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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/ M IW .. " ' ". Wien, Fwiiag 'treten ist. Sikorski, welcher vom Dezember 1922 bis Mai 1923 Ministerpräsident war und sein Kabinett auf die Linksparteien des Sejm stützte, gilt als Parteigänger der Linken. Deshalb hat auch feine Ernennung bei den Rechtsparteien verstimmt. Die Ernennung SikorskiL zum Minister im Fachkabinett Arabski wird als Politikum gewertet; es scheint damit der Versuch einer Umbildung des Kabinetts auf der Basis einer Koalition angebahnt zu werden. Die Aussichten sind freilich für eine neue Koalition äugesichts der Parteiengruppierungon im gegenwärtigen Sejm i nicht besonders günstig. Die Vertreter der nationalen Minderheiten im Sejm werden bekanntlich bei allen Versuchen einer Koalitionsbildung übergangen. Dies erschwert die Bildung einer festen Majorität im Parlament, die sich um eine Koattlionsregierung schließen könnte. . , , Irr rumöuische MinorMeuminister ßbrr Wische Fragen. (Cigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Cluj (Klausenvurg), 21. Februar. Anläßlich somer Anwesenheit in Cluj äußerte sich der M'iuifter für Minoritäten Tatareseu zu einem Vertreter des „Uj Kelet" über verschiedene aktuelle jüdische Frage Rumäniens. Bezüglich der in jüngster Zeit wieder auflebenden antisemitischen Propaganda und judenfeindlichen Ausschreitungen in Siebenbürgen erklärte der Minister, daß die Negierung allen- Ernstes ent-! schloffen sei, jede juderiftmdliche Ruhestörung mit den schärfsten Mitteln zu unterdrücken. Den Beweis ihrer ernsten Entschloffenheit habe die Regierung erst jüngst damit geliefert, daß sie den Klausenburger Polizeipräftkten Popovieiu wegen seiner mangelnden Energie enthoben und strafweise versetzt hat. Diese Haltung werde die Regierung auch in Zukunft mit unerschütterlicher Korreguenz beobachten. Das rumänische Volk war, wie immer;ich die Politik gestaltet haben mag, niemals antisemitisch. Kewiß ist die Arbeit der Brunnenvergifter, wie Siejenge kt& Professors Catuneanu, der auf Grund deutscher mtiftnntischer Pamphlete die Seele des rumänischen Volkes }u vergiften sucht, am morsten zu ventrteilen» und die Rezieruing werde auch in dieser Richtung alles tun, um diese Tätigkeit unwirksam zu machen. Hinsichtlich der Sprachenfrage und der anderen Probleme der jüdischen Schulen finden in Bukarest fast unausgesetzt Beratungen >tatt, über deren Ergebnisse der Minister vorläufig nur so -iel mitteilte, daß über seine Intervention der Unterrichts- Minister Angheleseu bereit war, die jüdischen Schüler jit den Staatsschulen von der Pflicht, am Samstag zu schreiben, zu entheben. Ebenso sei es ihm gelungen, durchmsehen, daß in den jüdischen Schulen der Samstag schulfrei sein werde. Ueber die sogenannte Fremdenfrage erklärte der Minister: „Bon Ausweisungen ist keine Rede, da >loß der Ministerrat das Recht hat, Ausweisungen zu beschließen. Die Sicherheitsbehörden entscheiden bloß darüber, gib die Auftnthaltsbewillvgungen verlängert werden sollen rder nicht. Hierbei werden die Behörden jedoch nicht vom Fremderchaß, sondern dom Gesichtspunkt der Sicherheit des Staates geleitet. In jüngster Zeit wurde das Land von Überaus zahlreichen Fvencken überschwemmt, die für das Virtschastliche Leben des Landes eine schwere Belastung ^deuten. Ganz anders jedoch sind jene fremden Staatsmrger zu beurteilen, die sich schon vor langer Zeit in Ru-- -nänien niedergelassen, sich hier eine ehrliche Existenz geschaffen haben und eine nützliche Tätigkeit ausüben. Gegen )aS Verbleiben dieser hat niemand eine Einwendilng. Im Parlament wird jetzt das Gesetz über das Heimatsrecht beraten und eine Bestimmung dieses Gesetzes sieht die Errichtung besonderer Kommissionen vor. Diese Spezialkornimffionen werden die Dokumente jedes einzelnen überprüfen und den Staatsbürgern die Staatsbüvgerlegilimaiiauen ausfolgen. Airs diese Weise werden die rechtmäßigen Staatsbürger ein für allemal von den Schikanen der Beerben befreit werden." Henry Morgentka« au, Griechenland abgereR. . Ache«, 18. Februar. (I. T. A.) M o r g e >n t h a u, der erst r>ox kurzem, wie, gemeldet, zum Ehrenbürger von Athen ernannt worden war, hat Griechenland unter unaufgeklärten Umständen Plötzlich verlassen. Ein Teil der Presse 'behauptet, Morgerrkhau sei abgereist, weil die griechischen Kapitalisten die nötigen Summen für die Flüchtlingsversorgung nicht anfbringen kwnten oder wollten:, ein anderer Teil der Presse verinntot politische Beweggründe. Die jüdische Presse fordert die Regierung auf, die Einzelheiten sowic die Beweggründe der Abreise Mergenthaus zu verlautbaren, zumal sie das Flüchtlingswohlfahrt8werk gefährde. , Set Streit tun den Pharas. (Eigendienst der „Wierrer Morgenzeitung") Kairo, 21. Februar. Der Ministerrat hat beschlossen, Howard Carter die Lizenz für die Ausgrabungen im PharaENgrab-e endgültig zu ent/zieheu. Die Regierung wird die Aegyptologen Einladen, sich an den weiteren Ausgrabungen zu 'beteiligen. BSföttfe* MorgUeüWkünU >'• ■ 8AL' — ,— P Der vierte Dag des Bankenftreik». WWge Stimm««». — Me Siotentzreffe Wgrlegt. — Fortdauer der LerhaMunara. Der Bankervverband und die streiierchen Beamten iha-lwn ihre .BechaMnnysk-omii-toes gebildet und der Bundeskanzler 'hat die gesonderten BesPrechu ngen 'begonnen, in denen die Unterlagen für «in Ei Wernehmen gefunden werden sollen. Am Vormittag empfing er das Sechserkomitee der Streike u-d-c-n, -dessen Mitglieder erklärten, ihre Forderungen in keinem Punkte restringieren;n können. -Sie zeigtzn keine <Zsneigtheit, die Verlängerung der Kassensttmden rnid die Erhöhung der Arbeitszeit zuzugestehen, und zwar aus pvirrzipdellen Griinden, 'da sie sich als Beauftragte aller 'Werktätigen 'betrachten und dir Errungenschaft des Achtstundettiages, die oben erst durch den Beitritt zur W a s h i u g t o u e r Konvention vom Mtionalvat bekräftigt worden ist, nicht einmal in Drskussion ziehen lassen wollen. Auch die lineare Erhöhung der Gehalte um 15 Prozent wurde bisher in der Aussprache nicht aus >dem Komplex -der Fovderungün ausgeschalM. Jinnnchm ist durch die am vorgestrigen Tage erzielte Vereinbarung, daß die Banken nicht -mdt Kündigrmgen und RangentIwhu-rlgen Vorgehen werden, eine günstigere Stimnmng geschaffen worden. Man hofft, 'daß am Montag die -Ärdeit wieder voll wird aujgenonnnen wevden kommr. Keine Berschiirfungen mehr! Die Verhandlungsko-nitees in Tätigkeit. Der Anrognng entsprechend, die der BundeMnzler bei den -Beratungen der Vertreter des Ba-Mniv-erbandrs und der Bankettderoi-nigung mit den Vertretern des Reichsvereines der Bank- und Gparkassenbeanrien und des Bundes -der Bank- und Sparkassegehrlftn gegeben hat, wurden gsstevn zwei aus je acht MrtMeÄerrr bestehende Der handln ngskomitees gewählt. Beide Komitees hielten im Laufe des Tages mehrstündige Besprechungen mit -dem Bundeskanzler ab. ,Fn Ausführung de's APPÄls des Bundeskanzlers, daß während der Dauer der Verhandlungen weitere Verschärfungen des,Konfliktes vermieden wevden mögen, wurde zwischen dem BonEenverband und der Bankenvereingu-ng einerseits und dem Reichsderein andvversoits folgende Vereinbarung geschlossen: „Der Reichsvewin sichert zu, in Ergänzung der bisherigen Instruktion für die Streikposten heute früh die Weisung an dieselben ergehen zu lassen, daß die Zahl der Streikposten bei den Eingängen von sechs auf vier zu vermindern ist. Denselben wird gleichzeitig neuerlich eingeschärft werden, die Kommittenten unbehelligt passieren zu lassen und bk Aufforderung zur Legitimierung aus jeden Fall zu unterlassen. Besonders wird noch einmal in Erinnerung gebracht tverden, daß Gewalttätigkeiten und Insulten namentlich s^gen etwa sich zum- Dienste^ meldende Angestellte verbot e n s i n d.- Der Bankende vband und die Bankettvewinigung ihrerseits erteilten die Zusage, ^vahrend der Dauer der unter dem Vorsitz des Bunde'skanKers stattfindenden Ne» -Handlungen mit Kündigungen und Rangst eniziehunge« nicht vorzngehen." Heute vormittags werden die beiden Komitees teim Bundeskanzler zu einer gemeinsame n B er a t u n g ^nsamnpentMken. Das Ttreikdild P unveränd-ekt. Wieder devfa'mrmlieu sich Asterndie Feiernden in den Stveitlokalen, Ivo ihnen die Berichte über die Situation erstattet wuvden. Zwischenfälle zwischen den StreÄPoste» und den Wacheorganen vor den Banke« halben sich gestern nicht ereignet und die Rnihe wurde nirgends gestört. In der Nationalbank, wo Skontisten den Kasseudienst besorgten, wurde dies durch die Betriebsräte abGüstellt. Durch den Anschluß des Personals dtkiser Bank ist, wie schon «bsvickM, die Notrnpresse zm» Stillstand gekommen, «doch verfügt das Institut übel sehr bedeuiendL Barbestände. Die Beamten der Privatbanken haben an den Verband der Banken- und KommrsstonsfMwen vor einigen Tagen Forderungen überreicht, über 'welche gestern VerhaMuugen zwischen dem RckchSver-oin der Bank- und Sparkasseubranürn und dem Vevband der Mener Bv«nl- und KommissionsftMnen stattsandcn. Die bis'hevigen Ergebmsse der Brrh»Mdlungen sind befriedigend uuid Ulan erwartet von der Fortsetzung der VevhaMungen. daß iste zu einem guten Ergebnis führen werden. Die Fordernttgen der Privatbankbeanrten sind die Aner^nnumg der Stellenvermittlung des Reichsveranres, ferner daß Volontäre ohne Gehalt nicht verwendet werden dürfen. Bezüglich der Arboitszvit wird gefordert die siebeneinhaldstündige Arbeit'szeit für die Beamten und die achtstündige Arbektszoit für die Gehilfen und JugeMichen. Ferner eine lnveave GehaltserlMung um 15 Prozent, rückwirke-n-d vom 1. Jänner 1921. Der Bankenverband hielt gestern vormittags interne Beratungen ab, die sich mrk der Stroiklage beschäftigten. Der Notdienst wurde auch' während des gestrigen Tages aufrechterhrbten. Zwischen 11 und 12 Uhr wurden die spärlich erschienener; Parteien abgesertigt, auch konnten die an den Tag gebundenen Lorten in den Banken erledigt werden. Seit dem Bognm des Stvei-es ist das . 1 - Deviseneleaving eingesteM worden, weil die Beamtenschaft seine Mha-lümg unmög» lich geinacht hat. Die De vife «zentrale stellt aber den Banken und Firmen, welche große Betrüge fremder Zahlungsmittel zur Ginlieferung -bringen, dm Gegenwert vn runden Beträgen zur Verfügung. Bei btt Postsparkasse hatten sich die Abhebungen nt den ersten SrreiklagLN außerordentlich vermehrt. Da jedoch die Tätigkeit des Amtes ungestört vor sich ging, ist der Vertchr gostern wieder abgefkmt. und alle Schecks wurden anstandslos und voll smyelost. ZM«d. Handel und Verkehr. Der Budgetausschuß nahm gestern das Budgetkapitel Handel und Verkehr an. In der Debatte wurde viel über den Achtstundentag und den Bankbea mtenstreik geredet. Abg. Dr. Ellenbogen kam auf hie letzte Rede des Judustriellenvertreters Reiner zurück und erklärte, daß in allen Staaten, wo auch nur eine Spur von wirklicher Demokratie vorhanden ist, alle Bestrebungen, die Arbeitszeit zu verlängern, erfolglos geblieben sind. Die Konkurrenzfähigkeit der Volkswirtschaft werde nicht durch die VeMrzung der Arbeitszeit untergraben. Die Industrie möge ihre Technik verbessern und die Banken dafür sorgen, daß die Industrie die notwendigen Kredite für die Wiederherstellung ihres Apparates erhalte. Danw griff Redner den Ersparungskommissär Dr. Hornik an, dessen Amt der Regierung selbst viel Urlannehmlichkeiten bereite, den Beamten das Leben verbittere und sehr viel Geld koste. Die Regiernug^ möge endlich dieses Amt beseitigen. Dr. Eisler sprach der Konsular akabemie jede Existenzberechtigung ab. Durch chren Bestand werde ein großes Gebäude Wohnzwecken entzogen. Handelsminister Dr. Schürff teilte mit, daß von der neuen Hof bürg wohl die Außenfassaden fertiggestellt sind, daß hingegen die Jnnenräume sich zum weitaus größten Teile noch in rohem Zustande befinden. Er plane, das Gebäude zur Erweiterung der st a a t l i ch e n M useen und der Nationalbibliothek hecan^uzfiehen. Unter anderem toerde auch die Gobelins a m m l u n g dort der allgemeinen Besichdigung zugänglich gemacht werden können. Abg. Streeruwitz beschäftigte sich auch mit dem Achtstundentag und meinte, der Achtstundentag sei als Prmzip richtig, er sei aber überstürzt gekommen und habe Nebenerscheinungen mit sich gebracht, die i« einem Betrieb' unter schwierigen Vechältnissen nicht leicht annehmbar sindi Er wolle sich in den Bankbeamte «streik nicht emmischen, aber als ein Mann, der durch zehn Jahrs wenigstens 60 Stunden in der Woche arbeitet, der acht oder zehn Jahre keinen Urlaub genommen, fetran Sonntag gehabt und immer am Samstag Nachmittag gearbeitet hat, habe er bas Recht, darauf hinznweisen, daß der Kampf um eine halbe Stunde über die 42- bis 43stündige wöchentliche Arbeitszeit ihm etwas, derart Unfaßbares ist, daß er es nicht verstehe. Am Schlüsse der Sitzung wurde noch das Kapirel Eisenbahnen durch ein Referat' des Berichterstatiere Dr. O d e h n a l eingeleitet. Sie Sr-Mmg der Hnchfchnir«. Eine Erklärung der sosiaNstischen Hochschullehrer. Die Vermn-isung soziÄ'istischer Hochschullehrer >hat in ihver Volldevsammlnug ein« EnffchUeßung «gefaßt, in dev sie es äußerst drdauerbich findet,-wenn te-r Staat sich außerstaMde erklärt, feine Kulturcmf-gaben zu erfüllen, und sich zum Appell an Private entsMeßt. Es schrnre die Besorgnis begründet -daß di-e Regierung splche Me au.Hevordentlicher M^mfizeivz zu-m Vorwand . nim-urt, um die staatl-ichen Beiträge zur Deckung des forllansendrN oMMichen Bedarfe's der HochschMGitutü nicht nur nicht zu vermehren, sondern vielmehr g u v e r m i n d e tu; die Lohre und Forschu>lrg würde dann z itnnw iird i gem Bettcl bei den GroßZapitalisten gedräirzt. Än den aMemischen Behörderr vor allem fti es, diesen fahren rechtzeitig entgegenzutreten, und wertgeheltde' Sicherung auch von der Regierung zu verlangen. F ranz. fchafwoll-Voile K 29111 WIEN.!. AOLSnaAMC - s T«»fOWl^.7e.£94 '5§tOLi STÖrfü ■! m Äiki

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